Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Skeptiker » Do 6. Aug 2020, 20:27

Vongole hat geschrieben:(06 Aug 2020, 20:14)
Ich kann keinerlei Spaß an einer Diskussion mit Judenfeinden finden.

Ich jedenfalls streite mich ungerne mit Leuten, mit denen ich einer Meinung bin. Aber wir sind hier nun wirklich off topic ...
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Ein Terraner
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Ein Terraner » Do 6. Aug 2020, 20:33

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2020, 20:24)

Man kann niemandem vorschreiben, woran er zu glauben hat. Aber man beeinflussen woran derjenige glaubt.


Glauben? Ich würde sowas im besten Fall Realitätsleugnung nennen.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Ein Terraner » Do 6. Aug 2020, 20:35

Orbiter1 hat geschrieben:(06 Aug 2020, 20:21)

Der Curiosity Rover ist gestern vor 8 Jahren auf dem Mars gelandet. https://twitter.com/MarsCuriosity/statu ... 76068?s=19 Und hat noch viel vor.


Es ist unglaublich dass das schon wieder so lange her ist, aber seitdem ist in der Raumfahrt so einiges passiert. Hast du das mitbekommen?



Wenn das schief läuft war es das mit der Raumfahrt.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon BlueMonday » Fr 7. Aug 2020, 01:17

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2020, 20:24)
Ziel muss es in meinen Augen sein, dass die richtige Philosophie gewinnt - und das ist für mich ganz klar eine auf Naturwissenschaften aufbauende Philosophie, in der Fakten über Glauben stehen. Dieser Konsens wird aber von vielen Seiten angegriffen und man muss diesen Angreifern mit der stärksten Waffe entgegentreten die es gibt: Mit der Logik der Wissenschaft.


Was sagt denn einer der einflussreichsten und weltweit geachtetsten Wissenschaftstheoretiker dazu:

“Allgemein gesprochen setzt Ähnlichkeit – und somit auch Wiederholung stets die Einnahme ‘eines Standpunkts’ voraus: manche Ähnlichkeiten oder Wiederholungen werden uns auffallen, wenn wir uns für ein bestimmtes Problem interessieren, andere, wenn wir uns für eine anderes Problem interessieren.”

“Man kann hinzufügen, daß sich für jede gegebene endliche Gruppe oder Mengen von Dingen, mag sie noch so regellos zusammengestellt sein, bei einiger Geschicklichkeit Standpunkte finden lassen, von denen auf alle zu der Menge gehörenden Dinge ähnlich (oder teilweise gleich) sind. Das bedeutet, daß jedes beliebige Ding oder Ereignis als “Wiederholung” jedes beliebigen anderen angesehen werden, wenn man nur den geeigneten Standpunkt einnimmt.”

Karl Popper, Logik der Forschung, Tübingen 1989, S. 376

Wissenschaft ist im Wesentlichen die Suche nach Wiederholungen (nach "Gesetzmäßigkeiten") im steten Fluss der Wirklichkeit. Und Popper klärt es auf: jede dieser gewonnenen Gesetzmäßigkeiten sind von einem Zweck und damit von einem eingenommenen Standpunkt abhängig. Oder so gesagt: eine Wirklichkeitsbeschreibung mittels irgendwelcher Gesetzmäßigkeiten steht potentiell immer in Konkurrenz zu anderen Wirklichkeitsbeschreibungen, sofern man denn noch von "Wissenschaft" spricht. Beschreibungen, die in sich (möglichst) konsistent sind, aber anderen Beschreibungen durchaus widersprechen können und werden. In dieser unentschiedenen Wettbewerbssituation findet erst wirkliche Diskussion statt, nur da, sonst gibt es ja nichts weiter zu diskutieren, nur zu bekennen und glauben.

"The whole point of science is to question accepted dogmas." -- Freeman Dyson

Also etwas, das gerade heutzutage mehr und mehr verloren zu gehen scheint, eine Zeit, der es zunehmend um den "Konsens" und die Ausgrenzung des störenden Zweifels geht, wo man Wissenschaftlichkeit mit dem obskuren Glauben an "die Wissenschaft" ersetzt.
Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Corella » Fr 7. Aug 2020, 06:36

BlueMonday hat geschrieben:(07 Aug 2020, 01:17)

Was sagt denn einer der einflussreichsten und weltweit geachtetsten Wissenschaftstheoretiker dazu:

“Allgemein gesprochen setzt Ähnlichkeit – und somit auch Wiederholung stets die Einnahme ‘eines Standpunkts’ voraus: manche Ähnlichkeiten oder Wiederholungen werden uns auffallen, wenn wir uns für ein bestimmtes Problem interessieren, andere, wenn wir uns für eine anderes Problem interessieren.”

“Man kann hinzufügen, daß sich für jede gegebene endliche Gruppe oder Mengen von Dingen, mag sie noch so regellos zusammengestellt sein, bei einiger Geschicklichkeit Standpunkte finden lassen, von denen auf alle zu der Menge gehörenden Dinge ähnlich (oder teilweise gleich) sind. Das bedeutet, daß jedes beliebige Ding oder Ereignis als “Wiederholung” jedes beliebigen anderen angesehen werden, wenn man nur den geeigneten Standpunkt einnimmt.”

Karl Popper, Logik der Forschung, Tübingen 1989, S. 376

Wissenschaft ist im Wesentlichen die Suche nach Wiederholungen (nach "Gesetzmäßigkeiten") im steten Fluss der Wirklichkeit. Und Popper klärt es auf: jede dieser gewonnenen Gesetzmäßigkeiten sind von einem Zweck und damit von einem eingenommenen Standpunkt abhängig. Oder so gesagt: eine Wirklichkeitsbeschreibung mittels irgendwelcher Gesetzmäßigkeiten steht potentiell immer in Konkurrenz zu anderen Wirklichkeitsbeschreibungen, sofern man denn noch von "Wissenschaft" spricht. Beschreibungen, die in sich (möglichst) konsistent sind, aber anderen Beschreibungen durchaus widersprechen können und werden. In dieser unentschiedenen Wettbewerbssituation findet erst wirkliche Diskussion statt, nur da, sonst gibt es ja nichts weiter zu diskutieren, nur zu bekennen und glauben.

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Also etwas, das gerade heutzutage mehr und mehr verloren zu gehen scheint, eine Zeit, der es zunehmend um den "Konsens" und die Ausgrenzung des störenden Zweifels geht, wo man Wissenschaftlichkeit mit dem obskuren Glauben an "die Wissenschaft" ersetzt.


Das ist aber nicht so gedacht, Faktenignoranz zu befeuern! Stand der Erkenntnis gilt, bis man es besser weiß. So wäre es o.k.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 7. Aug 2020, 08:08

Der gerade erst Ende Juli auf die Marsreise geschickte Rover Perseverance hat mit SHERLOCK ein Experimentiergerät, das ausdrücklich auf das Auffinden von organischen Materialien ausgerichtet ist. SHERLOCK steht für "Scanning Habitable Environments with Raman and Luminescence for Organics and Chemicals". "Suche nach Leben" ist vielleicht übertrieben. Das, wonach hier gesucht wird, nennt sich meines Wissens "Biosignaturen".
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 7. Aug 2020, 08:16

Corella hat geschrieben:(07 Aug 2020, 06:36)

Das ist aber nicht so gedacht, Faktenignoranz zu befeuern! Stand der Erkenntnis gilt, bis man es besser weiß. So wäre es o.k.

Die Stringtheorie ist ein Beispiel für ein Gedankengebäude, das bislang nicht experimentell überprüfbar ist. Nicht wenige Forscher sind der Meinung, dass diese Theorie auch in Zukunft weder experimentell verifizierbar noch falsifizierbar sein wird. Dennoch wird mit enormen Aufwand daran geforscht. Man versucht, ein großes Gedankengebäude mathematisch-logisch in sich konsistent und in Übereinstimmung mit einem physikalisch motivierten Axiomensystem zu bekommen. Im Grunde genommen ist aber die Stringtheorie damit so etwas wie eine flache-Erde-Theorie.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Orbiter1 » Fr 7. Aug 2020, 08:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Aug 2020, 08:08)

Der gerade erst Ende Juli auf die Marsreise geschickte Rover Perseverance hat mit SHERLOCK ein Experimentiergerät, das ausdrücklich auf das Auffinden von organischen Materialien ausgerichtet ist. SHERLOCK steht für "Scanning Habitable Environments with Raman and Luminescence for Organics and Chemicals". "Suche nach Leben" ist vielleicht übertrieben. Das, wonach hier gesucht wird, nennt sich meines Wissens "Biosignaturen".
Perseverance hat auch eine Drohne mit dabei. Ich frag mich wie die ohne Atmosphäre fliegen soll. Oder arbeitet die nach einem ganz anderen Antriebsprinzip?
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 7. Aug 2020, 08:27

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2020, 20:24)

Man kann niemandem vorschreiben, woran er zu glauben hat. Aber man beeinflussen woran derjenige glaubt.

Ziel muss es in meinen Augen sein, dass die richtige Philosophie gewinnt - und das ist für mich ganz klar eine auf Naturwissenschaften aufbauende Philosophie, in der Fakten über Glauben stehen. Dieser Konsens wird aber von vielen Seiten angegriffen und man muss diesen Angreifern mit der stärksten Waffe entgegentreten die es gibt: Mit der Logik der Wissenschaft.


Die Logik der Wissenschaften ist eine gute Sache aber unvollständig. Unvollständig in Hinsicht auf ein Verständnis des Ganzen. Des ganzen Seins. Des Universums als Ganzes.

Nur zum Vergleich: Fische sind sehr gute Kenner von Gewässern. Aale zum Beispiel wissen irgendwie wie sie aus europäischen Binnengewässern in die Sargassosee kommen. Aber Fische können - auch wenn sie über Intelligenz verfügten - das Konzept "See", "Meer", "Fluss", "Teich" nicht verstehen. Weil sie Objekte dieser Art nicht von außen betrachten. Und ebenso kann man das Konzept "Universum" nicht vollständig verstehen, wenn man es nicht irgendwie von außen betrachtet. Geht bei "Universum" aber logischerweise nicht auf physikalischem Weg. Der Versuch, dies anders zu tun nennt sich "Metaphysik" und ist eine sehr wichtige Teildisziplin der Philosophie. Warum diese Disziplin im Ansehen der Zeitgenossen im Laufe der letzten hundert Jahre stark aus dem Blick geraten ist ... ist auch eine interessante Frage.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 7. Aug 2020, 08:32

Orbiter1 hat geschrieben:(07 Aug 2020, 08:24)

Perseverance hat auch eine Drohne mit dabei. Ich frag mich wie die ohne Atmosphäre fliegen soll. Oder arbeitet die nach einem ganz anderen Antriebsprinzip?

Mit gegenläufigen Rotoren und fast 3000 Umdrehungen pro Minute. Der Mars hat ja nicht keine Atmosphäre sondern nur eine sehr sehr dünne Atmosphäre. Und auf der anderen Seite ist die Schwerkraft um zwei Drittel geringer als auf der Erde.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Perdedor » Fr 7. Aug 2020, 22:50

BlueMonday hat geschrieben:eine Wirklichkeitsbeschreibung mittels irgendwelcher Gesetzmäßigkeiten steht potentiell immer in Konkurrenz zu anderen Wirklichkeitsbeschreibungen, sofern man denn noch von "Wissenschaft" spricht. Beschreibungen, die in sich (möglichst) konsistent sind, aber anderen Beschreibungen durchaus widersprechen können und werden.


Im Rahmen der Naturwissenschaft kann es nicht dauerhaft mehrere sich widersprechende Beschreibungen geben. Denn wenn die Beschreibungen das Kriterium der Falsifizierbarkeit erfüllen, ist es immer möglich ein Experiment vorzuschlagen, welches zwischen den beiden sich widersprechenden Beschreibungen eindeutig entscheidet. Mindestens eine der Beschreibungen ist also definitiv falsch.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 8. Aug 2020, 00:17

Perdedor hat geschrieben:(07 Aug 2020, 22:50)

Im Rahmen der Naturwissenschaft kann es nicht dauerhaft mehrere sich widersprechende Beschreibungen geben. Denn wenn die Beschreibungen das Kriterium der Falsifizierbarkeit erfüllen, ist es immer möglich ein Experiment vorzuschlagen, welches zwischen den beiden sich widersprechenden Beschreibungen eindeutig entscheidet. Mindestens eine der Beschreibungen ist also definitiv falsch.

Das berühmte Doppelspaltexperiment zum Beispiel. Dort "entscheidet" die Messung allerdings keine Aussage über die Realität sondern führt sie selbst herbei. Das ist ja die Kernaussage dieser klassischen Experimentalanordnung. Sie falsifiziert nicht eine deterministische Vorhersage sondern die Möglichkeit einer deterministischen Vorhersage unabhängig von der Messung. Sie falsifiziert Theorien, die behaupten, alle physikalischen Vorgänge laufen klassisch deterministisch ab.

Wie und ob man so etwas wie die "Theorie der flachen Erde" wirklich objektiv und voraussetzungslos und unwiderleglich widerlegt ... scheint erst mal einfach, ist aber vielleicht gar nicht so einfach. Eine gute Übung vielleicht. Wir werden sie vielleicht noch brauchen. Die "Terraplanistas" in Brasilien, 11 Millionen sollen es angeblich sein ... gehören zu den großen Unterstützern des neuen Präsidenten Bolsonaro.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Perdedor » Sa 8. Aug 2020, 00:31

schokoschendrezki hat geschrieben:Sie falsifiziert Theorien, die behaupten, alle physikalischen Vorgänge laufen klassisch deterministisch ab.


Eben. Und das ist keine Frage des "geeigneten Standpunktes".
Es gibt keinen Standpunkt, von dem aus eine dem widersprechende Theorie richtig sein kann.

schokoschendrezki hat geschrieben:Wie und ob man so etwas wie die "Theorie der flachen Erde" wirklich objektiv und voraussetzungslos und unwiderleglich widerlegt ... scheint erst mal einfach, ist aber vielleicht gar nicht so einfach.


Mir ist keine wissenschaftliche Theorie der flachen Erde bekannt. Was soll also widerlegt werden?
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 8. Aug 2020, 01:02

Perdedor hat geschrieben:(08 Aug 2020, 00:31)
Mir ist keine wissenschaftliche Theorie der flachen Erde bekannt. Was soll also widerlegt werden?

Mir auch nicht. Aber bei der Widerlegung, Falsifizierung gehts ja auch nicht darum, dass die zu falsifizierende Aussage in irgendeinem Sinne "wissenschaftlich" ist sondern darum, dass sie falsifiziert wird.

Mal ernsthaft: Schlage ein Experiment vor, mit dem bewiesen wird, dass die Erde nicht "flach" sondern annähernd kugelförmig oder zumindest irgendwie dreidimensional ist. Ich würde sowas als interessante Aufgabe im Physik- oder Mathematik-Unterricht der gymnasialen Oberstufe stellen, wenn ich denn Lehrer wäre (was der liebe Gott zum Glück verhindert hat). Aber jetzt nicht sowas wie: Ich laufe immer geradeaus und komme irgendwann am Startpunkt wieder an. Das geht auch auf einer flachen Erde, weil man auch im Kreis laufen kann und "Geradeaus" erstmal definiert werden muss. Und auch die Sichtbarkeit eines Horizonts ist auf einer gekrümmten zweidimensionalen Fläche in einem dreidimensionalen Raum kein Problem. Und bitte nicht sowas wie: "Ich steige mit einem Ballon, Flugzeug, Raumschiff auf und sehe die Erde ja doch wohl als Kugel" Nicht doch. Das sogenannte "Räumliche Sehen" ist die Projektion einer irgendwiedimensionalen Welt auf die Netzhaut und die anschließende Verarbeitung dieser Sinneseindrücke im Gehirn zu einem Bild von der Außenwelt. Bei einer solchen Aufgabe müsste man sich überhaupt erst mal mit dem abstrakten Konzept von Drei- oder Mehrdimensionalität befassen. Was damit beginnt, dass man sich über die eigene Dimensinalität erst mal klarwerden muss. Was muss ich als Mensch tun, um objektiv festzustellen, in einem wieviel-dimensionalen Raum ich mich befinde, Das Experiment würde darauf hinauslaufen, dass ich die Arten von Positionsverschiebungen ermittle und zähle, die unabhängig voneinander zu irgendwie verschiedenen physikalischen Zuständen führen.Und dann bleibt immer noch das Problem der "verborgenen Dimensionen". Es kann ja duchaus sein, dass ich auf irgendeine Art von Positionsverschiebung gar nicht gekommen bin. Wer weiß, ob es neben einem vor-zurück, nach links-rechts, nach oben-unten nicht noch mehr Verschiebungsmöglichkeiten gibt.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Ein Terraner » Sa 8. Aug 2020, 01:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Aug 2020, 01:02)

Mir auch nicht. Aber bei der Widerlegung, Falsifizierung gehts ja auch nicht darum, dass die zu falsifizierende Aussage in irgendeinem Sinne "wissenschaftlich" ist sondern darum, dass sie falsifiziert wird.

Mal ernsthaft: Schlage ein Experiment vor, mit dem bewiesen wird, dass die Erde nicht "flach" sondern annähernd kugelförmig oder zumindest irgendwie dreidimensional ist.


Such dir eines aus, https://www.youtube.com/channel/UCtTQGV ... -pQ/videos
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Perdedor » Sa 8. Aug 2020, 12:04

schokoschendrezki hat geschrieben:Aber bei der Widerlegung, Falsifizierung gehts ja auch nicht darum, dass die zu falsifizierende Aussage in irgendeinem Sinne "wissenschaftlich" ist sondern darum, dass sie falsifiziert wird.


Eine seriöse Diskussion kann natürlich nur im Bezug auf wissenschaftliche Theorien stattfinden. Irgendwelche Verschwörungstheorien oder religiöse Vorstellungen sind ja weniger falsch als schlicht unsinnig ("not even wrong").

schokoschendrezki hat geschrieben:Schlage ein Experiment vor, mit dem bewiesen wird, dass die Erde nicht "flach" sondern annähernd kugelförmig oder zumindest irgendwie dreidimensional ist.


Die Krümmung kann vereinfacht gesagt durch die Innenwinkelsumme eines Dreiecks bestimmt werden. Man tut dies ja sogar im Bezug auf das Universum, nur eine Dimension höher.

schokoschendrezki hat geschrieben:Und auch die Sichtbarkeit eines Horizonts ist auf einer gekrümmten zweidimensionalen Fläche in einem dreidimensionalen Raum kein Problem.


Worum soll es denn nun gehen? Natürlich ist die Erdoberfläche zweidimensional.

schokoschendrezki hat geschrieben:Bei einer solchen Aufgabe müsste man sich überhaupt erst mal mit dem abstrakten Konzept von Drei- oder Mehrdimensionalität befassen.


Das ist doch alles bereits geschehen. Es gibt genau eine, nicht falsifizierte Beschreibung der Erde. Und kein dem gegenüberstehendes flache-Erde-Modell.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon BlueMonday » Sa 8. Aug 2020, 23:54

Perdedor hat geschrieben:(07 Aug 2020, 22:50)

Im Rahmen der Naturwissenschaft kann es nicht dauerhaft mehrere sich widersprechende Beschreibungen geben.


Das ist doch der Normalzustand über die letzten Jahrhunderte Wissenschaftsgeschichte, also dass es widersprechende Bewegungen, Schulen etc. gibt. Es gibt allenfalls eine vorherrschende Sicht (Orthodoxie), aber parallel dazu auch meist mehrere Heterodoxien(Abspaltungen). Gerade diese Wettbewerbssituation, also die Abspaltung von der Orthodoxie ermöglicht überhaupt wesentlichen wissenschaftlichen Fortschritt. Denn die Orthodoxie hat verständlicherweise und ihrer Natur entsprechend ein konservierendes, konservatives, festhaltendes "bias". Sie ist halt die Verteidigerin eines "Wissenstands", der (noch) Autorität genießt, aber eben nicht total, nicht ohne Einfallsräume.


Denn wenn die Beschreibungen das Kriterium der Falsifizierbarkeit erfüllen, ist es immer möglich ein Experiment vorzuschlagen, welches zwischen den beiden sich widersprechenden Beschreibungen eindeutig entscheidet. Mindestens eine der Beschreibungen ist also definitiv falsch.


Wissenschaft besteht mindestens aus zwei Teilen, einem reinen (begriffsbildenden) und einen empirischen. Der reine (=apriorische)Teil kann nicht "falsifiziert" werden, nur der empirische. Der empirischen Teil hängt aber vom reinen ab, also die Falsifikation findet innerhalb des gewählten begrifflichen Rahmens statt. Zudem ist jede Falsifikation auch innerhalb dieses Rahmens wiederum fallible.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Corella » So 9. Aug 2020, 08:45

BlueMonday hat geschrieben:(08 Aug 2020, 23:54)

Das ist doch der Normalzustand über die letzten Jahrhunderte Wissenschaftsgeschichte, also dass es widersprechende Bewegungen, Schulen etc. gibt. Es gibt allenfalls eine vorherrschende Sicht (Orthodoxie), aber parallel dazu auch meist mehrere Heterodoxien(Abspaltungen). Gerade diese Wettbewerbssituation, also die Abspaltung von der Orthodoxie ermöglicht überhaupt wesentlichen wissenschaftlichen Fortschritt. Denn die Orthodoxie hat verständlicherweise und ihrer Natur entsprechend ein konservierendes, konservatives, festhaltendes "bias". Sie ist halt die Verteidigerin eines "Wissenstands", der (noch) Autorität genießt, aber eben nicht total, nicht ohne Einfallsräume.




Wissenschaft besteht mindestens aus zwei Teilen, einem reinen (begriffsbildenden) und einen empirischen. Der reine (=apriorische)Teil kann nicht "falsifiziert" werden, nur der empirische. Der empirischen Teil hängt aber vom reinen ab, also die Falsifikation findet innerhalb des gewählten begrifflichen Rahmens statt. Zudem ist jede Falsifikation auch innerhalb dieses Rahmens wiederum fallible.


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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon Perdedor » So 9. Aug 2020, 12:23

BlueMonday hat geschrieben:Das ist doch der Normalzustand über die letzten Jahrhunderte Wissenschaftsgeschichte, also dass es widersprechende Bewegungen, Schulen etc. gibt.


Könntest du mal ein Beispiel geben, was du damit meinst?
In der Naturwissenschaft gab es nie über längere Zeit sich widersprechende Theorien, da durch Experimente immer entschieden wird, welche richtig und welche falsch sind. Es gibt nur eine Wirklichkeit und daher nur eine korrekte Beschreibung.
Diese Beschreibung wird natürlich mit neuen Erkenntnissen immer weiter verbessert.

BlueMonday hat geschrieben:Der reine (=apriorische)Teil kann nicht "falsifiziert" werden, nur der empirische.


Was ist deiner Meinung nach der "reine Teil" z.B. der Physik?
Wenn etwas in seiner Konsequenz nicht falsifiziert werden kann, ist es nicht Teil der wissenschaftlichen Theorie.
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Re: Warum keine neuen Experimente zur Suche von Leben auf dem Mars und anderen Orten im Sonnensystem

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 10. Aug 2020, 10:08

Perdedor hat geschrieben:(08 Aug 2020, 12:04)

Eine seriöse Diskussion kann natürlich nur im Bezug auf wissenschaftliche Theorien stattfinden. Irgendwelche Verschwörungstheorien oder religiöse Vorstellungen sind ja weniger falsch als schlicht unsinnig ("not even wrong").



Die Krümmung kann vereinfacht gesagt durch die Innenwinkelsumme eines Dreiecks bestimmt werden. Man tut dies ja sogar im Bezug auf das Universum, nur eine Dimension höher.



Worum soll es denn nun gehen? Natürlich ist die Erdoberfläche zweidimensional.



Das ist doch alles bereits geschehen. Es gibt genau eine, nicht falsifizierte Beschreibung der Erde. Und kein dem gegenüberstehendes flache-Erde-Modell.


Perdedor. Ich weiß doch, dass die Erde nicht flach ist. Dennoch ist es sehr nützlich, selbst die einfachsten Gewissheiten immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Und natürlich ist das Phänomen "Terraplanistas" kein wissenschaftliches sondern ein politisches. Vielleicht auch ein soziologisches. Möglicherweise auch ein anthropologisches. Brasilien ist keineswegs ein Entwicklungsland. In den zehner Jahren zählte man es neben Südafrika, China, Indien zu den BRICS-Staaten. Zu den aufstrebenden großen Industrienationen der Zukunft. Warum nach Umfragen ungefähr jeder fünfzehnte Brasilianer trotz eines modernen Schulwesens dennoch an eine flache Erde glaubt ... das muss man sich schon fragen. Parallel zu diesem Phänomen geht die Wahl von Jair Bolsonaro und der Wandel in der brasilianischen Gesellschaft von vorwiegend katholischer hin zu evangelikaler Prägung. Pfingstlerbewegungen vor allem. Ich habe schon ein paar mal versucht, Antworten für die Ursachen dieses Wandels zu finden.
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