Parlamentswahlen in Italien 2018

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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Sa 8. Dez 2018, 10:02

Alpha Centauri hat geschrieben:(25 Nov 2018, 22:35)
Das nun drohende Sanktionsverfahren gegen Italien, spielt doch Lega und Cinque Stelle voll in die Karten, damit stärkt die EU die Populisten in Rom sogar noch.

Mit einem Euro-Budget könnte die EU-Kommission Italien Investitionsprogramme für den Mezzogiorno finanzieren. Das wollen aber die EU-Nordstaaten nicht. Brüssel ist also immer ein Kompromiss um die qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 9. Dez 2018, 09:14

Wähler hat geschrieben:(08 Dec 2018, 10:02)

Mit einem Euro-Budget könnte die EU-Kommission Italien Investitionsprogramme für den Mezzogiorno finanzieren. Das wollen aber die EU-Nordstaaten nicht. Brüssel ist also immer ein Kompromiss um die qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten.


150 Jahre italienische Investitionsleistungen in den Mezzogiorno haben zur heute zu beobachtenden Lage geführt. Ehe auch nur ein einziger Euro aus EU-Mitteln dorthin fließt, möchte ich einen Plan mit Kontrollstufen sehen, wie Italien sich nachhaltig aus der Rolle des Sponsors für Süditalien lösen kann. Den italienischen Zentralstaat durch den Brüsseler Geldsack ersetzen zu wollen, das kann ja wohl kein zugelassener Lösungsweg sein. Dann lieber Populisten an der Macht. Das ist auf Dauer preiswerter.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » So 9. Dez 2018, 09:51

Wähler hat geschrieben:(08 Dec 2018, 10:02)
Mit einem Euro-Budget könnte die EU-Kommission Italien Investitionsprogramme für den Mezzogiorno finanzieren. Das wollen aber die EU-Nordstaaten nicht. Brüssel ist also immer ein Kompromiss um die qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten.

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2018, 09:14)
Den italienischen Zentralstaat durch den Brüsseler Geldsack ersetzen zu wollen, das kann ja wohl kein zugelassener Lösungsweg sein. Dann lieber Populisten an der Macht. Das ist auf Dauer preiswerter.

Auch in Frankreich begehrt die sich benachteiligt fühlende Peripherie gegen den französischen Zentralstaat auf. Die deutschen Ängste vor einer Transferunion halte ich für übertrieben, zumal die Brüssler Regional- und Strukturpolitik seit Jahrzehnten auf klaren Regeln beruht. Auch der Junckerfonds hat sich als relativ erfolgreich erwiesen. Ein Euro-Budget könnte einen Geburtsfehler des Euro beheben. Wenn sich die Wirtschaftsstandorte innerhalb des EWU weiter auseinanderentwickeln, wird der Euro bald Geschichte sein oder sich auf den Norden der EU beschränken.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 9. Dez 2018, 10:58

Wähler hat geschrieben:(09 Dec 2018, 09:51)

Auch in Frankreich begehrt die sich benachteiligt fühlende Peripherie gegen den französischen Zentralstaat auf. Die deutschen Ängste vor einer Transferunion halte ich für übertrieben, zumal die Brüssler Regional- und Strukturpolitik seit Jahrzehnten auf klaren Regeln beruht. Auch der Junckerfonds hat sich als relativ erfolgreich erwiesen. Ein Euro-Budget könnte einen Geburtsfehler des Euro beheben. Wenn sich die Wirtschaftsstandorte innerhalb des EWU weiter auseinanderentwickeln, wird der Euro bald Geschichte sein oder sich auf den Norden der EU beschränken.


Nein, nein, der eine wirtschaftet und versagt Leistungen, um seinen Haushalt ordentlich zu führen, und der andere zieht die Spendierhosen an und führt sein Land in 150 Jahren in ein Chaos.... Und nun sieht der Teilnehmer mit den leeren Taschen gespannt zu dem hinüber, der nicht so großzügig verteilt hat, was dereinst noch zu erwirtschaften wäre.

Ein solches Verfahren halte ich für sehr einseitig. Ich weiß auch gar nicht, warum ich mich dafür europäisch begeistern sollte. Gemeinsam etwas aufbauen... da bin ich als Europäer mit Gemeinsinn sofort zur Stelle. Aber hartnäckige Mißwirtschaft mit 150 Jahren Geschichte fortschreiben... ohne mich.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » So 9. Dez 2018, 11:04

Wähler hat geschrieben:(09 Dec 2018, 09:51)
Auch in Frankreich begehrt die sich benachteiligt fühlende Peripherie gegen den französischen Zentralstaat auf. Die deutschen Ängste vor einer Transferunion halte ich für übertrieben, zumal die Brüssler Regional- und Strukturpolitik seit Jahrzehnten auf klaren Regeln beruht. Auch der Junckerfonds hat sich als relativ erfolgreich erwiesen. Ein Euro-Budget könnte einen Geburtsfehler des Euro beheben. Wenn sich die Wirtschaftsstandorte innerhalb des EWU weiter auseinanderentwickeln, wird der Euro bald Geschichte sein oder sich auf den Norden der EU beschränken.

H2O hat geschrieben:(09 Dec 2018, 10:58)
Ein solches Verfahren halte ich für sehr einseitig. Ich weiß auch gar nicht, warum ich mich dafür europäisch begeistern sollte. Gemeinsam etwas aufbauen... da bin ich als Europäer mit Gemeinsinn sofort zur Stelle. Aber hartnäckige Mißwirtschaft mit 150 Jahren Geschichte fortschreiben... ohne mich.

Dafür gibt es ja demnächst Europawahlen, um ein Meinungsbild grenzüberschreitend abzubilden. ;)
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mo 10. Dez 2018, 21:09

Wähler hat geschrieben:(09 Dec 2018, 11:04)

Dafür gibt es ja demnächst Europawahlen, um ein Meinungsbild grenzüberschreitend abzubilden. ;)


Leider scheint zu solcher Zuversicht gar kein Anlaß zu bestehen. Denn die Gedanken unserer europäischen Mitbürger ändern sich doch nicht grundlegend von der gerade erst abgehaltenen Parlamentswahl in Italien und den Europawahlen im kommenden Mai 2019.

In DIE ZEIT wurde während des italienischen Wahlkampfs von italienischen Wählern die Ansicht vertreten, daß der "Norden" dem "Süden" Hilfe und Unterstützung schulde, der "Norden" also zahlen müsse. War der Norden in der Vergangenheit das wirtschaftlich erfolgreiche Norditalien, so ist dieses "Opfer" nun elegant seitlich ausgewichen... und alle fordernden Blicke des Südens sind auf Sie und mich gerichtet, auf Leistung ohne Gegenleistung, ohne Plan und ohne Ziel und ohne Ende.

Als Melkkuh ohne Lustgewinn habe ich keinen Bock auf Europa. Da möchte ich schon etwas wachsen sehen, was wir Europäer jeder allein für sich niemals geschafft hätten, und da sind mir auch Opfer nicht so wichtig. Ich meine, daß wir nicht aus lauter Angst vor empörten Zwischenrufen solche klaren Festlegungen vermeiden dürfen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Di 11. Dez 2018, 06:08

Wähler hat geschrieben:(09 Dec 2018, 11:04)
Dafür gibt es ja demnächst Europawahlen, um ein Meinungsbild grenzüberschreitend abzubilden. ;)

H2O hat geschrieben:(10 Dec 2018, 21:09)
Leider scheint zu solcher Zuversicht gar kein Anlaß zu bestehen. Denn die Gedanken unserer europäischen Mitbürger ändern sich doch nicht grundlegend von der gerade erst abgehaltenen Parlamentswahl in Italien und den Europawahlen im kommenden Mai 2019.
Als Melkkuh ohne Lustgewinn habe ich keinen Bock auf Europa. Da möchte ich schon etwas wachsen sehen, was wir Europäer jeder allein für sich niemals geschafft hätten, und da sind mir auch Opfer nicht so wichtig. Ich meine, daß wir nicht aus lauter Angst vor empörten Zwischenrufen solche klaren Festlegungen vermeiden dürfen.

Ein Eurozonen-Budget könnte nach dem Subsidiaritätsprinzip auch nur auf Investitionen, die von nationaler Seite jeweils zu ergänzen sind, beschränkt werden. Dann hätte man eine zusätzlichen vertiefenden Struktur- und Regionalfonds.
Der Hinweis auf die Europawahl ist schon wesentlich, weil die nationalen Sichtweisen nur im Europaparlament überwunden werden können. Wenn wir zu einer koordinierteren vertieften Wirtschaftspolitik innerhalb der EWU noch nicht bereit sind, dann ist dem leider halt so. Dann sollten wir uns allerdings auch nicht mehr darüber beklagen, wenn die proeuropäischen Kräfte im Europaparlament an Zugkraft verlieren. Durch die zunehmende Binnenmigration werden sich die Gewichte dann vielleicht wohl eher langfristig verschieben können. Der Vater meiner Lebensgefährtin ist übrigens 1960 aus Apulien nach Augsburg zugewandert.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Di 11. Dez 2018, 08:30

Wähler hat geschrieben:(11 Dec 2018, 06:08)

Ein Eurozonen-Budget könnte nach dem Subsidiaritätsprinzip auch nur auf Investitionen, die von nationaler Seite jeweils zu ergänzen sind, beschränkt werden. Dann hätte man eine zusätzlichen vertiefenden Struktur- und Regionalfonds.
Was soll das bringen? Italien, insbesondere der Süden Italiens, hat bereits in der Vergangenheit nur die Hälfte der möglichen EU-Gelder abgerufen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Di 11. Dez 2018, 14:14

Orbiter1 hat geschrieben:(11 Dec 2018, 08:30)

Was soll das bringen? Italien, insbesondere der Süden Italiens, hat bereits in der Vergangenheit nur die Hälfte der möglichen EU-Gelder abgerufen.


Ich bin auch sicher, daß der Süden Italiens nicht an einem Mangel an Zuwendungen gelitten hat oder leidet. Dagegen sprechen 150 Jahre fieberhafter Aufholjagd mitsamt Geldströmen aus dem Norden. Da ist gesellschaftlich ganz schrecklich etwas aus dem Ruder gelaufen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Di 11. Dez 2018, 14:31

Wähler hat geschrieben:(11 Dec 2018, 06:08)

Ein Eurozonen-Budget könnte nach dem Subsidiaritätsprinzip auch nur auf Investitionen, die von nationaler Seite jeweils zu ergänzen sind, beschränkt werden. Dann hätte man eine zusätzlichen vertiefenden Struktur- und Regionalfonds.
Der Hinweis auf die Europawahl ist schon wesentlich, weil die nationalen Sichtweisen nur im Europaparlament überwunden werden können. Wenn wir zu einer koordinierteren vertieften Wirtschaftspolitik innerhalb der EWU noch nicht bereit sind, dann ist dem leider halt so. Dann sollten wir uns allerdings auch nicht mehr darüber beklagen, wenn die proeuropäischen Kräfte im Europaparlament an Zugkraft verlieren. Durch die zunehmende Binnenmigration werden sich die Gewichte dann vielleicht wohl eher langfristig verschieben können. Der Vater meiner Lebensgefährtin ist übrigens 1960 aus Apulien nach Augsburg zugewandert.


Nein, lieber Wähler, an europäischem Gemeinsinn fehlt es bei mir und ganz vielen deutschen Mitbürgern wirklich nicht. Nur war es bisher so, daß bei der Verteilung europäischer Wohltaten immer wieder aufgefallen ist, daß die angegebenen Daten provinzweise mehr Olivenbäume oder Weinstöcke aufwiesen, als ansonsten in ganz Italien. Oder in Griechenland bezog eine große Insel für seine gesamte Einwohnerschaft Unterstützung für Erblindete. Wenn solche Mogeleien, die ja auch "amtlich" begleitet wurden, heraus kommen, dann erlahmt doch jeder gute Wille.

Angesichts des Dieselfilzes hier zu Lande will ich mich da überhaupt nicht überheben; aber da ist ja auch niemand mit dem Klingelbeutel herum gegangen, um für die notleidenden leitenden Angestellten Spenden ein zu fordern.

Ihr apulischer Schwiegervater wird sich bestimmt noch daran erinnern, weshalb er vor fast 60 Jahren Apulien verlassen hat, und was dort dem Hörensagen zufolge schief lag. Ansonsten finde ich es sympathisch, daß Sie sich für Europa ins Zeug werfen. Die Erfahrung lehrt aber, daß die Verteilung von Gemeinschaftsleistungen zugleich von strengen Kontrollen durch EU-Beamte begleitet sein muß. Der örtliche Filz verhindert das aber.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Di 11. Dez 2018, 16:32

Wähler hat geschrieben:(11 Dec 2018, 06:08)
Ein Eurozonen-Budget könnte nach dem Subsidiaritätsprinzip auch nur auf Investitionen, die von nationaler Seite jeweils zu ergänzen sind, beschränkt werden. Dann hätte man eine zusätzlichen vertiefenden Struktur- und Regionalfonds.

Orbiter1 hat geschrieben:(11 Dec 2018, 08:30)
Was soll das bringen? Italien, insbesondere der Süden Italiens, hat bereits in der Vergangenheit nur die Hälfte der möglichen EU-Gelder abgerufen.

An diesem Punkt kann man ja ansetzen und "echte makroökonomische Strukturreformen" verpflichtend machen, zumal die Fortsetzung der Euro-Staatsschuldenkrise in Italien trotz vieler rein finanzieller Sparrunden ohne Investitionen in die nächste Runde geht. In guten Zeiten ist der Veränderungsdruck erfahrungsgemäß geringer. In Süditalien tummeln sich zudem auch viele Flüchtlinge in Dritte-Welt-Zuständen. Nur verschließen sollte man die "gemeinsamen EU-Augen" vor diesen Problemen nicht. Italien allein zu lassen, ist jedenfalls keine nachhaltige Lösung.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » Di 11. Dez 2018, 18:56

Ich bin der Meinung, dass wir für Süditalien zuerst eine Planung brauchen, dann vielleicht Ressourcen. Es ist aber nicht einfach.

Es ist wahr, dass die EU schon geld für Infrastrukturen zur Verfügung stellt, aber man braucht auch: a)”Eigenkapital”, b) konkrete Projekte. Dasselbe geht auch auf nationale Ebene. Gibt´s zahlreiche versteckte Probleme.
War der Norden in der Vergangenheit das wirtschaftlich erfolgreiche Norditalien, so ist dieses "Opfer" nun elegant seitlich ausgewichen...


Na, ja...Das ist di Mutter allen Problemen. Norditalien schafft es nicht mehr genug ressourcen zu generieren, um für den Süden zu zahlen. Und besonders will es nicht, da es in eine globalisierte Europa einfach unmöglich ist.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Di 11. Dez 2018, 20:32

Varilion hat geschrieben:(11 Dec 2018, 18:56)

Ich bin der Meinung, dass wir für Süditalien zuerst eine Planung brauchen, dann vielleicht Ressourcen. Es ist aber nicht einfach.

Es ist wahr, dass die EU schon geld für Infrastrukturen zur Verfügung stellt, aber man braucht auch: a)”Eigenkapital”, b) konkrete Projekte. Dasselbe geht auch auf nationale Ebene. Gibt´s zahlreiche versteckte Probleme.


Na, ja...Das ist di Mutter allen Problemen. Norditalien schafft es nicht mehr genug ressourcen zu generieren, um für den Süden zu zahlen. Und besonders will es nicht, da es in eine globalisierte Europa einfach unmöglich ist.


Mir scheint das große Hindernis der berechtigte Nationalstolz der Italiener zu sein, die es sicher nicht verwinden könnten, wenn sich Dritte zu einer Planung für den Süden aufschwängen. So wie ich das sehe, würden die Italiener sich auch gegenseitig politisch ausbremsen... und nichts auf die Reihe bekommen.

Wie schwer so etwas geht, und welche Empfindungen dabei geweckt werden, können wir Deutschen schon an unserem eigenen Umgang mit unseren östlichen Bundesländern sehen. Da laufen lauter beleidigte Leberwürste herum, die aber eine eigenständige und vor allem zukunftsfähige Planung nicht hin bekommen. Und wenn dann einer in die Hände spuckt und ganz einfach macht, dann sind das unsensible Wessis.

Genau so stelle ich mir die Wut in Süd-Italien vor, wenn von Brüssel aus eine Planung über den Süden herein bricht, mit Elementen der Sicherheit (Achtung, Mafia!) und tiefen Eingriffen in die Selbstverwaltung, die Schulausbildung und Berufsausbildung der Kinder und Heranwachsenden. Praktisch wäre ein Kulturwechsel angesagt, für den ich 50 Jahre veranschlage.

Wer soll diese Verantwortung übernehmen, wer wird sein gesamtes Berufsleben in diesen Dienst stellen? Vermutlich würde das Projekt "Aufbruch Süd" daran scheitern. Denn man muß ja mit einer ungesunden Mentalität brechen und einen sehr langen Atem haben.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 12. Dez 2018, 06:44

H2O hat geschrieben:(11 Dec 2018, 20:32)
Genau so stelle ich mir die Wut in Süd-Italien vor, wenn von Brüssel aus eine Planung über den Süden herein bricht, mit Elementen der Sicherheit (Achtung, Mafia!) und tiefen Eingriffen in die Selbstverwaltung, die Schulausbildung und Berufsausbildung der Kinder und Heranwachsenden. Praktisch wäre ein Kulturwechsel angesagt, für den ich 50 Jahre veranschlage.

Wer soll diese Verantwortung übernehmen, wer wird sein gesamtes Berufsleben in diesen Dienst stellen? Vermutlich würde das Projekt "Aufbruch Süd" daran scheitern. Denn man muß ja mit einer ungesunden Mentalität brechen und einen sehr langen Atem haben.

Während der Griechenland-Rettung wurden auch Beamte aus verschiedenen EU-Ländern nach Athen geschickt, um auszuhelfen. Eine größere Annäherung der Mentalitäten ist Ziel für eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und eine Vertiefung der Gemeinsamkeiten.
Eine maximale Bürgschaftssumme Deutschlands von 180 Milliarden für den ESM würde da schon im Italien-Notfall für genügend Handlungsdruck auf beiden Seiten sorgen. Die Alternative wäre ein Herausdrängen Italiens aus dem Euro mit allen Folgen für die EZB, so wie es Schäuble bei Griechenland versucht hat.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Mi 12. Dez 2018, 08:09

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 06:44)

Während der Griechenland-Rettung wurden auch Beamte aus verschiedenen EU-Ländern nach Athen geschickt, um auszuhelfen. Eine größere Annäherung der Mentalitäten ist Voraussetzung für eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und eine Vertiefung der Gemeinsamkeiten.
Eine Annäherung der Mentalitäten kann man im Fall Griechenland noch nicht einmal im Ansatz erkennen. Da wird die Zeit der Vorgaben und Überwachung durch die Troika als Fremdherrschaft empfunden und was Korruption, Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung betrifft hat sich auch nach 7 Jahren tiefster Krise absolut Null geändert.
Eine maximale Bürgschaftssumme Deutschlands für den ESM würde da schon im Italien-Notfall für genügend Handlungsdruck auf beiden Seiten sorgen. Die Alternative wäre ein Herausdrängen Italiens aus dem Euro mit allen Folgen für die EZB, so wie es Schäuble bei Griechenland versucht hat.
Leider hat das im Fall von Griechenland nicht geklappt. Man sieht ja was passiert wenn ein Land in der Eurozone ist dass die Aufnahmekriterien nie erfüllt hat, nicht erfüllt und absehbar auch nie erfüllen wird. Die 285 Mrd € an Hilfskrediten, letztlich bezahlt von den Steuerzahlern der Eurozone, wird man von Griechenland nicht mehr zurückbekommen. Der Beginn der Tilgung wurde ja auf die 30er Jahre verschoben. Alle Beteiligten wissen dass Griechenland auch dann nicht in der Lage sein wird zu tilgen. Die werden dann den Beginn der Tilgung auf die 50er Jahre verschieben oder wenn man sich ehrlich macht die Schulden streichen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 12. Dez 2018, 10:01

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 06:44)

Während der Griechenland-Rettung wurden auch Beamte aus verschiedenen EU-Ländern nach Athen geschickt, um auszuhelfen. Eine größere Annäherung der Mentalitäten ist Ziel für eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und eine Vertiefung der Gemeinsamkeiten.
Eine maximale Bürgschaftssumme Deutschlands von 180 Milliarden für den ESM würde da schon im Italien-Notfall für genügend Handlungsdruck auf beiden Seiten sorgen. Die Alternative wäre ein Herausdrängen Italiens aus dem Euro mit allen Folgen für die EZB, so wie es Schäuble bei Griechenland versucht hat.


Stellen Sie sich versuchsweise selbst als Germane mit Ihren Prägungen in einem griechischen oder süd-italienischen Amt vor. Sie werden sich beste Mühe geben, ihre in unseren Breiten erfolgreichen Arbeitsweisen zu vermitteln. Die Kollegen und Kolleginnen hören und schauen Ihnen auch aufmerksam zu. Das sind schließlich auch gutartige Menschen. Die Kolleginnen und Kollegen übernehmen auch bestimmte Abläufe, weil sie praktischer sind als das, was sich dort eingeschliffen hat.

Dann kommt eine Reihe von Feiertagen, und schon geht die Sache los mit: Ich muß noch dies und das erledigen, ich gehe denn schon einmal. Oder "Ich besorge etwas zu Mittag!" und schon isser wech, kommt 2 Stunden später zurück mit leckeren Sachen. Da kann man doch nicht böse sein, denn schließlich wird man gebeten, mit zu zu langen. Und irgendwann kommt 'raus, daß der/die Kollege/Kollegin einen Zweitjob macht, weil die Gehälter dort so gering sind. Kann man ja auch verstehen... oder sind wir Unmenschen?

Ihr Jahresurlaub muß ja auch sein... und Sie kommen zurück, und alle Gewohnheiten sind wieder dort angelangt, wo sie zu Beginn Ihres Einsatzes waren. Und sie beginnen geduldig von vorn. Vielleicht fällt Ihnen auf, daß Sie abends allein im Amt sitzen und erledigen, was hätte erledigt sein müssen. Wenn sie solche Erlebnisse mehrfach gehabt haben, kommen Sie ins Grübeln, ob die Sache überhaupt einen Sinn hat. Am guten Willen hat es gar nicht einmal gefehlt, aber die Voraussetzungen für den Erfolg fehlen ganz einfach. Vielleicht hat es diese Rasselbande aber auch geschafft, daß Sie selbst Teil von ihr geworden sind. :p

Man muß ganz einfach einmal gezwungen gewesen sein, sich in einer wirklich fremden Umgebung in diesem Sinne zu bewähren, mitsamt den zugehörigen Sprachkenntnissen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 12. Dez 2018, 10:03

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 06:44)
Während der Griechenland-Rettung wurden auch Beamte aus verschiedenen EU-Ländern nach Athen geschickt, um auszuhelfen. Eine größere Annäherung der Mentalitäten ist Ziel für eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und eine Vertiefung der Gemeinsamkeiten.
Eine maximale Bürgschaftssumme Deutschlands von 180 Milliarden für den ESM würde da schon im Italien-Notfall für genügend Handlungsdruck auf beiden Seiten sorgen. Die Alternative wäre ein Herausdrängen Italiens aus dem Euro mit allen Folgen für die EZB, so wie es Schäuble bei Griechenland versucht hat.

Orbiter1 hat geschrieben:(12 Dec 2018, 08:09)
Eine Annäherung der Mentalitäten kann man im Fall Griechenland noch nicht einmal im Ansatz erkennen. Da wird die Zeit der Vorgaben und Überwachung durch die Troika als Fremdherrschaft empfunden und was Korruption, Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung betrifft hat sich auch nach 7 Jahren tiefster Krise absolut Null geändert.
Leider hat das im Fall von Griechenland nicht geklappt. Man sieht ja was passiert wenn ein Land in der Eurozone ist dass die Aufnahmekriterien nie erfüllt hat, nicht erfüllt und absehbar auch nie erfüllen wird. Die 285 Mrd € an Hilfskrediten, letztlich bezahlt von den Steuerzahlern der Eurozone, wird man von Griechenland nicht mehr zurückbekommen. Der Beginn der Tilgung wurde ja auf die 30er Jahre verschoben. Alle Beteiligten wissen dass Griechenland auch dann nicht in der Lage sein wird zu tilgen. Die werden dann den Beginn der Tilgung auf die 50er Jahre verschieben oder wenn man sich ehrlich macht die Schulden streichen.

Das würde aber für Italien den Euro-Austritt bedeuten. Es wäre dann ja unverantwortungslos, wenn Deutschland bis maximal 180 Milliarden Euro Bürgschaften für Italien-Rettungspakete im Notfall gegenzeichnen würde.
Warum sagen die Euro-Skeptiker eigentlich nie, was sie wirklich wollen. Austritte von zu schwachen EWU-Mitgliedern oder einen Nord-Euro?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 12. Dez 2018, 10:15

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 06:44)
Während der Griechenland-Rettung wurden auch Beamte aus verschiedenen EU-Ländern nach Athen geschickt, um auszuhelfen. Eine größere Annäherung der Mentalitäten ist Ziel für eine stärkere Koordinierung zwischen den EU-Ländern und eine Vertiefung der Gemeinsamkeiten.
Eine maximale Bürgschaftssumme Deutschlands von 180 Milliarden für den ESM würde da schon im Italien-Notfall für genügend Handlungsdruck auf beiden Seiten sorgen. Die Alternative wäre ein Herausdrängen Italiens aus dem Euro mit allen Folgen für die EZB, so wie es Schäuble bei Griechenland versucht hat.

H2O hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:01)
Man muß ganz einfach einmal gezwungen gewesen sein, sich in einer wirklich fremden Umgebung in diesem Sinne zu bewähren, mitsamt den zugehörigen Sprachkenntnissen.

Mein Bruder lebt seit über 30 Jahren in Norditalien und bildet italienische Jura-Studenten und Justiz-Angestellte aus. Wenn wir das Ernst meinen mit einem gemeinsamen Europa, bedarf es der Migration in beide Richtungen, also auch vom Zentrum in die Peripherie. Warum sollen junge Angestellte des Öffentlichen Dienstes der Nordstaaten nicht ein paar Jahre in Süditalien arbeiten und dann wieder in die Nordstaaten zurückkehren?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Mi 12. Dez 2018, 10:16

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:03)

Warum sagen die Euro-Skeptiker eigentlich nie, was sie wirklich wollen. Austritte von zu schwachen EWU-Mitgliedern oder einen Nord-Euro?
Was mich betrifft genügt es wenn sich die Euro-Staaten einfach nur an das halten wozu sie sich vertraglich verpflichtet haben. Das ist ja hoffentlich nicht zuviel verlangt. Darüber hinaus sollte ein geregeltes Insolvenzverfahren für Staaten der Eurozone eingeführt werden. Für die Staaten die sich nicht an die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen halten.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 12. Dez 2018, 10:29

Wähler hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:03)
Warum sagen die Euro-Skeptiker eigentlich nie, was sie wirklich wollen. Austritte von zu schwachen EWU-Mitgliedern oder einen Nord-Euro?

Orbiter1 hat geschrieben:(12 Dec 2018, 10:16)
Was mich betrifft genügt es wenn sich die Euro-Staaten einfach nur an das halten wozu sie sich vertraglich verpflichtet haben. Das ist ja hoffentlich nicht zuviel verlangt. Darüber hinaus sollte ein geregeltes Insolvenzverfahren für Staaten der Eurozone eingeführt werden. Für die Staaten die sich nicht an die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen halten.

Ein Schuldenschnitt Italiens würde auch die EZB und damit alle anderen EWU-Mitglieder treffen. Wenn das Schule macht, ist die gesamte Währungsunion bald Geschichte. Ein Schuldenschnitt Italiens ohne Euro-Austritt dürfte also unwahrscheinlich sein.
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