Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Wähler » Di 22. Mär 2016, 06:36

H2O hat geschrieben:(06 Mar 2016, 13:32)
Vielleicht ist also die Explosion der Preise
für Grund und Boden und Wohnraum nur
die Folge dieser zunehmenden Verdichtung?
so müsste diese Verdichtung sich irgendwann
selbst begrenzen, weil die Entgelte zu hoch
werden, um im Wettbewerb bestehen zu
können, diese Entgelte aber notwendig sind,
um dort überhaupt wohnen zu können.

Die Politk kann dann sicher diese Grenzen ein
wenig verschieben, aber irgendwann kann auch
die sich nicht um solche unangenehmen Tat-
sachen herum drücken.

In der besagten Stadt haben sich die Grundstückspreise seit 2007 verdoppelt. Viel neues Bauland im öffentlichen Besitz wurde von der Stadtverwaltung nur zögerlich freigegeben, um von den Preissteigerungen über die Maße zu profitieren. Die Bauvorschriften erzwingen hohe Mindeststandards und ermöglichen der Bauwirtschaft zur Zeit ein Bombengeschäft. Nach wie vor muss im Mehrgeschossbau pro Haushalt ein Tiefgaragenstellplatz erstellt werden. Die Autoindustrie lässt grüßen. Um den sozialen Wohnungsbau wieder anzuleiern, sollen nun alllerdings Billighäuser mit geringen Bauauflagen ermöglicht werden.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon H2O » Di 22. Mär 2016, 10:40

Wähler hat geschrieben:(22 Mar 2016, 06:36)

In der besagten Stadt haben sich die Grundstückspreise seit 2007 verdoppelt. Viel neues Bauland im öffentlichen Besitz wurde von der Stadtverwaltung nur zögerlich freigegeben, um von den Preissteigerungen über die Maße zu profitieren. Die Bauvorschriften erzwingen hohe Mindeststandards und ermöglichen der Bauwirtschaft zur Zeit ein Bombengeschäft. Nach wie vor muss im Mehrgeschossbau pro Haushalt ein Tiefgaragenstellplatz erstellt werden. Die Autoindustrie lässt grüßen. Um den sozialen Wohnungsbau wieder anzuleiern, sollen nun alllerdings Billighäuser mit geringen Bauauflagen ermöglicht werden.


Über pflichtgemäß zu bauende Tiefgaragen kann
man sicher streiten; aber Häuser müssen gut isoliert
gegen Wärmeverluste sein, und die Heizungen müssen
dem Stand der Technik entsprechen. Die Sanitäranlagen
müssen zeitgemäß angelegt sein. Wenig sinnvoll,
zuerst schlecht isolierte und ausgestattete Bauten zu
errichten und sie dann mit noch höheren Kosten nach
zu rüsten, wie das jetzt mit dem Altbestand erforderlich
ist.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Dampflok94 » Di 22. Mär 2016, 10:49

H2O hat geschrieben:(22 Mar 2016, 10:40)

Über pflichtgemäß zu bauende Tiefgaragen kann
man sicher streiten; aber Häuser müssen gut isoliert
gegen Wärmeverluste sein, und die Heizungen müssen
dem Stand der Technik entsprechen. Die Sanitäranlagen
müssen zeitgemäß angelegt sein. Wenig sinnvoll,
zuerst schlecht isolierte und ausgestattete Bauten zu
errichten und sie dann mit noch höheren Kosten nach
zu rüsten, wie das jetzt mit dem Altbestand erforderlich
ist.

Ist das nicht schlicht ein klassischer Zielkonflikt? Je mehr man vorschreibt, um sinnvollerweise ein möglichst perfektes Haus bauen zu lassen, desto teurer und langsamer wird die Sache. Und wie bei jedem Zielkonflikt muß man nun bei mindestens einem Ziel zurückstecken.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon H2O » Di 22. Mär 2016, 11:00

Dampflok94 hat geschrieben:(22 Mar 2016, 10:49)

Ist das nicht schlicht ein klassischer Zielkonflikt? Je mehr man vorschreibt, um sinnvollerweise ein möglichst perfektes Haus bauen zu lassen, desto teurer und langsamer wird die Sache. Und wie bei jedem Zielkonflikt muß man nun bei mindestens einem Ziel zurückstecken.


Das ist schon sehr wahr! Nur kann man eben
diesen Konfikt nicht dadurch lösen, daß man
die Energiewende damit im Bereich Wohnen
aufgibt. Man kann vielleicht an den Wohnungs-
größen etwas sparen, vielleicht zur guten alten
Wohnküche zurück kehren, zumal das Essen
Zubereiten durch so viele Fertigprodukte zur
selteneren Übung wird. So ganz ohne Nach-
denken sollte man nicht an diesen sichtbaren
Konflikt heran gehen!
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Kibuka » Fr 20. Mai 2016, 20:35

Mittlerweile explodieren die Immobilienpreise in München.

Da zahlt man für eine Ghettowohnung von 1968 der Marke Plattenbau 1.000 € kalt bei nur 56 m².

Siehe z.B. das hier:

http://www.immobilienscout24.de/expose/ ... D=63672266

Wer jetzt eine Wohnung sucht oder braucht, der hat in München, Frankfurt usw. nicht viel zu lachen.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Mai 2016, 20:41

Kibuka hat geschrieben:(20 May 2016, 20:35)

Mittlerweile explodieren die Immobilienpreise in München.

.



NICHT bei den Bestandsmieten... ( siehe Mietspiegel)

das sind 98% der Mietverträge...
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon DieBananeGrillt » Sa 21. Mai 2016, 06:27

Kibuka hat geschrieben:(20 May 2016, 20:35)

Mittlerweile explodieren die Immobilienpreise in München.

Da zahlt man für eine Ghettowohnung von 1968 der Marke Plattenbau 1.000 € kalt bei nur 56 m².

Siehe z.B. das hier:

http://www.immobilienscout24.de/expose/ ... D=63672266

Wer jetzt eine Wohnung sucht oder braucht, der hat in München, Frankfurt usw. nicht viel zu lachen.



Das ist noch recht günstig.....

In Zürich bekommt man dafür vielleicht eine Garage.
Letzte Woche stand in den Nachrichten, das ein Vermieter eine noch kleinere Wohnung dort vermieten wollte,.... es riefen über 30000 Leute an.....

Stellt sich die Frage, warum sucht man überhaupt eine Wohnung, man hat doch vorher nicht im Wald gewohnt.
Bestimmt wegen Arbeit.
Als wenn man nicht darauf verzichten könnte unter diesen Umständen.
Besser arbeitslos als obdachlos.
Und 80% vom Lohn nur zum wohnen ausgeben macht rein rechenkünstlerisch keinen Sinn.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Wähler » Sa 21. Mai 2016, 07:02

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mie ... -1.2955180
SZ 19. April 2016 Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren
siehe auch Graphik:
http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.2 ... tmarkt.jpg
Das geht aus einem Bericht der Münchner Stadtverwaltung hervor, der am Mittwoch in der Vollversammlung des Stadtrats vorgelegt wird.

4 bis 5% Mietsteigerung pro Jahr seit 2005 liegt deutlich über der langfristigen Inflationsrate. In die Berechnung des Mietspiegels - 3000 stichprobenartige Interviews - fließen auch Mieterhöhungen bei den Bestandsmieten ein. Für hinzuziehende Münchner Neubürger oder umziehende Altbürger wird es immer kritischer.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Realist2014 » Sa 21. Mai 2016, 08:43

Wähler hat geschrieben:(21 May 2016, 07:02)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mie ... -1.2955180
SZ 19. April 2016 Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren
siehe auch Graphik:
http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.2 ... tmarkt.jpg

4 bis 5% Mietsteigerung pro Jahr seit 2005 liegt deutlich über der langfristigen Inflationsrate. In die Berechnung des Mietspiegels - 3000 stichprobenartige Interviews - fließen auch Mieterhöhungen bei den Bestandsmieten ein. Für hinzuziehende Münchner Neubürger oder umziehende Altbürger wird es immer kritischer.


nimm doch einfach den ganzen Zeitraum deiner Grafik ( 1996-2016)

dann ist es eine Verdoppelung in 20 Jahren

das sind dann ca 3% pro Jahr
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Kibuka » Sa 21. Mai 2016, 09:04

Wähler hat geschrieben:(21 May 2016, 07:02)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mie ... -1.2955180
SZ 19. April 2016 Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren
siehe auch Graphik:
http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.2 ... tmarkt.jpg

4 bis 5% Mietsteigerung pro Jahr seit 2005 liegt deutlich über der langfristigen Inflationsrate. In die Berechnung des Mietspiegels - 3000 stichprobenartige Interviews - fließen auch Mieterhöhungen bei den Bestandsmieten ein. Für hinzuziehende Münchner Neubürger oder umziehende Altbürger wird es immer kritischer.


Die Kaufpreise sind besonders drastisch gestiegen. Da werden mehrere hunderttausend Euro für alte Wohnungen aufgerufen.

Gerade Familien haben es immer schwerer bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Die Preisspirale hat Fahrt aufgenommen. Es kündigen sich hier handfeste Immobilienblasen an.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon H2O » So 22. Mai 2016, 08:01

Kibuka hat geschrieben:(21 May 2016, 09:04)

Die Kaufpreise sind besonders drastisch gestiegen. Da werden mehrere hunderttausend Euro für alte Wohnungen aufgerufen.

Gerade Familien haben es immer schwerer bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Die Preisspirale hat Fahrt aufgenommen. Es kündigen sich hier handfeste Immobilienblasen an.


Mit solchen Entwicklungen setzt ein Ballungsgebiet sich selbst Grenzen. Die Kosten für das Wohnen überschreiten schleichend ein erträgliches Maß. Die Unternehmen und öffentliche Einrichtungen am Ort müssen diese Kosten ausgleichen und verlieren schon dadurch an Wettbewerbsfähigkeit, selbst wenn sie durch besonders hoch qualifiziertes Personal an Produktivität gewinnen. Geringere Qualifikationen wandern ab in weit entfernte Wohnlagen, oder sie müssen ebenfalls an den hohen Einkünften beteiligt werden, damit ihre Arbeitskraft vor Ort verfügbar bleibt.

Im Grunde muß man vielleicht diese Entwicklung als Entwicklungshilfe für weniger entwickelte Teile des Landes sehen, wo Wohnen und Leben erschwinglicher ist, Grund und Boden und Arbeitskosten niedriger sind und so die Verlagerung aus Ballungsräumen die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben verbessert.

Solche Vorgänge beginnen nicht über Nacht, aber der Druck dazu dürfte anwachsen. Der Mensch wird eine Entwicklung Knall auf Fall mit seinem Einfallsreichtum zu verhindern versuchen.

Man kann solchen Druck auch im Tierreich beobachten, wo Revierbildung und "Überschuß" an Nachwuchs dazu führen, daß eine Art sich ausbreitet. Das wurde sehr aufschlußreich erläutert am Beispiel der Evolution im Strang "Was ist Zufall". Vielleicht lassen sich diese Abläufe auch auf die Entwicklung von Ballungsräumen übertragen?
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon William » So 22. Mai 2016, 09:28

Preisverdopplung binnen 20...25% ist normal, somit liegen auch Münchens Mieten und Immopreise im akzeptablen Bereich.
Im Zuge der Energiewende und daraus resultierenden höheren Investitionspreise für Dämmung und moderne Heiz- und Versorgungssysteme, ist die höhere Preissteigerungsrate der letzten Jahre keine außerordentliche Überraschung.
Die Nullzinspolitik schiebt die Preise zusätzlich an.
Wer am Höhepunkt eines Zyklus einsteigt muss stets mehr bezahlen, das lässt sich kaum ändern.
Eine Blase ist es derzeit noch nicht und augenscheinlich ziehen Politik und Banken gerade die Reißleine für weniger solvente (Privat)Kunden.
Solange also nicht gerade Spekulanten massiv mit vorhandenem Kapital in den Markt strömen, kann sich die Entwicklung im derzeitigen Rahmen fortsetzen ohne dass es zum Crash kommt.
Falls es den Firmen zu eng und deshalb zu teuer wird, wandern sie ins Umland, meist in Lagen mit guter BAB-Anbindung, ab und die Privaten folgen.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon John Galt » So 22. Mai 2016, 10:48

Der Markt würde das Problem ganz einfach lösen.

Allerdings sorgen der Staat und die Immobilienbesitzer dafür, dass das Angebot starr bleibt (bei steigender Nachfrage durch importierte Bevölkerung...)

Die Leidtragenden sind diejenigen, die auf Erwerbsarbeit angewiesen sind und bislang in der Familie keinen Immobilienbesitz hatten.

Ich kann mich nicht beklagen. 400.000 Euro für so eine Bruchbude. http://imgur.com/47Fns8I
Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Kibuka » So 22. Mai 2016, 11:10

H2O hat geschrieben:(22 May 2016, 08:01)

Mit solchen Entwicklungen setzt ein Ballungsgebiet sich selbst Grenzen. Die Kosten für das Wohnen überschreiten schleichend ein erträgliches Maß.


Ganz so einfach ist es nicht. Die Miete ist so ziemlich der letzte Posten, wo gespart wird. Vorher wird auf Urlaub oder ein neues Auto verzichtet.

Wenn man sich anschaut, wie manche Leute 50% ihres Nettoeinkommens für die Miete abzweigen, dann wird schnell deutlich, dass die Schmerzgrenze sehr hoch liegt.

So nimmt die Preisspirale Fahrt auf. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Produkten in der freien Marktwirtschaft ist Baugrund begrenzt und der Bau neuer Wohnungen nimmt viel Zeit in Anspruch. Entsprechend träge ist der marktwirtschaftlich typische Ausgleichsprozess. Gerade bei Immobilien sieht man das immer wieder. Preisanstiege über ein Jahrzehnt und dann plötzlich starke Gegenreaktionen bis hin zum Platzen von Blasen.

Du sprichst von Abwanderung. Gerade für Familien wird Wohnraum immer knapper in den Großstädten. Das führt dazu, dass Randlagen beliebter werden. Diese werden dann verkehrstechnisch besser erschlossen. Aber der Vorgang dauert Jahrzehnte.

Wer jetzt Eigentum erwerben möchte oder neusanierte Wohnungen sucht, ist ohne Erbschaft schlecht dran. In Frankfurt, München oder Berlin gehen die Preise steil nach oben. Und dank der EZB ist ein Ende nicht abzusehen. Und die Masseneinwanderung in den letzten Jahren verschärft das Problem zusätzlich deutlich.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Wähler » So 22. Mai 2016, 11:53

H2O hat geschrieben:(22 May 2016, 08:01)
Mit solchen Entwicklungen setzt ein Ballungsgebiet sich selbst Grenzen.
Im Grunde muß man vielleicht diese Entwicklung als Entwicklungshilfe für weniger entwickelte Teile des Landes sehen, wo Wohnen und Leben erschwinglicher ist.

Kibuka hat geschrieben:(22 May 2016, 11:10)
So nimmt die Preisspirale Fahrt auf. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Produkten in der freien Marktwirtschaft ist Baugrund begrenzt und der Bau neuer Wohnungen nimmt viel Zeit in Anspruch. Entsprechend träge ist der marktwirtschaftlich typische Ausgleichsprozess. Gerade bei Immobilien sieht man das immer wieder. Preisanstiege über ein Jahrzehnt und dann plötzlich starke Gegenreaktionen bis hin zum Platzen von Blasen.
Du sprichst von Abwanderung. Gerade für Familien wird Wohnraum immer knapper in den Großstädten. Das führt dazu, dass Randlagen beliebter werden. Diese werden dann verkehrstechnisch besser erschlossen. Aber der Vorgang dauert Jahrzehnte.

Viele auch großstädtische Kommunen habe ihre Bestände an Sozialwohnungen verkauft, um ihre Finanzlöcher zu stopfen. Dabei hätte man über das Genossenschaftsmodell auch für die finanzschwachen Bewohner eine nachhaltige Entwicklung für bezahlbaren Wohnraum im Alter einleiten können. Diesen Aspekt des Themas hat die inzwischen so wenig traditionsbewußte SPD völlig verschlafen. Bei den Flüchtlingen geht ja auf einmal sogar etwas mit kostengünstigeren Neubauten. Die zunehmende Not in den Großstädten wird bei der jüngeren Generation sicherlich zu mehr Mobilität führen.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon Wähler » So 22. Mai 2016, 16:21

Interessater Presseclub zum Thema (+ Nachgefragt):
http://www.ardmediathek.de/tv/Presseclu ... d=35496246
Fazit:
In München sind die Mieten inzwischen flächendeckend zu hoch, so dass einkommensschwache Haushalte ins Umland ziehen müssen, auch wenn die Nahverkehrsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.
Die öffentliche Hand hat zu viele Wohnungsbestände verkauft.
Die Mietbremse verfehlt ihre Wirkung. Nur sozialer Wohnungsbau durch die öffentliche Hand, Wohnungsbaugenossenschaften und private Bauunternehmen kann langfristig den Anstieg der Miet- und Kaufpreise bremsen.
In der Stadt könnte der Gedanken des Mehrgenerationenwohnens dazu beitragen, dass zu Singles gewordene Senioren in nicht zu großen Wohnungen allein wohnen.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon H2O » So 22. Mai 2016, 19:14

Wähler hat geschrieben:(22 May 2016, 16:21)

Interessater Presseclub zum Thema (+ Nachgefragt):
http://www.ardmediathek.de/tv/Presseclu ... d=35496246
Fazit:
In München sind die Mieten inzwischen flächendeckend zu hoch, so dass einkommensschwache Haushalte ins Umland ziehen müssen, auch wenn die Nahverkehrsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.
Die öffentliche Hand hat zu viele Wohnungsbestände verkauft.
Die Mietbremse verfehlt ihre Wirkung. Nur sozialer Wohnungsbau durch die öffentliche Hand, Wohnungsbaugenossenschaften und private Bauunternehmen kann langfristig den Anstieg der Miet- und Kaufpreise bremsen.
In der Stadt könnte der Gedanken des Mehrgenerationenwohnens dazu beitragen, dass zu Singles gewordene Senioren in nicht zu großen Wohnungen allein wohnen.


Aus dem Tadeln der Politiker halte ich mich heraus. Ich würde eher ihre Wähler tadeln, denn die unterstützen diese Entscheidungen; etwa daß sich Ballungsgebiete immer stärker verdichten, vor allem durch Anwerben wertvoller Unternehmen, die gute Gehälter zahlen. Dann kommen die jungen Leute von dort, wo es nicht gelungen ist, diese Betriebe ansässig werden zu lassen. Das wird noch eine ganze Zeit weiter so gehen, wenn man Kibukas Beitrag richtig versteht.

Ihr Vorschlag, viele Altenwohnungen zu bauen, damit familiengerechte größere Wohnungen frei werden, liest sich auf den ersten Blick vernünftig. Ist es denn nicht aber so, daß auch junge Leute nicht gleich mit Familie loslegen, sondern doch etliche Jahre als Einzelmieter Wohnungen suchen? Was soll ein junger Mann oder eine junge Frau mit einer großen (kostspieligen) Wohnung? Fast könnte man erweitern auf ein junges Paar ohne Kinder.

Mir fällt dazu kaum so etwas wie eine Lösung ein: Die Menschen gehen dort hin, wo sie interessante Arbeitsplätze mit guter Bezahlung finden... und die Betriebe gehen dort hin, wo sie hochqualifizierte junge Mitarbeiter finden... diese Bedingungen heizen sich leider gegenseitig an! Da kann nur eine nüchterne politische Planung ein wenig gegensteuern.
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon frems » So 22. Mai 2016, 19:29

H2O hat geschrieben:(22 May 2016, 19:14)
Ihr Vorschlag, viele Altenwohnungen zu bauen, damit familiengerechte größere Wohnungen frei werden, liest sich auf den ersten Blick vernünftig. Ist es denn nicht aber so, daß auch junge Leute nicht gleich mit Familie loslegen, sondern doch etliche Jahre als Einzelmieter Wohnungen suchen? Was soll ein junger Mann oder eine junge Frau mit einer großen (kostspieligen) Wohnung? Fast könnte man erweitern auf ein junges Paar ohne Kinder.

Zum einen haben ja vor allem auch junge Familien ein Problem, günstigen Wohnraum zu finden. Zum anderen ist es in der Regel relativ einfach, aus einer großen Wohnung zwei kleine zu machen. Jedenfalls geht das deutlich schneller und günstiger als z.B. leerstehende Bürogebäude dem Wohnungsmarkt zu überführen.
Labskaus!

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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon jorikke » So 22. Mai 2016, 19:48

frems hat geschrieben:(22 May 2016, 19:29)

Zum einen haben ja vor allem auch junge Familien ein Problem, günstigen Wohnraum zu finden. Zum anderen ist es in der Regel relativ einfach, aus einer großen Wohnung zwei kleine zu machen. Jedenfalls geht das deutlich schneller und günstiger als z.B. leerstehende Bürogebäude dem Wohnungsmarkt zu überführen.


Was, Frems, wäre an einer pragmatischen Lösung verkehrt?
So wie hier über Zielkonflikte und andere akademisch hochinteressante Drittwichtigkeiten diskutiert wird, wird man einer Lösung des Wohnungsproblems kaum näher kommen.
Jede Zeit hat ihre Lösungen. Energiesparende Dämmungen, Tiefgaragen u.Ä. sind wichtig (und richtig) zu Zeiten in denen die Bedingungen dafür stimmig sind.
Momentan brauchen wir Wohnraum.
Warum nicht einfach alle verteuernden Bauvorschriften für 10 Jahre aus- u. danach wieder in Kraft setzen?
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Re: Inflationsängste und Kapitalflucht treibt Immobilienpreise

Beitragvon frems » So 22. Mai 2016, 20:00

jorikke hat geschrieben:(22 May 2016, 19:48)

Was, Frems, wäre an einer pragmatischen Lösung verkehrt?
So wie hier über Zielkonflikte und andere akademisch hochinteressante Drittwichtigkeiten diskutiert wird, wird man einer Lösung des Wohnungsproblems kaum näher kommen.
Jede Zeit hat ihre Lösungen. Energiesparende Dämmungen, Tiefgaragen u.Ä. sind wichtig (und richtig) zu Zeiten in denen die Bedingungen dafür stimmig sind.
Momentan brauchen wir Wohnraum.
Warum nicht einfach alle verteuernden Bauvorschriften für 10 Jahre aus- u. danach wieder in Kraft setzen?

Ein Teil meiner Antwort könnte einige User verunsichern. Für mich existiert dieses Problem nicht, jedenfalls nicht flächendeckend. Natürlich entstehen Probleme, wenn Wohneigentum z.B. heimlich gewerblich genutzt oder an Touristen vermietet wird, da die Planungshoheit bei der öffentlichen Hand liegt, die aber nicht genau weiß, wie groß Bestand und Bedarf sind. Zum anderen betrifft es ja nur sehr wenige Ballungsräume und auch da muss man genauer hinschauen. In Hamburg ist bspw. das durchschnittliche Haushaltseinkommen (netto) schneller gestiegen als die Mieten, die gut zugelegt haben. Dass man da keine Preise mehr von 2000 als Vermieter anbietet, ist eigentlich logisch, da der Anteil, den Menschen bereit sind fürs Gut Wohnen zu zahlen, ziemlich konstant geblieben ist. Außerdem muss man auch genauer hinschauen, was da gestiegen ist und was nicht. So kenn ich genug Leute, die eine Sanierung fürchteten, da das ihre Kaltmiete stark erhöhen würde -- im selben Umfang sanken aber die Nebenkosten durch die energetische Sanierung. Wenn amn sich die richtigen Zahlen nimmt, kann man ein Problem erzeugen. Natürlich gibt es extreme Einzelfälle, die immer mal wieder zum Sommer durch die Gazetten fliegen, aber das sind eben Einzelfälle und man muss genauer hinschauen. Da hatten wir in Hamburg auch mal einen Fall bei mir in der Gegend (Eppendorf). Die Mietpreisbindung (sozialer Wohnungsbau) war nach 25 Jahren ausgelaufen und der Vermieter hat die Kaltmiete mehr als verdoppelt. Schockschwerenot! Man wunderte sich aber, dass das empörte Mieterpärchen, das zur Zeitung rannte, keine Probleme daimt hat, die neuen Preise zu bezahlen. Sie zogen dort als Studenten vor 20 Jahren mit einem sog. §5-Schein ein und lebten nach dem Studium weiterhin zu den alten Konditionen, obwohl sie überdurchschnittlich verdienten. Letztendlich stieg ihre Miete von 4 Euro auf 9 Euro. Der Durchschnitt in dem Viertel ist aber bei 14-16.

Momentan sehen wir ja weitestgehend ein ähnliches Phänomen. Die Leute geben für Wohneigentum in etwa so viel Geld aus wie vor einigen Jahren, wenn man die Gesamtkosten betrachtet. Der niedrige Zins erlaubt es den Projektentwicklern eben, mehr Geld vom Käufer abzuzwacken, dessen Kaufbereitschaft (Eigentum+Kredit) die selbe blieb. Nur das Verhältnis zwischen Verkäufer und Bank hat sich leichter geändert. Auch hier sind krasse Einzelfälle möglich, aber das war nie anders. Das alte Druckprinzip: wenn die Mieten konstant sind, will der Bürger keine Bauprojekte, sondern seine Ruhe. Geht's an sein Portemonnaie, dann ist die Bereitschaft da und es gibt Druck auf die Politik, damit mehr neu gebaut wird. Aber auch das ist eher ein Luxusproblem, wenn man sich nochmal anschaut, wie stark die Wohnfläche pro Kopf gestiegen ist. Wem seine 60m²-Wohnung zu teuer ist und er andere Prioritäten hat, dann geht er halt auf 50m² runter. Vor 50 Jahren wäre er mit 40m² glücklich gewesen.
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