Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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frems
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon frems » Sa 13. Mai 2017, 20:11

Scheinbar noch nicht verlinkt, weshalb ich's mal hier reinstelle. Nach Schäuble gibt es nun auch Befürworter in Reihen der Sozialdemokraten:

Außenminister Sigmal Gabriel hat in einem Papier eine deutsch-französische Investitionsoffensive gefordert
Auch einen gemeinsamen Haushalt der Eurozone und einen EU-Finanzminister befürwortet der SPD-Politiker demnach.
Laut einer Umfrage unterstützt die Mehrheit der Deutschen die Ansichten des Außenministers.

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... ister.html

Das wäre dann weiter ein Schritt in Richtung Kerneuropa, das aus der heutigen Eurozone besteht.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Ger9374

Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Sa 13. Mai 2017, 21:01

frems hat geschrieben:(13 May 2017, 20:11)

Scheinbar noch nicht verlinkt, weshalb ich's mal hier reinstelle. Nach Schäuble gibt es nun auch Befürworter in Reihen der Sozialdemokraten:


https://www.welt.de/politik/ausland/art ... ister.html

Das wäre dann weiter ein Schritt in Richtung Kerneuropa, das aus der heutigen Eurozone besteht.



Genau, eine Währung ein Finanz-wirtschaftsraum.
Die Erfahrungen des €uroraumes werden folgestaaten die hinzukommen bestimmt hilfreich sein.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Sa 13. Mai 2017, 21:06

frems hat geschrieben:(13 May 2017, 20:11)

Scheinbar noch nicht verlinkt, weshalb ich's mal hier reinstelle. Nach Schäuble gibt es nun auch Befürworter in Reihen der Sozialdemokraten:


https://www.welt.de/politik/ausland/art ... ister.html

Das wäre dann weiter ein Schritt in Richtung Kerneuropa, das aus der heutigen Eurozone besteht.


Bislang wurden aber diese begrüßenswerten Meinungsäußerungen noch von sehr vielen Einzelheiten befreit vorgetragen. Ich meine, daß dazu ein demokratisch-konstruktiver Streit noch aus zu tragen ist, bevor man hier Beifall klatschen kann. Vielleicht meint jeder der genannten Politiker etwas anderes, wenn von einem "europäischen Finanzminister" die Rede ist: Zuständigkeit, Durchgriffsbefugnis, demokratische Kontrolle und demokratische Legitimation durch die EU-Bürger oder die Bürger der Euro-Gruppe? Soll es gleich europäisch losgehen, oder erst einmal versuchsweise im deutsch-französischen Tandem (Das wäre z. B. meine Vorstellung!)?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Sa 13. Mai 2017, 21:15

Ger9374 hat geschrieben:(13 May 2017, 21:01)

Genau, eine Währung ein Finanz-wirtschaftsraum.
Die Erfahrungen des €uroraumes werden folgestaaten die hinzukommen bestimmt hilfreich sein.


Als Zielvorstellung völlig klar und unerläßlich. Aber auf dem Wege dahin sind doch sehr viele Einzelheiten zu klären: Beim Geld beginnt die Freundschaft... und da möchte ich schon wissen, was dieser Minister verbindlich für die Euro-Gruppe entscheiden darf, wer ihn einsetzt und notfalls absetzt, wer ihn und seine Amtsführung kontrolliert, und wie die Bürger der Euro-Zone in diese Machtzuweisung eingebunden sind. Erst bei Klarheit in diesen Einzelheiten sind wir Normalverbraucher doch urteilsfähig.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Ger9374 » Sa 13. Mai 2017, 22:27

Statt Rückbau ist richtige Ausgestaltung der demokratischen Organe der E.U und deren
Konstruktive Weiterentwicklung gefordert!
Das demokratische Europäische Haus muss mehr leben eingehaucht bekommen.Dann wird sich wohl bald zeigen das die Attraktivität Europas
als Wirtschaftsraum und auch als Lebensraum
Für seine Bürger noch zu steigern ist! Dafür lohnt es sich auch Mal mehr Kontrollmechanismen an Brüssel zu delegieren.
Ger9374

Re: Rückbau der EU

Beitragvon Ger9374 » Sa 13. Mai 2017, 22:28

Statt Rückbau ist richtige Ausgestaltung der demokratischen Organe der E.U und deren
Konstruktive Weiterentwicklung gefordert!
Das demokratische Europäische Haus muss mehr leben eingehaucht bekommen.Dann wird sich wohl bald zeigen das die Attraktivität Europas
als Wirtschaftsraum und auch als Lebensraum
Für seine Bürger noch zu steigern ist! Dafür lohnt es sich auch Mal mehr Kontrollmechanismen an Brüssel zu delegieren.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » Sa 13. Mai 2017, 22:48

Ger9374 hat geschrieben:(13 May 2017, 22:28)

Statt Rückbau ist richtige Ausgestaltung der demokratischen Organe der E.U und deren
Konstruktive Weiterentwicklung gefordert!
Das demokratische Europäische Haus muss mehr leben eingehaucht bekommen.Dann wird sich wohl bald zeigen das die Attraktivität Europas
als Wirtschaftsraum und auch als Lebensraum
Für seine Bürger noch zu steigern ist! Dafür lohnt es sich auch Mal mehr Kontrollmechanismen an Brüssel zu delegieren.


Vielleicht hilft ja schon ein erweiterter Handlungs- und Verantwortungsspielraum für das EU-Parlament, das immerhin von den Bürgern der EU in freier und geheimer Wahl gewählt wurde. Ich nehme an, daß aus dieser europäischen Einrichtung heraus die weitere Gestaltung der EU voran getrieben wird, weil eben nationale Hemmnisse weitestgehend entfallen. Ein Traum...

Im Gegensatz dazu steht der Aufbau einer EU-Struktur mit mehreren parallelen Stufen der Integrationstiefe. Im EU-Parlament sind diese unterschiedlichen Stufen überhaupt nicht vorgesehen. Fragt sich wirklich, ob das EU-Parlament die Entwicklung voran treiben sollte, oder ob maßgebliche Partner dies übernehmen sollten. Derzeit liegt diese Macht nicht im Parlament, sondern in den Nationalstaaten der Mitglieder der EU. Realpolitik...
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Adam Smith » Sa 13. Mai 2017, 22:55

H2O hat geschrieben:(13 May 2017, 22:48)
Fragt sich wirklich, ob das EU-Parlament die Entwicklung voran treiben sollte, oder ob maßgebliche Partner dies übernehmen sollten. Derzeit liegt diese Macht nicht im Parlament, sondern in den Nationalstaaten der Mitglieder der EU. Realpolitik...


Die EU ist ja ein Staatenbund und kein Bundesstaat. Es gibt einige die halten die EU für nicht demokratisch, weil das Parlament keine richtige Macht hat. Das ist verkehrt, weil ja die Mitgliedsländer die Macht haben. Und die sind Demokratien. Und damit ist auch die EU demokratisch. Für einige ist das jetzt aber zu schwer zu verstehen.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » So 14. Mai 2017, 00:32

Adam Smith hat geschrieben:(13 May 2017, 22:55)

Die EU ist ja ein Staatenbund und kein Bundesstaat. Es gibt einige die halten die EU für nicht demokratisch, weil das Parlament keine richtige Macht hat. Das ist verkehrt, weil ja die Mitgliedsländer die Macht haben. Und die sind Demokratien. Und damit ist auch die EU demokratisch. Für einige ist das jetzt aber zu schwer zu verstehen.


Völlig richtig: Das Eigenschaftswort "demokratisch" könnte jede Ansammlung demokratischer Staaten ohne Rücksicht auf ihre wechselseitigen Beziehungen für sich beanspruchen. Mit einer EU hat das nichts zu tun.

Was allerdings das Bestreben der Europäer sein könnte, das wäre eine unmittelbare Teilhabe an der EU durch demokratische Verfahren wie freie und geheime Wahlen zur Besetzung ihrer politischen Ämter. Da setzt die Kritik an; denn die Vertretung der Bürgerinteressen hinsichtlich der Gemeinschaft durch ihrerseits gewählte Nationalparlamente und Nationalregierungen wurde in nationalen Wahlen niemals ausgehandelt. Das ist Demokratie über mehrere Banden gespielt. Eine demokratische Legitimation haben diese Vertreter der EU dadurch nicht, jedenfalls nicht aus meiner Sicht.

Das wäre mit einem EU-Parlament anders, wenn dieses Parlament die Befugnis hätte, sämtliche Ämter der Gemeinschaft durch demokratische Abstimmungen im EU-Parlament zu besetzen und zu kontrollieren, vielleicht sogar die Beziehungen des EU-Parlaments zu den Nationalstaaten zu regeln.

Ein solcher Weg unterscheidet sich doch sehr deutlich von der Praxis, daß eine Versammlung von Nationalstaaten Ämter besetzt und Gesetze der Gemeinschaft erläßt, über die "zu Hause" niemals gestritten wurde. Das geschieht erst, wenn der Bürger bemerkt, was ihm da verordnet wurde. Und dann ist der Schuldige daran "die EU". Dieser Unfug ist doch aber der Ausgangspunkt für die Kritik an Demokratiedefiziten der EU!
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 14. Mai 2017, 01:51

Senexx hat geschrieben:(11 May 2017, 01:35)

Es kann keinen Zweifel geben, dass die EU verschlankt und zurückgebaut werden muss?


natürlich kann es daran Zweifel geben. Warum nicht?
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Wasteland » So 14. Mai 2017, 02:41

Senexx hat geschrieben:(11 May 2017, 07:38)

kaum jemand nimmt an den Wahlen teil


Am besten finde ich immer wenn sojemand behauptet das die EU eine Diktatur wäre.

Ich wähle zwar nicht, aber die sind diktatorisch. :D
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Wähler » So 14. Mai 2017, 07:55

Senexx hat geschrieben:(13 May 2017, 17:02)
Ganz in Gegenteil. Das EU-Parlament gehört ersatzlos abgeschafft.

Wähler hat geschrieben:Re: Wie läßt sich die EU verbessern?(11 Dec 2016, 10:51)
https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_v ... abgrenzung

Bei ausschließlichen Kompetenzen (Art. 3 Abs. 1 lit. a–e, Abs. 2 AEUV) der Union ist nur die EU zuständig. Hierzu zählen insbesondere Handelspolitik und Zollunion.
Im Fall der geteilten Zuständigkeit (Art. 4 AEUV) ist die EU zuständig, die Mitgliedstaaten können jedoch Gesetze erlassen, soweit die Union dies nicht selbst tut. Dies umfasst unter anderem die Bereiche Binnenmarkt, Agrarpolitik, Energiepolitik, Verkehrspolitik, Umweltpolitik und Verbraucherschutz.
Bei einer unterstützenden Zuständigkeit (Art. 6 AEUV) kann die EU Maßnahmen der Mitgliedstaaten unterstützen, koordinieren oder ergänzen, aber nicht selbst gesetzgeberisch tätig werden. Dies gilt unter anderem in den Bereichen Gesundheitspolitik, Industriepolitik, Bildungspolitik und Katastrophenschutz.
Zusätzlich genannt werden im Vertragstext (Art. 5 AEUV) die intergouvernementalen Bereiche Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik sowie in Art. 21 bis 46 EUV die Außen- und Sicherheitspolitik, in denen die EU Leitlinien festlegen kann, jedoch nur durch einstimmigen Beschluss der Mitgliedstaaten im Ministerrat.

Eine Koordinierung der Handelspolitik in Brüssel ist sinnvoll, vor allem wenn es um Verhandlungen mit Schwergewichten wie den USA und China geht. Das werden die Briten in ihrer splendid isolation auch noch merken.
Auch in der Außen- und Sicherheitspolitik werden die euorpäischen Nationalstaaten mehr kooperieren müssen, um sich russischer Gebietsansprüche erwehren und afrikanischen Migranten in ihren Heimatländern von der Wanderung abhalten zu können.
Eine Weiterführung oder Abwicklung des Euro bedarf ebenfalls regelmäßiger und langfristiger finanzpolitischer Absprachen und eines gemeinsamen Schuldenmanagements.
Von Klimawandel, Jugendarbeitslosigkeit und Bevöllkerungsrückgang in den ländlichen Regionen der EU will ich gar nicht erst reden.
Die Nationalkonservativen können vom Rückbau gerne träumen, die politische Wirklichkeit verlangt aber von ihnen mit den anderen Nationalstaaten koordinierte und legitimierte Antworten auf drängende Probleme.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » So 14. Mai 2017, 09:38

Wähler hat geschrieben:(14 May 2017, 07:55)

Eine Koordinierung der Handelspolitik in Brüssel ist sinnvoll, vor allem wenn es um Verhandlungen mit Schwergewichten wie den USA und China geht. Das werden die Briten in ihrer splendid isolation auch noch merken.
Auch in der Außen- und Sicherheitspolitik werden die euorpäischen Nationalstaaten mehr kooperieren müssen, um sich russischer Gebietsansprüche erwehren und afrikanischen Migranten in ihren Heimatländern von der Wanderung abhalten zu können.
Eine Weiterführung oder Abwicklung des Euro bedarf ebenfalls regelmäßiger und langfristiger finanzpolitischer Absprachen und eines gemeinsamen Schuldenmanagements.
Von Klimawandel, Jugendarbeitslosigkeit und Bevöllkerungsrückgang in den ländlichen Regionen der EU will ich gar nicht erst reden.
Die Nationalkonservativen können vom Rückbau gerne träumen, die politische Wirklichkeit verlangt aber von ihnen mit den anderen Nationalstaaten koordinierte und legitimierte Antworten auf drängende Probleme.


Völlig einverstanden mit Ihren Darlegungen; das sollte vernünftigen Leuten eigentlich fast von allein dämmern!

Das Problem bliebt aber die Uneinsichtigkeit der "Nationalstaaten". Die können zwar hinten und vorne nicht die wirtschaftlichen Hoffnungen ihrer Bürger erfüllen, kassieren im Falle der EU satte Beihilfen, wollen dann aber im Gegenzug ganz demokratisch mit ihren Parlamenten bestimmen, wie sich die EU auf zu stellen hat. Nach dem Grundsatz: "Mein Parlament hat stets Vorrang vor Entscheidungen der Gemeinschaft". Da helfen nur Verträge, die diesen Vorrang klären.

Oder eben der Ausschluß dieser Nationalstaaten von der Weiterentwicklung der EU. Das scheint der Hntergrund der Abspaltung eines Kerneuropas zu sein. Die EU-Verträge geben das so her, also erspart man sich lange Streitereien und geht seinen eigenen Weg.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Wähler » So 14. Mai 2017, 09:52

Wähler hat geschrieben:(14 May 2017, 07:55)
Eine Koordinierung der Handelspolitik in Brüssel ist sinnvoll, vor allem wenn es um Verhandlungen mit Schwergewichten wie den USA und China geht. Das werden die Briten in ihrer splendid isolation auch noch merken.
Auch in der Außen- und Sicherheitspolitik werden die euorpäischen Nationalstaaten mehr kooperieren müssen, um sich russischer Gebietsansprüche erwehren und afrikanischen Migranten in ihren Heimatländern von der Wanderung abhalten zu können.
Eine Weiterführung oder Abwicklung des Euro bedarf ebenfalls regelmäßiger und langfristiger finanzpolitischer Absprachen und eines gemeinsamen Schuldenmanagements.
Von Klimawandel, Jugendarbeitslosigkeit und Bevöllkerungsrückgang in den ländlichen Regionen der EU will ich gar nicht erst reden.
Die Nationalkonservativen können vom Rückbau gerne träumen, die politische Wirklichkeit verlangt aber von ihnen mit den anderen Nationalstaaten koordinierte und legitimierte Antworten auf drängende Probleme.

H2O hat geschrieben:(14 May 2017, 09:38)
Völlig einverstanden mit Ihren Darlegungen; das sollte vernünftigen Leuten eigentlich fast von allein dämmern!
Das Problem bliebt aber die Uneinsichtigkeit der "Nationalstaaten". Die können zwar hinten und vorne nicht die wirtschaftlichen Hoffnungen ihrer Bürger erfüllen, kassieren im Falle der EU satte Beihilfen, wollen dann aber im Gegenzug ganz demokratisch mit ihren Parlamenten bestimmen, wie sich die EU auf zu stellen hat. Nach dem Grundsatz: "Mein Parlament hat stets Vorrang vor Entscheidungen der Gemeinschaft". Da helfen nur Verträge, die diesen Vorrang klären.
Oder eben der Ausschluß dieser Nationalstaaten von der Weiterentwicklung der EU. Das scheint der Hntergrund der Abspaltung eines Kerneuropas zu sein. Die EU-Verträge geben das so her, also erspart man sich lange Streitereien und geht seinen eigenen Weg.

Ihren Optimismus hinsichtlich eines Kerneuropas würde ich gerne teilen. Mit einem Euro-Budget allein ist es aber nicht getan. Franzosen und Deutsche müssen ihre sehr unterschiedlichen finanz- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen einander angleichen. Italiener und Spanier werden da wohl eher auf der Seite Frankreichs stehen. Die Auswirkungen eines solchen transnationalen Annäherungsprozesses werden wir in der deutschen Innenpolitik noch schmerzvoll zu spüren bekommen, befürchte ich.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » So 14. Mai 2017, 10:19

Wähler hat geschrieben:(14 May 2017, 09:52)

Ihren Optimismus hinsichtlich eines Kerneuropas würde ich gerne teilen. Mit einem Euro-Budget allein ist es aber nicht getan. Franzosen und Deutsche müssen ihre sehr unterschiedlichen finanz- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen einander angleichen. Italiener und Spanier werden da wohl eher auf der Seite Frankreichs stehen. Die Auswirkungen eines solchen transnationalen Annäherungsprozesses werden wir in der deutschen Innenpolitik noch schmerzvoll zu spüren bekommen, befürchte ich.


Nein, niemand sagt, daß eine Gemeinschaft ohne Streit in Einzelfragen geschaffen werden kann. Aber wenn die Grundlinien übereinstimmen, dann ist doch schon ein tüchtiger Schritt in die gemeinsame Richtung vollzogen.

Ich meine, daß zunächst D & F versuchen werden, die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs intelligent zu lösen, damit die hohe Jugendarbeitslosigkeit durch Angebote abgebaut werden kann. Aufnahme in den Staatsdienst kann da sicher nicht als intelligent bezeichnet werden. Man wird sich also austauschen und freimütig um die besten Wege ringen... hoffe ich. Drohkulissen helfen dabei sicher auch nicht. Erst wenn das Tandem wieder schnurrt, sollten weitere Partner einbezogen werden, insbesondere Italien und Spanien, deren Wortführer diese Beteiligung schon jetzt einklagen. Darauf darf das Tandem sich derzeit überhaupt nicht einlassen, denn Leistungen können derzeit nur von einer Seite kommen, und eine Frontbildung F & I & E gegen D ist da alles andere als eine Hilfe für F. F & D untergehakt als erfolgreiches Paar kann danach ganz anders auftreten und die Partner mit auf die Reise nehmen.

Bei diesem Vorgehen vermute ich keinerlei innenpolitische Quertreibereien in D; niemand in D wird die deutsch-französische Partnerschaft kritisieren, wenn sie mit klarem Verstand vor einer gut unterrichteten Öffentlichkeit genutzt wird, um die Schieflage in Frankreich wieder ins Lot zu bringen. Allenfalls die ewiggestrigen in der AfD oder im FN; ok, auch noch die Kommunisten. Die sind nun einmal da mit ihrem Mundgeruch!
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Ger9374 » So 14. Mai 2017, 10:38

Gut durchdachte Initiativen die auch der Deutsch-Französischen Öffentlichkeit die Augen öffnen sollten das hier Partner und Freunde Wege suchen
Hilfe oder Unterstützung zu geben wo dieses erwünscht ist.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » So 14. Mai 2017, 12:11

Ger9374 hat geschrieben:(14 May 2017, 10:38)

Gut durchdachte Initiativen die auch der Deutsch-Französischen Öffentlichkeit die Augen öffnen sollten das hier Partner und Freunde Wege suchen
Hilfe oder Unterstützung zu geben wo dieses erwünscht ist.


Ich vermute auch, daß die mit Verstand und Gefühl mitgehende Öffentlichkeit wichtiger ist als der schnelle Erfolg, den wir uns sicher alle wünschen. Wenn Franzosen sagen werden: "Das Ding ist nicht so gut gelaufen... neuer Anlauf mit diesem Partner... wir schaffen das!", dann sind wir weiter auf dem gemeinsamen Weg voran gekommen, als wenn jeder Schuß ein Treffer gewesen wäre.

Da wird viel Arbeit zu leisten sein, nicht nur in der Sache. Europe en marche! :)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » So 14. Mai 2017, 13:11

Interessanter Presseclub (+ Nachgefragt als Podcast) zum Thema: Macron tritt an: letzte Chance für eine neue EU?
http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen ... n-116.html
Fazit:
Die Deutschen sind gut beraten, sich die Vorschläge von Macron genau anzuhören und ernst zu nehmen.
Eine stärkere Zusammenarbeit im Verteidigungswesen und für die Innere Sicherheit ist ein Minimalziel.
Eine politische Restrukturierung des Euro-Verbundes, ob nun mit oder ohne Euro-Budget, ist ebenso notwendig.
Eine wirtschaftspolitische Steuerung hin zu höheren Löhnen in Deutschland dürfte genauso problematisch sein, wie eine Senkung der Löhne in Frankreich.
Über Chancengleichheit im Bildungswesen auf dem Weg zur Industrie 4.0 und über die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit wurde leider wiederum nicht gesprochen.
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Ger9374

Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » So 14. Mai 2017, 13:59

Wähler hat geschrieben:(14 May 2017, 13:11)

Interessanter Presseclub (+ Nachgefragt als Podcast) zum Thema: Macron tritt an: letzte Chance für eine neue EU?
http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen ... n-116.html
Fazit:
Die Deutschen sind gut beraten, sich die Vorschläge von Macron genau anzuhören und ernst zu nehmen.
Eine stärkere Zusammenarbeit im Verteidigungswesen und für die Innere Sicherheit ist ein Minimalziel.
Eine politische Restrukturierung des Euro-Verbundes, ob nun mit oder ohne Euro-Budget, ist ebenso notwendig.
Eine wirtschaftspolitische Steuerung hin zu höheren Löhnen in Deutschland dürfte genauso problematisch sein, wie eine Senkung der Löhne in Frankreich.
Über Chancengleichheit im Bildungswesen auf dem Weg zur Industrie 4.0 und über die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit wurde leider wiederum nicht gesprochen.



Alles an Ideen auf den Tisch. Kluge Köpfe auf beiden Seiten sind vorhanden. Nichts im voraus verwerfen.Mut zum ungewöhnlichen im Verbund mit gemachten Erfahrungen. Bloss kein besserwisserisches auftreten. Lieber den ruhigen
Konsenz für intelligente Lösungen anstreben.
Patentlösungen erwartet wieso niemand.
Aber Fortschritte in manchen Bereichen
die alleine bis jetzt keiner der beiden Staaten
zufriedenstellend hinbekam.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » So 14. Mai 2017, 14:33

Ger9374 hat geschrieben:(14 May 2017, 13:59)

Alles an Ideen auf den Tisch. Kluge Köpfe auf beiden Seiten sind vorhanden. Nichts im voraus verwerfen.Mut zum ungewöhnlichen im Verbund mit gemachten Erfahrungen. Bloss kein besserwisserisches auftreten. Lieber den ruhigen
Konsenz für intelligente Lösungen anstreben.
Patentlösungen erwartet wieso niemand.
Aber Fortschritte in manchen Bereichen
die alleine bis jetzt keiner der beiden Staaten
zufriedenstellend hinbekam.


Wo sind die "elder Statsmen", die diese Gespräche moderieren, damit die Gesprächsteilnehmer genau in diesem Sinne miteinander umgehen? Keine Zeit für Neunmalkluge!

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