Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

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Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Umfrage endete am So 7. Mai 2017, 07:52

Emmanuel Macron (En Marche!)
31
69%
Marine Le Pen (Front National)
14
31%
 
Abstimmungen insgesamt: 45
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 28. Apr 2017, 18:10

Julian hat geschrieben:(28 Apr 2017, 13:00)

Ich gehöre auch nicht zum französischen, sondern zum deutschen Bürgertum.

Ein Rücktritt bedeutet in Frankreich nicht viel. Das Netzwerk der Eliten sorgt dafür, dass man weich fällt; ein Wechsel zwischen politischen Posten und der Wirtschaft ist jederzeit möglich. Man kennt einander.


Mag sein. Aber seine Bewegung "en marche" war schon sehr gewagt. Er hätte sich auch lächerlich machen können. Zumal er sich für Europa einsetzt. Ein Fähnchen im Wind hätte sich nicht in diese Richtung gedreht.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Fr 28. Apr 2017, 18:29

Edmund hat geschrieben:(28 Apr 2017, 14:54)

Parteienfinanzierung durch Großkonzerne, einflußreiche Millionäre und Lobbyisten ist natürlich besser. :rolleyes:


National gesehen schon; vor allem dann, wenn sie offen gelegt sind. Umgekehrt bemühen Regierungen sich darum, daß Konzerne und Investoren sich doch bitte, bitte auf ihrem Staatsgebiet niederlassen mögen. Bitte keine unnötigen Frontstellungen "Unternehmen gegen Staat" an den Haaren herbei ziehen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Fr 28. Apr 2017, 18:41

Alter Stubentiger hat geschrieben:(28 Apr 2017, 16:15)

Das Parlament hat mit seiner Mehrheit gerügt. Die Fachleute der Korruptionsabteilung sehen dies anders. Wenn das Parlament konsequent wäre würde es die Regelungen ändern und nicht die Anwendung der Regeln bemängeln. Aber offensichtlich will man dies nicht. Das lässt tief blicken. Und das man Leute fördert mit denen man gut zusammenarbeitet ist eigentlich normal. Keiner würde vakante Posten an seine Feinde vergeben. Da sollte man sich nichts vormachen.


Na ja, ich empfinde es als zutiefst unanständig, wenn man einem aus Berlin stammenden und in Berlin arbeitenden Mitarbeiter einen Vertrag verschafft, der diese Nicht-Abordnung mit einem dauerhaften Auslandsaufenthalt vergütet. Das ist doch vorsätzlicher Betrug selbst dann, wenn das nicht ausdrücklich verboten ist. So empfinde ich diese Willkür.

Aber ich gebe Ihnen Recht: In entsprechender Position würde auch ich meine verlässlichen Mitarbeiter auf vielfache Weise fördern: Mehr Verantwortung, mehr Einkommen... Das halte ich für selbstverständlich. Aber doch bitte nicht mit solchen Tricksereien wie oben umrissen!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Fr 28. Apr 2017, 19:13

Julian hat geschrieben:(28 Apr 2017, 12:45)

Es gibt durchaus Leute, die nicht nur opportunistisch ihr Fähnchen in den Wind halten und wirklich etwas für das Land tun wollen. Von einem protegierten, gepamperten Investmentbanker und Enarchisten ohne relevante Lebenserfahrung erwarte ich so etwas jedoch nicht.

Vielleicht irre ich mich ja. Vielleicht wird Macron auch einfach Glück haben - denn es gibt natürlich so etwas wie Zyklen in der Wirtschaftsentwicklung, die nur zu einem gewissen Grade politisch beeinflussbar sind. Wenn er in den Aufschwung hineingewählt wird, wird er die Lorbeeren dafür ernten, ähnlich wie ja auch Merkel, die ja auch Glück gehabt hat, ausgerechnet dann gewählt zu werden, als die Talsohle durchschritten war.


Mir leuchtet Ihr Ingrimm nicht ein, mit dem Sie sich an einem Ihnen unbekannten Politiker reiben. Erst einmal würde ich die verfügbaren Informationen auswerten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Macron

Schon "Herkunft und Ausbildung" lassen einen geistig und musisch besonders begabten Menschen erkennen. In der Tat: Da könnte man neidisch werden... oder besser froh sein, wenn ein solcher Mann in hohe Verantwortung strebt.

Als Investment Banker hat er sich empfohlen durch auffällige Leistungen in einer "wirtschaftlichen Denkfabrik", und in dieser Funktion eine riesige Firmenverschmelzung finanziell steuernd begleitet.
Durch den erfolgreichen Abschluß ist er reich geworden... da ist doch nichts mit "gepampert"!

Als Wirtschaftsminister unter Präsident Hollande hat er sein Reformpaket bis zur Unkenntlichkeit zerfleddern lassen müssen... und hat den Bettel hingeworfen.

Er hat seinen eigenen Weg gesucht, wie er seine Vorstellungen umsetzen könnte, mit Freunden als Parteiloser. Was ist daran denn "Fähnchen im Wind"? Ist es nicht eher eine begabte Spürnase, die er da in den Wind gehalten hat? Und er hat bewundernswert durchgehalten gegen Leute aus den Apparaten. Sicher mit Hilfe guter Freunde; was ja bedeutet, daß er welche hat, die ihn gut kennen.

Weiterhin hat er ein politisches Programm entworfen, hoffentlich auch zusammen mit Freunden, das er veröffentlicht hat. Warum arbeiten Sie sich nicht daran ab, sondern an dem Mann Macron? Das Programm ist doch sein Plan zur Genesung Frankreichs und Europas. Das Programm geht auch uns Deutsche an, denn ganz offensichtlich braucht Frankreich Rückhalt aus Deutschland, um gemeinsam Europa in eine bessere Zukunft zu lenken.

Siehe auch:

https://storage.googleapis.com/en-march ... Macron.pdf

Natürlich ist das Programm auf Französisch geschrieben... alles andere hätte ja auch keinen Sinn in einem französischen Wahlkampf.

Aber wenn Sie spezielle Fragen zu seinen politischen Absichtserklärungen haben, dann will ich Ihnen gern anhand der dort gemachten Vorschläge sagen, wohin der Hase laufen soll.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Senexx » Fr 28. Apr 2017, 19:14

pikant hat geschrieben:(28 Apr 2017, 12:01)

Millardenprogrmm in die Infratstruktur und Milliardenprogramm fuer start Up Firmen.
Buerokratieabbau und mehr Flexibilitaet fuer Unternehmen ohne Sozialabbau beim Arbeitnehmer.


Also, einerseits klassische Keynesianismus. Da sind wair ja mal gespannt Aber welche der zahlreichen strukturellen Probleme Frankreichs werden denn damit gelöst? Und wo will er das Geld hernehmen?

Und was ist gemeint mit Flexibilität für Unternehmen ohne Sozialabbau beim Arbeitnehmer? Eines der Probleme ist doch der extreme Kündigungsschutz.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Ger9374 » Fr 28. Apr 2017, 20:06

Politische Aussagen vor und nach einer Wahl
sind oft variabel anzusehen, die Erfahrung kennen
doch alle Wähler und Bürger.Das betrifft dann ja die Franzosen.Lockerung vom Kündigungsschutz
ect. da haben mehrere mitzureden!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Fr 28. Apr 2017, 22:40

Senexx hat geschrieben:(28 Apr 2017, 19:14)

Also, einerseits klassische Keynesianismus. Da sind wair ja mal gespannt Aber welche der zahlreichen strukturellen Probleme Frankreichs werden denn damit gelöst? Und wo will er das Geld hernehmen?

Diese Fragen sind nicht mit einem Schlagwort ab zu arbeiten.

Da sind einmal Sofortmaßnahmen, die die Beschäftigung vieler Arbeitnehmer ermöglichen. Investitionen in die Infrastruktur ganz allgemein. Schienennetze, Flughäfen, Nachrichtennetze Funk und Glasfaser, Wärmedämmung. 50 Mrd € in 5 Jahren.

Dann die Modernisierung der französischen Wirtschaft: Umbau der Ausbildungs- und Bildungssysteme zu mehr Praxisnähe, administrative Entlastung von kleinen Unternehmen und Unternehmensgründungen. Der Staat als Helfer im Tagesgeschäft und nicht als strafende Verwaltung bei kleinen Verstößen. Entrümpelung des Vorschriftenwerks. Digitalisierung der Verwaltung auf allen Ebenen. Erfolgskontrollen der Verwaltung (Bearbeitungsdauer, Kundenzufriedenheit)

Und was ist gemeint mit Flexibilität für Unternehmen ohne Sozialabbau beim Arbeitnehmer? Eines der Probleme ist doch der extreme Kündigungsschutz.

Steuerliche Entlastung von Unternehmen, die Arbeitsverträge ohne Zeitbegrenzung bereit stellen und Zusatzbelastung für Zeitarbeit. Arbeitszeiten und Randbedingungen mit den Sozialpartnern auf Betriebsebene festlegen, nicht mit dem Staat.

Bitte, das ist nicht das vollständige Programm, das man auf 34 Seiten sehr schön gegliedert nachlesen kann! Es lohnt sich möglicherweise, dieses Programm zur Meßlatte auch für deutsche Politik zu benutzen, um unsere deutschen Lebensbedingungen mit jenen Frankreichs zu harmonisieren und zu synchronisieren.

Interessant auch, daß der Präsident Macron beabsichtigt, den Fortschritt seines Programms jährlich Punkt für Punkt in einem Rechenschaftsbericht vor zu tragen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Fr 28. Apr 2017, 22:49

Ger9374 hat geschrieben:(28 Apr 2017, 20:06)

Politische Aussagen vor und nach einer Wahl
sind oft variabel anzusehen, die Erfahrung kennen
doch alle Wähler und Bürger.Das betrifft dann ja die Franzosen.Lockerung vom Kündigungsschutz
ect. da haben mehrere mitzureden!


Der Kündigungsschutz für Arbeitnehmer wird in Macrons Vorschlagsliste überhaupt nicht angesprochen.

Eingangs verkündet er auch ganz klar, daß sein Programm sich an den Forderungen des Tages ausrichten wird. Aber es gibt eben für viele Themen auch seine Vorschlagsliste, die dann durch Tagespolitik im Stapel nach oben rutschen oder nach unten. Der Grad der Abarbeitung dieser Liste wird jährlich öffentlich vorgetragen und diskutiert... sagt Herr Macron. Er will sich also öffentlich anhand erfüllter Versprechen messen lassen. Die Versprechen sind sehr konkret auch mit Zahlenwerten versehen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Fr 28. Apr 2017, 23:33

ich hoffe Le Pen gewinnt, weiß aber um die Unmöglichkeit meiner Hoffnung. Die gesamte politische Kaste, Medien und die Finanz unterstützen Macron. Ich selber hätte Dupon Aignan gewählt, jetzt aber Macron vs Le Pen defenitv Le Pen.

https://www.youtube.com/watch?v=nO6_fj9XTuQ
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Cat with a whip » Fr 28. Apr 2017, 23:41

Erinnert an: Scheiß auf Clinton, lieber Trump gegen das Establishment wählen!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Sa 29. Apr 2017, 00:07

H2O hat geschrieben:(28 Apr 2017, 22:40)

Diese Fragen sind nicht mit einem Schlagwort ab zu arbeiten.

Da sind einmal Sofortmaßnahmen, die die Beschäftigung vieler Arbeitnehmer ermöglichen. Investitionen in die Infrastruktur ganz allgemein. Schienennetze, Flughäfen, Nachrichtennetze Funk und Glasfaser, Wärmedämmung. 50 Mrd € in 5 Jahren.

Dann die Modernisierung der französischen Wirtschaft: Umbau der Ausbildungs- und Bildungssysteme zu mehr Praxisnähe, administrative Entlastung von kleinen Unternehmen und Unternehmensgründungen. Der Staat als Helfer im Tagesgeschäft und nicht als strafende Verwaltung bei kleinen Verstößen. Entrümpelung des Vorschriftenwerks. Digitalisierung der Verwaltung auf allen Ebenen. Erfolgskontrollen der Verwaltung (Bearbeitungsdauer, Kundenzufriedenheit)


Steuerliche Entlastung von Unternehmen, die Arbeitsverträge ohne Zeitbegrenzung bereit stellen und Zusatzbelastung für Zeitarbeit. Arbeitszeiten und Randbedingungen mit den Sozialpartnern auf Betriebsebene festlegen, nicht mit dem Staat.

Bitte, das ist nicht das vollständige Programm, das man auf 34 Seiten sehr schön gegliedert nachlesen kann! Es lohnt sich möglicherweise, dieses Programm zur Meßlatte auch für deutsche Politik zu benutzen, um unsere deutschen Lebensbedingungen mit jenen Frankreichs zu harmonisieren und zu synchronisieren.

Interessant auch, daß der Präsident Macron beabsichtigt, den Fortschritt seines Programms jährlich Punkt für Punkt in einem Rechenschaftsbericht vor zu tragen.


Ich habe mich mit den Programmen von Macron, Le Pen, Melenchon, FIllion and Dupon Aignan beschäftigt un mMn haben ALLE gute Ansätze, welche auch realpolitisch umsetzbar sind - mit Ausnahme vllt Melenchon.
Frau Le Pen möchte ebenso die Unternehmenssteuer auf 24% senken, die Grundsteuer senken, Überstunden sollen steuerfrei werden, alle Steuerklassen (bis auf die Klasse mit über 150.000€ Jahresgehalt) sollen um bis zu 10% entlastet werden etc. pp.

Nehmen wir mal das Beispiel Amiens und Whirlpool. Wie erklärt man dem Arbeiter in Frankreich, dass Globalisierung und Europa das Maß aller Dinge sind, während sein Arbeitspltz nach Polen verlegt wird, da der Arbeitgeber dort deutlich an Lohnkosten und Sozialabgaben sparen kann und mit Sicherheit auch der Arbeitnehmerschutz (Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Ruhezeiten etc) nicht auf franz. Niveau sind. Des Weiteren kann der Arbeitgeber das im Niedriglohnland produzierte Endprodukt - dank Globalisierung - zollfrei nach Westeuropa exportieren und dort zu westeuropäischen Preisen verkaufen.
Europa ist in seiner momentanen Konstellation eine ausgeartete Missgeburt. Die wirtschaftlichen, ökonomischen Unterschiede zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich, NL und Skandinavien zu Süd- Ost und Südosteuropa sind zu groß. Deshalb wäre es vernünftig den freien Waren- und Personenverkehr auf den alten Schengenraum zu begrenzen.
Des Weiteren hat der Internationalismus meiner Meinung nach einfach ausgedient. Und das werden auch immer mehr Arbeiter und Angestellte begreifen, es ist nur eine Frage der Zeit.
Es ist eben nicht das internationale Proletariat, welches den Arbeiter/Angestellten schützt, sondern ein starker Nationalstaat, der sein schützendes Schild vor die Arbeiterschaft erhebt um diese vor den neoliberalen Auswüchsen dieser entfesselten Globalisierung und vor Zuwanderung in den Arbeits-/Wohnungsmarkt zu bewahren.
Die internationale Solidarität mit chinesischen Fabriksarbeitern und malayischen Bergarbeitern ist illusorisch und sorgt nur dafür das man dem simplen Faktum nicht ins Gesicht sehen muss. Unter dem Deckmantel der Humanität können Unternehmen/Lobbyisten für mehr "Fachkräfte" (= mehr Konsumenten und mehr billige Arbeitskräfte) werben, was auch noch schön durch unsere Politik und Medienlandschaft gefördert wird. ES findet mMn eine unglaubliche - zT direkte, zT subtile - Indoktination der Gesellschaft statt. Entweder du bist der tolle weltoffene liberale Mensch, oder der böse, abschottende Nationalist. Denn die viel beschworene "Internationale" der Arbeiter existierte nur in Sonntagsreden von hauptamtlichen Sozialisten. Nicht umsonst nennt man die früheren "Proletarier" heute gerne "Globalisierungsverlierer" und "Prekariat", meistens mit der Attitüde des Herablassenden, aus der Perspektive derer, die von dieser Entwicklung (noch) nicht betroffen sind.
Die erst Form des Internationalismus war die weltweite Arbeitsteilung, die viele Industrien in den klassischen Industrieländern kaputt machte. Die zweite Form erleben wir derzeit; eine Form der "internationalen Solidarität", welche unter den Stichworten "no border" und "Weltoffenheit" eine Massenzuwanderung begrüßt und befördert, welche das "Prekariat" geradewegs in noch prekärere Situationen führt.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Senexx » Sa 29. Apr 2017, 01:17

H2O hat geschrieben:(28 Apr 2017, 22:40)

Diese Fragen sind nicht mit einem Schlagwort ab zu arbeiten.

Da sind einmal Sofortmaßnahmen, die die Beschäftigung vieler Arbeitnehmer ermöglichen. Investitionen in die Infrastruktur ganz allgemein. Schienennetze, Flughäfen, Nachrichtennetze Funk und Glasfaser, Wärmedämmung. 50 Mrd € in 5 Jahren.

Dann die Modernisierung der französischen Wirtschaft: Umbau der Ausbildungs- und Bildungssysteme zu mehr Praxisnähe, administrative Entlastung von kleinen Unternehmen und Unternehmensgründungen. Der Staat als Helfer im Tagesgeschäft und nicht als strafende Verwaltung bei kleinen Verstößen. Entrümpelung des Vorschriftenwerks. Digitalisierung der Verwaltung auf allen Ebenen. Erfolgskontrollen der Verwaltung (Bearbeitungsdauer, Kundenzufriedenheit)


Steuerliche Entlastung von Unternehmen, die Arbeitsverträge ohne Zeitbegrenzung bereit stellen und Zusatzbelastung für Zeitarbeit. Arbeitszeiten und Randbedingungen mit den Sozialpartnern auf Betriebsebene festlegen, nicht mit dem Staat.

Bitte, das ist nicht das vollständige Programm, das man auf 34 Seiten sehr schön gegliedert nachlesen kann! Es lohnt sich möglicherweise, dieses Programm zur Meßlatte auch für deutsche Politik zu benutzen, um unsere deutschen Lebensbedingungen mit jenen Frankreichs zu harmonisieren und zu synchronisieren.

Interessant auch, daß der Präsident Macron beabsichtigt, den Fortschritt seines Programms jährlich Punkt für Punkt in einem Rechenschaftsbericht vor zu tragen.

Ach so, Sie meinen diese 17seitige Grüne-Häkchen-Brochüre? Diese Schlagwortsammlung?

Bei mir hat es nur halb so viel Seiten wie bei Ihnen.

Alles platte Parolen. Unausgegorener Mist.

Großmäulig. Trumpesk.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 06:31

Cat with a whip hat geschrieben:(28 Apr 2017, 23:41)

Erinnert an: Scheiß auf Clinton, lieber Trump gegen das Establishment wählen!

Clinton war Establishment und Trump ist Establishment.
Genauso wie Macron und Le Pen.
Das Problem war, daß Clintons Wahlsieg lange vor den Wahlen feststand.
In Frankreich hört es sich auch so an.
Die Leute merken das und fragen sich, ob es schlimm wäre, den Ultraoptimisten eins auszuwischen, indem sie das Kreuz mal antizyklisch setzen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 09:19

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 00:07)

...

Nehmen wir mal das Beispiel Amiens und Whirlpool. Wie erklärt man dem Arbeiter in Frankreich, dass Globalisierung und Europa das Maß aller Dinge sind, während sein Arbeitspltz nach Polen verlegt wird, da der Arbeitgeber dort deutlich an Lohnkosten und Sozialabgaben sparen kann und mit Sicherheit auch der Arbeitnehmerschutz (Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Ruhezeiten etc) nicht auf franz. Niveau sind. Des Weiteren kann der Arbeitgeber das im Niedriglohnland produzierte Endprodukt - dank Globalisierung - zollfrei nach Westeuropa exportieren und dort zu westeuropäischen Preisen verkaufen.

...
...


Ihren gesamten Beitrag möchte ich nicht aufgreifen... das würde zu lang.

Mit dem Fall "Whirlpool" habe ich mich durch Zufall etwas ausgiebiger beschäftigt. Dabei handelt es sich um einen US-amerikanischen Investor, der schwächelnde Unternehmen der "Weißware" aufgekauft und unter dem Namen "Whirlpool" zusammengefaßt hat. Mir ist aufgefallen, daß die Waschmaschinen (Halbe Breite) verdammt nach Bauknecht aussehen. Da gibt es aber auch noch Zanussi und andere unter diesem neuen Markenzeichen. Wie das französische Unternehmen zuvor hieß, das dort in Amiens nun in die Abwicklung gerät, das kann ich Ihnen nicht sagen.

Völlig klar sucht dieser Investor nach Möglichkeiten, seine Investitionen besonders ertragreich an zu legen. Offenbar gibt es in Polen Regionen, in denen der Investor seine Maschinen günstiger herstellen kann.

Das ist auch keine grundlegend neue Erkenntnis; im Fall AEG wurden die Reststücke der abgewickelten deutschen Großfirma vom Erwerber Elektrolux nach Polen verlegt. Die Geräte heißen sogar weiter "AEG"... wie Sie in Supermärkten herausfinden werden. Oder NOKIA hat in Bochum dicht gemacht und wollte in Rumänien weiter machen. Hat aber nichts geholfen; Vorsprung durch Technik ist auch bei solchen Massenerzeugnissen ein Muß.

Als Folge dieses Wettbewerbs können Sie im Supermarkt etwa eine Whirlpool-Waschmaschine mit halber Breite für 350 € kaufen. Damit kann Whirlpool gegen Samsung oder Panasonic "anstinken". Die Zweigstelle in Frankreich hat sich offenbar auf fleißigen Nachbau von Bauknecht eingestellt... und das ist zu wenig, um in diesem umkämpften Markt bestehen zu können.

Whirlpool kann sich vermutlich aussuchen, seine Investition in Frankreich zu versenken oder in Polen noch einige Jahre zu überleben und das eingesetzte Kapital zu verzinsen. Aus dieser Sicht ist der Plan von Frau LePen idiotisch. Enteignung ist ja schön und gut; nur muß sie den Eigentümer entschädigen. Der schnürt sein Bündel und seine Vorstellungen von Weißware und verschwindet sofort. Die Leute in der Fabrik bauen ihre Maschinen weiter, und Frau LePen übernimmt den Verkauf mit Hilfe der französischen Steuerzahler. Oder schließt die Zollgrenzen für Importe solcher Geräte. Dann wäscht die französische Hausfrau noch in 50 Jahren mit der Technik von 2017.

Aus meiner Sicht ist es vernünftiger, "Palettenware" dort herstellen zu lassen, wo sie günstig hergestellt werden kann, und die Entwicklung dort an zu siedeln, wo die Fachkräfte zur Verfügung stehen. Ein weiterer Weg wäre vielleicht, besonders erfolgreiche Massenprodukte auf vollautomatischen Fertigungsstraßen her zu stellen. Die werden dort aufgebaut, wo das notwendige Fachpersonal für Pflege und Betreuung der Fertigung verfügbar ist.

Klar, ein Land kann sich einigeln. Das hatten wir in Albanien mit ganz besonders schlimmen Folgen für die eingesperrten Menschen.

Frau LePen hat sich mit solchen Zusammenhängen nicht ernsthaft beschäftigt. Sie würde ihr Land in Windeseile gegen die Wand fahren, weil die in Frankreich hergestellten Waren sehr schnell nicht mehr zu verkaufen wären. Zollgrenzen wirken auch in beiden Richtungen.

Der europäische Ansatz ist der klügere... doch wohl der Grund für Herrn Macron, der Gemeinsamkeit und Offenheit in der EU das Wort zu reden, und der französischen Wirtschaft ein umfangreiches Modernisierungsprogramm angedeihen zu lassen mit der Kette Bildung, Ausbildung, Innovation, Firmengründungen und, und... Kurzerhand: Die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erreichen.

Enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft auf allen Gebieten sollte man ihm anbieten, ganz so wie er es sich auch vorstellt. Wir Deutschen brauchen ein auch wirtschaftlich starkes und selbstbewußtes Frankreich als Herausforderung!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 29. Apr 2017, 09:27

unity in diversity hat geschrieben:(29 Apr 2017, 06:31)

Clinton war Establishment und Trump ist Establishment.
Genauso wie Macron und Le Pen.
Das Problem war, daß Clintons Wahlsieg lange vor den Wahlen feststand.
In Frankreich hört es sich auch so an.
Die Leute merken das und fragen sich, ob es schlimm wäre, den Ultraoptimisten eins auszuwischen, indem sie das Kreuz mal antizyklisch setzen.

Beides ist "antizyklisch", sowohl der Ultraoptimismus wie auch der Ultrapessimismus. Man könnte aber auch sagen, der Zyklus der rechtspopulistischen Welle werde mit Rutte und Macron gebrochen, dann wäre es antizyklisch. Oder man sieht einen Zyklus der liberalen Konsolidierungswelle zeitlich umfassender.... Es hängt letztlich vom Betrachter ab.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 09:31

Senexx hat geschrieben:(29 Apr 2017, 01:17)

Ach so, Sie meinen diese 17seitige Grüne-Häkchen-Brochüre? Diese Schlagwortsammlung?

Bei mir hat es nur halb so viel Seiten wie bei Ihnen.

Alles platte Parolen. Unausgegorener Mist.

Großmäulig. Trumpesk.


In Ihren Bewertungen sind Sie immer wieder bemerkenswert treffsicher. Um wie viele Präsidentschaften haben Sie sich denn inzwischen erfolgreich beworben?
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon unity in diversity » Sa 29. Apr 2017, 09:50

DarkLightbringer hat geschrieben:(29 Apr 2017, 09:27)

Beides ist "antizyklisch", sowohl der Ultraoptimismus wie auch der Ultrapessimismus. Man könnte aber auch sagen, der Zyklus der rechtspopulistischen Welle werde mit Rutte und Macron gebrochen, dann wäre es antizyklisch. Oder man sieht einen Zyklus der liberalen Konsolidierungswelle zeitlich umfassender.... Es hängt letztlich vom Betrachter ab.

Das Problem besteht darin, daß die Antiliberalen nach einer gewonnenen Wahl, kaum noch abgewählt werden können. Dazu basteln sich die Autokraten ein Wahlrecht zusammen, mit dem ihre Macht nur noch bestätigt werden kann. Siehe Konzept Erdowahn.
Ursache ist das vorherige Versagen der Liberalen, weil sie den Begriff Liberalismus immer enger ausgelegt haben.
Auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Das kann nicht gutgehen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon gegenkriegundgewalt » Sa 29. Apr 2017, 10:00

@H2O: Das von Ihnen aufgezählte Programm ist mMn das typische neoliberale "Modernisierungsgeschwafel" um auf Umwegen folgendes zu erreichen: mehr Privatisierung, Drücken von Lohnkosten und Sozialabgaben und mehr Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt.
Denn auf mein entscheidendes Problem sind Sie nicht eingegangen: das wirtschaftliche und ökonomische Ungleichgewicht zwischen West- und Nordeuropa zu Süd-/Ost- und Südosteuropa. Dieses Ungleichgewicht - welches sich v.a. bei den Lohnkosten, Sozialabgaben und Arbeitsschutz widerspiegelt - wird zu immer mehr Verlagerung von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten in Billiländer führen, es sei denn, die westeuropäischen AN sind bereit immer weniger zu verdienen. Aber wo soll das endend? Ist es wirklich die einzige Alternative, unser Lohnniveau und die Arbeitsschutzstandards sukzessiv auf das Niveau Osteuropas senken, nur um wettbewerbsfähig zu bleiben!?! Langfristig sogar eine Absenkung auf das Niveau von Asien/Afrika, mit Ausnahme einiger hochbezahlter Ingenieure und Ärzte?

Und Ihr Bild von Frankreich ist mMn auch sehr einseitig. Es gibt viele viele Ökonomen die ein diferenzierteres Bild von der franz. Wirtschaft und Arbeitsmarktsituation ziehen, das deutlich positiver ist. Eins ist sicher, die Franzosen werden - zu Recht - nie und nimmer eine Agenda 2010 über sich ergehen lassen. Rentenniveau auf 48%, immer mehr Zeitarbeit, Teilzeit und Befristung. Und das bei gleichzeitig höchsten Sozialabgaben der Welt. Haha
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Senexx » Sa 29. Apr 2017, 10:23

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 10:00)

@H2O: Das von Ihnen aufgezählte Programm ist mMn das typische neoliberale "Modernisierungsgeschwafel" um auf Umwegen folgendes zu erreichen: mehr Privatisierung, Drücken von Lohnkosten und Sozialabgaben und mehr Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt.
Denn auf mein entscheidendes Problem sind Sie nicht eingegangen: das wirtschaftliche und ökonomische Ungleichgewicht zwischen West- und Nordeuropa zu Süd-/Ost- und Südosteuropa. Dieses Ungleichgewicht - welches sich v.a. bei den Lohnkosten, Sozialabgaben und Arbeitsschutz widerspiegelt - wird zu immer mehr Verlagerung von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten in Billiländer führen, es sei denn, die westeuropäischen AN sind bereit immer weniger zu verdienen. Aber wo soll das endend? Ist es wirklich die einzige Alternative, unser Lohnniveau und die Arbeitsschutzstandards sukzessiv auf das Niveau Osteuropas senken, nur um wettbewerbsfähig zu bleiben!?! Langfristig sogar eine Absenkung auf das Niveau von Asien/Afrika, mit Ausnahme einiger hochbezahlter Ingenieure und Ärzte?

Und Ihr Bild von Frankreich ist mMn auch sehr einseitig. Es gibt viele viele Ökonomen die ein diferenzierteres Bild von der franz. Wirtschaft und Arbeitsmarktsituation ziehen, das deutlich positiver ist. Eins ist sicher, die Franzosen werden - zu Recht - nie und nimmer eine Agenda 2010 über sich ergehen lassen. Rentenniveau auf 48%, immer mehr Zeitarbeit, Teilzeit und Befristung. Und das bei gleichzeitig höchsten Sozialabgaben der Welt. Haha

Sie werfen schon einige richtige Fragen auf, aber Ihre Gedanken sind ziemlich ungeordnet und widersprüchlich.

Gegen die Globalisierung im allgemeinen ist kein Kraut gewachsen. Sie ist nicht zu verhindern. Und gegen die Abwanderung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa im Speziellen auch kaum. Es hilft also nicht, darüber zu jammern und zu glauben, man könnte das Rad einfach so zurückdrehen. Aber man muss dem nicht einfach tatenslos zusehen und die Hände in den Schoß legen und eine Politik treiben, die diese Prozesse auch noch befeuert. Man kann eine Menge tun und Maßnahmen entwickeln, die die Folgen abmildern und auch hierzulande neue Arbeitsplätze und Industrien schaffen. Dies ist eine längere Diskussion und nicht in ein paar Schlagworten abzuhandeln, weshalb ich hier an dieser Stelle auch gar nicht damit beginnen möchte.

Ja, die Franzosen haben die höchste Abgabenlast wahrscheinlich auf der Welt. Und nein, Frankreich liegt wirtschaftlich am Boden. Und beides hängt miteinander zusammen. Will Frankreich gesunden, muss es von der 35 Stunden-Woche weg, von der Pensionierung mit unter 60 usw. Aber weder Macron noch Le Pen sind dazu die Richtigen. Frankreich braucht viele Strukturreformen, angefangen vom Arbeitsmarkt, dem (Aus-)Bildungssystem.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Sa 29. Apr 2017, 10:37

gegenkriegundgewalt hat geschrieben:(29 Apr 2017, 10:00)

@H2O: Das von Ihnen aufgezählte Programm ist mMn das typische neoliberale "Modernisierungsgeschwafel" um auf Umwegen folgendes zu erreichen: mehr Privatisierung, Drücken von Lohnkosten und Sozialabgaben und mehr Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt.
Denn auf mein entscheidendes Problem sind Sie nicht eingegangen: das wirtschaftliche und ökonomische Ungleichgewicht zwischen West- und Nordeuropa zu Süd-/Ost- und Südosteuropa. Dieses Ungleichgewicht - welches sich v.a. bei den Lohnkosten, Sozialabgaben und Arbeitsschutz widerspiegelt - wird zu immer mehr Verlagerung von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten in Billiländer führen, es sei denn, die westeuropäischen AN sind bereit immer weniger zu verdienen. Aber wo soll das endend? Ist es wirklich die einzige Alternative, unser Lohnniveau und die Arbeitsschutzstandards sukzessiv auf das Niveau Osteuropas senken, nur um wettbewerbsfähig zu bleiben!?! Langfristig sogar eine Absenkung auf das Niveau von Asien/Afrika, mit Ausnahme einiger hochbezahlter Ingenieure und Ärzte?

Und Ihr Bild von Frankreich ist mMn auch sehr einseitig. Es gibt viele viele Ökonomen die ein diferenzierteres Bild von der franz. Wirtschaft und Arbeitsmarktsituation ziehen, das deutlich positiver ist. Eins ist sicher, die Franzosen werden - zu Recht - nie und nimmer eine Agenda 2010 über sich ergehen lassen. Rentenniveau auf 48%, immer mehr Zeitarbeit, Teilzeit und Befristung. Und das bei gleichzeitig höchsten Sozialabgaben der Welt. Haha


Sind für Sie die Menschen Mitteleuropas (Osteuropa liegt bei Ihnen wo?) Menschen, die sich nie aus ihrer unverschuldeten Armut heraus arbeiten dürfen? Mir ist klar, daß diesen Menschen das nur gelingt, wenn wir sie an unserer Wirtschaft beteiligen, sie Waren und Dienstleistungen erzeugen lassen, die überall verkauft werden können. Das bißchen Querfinanzierung über europäische Regionalfonds kann dies nicht leisten, obwohl auch das schon hilft, vor Ort die Lebensbedingungen zu verbessern. Eine Studienreise nach Polen sei Ihnen empfohlen!

Dort steigt der Wohlstand allmählich an, so daß man dort französischen Wein, französischen Käse bei Lidl, Netto und Intermarché kaufen kann, französische Autos zum Straßenbild gehören.

Ich finde es ziemlich daneben, aus dieser notwendigen Entwicklung eine europäische Schieflage ab zu leiten. Das ist der Hintergrund von "La France d'abord!" und "America first!".

Das Ziel unseres europäischen Projekts ist doch wohl, überall in Europa ungefähr gleiche Lebenschancen durch Arbeit und Leistung herbei zu führen, damit unsere Gemeinschaft in wenigen Jahrzehnten wirtschaftlich überhaupt noch wahrgenommen wird. Andere wiederum sehen unsere Sicherheit als wesentlichen Antrieb. Auch das ist sicher richtig.

Diese Ziele kommen nur durch verständige Zusammenarbeit in Reichweite. Das hat Herr Macron auch erkannt, und er hat wesentliche Felder der französischen Aufholjagd benannt, mit vielen kleinen Stellschrauben, Feld für Feld. Am Ende jeden Jahres seiner Präsidentschaft sollen die Mitbürger mit ihm zusammen den Erfüllungsgrad dieser Maßnahmen überprüfen. Das Vorgehen nötigt mir Respekt ab... und ich sehe sehr zustimmend, daß Herr Macron ganz besonders die Zusammenarbeit mit uns Deutschen sucht. Diesen Ball sollten wir mit Freuden annehmen, um das europäische Projekt zum Gelingen zu führen.

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