Sammelstrang Willkommenskultur

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Quatschki
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Quatschki » Mo 20. Jul 2015, 11:07

Man will halt keine Anreize für illegale Einreisen schaffen, und das ist auch richtig so, denn davon profitiweren nur die Raubfische im Mittelmeer.
Für Länder in denen Krieg und Verfolgung herrschen, könnte man ersatzweise bestimmte vertrauenswürdige Exilorganisationen autorisieren, die Flüchtlinge mit den benötigten Dokumenten zu versorgen.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Cloudfox » Mo 20. Jul 2015, 11:20

Quatschki » Mo 20. Jul 2015, 11:07 hat geschrieben:Man will halt keine Anreize für illegale Einreisen schaffen, und das ist auch richtig so, denn davon profitiweren nur die Raubfische im Mittelmeer.
Für Länder in denen Krieg und Verfolgung herrschen, könnte man ersatzweise bestimmte vertrauenswürdige Exilorganisationen autorisieren, die Flüchtlinge mit den benötigten Dokumenten zu versorgen.


Jau, sicher sehr praktikabel in Kriegszeiten und -gebieten...Magst du nicht als Vorreiter eine Orga gründen und nach Syrien gehen und so was aufziehen, zum Bsp.?
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 11:23

Cloudfox » Mo 20. Jul 2015, 10:47 hat geschrieben:

Definiere doch bitte erst einmal, welchen Assimilationsbegriff du hier (von wem und was geprägt) zugrunde legst!

Interessant vielleicht....

....Anna Amelina (2013) in Frage, ob Assimilation überhaupt noch eine „geeignete Denkfigur“ sei. Sie konstatiert, der Assimilationsbegriff sei – gerade wegen der ihm anhaftenden Konzeption eines „nationalstaatlichen Containers“ – nicht in der Lage, Inkorporationsmöglichkeiten von transnationalen Migranten in einer neuen Umgebung Rechnung zu tragen, und sie schlägt vor, auf diesen Terminus bei transnationaler Betrachtung von Migration zu verzichten.

aus
Anna Amelina: Transnationale Inklusion als ein multilokales Phänomen. Ein Abschied vom Assimilationsparadigma der Migrationsforschung? In: Ezli, Langenohl, Rauer, Voigtmann (Hg.): Integrationsdebatte, S. 119-155.



Ebenso nötig ist aber auch ein Abschied vom neuen "Multikulturalismus von rechts" wie er insbesondere von der Neuen Rechten Frankreichs vertreten wird. Der Ansicht nämlich, das sich das Individuum vor allem über seine Zugehörigkeit zu einer "Kultur" definiert bzw. zu definieren habe. Dass die westlichen Gesellschaften libertär und individualistisch sind und sich nicht an "Kulturen" sondern an Recht und Gesetz ausrichten ist kein Grund zum Jammern. Im Gegenteil.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Blockhead » Mo 20. Jul 2015, 11:29

schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 11:23 hat geschrieben:Dass die westlichen Gesellschaften libertär und individualistisch sind und sich nicht an "Kulturen" sondern an Recht und Gesetz ausrichten ist kein Grund zum Jammern. Im Gegenteil.


Allerdings müssen Recht und Gesetz nicht auf Konfrontation mit fremden Kulturen ausgelegt sein.
Sonst geht das Ganze nach hinten los.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Cloudfox » Mo 20. Jul 2015, 11:34

Naja, hier wird ja ein Begriffskauderwelsch betrieben, dass es einem schwindlig werden könnte... Assimilation gleich Integration zum Beispiel... doch die Bedeutungen divergieren stark und es hängt jeweils von der Verwendung der Begriffe durch die einzelnen Autoren ab....

Man kann zwar tendentiös sagen (wenn man auch andere Beiträge der Verwender gelesen hat und eine politische Affinität in bestimmte Positionen erkennbar...auf der Hand liegen...) wohin die Reise gehen mag, weshalb die Begriff, wie gefüllt werden...deshalb find ich es persönlich unabdingbar, die *eigene* verwendete Definition (zum Bsp. selbst zusammengereimte...) auch zu erläutern...
dann *weißte bescheid* ;)
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Blasphemist » Mo 20. Jul 2015, 11:38

Blockhead » Mo 20. Jul 2015, 11:29 hat geschrieben:
Allerdings müssen Recht und Gesetz nicht auf Konfrontation mit fremden Kulturen ausgelegt sein.
Sonst geht das Ganze nach hinten los.

Welches Recht und Gesetz ist in Deutschland auf Konfrontationskurs mit fremden Kulturen?
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Liegestuhl » Mo 20. Jul 2015, 11:40

Wasteland » Mo 20. Jul 2015, 09:23 hat geschrieben:Integration ist Chinatown, Little Tokio, Little Italy etc. aka "Parallelgesellschaft". Solange sich an die Gesetze gehalten wird kann jeder nach seiner Facon glücklich werden.

Assimilation ist wenn man verlangt das aus dem Chinesen Heinz Müller wird, er um den Maibaum tanzt und Lederhose trägt.


Ich kann damit irgendwie wenig anfangen. Ebenso mit Begriffen wie "kulturelle Identität".

Deine kulturelle Identität ändert sich fortlaufend mit deiner Umgebung. Wenn ich von Norddeutschland nach Bayern ziehen würde, könnte ich keine Kohlfahrten mehr unternehmen. Ich würde mich vermutlich schnell an das bayrische Essen gewöhnen und irgendwann würde ich aufhören, andere Menschen mit "Moin!" zu begrüßen. Ist das dann Assimilation? Wenn ja, dann finde ich das nicht schlimm, so lange kein Druck von außen kommt.

Wenn ich in ein anderes Land ziehen würde, um dort den Rest meines Lebens zu verbringen, würde ich mich meiner Umgebung so gut wie möglich anpassen. Ich würde so leben wollen, wie die Menschen in diesem Land. Anpassung ist auch eine bewährte Überlebensstrategie.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Quatschki » Mo 20. Jul 2015, 11:40

Cloudfox » 20. Jul 2015, 11:20 hat geschrieben:
Jau, sicher sehr praktikabel in Kriegszeiten und -gebieten...Magst du nicht als Vorreiter eine Orga gründen und nach Syrien gehen und so was aufziehen, zum Bsp.?

Verstehst Du die Bedeutung des Wortes "Exilorganisation" nicht?
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Cloudfox » Mo 20. Jul 2015, 11:41

schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 11:23 hat geschrieben:

Ebenso nötig ist aber auch ein Abschied vom neuen "Multikulturalismus von rechts" wie er insbesondere von der Neuen Rechten Frankreichs vertreten wird. Der Ansicht nämlich, das sich das Individuum vor allem über seine Zugehörigkeit zu einer "Kultur" definiert bzw. zu definieren habe. Dass die westlichen Gesellschaften libertär und individualistisch sind und sich nicht an "Kulturen" sondern an Recht und Gesetz ausrichten ist kein Grund zum Jammern. Im Gegenteil.



Hierarchische Geschlechterunterschiede und Gewalt gegen Frauen mit der Unterordnung von Frauen nicht zuzulassen ist ethisch-politische Pflicht von jedem (auch ohne dass *fremde Kulturen* ausschließlich im Focus stünden....), der sich für Emanzipation und Recht einsetzt! Dazu brauchen wir keine *Neue Rechte* ....
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon pikant » Mo 20. Jul 2015, 11:41

Blasphemist » Mo 20. Jul 2015, 10:38 hat geschrieben:Welches Recht und Gesetz ist in Deutschland auf Konfrontationskurs mit fremden Kulturen?


wir brauchen dringend ein Einwanderungsgesetz und muessen die hochqualifizierten Fluchtlingskraefte im Land behalten.
Recht und Gesetz in Deutschland muessen endlich auf den starken Fachkraeftemangel im Land reagieren.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Demolit » Mo 20. Jul 2015, 11:54

schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 09:46 hat geschrieben:
Kollektive Identitäten sind Privatsache. Ganz einfach. Insofern hat dieses "WIR" keinerlei übergreifende gesellschaftliche Bedeutung. Du kannst einem Fußballfanclub oder einer Religionsgemeinschaft beitreten. Deine Sache. Nicht meine. WIRs in einem übergreifenden Kontext deuten stets auf Ideologien und/oder Machterhalt hin.


Mmmhmm, das wir keine WIRs mehr haben, merkt man..............wir sind halt wirrtuell unterwegs. Vieleicht kommt deshalb auch soviel Ver wir rtheit in den Umgang miteinander...merke ich schon in der Grundschule.

echt ;)
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Dampflok » Mo 20. Jul 2015, 12:30

Blockhead » Mo 20. Jul 2015, 09:08 hat geschrieben:
Wir als "Volk" haben Jahrzehnte lang die Menschen in der dritten Welt für uns bluten lassen.


Nein, haben "wir" nicht.

ICH habe z.B. KEINE Waffen an Kriegsstaaten geliefert und NICHT meine Erlaubnis dazu gegeben.

Sollen also die die Lasten tragen, die über unsere Köpfe hinweg entschieden und profitiert haben - und nicht die negativen Auswirkungen auf das Volk abwickeln. Und Masseneinwanderung in Europa ist negativ.

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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Wasteland » Mo 20. Jul 2015, 12:33

Liegestuhl » Mo 20. Jul 2015, 11:40 hat geschrieben:
Wenn ich in ein anderes Land ziehen würde, um dort den Rest meines Lebens zu verbringen, würde ich mich meiner Umgebung so gut wie möglich anpassen. Ich würde so leben wollen, wie die Menschen in diesem Land. Anpassung ist auch eine bewährte Überlebensstrategie.


Dann bist du die Ausnahme.

Egal wohin man geht, man bringt auch immer Dinge mit, die man in seine neue Umgebung mit einbringt, weil man eben so geprägt ist.
Gerade bei Auswanderern oder Migranten ist das Heimweh und die Romantisierung der eigenen Wurzeln besonders ausgeprägt.
Da pflegt man z.B. Sprache, Kultur oder Religion in Clubs oder Vereinen etc. Ist doch normal und machen alle Migranten so.
Ich habe mir hier in Bayern sogar einen Berliner Stammtisch gesucht. Und das gibt es sogar.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon pikant » Mo 20. Jul 2015, 12:40

Wasteland » Mo 20. Jul 2015, 11:33 hat geschrieben:
Dann bist du die Ausnahme.

Egal wohin man geht, man bringt auch immer Dinge mit, die man in seine neue Umgebung mit einbringt, weil man eben so geprägt ist.
Gerade bei Auswanderern oder Migranten ist das Heimweh und die Romantisierung der eigenen Wurzeln besonders ausgeprägt.
Da pflegt man z.B. Sprache, Kultur oder Religion in Clubs oder Vereinen etc. Ist doch normal und machen alle Migranten so.
Ich habe mir hier in Bayern sogar einen Berliner Stammtisch gesucht. Und das gibt es sogar.

:D

das muss man als Nichtbayer ja auch, weil man diese Sprache schlecht versteht, die dort im Sueden gesprochen wird.
Integration ja und das geht gut ueber solche Stammtische.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Zvi Back » Mo 20. Jul 2015, 12:42

Wasteland » Mo 20. Jul 2015, 11:33 hat geschrieben:
Dann bist du die Ausnahme.

Egal wohin man geht, man bringt auch immer Dinge mit, die man in seine neue Umgebung mit einbringt, weil man eben so geprägt ist.
Gerade bei Auswanderern oder Migranten ist das Heimweh und die Romantisierung der eigenen Wurzeln besonders ausgeprägt.
Da pflegt man z.B. Sprache, Kultur oder Religion in Clubs oder Vereinen etc. Ist doch normal und machen alle Migranten so.
Ich habe mir hier in Bayern sogar einen Berliner Stammtisch gesucht. Und das gibt es sogar.


Für mich nicht nachzuvollziehen sich in Bayern einen "Berliner Stammtisch"
zu suchen. Für mich eher ein Zeichen mangelnder Toleranz, weil du glaubst
bei einem einheimischen Stammtisch würde etwas fehlen.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon pikant » Mo 20. Jul 2015, 12:56

Blockhead » Mo 20. Jul 2015, 09:56 hat geschrieben:Die Bundesagentur für Arbeit kritisiert hohe Bürokratie beim Umgang mit hoch qualifizierten Flüchtlingen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... uerokratie


die BA hat Recht!
wir muessen die Buerokratie abbauen und diese hochqualifisierten Fachkraefte bei uns in den Arbeitsmarkt integrieren.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Liegestuhl » Mo 20. Jul 2015, 13:19

Wasteland » Mo 20. Jul 2015, 12:33 hat geschrieben:Egal wohin man geht, man bringt auch immer Dinge mit, die man in seine neue Umgebung mit einbringt, weil man eben so geprägt ist.

Natürlich. Darum schrieb ich ja, dass sich die kulturelle Identität verändert. Man nimmt andere Dinge an und lässt andere sausen.

Gerade bei Auswanderern oder Migranten ist das Heimweh und die Romantisierung der eigenen Wurzeln besonders ausgeprägt.
Da pflegt man z.B. Sprache, Kultur oder Religion in Clubs oder Vereinen etc. Ist doch normal und machen alle Migranten so.


Ja, das ist normal. Aber das liegt eher daran, dass man sich unter Gleichen wohler fühlt. Also unter Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und vermutlich die gleichen Probleme haben.
Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 13:57

schokoschendrezki » Mo 20. Jul 2015, 09:46 hat geschrieben:Kollektive Identitäten sind Privatsache. Ganz einfach. Insofern hat dieses "WIR" keinerlei übergreifende gesellschaftliche Bedeutung. Du kannst einem Fußballfanclub oder einer Religionsgemeinschaft beitreten. Deine Sache. Nicht meine. WIRs in einem übergreifenden Kontext deuten stets auf Ideologien und/oder Machterhalt hin.

Demolit » Mo 20. Jul 2015, 11:54 hat geschrieben:Mmmhmm, das wir keine WIRs mehr haben, merkt man..............wir sind halt wirrtuell unterwegs. Vieleicht kommt deshalb auch soviel Ver wir rtheit in den Umgang miteinander...merke ich schon in der Grundschule.

echt ;)


Mal etwas akademischer formuliert:
Mit einer Gruppe kann ein Inidividuum nicht identisch sein - nicht ethnisch, nicht politisch, nicht intellektuell, nicht in der Arbeitsgruppe. Zu Gruppen (Kollektiven welcher Art auch immer: ethnische Minderheiten, politische Parteien, wisenschaftliche Schulen, Baukolonnen) kann man ein Dazugehörigkeitsgefühl entwickeln. Zugehörigkeit bedeutet aber nicht Identität. Vollkommene politische, ethnische oder intellektuelle Identität mit anderen Individuen ist ausgeschlossen, selbst im Fall genetischer Reproduktion. Aus diesem Grund kann es keine kollektive Identität geben. Wird sie propagiert, verrät sie zugleich ihren ideologischen Hintergrund - meistens als Konstruktion einer Art von Homogenität zum Zwecke des Machterhalts oder Machtgewinns, des Ausschlusses von anderen (ebenfalls konstruierten Feinden).


Aus: Harald Ermisch: Minderheitenschutz ins Grundgesetz?

Die Dissertationsschrift des Autors behandelt die in den 90ern heftig umstrittene Frage, ob eine sogenannte "Achtensklausel" (Der Staat achtet die Identität der ethnischen, kulturellen und sprachlichen Minderheiten) ins Grundgesetz aufgenommen werden soll. Angesichts von Rostock und Mölln usw. war man schnell geneigt, diese Frage mit "ja" zu beantworten. In einem ZEIT-Artikel von 1994 benennt der Autor jedoch klipp und klar, was hinter der Politisierung von Identitäten steckt: Die Rückkehr völkischen Denkens.

Damit wäre die Verbindlichkeit und Aneignung kultureller Werte nicht mehr dem individuellen Ermessen der Bürger überlassen, sondern den verschiedenen Volksgruppen durch staatlich-politische Ideologiewächter inhaltlich vorgegeben. Religion und Kunst bis hin zum Geschmack und Inhalt der Kochtöpfe – Schweine- oder Lammfleisch, Spaghetti oder Eisbein – könnten zum Gegenstand politischrechtlicher Normierung und völkischer Abgrenzung werden. Dabei bliebe offen, wer für die verbindliche Definition der jeweiligen Identitäten zuständig sein würde: das Parlament, einheimische oder auswärtige Kultusministerien, die Geistlichkeit der verschiedenen Religionen und Konfessionen, politische Unternehmer und ihre Ideologen im Kampf um Wählerstimmen oder gar das Bundesverfassungsgericht, das dadurch zu einer obersten Kulturzensurbehörde würde.
Die Vorstellung einer für Vergangenheit und Zukunft inhaltlich definierbaren und staatlich zu schützenden ethnisch-kulturellen Identität kommt aus dem ideologischen Qualm völkischer Romantik.

(http://www.zeit.de/1994/24/voelkisches-denken

Deshalb nochmal: Sobald in einem politischen (wohlgemerkt nicht in einem privaten) Kontext von "WIR" die Rede ist, wird es gefährlich.
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon odiug » Mo 20. Jul 2015, 14:01

Dampflok » Mo 20. Jul 2015, 08:06 hat geschrieben:
In den "großen Einwanderungsländern" Australien und USA mußte die ansässige Bevölkerung sehr wohl gehen.

Aber bevor das noch als "Hetze" geahndet wird: ich nehms zurück, es gibt die ansässige Bevölkerung ja noch.

In Reservaten.



Ahhhhrrgghhhh ... schon wieder so ein Beitrag, wo man am liebsten die Deutschen mal wieder richtig ausduennen moechte :dead:
Zuletzt geändert von odiug am Mo 20. Jul 2015, 14:03, insgesamt 1-mal geändert.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
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Re: Sammelstrang Willkommenskultur

Beitragvon Demolit » Mo 20. Jul 2015, 14:12

Danke für deine Antwort. Ich teile die Ansicht bzgl. der Identität ,die in deinem Post zum Ausdruck kommt. Das Wir im Politischen, das gleichgeschaltete Identität hat, ist Grundlage von Diktatur und Gängelung. Es gibt in unserer kulturellen politischen Ausrichtung Deutschland nie die Chance da eine Bewegung hin zubekommen.

Das Problem liegt in dem, was vermittelt wird, damit im privaten, im gemeinschalichen Leben von Individuen ein wir ausmacht. Verständnis untereinander braucht aber etwas, was mehr ist als Gesetzestreue und Selbstverwirklichung.

Da wird das Verbindende täglich weniger.............

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