Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

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Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Umfrage endete am So 7. Mai 2017, 07:52

Emmanuel Macron (En Marche!)
31
69%
Marine Le Pen (Front National)
14
31%
 
Abstimmungen insgesamt: 45
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unity in diversity
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 11:18

H2O hat geschrieben:(29 Apr 2017, 10:37)

Sind für Sie die Menschen Mitteleuropas (Osteuropa liegt bei Ihnen wo?) Menschen, die sich nie aus ihrer unverschuldeten Armut heraus arbeiten dürfen? Mir ist klar, daß diesen Menschen das nur gelingt, wenn wir sie an unserer Wirtschaft beteiligen, sie Waren und Dienstleistungen erzeugen lassen, die überall verkauft werden können. Das bißchen Querfinanzierung über europäische Regionalfonds kann dies nicht leisten, obwohl auch das schon hilft, vor Ort die Lebensbedingungen zu verbessern. Eine Studienreise nach Polen sei Ihnen empfohlen!

Dort steigt der Wohlstand allmählich an, so daß man dort französischen Wein, französischen Käse bei Lidl, Netto und Intermarché kaufen kann, französische Autos zum Straßenbild gehören.

Ich finde es ziemlich daneben, aus dieser notwendigen Entwicklung eine europäische Schieflage ab zu leiten. Das ist der Hintergrund von "La France d'abord!" und "America first!".

Das Ziel unseres europäischen Projekts ist doch wohl, überall in Europa ungefähr gleiche Lebenschancen durch Arbeit und Leistung herbei zu führen, damit unsere Gemeinschaft in wenigen Jahrzehnten wirtschaftlich überhaupt noch wahrgenommen wird. Andere wiederum sehen unsere Sicherheit als wesentlichen Antrieb. Auch das ist sicher richtig.

Diese Ziele kommen nur durch verständige Zusammenarbeit in Reichweite. Das hat Herr Macron auch erkannt, und er hat wesentliche Felder der französischen Aufholjagd benannt, mit vielen kleinen Stellschrauben, Feld für Feld. Am Ende jeden Jahres seiner Präsidentschaft sollen die Mitbürger mit ihm zusammen den Erfüllungsgrad dieser Maßnahmen überprüfen. Das Vorgehen nötigt mir Respekt ab... und ich sehe sehr zustimmend, daß Herr Macron ganz besonders die Zusammenarbeit mit uns Deutschen sucht. Diesen Ball sollten wir mit Freuden annehmen, um das europäische Projekt zum Gelingen zu führen.

Ich empfehle den Duracellhasen, ihre allzu euphorische Haltung solange zu verbergen, bis die Wahl gelaufen ist.
Um Unheil vom französischen Volke abzuwenden.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 11:24

unity in diversity hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:18)

Ich empfehle den Duracellhasen, ihre allzu euphorische Haltung solange zu verbergen, bis die Wahl gelaufen ist.
Um Unheil vom französischen Volke abzuwenden.


Das Gegenteil ist richtig: Klar sagen, was gemeint ist. Unsere französischen Nachbarn sollen wissen, was folgen wird, wenn Frau LePen wider Erwarten die Wahl gewinnen sollte.

Für unsere britischen Nachbarn beginnt das Theater jetzt schon.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 11:28

H2O hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:24)

Das Gegenteil ist richtig: Klar sagen, was gemeint ist. Unsere Nachbarn sollen wissen, was folgen wird, wenn Frau LePen wider Erwarten die Wahl gewinnen sollte.

Diesen Wahlwerbespot, für Le Pen, präsentierte Ihnen seine Wässrigkeit, H2O.
Zuletzt geändert von unity in diversity am Sa 29. Apr 2017, 11:42, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 11:31

unity in diversity hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:28)

Diesen Wahlwerbespot für Le Pen präsentierte Ihnen seine Wässrigkeit H2O.

Sie verfügen über einen unnachahmlichen Humor :) und das ist auch gut so!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 11:46

H2O hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:31)

Sie verfügen über einen unnachahmlichen Humor :) und das ist auch gut so!

Humor kann eventuell mehr verändern, als es sich die Regierigen vorstellen können.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Sa 29. Apr 2017, 11:46

@ H2o: ich musste doch leicht Schmunzeln. Sie stellen den von Deutschland seit 2004 eingeschlagenen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Weg durchweg positiv dar.

Vor kurzem durfte ich folgenden Artikel auf welt.de lesen: selbst der Direktor des Arbeitgebernahen Instituts DIW musste zugeben, dass seit 2000 die Mittelschicht von 53% auf 47% geschrumpft ist, und das, obwohl seit 2004 Millionen Jobs geschaffen worden sind. Um diese katastrophale Erodierung zu verdeutlichen, möchte ich hervorheben, dass laut DIW die deutsche Mittelschicht schon ab 1400 Netto anfängt.
Der Abbau des gesetzlichen Renteniveaus von 1990 bis heute von fast 20%, sollte durch betriebliche und private Altersvorsorge abgefedert werden (da hat die Versicherungswirtschaft ganze Lobbyarbeit geleistet). Resultat?
Hier die folgenden Zahlen der Rentenbestandsstatistik des Sozialministeriums:

Unter 300€ Rente: ca. 3.8 Millionen Renter und ingesamt ca 10 Millionen Renter die unter 1000€ Rente kassieren.

Stand heute muss man KONSTANT 3000€ über 30 Jahre verdienen, um eine Rente auf Mindestsicherungsniveau zu beziehen und 45 Jahre lang konstant 4500€ um eine Rente Ihv 2000€ zu bekommen. Ich möchte noch einmal hervorheben, dass die deutsche Mittelschicht schon ab 1400€ netto anfängt und nur noch 47% der Arbeitnehmer umfasst. Übrigens: in Deutschland beziehen gerade mal 10.000 Personen eine gesetzliche Rente von 2000€ oder mehr.
Das sind katastrophale Werte, v.a. wenn man bedenkt, dass in Deutschland die Steuer- und Abgabenlast mit Belgien am höchsten liegt.

Untersuchungen von PWC zufolge nutzen 43 Prozent der Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung. An zweiter Stelle folgen die Riester-Rente. VOn denjenigen, die eine betriebliche Atersvosroge betreiben, bekommt der Großteil weniger als 300€ ausgezahlt. Und die Sätze der Riester-Rente sind bekannt.

Schauen Sie, ich sehe dies alles nicht so toll und rosig wie Sie. Und ich habe meine Berechtigung.
Zuletzt geändert von gegenkriegundgewalt am Sa 29. Apr 2017, 11:53, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon pikant » Sa 29. Apr 2017, 11:47

Alter Stubentiger hat geschrieben:(28 Apr 2017, 16:11)

Ein wirklicher Bürokratieabbau wäre wirklich gut und auch machbar. Gerade Gründern werden heutzutage zu viele Vorgaben und Vorschriften gemacht. Und Gründer müssen gefördert werden. Nicht die industriellen Dinosaurier der Vergangenheit.


das sehe ich auch so!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 11:51

pikant hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:47)

das sehe ich auch so!

Womit wollt ihr künftig eure Smartphones bezahlen, wenn ihr euch nur noch gegenseitig Pizzas, Zeitungabbos und Versicherungen andreht?
Kann so eine "Volkswirtschaft" echt existieren und sich auf dem Weltmarkt behaupten?
Zuletzt geändert von unity in diversity am Sa 29. Apr 2017, 11:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Sa 29. Apr 2017, 11:52

pikant hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:47)

das sehe ich auch so!


Das werden sie doch! zB dürften Gründer 4 Jahre lang ohne gesetzliche Höchstanzahl einen AN sachgrundlos befristen. Langzeitarbeitslose (ab 6 Monate) haben für einen längeren Zeitraum keinen ANspruch auf den Mindestlohn etc. pp. Das Problem ist, dass diese Startups meistens aus 1-2 Leuten bestehen, die davon leben können und der große Rest prekär beschäftigt ist oder als "Volontariat" bzw Praktikant dort arbeitet. Die größte ANzahl dieser "Start Ups" schafft keine große ANzahl an Arbeitsplätzen und v.a. keine ordentliche bazhlten.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 13:16

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:46)

@ H2o: ich musste doch leicht Schmunzeln. Sie stellen den von Deutschland seit 2004 eingeschlagenen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Weg durchweg positiv dar.
...
Schauen Sie, ich sehe dies alles nicht so toll und rosig wie Sie. Und ich habe meine Berechtigung.

Beide Sichtweisen sind durch die Meinungsfreiheit und die Bewertung von Beobachtungen möglich. Vielleicht ist mein Glas schon halb voll, Ihr Glas leider halb leer.

Wesentlich bleibt für mich, daß unsere beiden Regierungen sehr ernsthaft eine Zusammenarbeit anstreben und sie sich aufeinander einlassen. Eine Einbahnstraße darf das nicht sein... Geben und Nehmen, und immer mit Wohlwollen auf beiden Seiten.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 29. Apr 2017, 15:47

H2O hat geschrieben:(28 Apr 2017, 18:41)

Na ja, ich empfinde es als zutiefst unanständig, wenn man einem aus Berlin stammenden und in Berlin arbeitenden Mitarbeiter einen Vertrag verschafft, der diese Nicht-Abordnung mit einem dauerhaften Auslandsaufenthalt vergütet. Das ist doch vorsätzlicher Betrug selbst dann, wenn das nicht ausdrücklich verboten ist. So empfinde ich diese Willkür.

Aber ich gebe Ihnen Recht: In entsprechender Position würde auch ich meine verlässlichen Mitarbeiter auf vielfache Weise fördern: Mehr Verantwortung, mehr Einkommen... Das halte ich für selbstverständlich. Aber doch bitte nicht mit solchen Tricksereien wie oben umrissen!


Ein vorsätzlicher Betrug würde von der EU-Korruptionsbehörde verfolgt. Die genau für so etwas zuständig ist.
Wie gesagt. Wer bestehende Regeln für obskur oder falsch hält soll doch mal den Zulagendschungel lichten. Gern auch den in Deutschland. Da gibt es ja in der Tat genug Merkwürdigkeiten.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 29. Apr 2017, 15:50

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:52)

Das werden sie doch! zB dürften Gründer 4 Jahre lang ohne gesetzliche Höchstanzahl einen AN sachgrundlos befristen. Langzeitarbeitslose (ab 6 Monate) haben für einen längeren Zeitraum keinen ANspruch auf den Mindestlohn etc. pp. Das Problem ist, dass diese Startups meistens aus 1-2 Leuten bestehen, die davon leben können und der große Rest prekär beschäftigt ist oder als "Volontariat" bzw Praktikant dort arbeitet. Die größte ANzahl dieser "Start Ups" schafft keine große ANzahl an Arbeitsplätzen und v.a. keine ordentliche bazhlten.


Das ist eine sehr deutsche Einstellung. Mit solchen Bedenken wären die silicon-valley start-ups nie aus ihrer Garage herausgekommen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 29. Apr 2017, 16:02

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 00:07)

Ich habe mich mit den Programmen von Macron, Le Pen, Melenchon, FIllion and Dupon Aignan beschäftigt un mMn haben ALLE gute Ansätze, welche auch realpolitisch umsetzbar sind - mit Ausnahme vllt Melenchon.
Frau Le Pen möchte ebenso die Unternehmenssteuer auf 24% senken, die Grundsteuer senken, Überstunden sollen steuerfrei werden, alle Steuerklassen (bis auf die Klasse mit über 150.000€ Jahresgehalt) sollen um bis zu 10% entlastet werden etc. pp.

Nehmen wir mal das Beispiel Amiens und Whirlpool. Wie erklärt man dem Arbeiter in Frankreich, dass Globalisierung und Europa das Maß aller Dinge sind, während sein Arbeitspltz nach Polen verlegt wird, da der Arbeitgeber dort deutlich an Lohnkosten und Sozialabgaben sparen kann und mit Sicherheit auch der Arbeitnehmerschutz (Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Ruhezeiten etc) nicht auf franz. Niveau sind. Des Weiteren kann der Arbeitgeber das im Niedriglohnland produzierte Endprodukt - dank Globalisierung - zollfrei nach Westeuropa exportieren und dort zu westeuropäischen Preisen verkaufen.
Europa ist in seiner momentanen Konstellation eine ausgeartete Missgeburt. Die wirtschaftlichen, ökonomischen Unterschiede zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich, NL und Skandinavien zu Süd- Ost und Südosteuropa sind zu groß. Deshalb wäre es vernünftig den freien Waren- und Personenverkehr auf den alten Schengenraum zu begrenzen.
Des Weiteren hat der Internationalismus meiner Meinung nach einfach ausgedient. Und das werden auch immer mehr Arbeiter und Angestellte begreifen, es ist nur eine Frage der Zeit.
Es ist eben nicht das internationale Proletariat, welches den Arbeiter/Angestellten schützt, sondern ein starker Nationalstaat, der sein schützendes Schild vor die Arbeiterschaft erhebt um diese vor den neoliberalen Auswüchsen dieser entfesselten Globalisierung und vor Zuwanderung in den Arbeits-/Wohnungsmarkt zu bewahren.
Die internationale Solidarität mit chinesischen Fabriksarbeitern und malayischen Bergarbeitern ist illusorisch und sorgt nur dafür das man dem simplen Faktum nicht ins Gesicht sehen muss. Unter dem Deckmantel der Humanität können Unternehmen/Lobbyisten für mehr "Fachkräfte" (= mehr Konsumenten und mehr billige Arbeitskräfte) werben, was auch noch schön durch unsere Politik und Medienlandschaft gefördert wird. ES findet mMn eine unglaubliche - zT direkte, zT subtile - Indoktination der Gesellschaft statt. Entweder du bist der tolle weltoffene liberale Mensch, oder der böse, abschottende Nationalist. Denn die viel beschworene "Internationale" der Arbeiter existierte nur in Sonntagsreden von hauptamtlichen Sozialisten. Nicht umsonst nennt man die früheren "Proletarier" heute gerne "Globalisierungsverlierer" und "Prekariat", meistens mit der Attitüde des Herablassenden, aus der Perspektive derer, die von dieser Entwicklung (noch) nicht betroffen sind.
Die erst Form des Internationalismus war die weltweite Arbeitsteilung, die viele Industrien in den klassischen Industrieländern kaputt machte. Die zweite Form erleben wir derzeit; eine Form der "internationalen Solidarität", welche unter den Stichworten "no border" und "Weltoffenheit" eine Massenzuwanderung begrüßt und befördert, welche das "Prekariat" geradewegs in noch prekärere Situationen führt.


Sieh ein daß Massenware wie Waschmaschinen für den Consumer-Bereich auch mit Steuersenkungen nicht in Europa zu halten sind. Auch mit Schutzzöllen nicht. Denn dann gibts natürlich auch eine Retourkutsche und am Ende sind Waschmaschinen einfach nur teurer und werden weiterhin da gebaut wo Löhne keine Rolle spielen. Nationalismus und Protektionismus hilft keinem.

Wer in Europa produzieren will muß Produkte bieten die von Hungerlöhnern in der dritten Welt einfach nicht herzustellen sind. Produkte bei denen weite Transporte den Kostenvorteil des Outscoring zunichte machen. Produkte die eine Individualisierung des Produkts ermöglichen. Whirlpool? Reisende soll man nicht aufhalten.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Sa 29. Apr 2017, 16:56

Alter Stubentiger hat geschrieben:(29 Apr 2017, 15:50)

Das ist eine sehr deutsche Einstellung. Mit solchen Bedenken wären die silicon-valley start-ups nie aus ihrer Garage herausgekommen.


Apple beschäftigt in den USA ca 40.000 Mitarbeiter und ca 720.000 Mitarbeiter (inklusive Apple-Zulieferer) außerhalb der USA, v.a. in China. In China zahlt Apple den Arbeitern im Schnitt 17$ am Tag. Im Billigland produzieren, dank Globaliserung und Zollfreiheit nach Westeuropa/USA importieren und damit die Gewinnmargen erhöhen für die AKtionäre und gleichzeitig versuchen, durch ein komplexes Sytem an Tochtergesellschaften kaum Steuern zu zahlen.
Jared Bernstein, wirtschaftlicher Berater des weissen Hauses unter Obama, hat Apple sogar als negatives Paradebei hervorgehoben, um zu untermalen warum es so schwer ist "middle-Class" jobs in den USA zu schaffen. Vergleicht man diese Beschäftigungszahlen zB damit, dass GM oder General Electric jeweils ca 400.000 ordentlich bezahlte AN beschäftigt haben, oder die hunderttausenden von gut bezahlten middle-class jobs von US Steel, dann sind deine tollen siliocn valley start ups nur ein kleines Lüftchen. Jared Bernstein bemerkte, dass diese Auswüchse des Kapitalismus besorgniserregend seien.
Tim Cook ist für mich übrigens an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Er ist "libksliberal", d.h. wirtschaftlich liberal, also seine ökonomischen Vorteile nicht zur Disposition stellen, Arbeitsplätze in Billigländer verlegen, um Lohnosten zu sparen, sowie möglichst keine Steuern zu zahlen. "Links" ist man dann bei Themen wie Homosexualität, Zuwanderung etc. Für mich sind solche Leute absolut widerwärtig

PS: Folgendes kam bei der Recherche der NYT über die Arbeitsbedingungen von Apple in China heraus: " [...} 8,000 workers inside the company’s dormitories, according to the executive. Each employee was given a biscuit and a cup of tea, guided to a workstation and within half an hour started a 12-hour shift fitting glass screens into beveled frames. Within 96 hours, the plant was producing over 10,000 iPhones a day.

“The speed and flexibility is breathtaking,” the executive said. “There’s no American plant that can match that.”

Apple macht 400.000$ gewinn pro Angestellten..... wäre es vllt nicht ausreichend,den Gewinn für Aktionäre und Vorstände zu reduzieren (welcher aber natürlich immer noch sehr üppig wäre), dafür aber dann in den USA für 15$ die Stunde zu produzieren?
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 29. Apr 2017, 18:11

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 16:56)

Apple beschäftigt in den USA ca 40.000 Mitarbeiter und ca 720.000 Mitarbeiter (inklusive Apple-Zulieferer) außerhalb der USA, v.a. in China. In China zahlt Apple den Arbeitern im Schnitt 17$ am Tag. Im Billigland produzieren, dank Globaliserung und Zollfreiheit nach Westeuropa/USA importieren und damit die Gewinnmargen erhöhen für die AKtionäre und gleichzeitig versuchen, durch ein komplexes Sytem an Tochtergesellschaften kaum Steuern zu zahlen.
Jared Bernstein, wirtschaftlicher Berater des weissen Hauses unter Obama, hat Apple sogar als negatives Paradebei hervorgehoben, um zu untermalen warum es so schwer ist "middle-Class" jobs in den USA zu schaffen. Vergleicht man diese Beschäftigungszahlen zB damit, dass GM oder General Electric jeweils ca 400.000 ordentlich bezahlte AN beschäftigt haben, oder die hunderttausenden von gut bezahlten middle-class jobs von US Steel, dann sind deine tollen siliocn valley start ups nur ein kleines Lüftchen. Jared Bernstein bemerkte, dass diese Auswüchse des Kapitalismus besorgniserregend seien.
Tim Cook ist für mich übrigens an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Er ist "libksliberal", d.h. wirtschaftlich liberal, also seine ökonomischen Vorteile nicht zur Disposition stellen, Arbeitsplätze in Billigländer verlegen, um Lohnosten zu sparen, sowie möglichst keine Steuern zu zahlen. "Links" ist man dann bei Themen wie Homosexualität, Zuwanderung etc. Für mich sind solche Leute absolut widerwärtig

PS: Folgendes kam bei der Recherche der NYT über die Arbeitsbedingungen von Apple in China heraus: " [...} 8,000 workers inside the company’s dormitories, according to the executive. Each employee was given a biscuit and a cup of tea, guided to a workstation and within half an hour started a 12-hour shift fitting glass screens into beveled frames. Within 96 hours, the plant was producing over 10,000 iPhones a day.

“The speed and flexibility is breathtaking,” the executive said. “There’s no American plant that can match that.”

Apple macht 400.000$ gewinn pro Angestellten..... wäre es vllt nicht ausreichend,den Gewinn für Aktionäre und Vorstände zu reduzieren (welcher aber natürlich immer noch sehr üppig wäre), dafür aber dann in den USA für 15$ die Stunde zu produzieren?


1. Die Möglichkeiten der Steuervermeidung sind ein Thema für sich. Diese Strategie wird von allen Firmen genutzt. Hat nichts mit Start-up´s zu tun.
2. Gewinnoptimierung wird ebenfalls von alteingesessenen Firmen wie von Start-up´s betrieben. Den Schuh müssen also ebenfalls alle Firmen anziehendie so handeln.

3. Bei der Produktion von iPhone´s wird genau das gemacht was ich beschrieb. Massenproduktion bei der sich der Einsatz von Billiglöhnern lohnt. Die Teile des iPhones die anspruchsvoll sind werden aber nicht in China produziert. Viele sehen gar nicht wieviel China für den Import ausgeben muß um Werkbank der Welt zu sein. Das muß man auch immer bedenken.

Xing und Detert führen das am Beispiel des iPhones vor Augen - mit Daten des Marktforschungsinstituts iSupply, das die Herstellungskosten des Telefons 2009 auf 178,96 Dollar taxierte. In den USA verkaufte Apple das Gerät für 500 Dollar - die Gewinnspanne belief sich auf 64 Prozent.

Sämtliche Einzelteile des Telefons werden aus anderen Ländern nach China gebracht, dort zusammengesetzt und dann wieder exportiert. Der wichtigste Zulieferer ist Toshiba - der japanische Konzern liefert Teile im Wert von 60 Dollar, unter anderem die Speicherchips und den Bildschirm. Von Infineon aus Deutschland kommen Komponenten im Wert von 29 Dollar, von Samsung aus Korea Teile im Wert von 23 Dollar. US-Unternehmen liefern Teile im Wert von elf US-Dollar. Insgesamt summieren sich die Materialkosten auf 172,46 Dollar. Die Einzelteile in China zusammenzusetzen kostet nur 6,50 Dollar - gerade einmal 3,6 Prozent der Herstellungskosten.

Jedes der 11,3 Millionen iPhones, die Apple 2009 in den USA verkaufte, ging mit einem Wert von 178,96 Dollar als Import aus China in die US-Handelsstatistik ein - insgesamt zwei Milliarden Dollar. Würde nur die tatsächliche chinesische Wertschöpfung, die im iPhone steckt (6,80 Dollar), gezählt, hätten die iPhone-Importe aus China in die USA nur ein Volumen von 73,5 Millionen Dollar. Weil US-Firmen iPhone-Komponenten im Wert von 121,5 Millionen Dollar liefern, würde das Telefon unter dem Strich zu einem Handelsüberschuss der USA mit China in Höhe von 48 Millionen Dollar führen. "Die herkömmlichen Handelsstatistiken zeichnen ein verzerrtes Bild von den Handelsströmen", so Xing und Detert.

http://www.handelsblatt.com/politik/kon ... 482-2.html

Interessant nicht? Wirtschaft ist eben doch etwas schwieriger als die Protektionisten es sich vorstellen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Sozialdemokrat » Mo 1. Mai 2017, 19:19

Der Kommunist kriegt kalte Füsse:
"Ich würde nicht den Front National wählen, ich bekämpfe den Front National", sagte der Linksaußen-Politiker. "Und ich sage zu allen, die mir zuhören: Begeht nicht den schrecklichen Fehler, eine Stimme für den Front National abzugeben, weil ihr das Land in einen Flächenbrand treiben würdet, dessen Ende niemand absehen kann."Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/macron-163.html
Le Pen kommt laut Umfragen auf ca. 40%. Die Arbeiterklasse mag den schleimigen Macron wohl nicht:
"Le Pen legt entsprechend um vier Punkte zu und landet bei 41 Prozent........Auffallend in der Odoxa-Umfrage sind die Angaben der Franzosen, die in der ersten Runde für den Linksaußen Jean-Luc Mélenchon gestimmt hatten: Demnach wollen nur 40 Prozent von ihnen in der Stichwahl für Macron und damit gegen Le Pen stimmen. "Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Marine-Le-Pe ... 15163.html
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon frems » Mo 1. Mai 2017, 20:19

Der krumme Melenchon hat halt niedrige Energie.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 1. Mai 2017, 20:40

Sozialdemokrat hat geschrieben:(01 May 2017, 19:19)

...

Die Arbeiterklasse mag den schleimigen Macron wohl nicht...

...


Mit wie viel Dummheit muß ein Mensch ausgestattet sein, um zu solchen Bewertungen zu gelangen? Von diesen Banausen hat sicher nicht ein einziger das Wahlprogramm dieser Bewegung "en marche" gelesen oder etwa versucht, sich damit zu befassen. Mir fallen dazu Leitbilder ein; aber die wären in der Tat beleidigend, denn nicht alle Arbeiter sind so veranlagt, wenn leider auch zu viele.
Zuletzt geändert von H2O am Mo 1. Mai 2017, 20:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 1. Mai 2017, 20:42

frems hat geschrieben:(01 May 2017, 20:19)

Der krumme Melenchon hat halt niedrige Energie.


Ein Großmaul, wie es sie auch in der französischen oder deutschen Geschichte leider öfter gab.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Sozialdemokrat » Mo 1. Mai 2017, 20:54

H2O hat geschrieben:(01 May 2017, 20:40)

Mit wie viel Dummheit muß ein Mensch ausgestattet sein, um zu solchen Bewertungen zu gelangen? Von diesen Banausen hat sicher nicht ein einziger das Wahlprogramm dieser Bewegung "en marche" gelesen oder etwa versucht, sich damit zu befassen. Mir fallen dazu Leitbilder ein; aber die wären in der Tat beleidigend, denn nicht alle Arbeiter sind so veranlagt, wenn leider auch zu viele.

40% für Le Pen ist verdammt viel. Nicht nur Arbeiter lesen Parteiprogramme nicht.

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