Handelskrieg

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Re: Handelskrieg

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 18. Jun 2018, 15:05

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2018, 14:55)

Könnte man so machen. Ob er aber mitmacht, wenn er plötzlich nicht mehr Treibender, sondern Mitgenommener ist? Auch da habe ich Zweifel. Wie gesagt, das wäre praktikabel, wenn alle mitmachen.

Sicher, Frankreich, GB und weitere sollten mit dabei sein, wobei DE ja durchaus einen gewissen Einfluß hat.
In den USA spielt der Kongress eine große Rolle, aber auch Parteien und Zivilgesellschaft haben sich ja nicht in Luft aufgelöst. Es sind immer wieder Stimmen zu hören, die nicht nur Trump an sich kritisieren, sondern die auch besorgt nach dem Umgang mit Verbündeten fragen. Ein stimmiges Signalhorn aus der Alten Welt würde man wohl schon vernehmen.

Also, wir sind uns einig. Ob Amis und Europäer mitmachen, ist nochmal eine andere Frage. ;)
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Orbiter1
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Orbiter1 » Di 19. Jun 2018, 07:00

DarkLightbringer hat geschrieben:(16 Jun 2018, 12:05)

Zur Vergeltung der Vergeltung sind sogar 100 Milliarden Dollar geboten, also doppelt so viel wie beim Erstschlag.
Trump hat hier nochmal nachgelegt und aus den 100 Mrd $ Vergeltung mal eben 200 Mrd $ gemacht. https://amp.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 06982.html Da kann China nicht mehr mithalten. Die haben ja im gesamten letzten Jahr gerade mal Waren im Wert von 130 Mrd $ aus den USA importiert, aber Waren im Wert von 505 Mrd $ in die USA exportiert. Bei diesem extremen Mißverhältnis wird den Chinesen gar nichts anderes übrig bleiben als Trump massiv entgegenzukommen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 07:29

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:00)

Trump hat hier nochmal nachgelegt und aus den 100 Mrd $ Vergeltung mal eben 200 Mrd $ gemacht. https://amp.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 06982.html Da kann China nicht mehr mithalten. Die haben ja im gesamten letzten Jahr gerade mal Waren im Wert von 130 Mrd $ aus den USA importiert, aber Waren im Wert von 505 Mrd $ in die USA exportiert. Bei diesem extremen Mißverhältnis wird den Chinesen gar nichts anderes übrig bleiben als Trump massiv entgegenzukommen.

Wie sollte dieses Entgegenkommen denn aussehen?
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Jun 2018, 07:44

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:00)

Trump hat hier nochmal nachgelegt und aus den 100 Mrd $ Vergeltung mal eben 200 Mrd $ gemacht. https://amp.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 06982.html Da kann China nicht mehr mithalten. Die haben ja im gesamten letzten Jahr gerade mal Waren im Wert von 130 Mrd $ aus den USA importiert, aber Waren im Wert von 505 Mrd $ in die USA exportiert. Bei diesem extremen Mißverhältnis wird den Chinesen gar nichts anderes übrig bleiben als Trump massiv entgegenzukommen.


China kann sich nicht erpressen lassen. Für einen Chinesen ist der Verlust des Gesichts schlimmer als der Tod. Sie werden keine US-Anleihen mehr zeichnen. Und im Verlauf einer weiteren Eskalation US-Anleihen verkaufen. So könnte es laufen wenn man sich nur noch gegenseitig erpresst. Trump hat da einen Politikstil eingeführt der direkt in die Katastrophe führt.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Jun 2018, 07:52

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 12:40)

Es geht aber um die Zölle und nicht um die Vorstellung, deutsche Waren müssten schlechter werden. Die Autos sind gut, das stimmt - für die Handelsüberschüsse gibt es aber noch ganz andere Gründe.

Der Durchschnittszoll der EU liegt bei 5,2 Prozent, die USA verlangen im Vergleich lediglich 3,5 Prozent.

Eine schlichte Steuersenkung hier im Inland würde den Überschuss auch reduzieren - die Leute hätten mehr Geld und könnten sich Äpfel oder Weintrauben aus Florida leisten, die mit 17 bzw. 20 % Zoll belegt sind.
In dem Fall müssten die US-Weintrauben, die statt 1,50 Euro 1,80 Euro kosten, besonders wettbewerbsfähig sein.


US-Firmen generieren 150 Miliarden mehr Gewinne in Europa als europäische Firmen in Amerika. Wenn du über Ungleichgewichte neu verhandeln willst muß natürlich auch über die Gewinne von US-Firmen und deren Besteuerung verhandelt werden. Um das Ungleichgewicht abzubauen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 08:38

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:44)

China kann sich nicht erpressen lassen. Für einen Chinesen ist der Verlust des Gesichts schlimmer als der Tod. Sie werden keine US-Anleihen mehr zeichnen. Und im Verlauf einer weiteren Eskalation US-Anleihen verkaufen. So könnte es laufen wenn man sich nur noch gegenseitig erpresst. Trump hat da einen Politikstil eingeführt der direkt in die Katastrophe führt.

Ich befürchte, so weit denkt ein Herr Trump nicht. Und er schmeißt alle aus seiner Regierung raus, die es auch nur wagen, solche Konsequenzen auch nur anzudeuten. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. So lange, wenigstens, bis der Henkel des Kruges gebrochen ist. Und dann wird sich Herr Trump als Opfer sehen, nicht als Täter.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Orbiter1 » Di 19. Jun 2018, 08:40

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:44)

China kann sich nicht erpressen lassen. Für einen Chinesen ist der Verlust des Gesichts schlimmer als der Tod. Sie werden keine US-Anleihen mehr zeichnen. Und im Verlauf einer weiteren Eskalation US-Anleihen verkaufen. So könnte es laufen wenn man sich nur noch gegenseitig erpresst. Trump hat da einen Politikstil eingeführt der direkt in die Katastrophe führt.
Die USA lässt sich von China ganz sicher nicht erpressen. Dann werden eben die US-Anleihen von der FED aufgekauft. Die verfügt über unbegrenzte Finanzmittel. Von China wird Trump eine vollständige Öffnung des chinesischen Marktes fordern, inklusive der Übernahme von chinesischen Unternehmen und internationalen Schiedsgerichten bei Streitigkeiten. Und China wird gar nichts anderes übrig bleiben dem zuzustimmen wenn sie den Kollaps ihrer eigenen Wirtschaft vermeiden wollen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 08:48

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 08:40)

Die USA lässt sich von China ganz sicher nicht erpressen. Dann werden eben die US-Anleihen von der FED aufgekauft. Die verfügt über unbegrenzte Finanzmittel. Von China wird Trump eine vollständige Öffnung des chinesischen Marktes fordern, inklusive der Übernahme von chinesischen Unternehmen und internationalen Schiedsgerichten bei Streitigkeiten. Und China wird gar nichts anderes übrig bleiben dem zuzustimmen wenn sie den Kollaps ihrer eigenen Wirtschaft vermeiden wollen.

Die Münchhausen-Lösung also, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Die "unbegrenzten Finanzmittel" hat Deutschland auch mal ausprobiert, 1923. Die Notenpresse ist kein auf Dauer wirksames Allheilmittel. Und vor allem wird die FED für den Aufkauf von US-Staatsanleihen, die auf dem Markt sind, Devisen einsetzen müssen. Devisen, die sie in dieser Menge nicht hat.

Die Öffnung des chinesischen Marktes, bzw. die Rücknahme der restriktiven Bestimmungen, die dort gelten, da könnte ich sogar mitgehen. Ob China da mitgeht, da melde ich Zweifel an. Hier scheinen viele sich nicht bewußt zu sein, was es bedeutet, wenn nachgefragte Artikel im eigenen Land nicht mehr verfügbar sind, weil sie entweder nicht mehr eingeführt werden dürfen oder aber, weil sie zu teuer geworden sind. Ob das keine Auswirkungen auf die US-Bürger hat? Die wirtschaftlichen Beziehungen sind halt komplexer, als man es sich am Stammtisch in der Regel so ausmalt.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Orbiter1 » Di 19. Jun 2018, 08:55

zollagent hat geschrieben:(19 Jun 2018, 08:48)

Die Münchhausen-Lösung also, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Die "unbegrenzten Finanzmittel" hat Deutschland auch mal ausprobiert, 1923. Die Notenpresse ist kein auf Dauer wirksames Allheilmittel. Und vor allem wird die FED für den Aufkauf von US-Staatsanleihen, die auf dem Markt sind, Devisen einsetzen müssen. Devisen, die sie in dieser Menge nicht hat.
Wie kommst du denn auf diese Idee? US-Staatsanleihen lauten auf US-$, und von denen kann die FED unbegrenzte Mengen liefern. Ist aber gar nicht nötig. Soviele US-Staatsanleihen hat China dann auch nicht im Depot.
Die Öffnung des chinesischen Marktes, bzw. die Rücknahme der restriktiven Bestimmungen, die dort gelten, da könnte ich sogar mitgehen. Ob China da mitgeht, da melde ich Zweifel an. Hier scheinen viele sich nicht bewußt zu sein, was es bedeutet, wenn nachgefragte Artikel im eigenen Land nicht mehr verfügbar sind, weil sie entweder nicht mehr eingeführt werden dürfen oder aber, weil sie zu teuer geworden sind. Ob das keine Auswirkungen auf die US-Bürger hat? Die wirtschaftlichen Beziehungen sind halt komplexer, als man es sich am Stammtisch in der Regel so ausmalt.
Die Frage ist auf wen es größere und schnellere Auswirkungen hat. Und ja, das ist ganz klar die chinesische Wirtschaft.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Jun 2018, 08:57

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 08:40)

Die USA lässt sich von China ganz sicher nicht erpressen. Dann werden eben die US-Anleihen von der FED aufgekauft. Die verfügt über unbegrenzte Finanzmittel. Von China wird Trump eine vollständige Öffnung des chinesischen Marktes fordern, inklusive der Übernahme von chinesischen Unternehmen und internationalen Schiedsgerichten bei Streitigkeiten. Und China wird gar nichts anderes übrig bleiben dem zuzustimmen wenn sie den Kollaps ihrer eigenen Wirtschaft vermeiden wollen.

Ich denke Trump sitzt am kürzeren Hebel. Der US-Haushalt steht ja schon bei normalen Bedingungen immer kurz vor dem Kollaps. Sich dass Geld einfach von der Zentralbank drucken zu lassen ist eine Option die schon viele Volkswirtschaften ruiniert hat. Wenn es so weit kommt die Zeit der großen Depression zurück. Also dahin wo Venezuela jetzt schon steht.

Die Chinesen sind großes Leid gewohnt. Sie werden zusammenstehen. Trump kann da nur verlieren.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 09:10

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 08:55)

Wie kommst du denn auf diese Idee? US-Staatsanleihen lauten auf US-$, und von denen kann die FED unbegrenzte Mengen liefern. Ist aber gar nicht nötig. Soviele US-Staatsanleihen hat China dann auch nicht im Depot.
Die Frage ist auf wen es größere und schnellere Auswirkungen hat. Und ja, das ist ganz klar die chinesische Wirtschaft.

Wer bitte wird Staatsanleihen in Dollar mit Dollars bezahlen lassen? Vor allem mit Dollars, deren Wert nicht durch Wirtschaftsleistung gedeckt ist. Schau auf 1923, da siehst du, was die Folgen wären.

Über die Empfindlichkeiten von Märkten muß man nicht streiten. Man muß sich nur vergegenwärtigen, welche Bürgerschaft leidensfähiger ist. Die verwöhnten US-Kids oder die ohnehin Einschränkungen gewohnten Chinesen, die überdies von einer autoritären Regierung im Zaum gehalten werden, die auch nicht vor brutaler Gewalt zurückschreckt.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 09:13

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 08:57)

Ich denke Trump sitzt am kürzeren Hebel. Der US-Haushalt steht ja schon bei normalen Bedingungen immer kurz vor dem Kollaps. Sich dass Geld einfach von der Zentralbank drucken zu lassen ist eine Option die schon viele Volkswirtschaften ruiniert hat. Wenn es so weit kommt die Zeit der großen Depression zurück. Also dahin wo Venezuela jetzt schon steht.

Die Chinesen sind großes Leid gewohnt. Sie werden zusammenstehen. Trump kann da nur verlieren.

Ganz ähnlich sehe ich das auch. Und wenn ich die Gedankenfürze eines Herrn Trump, der wieder von einer US-Space-Force militärischer Art träumt, vergegenwärtige, dann wird er erstmal viel Geld für neue Notendruckmaschinen lockermachen müssen. :D :D
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Re: Handelskrieg

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 19. Jun 2018, 09:25

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:52)

US-Firmen generieren 150 Miliarden mehr Gewinne in Europa als europäische Firmen in Amerika. Wenn du über Ungleichgewichte neu verhandeln willst muß natürlich auch über die Gewinne von US-Firmen und deren Besteuerung verhandelt werden. Um das Ungleichgewicht abzubauen.


Die hohen Direktinvestitionen amerikanischer Unternehmen im Ausland vergrößern das Problem aus USA-Sicht ja nur. Genauso wie das Leistungsbilanzdefizit führen auch die zu Kapitalimport, also einer Erhöhung der Verschuldung gegenüber dem Ausland. Dazu kommt die traditionell eher konservative Ausschüttungspolitik der US-Unternehmen. Die belassen das Geld lieber im Unternehmen und reinvestieren es, bevor sie es der hohen US-Besteuerung unterziehen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Orbiter1 » Di 19. Jun 2018, 09:26

zollagent hat geschrieben:(19 Jun 2018, 09:10)

Wer bitte wird Staatsanleihen in Dollar mit Dollars bezahlen lassen?
Jeder der US-Staatsanleihen kauft. Und jeder Nicht-US-Käufer von US-Staatsanleihen trägt auch das Wechselkursrisiko zu seiner heimischen Währung. Dafür bekommt er aktuell bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen auch eine Rendite von 2,9%, kauft er deutsche Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit (und selbstverständlich in Euro) sind es nur 0,35%.
Vor allem mit Dollars, deren Wert nicht durch Wirtschaftsleistung gedeckt ist.
Davon kann im aktuellen Status überhaupt keine Rede sein.
Schau auf 1923, da siehst du, was die Folgen wären.
Wenn die Märkten jemandem vertrauen sind es die USA.

Über die Empfindlichkeiten von Märkten muß man nicht streiten. Man muß sich nur vergegenwärtigen, welche Bürgerschaft leidensfähiger ist. Die verwöhnten US-Kids oder die ohnehin Einschränkungen gewohnten Chinesen, die überdies von einer autoritären Regierung im Zaum gehalten werden, die auch nicht vor brutaler Gewalt zurückschreckt.
In China gibt es inzwischen eine breite Mittelschicht von mehreren 100 Mio Menschen. Die werden auch schnell unzufrieden, wenn ihre Arbeitsplätze wegfallen.

Zumindest der chinesische Aktienmarkt hat reagiert. Mit dem Shanghai Composite ging es um über 4% nach unten. Damit hat er eine wichtige Unterstützungslinie die seit der Finanzkrise im Jahr 2007 bestand nach unten gerissen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Europa2050 » Di 19. Jun 2018, 09:38

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 07:44)

China kann sich nicht erpressen lassen. Für einen Chinesen ist der Verlust des Gesichts schlimmer als der Tod. Sie werden keine US-Anleihen mehr zeichnen. Und im Verlauf einer weiteren Eskalation US-Anleihen verkaufen. So könnte es laufen wenn man sich nur noch gegenseitig erpresst. Trump hat da einen Politikstil eingeführt der direkt in die Katastrophe führt.


China eint vor allem eines - die Katastrophe des 19. Jhd. nie wieder passieren zu lassen. Ob da die Regierung Kommunistisch oder sonst wie ist, ist völlig egal. Wenn Sie dem Volk gegenüber glaubhaft machen kann, dass sie das in Griff hat, stehen die Chinesen hinter ihr. Und das wissen die Kommunisten.

Was Trump zur Zeit tut, ist die Chinesen zu einen. Und neue Partner zu suchen. Denn jeder, der Chinas Unabhängigkeit nicht bedroht, ist wohlgelitten, auch wenn er vor 100 Jahren noch Feind war. Frei nach „tust Du mir nix, tu ich dir auch nix“.
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stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
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Re: Handelskrieg

Beitragvon zollagent » Di 19. Jun 2018, 10:08

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 09:26)

Jeder der US-Staatsanleihen kauft. Und jeder Nicht-US-Käufer von US-Staatsanleihen trägt auch das Wechselkursrisiko zu seiner heimischen Währung. Dafür bekommt er aktuell bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen auch eine Rendite von 2,9%, kauft er deutsche Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit (und selbstverständlich in Euro) sind es nur 0,35%. Davon kann im aktuellen Status überhaupt keine Rede sein. Wenn die Märkten jemandem vertrauen sind es die USA.


Eine gehörige Portion Wunschdenken ist da dabei. Die Märkte sind derzeit TROTZ Trump voll Vertrauen. U.a. auch deswegen, weil man da weiß, daß ein Trump ein temporäres Problem ist. Wirtschaftler sind heutzutage wesentlich internationaler eingestellt, als Trump mit seiner pseudonationalen Einstellung. Der US-Wirtschaft ist es egal, wo auf dem Planeten sie Geld verdienen. U.a. deswegen sind sie auch in Europa sehr präsent. Und Trump wütet, weil die Gewinne nicht im US-Staatssäckel landen, sondern in Steueroasen gelagert werden. Derzeit ist Südostasien hoch im Kurs. Und ob die US-Bürger so viele eigene Staatsanleihen kaufen (können), will ich angesichts der immer wieder aufkommenden Finanzierungskrisen mal in Frage stellen. Im Ausland dürften Sich die Reihen der Käufer von US-Staatsanleihen angesichts von Trumps Eskapaden auch sehr schnell lichten. Die ersten Warnzeichen gibt es ja schon. Moody's z.B. hat den USA schon 2013 mit der Abstufung des Bestbonitätsratings gedroht. Die Abwertung durch chinesische Ratingagenturen wollen wir hier mal außen vor lassen. Und Trump macht genau das weiter, was schon 2013 durch Moody's gerügt wurde.

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 09:26)In China gibt es inzwischen eine breite Mittelschicht von mehreren 100 Mio Menschen. Die werden auch schnell unzufrieden, wenn ihre Arbeitsplätze wegfallen.


Und was können die machen, außer "unruhig werden"? In den USA kann sich die Unzufriedenheit weitaus deutlicher äußern.

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 09:26)Zumindest der chinesische Aktienmarkt hat reagiert. Mit dem Shanghai Composite ging es um über 4% nach unten. Damit hat er eine wichtige Unterstützungslinie die seit der Finanzkrise im Jahr 2007 bestand nach unten gerissen.


Einer macht immer den Anfang. Die diversen Aktienmärkte sind keine voneinander abgeschotteten Welten, nein, die stehen in enger Beziehung zueinander.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 19. Jun 2018, 10:41

DarkLightbringer hat geschrieben:(18 Jun 2018, 08:42)

Warum, was stimmt mit Flassbecks Hinweisen nicht ?

https://www.focus.de/finanzen/news/umst ... 89460.html

Der Top-Ökonom erinnert daran, dass es diese Kritik an Deutschland bereits unter den US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama gegeben habe.


Nun, Flassbeck gehört zu den Ökonomen, für die sich die meisten ökonomischen Probleme einer Volkswirtschaft einfach durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung lösen lassen, während eine Erhöhung der Staatsverschuldung vollkommen unproblematisch ist. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.
Da kommt ihm Trump natürlich mit seiner Aktion entgegen. Kein Wunder also, dass er sich dahingehend äußert, findet er doch hier wieder Unterstützung für seine Thesen.

Prinzipiell muss man aber schon sagen, dass Trump auch gar nicht soooo Unrecht hat. Zumindest mal, wenn man sich die Militärausgaben ansieht und das was in der Nato vereinbart wurde. Deutschland liegt deutlich unter den vereinbarten 2% des BIP, während die USA deutlich darüber liegen. Oder anders ausgedrückt: Die USA machen Schulden um damit Arbeitsplätze in Deutschland zu finanzieren.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Jun 2018, 10:42

Europa2050 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 09:38)

China eint vor allem eines - die Katastrophe des 19. Jhd. nie wieder passieren zu lassen. Ob da die Regierung Kommunistisch oder sonst wie ist, ist völlig egal. Wenn Sie dem Volk gegenüber glaubhaft machen kann, dass sie das in Griff hat, stehen die Chinesen hinter ihr. Und das wissen die Kommunisten.

Was Trump zur Zeit tut, ist die Chinesen zu einen. Und neue Partner zu suchen. Denn jeder, der Chinas Unabhängigkeit nicht bedroht, ist wohlgelitten, auch wenn er vor 100 Jahren noch Feind war. Frei nach „tust Du mir nix, tu ich dir auch nix“.

Ich denke viele wissen gar nicht welches Trauma die Chinesen erlitten haben als die europäischen Mächte ihnen diktierten wie der Handel zu laufen habe. Die Briten haben durchgedrückt dass die Chinesen den Opiumhandel erlauben mußten. So etwas wird nicht vergessen.
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Re: Handelskrieg

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 19. Jun 2018, 10:46

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(19 Jun 2018, 10:41)

Nun, Flassbeck gehört zu den Ökonomen, für die sich die meisten ökonomischen Probleme einer Volkswirtschaft einfach durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung lösen lassen, während eine Erhöhung der Staatsverschuldung vollkommen unproblematisch ist. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.
Da kommt ihm Trump natürlich mit seiner Aktion entgegen. Kein Wunder also, dass er sich dahingehend äußert, findet er doch hier wieder Unterstützung für seine Thesen.

Prinzipiell muss man aber schon sagen, dass Trump auch gar nicht soooo Unrecht hat. Zumindest mal, wenn man sich die Militärausgaben ansieht und das was in der Nato vereinbart wurde. Deutschland liegt deutlich unter den vereinbarten 2% des BIP, während die USA deutlich darüber liegen. Oder anders ausgedrückt: Die USA machen Schulden um damit Arbeitsplätze in Deutschland zu finanzieren.

Wohl kaum. Amerika macht schulden weil es falsche Prioritäten setzt. Statt soviel Geld ins Militär müßten sie viel mehr Geld in die Infrastruktur und Bildung stecken um wieder wettbewerbsfähig zu sein. Aber so wie es aussieht möchte Trum jetzt SDI 2.0 einführen. Was dass wieder kostet.....
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Re: Handelskrieg

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 19. Jun 2018, 10:49

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Jun 2018, 10:46)

Wohl kaum. Amerika macht schulden weil es falsche Prioritäten setzt. Statt soviel Geld ins Militär müßten sie viel mehr Geld in die Infrastruktur und Bildung stecken um wieder wettbewerbsfähig zu sein. Aber so wie es aussieht möchte Trum jetzt SDI 2.0 einführen. Was dass wieder kostet.....


Nun, den "richtigen" Einsatz von Staatsmitteln möchte ich hier eigentlich nicht diskutieren. Ich habe lediglich auf die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge aufmerksam gemacht. Und die sind nun mal gegeben.
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