Künstliche Intelligenz

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Tom Bombadil
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Tom Bombadil » So 10. Feb 2019, 18:52

H2O hat geschrieben:(10 Feb 2019, 17:57)

Not invented in the USA; das war wohl ihr wesentlicher Mangel.

Pascal wurde von Wirth als Lehrsprache entworfen, um das strukturierte und prozedurale Programmieren unter's Volk zu bringen. Ich habe zuerst mit Basic programmiert und dann mit Pascal, das war schon ein großer Fortschritt. Wer will, kann auch heute noch mit Pascal programmieren: https://freepascal.org/ Eine schöne IDE gibt es auch (die Borland IDE lässt grüßen): http://www.lazarus-ide.org/ C und später C++ waren dann aber für grosse Softwareprojekte einfach besser geeignet und der kompilierte Code war auch schneller.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon H2O » So 10. Feb 2019, 19:55

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Feb 2019, 18:52)

Pascal wurde von Wirth als Lehrsprache entworfen, um das strukturierte und prozedurale Programmieren unter's Volk zu bringen. Ich habe zuerst mit Basic programmiert und dann mit Pascal, das war schon ein großer Fortschritt. Wer will, kann auch heute noch mit Pascal programmieren: https://freepascal.org/ Eine schöne IDE gibt es auch (die Borland IDE lässt grüßen): http://www.lazarus-ide.org/ C und später C++ waren dann aber für grosse Softwareprojekte einfach besser geeignet und der kompilierte Code war auch schneller.


Vielen Dank für diese klaren Zuordnungen. C und C++ sind mir erst begegnet, als ich schon nicht mehr selbst programmieren durfte. Für mich und meinen Hintergrund war der Code eine Art Stenographie. Wir mußten ohnehin mit Ada programmieren und ich durfte nicht mehr. So habe ich die Anbindung an die Programmierung ganz verloren.

Doch noch einmal zurück zu neuromorpher HW. Darf ich mir darunter eine Rechnervernetzung vorstellen, wie sie vor 50 Jahren mit Transputern versucht wurde, nur eben mit noch mehr seriellen Schnittstellen und das alles auf einem Chip?
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon imp » So 10. Feb 2019, 20:12

Zum Thema künstliche Intelligenz teilt der Herr Apel gern sich mit: http://www.apel-web.de/artikel/Pflasterstrand85.pdf
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Dissident » So 10. Feb 2019, 20:40

Alter Stubentiger hat geschrieben:(10 Feb 2019, 17:50)

Damals stand man auch immer kurz beim Durchbruch bei der KI. Es gab auch Sprachen die Lisp, Prolog oder Algol. Sicher alles sehr interessant. Aber letztlich nichts um einen T-1000 zu realisieren.


Wobei ich bei der T-Serie nicht von einem Bewusstsein sprechen würde, nicht mal rudimentär. Das sind alles nur Ansammlungen von Algorithmen, die bei der Interaktion mit Menschen lernen, menschlicher zu werden in den Augen ihres Umfeldes.
Der T-1000 ist auch nicht wirklich intelligent, so bemerkt er Fehlfunktionen an seiner Mimikry, zieht aber nicht den Schluss daraus, dass selbige dadurch auffliegen könnte.
Ich denke, so ein Programm könnte man heute schon in einem Großrechner simulieren.
Einen touch menschlich wird dann die Terminatrix T-X, als sie im Angesicht der unausweichlichen eigenen Zerstörung einfach nur noch schreit.
Dem gegenüber macht Skynet, als deutlich höher entwickeltes Bewusstsein mit viel mehr Rechenleistung, immer noch maschinelle Fehler, etwa als es nicht versteht, dass Marcus lieber den menschlichen Zustand wählt.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon BlueMonday » So 10. Feb 2019, 20:53

H2O hat geschrieben:(10 Feb 2019, 17:57)

Mit LISP und Prolog konnte ich keine Erfahrungen sammeln. Wohl aber mit ALGOL und später PASCAL. Diese Sprachen haben mit künstlicher Intelligenz nichts am Hut. Beide Sprachen waren eine Wohltat gegenüber allem, was damals sonst noch im Umlauf war. Not invented in the USA; das war wohl ihr wesentlicher Mangel.


Man kann sicherlich auch mit Pascal ein neuronales Netz implementieren. Die konkrete Sprache ist eher nebensächlich. Am Ende hat man immer Maschinencode. Letzlich könnte man auch mit der ältesten Programmiersprache (sprich Assembler) eine KI implementieren, was gar nicht so abwegig ist, da sie der Hardware am nächsten ist und ohne den Ballast höherer Sprachen auskommt.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon H2O » So 10. Feb 2019, 21:58

BlueMonday hat geschrieben:(10 Feb 2019, 20:53)

Man kann sicherlich auch mit Pascal ein neuronales Netz implementieren. Die konkrete Sprache ist eher nebensächlich. Am Ende hat man immer Maschinencode. Letzlich könnte man auch mit der ältesten Programmiersprache (sprich Assembler) eine KI implementieren, was gar nicht so abwegig ist, da sie der Hardware am nächsten ist und ohne den Ballast höherer Sprachen auskommt.


Ja, lieber Bluemonday, nur hilft niemandem, diese Verwandtschaft zu suchen. Das Prinzip der neuromorphen Rechner liegt eben nicht in einem geordneten seriellen Ablaufschema, mit dem wir uns angefreundet haben, sondern in parallelen Abläufen,
von denen viele Leute viel reden.... aber am Ende wenig verstehen. Das soll unsere Forscher aber nicht davon abhalten, diesen Dingen auf die Spur zu kommen.

Mein Gefühl sagt mir, daß wir als Menschheit und Wissenschaft da stehen, wo wir begriffen hatten, daß unser genutztes Zahlensystem sehr weit fortgeschritten ist, aber seine Zerlegung in Binärzahlen am besten geeignet ist für elektronische Zahlenverarbeitung. Wenn man Leibniz diese Erfindung abspricht, dann landet man im alten China. Und dann stelle ich mir vor, daß wir gerade soeben die Wirkungsweise eines Gehirnpräparats auf wiederholte Anreize wissenschaftlich erfaßt haben. Wie die Sache aber in einem "richtigen Gehirn" abläuft, das ist in keiner Weise wissenschaftlich geklärt. Natürlich wird es so viele Hypothesen dazu geben wie Forscher. Nun finde man die heraus, die am nächsten bei der Wirklichkeit liegt.

Ich halte es für wahrscheinlich, daß unsere Forschungen noch viele hochinteressante Dinge heraus finden werden, die am Ende nichts mit der eigentlich gesuchten Hirnfunktion zu tun haben. Das zeigen mir die vielen ganz erfolgreichen Anwendungen der Mustererkennung mit herkömmlichen Bausteinen der Technik und des Wissens. Oder Systeme, die offenbar Bestandteile unserer Sprachkommunikation nutzen, um unsere Stimmung heraus zu hören... was unser Gehirn gar nicht leisten kann... jedenfalls sagt das der Fachartikel in DIE ZEIT so.

Vor fast 60 Jahren habe ich einmal in einer Studienarbeit eine HW gebaut, die das Hüllkurvenhörvermögen des menschlichen Hörvermögens nachbildete. Das Ohr findet also Dinge heraus, die ein Spektrumanalysator in einem Originalgeräusch nicht finden kann. Noch später kam dann eine Anwendung dazu, die solche Signale in weit von unserem Hörvermögen entfernten Bereichen nutzten. Man sollte heute gar nicht denken, daß das ganz offenkundig Hörbare mit den damals bekannten Mitteln technisch nicht faßbar war. Am Ende höchst einfach und zum rot Werden! Wie unser Hörvermögen das aber tatsächlich bewerkstelligt... das weiß wohl bis heute niemand. Meinen primitiven Apparat vermute ich an der Stelle bestimmt nicht.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Perdedor » Mo 11. Feb 2019, 01:42

Alter Stubentiger hat geschrieben:Das menschliche Gehirn hat freilich keine 4 Millionen Neuronen sondern 100 Milliarden. Wir brauchen also 25000 Schränke dieser Größe für ein künstliches meschliches Gehirn. Und man braucht 100 Billionen Schaltstellen/Synapsen statt einer Milliarde .


In den letzten 6 Jahren stieg die Anzahl der simulierten Neuronen durch neuromorphe Chips um den Faktor 200000 (s.o.). Bei simpler Extrapolation würde es also noch ca. 4 Jahre dauern bis man 100 Milliarden erreicht. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Die Grenzen der von Neumann Architektur gelten hier zumindest nicht.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 11. Feb 2019, 08:22

Alter Stubentiger hat geschrieben:(08 Feb 2019, 15:33)

Wir können Zusammenhänge erfassen indem wir Dingen ohne berechenbare Zusammenhänge in Bezug zueinander bringen. Einfach so. Das ist Kreativität.

Und ich dass auch das Intelligenz ohne Bewußtsein keine Intelligenz ist. Aber ein Bewußtsein ist ja gar nicht erwünscht. Schließlich will man beim autonomen Fahren nicht mit unerklärlichen Reaktionen der KI überrascht werden.


Nee. Das will man bestimmt nicht. Ich will auch ganz sicher nicht, dass sich meine Taschenrechner-Applikation ab und zu mal verrechnet. Nur ist das alles eben nicht "Intelligenz".

Der schwierige Punkt ist, dass auch dieses "ohne berechenbare Zusammenhänge in Bezug zueinander bringen" natürlicher Lebewesen letztendlich auf biochemischen Prozessen beruht. Der eigentlich naheliegende Gedanke, dass es der Indeterminismus der Quantenphysik ist, der hier einen echten Zufall, eine echte Spontanität hineinbringt, wird - so habe ich jedenfalls verschiedentlich gelesen - kritisch gesehen. Die Zufälligkeit der Quantenphysik liege strukturell mehrere Stufen niedriger als die biochemischen Vorgänge und spiele dort angeblich eigentlich keine Rolle. Ich denke oft über solche Fragen nach. Das sogenannte "Maschinenparadigma" ist eine eigentlich lange lange aus der Zeit gefallene Vorstellung aus dem 18., 19. Jahrhundert. Vor allem in Frankreich. Wonach auch Lebewesen eigentlich nur als ziemlich komplizierte Maschinen aufzufassen seien . Kehrt dieses Paradigma mit den Forschungen zu Genetik, Neurowissenschaften usw. durch die Hintertür zurück? Und wenn Lebewesen nicht einfach nur nach letztendlich deterministischen Algorithmen laufende Uhrwerke sind. Auf welcher Ebene entsteht dann tatsächliche Zufälligkeit und Spontanität?

Aussagen wie die, dass es eines sozialen oder raumzeitlichen Eigenbewusstseins bedarf, um tatsächliche starke Intelligenz entstehen zu lassen, liegen für mich irgendwo in einem Graubereich zwischen Philosophie und exakter Naturwissenschaft. Eine Meinung dazu habe ich noch nicht wirklich gefunden.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 11. Feb 2019, 10:24

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Feb 2019, 12:50)
Erklärst du mir mal ganz konkret, wie du dir vorstellst, wie ein neuronales Netzwerk lernt?

Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass das diese Überlegungen natürlich Zukunftsmusik sind.

Aktuell lernen die NNs über massenhaft Daten die mit den entsprechenden Labels versehen sind. Das NN generiert Warscheinlichkeiten der Lösungen und je richtiger das Ergebnis, desto mehr wird das Netzwerk (die Gewichtungen zwischen den Neuronen) über Backpropagation verstärkt.

Ähnlich funktioniert es ja auch in unserem Gehirn. Wir haben aber noch tolle Mechanismen, die es bei Künstlichen NNs noch nicht gibt. z.B. wiederholt der Hippocampus kurzzeitig gelerntes in der Nacht in Richtung Cortex, damit es ins Langzeitgedächtnis kommt.
Ich gehe davon aus, dass wir es irgendwann schaffen von den massenhaft gelabelten Daten wegzukommen und ein einziges Erlebnis (feuer = heiß!) das neuronale Netz anpassen kann. So wie es bei uns Menschen ja schon ist..
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 11. Feb 2019, 13:51

watisdatdenn? hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:24)

Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass das diese Überlegungen natürlich Zukunftsmusik sind.

Aktuell lernen die NNs über massenhaft Daten die mit den entsprechenden Labels versehen sind. Das NN generiert Warscheinlichkeiten der Lösungen und je richtiger das Ergebnis, desto mehr wird das Netzwerk (die Gewichtungen zwischen den Neuronen) über Backpropagation verstärkt.

Ähnlich funktioniert es ja auch in unserem Gehirn. Wir haben aber noch tolle Mechanismen, die es bei Künstlichen NNs noch nicht gibt. z.B. wiederholt der Hippocampus kurzzeitig gelerntes in der Nacht in Richtung Cortex, damit es ins Langzeitgedächtnis kommt.

Einfach so eine Komprimierung, Indexierung, Garbage Collection usw. und dann Verschiebung in andere Speicherbereiche .... das sind lange lange schon klassische algorithmische Verfahren z.B. bei DB-Technologien. Ich komme wieder und wieder zu dem Schluss, dass der Dreh- und Angelpunkt beim entscheidenden Unterschied zwischen maschinellem Lernen, Musterkennungsalgorithmen auf der einen und Intelligenz von lebendigen Organismen auf der anderen Seite eben eine Art gebändigter Indeterminismus mit Rückkopplungsmöglichkeit ist. Lebendige Systeme bewegen sich versuchsweise in Richtung Chaosrand, ohne jedoch den Schritt zur strukturellen Selbstzerstörung zu vollziehen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 11. Feb 2019, 14:42

BlueMonday hat geschrieben:(10 Feb 2019, 20:53)

Man kann sicherlich auch mit Pascal ein neuronales Netz implementieren. Die konkrete Sprache ist eher nebensächlich. Am Ende hat man immer Maschinencode. Letzlich könnte man auch mit der ältesten Programmiersprache (sprich Assembler) eine KI implementieren, was gar nicht so abwegig ist, da sie der Hardware am nächsten ist und ohne den Ballast höherer Sprachen auskommt.


Sicher. Man kann sicher auch Holzräder an einen Porsche bauen. Irgendwie geht immer alles. Nur sinnvoll ist dies nicht. Man hat sich schon was davon versprochen für spezielle Aufgabenstellungen spezielle Programmiersprachen zu schaffen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon van Kessel » Mo 11. Feb 2019, 14:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Feb 2019, 13:51)
.... eine Art gebändigter Indeterminismus mit Rückkopplungsmöglichkeit ist.
der Indeterminismus beinhaltet schon in seiner Natur die Variabilität; ansonsten es ja Determinismus wäre.
Offen gestanden weiß ich nicht, ob der Determinismus/Indeterminismus überhaupt relevant für die KI-Frage ist, denn eine KI hat - oder hat keine - Willensfreiheit da es ja ein geschaffenes Objekt ist und so vom 'Schöpfer' abhängig. Determinismus vs. Indeterminismus ist -imho - ein humanoides Problem, kein KI-Problem.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 11. Feb 2019, 14:46

Perdedor hat geschrieben:(11 Feb 2019, 01:42)

In den letzten 6 Jahren stieg die Anzahl der simulierten Neuronen durch neuromorphe Chips um den Faktor 200000 (s.o.). Bei simpler Extrapolation würde es also noch ca. 4 Jahre dauern bis man 100 Milliarden erreicht. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Die Grenzen der von Neumann Architektur gelten hier zumindest nicht.

Extrapolation ist eine Falle. Darauf habe ich schon hingewiesen. Die Grenzen der Strukturverkleinerung gelten für alles was auf Wafern/Siliziumwafern basiert.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Little Joe » Mo 11. Feb 2019, 15:33

Perdedor hat geschrieben:(11 Feb 2019, 01:42)

In den letzten 6 Jahren stieg die Anzahl der simulierten Neuronen durch neuromorphe Chips um den Faktor 200000 (s.o.). Bei simpler Extrapolation würde es also noch ca. 4 Jahre dauern bis man 100 Milliarden erreicht. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Die Grenzen der von Neumann Architektur gelten hier zumindest nicht.


Bitte Quellen angeben ! Desweiteren ist zu bezweifeln ob die aktuellsten neuromorphen Chips die gleiche Komplexität aufweisen, wie jene vor 6 Jahren. Jedes einzelne Neuron ist mit tausenden Synapsen verknüpft und beinhaltet Millionen von Neurotransmitter Molekülen. Eventuell hat jene Neuronale Simulation, welche die Anzahl der einbezogenen Neuronen um den Faktor 200 000 im Vergleich zu 2012 übertrifft einfach auf einer geringere Komplexitätsstufe simuliert bzw. aus Annäherungszwecken eine größere Anzahl einbezogen, hierfür aber weniger wert auf´s Detail gelegt ?

Wenn der jeweilige Artikel auf den du dich beziehst zur Verfügung steht sieht die Sachlage vielleicht völlig anders aus.



"Das nun fertiggestellte System besteht aus 20 Siliziumwafern mit insgesamt vier Millionen Neuronen und einer Milliarde synaptischer Verbindungen. Lern- und Entwicklungsprozesse können dort mit einem tausendfachen Beschleunigungsfaktor nachgeahmt werden, so dass die Simulation eines Tages auf 100 Sekunden komprimiert wird. Neben der Grundlagenforschung im Bereich der Selbstorganisation neuronaler Netzwerke liegen potentielle Anwendungen auf dem derzeit schnell wachsenden Gebiet des kognitiven Computing und speziell einer energie- und zeiteffizienten Umsetzung des sogenannten Deep Learning, wie es von Unternehmen wie Google und Facebook auf konventionellen Computern zur Analyse großer Datenmengen entwickelt wird.”"
https://www.uni-heidelberg.de/presse/ne ... nline.html

Das Entwicklungspotential ist hier enorm:
"Over the past six years, IBM has expanded the number of neurons per system from 256 to more than 64 million, an 800% annual increase," said Modha, who is chief scientist for brain-inspired computing at IBM Research—Almaden.
https://cacm.acm.org/news/222940-non-vo ... y/fulltext



Habe nun die Artikel entdeckt die von dir angeführt wurden. Aber wie angedeutet : Als Laie hat man keinen Einblick, welche Relevanz die aktuellen Forschungen auf diesem Gebiet haben. Die einen simulieren 4 Millionen Neurone für 100 Sekunden und andere Institute prahlen damit 64 Millionen Neurone zu simulieren. Aber welches System nun komplexer ist geben auch die Medienartikel nicht preis.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Perdedor » Mo 11. Feb 2019, 18:17

Alter Stubentiger hat geschrieben:Extrapolation ist eine Falle. Darauf habe ich schon hingewiesen. Die Grenzen der Strukturverkleinerung gelten für alles was auf Wafern/Siliziumwafern basiert.


Der ursprüngliche Fortschritt ergab sich ja nicht durch die Strukturverkleinerung, sondern durch die neue Architektur.
Daher waren solche Steigerungsraten möglich (800% pro Jahr), wie sie bei herkömmlichen Architekturen schon lange nicht mehr erreicht wurden. Der Punkt ist, dass du aus den Grenzen der herkömmlichen Chips nicht direkt auf die Grenzen der neuromorphen Chips schließen kannst. Irgendwann werden die natürlich auch erreicht werden, aber ganz offenbar ist man von diesen noch weiter entfernt (sonst wären solche Verbesserungen ja nicht möglich gewesen).


Little Joe hat geschrieben:Aber welches System nun komplexer ist geben auch die Medienartikel nicht preis.


Kommt darauf an, was du mit Komplexität meinst. Die Anzahl der Synapson pro Neuron? Die ist in dem zitierten Artikel gleich geblieben (256). Im Gehirn sind es ca. 1000 Synapsen pro Neuron, also um einen Faktor 4 mehr.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 11. Feb 2019, 18:37

Perdedor hat geschrieben:(11 Feb 2019, 18:17)

Der ursprüngliche Fortschritt ergab sich ja nicht durch die Strukturverkleinerung, sondern durch die neue Architektur.
Daher waren solche Steigerungsraten möglich (800% pro Jahr), wie sie bei herkömmlichen Architekturen schon lange nicht mehr erreicht wurden. Der Punkt ist, dass du aus den Grenzen der herkömmlichen Chips nicht direkt auf die Grenzen der neuromorphen Chips schließen kannst. Irgendwann werden die natürlich auch erreicht werden, aber ganz offenbar ist man von diesen noch weiter entfernt (sonst wären solche Verbesserungen ja nicht möglich gewesen).

Neuromorphe Strukturen müssen prinzipbedingt mehr Platz verbrauchen auf dem Wafer als herkömmliche Strukturen. Bei einer modernen AMD CPU sind es 5 Milliarden Transistoren auf dem DIE. Und bei deinen neuromorphen Design sind es 4 Millionen Neuronen auf einem Wafer! Das sagt eigentlich schon alles oder? Du weißt sicher wieviele Prozessoren man normalerweise aus einem Wafer sägt oder?


Kommt darauf an, was du mit Komplexität meinst. Die Anzahl der Synapson pro Neuron? Die ist in dem zitierten Artikel gleich geblieben (256). Im Gehirn sind es ca. 1000 Synapsen pro Neuron, also um einen Faktor 4 mehr.

Das sind alles von dir erdachte Rechnungen. Die Kompexität des menschlichen Gehirns wird auf Wikipedia erschöpfend erläutert. Daraus kann man leicht ableiten dass man für eine Simulation 1 Billion Synapsen braucht.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon BingoBurner » Mo 11. Feb 2019, 19:25

Kommen wir nochmal zum streicheln oder nicht ?

Das ist nämlich der Dreh und Angelpunkt gegenüber dem jonglieren von Zahlen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon H2O » Mo 11. Feb 2019, 22:12

BingoBurner hat geschrieben:(11 Feb 2019, 19:25)

Kommen wir nochmal zum streicheln oder nicht ?

Das ist nämlich der Dreh und Angelpunkt gegenüber dem jonglieren von Zahlen.


Dieses Thema scheint sich in Japan besonderer Aufmerksamkeit zu erfreuen. Ich kann Ihnen keine Quelle nennen, weil ich beim Aufnehmen der Nachricht nicht auf den Gedanken kam, daß das Thema hier angesprochen werden würde.

In Japan ist das Thema Altenbetreuung sehr wichtig geworden... und so wird es bei uns auch kommen. Zum Wohlbefinden der Senioren gehört auch persönliche Ansprache und Zuwendung. Dafür werden dort kleine menschenähnliche Roboter und hundeähnliche Roboter angeboten, die im Umfeld der Alten herum wuseln, die auf Ansprache antworten und sicher auch "kuscheln" kommen.

In den zugehörigen Artikeln wurde ausgeführt, daß die Alten darauf mit Rührung und Zuwendung ansprachen, also ihrerseits den Roboter streichelten.

Kann jetzt sein, daß ich mehrere Artikel vermenge: Bei mir ist noch hängen geblieben, daß vergleichbare Ansprachen bei dementen Personen Wunder wirkten, sich deren Wohlbefinden steigern ließ.

Aus meiner Sicht lassen sich Gesprächsinhalte festlegen, denen eine Runde Streicheln oder Kuscheln folgen muß. Keine wirklich menschliche Empfindung, aber eingeschränkt wahrnehmungsfähige Menschen bemerken das nicht... oder wollen das nicht bemerken.

Hier gibt es jetzt genügend viele Stichworte, die beim Googeln helfen sollten, um solche Artikel finden zu können.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon X3Q » Mo 11. Feb 2019, 23:34

Alter Stubentiger hat geschrieben:(11 Feb 2019, 18:37)
Das sind alles von dir erdachte Rechnungen. Die Kompexität des menschlichen Gehirns wird auf Wikipedia erschöpfend erläutert. Daraus kann man leicht ableiten dass man für eine Simulation 1 Billion Synapsen braucht.

Nicht unbedingt. Will man eine KI entwickeln, lohnt sich ein genauer Blick auf biologische Gehirne und deren Aufbau und Funktion, sind sie doch die einzigen uns bekannten Strukturen welche die Eigenschaft Intelligenz hervorbringen. Das intelligentes Verhalten evt. auch durch gänzlich andere Strukturen hervorgebracht werden kann, wird dadurch ja nicht ausgeschlossen.
Will man ein Gehirn 1 zu 1 simulieren, dann hast du mit den 1 Billionen Synapsen sicher recht. Anders würde es wohl aussehen, würde man sich auf die Simulation der einzelnen Funktionen beschränken. Hierfür würde weniger an Neuronen und Synapsen ausreichen; evtl. könnte man sogar das Verhalten ganzer Neuroncluster parametrisieren; nur müsste man dazu die Funktionen des Gehirns erstmal entschlüsseln.

Aber ist die Eigenschaft Intelligenz wirklich ausschließlich an die Anzahl von Neuronen und Synapsen gebunden? Das Kleinhirn hat im Durchschnitt 69 Milliarden und das Großhirn etwa 16 Milliarden Neuronen. Das Großhirn, welches nach bestem Wissen die höheren Hirnfunktionen hervor bringt, hat weniger Neuronen als das Kleinhirn, welches überwiegend mit der Motorik assoziiert ist.

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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 12. Feb 2019, 08:44

X3Q hat geschrieben:(11 Feb 2019, 23:34)

Nicht unbedingt. Will man eine KI entwickeln, lohnt sich ein genauer Blick auf biologische Gehirne und deren Aufbau und Funktion, sind sie doch die einzigen uns bekannten Strukturen welche die Eigenschaft Intelligenz hervorbringen. Das intelligentes Verhalten evt. auch durch gänzlich andere Strukturen hervorgebracht werden kann, wird dadurch ja nicht ausgeschlossen.
Will man ein Gehirn 1 zu 1 simulieren, dann hast du mit den 1 Billionen Synapsen sicher recht. Anders würde es wohl aussehen, würde man sich auf die Simulation der einzelnen Funktionen beschränken. Hierfür würde weniger an Neuronen und Synapsen ausreichen; evtl. könnte man sogar das Verhalten ganzer Neuroncluster parametrisieren; nur müsste man dazu die Funktionen des Gehirns erstmal entschlüsseln.

Aber ist die Eigenschaft Intelligenz wirklich ausschließlich an die Anzahl von Neuronen und Synapsen gebunden? Das Kleinhirn hat im Durchschnitt 69 Milliarden und das Großhirn etwa 16 Milliarden Neuronen. Das Großhirn, welches nach bestem Wissen die höheren Hirnfunktionen hervor bringt, hat weniger Neuronen als das Kleinhirn, welches überwiegend mit der Motorik assoziiert ist.

--X

Das ist alles völlig unklar. Letztlich geht es mir aber darum zu verdeutlichen dass mit einer Technologie wie die Microselektronik etwas wie künstliche Intelligenz nicht zu machen ist. Die erscheint uns heute so unendlich modern. Und man meint die Entwicklung müßte endlos so weitergehen. Dabei herrscht im Vergleich zur stürmischen Entwicklung in den 90er Jahren heutzutage geradezu Stillstand.

Man muß manchmal auch bereit sein andere Wege zu denken. Mit der Gentechnik sind ganz andere Dimensionen in Sachen KI und auch künstlicher Körper machbar. In China denkt man schon in diese Richtung. Daran sollte man sich orientieren. Sinnvoller als über intelligente Autos nachzudenken die mit einem unvorstellbar aufwändigen und teuren digitalen Aufwand zu uns kommen sollen.
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