Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

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King Kong 2006
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 23. Dez 2018, 18:59

Kardux hat geschrieben:(23 Dec 2018, 00:22)

Nur um mich deutlicher auszudrücken: ich bestreite nicht die Rolle des Irans in der Abwehr und dem Zurückdrängen des IS. Besonders in den schiitischen Gebieten im Irak, waren die Hashd am Boden ein wichtiger Faktor. Und doch wäre der Kampf viel mühsamer gewesen, ohne die Luftunterstützung. Wie lange hätten denn die Hashd gebraucht die sunnitischen Gebiete im Norden vom IS zu befreien? Die Schlacht um Mosul wäre wohl ohne die Luftunterstützung bis heute nicht entschieden gewesen.

Ich bin wahrlich kein Militärexperte, aber die Luftunterstützung hatte im Kampf gegen den IS mindestens denselben Stellenwert wie die Bodentruppen. Das gilt sowohl für Syrien als auch den Irak. In Syrien kam die eigentliche Wende ja auch nur mithilfe der russischen Luftunterstützung - davor stand der IS vor den Toren der syrischen Hauptstadt. Und das obwohl auch in Syrien schiitische Milizen (u.a. die Hizbollah) vorort waren. Die erfolgreiche Koordination aus Luftunterstützung und boots on the ground war am Ende ausschlaggebend.

Ihre romantisierte Vorstellung der heroischen Kämpfer am Boden teile ich nicht.


Was ist an einem blutigen Bodenkampf gegen einen asymmetrischen Gegner in dieser Region romantisiert? Wenn ich Dreckfressen schreibe meine ich damit weder Romantik, noch Heroismus.

Ich will die Lufstreitkraft per se nicht kleinreden. Sie ist eine wichtige Teilstreitkraft. Aber sie wurde hier weder massiv eingesetzt, noch bringt sie gegen Guerillas besonders viel. In einem asymmetrischen Krieg hat sie nicht die Wirksamkeit, wie in einem Nationalstaatlichen oder Zwischenstaatlichen Krieg industrialisierter Nationen. Mannigfaltig Ziele in Rahmen des Transportwesen, Truppenansammlungen, Energieversorgung durch Kraftwerke, Rüstungsindustrie uvm. bot und bietet nicht der IS. Praktisch gar nicht. Der IS ist am Boden besiegt worden. Nicht in der Luft (es gab auch keine IS-Luftwaffe) oder aus der Luft. Und auf dem Boden waren praktisch keine US-Truppen.

Mag sein, daß russische, syrische, irakische, iranische und us-amerikanische (plus politische Gastauftritte aus Australien, Jordanien usw.) punktuelle Luftschläge hier und da geholfen haben. Aber das ist und war ein infanteristischer Bodenkampf. Ohne diese Art der Kampfführung würden immer noch die Luftfahrzeuge der oben erwähnten Staaten herumkurven, mehr nicht.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » So 23. Dez 2018, 21:01

King Kong 2006 hat geschrieben:(23 Dec 2018, 18:59)

Was ist an einem blutigen Bodenkampf gegen einen asymmetrischen Gegner in dieser Region romantisiert? Wenn ich Dreckfressen schreibe meine ich damit weder Romantik, noch Heroismus.

Ich will die Lufstreitkraft per se nicht kleinreden. Sie ist eine wichtige Teilstreitkraft. Aber sie wurde hier weder massiv eingesetzt, noch bringt sie gegen Guerillas besonders viel. In einem asymmetrischen Krieg hat sie nicht die Wirksamkeit, wie in einem Nationalstaatlichen oder Zwischenstaatlichen Krieg industrialisierter Nationen. Mannigfaltig Ziele in Rahmen des Transportwesen, Truppenansammlungen, Energieversorgung durch Kraftwerke, Rüstungsindustrie uvm. bot und bietet nicht der IS. Praktisch gar nicht. Der IS ist am Boden besiegt worden. Nicht in der Luft (es gab auch keine IS-Luftwaffe) oder aus der Luft. Und auf dem Boden waren praktisch keine US-Truppen.

Mag sein, daß russische, syrische, irakische, iranische und us-amerikanische (plus politische Gastauftritte aus Australien, Jordanien usw.) punktuelle Luftschläge hier und da geholfen haben. Aber das ist und war ein infanteristischer Bodenkampf. Ohne diese Art der Kampfführung würden immer noch die Luftfahrzeuge der oben erwähnten Staaten herumkurven, mehr nicht.


Der Verlauf des Krieges gegen den IS spricht für sich. Meine Beurteilung richtet sich nur daran. Ohne Lufthoheit wäre die Infanterie nicht weit gekommen und sie ist es auch nicht. Gerade weil der IS eine extrem asymmetrische Kriegsführung verfolgt hat, blieb sowohl Russen als auch Amerikanern keine andere Wahl als Städte wie Aleppo und Mosul in Schutt und Asche zu bomben. Die Infanterie säuberte dann die Reste und hat dabei große Verluste hinnehmen müssen, keine Frage.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 26. Dez 2018, 12:40

Trump hat seine Marschrichtung dargestellt.

Trump: Erdoğan wird IS-Jihadisten "ausrotten"

US-Präsident hält türkischen Staatschef für "Mann, der das kann"

https://derstandard.at/2000094702585/Tr ... -ausrotten


Trump: Saudi Arabia to pay for rebuilding Syria

https://www.middleeastmonitor.com/20181 ... ing-syria/


Also, um das zusammenzufassen, Trump hat mit 2000 Mann das geschafft, was vereinte syrische, irakische, iranische, russische, libanesische, afghanische usw. Truppen in Stärke von mehreren hundertausend Mann nach seiner Lesart wohl nicht geschafft haben. Nun zieht der nach eigenen Bekunden "größte US-Präsident der Geschichte" die US-Truppen aus der Region zurück. Jetzt soll Saudi-Arabien den Aufbau Syriens bezahlen und die Türkei weiterhin für die Kämpfe in Syrien zuständig sein. Gegen den IS wohlgemerkt... Hat man diese Anordnungen auch so in Riad und Ankara verstanden und verinnerlicht? ;)

Der Iran bemerkt nur lakonisch, daß die US-Intervention vom Start weg völlig überflüssig war und die Sache nur in die Länge gezogen hat, verschlimmbessert hat.

Iran says US presence in Syria 'wrong' from the start

In first Iranian comments on Trump's pull-out plan, Tehran says US caused 'instability and insecurity' in the region.

https://www.aljazeera.com/news/2018/12/ ... 49131.html


Da man unkt, daß die Saudis womöglich weder beliebt in der der Region noch für die Menschen dort großartig investieren wollen (Kamele und Greifvögel, Luxushotels sind Primärziele von solchen Investitionen) und die Türkei eher plant die kurdischen Gruppen kleinzuhalten, denn sich mit IS und Co. herumzuschlagen, soll sich die Kampftruppe, die im Irak und Syrien mit dem IS herumgeschlagen hat sich neu verdichten.

Iran Seeking to 'Build a Force of 100,000 Ground Troops' in Syria - IDF Chief


"The Iranian vision for Syria for the day after [the war]… was to build a force of 100,000 ground troops. There are already 20,000 fighters from Hezbollah, Shiite militias from Iraq, Afghanistan, and Pakistan, and thousands of advisers from Iran", Eisenkot said.

https://sputniknews.com/middleeast/2018 ... ops-syria/


Gen. Eisenkot, who is set to complete his four-year tenure next month, warned Iran will “build a force of 100,000 ground troops” as soon as the war is complete, noting this will happen “the day after” cessation of fighting.

https://iranian.com/2018/12/26/iran-gro ... -in-syria/


Interessant an der Aussage von IDF-General Eisenkot ist, daß der Iran - mutmaßlich - die Organisation der regionalen Streitkräfte erst dann erfolgreich weiter entwickeln kann, wenn Ruhe und Frieden einkehrt. Will man das? Zum Thema Interesse an Instabilität und Unterstützung aller möglichen Gruppen gegeneinander. ;)

Das ist ein anderes ernstes Thema. Der ständig Hype darum ist nicht förderlich weitere jüdische Einwanderer zu gewinnen. Auswanderer zu überzeugen zu bleiben. Seinen Lebensmittelpunkt, seine Familie und Geld in Israel, einem Land das jederzeit "atomar" von der Landkarte gefegt werden kann, oder neuerdings von hundertausenden "Terroristen" die sich zum Sturm hinter dem Golan zusammenrotten überschwemmt könnte, weiter zu gestalten. Deshalb fühlte sich General Eisenkot auch genötigt den propagandistischen Spagat zu vollführen einerseits vom Endzeitszenario zu berichten, dann aber gleichzeitig zu kommunizieren, das die gefühlte und tatsächliche Bedrohung weit auseinanderliegen würden...

Ein früherer israelischer Minister for housing hat das mal klar formuliert, das ständige Drohszenario hat nicht nur Potential für politische und militärische Hilfe für Israel, sondern nagt und zersetzt auch auf Dauer das Sicherheitsgefühl in Israel. Wenn man ständig zu hören bekommt, das ein Atomschlag oder jetzt zusätzlich massiver Bodenangriff bevorsteht sollte sich jeder fragen, ob er in solch ein Land und Region mit Familien und Geld hinziehen oder bleiben will.

Seit Jahren halte ich das für eine für Israel weitaus gefährlichere Situation, diese Kultivierung dieser speziellen Situation. Neben dem israelischen Bauminister (Name leider vergessen) und mir hat sich auch Broder diesem Gedanken aufgeschlossen gezeigt. Er konnte zwar seine Spitzen nicht lassen, hat aber wohl die Situation an sich erfasst. Von 2009:

Die Iraner ihrerseits wissen, dass eine Drohkulisse nur glaubwürdig sein muss, damit sie dieselbe Wirkung erzielt wie der faktische Einsatz der angedrohten Mittel. Sie brauchen Israel nicht anzugreifen, es reicht, wenn diese Option im Raum steht. Israel wird nicht von heute auf morgen kollabieren, könnte aber mit der Zeit erodieren: durch Auswanderung, Demoralisierung und wirtschaftlichen Niedergang. Wer möchte schon in einem Land leben oder in ein Land investieren, über dem eines Tages der Atompilz aufgehen könnte?

Es wäre schön, wenn Obama mit seiner Strategie Erfolg hätte, Iran einzubinden. Es wäre schrecklich, wenn es ihm nicht gelingen würde. Nüchtern betrachtet, hat er kaum eine Chance.

Dennoch ist es richtig, dass er sie nutzt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 25714.html


Nun ja, Obama hat sie genutzt und den Iran in ein gewaltiges Vertragswerk eingebunden (sprichwörtlich), das seinesgleichen sucht! Und es hat funktioniert. Wann hat man davor das letzte Mal einen us-amerikanischen und iranischen Außenminister zusammen spazieren, lachen und sinieren sehen, zwischen den Gesprächen? Jetzt wieder undenkbar. Trump hat das internationale Abkommen mit dem Iran trotz weltweitem Entsetzen faktisch ruiniert. Nix mit Einbinden. Sicher in Absprache mit seinem Nahostexperten und Freund von Netanjahu, Kushner (Trump selbst hat von dem Thema mit Sicherheit keine Ahnung und Null Interesse... Er konnte ja nicht mal Syrien und Irak beim Schokokuchenessen auseinanderhalten, als er einen durch Vorwarnung geräumten Flugplatz in Syrien angreifen ließ).

Bizarrerweise versucht ausgerechnet der iranische Außenminister Zarif den Druck herauszunehmen. Das spielt aber keine Rolle mehr.

On accusations that Iran seeks to destroy Israel, Zarif said Iran has never said it will wipe Israel off the map.

“When did we announce we will destroy Israel? Just show us one body [Iranian official] who has said this. No one said this,” he said.

https://ifpnews.com/exclusive/iran-neve ... try-zarif/


Zurück zu der Intervention in Syrien/Grenzregion Irak.

Trump hat nachdem er wie gesagt mit 2000 Mann und Flugzeugen den IS besiegen konnte, vor sich aus Ostsyrien weitesgehend zu verabschieden. Bleiben übrig:

HOW TURKEY, IRAN AND RUSSIA WILL TRY TO AGREE ON EASTERN SYRIA

All evidence points to these countries cooperating in eastern Syria for now.

https://www.jpost.com/Middle-East/How-T ... ria-575388


Die Interessen sind komplex. Teheran hat Verständnis für die Sicherheitsinteressen der Türkei, ist aber gegen einen massiven Einmarsch der Türkei aber auch gegen einen kurdischen Staat und für die Integrität Syriens. Alles muß mit Damaskus abgesprochen sein dahinsichtlich. Auch temporäre Eingriffe der Türkei. Die wiederum ist mit Assad nicht so grün und man unterstützt(e) auch Milizen die völlig diametral zueinander stehen. Andererseits ist die Türkei besonders besorgt und deshalb nicht erpicht sich zurückhaltend zu verhalten, weil die Grenze mit kurdischer Bevölkerung zur Türkei hin auf syrisch-irakischer Seite verdammt groß ist. Auch ist die Türkei nicht wirklich davon begeistert, das Trump so schnell - nach erfolgreicher Schlacht - sich aus Syrien verabschiedet. Das findet wiederum der Iran famos und längst überfällig. Israel wiederum gar nicht. Russland kann wiederum etwas befreiter auftreten in Syrien, ohne die USA. Und sein politisches Gewicht erhöhen. Als Dolmetscher für die Belange mit z.B. dem Iran oder zwischen Israel und dem Iran usw. Kann auch helfen die Lage in der Ostukraine für die USA neu zu bewerten, wenn Russland soviel anbieten kann.

Der US-Verteidigungsminister hat sich in die lange Reihe von Beratern gestellt und nach den genial-bizarren Schachzügen von TV-Clown Trump erstmal gekündigt. Umso wichtiger nun der direkte Draht zum Nahostspitzenexperten und Schwiegersohn Jared Kushner. Vielleicht kann Netanjahu, über ihn Trump noch irgendwie erreichen... Aber auch Netanjahu hat wohl gemerkt, am Ende kennt Trump nur sich selbst. Und sein Wahlvolk. Die wollen zwar eine great USA, aber nix in Nahostregion, oder? Gerade für so eine ichbezogene Haltung sollte Netanjahu - persönlich - Verständnis aufbringen? ;)
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon keinproblem » Mi 26. Dez 2018, 16:02

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Dec 2018, 09:36)

Die USA sind die Garantiemacht der kurdischen YPG/PKK/PJAK in Syrien. Im Irak ist es fast schon eher der Iran. Wenn die USA sich da zurückziehen fehlt diese Garantiemacht. Wobei die USA natürlich die YPG und diverse auch nur dann braucht, wenn es ihren Interessen dient. Zur Zeit sind sie offenbar nicht nutze.

Ob die Spannungen zwischen den USA und Iran herausgenommen werden, ist zu bezweifeln. Trump - nicht die USA - hat mit dem Aufkündigen dieses bedeutenden internationalen Abkommens mit dem Iran einen ungeheuren Schaden angerichtet. Nicht nur in der internationalen Politik, nicht nur für die iranische Bevölkerung, auch für die USA selbst. Erst sein Nachfolger wird vielleicht in der Lage sein durch eine behutsame Annäherung da wieder anzusetzen, wo die USA vor dem TV-Clown war.

Offenbar wissen aktuell nicht einmal die nahestehenden "Berater" von Donald, was da los ist.

Im Ernstfall kennt Trump nur sich. Vermutlich will er Pluspunkte bei seiner Wählerschaft sammeln. Oder er hat Angst, das sein Kurs gegen den Iran sich so zuspitzen kann, das das US-Personal in Syrien aus Sicherheitsgründen besser abzieht. Dann müsste er ja wieder zeigen, was für ein harter Kämpfer er wäre. Und wie schlapp der sogar gegen Nordkorea ausgesehen hat, muß man nicht erwähnen. Große Klappe und nix dahinter. Obama war ja sogar tougher in der Syrienfrage als dieser TV-Komiker. Dem wäre die Absage an ein regime change nicht eingefallen. Donald ist auch hier eingeknickt.

Diese Katastrophe haben jene YPG Führer selbst zu verantworten. Ich hoffe nur, dass alle Parteien wenigstens vorerst von Gewalt absehen.

Ich finde es falsch Trump dafür zu kritisieren, Soldaten abzuziehen. Die genauen Motive hinter der Entscheidung kennt wohl keiner, aber es ist allgemein hin trotzdem begrüßenswert, dass er nicht beinhart die Schiene seines demokratischen Vorgängers weiterfährt. Trumps Gegner ist China und der Iran interessiert ihn bzw. sein Konglomerat nur in sofern, als dass das Jahrtausendprojekt der neuen Seidenstraße maßgeblich mit der persischen Region zusammenläuft.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 26. Dez 2018, 21:49

keinproblem hat geschrieben:(26 Dec 2018, 16:02)

Diese Katastrophe haben jene YPG Führer selbst zu verantworten. Ich hoffe nur, dass alle Parteien wenigstens vorerst von Gewalt absehen.

Ich finde es falsch Trump dafür zu kritisieren, Soldaten abzuziehen. Die genauen Motive hinter der Entscheidung kennt wohl keiner, aber es ist allgemein hin trotzdem begrüßenswert, dass er nicht beinhart die Schiene seines demokratischen Vorgängers weiterfährt. Trumps Gegner ist China und der Iran interessiert ihn bzw. sein Konglomerat nur in sofern, als dass das Jahrtausendprojekt der neuen Seidenstraße maßgeblich mit der persischen Region zusammenläuft.


Im 19. Jahrhundert nannte man das "Great Game". Den Kampf um die Transportwege in Zentralasien. Damalige Interventionisten waren Great Britain und das Zarenreich. Früher nannte man das "Imperialismus". Das hat mittlerweile einen negativen Touch, deshalb nennt man das jetzt "Geopolitik". Noch vor ein paar Jahren war das ein solches Tabu, daß sogar der ehemalige dt. Präsident Köhler deswegen seinen Hut nehmen mußte. Das zu benennen. Noch heute versucht man das deshalb zu umgehen und versucht moralische Keulen, wie "Atomwaffen" vorzuschieben. Unter Trump wurde nochmal klar, das dies Humbug ist.

Es wurde offenbarer, das es um "Verhalten" geht. Der Iran ist ein Stück Land, auf das die USA dort praktisch keinen Zugriff haben. Zudem führen viele Weg durch den Iran. Und für China (und Indien) ist das ebenso wichtig. Der Kampf in der Region ist maßgeblich ein Kampf um Transportwege und Kontrolle dieser. Weil das uncool klingt dafür Blut zu vergiessen und Diktatoren zu stützen nennt man andere Schreckensgespenter, wie Atomwaffen und Genozide. Sonst - siehe Köhler.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Do 27. Dez 2018, 21:00

Stimmen im Irak fordern den Abzug der US-Truppen.

Die Stippvisite Trumps im Irak ohne Begegnung mit Offiziellen Iraks erinnere an die Besatzungszeit nach dem Krieg und würde den Eindruck erwecken, der Irak wäre Teil der USA.

Iraqi lawmakers Thursday demanded U.S. forces leave the country following a surprise visit by President Donald Trump that politicians denounced as arrogant and a violation of national sovereignty.


Iraqi lawmakers were smarting after the U.S. president left three hours after he arrived without meeting any officials, drawing unfavorable comparisons to the occupation of Iraq after the 2003 invasion.

"Trump needs to know his limits. The American occupation of Iraq is over," said Sabah al-Saidi, the head of one of two main blocs in Iraq's parliament.

Trump, al-Saidi added, had slipped into Iraq, "as though Iraq is a state of the United States."

https://abcnews.go.com/International/wi ... t-60030929
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 28. Dez 2018, 11:11

Durch einen weiteren genialen Schachzug des TV-Clowns Trump müssen sich jetzt die Kurden an Assad wenden. Sie wollen syrische Truppen in ihrem Gebiet.

Geplanter US-Truppenabzug

Syrische Kurden bitten Assad um Hilfe gegen die Türkei

Kurden im Norden Syriens fürchten nach dem Truppenabzug der Amerikaner das türkische Militär. Jetzt wenden sie sich an Diktator Assad.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien haben die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad um Beistand bei der erwarteten türkischen Militäroffensive gebeten. Die YPG rief die Regierung in Damaskus auf, Truppen in die von ihnen kontrollierten Gebiete im Norden Syriens zu verlegen.


Syrische Armeeeinheiten können wieder nach Jahren in altes Gebiet einrücken.

Der Generalstab der syrischen Armee verkündete am Freitagvormittag nun, dass Einheiten der Regierungstruppen in die nördliche Stadt Manbidsch eingerückt seien und die syrische Flagge in der Stadt gehisst hätten. Der Schritt sei eine Reaktion auf die Bitte der lokalen Verwaltung. Nach Auskunft von Augenzeugen verhandeln die Regierungstruppen und der Militärrat, der Manbidsch derzeit regiert, darüber, zu welchen Bedingungen die Regierungstruppen den kurdischen Kämpfern in der Stadt helfen.


Rückkehr nach mehr als sechs Jahren

Es ist das erste Mal seit sechseinhalb Jahren, dass Kräfte des syrischen Regimes in die Stadt zurückkehren. Im Juli 2012 hatte ein lokales Rebellenbündnis die Regierungstruppen aus Manbidsch vertrieben. Damals war der Ort eine der erste Großstädte Syriens, in denen Assad die Kontrolle verlor.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 45643.html


Noch sind geringe frz. Truppen vor Ort. Die werden wohl durch die syrische Oberhoheit ersetzt werden.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 28. Dez 2018, 22:47

Die arabischen Herrscher machen ihren Frieden mit Assad? Warum nicht, alle arabischen Herrscher sitzen irgendwo im selben Boot. Was ihre Legitimität betrifft.

Die arabischen Herrscher machen ihren Frieden mit Assad

Die Emirate eröffnen ihre Botschaft in Damaskus wieder, Tunesien will Assad in der Arabischen Liga haben: Die Herrscher in Nahost rehabilitieren den syrischen Diktator. Ihr Motiv ist so egoistisch wie durchschaubar.


Mit der Rehabilitierung Assads setzen die arabischen Herrscher auch ein Zeichen an ihre innenpolitischen Gegner: Aufstände lohnen sich nicht.


Diese Angst vor der nächsten Revolte zeigt sich auch im Umgang mit den Massenprotesten im Sudan. Dort demonstrieren seit zehn Tagen Tausende gegen Diktator Umar al-Baschir. Die anderen arabischen Staatschefs haben dem gesuchten Kriegsverbrecher, der sein Land seit fast 30 Jahren autoritär regiert, ihre Unterstützung zugesichert. Die staatlich gelenkten Medien in der arabischen Welt spielen die Proteste im Sudan herunter, oder stellen sie als das Resultat einer finsteren ausländischen Verschwörung dar.

Zwei Tage vor Beginn der Demonstrationen im Sudan hatte Baschir übrigens eine aufsehenerregende Staatsvisite absolviert: Er besuchte Assad in Damaskus.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 45679.html


Wer sagt, daß Assad keine demokratische Legitimation hat, der sollte mal nach dem Familienclan der al-Sauds und ihrer rechtsstaatlichen Legitimation fragen, der Unterdrückung und Verfolgung im Land. Und dem verherrenden Krieg im Jemen. Aber da spielen blutige Interessen die Rolle, wer ein guter Diktator ist und wer nicht.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Audi » Fr 28. Dez 2018, 23:03

Saudi-Arabien hat nichts gegen Mitgliedschaft Syriens in Arabischer Liga

Saudi-Arabien hat nichts gegen die Rückkehr Syriens in die Arabische Liga. Riad habe alle arabischen Länder von seiner Position in Kenntnis gesetzt, wie der arabische TV-Sender Al-Mayadeen unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtet.

https://de.sputniknews.com/politik/2018 ... rstellung/

Das wird Darklight nicht schmecken
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 29. Dez 2018, 00:42

Was für ein Theater. ;)
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 1. Jan 2019, 23:23

Irak erweitert die Operationen im Anti-Terrorkampf auf syrischen Gebiet. Assad hat dem Iraqi National Security Adviser Faleh al-Fayad Grünes Licht gegeben. Das geht soweit, daß Bagdad jederzeit - ohne Rücksprache mit Assad - auf dem Boden und in der Luft zuschlagen darf.

Iraq hints at bigger role in Syria after U.S. withdrawal

https://www.reuters.com/article/us-usa- ... SKCN1OV1E4


Neben den irakischen Sicherheitsorganen (inklusive den Milizen) fliegt die irakischen Luftwaffe Angriffe in Syrien.

Iraqi jets strike ISIS target in Syria a day after Damascus carte blanche

Baghdad eyes larger role in neighbouring war-torn country


Iraqi fighter jets struck an ISIS position inside Syria on Monday, a day after the Syrian government authorised its neighbour to target the militants at will.

Iraq's Joint Operations Command said F-16s struck a two-storey house in Souseh, close to the border, that was being used as a meeting place for ISIS leaders.

Syrian President Bashar Al Assad on Sunday authorised Iraqi forces to attack ISIS militants inside Syria without waiting for permission from Damascus.


Iran-backed Iraqi paramilitary forces are already stationed along the Syria border where they act as a buffer against militant incursions into Iraq territory.

Iraqi militias are also operating inside Syria, where they fight alongside Iran-backed pro-government forces, including the Lebanese Hezbollah
.

https://www.thenational.ae/world/mena/i ... e-1.808058
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 8. Jan 2019, 23:28

Die Interventionisten USA und Türkei.

Die USA gehen. Die syrische Opposition ist wieder auf dem Vormarsch.

Die Haltung der Türkei ist nicht ganz klar. Erdogan hat den Neocon-Profiexperten Bolton (siehe damaliges Irak-Adventure der Bush-Administration und Haltung gegenüber dem Iran) abblitzen lassen.

Die Dschihadisten erobern, die Türkei schaut zu

In Nordsyrien rückt die Terrormiliz HTS vor, ein fatales Signal. Die Offensive zeigt: Entweder ist die Türkei nicht in der Lage, die Macht der Dschihadisten zu brechen - oder nicht willens.


"Trump hat Recht in Sachen Syrien. Die Türkei kriegt das hin": So hat Recep Tayyip Erdogan einen Gastbeitrag in der "New York Times" überschrieben, in dem er dafür wirbt, dass sein Land nach dem beschlossenen Rückzug der US-Truppen die Ordnungsmacht im Nordosten Syriens wird.

Aber kriegt die Türkei das wirklich hin? Die Ereignisse in der Region um Idlib seit Jahresbeginn lassen daran zweifeln. Dort ist die Terrororganisation Hayat Tahrir al-Scham (HTS) auf dem Vormarsch. Die Miliz ging 2016 aus der Nusra-Front hervor, dem syrischen Zweig des Terrornetzwerks al-Qaida. In den vergangenen Tagen eroberte die HTS mehrere Dörfer und zwei Kleinstädte. Diese hatten Milizen kontrolliert - von der Türkei unterstützt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 47003.html


Die Trump-Administration hat zwar davon gesprochen, die Türkei möge sich gegenüber den Kurden zurückzuhalten, aber talking is cheap. Trump denkt vielleicht, mit diesen gesegneten Aussprüchen würde er irgendwie moralisch gut wegkommen. Aber die Handlungen sprechen eine andere Sprache. Das zählt. Das weiß man in der Region.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 8. Jan 2019, 23:57

John Bolton - Spitzenergebnisse seiner Neocon-Arbeit betreffs Irak, Iran und Nahost sind heute zu bewundern - muß ja die Kinnlade runterklappen. Vermutlich dauert es nicht mehr lange und er hat einen Burnout, wie seine Vorgänger in der Trump-Freakshowtruppe, auch Administration genannt.

Sein Boss, Donald Trump, scheint nicht mehr so gerne auf Konfrontationskurs zu gehen. Ihm wird das Ganze in Nahost wohl langsam bewußt, wozu ihn seine "Berater" Bolton, Kushner und Co. getrieben haben. Wäre er wohl nur auf seinen Golfplätzen geblieben - wird er sich wohl denken. Er soll ja über seine Wahl zum US-Präsidenten (mit immerhin den zweitmeisten Stimmen) selber geschockt gewesen sein... Wie auch immer. Bolton versucht da weiter zu machen, wo er unter Bush aufhören mußte. Aggressives Pressing in Nahost. Pippi Langstrumpfmäßig einfach sich etwas denken, was gar nicht da ist. Nach Erfolgsgeschichten im Irak, Afghanistan, jetzt Syrien und im Angesicht der Nemisis Iran. Und jetzt diese Aussage von Trump:

Iran’s leaders ‘can do what they want’ in Syria, Trump says, defying top aides

WASHINGTON — In his first Cabinet meeting of the year, President Donald Trump stuck a dagger in a major initiative advanced by his foreign policy team: Iran’s leaders, the president said, "can do what they want" in Syria.

With a stray remark, Trump snuffed out a plan from his national security adviser, John Bolton, who this fall vowed that the United States would not leave Syria "as long as Iranian troops are outside Iranian borders."

https://www.stripes.com/news/iran-s-lea ... s-1.563125


Damit zerstört er die Gesamtstrategie Boltons.

Wie lange wird Bolton das durchhalten? Dabei hat Bolton sehr gekämpft in die Nähe von Trump zu kommen. Einen Platz beim Sonnenkönig zu erheimsen. Die Umgebung Trumps hat Bolton lange Zeit daran hindern können in die Nähe des aktuellen Präsidenten zu kommen. Um wohlweislich die bellizistischen Strategien von Bolton nicht in das Gehirn von TV-Star Trump kommen zu lassen. Irgendwann waren soviele fähige Mitarbeiter von Trump weggelobt und gekündigt worden, daß Bolton, der versuchte über Kommentare und Analysen in Think Tanks und rechten Medien Trumps Gehör zu finden in den Fokus dessen gelang. So viel Mühe und jetzt zerschmettert Trump die Strategien von Bolton. Die waren schon damals unter Bush Schrott und jetzt auch noch. Ob Trump das weiß ist zu bezweifeln. Der will wohl nur noch sein altes Leben zurück. Und von den Wählern geliebt werden.

Das ganz Team Trump ist für eine Strategie für den (vorder-)asiatischen Raum nicht tauglich. Was erschwerend dazu kommt. Das Team Trump hat die Arbeit von Obama, die zwar nicht das Gelbe vom Ei war, aber funktioniert hat, praktisch zerstört. Und das Einzige, was Team Trump dazu einfällt ist Chaos, keine Strategie und erstmal die Biege machen.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 11. Jan 2019, 17:55

Die USA ziehen ab.

US-Militär beginnt mit Abzug aus Syrien

Washington – Die von den USA geführte Koalition zur Bekämpfung der IS-Miliz hat den Beginn des Truppenabzugs aus Syrien am Freitag offiziell bekanntgegeben. Die Anti-IS-Koalition habe "den Prozess des gezielten Abzugs aus Syrien begonnen", erklärte Oberst Sean Ryan, ein Sprecher des Bündnisses. Zuvor hatte bereits ein Vertreter des US-Verteidigungsbereichs berichtet, dass die USA mit dem Abzug von militärischem Material aus dem Bürgerkriegsland begonnen hätten.

derstandard.at/2000095931468/US-Militaer-beginnt-mit-Abzug-aus-Syrien


Aber Mike wird trotzdem den Iran ausschimpfen. Bei einer Konferenz im Februar in Polen. Das muß einfach.

Pompeo says US to host world summit focused on Iran next month

https://thehill.com/policy/internationa ... next-month
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 13. Jan 2019, 09:40

Der Rückzug der USA aus der Region wäre nur taktisch, beruhigt der Außenminister in der Trump-Administration.

Pompeo Says The U.S. Troop Withdrawal From Syria Is Just A 'Tactical Change'


Man ziehe zwar das gesamte Bodenpersonal ab, aber im Geiste bliebe man ja den interventionistischen Gedanken verhaftet und vor Ort.

Just because a "couple thousand uniform personnel" will be leaving Syria, Pompeo said, doesn't mean that U.S. interests have changed.

https://www.npr.org/2019/01/12/68478783 ... cal-change


Erdogan hat zwar Neocon-John Bolton und Top-Berater von Trump gar nicht erst empfangen aber Mike Pompeo wäre sehr optimistisch in der Kurdenfrage. Das sehen Kurden vor Ort allerdings anders.

Syria conflict: Pompeo 'optimistic' on deal to protect Kurds

https://www.bbc.com/news/world-middle-east-46853979
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 23. Mär 2019, 11:08

Trump liefert in gewohnter Qualität.

Trumps Golan-Tweet ist eine Katastrophe für die ganze Region

Der Frieden im Nahen Osten jedenfalls rückt nach der Anerkennung der Golanhöhen als Teil Israels in immer weitere Ferne.


Wie müssen sich jetzt die arabischen Brüderstaaten verhalten?

Donald Trump schließlich könnte die Anerkennung der Golanhöhen als Teil Israels schaden. Wie soll da noch sein Nahost-Friedensplan funktionieren, den er angeblich rasch nach den Wahlen in Israel präsentieren möchte? Denn nun sind die arabischen Staaten gezwungen, sich hinter Syrien zu stellen.


Für die Palästinenser verheißt das nichts Gutes. Sie müssen nun fürchten, dass die USA unter Trump auch bereit sein könnten, einer Annektierung der von Israel besetzten palästinensischen Gebiete zuzustimmen. Vor eineinhalb Wochen erst wurden in einem offiziellen Bericht des Außenministeriums der Begriff "besetzt" für das Westjordanland und den Gazastreifen gestrichen.


Zugleich erscheint es - neben der Wahlkampfhilfe für seinen Freund - auch wie ein Versuch den verlorenen Einfluß der USA durch knackige Tweets (mit weitreichenden Folgen) zu maskieren.

Der Versuch, nach dem überhasteten Rückzug aus Syrien wieder als Gestaltungsmacht im Nahen Osten ins Spiel zu kommen und den Israelis eine Art Entschädigung zu bieten, ist riskant.

https://www.sueddeutsche.de/politik/isr ... -1.4378968
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » Di 2. Apr 2019, 08:36

Die Arabische Liga musste sich nach der Donald Trump und Jared Kushner-Intervention betreffs dem Golan positionieren. Die EU wird folgen.

Trumps Golan-Entscheidung auf Gipfel Arabischer Liga zurückgewiesen

Mogherini machte für die EU eine Ablehnung deutlich

Tunis – Die arabischen Staats- und Regierungschefs haben die US-Anerkennung der Golan-Höhen als Staatsgebiet Israels einhellig zurückgewiesen. Saudi-Arabien lehne alle Maßnahmen entschieden ab, die die Souveränität Syriens berühren könnten, sagte der saudische König Salman am Sonntag beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Tunis.

Der libanesische Präsident Michel Aoun erklärte, die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zum Golan und die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt verstießen gegen internationale Resolutionen.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, sagte: "Besatzung ist ein Verbrechen und sie zu legalisieren eine Sünde." Einem Entwurf zufolge wollte das Staatenbündnis in einer Abschlusserklärung Trumps Golan-Entscheidung ebenfalls kritisieren.


Auch die zum Gipfel eingeladene EU-Außenbeauftragte äußerte sich zur Nahost-Politik der USA unter Donald Trump kritisch, ohne die Namen des Landes oder des Präsidenten zu nennen. Laut Redetext sprach Federica Mogherini von einem "besorgniserregenden Trend", wonach der Mächtige bestimmt, welches Recht herrscht. Eine Lösung, bei der ein Teil der Konfliktparteien ausgeschlossen sei, sei jedoch keine nachhaltige Lösung. Aber: "Wir haben die Pflicht, in echte Lösungen zu investieren." Ein geteiltes Syrien sei ebenso wenig eine Lösung, wie die Palästinenser ohne Staat zu lassen, oder Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates zu den Golan-Höhen zu ignorieren.

derstandard.at/2000100543993/Trumps-Golan-Entscheidung-auf-Gipfel-Arabischer-Liga-zurueckgewiesen
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Tom Bombadil » Di 2. Apr 2019, 12:41

Antisemiten unter sich.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Wolverine » Di 2. Apr 2019, 14:02

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Apr 2019, 12:41)

Antisemiten unter sich.


Immer wieder die Behauptung von "palästinensischen Gebieten." Die gibt es noch nicht, da die Häuptlinge der Betroffenen sich weigern die UN-Resolution 181 anzuerkennen. Man nennt die Gebiete nicht umsonst Autonomiegebiete und im internationalen Konsens werden sie als "umstrittene Gebiete " bezeichnet, da es konkurrierende Ansprüche gibt.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
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Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 23. Jun 2019, 09:59

Der einzig brauchbare Grenzübergang zwischen dem Irak und Syrien wird zunehmend im Kampf gegen den IS in der unwirtlichen Region genutzt und infrastrukturell ausgebaut.

Syrische und irakische Einheiten operieren dort koordiniert.

Pro-regime and Iran-backed militias sweep Syria-Iraq border for ISIS cells

Pro-Syrian regime forces are conducting a joint operation with Iraq’s Hashd al-Shaabi (Popular Mobilization Units), sweeping Syria’s eastern desert near the Iraq border for ISIS cells, multiple sources told The Defense Post.

The operation brought together units from Syria’s National Defense Forces militias, Syrian Arab Army regulars, Lebanese Hezbollah, and Iraqi PMUs on both sides of the border.

The NDF claimed its participation on social media on Friday.

“The Syrian [Arab] Army and the National Defense Forces in Deir Ezzor in cooperation with the Iraqi Army and [other Iraqi] forces, are participating in combing the border strip between Syria and Iraq, departing from the city of Al-Bukamal towards the outskirts of the Tanf oil field,” an NDF statement read.


The area is considered strategic for moving personnel and equipment from Iraq into Syria via the Qaim border crossing.


“Coalition operations will continue to target Daesh’s capacity to reemerge, which includes targeting its financial, explosive-manufacturing, communication, recruiting, planning, training and smuggling activities,” a Coalition spokesperson told The Defense Post.

https://thedefensepost.com/2019/05/06/i ... sis-cells/
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