Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » So 7. Apr 2019, 04:49

Deutschland steht in der NATO am Pranger, weil wir zu wenig Mittel für unsere Verteidigungsbereitschaft aufwenden. Tatsächlich hat die Bundeswehr große Schwierigkeiten, das dazu notwendige qualifizierte Personal zu finden und zu halten. Weiterhin scheint die Forderung nach 2% des Brutto-Sozialprodukts für Verteidigung reichlich übertrieben zu sein, weil damit allein Deutschland durch seinen wirtschaftlichen Erfolg bedingt mehr Mittel aufwenden würde als Rußland, das ja als mutwilliger Aggressor in Schach gehalten werden soll.

Wie wäre es denn, wenn die Bundeswehr eine Art Patenschaft für Truppenteile in EU-Partnerstaaten übernähme, die unter der Verteidigungslast ächzen? Eine vertraglich zugesicherte Beteiligung an deren Kosten hätte auch wegen der wirtschaftlichen Lage dieser Länder einen weitaus höheren Wirkungsgrad... der Wehrsold dürfte dort weitaus geringer ausfallen als bei einer Aufstockung der Bundeswehr. Weiterhin könnte die deutsche wehrtechnische Industrie sich dort einen Absatzmarkt schaffen, der allein unserer Verteidigung zu gute kommt. Das zu liefernde wehrtechnische Material bezahlt eben der Bundesverteidigungsminister.

Über solche Partnerschaften und auch Durchmischungen (Ausbildung in Deutschland, Dienst danach "zu Hause") ließen sich auch enge persönliche Bindungen auf allen Ebenen der verbündeten Streitkräfte und Vertragspartner aufbauen. Die NATO und oder die EU müßten dann eine Art Qualitätskontrolle über die bereit gestellte Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit der Vertragspartner entwickeln.
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » So 7. Apr 2019, 14:11

Das Problem liegt nicht allein in den zu niedrigen Verteidigungsausgaben der meisten europäischen Staaten. Meines Wissens erfüllen nur vier von ihnen das Zwei-Prozent-Ziel. Es gibt vielmehr ein strukturelles Problem: Von dem Geld, das die europäischen Staaten für Verteidigung/Militär ausgeben, fließt zu wenig tatsächlich in die Ausrüstung der Truppen. Das hängt mit der gegenwärtig noch vorherrschenden Zersplitterung bei der Beschaffung von Waffensystemen zusammen. Die einzelnen Nationen der EU entwickeln zum Beispiel Ausrüstung und Waffen immer noch vorwiegend für den Eigenbedarf. Sie stellen also in der Regel nur kleine Stückzahlen her, was die Stückkosten dann erhöht (Entwicklungskosten müssen ja auf die zahl der produzierten Systeme umgelegt werden). Eine Lösung wäre es, Waffensysteme gemeinsam zu entwickeln und zu beschaffen. Dazu gibt es mittlerweile gute Ansätze.

An den Personalproblemen der Bundeswehr lässt sich auf die Weise natürlich nichts ändern. Es erweist sich jetzt als fataler Fehler, die Wehrpflicht abzuschaffen und die Bundeswehr auf unter 200.000 Mann abzurüsten. In den 4-plus-2-Gesprächen war seinerzeit mit Russland eine Personalstärke von 370.000 Mann als Obergrenze vereinbart.

Im Übrigen bin ich auch der Ansicht, dass die 2-Prozent-Marke nicht erreicht werden muss. Fasst man die Verteidigungsausgaben aller EU-Staaten zusammen, kommt man auf den zweithöchsten Militäretat der Welt. Schon jetzt. Das sollte eigentlich ausreichen, um in Europa schlagkräftige Truppen mit guter Durchhaltefähigkeit zu unterhalten.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 8. Apr 2019, 12:01

@ Kohlhaas:

Dieser Gedanke läßt sich bestimmt umsetzen: Die befreundeten Nationen entwickeln ihr gemeinsames Verteidigungskonzept, Deutschland baut auf eigene Kosten das Material für die Gemeinschaft und beliefert sie zu weniger als Fertigungskosten. Dann könnte man die industrielle Fähigkeit Deutschlands für die Verteidigung kostengünstig nutzen, und alle hätten das Material, das sie sich gemeinsam überlegt und gewünscht haben. So käme man vielleicht auch um die immer wieder ärgerliche Exportfrage herum: Der Eigenbedarf ist damit groß genug.

Klar, die Abschaffung der Wehrpflicht war ein Schildbürgerstreich. Nicht etwa deshalb, weil Wehrpflichtige einen besonders aufregenden Beitrag zur Verteidigung in unseren hochtechnisierten Armeen leisten, sondern weil sie die Mitverantwortung für den Schutz unserer Gesellschaft vor fremder Bedrückung übernehmen und die Bundeswehr damit an die ganz gewöhnlichen Mitbürger anschließt. Es war ab zu sehen, daß sich allein mit der Aussicht, sich mit einem ganz guten Gehalt im bunten Rock zu betätigen, genau diese ganz gewöhnlichen Mitbürger sich dort nicht einfinden werden. Aus meiner Sicht muß eine Armee das Vertrauen der Mitbürger verdienen, und das geht am ehesten, wenn dort die eigenen Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten dafür sorgen. Nur so hat die Bundeswehr Zugriff auf die Menschen, die sie idealerweise braucht.

Nebenbei: 370.000 deutsche Soldaten wären gar nicht erforderlich, wenn man das Partnerschaftsverfahren mit allseits gutem Willen durchzöge.

In Summe hätte die EU dann schon mehr Soldaten im Dienst als ihre möglichen Gegner. Man muß eben dafür sorgen, daß die Summe ihrer Anteile auch wirklich mehr ist als die einfache Summe!
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » Mo 8. Apr 2019, 13:47

H2O hat geschrieben:(08 Apr 2019, 12:01)Dieser Gedanke läßt sich bestimmt umsetzen: Die befreundeten Nationen entwickeln ihr gemeinsames Verteidigungskonzept, Deutschland baut auf eigene Kosten das Material für die Gemeinschaft und beliefert sie zu weniger als Fertigungskosten.

Dann würde die Wirtschaft der anderen Mitgliedsstaaten nicht profitieren und Deutschland müsste das Militär der Partner "mitfinanzieren". Die Verteidigungsausgaben reichen aber schon jetzt nicht, um die eigenen Streitkräfte angemessen auszurüsten.

Klar, die Abschaffung der Wehrpflicht war ein Schildbürgerstreich. Nicht etwa deshalb, weil Wehrpflichtige einen besonders aufregenden Beitrag zur Verteidigung in unseren hochtechnisierten Armeen leisten, sondern weil sie die Mitverantwortung für den Schutz unserer Gesellschaft vor fremder Bedrückung übernehmen und die Bundeswehr damit an die ganz gewöhnlichen Mitbürger anschließt.

Der "Staatsbürger in Uniform". Genau so sehe ich das auch. Von hoher Bedeutung ist aber vor allem auch der Umstand, dass die Bundeswehr zu Wehrpflichtzeiten die Mehrzahl ihrer Zeit- und Berufssoldaten aus dem Kreis der Wehrpflichtigen rekrutieren konnte. Viele junge Leute, die zu Schulzeiten nie darauf gekommen wären, Soldat zu werden, haben erst in der Wehrdienstzeit festgestellt, dass diese Laufbahn für sie interessant sein könnte.

Nebenbei: 370.000 deutsche Soldaten wären gar nicht erforderlich, wenn man das Partnerschaftsverfahren mit allseits gutem Willen durchzöge.

In Summe hätte die EU dann schon mehr Soldaten im Dienst als ihre möglichen Gegner. Man muß eben dafür sorgen, daß die Summe ihrer Anteile auch wirklich mehr ist als die einfache Summe!

Ob es unbedingt 370.000 sein müssten, mag ich gar nicht beurteilen. 200.000 sind aber definitiv zu wenig, um alle Aufgaben zu erfüllen, die dem Militär von der Politik übertragen werden. Mehr Soldaten als ihre möglichen Gegner hat die EU übrigens schon jetzt unter Waffen.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 8. Apr 2019, 19:57

@Kohlhaas:

Eine Wirtschaft "profitiert" doch nicht, wenn sie Wehrmaterial nur für den eigenen Bedarf herstellt. Unter anderen Zielen ist dieser Gedanke in meinen Vorschlag eingeflossen. Da werden eine ganze Menge Leute zu Lasten der Steuerzahler mit teuren Technologien und Fertigungen befaßt. Was bringt das, wenn niemand das Zeug abkaufen soll, sondern er es zu Herstellungskosten erwerben kann? Dann ist eine Menge deutsches Geld für Verteidigung angelegt, und Präsident Trump darf sich beruhigen.

Ja, das "Mitfinanzieren" sollte Deutschland durchaus als Aufgabe annehmen; dazu muß natürlich vorausgesetzt werden, daß diese Kosten als deutscher Beitrag gelten. Wir wollten doch ohnehin auf eine europäische Streitmacht hinarbeiten. So könnte man sich diesem Ziel Schritt für Schritt nähern und das Vertrauen schaffen, das heute noch nicht so weit entwickelt ist.

Ja, in Sachen Wehrpflicht sind wir uns völlig einig. Ich sah auch den Vorteil, daß in einer Wehrpfichtarmee das Interesse der jungen Leute an der Verteidigung unserer Gesellschaft geweckt werden könnte, die von allein gar nicht auf den Gedanken gekommen wären, sich dort als Lebensaufgabe ein zu bringen.

Um Himmelswillen! ich bin gedanklich weder auf 370.000 Soldaten noch auf 200.000 Soldaten festgelegt. Meine Überlegung setzt immer wieder bei der gemeinsamen Streitmacht an und den Aufgaben, denen sich diese Streitmacht stellen muß. Auch da schüfe die Wehrpflicht eine vernünftige Notreserve, die man bei dringendem Bedarf abrufen könnte. Man stelle sich die Zeitverluste heute vor, wenn ein solcher Notfall einträte und man solche Kräfte ausbilden und überhaupt erst einmal ansammeln müßte.
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » Mo 8. Apr 2019, 20:13

H2O hat geschrieben:(08 Apr 2019, 19:57)

@Kohlhaas:

Eine Wirtschaft "profitiert" doch nicht, wenn sie Wehrmaterial nur für den eigenen Bedarf herstellt.

Stimmt. Aber alle Beteiligten profitieren davon, wenn sie Waffensysteme gemeinsam entwickeln und gemeinsam fertigen. Bei Großprojekten (Schiffe, Eurofighter, Meteor-Rakete etc....) ist das ja in kleineren Kreisen schon eingeübt. Auch bei Kleinwaffen wird es auch zunehmend "hoffähig". So haben Frankreich und Norwegen ein deutsches Sturmgewehr als Standardwaffe eingeführt, Deutschland beschafft britische Scharfschützengewehre... Es wollen eben alle nicht nur Abnehmer von Produkten der deutschen Rüstungsindustrie sein, sondern solche Waffen auch im eigenen Land fertigen. Ist ja auch gar kein Problem. Teuer wird die Sache nur, wenn unterschiedliche Systeme im Einsatz sind, die nicht miteinander kompatibel sind.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 8. Apr 2019, 20:59

Kohlhaas hat geschrieben:(08 Apr 2019, 20:13)

Stimmt. Aber alle Beteiligten profitieren davon, wenn sie Waffensysteme gemeinsam entwickeln und gemeinsam fertigen. Bei Großprojekten (Schiffe, Eurofighter, Meteor-Rakete etc....) ist das ja in kleineren Kreisen schon eingeübt. Auch bei Kleinwaffen wird es auch zunehmend "hoffähig". So haben Frankreich und Norwegen ein deutsches Sturmgewehr als Standardwaffe eingeführt, Deutschland beschafft britische Scharfschützengewehre... Es wollen eben alle nicht nur Abnehmer von Produkten der deutschen Rüstungsindustrie sein, sondern solche Waffen auch im eigenen Land fertigen. Ist ja auch gar kein Problem. Teuer wird die Sache nur, wenn unterschiedliche Systeme im Einsatz sind, die nicht miteinander kompatibel sind.


Ja, warum nicht; dann sind die Spendierhosen eben etwas enger genäht. Ich dachte auch an weniger gut aufgestellte Partner, denen man mit derartigen Geschenken einen wirklichen Gefallen tut, daß sie in Menge und Qualität das Material bekommen, das sie sich wünschen. Den USA würde ich das Verfahren nicht anbieten... :)
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » Di 9. Apr 2019, 11:31

Okay, dann habe ich Deine Aussagen falsch interpretiert. Ja, diese Art der "Subventionierung" ist dann natürlich sinnvoll und nutzt beiden Seiten. Wenn mich nicht alles täuscht, ist mit den Niederlanden etwas ähnliches sogar schon vereinbart worden. Deren Panzertruppen werden mit Leopard-Panzern ausgerüstet, die im Eigentum der Bundesrepublik verbleiben. Wenn die Niederlande die Panzer mal für eigene "nationale" Zwecke benötigen sollten, können sie sie von der Bundeswehr "leasen"...
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 56524
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon zollagent » Mi 10. Apr 2019, 14:38

H2O hat geschrieben:(08 Apr 2019, 20:59)

Ja, warum nicht; dann sind die Spendierhosen eben etwas enger genäht. Ich dachte auch an weniger gut aufgestellte Partner, denen man mit derartigen Geschenken einen wirklichen Gefallen tut, daß sie in Menge und Qualität das Material bekommen, das sie sich wünschen. Den USA würde ich das Verfahren nicht anbieten... :)

So weit ich weiß, gab es das auch schon in der Vergangenheit, verbrämt benannt unter "NATO-Auftrag". Da bekamen die Türken, die Griechen, die Portugiesen Fregatten und Zerstörer, auch die Bundesmarine bekam ihre ersten Zerstörer (Fletchers) auf diese Weise. Sie hat sie dann am Ende der Dienstzeit letztlich von den Amerikanern gekauft. Nur so durfte sie sie verschrotten oder an andere NATO-Marinen weitergeben.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mi 10. Apr 2019, 14:55

Ja, das Geld für die Aufrüstung der Bundeswehr ist wohl grundsätzlich vorhanden; aber es geht uns allen doch um die gemeinsame Verteidigung. Wir bekommen den Personalaufwuchs nicht ohne böse Verrenkungen hin. Unsere weniger wohlhabenden Partner hätten vielleicht die Menschen, aber nicht die Mittel oder die Ausrüstung. Wenn das gegenseitige Vertrauen gewiß ist, dann sind diese Soldaten so wichtig wie unsere eigenen jungen Leute.

Man muß das alles ja nicht lupenrein inszenieren, aber wenn unsere europäische Verteidigungsfähigkeit sich damit verbessern läßt... warum nicht! Auch so kommt man der europäischen Armee näher... wenn man sich gleichgesinnte Partner sucht.
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » Mo 17. Jun 2019, 18:55

https://augengeradeaus.net/2019/06/weit ... rzeichnet/

Frankreich und Deutschland gehen einen weiteren Schritt in Richtung gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik. In Paris wurden Verträge über die gemeinsame Entwicklung eines europäischen Kampfflugzeugs (samst Luftverteidigungssystem; unter französischer Führung) und eines neuen Kampfpanzers (ebenfalls als Teil eines Gesamtsystems zu betrachten; unter deutscher Führung) unterzeichnet worden. Spanien ist dem Projekt zur Flugzeugentwicklung offiziel beigetreten. Belgien soll Interesse bekundet haben. Ein ähnliches Entwicklungsprojekt für Artilleriewaffen ist wohl in der Planung.

Die jetzt vereinbarte deutsch-französische Zusammenarbeit geht wohl auf das Aachener Abkommen aus dem Januar zurück, mit dem Deutschland und Frankreich eine weitgehende "Integration" beider Nationen vereinbart haben, die über die Ziele der Europäischen Union deutlich hinausgeht. Da zeichnet sich für mich die Basis der "europäischen Armee" ab. Auch ein Zeithorizont wird jetzt klarer: Gut 20 Jahre.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Sa 22. Jun 2019, 08:13

Genau so geht schrittweise Integration der Verteidigung: Zuerst harmonisiert man die Waffensysteme, Stück für Stück, danach schafft man gemeinsame Ausbildungs- und Übungsprogramme und ganz am Ende steht dann eine gemeinsame Streitmacht aus einem Guß.

In der Zeit hat sich auch die EU als Gemeinschaft weiter entwickelt, so daß vermutlich auch die gemeinsame politische Führung der europäischen Streitkräfte kein Traum bleiben muß.
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » So 23. Jun 2019, 18:17

Was Deutschland und Frankreich im Aachener Abkommen vereinbart haben, geht deutlich über die Integration innerhalb der EU hinaus. Wenn das ernst gemeint ist. Weiß man ja nicht. Auch die beiden vereinbarten Militärprojekte sind weitaus größer und tiefgreifender als alles, was es bisher gab. Auch dabei gilt natürlich: Wenn das ernst gemeint ist.... Gab ja schon früher gemeinsame Projekte, die dann geplatzt sind. Ich hoffe, diesmal läuft es anders. Das würde Europa einen großen Schritt voran bringen.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 38656
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Tom Bombadil » So 23. Jun 2019, 18:41

I have a dream: Aachen, Weihnachten 2050: 1250 Jahre nach der Krönung Karls des Großen in Rom, verkünden Frankreich und Deutschland die Vereinigung zu einem Staat.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Kohlhaas
Beiträge: 369
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Kohlhaas » So 23. Jun 2019, 19:05

Hatten wir ja schonmal. 9. Jahrhundert. Karl der Große. Und wenn man das Aachener Abkommen so liest, dann ist genau das der Plan. Würde ich voll begrüßen.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » So 23. Jun 2019, 23:07

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Jun 2019, 18:41)

I have a dream: Aachen, Weihnachten 2050: 1250 Jahre nach der Krönung Karls des Großen in Rom, verkünden Frankreich und Deutschland die Vereinigung zu einem Staat.


Nichts dagegen; auch nicht, wenn Polen mit von der Partie wäre.
Schlettow
Beiträge: 26
Registriert: Mi 19. Jun 2019, 20:08

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Schlettow » Di 25. Jun 2019, 01:46

Die USA wollen ein weltweites Bündnis gegen den Iran aufbauen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von "einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa".

Diese solle bereit sein, den "größten Sponsor des Terrors auf der Welt" zurückzudrängen, sagte Pompeo vor einer Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit beiden Ländern will er über eine gemeinsame strategische Linie reden.

Deutschland wurde bisher noch nicht offiziell zur Beteiligung an der Koalition aufgefordert. Man habe die Initiative Pompeos lediglich "über die Medien zur Kenntnis genommen", sagte der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amts, Christopher Burger.

Der US-Plan erinnert an die "Koalition der Willigen", die den Angriff der Vereinigten Staaten auf den Irak im März 2003 unterstützte. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein.


https://www.tagesschau.de/ausland/usa-iran-153.html

Diese neue "Koalition der Willigen" würde erneut offenbaren, daß es weder eine europäische Außen- noch eine europäische Verteidigungspolitik gibt.

Europa ist eben ein Kontinent der Nationalstaaten, die zwar teilweise gemeinsame, aber eben auch vielfach unterschiedliche Interessen haben.
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 3018
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Ger9374 » Di 25. Jun 2019, 11:08

Na was hätte die Bundeswehr auch zu bieten, fliegen tut kaum noch was, schwimmfähiges auch schwach.
Und Soldaten sind doch auch schon genug in Internationalen Einsätzen.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 24013
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Di 25. Jun 2019, 13:29

Ger9374 hat geschrieben:(25 Jun 2019, 11:08)

Na was hätte die Bundeswehr auch zu bieten, fliegen tut kaum noch was, schwimmfähiges auch schwach.
Und Soldaten sind doch auch schon genug in Internationalen Einsätzen.


Für ein Land mit 80 Mio Einwohnern und der Wirtschaftskraft Deutschlands ist unsere Bundeswehr arg unterentwickelt... praktisch eine fette Beute, die noch von einem Hegemon geschützt wird.

Also, wenn das niemand erkennt, dann muß er mit Blindheit geschlagen sein. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten leistet die Bundeswehr erhebliche Beiträge zur Sicherheit in Unruhegebieten. Unsere Soldaten sollten wir in ihrer Lage deshalb nicht verspotten.

Ich sehe im Zustand der Bundeswehr ganz einfach Politikversagen, mindestens seit dem russischen Aufmarsch in Georgien vor 10 Jahren. Da war schon klar, daß Rußland erneut imperiale Pläne entwickelt.

Zum Material, das nicht fliegt, schwimmt oder rollt: Zumindest bei Großgerät ist in Friedenszeiten vorgesehen, daß 1/3 in der Generalüberholung geparkt ist und ein weiteres Drittel in ganz normalen Wartungsdiensten steckt. Im Kriegsfall würde das Material ungeschmälert bereit stehen. So diese Theorie.
Schlettow
Beiträge: 26
Registriert: Mi 19. Jun 2019, 20:08

Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Schlettow » Di 25. Jun 2019, 16:54

Deutschland würde unter der aktuellen Bundesregierung auch sicher nicht an der US-geführten Koalition gegen den Iran teilnehmen. Aber Polen und Ungarn wären sicher dabei. Möglicherweise auch Tschechien und die baltischen Staaten. Vielleicht auch noch ein paar andere Osteuropäer oder Italien.

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Senexx und 2 Gäste