Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 05:41

Darkfire hat geschrieben:(10 Feb 2019, 23:18)

Rede dir die Verhältnisse ruhig schön, denn auch in Russland sitzen die Oligarchen im Kreml.
Unter einem Putin sind die normalen Bürger einen Dreck wert wenn sie nicht so funktionieren wie er will und das hat er mit vielen selbstverliebten Oligarchen gemeinsam.

Niemand hat sich was schön geredet. Die Oligarchen sind das Problem. So lange diese Politiker kaufen ist es sehr schlecht in Sachen Demokratie.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 08:13

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 05:41)

Niemand hat sich was schön geredet. Die Oligarchen sind das Problem. So lange diese Politiker kaufen ist es sehr schlecht in Sachen Demokratie.

Deswegen kann die Ukraine ein Vorbild für Russland sein. Nicht deshalb, weil es einfach wäre, das postsowjetische Erbe abzuschütteln, sondern weil das Volk selbst die Rückkehr zur Verfassung und freie Wahlen erzwingen kann.
Im Zuge des Euromaidan sind alle Oppositionspolitiker aus dem Gefängnis frei gekommen und Janukowitsch - Inbegriff der Korruption - exilierte beim Kriegsgegner. Seit dem gibt es wieder freie Wahlen und offene Diskussionen.
Bedeutet dies, dass es gar keine Probleme mehr gäbe und paradiesische Zustände für alle herrschten? Nein.

Sollte sich das russische Volk gegen das mafiöse System erheben, wird es auch nicht ganz einfach sein, absolut nicht. Aber es wird ein Beispiel vor Augen haben, wie es gelingen kann.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 09:03

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Feb 2019, 08:13)

Deswegen kann die Ukraine ein Vorbild für Russland sein. Nicht deshalb, weil es einfach wäre, das postsowjetische Erbe abzuschütteln, sondern weil das Volk selbst die Rückkehr zur Verfassung und freie Wahlen erzwingen kann.
Im Zuge des Euromaidan sind alle Oppositionspolitiker aus dem Gefängnis frei gekommen und Janukowitsch - Inbegriff der Korruption - exilierte beim Kriegsgegner. Seit dem gibt es wieder freie Wahlen und offene Diskussionen.
Bedeutet dies, dass es gar keine Probleme mehr gäbe und paradiesische Zustände für alle herrschten? Nein.

Sollte sich das russische Volk gegen das mafiöse System erheben, wird es auch nicht ganz einfach sein, absolut nicht. Aber es wird ein Beispiel vor Augen haben, wie es gelingen kann.

Das stimmt einfach nicht.
Journalisten sitzen in Haft mit fadenscheinigen Begründungen.
Talkshows werden von maskierten gestalten besetzt wenn die nicht nach deren Wunsch verläuft.
Und Ukraine soll ein Vorbild für Russland sein? Mit deren Mafia Struktur? Ich würde ja verstehen wenn Ukraine ein Musterbeispiel wäre. Ist es nicht. Das haben schon viele eingesehen. Warum arbeiten Millionen Ukrainer in Russland? Weil Ukraine ein Beispiel für Russland dar stellt?
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 09:21

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:03)

Das stimmt einfach nicht.
Journalisten sitzen in Haft mit fadenscheinigen Begründungen.
Talkshows werden von maskierten gestalten besetzt wenn die nicht nach deren Wunsch verläuft.
Und Ukraine soll ein Vorbild für Russland sein? Mit deren Mafia Struktur? Ich würde ja verstehen wenn Ukraine ein Musterbeispiel wäre. Ist es nicht. Das haben schon viele eingesehen. Warum arbeiten Millionen Ukrainer in Russland? Weil Ukraine ein Beispiel für Russland dar stellt?

Die führende Oppositionspolitikerin prangert Korruption an. Dennoch ist es jetzt undenkbar, dass sie deshalb ins Gefängnis käme.
In Russland kommt der Korruptionskritiker Nawalny regelmässig ins Gefängnis, obwohl er nicht mal eine ernsthafte Chance hätte, Präsident zu werden.

In Süditalien arbeiten relativ viele für Mafia-Unternehmen. Dennoch ist nicht die Mafia Vorbild, sondern die funktionierende Institution weiter nördlich. Oder auch mal ein Staatsanwalt, der sich gegen die Mafia stellt. Alles schon vorgekommen.

3. Die Ukraine befindet sich im Kriegszustand. Churchill ließ im 2. Weltkrieg rund 1.000 Personen festnehmen, die im Verdacht standen, mit dem Feind zu kollaborieren.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 09:34

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:21)

Die führende Oppositionspolitikerin prangert Korruption an. Dennoch ist es jetzt undenkbar, dass sie deshalb ins Gefängnis käme.
In Russland kommt der Korruptionskritiker Nawalny regelmässig ins Gefängnis, obwohl er nicht mal eine ernsthafte Chance hätte, Präsident zu werden.

In Süditalien arbeiten relativ viele für Mafia-Unternehmen. Dennoch ist nicht die Mafia Vorbild, sondern die funktionierende Institution weiter nördlich. Oder auch mal ein Staatsanwalt, der sich gegen die Mafia stellt. Alles schon vorgekommen.

3. Die Ukraine befindet sich im Kriegszustand. Churchill ließ im 2. Weltkrieg rund 1.000 Personen festnehmen, die im Verdacht standen, mit dem Feind zu kollaborieren.

Hängt vielleicht damit zusammen, dass navalny Gesetze bricht?
Die Ukraine ist kein Beispiel für Russland, dieses gespinne kannst du gleich sein lassen. Nur weil man ein Kreuz setzen kann heißt es noch lange nicht es sei eine Demokratie. Das gleiche gilt für Russland
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 09:46

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:34)

Hängt vielleicht damit zusammen, dass navalny Gesetze bricht?
Just der einzige prominente Korruptionskritiker bricht Gesetze ? In einem Land, in dem Gesetze wenig gelten und die Justiz gesteuert wird?
Und in der Ukraine kann natürlich niemand gegen Gesetze verstoßen, schon gar nicht Kollaborateure. ;)
Die Ukraine ist kein Beispiel für Russland, dieses gespinne kannst du gleich sein lassen. Nur weil man ein Kreuz setzen kann heißt es noch lange nicht es sei eine Demokratie. Das gleiche gilt für Russland
Oder für die Krim, wo die Besatzungsmacht ein sog. Referendum durchführen ließ, ohne internationale Beobachtung und dies Propagandisten als Beweis dafür darstellen, alle seien glücklich und jubelten der Besatzung zu.

Der Euromaidan ist ein Beispiel dafür, wie das Volk Druck machen kann, an der Korruption vorbei.
Es gibt eine russische Historikerin, die diesen Vorgang schon als beachtlich einstuft.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 09:53

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:46)

Just der einzige prominente Korruptionskritiker bricht Gesetze ? In einem Land, in dem Gesetze wenig gelten und die Justiz gesteuert wird?
Und in der Ukraine kann natürlich niemand gegen Gesetze verstoßen, schon gar nicht Kollaborateure. ;)
Oder für die Krim, wo die Besatzungsmacht ein sog. Referendum durchführen ließ, ohne internationale Beobachtung und dies Propagandisten als Beweis dafür darstellen, alle seien glücklich und jubelten der Besatzung zu.

Der Euromaidan ist ein Beispiel dafür, wie das Volk Druck machen kann, an der Korruption vorbei.
Es gibt eine russische Historikerin, die diesen Vorgang schon als beachtlich einstuft.

In der Ukraine wird die Justiz von poroshenkos Buddy gesteuert.
Krim ist russich da kannst du sonst was propagieren.

Wie man jetzt weiß wurde der maidan von Oligarchen gesteuert weil janukovitsch zu gierig geworden ist. Warten wir man die Wahlen jetzt ab und sehen wie es ausgeht.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 10:02

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:53)

In der Ukraine wird die Justiz von poroshenkos Buddy gesteuert.
Dem widerspricht, dass es nicht nur einen "Nawalny" gibt, sondern sogar aussichtsreiche Oppositionskandidaten sowie eine teils sehr lebhafte gesellschaftliche Debatte.

Krim ist russich da kannst du sonst was propagieren.
Dein Argument war, Demokratie sei mehr als nur ein Kreuzchen zu setzen. In den besetzten Gebieten gibt es in der Tat keinerlei Demokratie. Ob man das nun russisch oder ukrainisch nennt, ist diesbezüglich sekundär. Aber nach internationaler Auffassung ist die Krim ebenso ukrainisch wie der Donezk oder Lugansk.
Wie man jetzt weiß wurde der maidan von Oligarchen gesteuert weil janukovitsch zu gierig geworden ist. Warten wir man die Wahlen jetzt ab und sehen wie es ausgeht.

Du sagst es selbst - der Ausgang der Wahlen ist völlig offen. Indirekt räumst du damit ein, dass es einen durchaus demokratischen Prozess gibt. Ist ja auch naheliegend, um nicht zu sagen zwingend.

Eine kleine Nachreichung noch.
Die russische Historikerin Dr. Schewzowa:
Es gibt sehr beängstigende Signale. Die Ukraine hat auf der einen Seite ihre alte Führung vertrieben, aber auf der anderen Seite das Signal ausgelöst, das verkündet, dass im postsowjetischen Raum eine Ära zu Ende gegangen ist.
http://de.euromaidanpress.com/2016/01/0 ... erbrochen/
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 11:16

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:02)

Dem widerspricht, dass es nicht nur einen "Nawalny" gibt, sondern sogar aussichtsreiche Oppositionskandidaten sowie eine teils sehr lebhafte gesellschaftliche Debatte.

Dein Argument war, Demokratie sei mehr als nur ein Kreuzchen zu setzen. In den besetzten Gebieten gibt es in der Tat keinerlei Demokratie. Ob man das nun russisch oder ukrainisch nennt, ist diesbezüglich sekundär. Aber nach internationaler Auffassung ist die Krim ebenso ukrainisch wie der Donezk oder Lugansk.

Du sagst es selbst - der Ausgang der Wahlen ist völlig offen. Indirekt räumst du damit ein, dass es einen durchaus demokratischen Prozess gibt. Ist ja auch naheliegend, um nicht zu sagen zwingend.

Eine kleine Nachreichung noch.
Die russische Historikerin Dr. Schewzowa: http://de.euromaidanpress.com/2016/01/0 ... erbrochen/

Die Menschen auf der Krim haben ihren Willen bekundet. Das bleibt dabei. Demokratischer geht's schon kaum

Welcher oppositionelle ist denn so stark und hätte Chance auf einen Sieg in Russland?

Die Wahlen in der Ukraine können hässlich werden. Die jetzige Regierung hat die Menschen vor einem nächsten maidan gewarnt. Mehr nicht. Egal wer an der Spitze sitzt, das sagen hat die Mafia im ukrainischen Staat.


Deine eiromaidan Propaganda Presse sagt nicht ganz die Wahrheit.
Wen hat der maidan Vertrieben außer janukovitsch? ALLE Oligarchen die Korrupt sind, sind weiterhin an der Macht und berauben das Volk. Diese euromaidan Propaganda Seite erwähnt das nicht
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 11:30

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:16)

Die Menschen auf der Krim haben ihren Willen bekundet. Das bleibt dabei. Demokratischer geht's schon kaum

Die Ukrainer haben in freien und international beobachteten Wahlen ihren Willen bekundet.

Das Besatzungsrecht verlangt, dass Zivilpersonen auf der Krim den Konventionen entsprechend behandelt werden.
Es gibt Berichte, wonach das nicht immer eingehalten wird. Der Bürger Sentzov beispielsweise will die russ. Staatsbürgerschaft gar nicht annehmen, ist aber zwangsweise nach Russland deportiert worden.

Welcher oppositionelle ist denn so stark und hätte Chance auf einen Sieg in Russland?
Niemand, das Regime hat alles in der Hand. Wahlen und Parlament sind zu einer Farce verkommen.

Die Wahlen in der Ukraine können hässlich werden. Die jetzige Regierung hat die Menschen vor einem nächsten maidan gewarnt. Mehr nicht. Egal wer an der Spitze sitzt, das sagen hat die Mafia im ukrainischen Staat.
Die Sicherheitskräfte sind darauf vorbereitet, Störungen der Wahl zu unterbinden.

Deine eiromaidan Propaganda Presse sagt nicht ganz die Wahrheit.
Wen hat der maidan Vertrieben außer janukovitsch? ALLE Oligarchen die Korrupt sind, sind weiterhin an der Macht und berauben das Volk. Diese euromaidan Propaganda Seite erwähnt das nicht
Die Quelle gibt die Ausführungen der russischen Historikerin Dr. Schewzowa wieder.
Diese wünscht den Ukrainern "Hoffnung" (wörtlich) und glaubt, dass sich auch Russland "von den Knien" erheben könne.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 11. Feb 2019, 14:04

Audi hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:53)
In der Ukraine wird die Justiz von poroshenkos Buddy gesteuert.
Krim ist russich da kannst du sonst was propagieren.

Historisch gesehen wurde gerade das Gebiet der Krim von allen möglichen Völkerschaften besiedelt. So kann man das schon erstmal nicht definieren. Ostpreußen, das Gebiet von Kaliningrad ... das wurde kulturhistorisch stark von Deutschen geprägt. Aber es ist - im Gegensatz zur Krim - tatsächlich russisch. Ganz einfach weil es dazu völkerrechtlich anerkannte und bindende Verträge gibt.


Wie man jetzt weiß wurde der maidan von Oligarchen gesteuert weil janukovitsch zu gierig geworden ist. Warten wir man die Wahlen jetzt ab und sehen wie es ausgeht.[/quote]

Wie man hört tritt Julia Tymoschenko als bislang aussichtsreichste Kandidatin an. Von der Perestroika-Gewinnerin und Videothekenbesitzerin über die Zypern-Connection zur Großunternehmerin. Die Tatsache, dass ihre Wahlsversprechen nicht in konkreten Maßnahmen und Plänen sondern in schwammigen Versprechungen bestehen, der ukrainischen Nation wieder zu "Ehre und Größe" zu verhelfen, sagt mir, dass es in der Ukraine in absehbarer Zeit nur schlimmer werden kann.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 14:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2019, 14:04)

Historisch gesehen wurde gerade das Gebiet der Krim von allen möglichen Völkerschaften besiedelt. So kann man das schon erstmal nicht definieren. Ostpreußen, das Gebiet von Kaliningrad ... das wurde kulturhistorisch stark von Deutschen geprägt. Aber es ist - im Gegensatz zur Krim - tatsächlich russisch. Ganz einfach weil es dazu völkerrechtlich anerkannte und bindende Verträge gibt.

Völkerrechtlich gesehen ist die ganze Ukraine ukrainisch, eine Auswahloption durch einen größeren Nachbarstaat ist nicht vorgesehen.

Wie man hört tritt Julia Tymoschenko als bislang aussichtsreichste Kandidatin an. Von der Perestroika-Gewinnerin und Videothekenbesitzerin über die Zypern-Connection zur Großunternehmerin. Die Tatsache, dass ihre Wahlsversprechen nicht in konkreten Maßnahmen und Plänen sondern in schwammigen Versprechungen bestehen, der ukrainischen Nation wieder zu "Ehre und Größe" zu verhelfen, sagt mir, dass es in der Ukraine in absehbarer Zeit nur schlimmer werden kann.

Grundsätzlich ist ein möglicher Amtswechsel erstmal nichts per se Schlimmes.
Timoschenko hat bereits Regierungserfahrung und ihre Partei hat wohl auch soziale Komponenten im Programm. Es ist hier allerdings sehr wenig darüber zu lesen, wer was genau will. Aber ich glaube, die Ukrainer selbst bekommen viel mehr mit.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon imp » Mo 11. Feb 2019, 14:20

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2019, 14:04)

Wie man hört tritt Julia Tymoschenko als bislang aussichtsreichste Kandidatin an. Von der Perestroika-Gewinnerin und Videothekenbesitzerin über die Zypern-Connection zur Großunternehmerin. Die Tatsache, dass ihre Wahlsversprechen nicht in konkreten Maßnahmen und Plänen sondern in schwammigen Versprechungen bestehen, der ukrainischen Nation wieder zu "Ehre und Größe" zu verhelfen, sagt mir, dass es in der Ukraine in absehbarer Zeit nur schlimmer werden kann.

Nationale Phrasen sind preiswert, die realen Spielräume zwischen außenpolitischen Zusagen, machttaktischen Rücksichten und militärischen und finanziellen Möglichkeiten eher gering. Wenn Timoschenko in einer halbwegs vorzeigbaren Wahl gewinnen sollte und hinterher ohne große Zwischenfälle auch ins Amt kommt, wäre das sowas wie ein Dokument demokratischer Normalität - auf welcher dünnen Grundlage auch immer. Das kann der Ukraine Anerkennung verschaffen, aber auch Spielräume für Revisionen, die der aktuelle Präsident nicht mehr hat. Das gilt auch, wenn man von Timoschenko als Person und ihrem politischen Programm nicht viel hält.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 11. Feb 2019, 14:30

imp hat geschrieben:(11 Feb 2019, 14:20)

Nationale Phrasen sind preiswert, die realen Spielräume zwischen außenpolitischen Zusagen, machttaktischen Rücksichten und militärischen und finanziellen Möglichkeiten eher gering. Wenn Timoschenko in einer halbwegs vorzeigbaren Wahl gewinnen sollte und hinterher ohne große Zwischenfälle auch ins Amt kommt, wäre das sowas wie ein Dokument demokratischer Normalität - auf welcher dünnen Grundlage auch immer. Das kann der Ukraine Anerkennung verschaffen, aber auch Spielräume für Revisionen, die der aktuelle Präsident nicht mehr hat. Das gilt auch, wenn man von Timoschenko als Person und ihrem politischen Programm nicht viel hält.


Und wenn der zweitaussichtsreichste Kandidat Selenskyj in einer ebenso vorzeigbaren Wahl gewänne, wäre das zusätzlich noch das Zeichen für einen Neuanfang.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon imp » Mo 11. Feb 2019, 14:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2019, 14:30)

Und wenn der zweitaussichtsreichste Kandidat Selenskyj in einer ebenso vorzeigbaren Wahl gewänne, wäre das zusätzlich noch das Zeichen für einen Neuanfang.

In der Tat. Aber warten wir doch erst einmal ab, was die Auszählung der Wahl ergibt und wie die Begleitumstände bewertet werden, bevor wir hier zu weit voraus denken. Mit Poroschenko verbindet sich derzeit keine Idee, wie es mit dem Land vorwärts gehen kann. Aber wenn die Leute ihn trotzdem wählen, muss man eben vorerst mit diesen Bedingungen arbeiten.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 14:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2019, 14:30)

Und wenn der zweitaussichtsreichste Kandidat Selenskyj in einer ebenso vorzeigbaren Wahl gewänne, wäre das zusätzlich noch das Zeichen für einen Neuanfang.

Dazu wird der "Echo Moskwy" wie folgt zitiert:
„Viele mag abschrecken, dass ihm politische und administrative Erfahrungen fehlen, aber die Ukraine wird nicht mit dem Verstand wählen, sondern mit dem Herzen und aus Protest - und das ist gut so. Er hat in den vergangenen Jahren eine recht scharfe antirussische Position vertreten. ... Doch egal, wer die Wahl gewinnt: Auf eine Verbesserung der russisch-ukrainischen Beziehungen zu hoffen, ist weltfremd.
https://www.eurotopics.net/de/212392/uk ... lkampf-auf

Nichts gegen Kritik an der russisch-föderalen Aggression, aber etwas administrative Erfahrung wäre wohl schon besser, rein pragmatisch gesehen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 15:20

Es verspricht, ein spannender Wahlkampf zu werden...

Timoschenko spricht immer wieder die Sorgen der kleinen Leute an, programmatisch heißt das - der Gaspreis soll einen Monat nach Amtsübernahme halbiert werden.
Außerdem sei das Parlament durch eine Verfassungsreform zu stärken.
Die Korruption sei ein innerer Aggressor und damit ein „Diener des Kremls“. Ein realer Frieden müsse her, der Wiederaufbau des Donezker Flughafens und natürlich die Rückholung des Donbass und der Krim.

Außenpolitisch wird´s eh interessant - in die NATO will sie sofort und die europäische Integration voran treiben. Das bisherige Normandie-Format will sie mit USA, Großbritannien und China ersetzen.

Den populären Patriotismus beherrscht sie natürlich spielend - vor ihrem Auftritt singt ein kleines Mädchen die Nationalhymne.

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... chaft.html
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 11. Feb 2019, 15:23

was nennt er ein oligarch? ein kleptokrat?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 11. Feb 2019, 15:31

Timoschenko Is Back

Eine teils kritische Reflektion von "Arte":



"Wir werden Frieden erkämpfen", sagt sie.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Audi » Mo 11. Feb 2019, 15:43

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Feb 2019, 15:20)

Es verspricht, ein spannender Wahlkampf zu werden...

Timoschenko spricht immer wieder die Sorgen der kleinen Leute an, programmatisch heißt das - der Gaspreis soll einen Monat nach Amtsübernahme halbiert werden.
Außerdem sei das Parlament durch eine Verfassungsreform zu stärken.
Die Korruption sei ein innerer Aggressor und damit ein „Diener des Kremls“. Ein realer Frieden müsse her, der Wiederaufbau des Donezker Flughafens und natürlich die Rückholung des Donbass und der Krim.

Außenpolitisch wird´s eh interessant - in die NATO will sie sofort und die europäische Integration voran treiben. Das bisherige Normandie-Format will sie mit USA, Großbritannien und China ersetzen.

Den populären Patriotismus beherrscht sie natürlich spielend - vor ihrem Auftritt singt ein kleines Mädchen die Nationalhymne.

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... chaft.html

Der IWF forderte doch höhere Preise sonst kein Geld. Was will tymoshenko daran ändern?
Und ja, der Kreml ist jetzt böse weil die Ukraine bis ins Mark korrupt ist :D :thumbup:

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