Künstliche Intelligenz

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Kamikaze
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Künstliche Intelligenz

Beitragvon Kamikaze » Do 7. Jun 2018, 10:01

Das Thema künstliche Intelligenz ist ja aktueller denn je. Aber was ist "Künstliche Intelligenz" eigentlich?

Wikipedia sagt dazu:
Künstliche Intelligenz (KI, auch Artifizielle Intelligenz (AI bzw. A. I.), englisch artificial intelligence, AI) ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem Maschinenlernen befasst. Der Begriff ist insofern nicht eindeutig abgrenzbar, als es bereits an einer genauen Definition von „Intelligenz“ mangelt. Dennoch wird er in Forschung und Entwicklung verwendet. Hinsichtlich der bereits existierenden und der als Potenziale sich abzeichnenden Anwendungsbereiche gehört künstliche Intelligenz zu den wegweisenden Antriebskräften der Digitalen Revolution.
Im Allgemeinen bezeichnet künstliche Intelligenz den Versuch, menschenähnliche Entscheidungsstrukturen in einem nichteindeutigen Umfeld nachzubilden, d. h., einen Computer so zu bauen oder zu programmieren, dass er eigenständig Probleme bearbeiten kann.

Quelle

Heute sind bereits einige neuronale Netzwerke (eine Form der KI) im Einsatz, um z.B. die Gesichtserkennung auf Smartphones zu ermöglichen, oder die Daten nutzbar zu machen, die Amazon, Facebook und Co von ihren Kunden sammeln oder dafür sorgen, dass Siri, Alexa oder andere "Personal Assistants" verstehen, was der Benutzer ihnen sagt.
Sehr bekannt sind beispielsweise auch "Google Brain" oder "Microsoft Adam".

Auch Wissenschaftler und hochspezialisierte Experten, wie z.B. Ärzte nutzen inzwischen künstliche Intelligenzen, um schnellere und bessere Entscheidungen treffen zu können.
Bekannte Systeme hierfür wären z.B. "Cyc" oder "Watson".

Auch in der Robotik kommen inzwischen vermehrt künstliche Intelligenzen zum Einsatz. Die Ära der Roboter, die darauf beschränkt sind stationär die immer gleichen Handgriffe zu erledigen ist damit bereits beendet.
Auf Youtube findet man beispielsweise schöne Videos aus dem hause Mitsubishi, wo der kleine Roboter "Asimo" bereits die Mannschaft für eine vollautomatische Kantine (incl. Bedienung und A la Carte Menü) stellt, und das teils besser, als es Menschen 0könnten (z.B. kann Asimo mehrere gleichzeitige, durcheinander gesprochene Bestellungen verstehen und zuordnen).
Boston Dynamics verfolgt mit dem Projekt "Atlas" das gleiche Ziel, jedoch anscheinend weniger erfolgreich oder zumindest weniger medienwirksam.

Das Meisterstück der künstlichen Intelligenz war bisher der sog. "Turing-Test":
Um ein Maß zu haben, wann eine Maschine eine dem Menschen gleichwertige Intelligenz simuliert, wurde von Alan Turing der nach ihm benannte Turing-Test vorgeschlagen. Dabei stellt ein Mensch per Terminal beliebige Fragen an einen anderen Menschen bzw. eine KI, ohne dabei zu wissen, wer jeweils antwortet. Der Fragesteller muss danach entscheiden, ob es sich beim Interviewpartner um eine Maschine oder einen Menschen handelte. Ist die Maschine nicht von dem Menschen zu unterscheiden, so ist laut Turing die Maschine intelligent. Bisher konnte keine Maschine den Turing-Test zweifelsfrei bestehen.* Seit 1991 existiert der Loebner-Preis für den Turing-Test.

Quelle
*) ob dieser Passus noch aktuell ist, ist fraglich.

Vor einigen Monaten wurde von Google im Rahmen einer großen Präsentation eine neue Funktion seines "Assistant" gezeigt, die es der Maschine erlaubt z.B. auf Befehl einen Friseurtermin für den Besitzer zu vereinbaren.
Während dieser Präsentation rief der "Assistant" in einem echten Friseurgeschäft in der Nähe an und vereinbarte telefonisch einen Termin mit der Mitarbeiterin, die offenbar nicht erkannte, dass sie mit einer Maschine sprach.
Ganz nebensächlich wurde bei dieser Präsentation der Turing-Test von dieser KI bestanden, die heute im Prinzip jeder nutzen kann.

Etwas früher schon wurden in einem Labor des Softwarekonzerns "Microsoft" zwei KI-Systeme abgeschaltet, die innerhalb weniger Stunden nicht nur lernten zu kommunizieren, sondern auf einem Weg zu kommunizieren, der von Wissenschaftlern nicht verstanden wurde und noch heute erforscht wird.
Auch ein "Bot", der auf Twitter mit Nutzern interagieren (z.B. auf ihre Tweets antworten) sollte musste abgeschaltet werden, weil die Maschine zunehmend rassistische Tendenzen entwickelte.

Was haltet ihr von diesem Thema?
Seht ihr die KI als große Chance (Maschinen könnten uns in Zukunft alles "unangenehme" abnehmen), oder überwiegen für euch die Risiken (vernetzte Maschinen könnten uns Menschen das "Zepter" in Sachen Intelligenz abnehmen, mit allen Folgen daraus - Terminator lässt grüßen)?
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Sören74 » Fr 1. Feb 2019, 15:45

Ich wollte im Vorfeld mal schauen, ob schon Threads zum Thema Künstliche Intelligenz existieren, bevor ich selbst ein neues eröffne. Deshalb bin ich auf dieses gestoßen und war etwas erstaunt, dass es bisher noch keine Antwort gab. Dabei ist das Thema in aller Munde. Obwohl der Begriff Künstliche Intelligenz schon alt ist und bereits in den 50er Jahren im Gebrauch war, hat es sich selbst in Nicht-Informatiker-Kreisen zu einem Gesprächsthema entwickelt. Und ich werde dann auch gefragt, was eigentlich Intelligenz ist oder intelligente Systeme überhaupt können (und was noch nicht).

Ich selbst kenne das Thema seit den 90er Jahren aus dem Studium und bin erstaunt, welche Modewelle es heute wieder auslöst. Sicher zum Teil zurecht, weil die technischen Möglichkeiten sich tatsächlich verbessert haben. Ich war vor kurzem bei einer Freundin echt gestaunt, wie robust und fehlerfrei das Spracherkennungssystem ihres iPhones funktionierte. Auf der anderen Seite werden aber ganz normale Softwarealgorithmen schon als KI bezeichnet. Die Firma Bosch spricht davon, dass bei ihnen schon 1.000 KI-Experten arbeiten und bis 2021 4.000 KI-Experten einstellen wollen. Mein Eindruck ist, dass Softwareentwickler und Entwicklungsingenieure mal kurzerhand als KI-Experten bezeichnet werden.

Mit all diesen neuen Möglichkeiten kommt aus meiner Sicht die Schwierigkeit hinzu, der normalen Bevölkerung zu erklären, was KI überhaupt ist und wie man damit umgehen soll.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Kamikaze » Mo 4. Feb 2019, 15:35

Sören74 hat geschrieben:(01 Feb 2019, 15:45)
Mein Eindruck ist, dass Softwareentwickler und Entwicklungsingenieure mal kurzerhand als KI-Experten bezeichnet werden.


Manchmal erscheint auch mir dieser Eindruck gerechtfertigt. Es ist nunmal auch viel medienwirksamer "4.000 KI-Experten" zu beschäftigen, als "4.000 Programmierer".
Dennoch habe ich den Eindruck, dass das Thema KI aktuell eher wenig in den Medien präsent ist, und die ganzen (eigentlich bahnbrechenden) Entwicklungen eher "nebenbei" den Markt und unser Leben revolutionieren.
Das fängt mit "persönlichen Assistenten" (lies: Shoppingtools und Datensammler) wie "Alexa" an, und wird vermutlich in absehbarer Zeit mit autonom agierenden Fahrzeugen noch lange nicht ihr Ende erreicht haben.
Auch der Turing-Test erscheint mir nicht länger als Maßstab geeignet - angesichts von "Social-Bots", automatischen "Media-Agents", elektronischen "Support-Assistants" und ähnlichen Anwendungsgebieten, in denen man als "Kunde" erschreckend oft nicht mehr klar unterscheiden kann, ob man gerade mit einem Menschen oder einer Maschine interagiert (Insbesondere in Supportchats entlarven sich Maschinen, wie ich glaube, häufig durch extrem schnelle, ausführliche und kompetente Antworten).

Aber nicht nur die Interaktion mit uns Menschen wird durch KI massiv verändert. Banken und Börsen wären heute ohne KI kaum mehr in der Lage die Informationsflut zu bewältigen, die dort tagtäglich aufläuft - zumal dort ein nicht unerheblicher Teil der Transaktionen inzwischen von KI-Programmen getätigt wird (und so das Transaktions-Aufkommen in Vergleich zur "manuellen" Betätigung durch einen Menschen vielfach multipliziert hat).

Insgesamt denke ich, dass alleine die "Stille" um die vielfältigen KI-Systeme zeigt, wie feherfrei und "reibungsarm" diese Technologie funktioniert. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn ein Computerprogramm in der Finanzwelt großflächig Schaden anrichten würde (allein die Zeit, die ein Mensch bräuchte um das zu bemerken und das Programm zu stoppen dürfte ausreichen um ganze Konzernfamilien gegen die Wand zu wirtschaften)...
Hoffen wir, dass wir diesen "großen Bruder" niemals von seiner hässlichen Seite sehen müssen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 4. Feb 2019, 16:27

Sören74 hat geschrieben:(01 Feb 2019, 15:45)

Ich wollte im Vorfeld mal schauen, ob schon Threads zum Thema Künstliche Intelligenz existieren, bevor ich selbst ein neues eröffne. Deshalb bin ich auf dieses gestoßen und war etwas erstaunt, dass es bisher noch keine Antwort gab. Dabei ist das Thema in aller Munde. Obwohl der Begriff Künstliche Intelligenz schon alt ist und bereits in den 50er Jahren im Gebrauch war, hat es sich selbst in Nicht-Informatiker-Kreisen zu einem Gesprächsthema entwickelt. Und ich werde dann auch gefragt, was eigentlich Intelligenz ist oder intelligente Systeme überhaupt können (und was noch nicht).

Ich selbst kenne das Thema seit den 90er Jahren aus dem Studium und bin erstaunt, welche Modewelle es heute wieder auslöst. Sicher zum Teil zurecht, weil die technischen Möglichkeiten sich tatsächlich verbessert haben. Ich war vor kurzem bei einer Freundin echt gestaunt, wie robust und fehlerfrei das Spracherkennungssystem ihres iPhones funktionierte. Auf der anderen Seite werden aber ganz normale Softwarealgorithmen schon als KI bezeichnet. Die Firma Bosch spricht davon, dass bei ihnen schon 1.000 KI-Experten arbeiten und bis 2021 4.000 KI-Experten einstellen wollen. Mein Eindruck ist, dass Softwareentwickler und Entwicklungsingenieure mal kurzerhand als KI-Experten bezeichnet werden.

Mit all diesen neuen Möglichkeiten kommt aus meiner Sicht die Schwierigkeit hinzu, der normalen Bevölkerung zu erklären, was KI überhaupt ist und wie man damit umgehen soll.


Ganz normale Automatisierung wird heute schon als KI bezeichnet. Dabei kommt Software nach wie vor ins Schleudern sobald die Datenlage nicht perfekt ist. Da fängt natürliche Intelligenz erst an ihre Stärken auszuspielen.

..... meine intelligente Reifendruckkontrolle am Auto hat voriges Jahr 2mal Fehlalarm gegeben. Meine natürliche Intelligenz konnte dies sofort erkennen. Das ist der Unterschied.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon van Kessel » Mo 4. Feb 2019, 16:47

KI ist auch nichts anderes als die Abfolge von Kuchenrezepten. Allerdings sind diese Rezepte schon selbstlernend, weshalb man ihnen durchaus eine Art Intelligenz bescheinigen kann. Dass bisher noch Niemand die 25.000 $ abgeholt hat, welche für das Bestehen des Turing-Test ausgelobt sind, dürfte daran liegen, dass dieser Test noch nicht geknackt wurde. Vielleicht ist auch A. Turings Prämisse, was ein Mensch ist, falsch. Wenn eine simple, geometrische Darstellung einen Menschen schon austricksen kann, dürfte es mit der menschlichen Intelligenz (welche ja auch von seinen Sinnesorgangen abhängig ist) nicht weit her sein. Er sieht schlecht, er hört schlecht und er riecht schlecht, alles Fähigkeiten, welche eine KI mühelos übertreffen könnte, wenn man mal all das Gewese um die menschliche Intelligenz ausblendet.

Na ja, ich provoziere halt gern. :D
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon van Kessel » Mo 4. Feb 2019, 16:56

Alter Stubentiger hat geschrieben:(04 Feb 2019, 16:27)
..... meine intelligente Reifendruckkontrolle am Auto hat voriges Jahr 2mal Fehlalarm gegeben. Meine natürliche Intelligenz konnte dies sofort erkennen. Das ist der Unterschied.
vielleicht hat die intelligente Reifendruckkontrolle festgestellt, dass der Fahrer doch all zu viel Bordsteinkanten mitgenommen hat? ;)
Man muss auch nicht gleich jede Redundanz, als Intelligenz ausweisen wollen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 4. Feb 2019, 17:26

van Kessel hat geschrieben:(04 Feb 2019, 16:56)

vielleicht hat die intelligente Reifendruckkontrolle festgestellt, dass der Fahrer doch all zu viel Bordsteinkanten mitgenommen hat? ;)
Man muss auch nicht gleich jede Redundanz, als Intelligenz ausweisen wollen.


Heute wird jede Automatik als intelligent ausgewiesen.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 4. Feb 2019, 17:28

van Kessel hat geschrieben:(04 Feb 2019, 16:47)

KI ist auch nichts anderes als die Abfolge von Kuchenrezepten. Allerdings sind diese Rezepte schon selbstlernend, weshalb man ihnen durchaus eine Art Intelligenz bescheinigen kann. Dass bisher noch Niemand die 25.000 $ abgeholt hat, welche für das Bestehen des Turing-Test ausgelobt sind, dürfte daran liegen, dass dieser Test noch nicht geknackt wurde. Vielleicht ist auch A. Turings Prämisse, was ein Mensch ist, falsch. Wenn eine simple, geometrische Darstellung einen Menschen schon austricksen kann, dürfte es mit der menschlichen Intelligenz (welche ja auch von seinen Sinnesorgangen abhängig ist) nicht weit her sein. Er sieht schlecht, er hört schlecht und er riecht schlecht, alles Fähigkeiten, welche eine KI mühelos übertreffen könnte, wenn man mal all das Gewese um die menschliche Intelligenz ausblendet.

Na ja, ich provoziere halt gern. :D


Die KI ist noch viel einfacher auszutricksen. Und gerade die Sinne kann der Mensch enorm viel besser einsetzen als eine KI. Die erreicht in dieser Hinsicht nicht mal die Fähigkeiten einer Küchenschabe.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 4. Feb 2019, 17:41

Kamikaze hat geschrieben:(04 Feb 2019, 15:35)
Manchmal erscheint auch mir dieser Eindruck gerechtfertigt. Es ist nunmal auch viel medienwirksamer "4.000 KI-Experten" zu beschäftigen, als "4.000 Programmierer".

Es ist schon ein Unterschied ob man eine KI teached oder ob man programmiert.

hier kann jeder eine KI im browser teachen (KNN Objekte klassifizieren):
https://hpssjellis.github.io/beginner-t ... ifier.html


Ich behaupte ein KI-Experte ist näher an einem klassischen Berechnungsingenieur als an einem Programmierer...


Aber natürlich bindet man KIs in Programme ein.. programmieren kann also nicht schaden. Das Planen von Layers, softmax etc.. braucht aber keine (oder wirklich nur minimale) Programmierkenntnisse..
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Sören74 » Mo 4. Feb 2019, 18:12

Vielleicht noch mal zu den KI-Experten, ich habe letzten Dezember einen Keynote-Vortrag von Prof. Hoos von der Uni Leiden gehört, der das Thema KI speziell aus Sicht der Softwareentwicklung vorstellte. In seiner Einführung kam er auch zu dem Punkt Risiken und Gefahren der KI. Man kennt ja aus der öffentlichen Debatte schon einige Befürchtungen in dem Zusammenhang. Er nannte in seinem Vortrag die Gefahr, dass wir in Zukunft viele (suboptimale) KI-Systeme haben werden, aber zu wenige KI-Experten, die sie verstehen, bedienen und warten können. Das habe ich in anderen Vorträgen zu dem Thema nicht gehört, aber im Grunde stimme ich dem zu. Oft ist es schwerer zu verstehen, was in den KI-Systemen passiert (insbesondere bei Deep Learning), als sie zu programmieren. Wir werden also in Zukunft mehr KI-Experten brauchen und nicht nur Programmierer.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 4. Feb 2019, 18:51

Sören74 hat geschrieben:(04 Feb 2019, 18:12)
Wir werden also in Zukunft mehr KI-Experten brauchen und nicht nur Programmierer.

Ich stimme zu.

Ich bin gespannt ob wir in Deutschland den Anschluss irgendwann noch einmal schaffen.

Wichtige Grundlagen der modernen KI (z.B. LSTM 1997 für Spracherkennung an der TUM. Ich hatte die Ehre den Forscher im echten Leben kennenzulernen) wurden in Deutschland entwickelt, aber ab 2016 in den USA effizient umgesetzt..
Das cntk (Ki Framework) von Microsoft wurde ebenfalls maßgeblich von einem (emigrierten) Deutschen entwickelt.

Momentan beschä(ft/d)igen wir uns in Deutschland mit wichtigeren Dingen als unserer Zukunftsfähigkeit: Flüchtlinge.


Das gute ist: viele frameworks von KI sind Open source.
Man braucht nur Intelligenz und einen Rechner und schon kann man mitspielen.. der Zug ist also noch nicht ganz abgefahren..

Anders ausgedrückt: die Werkzeuge mit denen man KI erstellen und nutzen kann, sind JEDEM zugänglich!
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 6. Feb 2019, 18:03

Hab ich was falsches gesagt? :(

Mich interessiert KI vor allem in Bezug auf Robotik.

Atlas etc..
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Sören74 » Mi 6. Feb 2019, 20:34

Ähm, nein, nein. Ich hatte nur keinen wirklichen Widerspruch zu Deinen Aussagen, watisdatdenn. ;) In der Robotik ist das Thema KI natürlich auch ein interessantes Thema. Es gibt die These, dass sich Intelligenz deshalb herausbildete, weil die Lebewesen sich nicht mehr wie Pflanzen an einen Ort aufhielten, sondern sich bewegten und damit vor neuen Herausforderungen gestellt wurden. Viele Neuroinformatiker waren schon damals der Meinung, dass erst die Verbindung aus Robotik und KI/Neuronale Netze die Entwicklung weiterführen wird.

Auf der anderen Seite entstehen neue Herausforderungen, gerade im Bereich Mensch-Maschine-Kooperation. Ein stationärer Roboter ist eigentlich für den Menschen eine gefährliche Maschine, entsprechend müssen viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Ein Roboter, der von A bis Z von Softwareentwicklern programmiert wurde, ist schon äußerst komplex, aber im Grunde verstanden die Experten, was "drinnen" vorging. Konzepte wie Deep Learning versucht man auch in der Robotik anzuwenden, aber es wird immer schwerer zu verstehen, was in der Maschine passiert. Und das stellt die Abnahmebehörden für die Zulassung solcher Roboter vor neuen Aufgaben. Soviel dazu...
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 6. Feb 2019, 21:16

Es gibt keine "Künstliche Intelligenz". Es gibt Maschinelles Lernen und Mustererkennung. Wenn auch mit einer Performance und unter Einbeziehung von Datenmengen, die noch gerade eben für unvorstellbar gehalten wurden. Zuweilen wird all das, was es tatsächlich gibt, unter dem Begriff "schwache KI" zusammengefasst und das, was es de facto nicht gibt unter dem Begriff "starke KI". Starke KI kann es es unter Zuhilfenahme von speziell Digital-Technologie und allgemeiner mit Technologie, die deterministische Algorithmen nutzt, grundsätzlich nicht geben. Nicht wegen nicht genug fortgeschrittener Technologie sondern ganz grundsätzlich nicht.

Starke KI oder eigentlich auch eigentliche Intelligenz läge vor, wenn zum Beispiel geforderte Aufgaben verweigert würden. Nicht als Ergebnis von Optimierungen sondern von sozialer Selbst-Orientierung. Das große Verständnisproblem für mich besteht darin, ob es einen Zusammenhang zwischen algorithmischem Determinismus und der Möglichkeit einer sozialen Selbstverortung für KI-Maschinen gibt. Ich habe auch schon kürzlich die Ansicht vernommen, dass es nicht deshalb auch heute völlig aussichtslos ist, einen Roboter zu konstruieren, der einem die Schnürsenkel zubindet, weil das 4d-Problem zu komplex und rechenaufwändig ist, sondern weil einer Maschine grundsätzlich das Raumbewusstsein fehlt. Das halte ich allerdings für fragwürdig. Ich glaube, es wird schon in Kürze Roboter geben, die Menschen die Schnürsenkel zubinden oder die sich selbst in einen Autositz anschnallen können. Der algorithmische Determinismus ist das prinzipiellere Problem. Die spontane Verweigerung.

Kurz und gut: Starke, eigentliche künstliche Intelligenz herzustellen, würde darauf hinauslaufen, lebende, lebendige Entitäten zu schaffen. Nur: Die gibts ja schon!
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Sören74 » Mi 6. Feb 2019, 21:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Feb 2019, 21:16)

Starke KI oder eigentlich auch eigentliche Intelligenz läge vor, wenn zum Beispiel geforderte Aufgaben verweigert würden.


Das muss ich mir merken, wenn das nächste Mal mein Wasserkocher streikt. ;)
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 6. Feb 2019, 21:34

Alter Stubentiger hat geschrieben:(04 Feb 2019, 17:26)

Heute wird jede Automatik als intelligent ausgewiesen.


Das sehe ich nicht. Ich habe bis vor kurzem bei einem bekannten Automatisierungsspezialisten gearbeitet. Weder der noch die direkten Konkurrenten haben ihre Lösungen jemals als KI bezeichnet.
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 6. Feb 2019, 21:41

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Feb 2019, 18:03)

Hab ich was falsches gesagt? :(

Mich interessiert KI vor allem in Bezug auf Robotik.

Atlas etc..

Mich interessiert KI vor allem in Bezug auf philosophische Fragen und dann auch praktisch in Bezug auf maschinelle Sprachübersetzung.

Der Google-Translator hat ab etwa 2016 bei Sprachübersetzungen einen wirklich bemerkenswerten Sprung gemacht. Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Und habs auch erst deshalb mitbekommen, weil Google (verständlicherweise) erst mit den großen Weltsprachen angefangen hat und dann erst jüngst bei den kleineren nachgezogen hat. Noch vor kurzem war es kaum möglich, einen Artikel etwa in der polnischen Gazeta Wyborcza in irgendein verständliches Deutsch zu übersetzen. Man konnte allenfalls mit der Übersetzung Mutmaßungen anstellen.

Die von Premierminister Morawiecki kürzlich angekündigte pro-europäische Wende war nur ein Trick. Sie können Europa nicht verteidigen, während Sie mit seinen Feinden bestechen.

Vor einem Jahr leitete der PiS-Vorsitzende die amerikanische Diplomatie Rex Tillerson. Sie sprachen über amerikanische Niederlassungen, die unser Land vor der russischen Aggression schützen würden. Heute trifft er Matteo Salvini, den Chef der rechtsextremen Northern League, der das italienische Innenministerium leitet.
Kaczyński und Putins Freund

Warum vergleiche ich diese beiden Besuche? Salvini ist einer der wichtigsten Freunde von Wladimir Putin in Westeuropa, der 2014, einige Monate nach dem Abbrand von Anmoly der Krim und Russlands Verbrennung von Donbass, stattfand.


So sieht das heute aus, Es geht um wirklich diffizile politische Betrachtungen. Kaczynski, Putin, Salvini. Es liest sich sprachlich und inhaltlich erstmal wesentlich geschlossener als der Kauderwelsch, den man noch bis vor kurzem bekam. Aber die Frage ist; Werden durch Massendatenauswertungen nicht einfach nur vorhandene Sprachdeutungsmuster erkannt und dann in Übersetzungen wiedergegeben? Muss man da nicht absolut kritisch und skeptisch bleiben?
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Kamikaze » Do 7. Feb 2019, 07:03

Auf Philosophischer Ebene muss man sich natürlich fragen, ob es überhaupt das Ziel der Entwicklungen sein kann, eine sog. "starke" KI zu erzeugen. Immerhin soll die Technik ja primär dazu dienen, den Menschen Arbeit zu erleichtern oder ab zu nehmen. Immer bessere Werkzeuge, wenn man so will - evtl. sogar soweit, dass das Werkzeug selbstständig in geeigneter Weise tätig wird.
Eine "starke" KI hingegen würde, wie schokoschendrezki bereits klargestellt hat, auch in der Lage sein, Tätigkeiten zu verweigern.
Man stelle sich hier als Beispiel einen Schraubenschlüssel vor, den man erst bitten muss, ehe man eine Schraube damit lösen will - immer mit dem Risiko, dass der Schraubenschlüssel gerade nicht mag, und die Schraube dann eben zu bleiben muss.
(Von den ganzen Implikationen in Sachen "Menschenrechte", "Leben", "Tod" und "Meinung" innerhalb einer Maschine mal ganz abgesehen...)
In meinen Augen sollte KI primär als "schwache" (zweckgebundene) KI entwickelt werden, um eben Maschinen zu erschaffen, die dem Menschen dienen, ohne eigene Meinung, ohne Persönlichkeit, etc. - auch um das Thema "Sklaverei" nicht neu auf zu kochen.
Ob es natürlich bei immer besseren "schwachen" KI-Systemen sozusagen versehentlich zur Entwicklung einer "starken" KI kommt, steht au einem anderen Blatt. Ich denke aber, dass das nicht das Primärziel sein sollte.
Wer viel kluges sagt ist klug,
wer zuhört ist weise.
van Kessel

Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon van Kessel » Do 7. Feb 2019, 11:42

Kamikaze hat geschrieben:(07 Feb 2019, 07:03)
Auf Philosophischer Ebene muss man sich natürlich fragen, ob es überhaupt das Ziel der Entwicklungen sein kann, eine sog. "starke" KI zu erzeugen. Immerhin soll die Technik ja primär dazu dienen, den Menschen Arbeit zu erleichtern oder ab zu nehmen. Immer bessere Werkzeuge, wenn man so will - evtl. sogar soweit, dass das Werkzeug selbstständig in geeigneter Weise tätig wird.
der Knackpunkt ist auch wohl der, dass wir den Begriff 'Entwicklung' falsch interpretieren. Als ob die Menschheit ein kollektives Interesse hätte, 'etwas' zu entwickeln. Da der Mensch sich selbst aus einer Evolution entwickelte - welche nicht zielgerichtet, sondern eher chaotisch ist - kann auch die Entwicklung einer KI (ob stark oder schwach) auch nicht beeinflusst werden. Am 'Ast der Absichten' entwickeln sich oft Triebe, welche ein Eigenleben entwickeln, welche als beabsichtigte Notwendigkeiten entschuldigt werden.
Eine "starke" KI hingegen würde, wie schokoschendrezki bereits klargestellt hat, auch in der Lage sein, Tätigkeiten zu verweigern.
hier wird mit menschlichen Eigenarten (wie Verweigerung) hantiert. Ein Computerprogramm, welches die Schritte einer Evolution selbsttätig (inklusive aller Fehler) durchführt, wird nicht mehr von Verweigerung 'sprechen', sondern von Notwendigkeit.
Man stelle sich hier als Beispiel einen Schraubenschlüssel vor, den man erst bitten muss, ehe man eine Schraube damit lösen will - immer mit dem Risiko, dass der Schraubenschlüssel gerade nicht mag, und die Schraube dann eben zu bleiben muss.
hier ist man viel zu nahe an einem Robot-Begriff. Eine KI ist der notwendige, evolutionäre Schritt des Menschen, sich von diesem Planeten zu verabschieden, wenn das Leben auf einer Kohlenstoff/Sauerstoffbasis nicht mehr möglich ist. Intelligenz ist - imho - nicht an einen biologischen Träger gebunden.
(Von den ganzen Implikationen in Sachen "Menschenrechte", "Leben", "Tod" und "Meinung" innerhalb einer Maschine mal ganz abgesehen...) In meinen Augen sollte KI primär als "schwache" (zweckgebundene) KI entwickelt werden, um eben Maschinen zu erschaffen, die dem Menschen dienen, ohne eigene Meinung, ohne Persönlichkeit, etc. - auch um das Thema "Sklaverei" nicht neu auf zu kochen.
Wenn eine KI in einer evolutionären Kette eingebunden ist (und dies ist auch die Voraussetzung für eine 'Dienerschaft'), wird sie den gleichen Bedingungen unterworfen sein, wie die Entwicklung einer Zelle zu einem Menschen. Ein Bodenstaubsauger, welcher schon jetzt den ganzen Tag durch eine Wohnung rollt, sich selbst auflädt indem er seinen Status abfragt, ist ja schon ein solcher Robot.
Ein zufälliges Quarzkorn, welches er sich bei seiner Arbeit auf der Platine einfängt, mag schon genügen, dass 'er' sich fragt, warum er sich eigentlich diese stumpfsinnige Arbeit antut.
Ob es natürlich bei immer besseren "schwachen" KI-Systemen sozusagen versehentlich zur Entwicklung einer "starken" KI kommt, steht au einem anderen Blatt. Ich denke aber, dass das nicht das Primärziel sein sollte
.
Wer bestimmt die Zielsetzung? Nehmen wir mal einen Gottesgedanken als nicht gegeben hin, so ist der Begriff Entwicklung ja vom Menschen geprägt und seiner 'Konstitution'. Ein Adler wird nur müde darüber lächeln und sagen: 'wo sind deine scharfen Augen, wo sind deine Flügel'?
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Teeernte
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Re: Künstliche Intelligenz

Beitragvon Teeernte » Do 7. Feb 2019, 13:16

Kamikaze hat geschrieben:(07 Feb 2019, 07:03)

Auf Philosophischer Ebene muss man sich natürlich fragen, ..


Das Ziel ist mit der KI ein GUTES GESCHÄFT zu machen. Der "Werbeeffekt" eines Unbesiegbaren Schachcomputers mal aussen vor.

Die Verweigerung macht mir jede DUMME Schutzschaltung ...an einer Presse - damit der noch dümmere Bediener nicht die Griffeln mit presst.

...und das "Intelligente" auto muss sich IRGENDWANN auch überlegen - DEN Fussgänger umzubügeln - ODER den Abhang herunterzubrettern und die 4 Insassen zu "verlieren" - falls die Kiste dass erfassen kann.

Die Amerikaner hantieren bei >>möglicherweise langwierigen Entscheidungen//Berechnungen//unsicheren Faktoren >> lieber mit nem Münzwurf....

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