Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 10. Jan 2019, 15:08

gugel hat geschrieben:(10 Jan 2019, 15:04)

Aha, das Interesse, der interessengsteuerte Mensch.

Der braucht u.a. ganz wichtig Nation und Identität - nur mal so bemerkt - damit er als Interessent auftreten und wahrgenommen werden kann.

Aber erzählt doch lieber noch ein paar schöne Gschichterln, die alles so schön verrühren.

Politik hat letztendlich noch nie etwas anderes gemacht als durch Vermittlung Interessenskonflikte zu lösen. Bis in die altgriechische Wortherkunft als "Angelegenheitsregler" in der Gesellschaft der Polis. Als es den Nationalstaat in der heutigen Form noch gar nicht gab.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 10. Jan 2019, 15:10

gugel hat geschrieben:(10 Jan 2019, 15:01)

Die Volksabstimmungen hat man aus gutem Grund bei der Gründung der BRD im GG ganz restriktiv gesetzt.

Nicht ganz so restriktiv:
Als herrschende Meinung (h. M.) gilt mittlerweile, dass eine solche Aufnahme direktdemokratischer Initiativrechte aufgrund des Art. 20 (2) (Staatsgewalt) ausdrücklich möglich ist, hierfür aber aufgrund des Art. 20 (3) zwingend eine Anpassung des Grundgesetzes, insbesondere der Art. 76 (1) (Gesetzgebung des Bundes), Art. 77 (Mitwirkung der Länder) und Art. 82 (Ausfertigung von Gesetzen), notwendig sei.
https://de.wikipedia.org/wiki/Volksents ... entscheide
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 10. Jan 2019, 15:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Jan 2019, 13:42)

Das muss es auch nicht, der Anstoß soll und muss von "den Eliten" kommen, die müssen sich zuerst einig sein, dann kann man Angleichungen planen und darüber lässt man dann die Bürger abstimmen. Fällt das Vorhaben durch, muss man fragen, was zur Ablehnung führte, nachbessern und neu abstimmen lassen.

Das kann man auch so formulieren, dass es zunächst eine oder sogar die "Idee von Europa" zu geben hat. Das klingt auch irgendwie nach Hegel und Macron. Diese Schlagwort von der "Idee von Europa" geistert glaube ich schon ziemlich lange herum.
Die Hauptschwäche der Empiristen sieht Hegel darin, daß sie versuchten, den Kontext von sozialen Institutionen wie Ehe oder Strafe aus den empirischen Eigenschaften der diesen Namen tragenden historischen Arrangements abzuleiten. Nach Hegels Auffassung sagt eine solche Aufzählung empirischer Funktionen nichts über Wesen und Natur solcher Institutionen aus.

Ehe, Strafe, Nation, Europa sind freischwebende "Ideen" bis sie jemand entdeckt, formuliert und irgendwann Menschen in diesen zu Realität geronnenen "Ideen" leben, lieben und arbeiten dürfen.

Soll am "Deutschen Idealismus" (als Philosophieschule) Europa genesen?
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 10. Jan 2019, 15:42

Sind denn nicht alle Begrifflichkeiten zuerst "freischwebende Ideen"?
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon H2O » Do 10. Jan 2019, 16:53

Tom Bombadil hat geschrieben:(10 Jan 2019, 13:42)

Das muss es auch nicht, der Anstoß soll und muss von "den Eliten" kommen, die müssen sich zuerst einig sein, dann kann man Angleichungen planen und darüber lässt man dann die Bürger abstimmen. Fällt das Vorhaben durch, muss man fragen, was zur Ablehnung führte, nachbessern und neu abstimmen lassen.


Dieser Ansatz ist auch meiner; das "Bürgergespräch" nach erster Einigung wäre dennoch eine gute Sache. Völlig richtig: Nie aufgeben, es sei denn, man erkennt recht klar, daß man einer ganz und gar unvernünftigen Vorstellung von Europa hinterher läuft. Das wäre für mich eine sehr bittere Erkenntnis... :(
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Dark Angel » Do 10. Jan 2019, 16:58

H2O hat geschrieben:(09 Jan 2019, 20:02)

@ Dark Angel:

Wenn man es so machte wie von Ihnen angedacht, dann würde man den Menschen in der Gemeinschaft etwas über stülpen. Fände ich auch nicht so gelungen. Mein Angehen hatte Präsident Macron anklingen lassen: Das Gespräch mit den europäischen Bürgern. Eine wunderbare Gelegenheit wäre gewesen, mit der Bürgerbewegung "Pulse of Europe" eine unparteiische Plattform zu nutzen, indem man mit deren Einverständnis organisatorische Unterstützung und Versammlungsräume beschafft, ein Organisationsbüro einrichtet, das "Pulse of Europe" verfügbar ist. Die Unterstützung könnte von der EU-Kommission kommen... die werden vermutlich Menschen und Mittel haben, damit Bürgergespräche überall in der EU vorbereitet und durchgeführt werden können. Als EU-Vertreter könnte man je einen nationalen und einen oder zwei Abgeordnete aus Partnerstaaten mit Übersetzern einladen. Pulse of Europe bereitet das Thema des Bürgergesprächs vor und moderiert, damit kein Monolog eines dominanten Teilnehmers abgespult wird. Und dann fragt man eben solche Fragen: Wie kommen wir zum Ziel einer gemeinsamen Lösung; wie bekommen wir dieses Ziel über politische Parteien in Umlauf und als Nebenthema in nationalen Wahlen zur Kenntnis unserer Mitbürger?

Jeder halbwegs unterrichtete Mitbürger wird verstehen, daß eine Gemeinschaft sich auf etwas Vernünftiges einigen muß, damit sie faire Lebensmöglichkeiten für alle Mitglieder der Gemeinschaft bietet. Dann sollten sich bevorzugte Lösungen schon heraus schälen, von politischen Parteien vertreten und angeboten werden... national und noch vermehrt bei Europawahlen.

Ohne Mühe und Arbeit ist da nichts zu machen, und ohne einen Plan, der Schritt für Schritt zur Lösung führt, sicher auch nicht. Das Besondere ist ja, daß von jeder nationalen Lösung ein Pfad zur Gemeinschaftslösung gefunden werden muß. Die nationalen Lösungen gibt es ja schon, und zumindest unter den entwickelten Mitgliedsstaaten sind die gar nicht so sehr unterschiedlich.

Dabei kann ein Zeitraum von 50 Jahren betrachtet werden, also zwei Generationen von Unionsbürgern daran arbeiten. Niemandem soll etwas gegen seinen ausdrücklichen Willen übergestülpt werden. Dann suchen wir eben nach anderen Wegen, die gangbar sind. Einzige Voraussetzung: Die Partner sind sich einig über das gemeinsame Ziel, eines Tages von außen gesehen als ein Staat und Verhandlungspartner auf zu treten. Wenn dieser Wille fehlt, dann lohnt sich das Gespräch nicht, auch kein "Bürgergespräch".

Schon eigenartig, wie du dich hier mit vielen blumigen Worten für Demokratieabbau einsetzt.
Erst monierst du, dass ich mich auf die Analyse des Politikwissenschaftlers Prof. Wolfgang Merkel, als Quelle, beziehe und unterstellst, dass dieser ja nur eine "Einzelmeinung" vertreten würde, betonst dass du "politikwissenschaftlicher Laie" bist, beharrst jedoch auf einem Demokratieverständnis, welches dem von Politikwissenschaftlern widerspricht.
Meine Frage, ob du den verlinkten Artikel gelesen hast, bleibt von dir unbeantwortet.
Als nächstes beziehe ich mich auf das Buch eines Insiders (Jürgen Rüttgers) und wieder unterstellst du - salopp gesagt - dass dieser Mann keine Ahnung hätte und "einen Irrtum in die Welt setzen würde" bzw ich ihn nicht verstanden hätte.
Du erlaubst dir auch diesmal offensichtlich ein Urteil, obwohl du a) Politikwissenschaften betreffend Laie bist und b) das Buch nicht gelesen hast.
Bist du als Laie wirklich in der Lage, die Situation, die Demokratiedefizite in der EU besser beurteilen zu können als ein Insider?
Sorry, aber dergleichen maße ich mir nicht an. Ich beschäftige mich mit dem, was Fachleute und Insider zu sagen haben und versuche deren Argumenten zu folgen und Schlüsse zu ziehen.
Wenn ein Insider wie Rüttgers erklärt, dass es in der EU Demokratiedefizite gibt, weil es keine klare Gewaltenteilung zwichen Legislative und Exekutive gibt, dann nehme ich das als gegeben hin und behaupte nicht das Gegenteil, weil mir schlicht die Einsichten und Erkenntnisse fehlen - anders als du.
Jetzt kommst du mit "man muss nur richtig erklären ..., dann werden die Bürger schon verstehen", "man muss mit den Bürgern reden, muss Bewegungen gründen ..."
Sorry, aber dergleichen nennt man "den Leuten Honig um's Maul schmieren", sie manipulieren. Wahrscheinlich bist du der Meinung "das dumme Wahlvolk" könne keine Entscheidungen treffen, ihm muss gesagt werden, wie es zu denken und was es zu tun hat. Mit Demokratie, mit freien, mündigen Bürgern hat das wenig zu tun.
"Die Gemeinschaft" muss gar nichts verstehen, muss sich gar nicht auf irgend etwas einigen - schon gar nicht, wenn das per Top-Down-Prinzip durchgesetzt werden und der/die Bürger nur "ihren Segen" geben soll(en).

Wie ich bereits schrieb, wäre eine demokratisch legitimierte Durchsetzung nur per Volksentscheid in allen EU-Mitgliedsstaaten möglich - heute genauso wie in 50 Jahren.
Bei Volksabstimmungen muss immer damit gerechnet werden, dass die Bürger gegen die Maßnahmen votieren, sich für einen Austritt aus der Gemeinschaft entscheiden.
Für ein geeintes Europa wäre das kontraproduktiv, würde aber den Willen des jeweiligen Staatsvolkes widerspiegeln.
Und momentan geht der Trend dahin, sich weniger vorschreiben zu lassen und Souveränitätsrechte stärker durchzusetzen.

Wie bereits gesagt, ich bin für ein geeintes, starkes Europa, in dem Nationalstaaten eng zusammen arbeiten und gemeinsame wirtschaftliche und politische Ziele verfolgen, aber ich bin gegen ein vereinigtes Europa, gegen "Vereinigte Staaten von Europa".
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon H2O » Do 10. Jan 2019, 17:06

Soll am "Deutschen Idealismus" (als Philosophieschule) Europa genesen?


Hier kann ich mir nicht helfen... Europa ist schon so sehr zum Anfassen und zu erleben, daß es eine grundlegend neue Idee nicht braucht, aus der endlich etwas zum Anfassen werden kann.

Oder ich bin durch mein Deutschsein so von solchen Philosophen geprägt, ohne mir dessen bewußt zu sein, daß ich nicht bemerken kann, nur einer ersten Idee nach zu laufen. Mann-o-Mann, 55 Jahre nur ein Gedanke... das ist doch nicht möglich!
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon H2O » Do 10. Jan 2019, 17:19

ich bin für ein geeintes, starkes Europa, in dem Nationalstaaten eng zusammen arbeiten und gemeinsame wirtschaftliche und politische Ziele verfolgen, aber ich bin gegen ein vereinigtes Europa, gegen "Vereinigte Staaten von Europa".


Wollte man Ihren Ausführungen folgen, dann würde europäische Gemeinschaftspolitik nur von darin belesenen Fachleuten ausgeübt und bewertet. Das ist aber nicht so. Nun fehlt mir nur noch der Hinweis, daß das der Grund ist, warum Europa so ist wie es ist. ;) Ich hoffe, Sie verstehen bei aller wissenschaftlichen Beflissenheit auch einen Spaß auf Ihre Kosten!

Mit Ihrem Schlußsatz kann ich mich anfreunden, wobei ich meine, daß daraus auch noch mehr zu machen ist, wenn der enge Bund gelungen ist und lange Zeit schon gut zusammen gearbeitet hat. Ansonsten wäre ich froh, wenn wir da schon angelangt wären.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon BlueMonday » Do 10. Jan 2019, 17:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jan 2019, 15:08)

Politik hat letztendlich noch nie etwas anderes gemacht als durch Vermittlung Interessenskonflikte zu lösen.

Das wäre dann Mediation. Die gibt es reichlich und vor allem außerhalb des Politischen. Mediation ist freiwillig. Bei der Politik tritt das Element der Gewaltandrohung und ggfls. -anwendung dazu.
Politik ist das Ringen um den als legitim angesehenen Einsatz des Staates als Gewaltmittel, freilich zur zur Durchsetzung von Interessen. Politik ist praktisch die Vorstufe zur völligen Eskalation der Gewalt.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Dark Angel » Do 10. Jan 2019, 18:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jan 2019, 08:14)

Du hast von Sozialisation gesprochen ("Menschen sind IN diesen Prozess eingebunden, werden IN diesem Prozess (dieser Kultur) sozialisiert UND geprägt. ").

Ja, ich HABE von Sozialisation gesprochen und diese Sozialisation beginnt beim Menschen unmittelbar nach der Geburt!
Sozialisation erfolgt durch soziale Interaktion, genauso wie durch Erziehung (Vermittlung von Werten, Regeln, Normen etc).
Die früheste Form von Sozialisation bzw sozialer Interaktion ist die Herausbildung der Mutter-Kind-Beziehung, die Entwicklung von Bindungsfähigkeit etc.
Das IST Sozialisation! Eine weitere Form der Sozialisation IST Prägung ==> "nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens: Während eines meist relativ kurzen, genetisch festgelegten Zeitabschnitts (sensible Phase) werden Reize der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoir aufgenommen, ..."
"Lernen durch Prägung findet statt, ohne dass Belohnung oder Bestrafung eine Rolle spielen. Lernen durch Prägung unterscheidet sich daher fundamental von einer Lernform wie dem Lernen durch Erfahrung wie z.B. durch Versuch und Irrtum.
Prägung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur in einer bestimmten Zeitspanne stattfinden kann, die daher als sensible Lebensphase bezeichnet wird. Prägung ist also nicht nachholbar."
Quelle


Natürlich ist das ein Prozess. Ich habe nie etwas anderes behauptet! Dennoch ist als Prägung bezeichnete Lernprozess, Teil der (menschlichen) Sozialisation, welcher zeitlich VOR der Internalisation liegt.

Und ganz nebenbei, Menschen sind nicht in den Prozess der Sozialisation eingebunden, sie gestalten ihn aktiv!

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jan 2019, 08:14)Begriffe wie "Nation", "Kultur" oder auch "Konstruktivismus" sind ambivalent, wurden mehrfach historisch überformt und werden im Ergebnis heute oft in verschiedenen Kontexten in ganz unterschiedlichen Auslegungen benutzt.

Jaja - nur sind die Begriffe eben nicht ambivalent und auch nicht überformt - außer man nennt sich/heißt (User) Schokoschendretzki.
Und dumm nur, dass es nicht "den" Konstruktivismus gibt, sondern verschiedene Formen und eine Form - der du jedoch anzuhängen scheinst - der Sozialkonstruktivismus wurde ad absurdum geführt ==> Sokal-Affäre.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Dark Angel » Do 10. Jan 2019, 18:35

H2O hat geschrieben:(10 Jan 2019, 17:19)

Wollte man Ihren Ausführungen folgen, dann würde europäische Gemeinschaftspolitik nur von darin belesenen Fachleuten ausgeübt und bewertet. Das ist aber nicht so. Nun fehlt mir nur noch der Hinweis, daß das der Grund ist, warum Europa so ist wie es ist. ;) Ich hoffe, Sie verstehen bei aller wissenschaftlichen Beflissenheit auch einen Spaß auf Ihre Kosten!

Der Hinweis liegt in der Geschichte Europas und die beginnt NICHT mit der Gründung der Montangesellschaft/EWG, sondern ein paar Jahrtausende früher.

H2O hat geschrieben:(10 Jan 2019, 17:19)Mit Ihrem Schlußsatz kann ich mich anfreunden, wobei ich meine, daß daraus auch noch mehr zu machen ist, wenn der enge Bund gelungen ist und lange Zeit schon gut zusammen gearbeitet hat. Ansonsten wäre ich froh, wenn wir da schon angelangt wären.

Ich spreche von keinem "engen Bund", sondern von der Zusammenarbeit freier souveräner Staaten.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon H2O » Do 10. Jan 2019, 19:38

Dark Angel hat geschrieben:(10 Jan 2019, 18:35)

Der Hinweis liegt in der Geschichte Europas und die beginnt NICHT mit der Gründung der Montangesellschaft/EWG, sondern ein paar Jahrtausende früher.

Ja, wer wollte da begründet widersprechen!
Ich spreche von keinem "engen Bund", sondern von der Zusammenarbeit freier souveräner Staaten.

Auch wieder ja; den Charakter der Zusammenarbeit bestimmen die beteiligten Völker aus eigenem Ermessen. So Gott will, wird es in einigen Jahrhunderten immer noch Deutschland geben mit Menschen, die sich "deutsch" empfinden. Es sei denn, der Klimawandel haut uns vorher schon um. :(
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 10. Jan 2019, 19:57

Immerhin kommt nochmal ein bisschen Schwung rein: https://www.tagesspiegel.de/politik/deu ... 44606.html

Merkel und Macron wollen in Aachen am 22. Januar einen neuen Freundschaftsvertrag als Nachfolger des Elysée-Vertrages unterzeichnen.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon H2O » Do 10. Jan 2019, 20:34

Ganz wunderbar, dieser neue Anlauf hin zu Gleichheit und Brüderlichkeit und Schutz unserer Freiheit! Ich wünsche beiden, Präsident Macron und unserer Kanzlerin Merkel, viel Glück bei der Umsetzung ihrer Pläne. Wieder ein Schritt zu mehr Gemeinschaft, zumindest zwischen Deutschland und Frankreich.

Daraus sollte doch mehr hervor gehen! Jedenfalls habe ich Lust auf mehr davon.

Und wie symbolträchtig der Ort der Unterschrift gewählt wurde: Aachen, eine der wichtigen Hauptstädte des Karolinger Reichs, des Ursprungs unserer beiden Länder.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon gugel » Fr 11. Jan 2019, 07:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jan 2019, 15:08)

Politik hat letztendlich noch nie etwas anderes gemacht als durch Vermittlung Interessenskonflikte zu lösen. Bis in die altgriechische Wortherkunft als "Angelegenheitsregler" in der Gesellschaft der Polis. Als es den Nationalstaat in der heutigen Form noch gar nicht gab.


Natürlich gab es die so nicht, weil national noch nicht geboren war. Nur, wenn ich meinen Christian Meier richtig verstanden habe, dann gab es da so was wie Sparta, Athen oder Theben und die Menschen dort dachten dann in den Kategorien dort um Identität zu haben und Interessen zu formulieren.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Dark Angel » Fr 11. Jan 2019, 13:50

H2O hat geschrieben:(10 Jan 2019, 19:38)

Ja, wer wollte da begründet widersprechen!

Auch wieder ja; den Charakter der Zusammenarbeit bestimmen die beteiligten Völker aus eigenem Ermessen. So Gott will, wird es in einigen Jahrhunderten immer noch Deutschland geben mit Menschen, die sich "deutsch" empfinden. Es sei denn, der Klimawandel haut uns vorher schon um. :(

Klimawandel hat es gegeben, so lange es die Erde gibt und es wird Klimawandel geben so lange die Erde (noch) existiert.
Der gegenwärtige Klimawandel, stellt da keine Ausnahme dar. Vom 15. Jh. bis Mitte des 19.Jh. herrschte in Europa die so genannte "Kleine Eiszeit". Seitdem steigen die Temperaturen. Der Einfluss des Menschen besteht in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Klimawandel vollzieht, nicht im Klimawandel selbst.
Die (gesamte) Menschheit vernichten, wird dieser Klimawandel nicht, auch wenn "Experten" davon ausgehen, dass etwa 75% die Folgen des Klimawandels nicht überleben werden - das wären dann aber immer noch ca. 1,5 Mrd. Menschen, genauso viele wie zu Beginn des 20.Jh. auf der Erde lebten.
Was aber sehr gerne vergessen wird, sind Plattentektonik und Kontinentaldrift - auf die hat Mensch definitiv KEINEN Einfluss.
In ca. 250 Mio Jahren wird es einen neuen Superkontinent "Pangäa Ultima" bzw "Pangäa Proxima" geben, dann ist ohnehin "Schluss mit lustig", weil es völlig veränderte klimatische Bedingungen - durch veränderte Meeresströmungen geben wird.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Alexyessin » Fr 11. Jan 2019, 13:52

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jan 2019, 13:50)

Klimawandel hat es gegeben, so lange es die Erde gibt und es wird Klimawandel geben so lange die Erde (noch) existiert.
Der gegenwärtige Klimawandel, stellt da keine Ausnahme dar. Vom 15. Jh. bis Mitte des 19.Jh. herrschte in Europa die so genannte "Kleine Eiszeit". Seitdem steigen die Temperaturen. Der Einfluss des Menschen besteht in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Klimawandel vollzieht, nicht im Klimawandel selbst.
Die (gesamte) Menschheit vernichten, wird dieser Klimawandel nicht, auch wenn "Experten" davon ausgehen, dass etwa 75% die Folgen des Klimawandels nicht überleben werden - das wären dann aber immer noch ca. 1,5 Mrd. Menschen, genauso viele wie zu Beginn des 20.Jh. auf der Erde lebten.
Was aber sehr gerne vergessen wird, sind Plattentektonik und Kontinentaldrift - auf die hat Mensch definitiv KEINEN Einfluss.
In ca. 250 Mio Jahren wird es einen neuen Superkontinent "Pangäa Ultima" bzw "Pangäa Proxima" geben, dann ist ohnehin "Schluss mit lustig", weil es völlig veränderte klimatische Bedingungen - durch veränderte Meeresströmungen geben wird.


Wenn die Menschheit es bis dahin überhaupt überleben kann ;)
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Billie Holiday » Fr 11. Jan 2019, 14:01

Alexyessin hat geschrieben:(11 Jan 2019, 13:52)

Wenn die Menschheit es bis dahin überhaupt überleben kann ;)


Dem Erdball ist das völlig wurscht.
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Dark Angel » Fr 11. Jan 2019, 15:26

Alexyessin hat geschrieben:(11 Jan 2019, 13:52)

Wenn die Menschheit es bis dahin überhaupt überleben kann ;)

Der Unwägbarkeiten gibts da viele, auf die Mensch gar keinen Einfluss hat.
Massen-/Artensterben, bei denen bis zu 90% aller Lebewesen "dahingerafft" wurden, ab es mehrere in der Erdgeschichte, ohne dass Mensch da irgend einen Einfluss hatte.
Dinsosauerier bevölkerten mit großer Artenvielfalt für ca 180 Mio Jahre die Erde und als es vor 66 Mio Jahren "kräfig rummste" befanden sie sich auf dem "absteigenden Ast" - Schuld daran waren u.a. Plattentektonik und der Ausbruch des Dekan-Trap.

Es gibt da einige Supervulkane - mind. zwei davon in Europa - deren Ausbruch das Ende der Zivilisation bedeuten würde, wie wir sie kennen - einschließlich eines Massen-/Artensterbens.
Dann gibt es da einen Asteroiden - genannt nach dem ägyptischen Gott der Auflösung und Finsternis "Apophis" - ein so genannter globaler Killer, welcher im Jahr 2029 in nur 30.000 km an der Erde "vorbeischrammt", dabei passiert eine Zone - das sogenannte Schlüsselloch - welche seine Bahn ablenken kann und es zu einem Impakt im Jahr 2036 kommen kann. ==> "Game over"
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Re: Eine Welt ohne Grenzen, der Nationalstaat am Ende?

Beitragvon Alexyessin » Fr 11. Jan 2019, 15:40

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jan 2019, 15:26)

Der Unwägbarkeiten gibts da viele, auf die Mensch gar keinen Einfluss hat.
Massen-/Artensterben, bei denen bis zu 90% aller Lebewesen "dahingerafft" wurden, ab es mehrere in der Erdgeschichte, ohne dass Mensch da irgend einen Einfluss hatte.
Dinsosauerier bevölkerten mit großer Artenvielfalt für ca 180 Mio Jahre die Erde und als es vor 66 Mio Jahren "kräfig rummste" befanden sie sich auf dem "absteigenden Ast" - Schuld daran waren u.a. Plattentektonik und der Ausbruch des Dekan-Trap.


In Zusammenwirkung mit dem Asteoriden, oder?
Naja, Sibirischer Trapp war wohl noch etwas heftiger.

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jan 2019, 15:26)
Es gibt da einige Supervulkane - mind. zwei davon in Europa - deren Ausbruch das Ende der Zivilisation bedeuten würde, wie wir sie kennen - einschließlich eines Massen-/Artensterbens.
Dann gibt es da einen Asteroiden - genannt nach dem ägyptischen Gott der Auflösung und Finsternis "Apophis" - ein so genannter globaler Killer, welcher im Jahr 2029 in nur 30.000 km an der Erde "vorbeischrammt", dabei passiert eine Zone - das sogenannte Schlüsselloch - welche seine Bahn ablenken kann und es zu einem Impakt im Jahr 2036 kommen kann. ==> "Game over"


Zwei? Golf von Neapel und welcher noch? Laacher See?
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