Ist Österreich Deutsch?

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Kohlhaas
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Kohlhaas » Fr 5. Jul 2019, 18:08

Quatschki hat geschrieben:(04 Jul 2019, 22:16)

1866 gehörte Österreich wie Bayern zum Deutsche Bund.


Bayern stand auf der Seite Deutschlands, Preußen nicht.
Preußen hat das alte Deutschland zerschlagen und sein eigenes Deutschland gegründet.

Schon 1814/15 auf dem Wiener Kongress ging es Preußen vor allem darum, mit russischer Hilfe seine Macht auf Kosten des deutschen Föderalismus auszubauen.
"Befreiungskrieg" - alles Käse. Propaganda für das Dummvolk.


Meiner Ansicht nach war das jetzt „alles Käse“. Hier ein paar Anmerkungen dazu:

Nicht nur Österreich und Bayern gehörten zum Deutschen Bund, sondern auch Preußen. Wer auf Seiten Deutschlands stand und wer nicht, ist demzufolge reine Ansichtssache.

Der Wiener Kongress war nicht der Versuch Preußens, den nicht existierenden deutschen „Föderalismus“ auszuhebeln. Vielmehr war er der Versuch der Fürsten aller deutschen Länder, die „alte Ordnung“ wiederherzustellen, die vor der Französischen Revolution und vor allem vor dem Wirken Napoleons bestand: Absolutistische Macht der Fürsten in ihren Ländereien – und mögen sie auch noch so klein gewesen sein. So gesehen, war der Wiener Kongress ein Schuss in den Ofen, denn der Plan ist gescheitert. Die „Bürger“, die bis dahin nur Untertanen waren, ließen sich „den Staat“ nicht mehr wegnehmen. Napoleon hat die Welt nachhaltig und unumkehrbar verändert.

Bis zum Wiener Kongress hat es ein „altes Deutschland“ gar nicht gegeben. Erst infolge des Wiener Kongresses wurde der Deutsche Bund gegründet. Und der Deutsche Bund ist noch am ehesten das, was man „altes Deutschland“ nennen könnte.

Der Krieg von 1866 ist kein isoliertes Ereignis, das auf spontan aufgetretene preußische Machtgelüste zurückzuführen wäre. Schon in der Zeit, als das Heilige Römische Reich noch existierte, wurde dieses Reich zunehmend erschüttert durch die immer mehr zunehmende Konkurrenz zwischen Preußen und Österreich. Historiker sprechen hier vom „Deutschen Dualismus“. Der Krieg von 1866 war der Höhepunkt und das Ende dieses Jahrhunderte dauernden Konflikts. Viele andere Kriege waren vorausgegangen. Nicht zuletzt der Siebenjährige Krieg, den man getrost als ersten weltumspannenden Krieg betrachten kann. Z.B. was Cooper mit dem Roman „Lederstrumpf“ verarbeitet hat, war Teil dieses Siebenjährigen Kriegs.

Von „Befreiungskrieg“ hat in dem Zusammenhang nie jemand geredet. Der Krieg von 1866 wird heute als zweiter „Einigungskrieg“ bezeichnet. Preußen hat diesen Krieg gewonnen und die Einigung dann nach den damals machbaren Möglichkeiten vollzogen. Und keineswegs mit Hilfe Russlands! Russland war kurz davor, sich auf Seiten Österreichs in den Konflikt einzumischen. Deshalb hat Preußen so schnell einen milden Frieden mit Österreich ausgehandelt.

Hätte Österreich den Krieg gewonnen, wären die süddeutschen Staaten enger an Österreich gebunden worden und die Keimzelle der deutschen Nation wäre im Süden des Landes entstanden, unter österreichischer Führung. Dann hätte sich Russland auf die Seite Preußens gestellt. Den Russen ging es nämlich in erster Linie darum, die Entstehung einer fünften europäischen Großmacht zu verhindern. Besonders wenn es sich um eine Großmacht handelte, die so zentral gelegen war und über solche wirtschaftliche Kraft verfügen würde.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Kohlhaas » Fr 5. Jul 2019, 18:13

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Jul 2019, 16:32)

1866. Das Kaiserreich von 1871 hat vielen Fürsten in D. nicht geschmeckt. Die Begeisterung für das Deutsche wurde von der bürgerlichen Bevölkerung getragen.


Anfangs war das so. Nach den Napoleonischen Kriegen haben die Fürsten tatsächlich versucht, alles zurückzudrehen. Ihnen ging aber schnell auf, dass sie das nicht können – und dass es durchaus in ihrem Interesse sein könnte, es auch nicht zu versuchen. So ist es kein Wunder, dass nicht die „Bürger“ für die Vereinigung all der kleinen Fürstentümer zum Deutschen Reich gesorgt haben, sondern die Fürsten. Die Staatsgründung wurde nicht vom Volk erzwungen. Sie wurde von den Herrschenden mit drei Kriegen herbeigeführt.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 5. Jul 2019, 18:16

Kohlhaas hat geschrieben:(05 Jul 2019, 18:13)

Anfangs war das so. Nach den Napoleonischen Kriegen haben die Fürsten tatsächlich versucht, alles zurückzudrehen. Ihnen ging aber schnell auf, dass sie das nicht können – und dass es durchaus in ihrem Interesse sein könnte, es auch nicht zu versuchen. So ist es kein Wunder, dass nicht die „Bürger“ für die Vereinigung all der kleinen Fürstentümer zum Deutschen Reich gesorgt haben, sondern die Fürsten. Die Staatsgründung wurde nicht vom Volk erzwungen. Sie wurde von den Herrschenden mit drei Kriegen herbeigeführt.

Sehr merkwürdige Sichtweise.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Kohlhaas » Fr 5. Jul 2019, 18:18

Neandertaler hat geschrieben:(04 Jul 2019, 23:51)

Na allen drei (Österreich, Preußen und Bayern) ging es darum ihre eigenen seperaten Interessen unter der Probaganda fürs große ganze durchzusetzen zum Misstrauen der kleineren.

Also ziemlich exakt die gleiche Ausgangslage wie jetzt in der EU


Zum Glück nicht "exakt". Damals hatten die Beteiligten nämlich kein Problem damit, gegeneinander Krieg zu führen, um ihre Interessen durchzusetzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der heutigen EU sowas passieren könnte.

Abgesehen davon hast Du völlig Recht: Die damalige Situation in Deutschland hat große Ähnlichkeit mit der heutigen Situation in der EU. Für mich ein Zeichen der Hoffnung. Wenn die Konflikte damals gelöst werden konnten, dann sollte das auch heute möglich sein.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Kohlhaas » Fr 5. Jul 2019, 18:21

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Jul 2019, 18:16)

Sehr merkwürdige Sichtweise.

Was findest Du daran merkwürdig?

Es ist doch unbestreitbar, dass die "Volksbewegungen" zur Vereinigung Deutschlands niedergeschlagen wurden (Hambacher Fest, Revolution von 1848, Paulskirchenverfassung etc.). Letztlich war es das Haus Hohenzollern, das mit drei Kriegen die Grenzen Deutschlands gezogen und ein "Reich" gegründet hat. Gegen den Willen manches Kleinfürsten.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Progressiver » Fr 5. Jul 2019, 22:16

HansKlein hat geschrieben:(03 Jul 2019, 03:28)

Ist es Deutsch oder sehen das nur DeutschNationalisten so? Ich bin völlig neutral sehe Österreich aber als Deutsch, weil Österreicher Deutsch sprechen und auch Deutsche Namen haben und zum Deutschen Kulturkreis gehören.


Du beantwortest Deine Frage ja teilweise selbst. Im weiteren Sinne gehören neben Deutschland auch Österreich, die Nordschweiz, Luxemburg, Ostbelgien und ein paar andere Gebiete zur deutschen Sprachlandschaft. Deutschland selbst umfasst aber nur den Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes. Da wir alle in verschiedenen Staaten leben, haben wir in den meisten Fällen ein anderes Identitätsgefühl. Die Schweizer oder die Bewohner Elsass-Lothringens wollen genau so wenig Deutsche sein wie die Bewohner Ostbelgiens. Und Deutschen und Österreichern kriecht vermutlich der Angstschweiß hoch, wenn sie wieder, wie in den Jahren 1938 bis 1945 in einem Staat leben müssten. Unter Hitler wurde das anders gesehen: Überall, wo deutsch gesprochen wurde, war für die Nazis Deutschland. Im Endeffekt hat es dann aber allen deutsch sprechenden Bürgern nur Unglück gebracht. Also lässt man es sein. Im Übrigen kann man ja im Rahmen der EU immer noch gute Nachbarn sein.

Was die Sprache betrifft, so möchte ich anmerken: Auch Frankreich ist zum Beispiel damit gescheitert, sich Wallonien und die Westschweiz einzuverleiben. Und die Flandern wollen ebenso keine Niederländer sein. Das sind halt die historisch gewachsenen Strukturen und Identitäten. Aber wenn Europa hoffentlich mehr zusammenwächst, werden die Unterschiede sowieso nicht mehr so wichtig sein.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Mi 10. Jul 2019, 10:01

Progressiver hat geschrieben:(05 Jul 2019, 22:16)

Du beantwortest Deine Frage ja teilweise selbst. Im weiteren Sinne gehören neben Deutschland auch Österreich, die Nordschweiz, Luxemburg, Ostbelgien und ein paar andere Gebiete zur deutschen Sprachlandschaft. Deutschland selbst umfasst aber nur den Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes. Da wir alle in verschiedenen Staaten leben, haben wir in den meisten Fällen ein anderes Identitätsgefühl. Die Schweizer oder die Bewohner Elsass-Lothringens wollen genau so wenig Deutsche sein wie die Bewohner Ostbelgiens. Und Deutschen und Österreichern kriecht vermutlich der Angstschweiß hoch, wenn sie wieder, wie in den Jahren 1938 bis 1945 in einem Staat leben müssten. Unter Hitler wurde das anders gesehen: Überall, wo deutsch gesprochen wurde, war für die Nazis Deutschland. Im Endeffekt hat es dann aber allen deutsch sprechenden Bürgern nur Unglück gebracht. Also lässt man es sein. Im Übrigen kann man ja im Rahmen der EU immer noch gute Nachbarn sein.

Was die Sprache betrifft, so möchte ich anmerken: Auch Frankreich ist zum Beispiel damit gescheitert, sich Wallonien und die Westschweiz einzuverleiben. Und die Flandern wollen ebenso keine Niederländer sein. Das sind halt die historisch gewachsenen Strukturen und Identitäten. Aber wenn Europa hoffentlich mehr zusammenwächst, werden die Unterschiede sowieso nicht mehr so wichtig sein.


Na ja, das ist die offizielle, weil friedensbewahrende Sichtweise, die wir deutschsprachigen Europäer uns zu eigen machen sollten. Tatsächlich stellt sich aber unter Muttersprachlern in der Fremde doch sehr schnell ein Gefühl der Zusammengehörigkeit ein... es sei denn, daß sich dort Fieslinge begegnen. Eine sehr ähnliche Empfindung stellte sich bei mir ein, wenn ich in der Fremde, etwa in Ostasien, Europäern begegnet bin, deren Sprache ich beherrsche und deren Lebensart ich weitgehend teile... übrigens auch Russen... Für mich eine Hoffnung, wie leicht manche Dinge sein könnten, wenn man Menschen von Geist gewähren ließe!

Die salomonische Lösung dieser nationalen Beklemmungen ist in der Tat das europäische Projekt, das Grenzen als einen Verwaltungsbezirk versteht, ansonsten aber den Menschen Freiheit gewährt, und bestmögliche Förderung der Bildung aller Mitbürger nach deren Geschmack. Davon sind ganz sicher sehr viele europäische Sprachfamilien betroffen.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon oga » Mi 10. Jul 2019, 10:42

HansKlein hat geschrieben:(03 Jul 2019, 03:28)

Ist Österreich Deutsch?
Ist Zypern griechisch oder türkisch?
Ist Moldawien rumänisch?
Ist Mazedonien bulgarisch?
Ist Montenegro serbisch?
Ist Kosovo albanisch?
Ist Schleswig dänisch?
Ist Mallorca deutsch?
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Mi 10. Jul 2019, 11:30

oga hat geschrieben:(10 Jul 2019, 10:42)

Ist Zypern griechisch oder türkisch?
Ist Moldawien rumänisch?
Ist Mazedonien bulgarisch?
Ist Montenegro serbisch?
Ist Kosovo albanisch?
Ist Schleswig dänisch?
Ist Mallorca deutsch?

Na, teils-teils, einerseits-andererseits! :)
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon oga » Mi 10. Jul 2019, 11:36

H2O hat geschrieben:(10 Jul 2019, 11:30)

Na, teils-teils, einerseits-andererseits! :)
Je nachdem, wie's g'rade passt, gelle? :D
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Mi 10. Jul 2019, 11:42

oga hat geschrieben:(10 Jul 2019, 11:36)

Je nachdem, wie's g'rade passt, gelle? :D


...oder wie die Machtverhältnisse beschaffen sind. Schön auch der alte Spruch von Karl Valentin:

Mögen hätte ich schon gewollt,
aber dürfen habe ich mich nicht getraut!
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 10. Jul 2019, 21:10

Kohlhaas hat geschrieben:(05 Jul 2019, 18:08)
Nicht nur Österreich und Bayern gehörten zum Deutschen Bund, sondern auch Preußen. Wer auf Seiten Deutschlands stand und wer nicht, ist demzufolge reine Ansichtssache.

Natüürlich..
Preußen hat auf die demokratischen Beschlüsse des deutschen Bundes geschissen, die deutschen Nachbarstaaten militärisch eingenommen und in "Schutz und trutz" Bündnisse gezwungen. Und die teuer erkämpfte Demokratie abgeschafft..

Weißt du warum wir Bayern die Preußen oft immer noch "Saupreißn!" nennen?

Genau deswegen!!


Zum Glück gibt es Preußen nicht mehr!
Aber ein kleiner Rest Preußens hört nicht auf den Rest Deutschlands auf den Sack zu gehen und die längst überfällige direkte Demokratie zu verhindern.
Berlin..
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Mi 10. Jul 2019, 23:16

watisdatdenn? hat geschrieben:(10 Jul 2019, 21:10)

Natüürlich..
Preußen hat auf die demokratischen Beschlüsse des deutschen Bundes geschissen, die deutschen Nachbarstaaten militärisch eingenommen und in "Schutz und trutz" Bündnisse gezwungen. Und die teuer erkämpfte Demokratie abgeschafft..

Weißt du warum wir Bayern die Preußen oft immer noch "Saupreißn!" nennen?

Genau deswegen!!


Zum Glück gibt es Preußen nicht mehr!
Aber ein kleiner Rest Preußens hört nicht auf den Rest Deutschlands auf den Sack zu gehen und die längst überfällige direkte Demokratie zu verhindern.
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Eine äußerst merkwürdige Art, den Untergang Preußens und den damit verbundenen Verlust von Heimat, Grund und Boden seiner Menschen zu feiern.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 11. Jul 2019, 02:32

H2O hat geschrieben:(10 Jul 2019, 23:16)
Eine äußerst merkwürdige Art, den Untergang Preußens und den damit verbundenen Verlust von Heimat, Grund und Boden seiner Menschen zu feiern.

Die Menschen in Preußen die darunter zu leiden haben/hatten tun mir aufrichtig leid.
Ich finde auch die Vertreibungen die nach dem 2 Weltkrieg durchgeführt wurden grundfalsch!

Aber Preußen als politische Instanz war meiner Meinung nach eine Pest in Europa!
Es war ein kriegsgeiles Bollwerk gegen die Demokratie (und auch gegen Meinungsfreiheit)!

Ich denke ein wichtiger und stark unterschätzter Grund, warum wir jetzt so lange Frieden und (mehr oder weniger.. Könnte noch weit mehr sein..) Demokratie in Europa haben, ist dass Preußen aufgelöst wurde!
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Do 11. Jul 2019, 08:42

watisdatdenn? hat geschrieben:(11 Jul 2019, 02:32)

Die Menschen in Preußen die darunter zu leiden haben/hatten tun mir aufrichtig leid.
Ich finde auch die Vertreibungen die nach dem 2 Weltkrieg durchgeführt wurden grundfalsch!

Aber Preußen als politische Instanz war meiner Meinung nach eine Pest in Europa!
Es war ein kriegsgeiles Bollwerk gegen die Demokratie (und auch gegen Meinungsfreiheit)!

Ich denke ein wichtiger und stark unterschätzter Grund, warum wir jetzt so lange Frieden und (mehr oder weniger.. Könnte noch weit mehr sein..) Demokratie in Europa haben, ist dass Preußen aufgelöst wurde!


Es ist sicher richtig, daß Preußen zeitweise mehr auf Stärke als auf Diplomatie gesetzt hatte. Das Preußen, das 1871 in den Krieg gegen Napoleon III eintrat, wurde aber ganz begeistert von anderen deutschen Kleinstaaten unterstützt; so auch von Bayern, das 5 Jahre zuvor noch mit Preußen Krieg geführt hatte. Und der II. WK ging doch nicht von Preußen aus, sondern von einem illiberalen Vielvölkerstaat, der sich in der bestehenden Staatsform "Monarchie" überlebt hatte... wie andere Vielvölkerstaaten auch, die auf die Vormacht einer Volksgruppe setzten.

Ihre Anklage ähnelt sehr der Anklage der jungen DDR gegen Preußen als Ordnungsmacht; später hat die DDR diese Sichtweise stark überarbeitet. Dann war Preußen das Land der Aufklärung und der Toleranz, das Land, wo Recht und Gesetz über dem König standen. "Dann gibt es immer noch ein Kammergericht in Preußen!"
Es gibt für Preußen keinen Grund in Sack und Asche zu gehen; schon gar nicht für seine Menschen. Seine Ostlage wurde ihm zum Verhängnis. So konnte die SU die Westverschiebung Polens durchsetzen und seine im Hitler-Stalinpakt gewonnenen Provinzen weitestgehend behalten, plus Ostpreußen, wo damit fast 1.000 Jahre deutscher Kulturgeschichte ausgelöscht wurden.

In Ihrem Deutschland fühle ich mich nicht wohl, wo der eine Stamm auf dem anderen herumhackt! Und das auch noch nach der gründlichen Durchmischung als Folge der Flucht und Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg. Womöglich leben heute mehr Preußen in Bayern als alteingesessene Bayern...
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 11. Jul 2019, 09:23

H2O hat geschrieben:(11 Jul 2019, 08:42)
In Ihrem Deutschland fühle ich mich nicht wohl, wo der eine Stamm auf dem anderen herumhackt!

Wenn die Preußen sich darauf beschränkt hätten fleißig, pünktlich und aufklärerisch zu sein, hätte es ein wunderbarer demokratischer deutscher Staatenbund nach der Revolution bleiben können.
Sie würden von mir dann heute kein schlechtes Wort über Preußen hören..

Es war die preußische Kriegsgeilheit und Demokratiefeindlichkeit, die zuerst den deutschen Bund und dann auch Europa (durch einen preußischen/kleindeutschen Kaiser) in das Verderben stürzte..

Wenn die Preußen diese zwei gravierenden Makel nicht gehabt hätten, wäre die Geschichte Europas vielleicht eine bessere gewesen... Ohne zwei sinnlose Weltkriege!
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon oga » Do 11. Jul 2019, 09:43

watisdatdenn? hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:23)

Wenn die Preußen sich darauf beschränkt hätten fleißig, pünktlich und aufklärerisch zu sein, hätte es ein wunderbarer demokratischer deutscher Staatenbund nach der Revolution bleiben können.
Preussen hat eben so reagiert, wie Peking anno 1989. Mit ähnlichen politischen und wirtschaftlichen Folgen. ;)
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon H2O » Do 11. Jul 2019, 10:55

watisdatdenn? hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:23)

Wenn die Preußen sich darauf beschränkt hätten fleißig, pünktlich und aufklärerisch zu sein, hätte es ein wunderbarer demokratischer deutscher Staatenbund nach der Revolution bleiben können.
Sie würden von mir dann heute kein schlechtes Wort über Preußen hören..

Es war die preußische Kriegsgeilheit und Demokratiefeindlichkeit, die zuerst den deutschen Bund und dann auch Europa (durch einen preußischen/kleindeutschen Kaiser) in das Verderben stürzte..

Wenn die Preußen diese zwei gravierenden Makel nicht gehabt hätten, wäre die Geschichte Europas vielleicht eine bessere gewesen... Ohne zwei sinnlose Weltkriege!


Ihre Ansichten schalten aber die Wahrheit nicht aus; so war der fanatische Rassist des 1. Weltkriegs ein aus Österreich zugewanderter Politiker, der seine nahezu unaufhaltsame Laufbahn in München und Bayern gestalten konnte, der Stadt der Bewegung, und in Nürnberg, der Stadt des Reichsparteitags. Und eingesessen für seinen Münchner Putschversuch hat er auch noch in der Festung Landsberg, wo er fürchterliche Theorien entwickelte, die Millionen Menschen das Leben kosteten.

Dafür müssen Sie hier und heute aber tüchtig auf Preußen, nein: Saupreußen, herum treten. Die sind's gewesen, haltet den Dieb!
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 11. Jul 2019, 18:40

H2O hat geschrieben:(11 Jul 2019, 10:55)
Ihre Ansichten schalten aber die Wahrheit nicht aus; so war der fanatische Rassist des 1. Weltkriegs ein aus Österreich zugewanderter Politiker, der seine nahezu unaufhaltsame Laufbahn in München und Bayern gestalten konnte, der Stadt der Bewegung, und in Nürnberg, der Stadt des Reichsparteitags.

Ohne den ersten Weltkrieg hätte es den Zweiten nie gegeben.
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Re: Ist Österreich Deutsch?

Beitragvon Kohlhaas » Do 11. Jul 2019, 18:43

watisdatdenn? hat geschrieben:(10 Jul 2019, 21:10)

Natüürlich..
Preußen hat auf die demokratischen Beschlüsse des deutschen Bundes geschissen, die deutschen Nachbarstaaten militärisch eingenommen und in "Schutz und trutz" Bündnisse gezwungen. Und die teuer erkämpfte Demokratie abgeschafft..

Von welchen demokratischen Beschlüssen redest Du? Es gab im Deutschen Bund keine demokratischen Beschlüsse. Der Deutsche Bund war der Versuch der Fürsten, den Absolutismus aufrecht zu erhalten.

Von welcher „teuer erkämpften Demokratie“ redest Du? Es gab im Deutschen Bund keine Demokratie.

Fakt ist, dass in der Endphase des „Heiligen Römischen Reichs“ der deutsche Dualismus etabliert wurde: Das war die oftmals feindselige Konkurrenz zwischen Preußen und dem wunderschönen Österreich, an dem Ihr Bayern wie ein Wurmfortsatz gehangen habt. Für all die Kriege waren Österreich und Bayern mindestens genauso verantwortlich wie Preußen!

Und fest steht, dass der preußische Staat deutlich liberaler war als Österreich. Oder Bayern.


Nebenbei: Auf welche Beschlüsse des Deutschen Bundes soll Preußen denn „geschissen“ haben? Der erste Einigungskrieg war der Deutsch-Dänische Krieg von 1864. Den haben Preußen und Österreich gemeinsam geführt. Ab wann soll Preußen auf irgendwas „geschissen“ haben?

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