Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

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Isi

Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Isi » Fr 22. Aug 2008, 22:33

Valerie Solanas(* 9. April 1936 in Atlantic City, New Jersey; † 26. April 1988 in San Francisco) war eine amerikanische Schriftstellerin, die durch ihren Mordversuch an Andy Warhol, sowie als Autorin des Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, S.C.U.M. bekannt wurde, in dem sie zur Rettung der Welt die Tötung aller Männer forderte.

Leben

Laut eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens von 1968 war Solanas’ Kindheit und Jugend von einem „zerrütteten Elternhaus“ geprägt. Sie wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht und von ihrer Mutter geschlagen. Bereits mit 13 wurde sie auffällig, als sie mehrmals bei Ladendiebstählen erwischt wurde. In der Folge wurde sie in einem Internat untergebracht. Ihr Studium finanzierte sie sich nach Aussagen ihrer Kommilitonen durch Prostitution.

Valerie Solanas lernte Andy Warhol in Greenwich Village kennen, als sie Kopien ihres S.C.U.M. Manifesto auf der Straße verkaufte. Bald ging sie in dessen Factory ein und aus, war jedoch nie ein richtiges Mitglied der Kommune. Sie wollte, dass Warhol ihr Theaterstück Up your Ass (zu deutsch „Schieb’s dir in den Arsch“) produzierte. Da er interessiert schien, vertraute sie ihm das Manuskript an – später warf sie ihm vor, er habe es gestohlen, obwohl Warhol nie ein entsprechendes Theaterstück verfasste/aufführte, und sich auch diesbezügliche Notizen in seinem Nachlass nicht finden lassen. Allerdings scheint Solanas bereits zu dieser Zeit unter einer wahnhaften Störung gelitten zu haben, die wenig später in dem Mordversuch an Andy Warhol gipfeln sollte.

1967 traf Solanas den Verleger Maurice Girodias, der zu diesem Zeitpunkt vor allem Underground-Literatur sowie Pornografie veröffentlichte. Er war von ihrem „Wortwitz“ begeistert und bezeichnete sie als „Bilderstürmerin“. Er kaufte ihr die Rechte am S.C.U.M. Manifesto ab.

Noch im selben Jahr spielte Solanas eine Rolle in Warhols Film I, A Man. Sie fühlte sich von Warhol und der künstlerischen Hierarchie seiner Factory ausgenutzt, und verlangte eine Gagenerhöhung. Nachdem sie ihn deshalb telefonisch terrorisierte, wurde sie von der Factory ausgeschlossen. Im Herbst 1967 wurde ihr wegen ausstehender Mietzahlungen ihre Unterkunft im Chelsea Hotel gekündigt. Von nun an lebte sie auf der Straße. Zu jener Zeit manifestierte sich bei ihr eine paranoide Persönlichkeitsstörung. Aus diesem Grunde rief sie Warhol und Girodias, in der Überzeugung, Opfer eines Komplotts zu sein, unzählige Male an (Stalking) und beschimpfte sie.

Am 3. Juni 1968 drang Solanas gewaltsam in die Factory ein und schoss dreimal auf Andy Warhol. Sie bezeichnete ihn als „Vampir“. Warhol wurde durch die Schüsse schwer verletzt. Girodias nutzte die durch die Schüsse und den Prozess ausgelöste Publicity, um Solanas’ S.C.U.M. Manifesto zu veröffentlichen. Solanas wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Matteawan State Hospital für kriminelle Geisteskranke absaß. Nach ihrer Entlassung 1971 war sie meist obdachlos, in den 1980er Jahren lebte sie in Kalifornien. Am 25. April 1988 wurde sie vom Hausmeister eines Obdachlosenheims im Tenderloin-Viertel von San Francisco tot aufgefunden. Sie starb mit 52 Jahren an einer Lungenentzündung.

Solanas’ Leben und die Hintergründe ihrer Schüsse auf Warhol wurden 1997 von Mary Harron unter dem Titel I Shot Andy Warhol verfilmt. Die Hauptrolle spielte Lili Taylor.


Das SCUM-Manifest

SCUM (dt. Abschaum) ist ein Apronym für Society for Cutting Up Men (dt. wörtlich: Gesellschaft zur Zerschneidung von Männern).

Das Manifest beginnt mit folgender Passage:

Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.

In ihrer Schmähschrift macht Solanas die Männer für alle Übel der Welt verantwortlich. Die Geschichte habe bewiesen, dass Männer weder fähig noch willens seien, menschlich zu handeln und aus diesem Grund vernichtet werden müssen, damit der Aufbau einer menschlichen Gesellschaft überhaupt möglich werde. Noch schlechter als die Männer kommen bei Solanas jene Frauen weg, die sie als „Kollaborateurinnen der Männerherrschaft“ bezeichnet.

In einem Interview mit der Zeitschrift Village Voice erklärte Solanas dazu, dass dieses Manifest nicht als ernst gemeinte Handlungsanleitung gedacht war. (Howard Smith: Valerie Solanas Interview. In: Village Voice. 25. Juli 1977, S. 32 ff.)

Die Regisseurin Mary Harron, die Valerie Solanas zur Heldin ihres Films „I Shot Andy Warhol“ machte, war nach eigenen Aussagen von dem Text stark beeindruckt. Harron in einem Zeitungsinterview: „Eine Lektüre, die mein Leben veränderte. Kein Buch hat mich je so angerührt und erschüttert“.

Das S.C.U.M. Manifest wurde 2004 von Mario Eick unter dem Titel Manifesto für die Bühne adaptiert und inszeniert.


Anzumerken ist, dass es im S.C.U.M. Manifest - das viele für eine wirklich gutgemachte zynische Satire halten - um die Vernichtung des männlichen Geschlechts geht, also um deren Sozialisation, die heute als die männliche gilt.

S.C.U.M. wie auch Solanas erreichten in feministischen Kreisen nie mehr Bedeutung als einen gewissen Unterhaltungswert, aber das schützt den Feminismus leider nicht vor Diffamierung durch Antifeministen, die Solanas und S.C.U.M. als Sinnbild für Feminismus hetzerisch aufwerten und daran ihren paranoiden Verfolgungswahn messen. Das ist in etwa so, als würde man Hitlers "Mein Kampf" der nächstbesten SPD-Ortsgruppe vor die Nase halten und sagen:"Ihr seid Sozialisten? Hitler war auch einer....Los, sagt was. Verteidigt euch!"

S.C.U.M. ist lesenswert, mutig und zynisch, brüllendkomisch, unterhaltsam und radikal - aber Angst brauchen Männer davor nicht haben. Wirklich nicht!

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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 23. Aug 2008, 09:37

Laut eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens von 1968 war Solanas’ Kindheit und Jugend von einem „zerrütteten Elternhaus“ geprägt. Sie wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht und von ihrer Mutter geschlagen.

ist schon übel wie sehr ein mensch durch mißhandlung in seiner kindheit auf schiefe bahn geraten kann..

auch hitler und stalin wurden von ihren vätern geschlagen.

gegen ein wenig mitleid kann ich mich da nicht erwehren. solche leute darf man aber nicht an die macht lassen, sonst leiden ganze völkerschaften an deren kindheitstraumas (wie auch alice schwarzer keinen erlebbaren vater hatte, aber zumindest zum glück einen großvater)..

S.C.U.M. ist lesenswert, mutig und zynisch, brüllendkomisch, unterhaltsam und radikal - aber Angst brauchen Männer davor nicht haben. Wirklich nicht!

http://www.spunk.org/library/anarcfem/sp001291.txt

es ist unlogisch und entgegen wissenschaftlicher erkenntnisse (hab aber auch nur ein viertel gepackt, dann wars mir zu dumm). eine projektion ihres persöhnlichen negativen männer/väter-bildes auf alle.
und man kann ihr da nicht mal böse sein, wenn man ihre vergangenheit kennt.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Dampflok » Sa 23. Aug 2008, 10:00

watisdatdenn? hat geschrieben:und man kann ihr da nicht mal böse sein, wenn man ihre vergangenheit kennt.
Wenn also eine Hure das Märchen auftischt, ihr Vater hätte sie sexuell mißbraucht, kann man ihr nicht böse sein, wenn sie mit mehreren Schüssen versucht, einen Menschen zu ermorden. Aha.

.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 23. Aug 2008, 10:24

Dampflok hat geschrieben:Wenn also eine Hure das Märchen auftischt, ihr Vater hätte sie sexuell mißbraucht, kann man ihr nicht böse sein, wenn sie mit mehreren Schüssen versucht, einen Menschen zu ermorden. Aha.

ich meinte natürlich das SCUM manifest.

ihre taten sind dadurch selbstverständlich ebenso wenig zu rechtfertigen wie die taten hitlers oder stalins, die ebenfalls eine schwere kindheit hatten.

ich nehme ihr durchaus ab, dass sie mißbraucht worden ist und von ihrer mutter geschlagen. von selbst kommen solche perversen ansichten nicht.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Peddargh » Sa 23. Aug 2008, 10:41

Um diese Frage "Wer hat Angst vor Valerie Solanas?" zu beantworten:

Valerie Solanas!
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Pandora » Sa 23. Aug 2008, 11:18

Peddargh hat geschrieben:Um diese Frage "Wer hat Angst vor Valerie Solanas?" zu beantworten:

Valerie Solanas!


Ich finde, dass ist eine ziemlich gute Antwort.

Wer Angst vor einem dermassen psychisch kranken Menschen hat, der sollte nicht mehr vor die Tür gehen, denn es gibt genug psychisch kranken Menschen da draussen und man sieht es ihnen nunmal nicht wirklich an (ebensowenig sieht man z. B. Verbrechern an, dass sie Verbrecher sind oder Pädophilen, dass sie pädo sind oder Müttern, die ihre Kinder getötet haben, dass sie ihre Kinder getötet haben - die Liste könnte man noch ewig so weiter führen.)

Mir tut sie auch eher leid für das, was ihr passiert ist! Es erklärt ihren "Hass" - darf allerdings wirklich nicht als Entschudligung für irgendwelche Taten dienen! (obwohl man z. B. den Ladendiebstahl durchaus auch als eine Art Hilferuf verstehen kann... oftmals ist es die Hoffnung auf Aufmerksamkeit - eine Art Hilferuf eben)

@Dampflok: Woher bitte weißt du, dass sie ein Märchen aufgetischt hat? Quellenangaben?!

Ich finde solche Aburteilungen wirklich billig. Genau solche Typen wie du sorgen dafür, dass wirklich missbrauchte Menschen sich kaum trauen sich jemandem anzuvertrauen, eben weil sie denken, dass ihnen so oder so keiner glaubt!! Ich finde das erschreckend und widerlich, ganz ehrlich... denk mal drüber nach... ein sexuell missbrauchter Mensch muss im Schnitt 7 Personen um Hilfe bitten, bis ihm geglaubt und geholfen wird... stelle dir vor, dass du einen Sohn hast (ich mach das Beispiel für dich annehmbarer, damit du es auch verstehst!) und dieser wird von seiner Tante (DEINE Schwester, die du über alles liebst!) sexuell missbraucht - irgendwann merkst du - als Vater - das er dir entgleitet... er benimmt sich anders als sonst, er klaut, nimmt Drogen und geht auf den Jungenstrich... dann will er da raus und sein leben leben, schafft das aber nicht alleine und vertraut sich dir an! Was nun?! Ist er dann auch nur nen Stricher der Märchen auftischt?!?!?

Oftmals fängt es nämlich genau da schon an mit den Zweifeln - bei den eigenen Eltern (wenn sie dann mal nicht die Missbraucher sind, was sie ja leider überwiegend sind)

Was nicht sein darf, das nicht sein kann und schnell die Augen zu!

Übrigens ist das auffällig werden ebenos ein klassisches Missbrauchsbild wie z. B. die Magersucht (auch bei Jungs mittlerweile), dass in sich kehren, die Prostitution usw usf... kann alles ein Zeichen sein, muss es aber nicht.

Nochmal - schrecklich, was ihr passiert ist - es ist mit nichts zu entschuldigen - ebensowenig ist ihr Werdegang zu entschuldigen... der Mordversuch jedenfalls geht voll auf ihre Kappe... zu einem Teil aber auch an die Gesellschaftsgruppe der Augenschliesser, sorry!
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Gretel » Sa 23. Aug 2008, 16:51

Im Genderforum des alten PF kann man die Paranoiker (echt traurig) besichtigen, die noch heute die Kalaschnikow rausholen wollen, weil es - neulich? - ne Lesung vom Scum gab, wo die Schauspielerinnen Haneelore Elsner und Jasmin Tabatai (angeblich "Führerinnen des Feminismus) dies Manifest vorlasen.
Tabatai sagte: "Zwischen Vergnügen und Entsetzen" - Beleg für faschistische Umtriebe Auch - Andrea Dingsda (Dschworkin?) wird immerzu zitiert, die hat auch schlimme Dinge gesagt, irgendwann, am anderen Ende der Welt.....


:nails: :rofl:
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Guinevere » Sa 23. Aug 2008, 19:39

Tudddeldü hat geschrieben:Gedenktag


Hör auf für die Bestie auch noch einen Gedenktag zu fordern. Dein Thema ist nur frauenfeindliche Hetze und Solidarisierung mit einem bestialischen Mörder. Sowas ist Billigung von Schwerverbrechen für mich und eine Verhöhnung des Opfers. :evil:
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Guinevere » Sa 23. Aug 2008, 19:55

Isi hat geschrieben:Valerie Solanas(* 9. April 1936 in Atlantic City, New Jersey; † 26. April 1988 in San Francisco) war eine amerikanische Schriftstellerin, die durch ihren Mordversuch an Andy Warhol, sowie als Autorin des Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, S.C.U.M. bekannt wurde, in dem sie zur Rettung der Welt die Tötung aller Männer forderte.

S.C.U.M. ist lesenswert, mutig und zynisch, brüllendkomisch, unterhaltsam und radikal - aber Angst brauchen Männer davor nicht haben. Wirklich nicht! Oder?


Welcher normal denkende Mensch soll sich ihre kranken männerhassenden Phantasien antun? Das sollen Leute tun, die für sowas da sind, Psychologen und Psychiater. Für mich ist die Frau eine gemeingefährliche Psychopathin und gehört in die Klapse. :roll:
Isi

Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Isi » Sa 23. Aug 2008, 23:57

Guinevere hat geschrieben:
Welcher normal denkende Mensch soll sich ihre kranken männerhassenden Phantasien antun?


Du hast es gelesen?

Guinevere hat geschrieben:Das sollen Leute tun, die für sowas da sind, Psychologen und Psychiater. Für mich ist die Frau eine gemeingefährliche Psychopathin und gehört in die Klapse. :roll:


Sie konnte verdammt gut schreiben und hatte ein ausgeprägtes Talent zur Satire. Ihre spätere Verwirrung liest man dem Manifest nicht an.
Isi

Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Isi » So 24. Aug 2008, 00:00

Gretel hat geschrieben:Im Genderforum des alten PF kann man die Paranoiker (echt traurig) besichtigen, die noch heute die Kalaschnikow rausholen wollen, weil es - neulich? - ne Lesung vom Scum gab, wo die Schauspielerinnen Haneelore Elsner und Jasmin Tabatai (angeblich "Führerinnen des Feminismus) dies Manifest vorlasen.
Tabatai sagte: "Zwischen Vergnügen und Entsetzen" - Beleg für faschistische Umtriebe Auch - Andrea Dingsda (Dschworkin?) wird immerzu zitiert, die hat auch schlimme Dinge gesagt, irgendwann, am anderen Ende der Welt.....


:nails: :rofl:


Genau das: Wenn schon ein solcher Text reicht, Angst und Schrecken unter Männern zu verbreiten, dann ist "Femifaschismus" kein politisches Problem, sondern ein sehr individuelles und zwar dieser Männer.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Dampflok » So 24. Aug 2008, 07:38

Guinevere hat geschrieben:
Welcher normal denkende Mensch soll sich ihre kranken männerhassenden Phantasien antun?
Nun, auf der Website der "Emma" finden sich ausgewählte Texte Solanas. Die "Emma" reagiert ansonsten mit sofortiger Löschung/Nichtveröffentlichung von nichtfeministischen Meinungen in ihrem Forum. Als Ausrutscher kann die Veröffentlichung dort also auf gar keinen Fall interpretiert werden.

Radikalfeministinnen stehen also offenbar ganz bewußt dazu. Diese Volksverhetzung wird dort auch mitnichten als "Satire" zu verteidigen versucht. Es ist für jene offenbar eine ganz legale Facette des feminismus.

Allerdings habe ich nicht darüber reflektiert, inwiefern die Leute dort "normal denkende Menschen" sein sollen.


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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon watisdatdenn? » So 24. Aug 2008, 09:58

Guinevere hat geschrieben:Welcher normal denkende Mensch soll sich ihre kranken männerhassenden Phantasien antun? Das sollen Leute tun, die für sowas da sind, Psychologen und Psychiater. Für mich ist die Frau eine gemeingefährliche Psychopathin und gehört in die Klapse. :roll:

ich finde schon, dass man vielerlei dinge lesen sollte. auch "mein kampf" von adolf hitler und andere bücher, damit man sich geistig nicht zu sehr versteift. im SCUM-manifest stehen so manche vorstellungen die man eins-zu-eins auch von vielen feministinnen wie alice schwarzer kennt. ich finds also schon interessant, dass einige standpunkte (die den kern der ideologie treffen) von einer psychopatin und einer bundesverdienstkreuz-trägerin identisch sind.

auch dass ihre perversen ansichten völlig offensichtlich von ihrer kindheit herrühren (drum schreibt sie ja so extrem viel über die schlechten väter [daddys] und mütter [die sich mit jenen arrangieren]), was nur wieder die wichtigkeit einer liebevollen/intakten familie hervorhebt.


ihr neid und mißgunst auf frauen, die ein normales glückliches leben nach traditionellen vorstellungen führen wollen und können, zeigt sie hier sehr deutlich:
The conflict, therefore, is not between females and males, but
between SCUM - dominant, secure, self-confident, nasty, violent,
selfish, independent, proud, thrill-seeking, free-wheeling, arrogant
females, who consider themselves fit to rule the universe, who have
free-wheeled to the limits of this "society" and are ready to wheel
on to something far beyond what it has to offer - and nice, passive,
accepting, "cultivated", polite, dignified, subdued, dependent,
scared, mindless, insecure, approval-seeking Daddy's Girls, who
can't cope with the unknown, who want to continue to wallow in the
sewer that is, at least, familiar, who want to hang back with the
apes, who feel secure only with Big Daddy standing by, with a big,
strong man to lean on and with a fat, hairy face in the White House,
who are too cowardly to face up to the hideous reality of what a man
is, what Daddy is, who have cast their lot with the swine, who have
adapted themselves to animalism, feel superficially comfortable with
it and know no other way of "life", who have reduced their minds,
thoughts and sights to the male level, who, lacking sense,
imagination and wit can have value only in a male "society", who can
have a place in the sun, or, rather, in the slime, only as soothers,
ego boosters, relaxers and breeders, who are dismissed as
inconsequents by other females, who project their deficiencies,
their maleness, onto all females and see the female as a worm.


für mich steht das SCUM-manifest stellvertretend für das, was auch den meisten feministinnen (wie auch alice schwarzer) fehlt: ein positives väterbild

valerie solanas starb einsam in der gosse, während die "daddy's girls" oft ein schönes und erfülltes leben im kreise der familie lebten. ich finde das tragisch, denn hätte sie in ihrer kindheit bessere erfahrungen mit ihren eltern gemacht (mehr liebe erfahren), wäre ihre entwicklung wohl auch besser verlaufen.
natürlich hätte sie sich bewusst auch anders entscheiden können, aber die vorraussetzungen (die tiefes vertrauen schwer machen) waren doch ungünstig.
Zuletzt geändert von watisdatdenn? am So 24. Aug 2008, 10:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Skylla » So 24. Aug 2008, 10:18

watisdatdenn? hat geschrieben:für mich steht das SCUM-manifest stellvertretend für das, was auch den meisten feministinnen (wie auch alice schwarzer) fehlt: ein positives väterbild

valerie solanas starb einsam in der gosse, während die "daddy's girls" oft ein schönes und erfülltes leben im kreise der familie lebten. ich finde das tragisch, denn hätte sie in ihrer kindheit bessere erfahrungen mit ihren eltern gemacht (mehr liebe erfahren), wäre ihre entwicklung wohl auch besser verlaufen.
natürlich hätte sie sich bewusst auch anders entscheiden können, aber die vorraussetzungen (die vertrauen fast unmöglich machen) waren doch denkbar ungünstig.

Valerie Solana war genau das, was du hier so toll ausführst: sie war Daddy's girl. Du siehst ja an ihrem Beispiel, was daraus werden kann.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon watisdatdenn? » So 24. Aug 2008, 10:36

Skylla hat geschrieben:Valerie Solana war genau das, was du hier so toll ausführst: sie war Daddy's girl. Du siehst ja an ihrem Beispiel, was daraus werden kann.

ich bezog mich auf den von ihr eingeführten verknüpfungen von "daddys girl":
nice, passive, accepting, "cultivated", polite, dignified, subdued, dependent,
scared, mindless, insecure, approval-seeking

also nette, zurückhaltende, annehmende, kultivierte, freundliche, würdevolle und selbstkritische frauen (hmm gibts heute nicht mehr so oft wie früher, aber es gibt sie noch, und darauf ein HOCH :cheers: ).
so kann man valerie solana mit sicherheit nicht beschreiben. frauen die jene eigenschaften aufweisen, landen auch meist nicht in der gosse.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Isi » So 24. Aug 2008, 15:31

watisdatdenn? hat geschrieben:ich finds also schon interessant, dass einige standpunkte (die den kern der ideologie treffen) von einer psychopatin und einer bundesverdienstkreuz-trägerin identisch sind.


Naja, Friedrich Nietzsche wird auch heute noch gern zitiert ("wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht"), nebenbei als Urvater der Psychoanalyse gehandelt und sein Übemensch-konzept spiegelt sich 1:1 in der nationalsozialistischen Ethik wider. Außerdem gilt er als großer deutscher Denker, Dichter und Philologe und soll einer der größten Philosophen des deutschen Sprachraums sein und er endete in geistiger Umnachtung.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon watisdatdenn? » So 24. Aug 2008, 16:10

Isi hat geschrieben:Naja, Friedrich Nietzsche wird auch heute noch gern zitiert

um mich kurz zu fassen: ich bin kein großer fan von nietzsche, aber zwischen ihm und solana liegen welten.
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon Gretel » So 24. Aug 2008, 16:29

Dampflok hat geschrieben:Nun, auf der Website der "Emma" finden sich ausgewählte Texte Solanas. Die "Emma" reagiert ansonsten mit sofortiger Löschung/Nichtveröffentlichung von nichtfeministischen Meinungen in ihrem Forum. Als Ausrutscher kann die Veröffentlichung dort also auf gar keinen Fall interpretiert werden.

Radikalfeministinnen stehen also offenbar ganz bewußt dazu. Diese Volksverhetzung wird dort auch mitnichten als "Satire" zu verteidigen versucht. Es ist für jene offenbar eine ganz legale Facette des feminismus.




Schwachsinn, und das weißt Du auch.

Das ist GESCHICHTE und steht im Emma - Archiv.

Und zwar nebst einem Auszug von Scum steht da folgender Artikel der Regisseurin, die den Spielfilm "I shot Andy Warhol" gedreht hat. )Ich habe ihn übrigens gestern auf DVD gesehen - SUPER! Kann ich nur empfehlen.)

29 Jahre nach der Tat wird Valerie Solanas, die Frau, die auf Andy Warhol schoss, zur Filmheldin, brillant verkörpert von Lily Taylor. Regisseurin Mary Harron erklärt selbst, warum sie einen Film über die Autorin von S.C.U.M. und ihr "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" drehte.

Die Frage, die mir zu meinem Film "I shot Andy Warhol" (Ich schoss auf Andy Warhol) am häufigsten gestellt wird, ist die, seit wann ich mich ausgerechnet für Valerie Solanas interessiere. Darauf kann ich ziemlich genau antworten. Es muss 1987 gewesen sein. Andy Warhol war kurz zuvor gestorben und ich hatte gerade für die BBC einen Dokumentarfilm über sein Leben fertig gedreht. Ich war im Londoner Süden auf dem Weg zur Arbeit und warf im Vorbeigehen einen kurzen Blick in das Schaufenster der Brixtoner Buchhandlung.

An diesem Morgen blieb ich überrascht stehen und wollte meinen Augen nicht trauen. Dort lag doch tatsächlich eine Ausgabe des "S.C.U.M. Manifesto" aus. Über dieses Pamphlet wusste ich bescheid - zumindest dachte ich das damals. Valerie Solanas, diese Verrückte, die auf Warhol geschossen hat, war Gründerin und einziges Mitglied einer Organisation namens "Society for Cutting Up Men", S.C.U.M. (Gesellschaft zur Zerstückelung von Männern - "scum" bedeutet gleichzeitig "Abschaum"). Doch gelesen hatte ich ihre Schrift nie.

Ich ging also rein, kaufte mir ein Exemplar und begann, noch in der U-Bahn zu lesen - eine Lektüre, die mein Leben veränderte. Kein Buch hatte mich je so angerührt und erschüttert.

Das S.C.U.M. Manifest ist eine Schmähschrift, die auf 50 knappen Seiten den Männern die Schuld an jedem Übel der modernen Welt gibt. Doch der Ton dieser Hasstirade ist kühl, logisch und sehr komisch. Eine brillante Satire - so als hätte Oscar Wilde beschlossen, Terrorist zu werden. Für meinen Warhol-Film hatte ich Dutzende von Zeitzeugen zu den Hintergründen von Solanas Attentat befragt und Berge von Berichten gelesen. Niemand hatte erwähnt, dass Valerie Solanas Talent und einen ausgeprägten Hang zur Komik hatte.

Solanas` Schrift verkündet den totalen Krieg zwischen Männern und Frauen, und zwar eine echten Krieg, weil die Geschichte bewiesen habe, dass die Männer zu einem menschlichen Leben weder willens noch fähig seien. Solanas eiskalte Abhandlung des Ist-Zustandes mündet in den Vorschlag, die Männer auszurotten, um endlich mit dem Aufbau einer menschlichen Gesellschaft beginnen zu können.

Valeries härtestes Urteil richtet sich jedoch gegen Frauen: gegen die Kollaborateurinnen der Männerherrschaft, diese "passiven, geschwätzigen Daddy-Girls, die immer nur nach dem Beifall der Männer gieren, sich von ihnen wie brave Hündinnen tätscheln lassen und sich jedem dahergelaufenen Stück Müll bereitwillig unterordnen".

Wer war Valerie Solanas? Ich beschloss, ihre Geschichte zu recherchieren. Das war nicht einfach, denn sie hatte nur wenige Spuren hinterlassen. Ihre Familie schwieg, und den Behörden war kaum etwas bekannt. Als Valerie nach der Schießerei im Juni 1968 verhört wurde, sagte sie sowohl der Polizei als auch den psychiatrischen Gutachtern, sie sei am 9. April 1940 geboren. Danach wäre sie zum Zeitpunkt des Attentates 28 Jahre alt gewesen. Tatsächlich war sie aber 32. Diese vier Jahre sind entscheidend: Valerie Solanas war kein Produkt der Studentenrevolte der 60er, sondern ein Kind der spießigen 50er Jahre.

1936 in Atlantic City, New Jersey geboren, kam Valerie 1954 aufs College. Nicht im Aufbruch der Kennedy Ära, sondern im Muff der Ära Eisenhower machte sie an der Universität of Maryland ihr Psychologie-Diplom. Was das für eine Frau wie sie bedeutet haben muss, wird auf einem Gruppenfoto von 1958 deutlich. Die Studentinnen sind von jenem eigentümlichen hausbackenen 50er-Jahre-Look geprägt: Bubikragen, Twinset, Perlenkette, Dauerwelle und ein kerngesundes Lächeln auf den Lippen - zwischen ihnen Valerie in einem derben Flanellhemd und Overall, finster blickt sie in die Kamera.

Die beiden Psychiater, die Valerie Solanas nach dem Attentat untersuchten, kamen in ihrem Gutachten zum Ergebnis, dass die Täterin "eine ziemlich traurige Kindheit gehabt haben, muss: geprägt von einem zerrütteten Elternhaus, sexuellem Missbrauch durch den Vater und häufige Unterbringung des Mädchens außerhalb der Familie". Valerie beschrieb sich selbst als wildes Mädchen, das Ladendiebstahl normal fand und mit 13 "schon viele sexuelle Erfahrungen" gesammelt hatte. Mit 14 kam sie in ein Internat, was sie selbst als ihre Rettung empfand, zumindest zeitweilig. Jahre später erzählte sie ihrem Verleger Maurice Girodias, das einzige Mal, dass sie sich jemals verliebt habe, sei in eine Mitschülerin im Internat gewesen. An der Uni hieß es später, sie sei lesbisch. Einem Studienkollegen erzählte sie, dass sie sich ihr Studium durch Prostitution finanziere.

Um 1968 lebte das Mädchen aus der Provinz ein Boheme-Leben im New Yorker Greenwich Village, scheinbar. Doch gab es Zeiten, in denen Valerie, die auf den Straßen und in den Cafés ihr "Manifesto" im Handverkauf anbot, kein Dach überm Kopf hatte und sich von den Resten ernährte, die andere im Fast-Food-Imbiss auf den Tellern hinterließen. Wenn es mit dem Schnorren nicht klappte, ging sie auf den Strich.

Eines Tages traf Solanas auf Andy Warhol, und bald darauf war sie öfter Gast in seiner "Factory", dieser Kunst-Kommune, in der der damals schon weltberühmte Warhol mit einem Dutzend Frauen und Männern lebte: Mitarbeitern, Müßiggängern. Was interessierte sie so an dem gefeierten Pop-Künstler? Seine Kunst war es wohl kaum - was sie schrieb, war viel politischer als das, was Warhol malte. Sie hatte dort offenbar eine Chance für sich entdeckt - oder doch zumindest den Anflug einer Chance, die es sonst nirgends für sie zu geben schien.

Gerard Malanga, in den Glanztagen der "Factory" Warhols "persönlicher Assistent", beschreibt Solanas rückblickend als "Randperson". Schüchtern und isoliert sei sie gewesen, selten habe sie mit den anderen Mitgliedern der Factory-Belegschaft überhaupt ein Wort gewechselt: "Sie war nur darauf aus, mit Andy unter vier Augen zu sprechen, was ihr gegen alle Widerstände immer wieder gelang". Sie wollte von ihm nur eins: Er sollte ihr Theaterstück produzieren, "Up Your Ass" (sinngemäß "leck mich").

Valerie vertraute dem durchaus interessierten Warhol ihr einziges Manuskript an. Und wie so vieles, verschwanden die Papiere im Chaos der Factory - mit katastrophalen Folgen: In dem Maß, in dem Valerie später unter Wahnvorstellungen litt, wuchs ihre Überzeugung dass Warhol ihr das Stück regelrecht gestohlen habe.

Der Filmemacher Paul Morrissey, dessen Stern damals gerade am Factory-Himmel geboren wurde, verachtete Valerie. Als ich ihn fragte, warum Andy sich wohl die Zeit für Zwischengespräche mit ihr nahm, wenn sie so widerwärtig war, bot er mir die aufschlussreichste Lesart der Beziehung Solanas/Warhol, die ich je gehört hatte: Andy habe sich in Valerie wiedergespiegelt.

In der Tat waren Gemeinsamkeiten beträchtlich: Beide waren katholisch, beide stammten aus Arbeiterfamilien und verbrachten ihre Kindheit in Armut. Beide waren Außenseiter und waren dafür an der Schule gequält worden. Und - vielleicht das Wichtigste - beide hatten dem Sex abgeschworen, wenn auch aus (scheinbar?) gegensätzlichen Motiven: Valerie, weil sie zuviel davon erlebt hatte, Andy aus Desinteresse. Valeries Ablehnung galt nicht der Sexualität an sich, sondern ihrer Funktion im Machtkampf zwischen Männern und Frauen. Ihr Hass galt den psychischen und emotionalen Bedürfnissen, die Frauen mit ihrer Sexualität verknüpfen und die ihr nichts anderes schienen, als weibliche Schwächen, Abhängigkeit und Niederlage. Für Valerie war sexuelle Liebe ein trojanisches Pferd, das die Frauen endgültig besiegt.

Im Jahr 1967 hatte Valerie einen Mann getroffen, der ihr Schicksal mindestens ebenso bestimmen würde, wie Warhol: den französischen Verleger Maurice Girodias. Sie lebte damals in einem Billigappartment im Hotel Chelsea, einer berüchtigten Künstler-Absteige, Girodias in einer Suite. Sie sprach ihn an, mit Erfolg. Der Verleger und die Schriftstellerin verstanden sich auf Anhieb: Sie liebten Worte und verstanden sich als subversive Vorkämpfer gegen das Establishment. Dass er neben der Undergroundliteratur auch Pornografisches verlegte, bzw. die oft pornografisch war, wird sie kaum überrascht haben.

In seinem Vorwort zur ersten Auflage des S.C.U.M. Manifests schrieb Girodias: "Schon der Titel ihres Stücks, `Leck mich`wies die Autorin als Bilderstürmerin aus, und das war mir sympathisch. Und ich muss gestehen, dass mir darüberhinaus ihre Theorien, soweit ich sie verstanden habe, ebenfalls einleuchteten." Im August unterschrieben sie den Vertrag, mit dem sie die Rechte an ihn verkaufte. Er zahlte ihr dafür 500 Dollar Vorschuss und versprach ihr weitere 1.500 Dollar in Raten.

Kurze Zeit später übernahm Valerie eine Rolle in dem Warhol-Film "I, A Man". Der Auftritt, in dem sie sich selbst spielt, gelang ihr. Sie forderte eine Erhöhung ihrer geringen Gage, weil sie sich von Warhol ausgenutzt fühlte. Sie ließ nicht locker mit ihren Anrufen. Zu Warhols Entsetzen fand sie sogar seine Ggeheimnummer heraus. Nun kam die bewährte Factory-Maschinerie in Gang und entledigte sich der Unbequemen, indem man sie ignorierte und ausschloss.

Als Valerie Solanas im Herbst 1967 auch noch aus dem Chelsea Hotel rausflog, begann sie an eine Konspiration von Warhol und Girodias zu glauben. Außer sich vor Zorn und Verzweiflung beschimpfte sie Warhol am Telefon als Geier und Dieb. Girodias`amüsierter Kommentar: "Das schien mit keinen Sinn zu machen - sie besaß doch nichts, was irgendjemand hätte haben wollen."

Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab, die in ein Nobelviertel umgezogen war. Sie fuhr mit ihm im Aufzug in sein Büro in den vierten Stock. Dort gab es einen kurzen Wortwechsel. Solanas zog eine 32er Baretta aus einer Einkaufstüte und schoss dreimal auf ihn. Nur eine Kugel traf - mit verheerenden Folgen: Sie durchpflügte nacheinander Warhols linken Lungenflügel, Galle, Magen, Leber und Speiseröhre, bevor sie durch den rechten Lungenflügel wieder austrat. Dem Polizisten, von dem sie sich eingige Stunden später auf dem Times Square festnehmen ließ, sagte sie: "Er hatte zuviel Kontrolle über mein Leben."

Beim Verhör lehnte Valerie die Hilfe zweier Anwälte ab, die Girodias ihr zur Seite stellen wollte. Girodias nutzte den Skandal, um endlich Solanas "S.C.U.M Manifesto" in seinem Olympia-Verlag zu veröffentlichen. Valerie Solanas wurde zu drei Jahren Haft im "Matteawan State Hospital für Kriminelle Geisteskranke" verurteilt und wurde vorzeitig auf Bewährung freigelassen. In den späten 70ern sah man sie öfter auf einer Parkbank am Thompson Square schlafen oder auf einer Mauer am St. Marks`s Place sitzen, schmutzig und verwahrlost.

1985 wurde Warhol in einem Interview gefragt, was nach seinem Tod mit seiner Kunstsammlung geschehen solle. "Ich bin schon tot", war die knappe Antwort des schwerkranken "Papst der Pop-Art". Am 22. Februar 1987 starb er nach einer Gallenoperation im New York Hospital.

Ein Jahr später starb Valerie Solanas - fast so, als seien beider Leben verbunden gewesen. Am 25. April 1988 brach der Hausmeister des Obdachlosenheims in der Mason Street Nr. 56 in San Francisco ihr Zimmer mit einem Dietrich auf: Valerie war mit der Miete im Rückstand und seit einer Woche verschwunden. Der Polizeibericht stellte fest, dass er "die Tote auf dem Boden knieend vorfand. Der Oberkörper lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Bett. Ihr Körper war voller Maden, der Raum mache einen aufgeräumten Eindruck". Todesursache: Erstickungstod durch Lungenemphysem.

Als ich bei den Vorarbeiten zu meinem Film das Obdachlosenheim besuche, hat ein anderer Hausmeister Dienst. Er kann sich noch vage an Solanas erinnern. Einmal musste er in ihr Zimmer und sah sie an der Schreibmaschine tippen. Neben der Maschine habe ein Stapel maschinengeschriebener Seiten gelegen. Woran sie schrieb und was mit dem Manuskript geschah, ist unbekannt.

Mary Harron, EMMA März/April 1997






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palulu
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Re: Wer hat Angst vor Valerie Solanas?

Beitragvon palulu » So 24. Aug 2008, 16:45

Isi hat geschrieben:Valerie Solanas(* 9. April 1936 in Atlantic City, New Jersey; † 26. April 1988 in San Francisco) war eine amerikanische Schriftstellerin, die durch ihren Mordversuch an Andy Warhol, sowie als Autorin des Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer, S.C.U.M. bekannt wurde, in dem sie zur Rettung der Welt die Tötung aller Männer forderte.





Anzumerken ist, dass es im S.C.U.M. Manifest - das viele für eine wirklich gutgemachte zynische Satire halten - um die Vernichtung des männlichen Geschlechts geht, also um deren Sozialisation, die heute als die männliche gilt.

S.C.U.M. wie auch Solanas erreichten in feministischen Kreisen nie mehr Bedeutung als einen gewissen Unterhaltungswert, aber das schützt den Feminismus leider nicht vor Diffamierung durch Antifeministen, die Solanas und S.C.U.M. als Sinnbild für Feminismus hetzerisch aufwerten und daran ihren paranoiden Verfolgungswahn messen. Das ist in etwa so, als würde man Hitlers "Mein Kampf" der nächstbesten SPD-Ortsgruppe vor die Nase halten und sagen:"Ihr seid Sozialisten? Hitler war auch einer....Los, sagt was. Verteidigt euch!"

S.C.U.M. ist lesenswert, mutig und zynisch, brüllendkomisch, unterhaltsam und radikal - aber Angst brauchen Männer davor nicht haben. Wirklich nicht!

Oder?




Meine Frage:

Gibt es ein Unterschied zwischen dieser Frau und dir ?

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