Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

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Ultra-tifosi
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Ultra-tifosi » Fr 30. Okt 2015, 13:01

im Grunde eine sinnvolle Idee, jeder Staat könnte sich auf einen bestimmten Truppenteil spezialisieren und somit die Schlagkräftigkeit entscheidend erhöhen.

Bsp: Dänemark spezialisiert sich auf maritime Kampfeinheiten (Kampftaucher, Marine, U-Boote)
Schweden, Finnland & Österreich auf Gebirgsjäger & Fallschirmjäger.
Deutschland, Frankreich, Großbrittanien, Polen, Spanien & Italien stellen das Groß des EU-Heers mit Panzerdivisionen, Jägertruppen & eigener Marine & Luftwaffe.
Wobei jeder den Fokus auf eine bestimmte Waffengattung legt (Großbrittanien-> Marine; Deutschland-> Panzer; Frankreich-> Luftwaffe; ec.)

Und Staaten wie Luxemburg, Malta, Zypern können ja den Sanitätsdienst stellen...
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon H2O » Fr 30. Okt 2015, 14:10

Ultra-tifosi » 2015-10-30, 14:01 hat geschrieben:im Grunde eine sinnvolle Idee, jeder Staat könnte sich auf einen bestimmten Truppenteil spezialisieren und somit die Schlagkräftigkeit entscheidend erhöhen.

Bsp: Dänemark spezialisiert sich auf maritime Kampfeinheiten (Kampftaucher, Marine, U-Boote)
Schweden, Finnland & Österreich auf Gebirgsjäger & Fallschirmjäger.
Deutschland, Frankreich, Großbrittanien, Polen, Spanien & Italien stellen das Groß des EU-Heers mit Panzerdivisionen, Jägertruppen & eigener Marine & Luftwaffe.
Wobei jeder den Fokus auf eine bestimmte Waffengattung legt (Großbrittanien-> Marine; Deutschland-> Panzer; Frankreich-> Luftwaffe; ec.)

Und Staaten wie Luxemburg, Malta, Zypern können ja den Sanitätsdienst stellen...


Diese Arbeitsteilung könnte man aber schon innerhalb der NATO
verabreden... was aber für kleinere NATO-Staaten dem Verlust der
Landesverteidigung nahe käme. Schwer vorstellbar...

Der Ausgangspunkt war doch aber, daß man die nationalen Streit-
kräfte zurück schneidet, weil Europa in Summe dann immer noch
eine Streitmacht vom Umfang der Streitkräfte der wesentlichen Groß-
mächte zusammen bekäme. Das Ziel wäre aus meiner Sicht aber
nur in einem politisch verschmolzenen Europa erreichbar. Also bleiben
das auf noch sehr lange Zukunft Träume am Kamin.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Fadamo » Fr 30. Okt 2015, 18:02

zollagent » Fr 30. Okt 2015, 10:07 hat geschrieben:Mir scheint eher, daß Putin im Moment "durchdreht", weil ihm sicher geglaubte Schäfchen von der Fahne gehen. Dein eintrainiertes Feindbild funktioniert nicht mehr.


Der ami und europa haben jetzt erkannt,dass es ohne putin nicht geht.
Putin ist viel schlauer wie manche es glauben.
Sogar haben die amis den erzfeind iran mit ins boot geholt um die syrienkrise zu lösen.
Politik ist wie eine Hure,die kann man nehmen wie man will
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 30. Okt 2015, 19:52

Fadamo » Freitag 30. Oktober 2015, 18:02 hat geschrieben:
Der ami und europa haben jetzt erkannt,dass es ohne putin nicht geht.
Putin ist viel schlauer wie manche es glauben.
Sogar haben die amis den erzfeind iran mit ins boot geholt um die syrienkrise zu lösen.

Man hat erkannt, dass es Probleme gibt und das diese sich nicht von allein auflösen.
In Wien werden auch die Vertreter von Oman, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irak, Ägypten, Italien sowie Jordanien sein.
Wie "schlau" die einzelnen Staatsvertreter sind, vermag ich nicht zu beurteilen, aber klar ist, dass es weit einfacher ist, einen Konflikt destruktiv zu gestalten als ihn zu lösen.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Dampflok94 » Sa 31. Okt 2015, 20:01

H2O » 30. Okt 2015, 12:53 hat geschrieben:
Im gegenwärtigen politischen Zustand der EU sind gemeinsame
Streitkräfte kaum vorstellbar; die hätten genau die beschriebenen
Lähmungen. Die NATO-Verträge bieten dazu einen praktischeren
Rahmen.

Aber ein Kerneuropa mit föderalem Aufbau könnte mit seinem
Parlament über den Einsatz der Streitkräfte entscheiden. Die Führung
dieser Streitkräfte läge dann beim Verteidigngsminister und beim
Kanzler oder Präsidenten der Union. Dann entscheiden demokratisch
legitimierte Organe der Gemeinschaft über diese Streitmacht..

Bis dahin dürfte aber noch sehr viel Wasser den Rhein hinunter fließen,
wenn diese politische Entwicklung zum Kerneuropa überhaupt gelingen
sollte.

Das setzt dann praktisch die Vereinigten Staaten von Europa voraus. Und die sind nicht konkret in Sicht.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 31. Okt 2015, 20:05

idealerweise sollten sich alle Streitkräfte zu einer weltweiten Armee zusammenschließen.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon frems » Sa 31. Okt 2015, 20:17

Dampflok94 » Sa 31. Okt 2015, 20:01 hat geschrieben:Das setzt dann praktisch die Vereinigten Staaten von Europa voraus. Und die sind nicht konkret in Sicht.

Nicht zwangsläufig. Ich kenn jetzt nicht alle Verfassungen, aber das deutsche Grundgesetz sieht explizit vor, daß hoheitliche Aufgaben an supranationale Institutionen abgegeben werden können. Zudem steigt die Integration der Streitkräfte ja. Erst kürzlich übernahmen deutsche Offiziere das Kommando einer deutsch-polnischen Brigade, während deutsche Truppen im Westen Holländern unterstellt sind. Die Benelux-Länder sind da noch weiter und man könnte dort bald transnationale Streitkräfte sehen, so wie es schon diverse Korps seit vielen Jahren gibt. Das könnte zu einer Blaupause für weitere Zusammenlegungen sein.

Und das Thema VSE dürfte bald wieder aufkommen. Spätestens beim Referendum der Briten wird's wieder darum gehen, was führende Politiker vor der "Flüchtlingskrise" schon ansprachen: eine grundlegende Reform der Europäischen Union mit zwei Mitgliedschaftstypen: einmal assoziierte Mitglieder (könnte z.B. UK sein oder auch potentielle neue Mitglieder wie Serbien als Zwischenschritt) und Mitglieder einer staatsähnlichen Föderation ("Kerneuropa"). Der Krieg im Osten der Ukraine hat das Thema Streitkräfte auch wieder befeuert, während man durch diese und andere Krisen schon in vielen Bereichen (Banken, Energie, Asyl, ...) die Integration vorantreibt.

Persönlich glaube ich nicht, daß viele Länder gleich zu Beginn mitmachen werden, insb. jene Länder, die nicht in der Nato sind (z.B. Österreich und Schweden). Aber wenn die Benelux-Länder es vormachen und ggf. Staaten wie Deutschland, Polen und Spanien folgen, wäre das schon einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Bundesregierung steht ja geschlossen hinter der Gründung einer "Europaarmee".
Zuletzt geändert von frems am Sa 31. Okt 2015, 20:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon H2O » Sa 31. Okt 2015, 22:11

frems » 2015-10-31, 21:17 hat geschrieben:Nicht zwangsläufig. Ich kenn jetzt nicht alle Verfassungen, aber das deutsche Grundgesetz sieht explizit vor, daß hoheitliche Aufgaben an supranationale Institutionen abgegeben werden können. Zudem steigt die Integration der Streitkräfte ja. Erst kürzlich übernahmen deutsche Offiziere das Kommando einer deutsch-polnischen Brigade, während deutsche Truppen im Westen Holländern unterstellt sind. Die Benelux-Länder sind da noch weiter und man könnte dort bald transnationale Streitkräfte sehen, so wie es schon diverse Korps seit vielen Jahren gibt. Das könnte zu einer Blaupause für weitere Zusammenlegungen sein.

Und das Thema VSE dürfte bald wieder aufkommen. Spätestens beim Referendum der Briten wird's wieder darum gehen, was führende Politiker vor der "Flüchtlingskrise" schon ansprachen: eine grundlegende Reform der Europäischen Union mit zwei Mitgliedschaftstypen: einmal assoziierte Mitglieder (könnte z.B. UK sein oder auch potentielle neue Mitglieder wie Serbien als Zwischenschritt) und Mitglieder einer staatsähnlichen Föderation ("Kerneuropa"). Der Krieg im Osten der Ukraine hat das Thema Streitkräfte auch wieder befeuert, während man durch diese und andere Krisen schon in vielen Bereichen (Banken, Energie, Asyl, ...) die Integration vorantreibt.

Persönlich glaube ich nicht, daß viele Länder gleich zu Beginn mitmachen werden, insb. jene Länder, die nicht in der Nato sind (z.B. Österreich und Schweden). Aber wenn die Benelux-Länder es vormachen und ggf. Staaten wie Deutschland, Polen und Spanien folgen, wäre das schon einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Bundesregierung steht ja geschlossen hinter der Gründung einer "Europaarmee".


Diesen Traum hege ich genau so, was die Weiterentwicklung
der EU betrifft, und natürlich auch die Entwicklung der euro-
päischen Einsatzarmee.

Ich vermute, daß der Gründung einer europäischen Armee
eine lange Zeit der Eingewöhnung in eine demokratisch
legitimierte europäische Regierung voraus gehen wird; diese
Armee steht eher am Ende dieser europäischen Entwicklung
als an ihrem Anfang.

Auf dem Wege dahin sind aber die angesprochenen bi- und multi-
nationalen Brigaden und Korps der europäischen NATO-Partner
ein Mittel, das Vertrauen in die europäischen Partner fördert, das
aber auch die Normung von Ausrüstungen und Ausbildungsgängen
voran bringen wird. Solche Einheiten lassen sich noch mit Führungs-
personal ausstatten, das die Sprache des jeweiligen Partners so weit
beherrscht, daß schlimme Mißverständnisse ausgeschlossen sind.

Geradezu ein Traum wäre dann erfüllt, wenn ein junger Tscheche
sich für eine Grundausbildung in Dänemark entscheiden könnte,
oder ein Pole sich für die Niederlande entscheiden könnte. Dazu
müsste schon die gemeinsame Kommandosprache eingeführt wir-
den sein... wie soll das sonst jemals funktionieren? Also muß
doch die Weltsprache Englisch schon in den Grundschulen Europas
verpflichtend vorgeschrieben sein... selbst dann, wenn die Briten sich
aus der EU zurück ziehen sollten. Alles andere führt nur zu unfrucht-
baren nationalen Eifersüchteleien und Eitelkeiten!

Hoffentlich geht es uns mit diesen Träumen nicht so wie der Magd
mit dem Korb Eiern auf dem Weg zum Markt... träumt vom Kauf
eines Kalbs vom Erlös der Eier, und patsch, da liegen die vielen
Eier als Rührei im Dreck!
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon frems » Sa 31. Okt 2015, 23:16

So wird's wohl sein, denn so war's ja bisher bei allen größeren Projekten. Langsam wird's konkretisiert und vertieft, während Mitglieder erst nach und nach mitmachen. Ein "großer Wurf" von heute auf morgen erwartet ja keiner und das wäre auch nicht sehr europäisch. Als "sui generis" paßt der jetzige Staatenverbund eh nicht in die Definitionen von Staat und (Kon-)Föderation bzw. Staatenbund und Bundesstaat. Das entwickelt sich alles von selbst. Im Vertrag von Lissabon ist ja noch einmal deutlicher als in Maastricht festgehalten, wohin die Reise gehen soll. Sonderlich überrascht sollte daher niemand sein, wenn man z.B. das Asylrecht harmonisiert oder eben die Streitkräfte zusammenwachsen läßt. Ist bei uns ja sogar nochmal extra im Koalitionsvertrag festgehalten und stand so in den Wahlprogrammen von SPD und Union.

Und sicherlich wäre Englisch die Dienstsprache; nicht der Engländer wegen, sondern aus pragmatischen Gründen. Ist ja heute schon so. Wenn Offiziere verschiedener Nato-Staat miteinander kommunizieren, tun sie dies auf Englisch, was auch jeder kann. Wir haben und hatten hier im PF ja auch schon Offiziersanwärter, die berichteten, daß sie so lange zu Kursen an Sprachschulen geschickt werden, bis sie in einheitlichen Tests entsprechende Punktzahlen erreicht haben. Für den "einfachen" Soldaten dürfte das erstmal nicht so wichtig auch. Zum einen sind die Englischkenntnisse junger Europäer schon einmal nicht schlecht. Zum anderen braucht man aber nicht für alle Bereiche Englisch. Mehrsprachige Länder wie Kanada oder die Schweiz teilen ja ihre Kompanien entsprechend nach Muttersprache ein. Wenn auf einem Marineschiff alle Französisch sprechen und die Kommunikation unter den Offizieren anderer Schiffe fließend auf Englisch stattfindet, sodaß man sein Vorgehen absprechen kann, reicht das völlig. Ist in Nato-Missionen wie ISAF auch nicht anders. Eine normale Kampfeinheit, wo Esten, Portugiesen, Ungarn, Griechen und Holländer in einem Trupp sind und Englisch reden, wird's wohl kaum geben.

Ich bin da ganz zuversichtlich, wenn ich auf die letzten 20 Jahre zurückblicke und sehe, wie heutige Streitigkeiten gehandhabt werden. Manchmal bin ich eher überrascht, daß es so positiv abläuft und kein Staatschef, z.B. getrieben durch Populismus, mal stark ausschert und viel riskiert. Selbst in der Krise hopste nicht einmal ein Land wie Zypern aus EU bzw. Euro und bisher hat man keine bedeutende europäische Errungenschaft wieder abgewickelt, was aus meiner Sicht auch nicht tragisch wäre, wenn dafür mehrere andere Projekte vorangetrieben werden. Oder anders: ein gemeinsamer Energiemarkt oder eine europäische Armee hätten -- für mich persönlich -- eine höhere Bedeutung als Bankenaufsicht oder auch Euro.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon unity in diversity » So 1. Nov 2015, 07:04

3x schwarzer Kater » Sa 31. Okt 2015, 20:05 hat geschrieben:idealerweise sollten sich alle Streitkräfte zu einer weltweiten Armee zusammenschließen.

Gegen wen soll die kämpfen?
Ah, verstehe, wenn auf dem Mond Wasser zu sehen ist, weil die Aliens damit begonnen haben, dort zu siedeln und alles urbar zu machen.
Wenn die dabei auch noch unsere Rohstoffe auf dem Mond verwerten, ist Schluß mit lustig.
Als Kriegsgrund legen wir fest, daß auf deren interstellaren Mondbasen Reichsflugscheiben gesichtet wurden.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon H2O » So 1. Nov 2015, 11:58

frems » 2015-11-01, 00:16 hat geschrieben:So wird's wohl sein, denn so war's ja bisher bei allen größeren Projekten. Langsam wird's konkretisiert und vertieft, während Mitglieder erst nach und nach mitmachen. Ein "großer Wurf" von heute auf morgen erwartet ja keiner und das wäre auch nicht sehr europäisch. Als "sui generis" paßt der jetzige Staatenverbund eh nicht in die Definitionen von Staat und (Kon-)Föderation bzw. Staatenbund und Bundesstaat. Das entwickelt sich alles von selbst. Im Vertrag von Lissabon ist ja noch einmal deutlicher als in Maastricht festgehalten, wohin die Reise gehen soll. Sonderlich überrascht sollte daher niemand sein, wenn man z.B. das Asylrecht harmonisiert oder eben die Streitkräfte zusammenwachsen läßt. Ist bei uns ja sogar nochmal extra im Koalitionsvertrag festgehalten und stand so in den Wahlprogrammen von SPD und Union.

Und sicherlich wäre Englisch die Dienstsprache; nicht der Engländer wegen, sondern aus pragmatischen Gründen. Ist ja heute schon so. Wenn Offiziere verschiedener Nato-Staat miteinander kommunizieren, tun sie dies auf Englisch, was auch jeder kann. Wir haben und hatten hier im PF ja auch schon Offiziersanwärter, die berichteten, daß sie so lange zu Kursen an Sprachschulen geschickt werden, bis sie in einheitlichen Tests entsprechende Punktzahlen erreicht haben. Für den "einfachen" Soldaten dürfte das erstmal nicht so wichtig auch. Zum einen sind die Englischkenntnisse junger Europäer schon einmal nicht schlecht. Zum anderen braucht man aber nicht für alle Bereiche Englisch. Mehrsprachige Länder wie Kanada oder die Schweiz teilen ja ihre Kompanien entsprechend nach Muttersprache ein. Wenn auf einem Marineschiff alle Französisch sprechen und die Kommunikation unter den Offizieren anderer Schiffe fließend auf Englisch stattfindet, sodaß man sein Vorgehen absprechen kann, reicht das völlig. Ist in Nato-Missionen wie ISAF auch nicht anders. Eine normale Kampfeinheit, wo Esten, Portugiesen, Ungarn, Griechen und Holländer in einem Trupp sind und Englisch reden, wird's wohl kaum geben.

Ich bin da ganz zuversichtlich, wenn ich auf die letzten 20 Jahre zurückblicke und sehe, wie heutige Streitigkeiten gehandhabt werden. Manchmal bin ich eher überrascht, daß es so positiv abläuft und kein Staatschef, z.B. getrieben durch Populismus, mal stark ausschert und viel riskiert. Selbst in der Krise hopste nicht einmal ein Land wie Zypern aus EU bzw. Euro und bisher hat man keine bedeutende europäische Errungenschaft wieder abgewickelt, was aus meiner Sicht auch nicht tragisch wäre, wenn dafür mehrere andere Projekte vorangetrieben werden. Oder anders: ein gemeinsamer Energiemarkt oder eine europäische Armee hätten -- für mich persönlich -- eine höhere Bedeutung als Bankenaufsicht oder auch Euro.


Hoffen wir gemeinsam, daß Ihr unaufgeregter Umgang
mit unseren alltäglichen europäischen Aufregern viele
Nachahmer findet! Darüber ließen sich unendlich viele
Worte machen.

Mit Blick auf die gemeinsame Verteidigung: Was hindert
die Europäer, sich innerhalb der NATO auf Aufgaben-
teilungen zu einigen? Dazu braucht man keine europäische
Gemeinschaft. Die geographische Nachbarschaft ist da
schon Ordnungskraft genug.

So "richtig europäisch" wird die Sache doch erst, wenn die
Kommandogewalt auf Organe der Gemeinschaft über geht,
der Aufbau der gemeinsamen Streitkräfte sich weitgehend
los löst von nationalen Einheiten. Da muß zwingend eine
gemeinsame Verständigung her, also doch genau das, was
Sie für unwahrscheinlich halten: eine bunt gemischte Vielfalt
der Soldaten schon innerhalb der Einheiten. Kanada mit Englisch
und Französisch auf klar begrenzten Räumen, etwa Schiffen, das
mag ja gehen.

Aber Europa mit etwa 50 Sprachen, davon mindestens 6
auch durch Landfläche und Bevölkerungszahl bedeutend...
das wird doch schwer um zu setzen sein, auch hinsichtlich
denkbarer Laufbahnen für europäische Soldaten, also ganz
alltäglicher Fragen.

Da stelle ich mir vor, daß wohl noch national sortierte Grund-
ausbildungen organisiert werden können, aber dabei schon
die Beherrschung der gemeinsamen Kommandosprache
eingeübt wird... und danach geht es doch kaum noch national
weiter, wenn es um hochtechnisierte Systeme geht, die ohne
langes Hin und Her von den dazu bestens geeigneten Soldaten
eingesetzt werden sollen, vermutlich doch sehr eng vernetzt
unter einander.

Was man sich auch vorstellen könnte, das wären Heimatarmeen,
in etwa an das Schweizer Modell angelehnt als Miliz von Freiwilligen,
die weitgehend regional durch Zuruf organisiert werden, die in Spannungs-
zeiten die Sicherung von Verteidigungsanlagen vor Ort übernähmen
und in Teilen zur Abwehr "grüner Männchen" ausgebildet werden,
also unterhalb einer raumgreifenden Kriegsführung tätig werden.
Solche Überlegungen gibt es derzeit in Polen; schwer zu sagen,
ob solche Vorstellungen nun "gesund" sind, oder einer geschicht-
lichen Urangst folgen. Solche Einheiten sind naturgemäß national
und regional aufgebaut. Zumindest ihre nationalen Führungskräfte
müssten aber in der europäischen Armee ausgebildet worden sein,
damit die Zusammenarbeit im Kriegsfall funktionieren kann.

Letztlich sind Streitkräfte doch nur für diesen Ernstfall vor zu halten,
damit er durch glaubhafte Abschreckung möglichst nie eintritt.

Ich meine aber, daß solche Fragen erst unsere Ur-Enkel nach 2050
ernsthaft beschäftigen werden, wenn überhaupt.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Fadamo » So 1. Nov 2015, 15:25

3x schwarzer Kater » Sa 31. Okt 2015, 20:05 hat geschrieben:idealerweise sollten sich alle Streitkräfte zu einer weltweiten Armee zusammenschließen.

Wer wäre dann der Feind, die Zivilbevölkerung :?:
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon zollagent » Mo 2. Nov 2015, 09:41

Fadamo » So 1. Nov 2015, 16:25 hat geschrieben:Wer wäre dann der Feind, die Zivilbevölkerung :?:

Die Aliens! :D :D :D :D
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon H2O » Mo 2. Nov 2015, 10:32

Fadamo » 2015-11-01, 16:25 hat geschrieben:Wer wäre dann der Feind, die Zivilbevölkerung :?:


Die auch!
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon frems » So 6. Dez 2015, 13:51

Ein weiterer prominenter Unterstützer einer europäischen Armee meldet sich zu Wort. Scheinbar geht's hier um das Modell, daß erst einmal einzelne Nationen ihre Streitkräfte (teilweise) zusammenlegen und sich weitere Staaten integrieren ließen:

Angesichts der wachsenden militärischen Belastungen Deutschlands und seiner Nachbarstaaten betont der FDP-Vorsitzende Christian Lindner die Dringlichkeit einer „Europäischen Armee“. Deutschland könne zusammen mit Frankreich dabei eine Vorreiterrolle übernehmen, sagt der Vorsitzende der seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertretenen FDP. „Damit einhergehen müsste eine integrierte europäische Rüstung, die die Beschaffung vereinfacht, Rüstungsgüter vereinheitlicht und Kosten reduziert.“

http://www.faz.net/aktuell/politik/terr ... 51045.html
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Nomen Nescio » So 6. Dez 2015, 16:49

frems » Sa 31. Okt 2015, 20:17 hat geschrieben:Erst kürzlich übernahmen deutsche Offiziere das Kommando einer deutsch-polnischen Brigade, während deutsche Truppen im Westen Holländern unterstellt sind.

ich kann mich irren, aber dachte, daß das wechselt. würde auch logischer sein.

was mich erstaunte, ist das die offiziere offiziell englisch reden, aber inoffiziell auch deutsch.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon Fadamo » So 6. Dez 2015, 17:57

zollagent » Fr 30. Okt 2015, 10:07 hat geschrieben:Mir scheint eher, daß Putin im Moment "durchdreht", weil ihm sicher geglaubte Schäfchen von der Fahne gehen. Dein eintrainiertes Feindbild funktioniert nicht mehr.



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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon hafenwirt » So 6. Dez 2015, 18:40

Man könnte klein anfangen.

Verteidigungs/Angriffsbündnis mit anderen Staaten. Danach merken die anderen Nationen die Vorteile eines gemeinsamen Militärbündnis.

Wobei sich eben auch die Frage stellt, was planen wir Europäer mit der Armee. Eine Armee der Armee wegen, kann ja nicht Sinn und Zweck dieser Angelegenheit sein.

- Will Europa nur sich selbst verteidigen?
- Plant Europa Weltpolizei zu spielen und in anderen Ländern mal so richtig aufzuräumen?
- Möchte man evtl. expandieren und Angriffskriege oder Aggressionen in Drittweltländern starten?

Diese Fragen sollten zuerst geklärt werden bis man dann eine Armee aufstellt.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon H2O » Mo 7. Dez 2015, 00:13

hafenwirt » 2015-12-06, 19:40 hat geschrieben:Man könnte klein anfangen.

Verteidigungs/Angriffsbündnis mit anderen Staaten. Danach merken die anderen Nationen die Vorteile eines gemeinsamen Militärbündnis.

Wobei sich eben auch die Frage stellt, was planen wir Europäer mit der Armee. Eine Armee der Armee wegen, kann ja nicht Sinn und Zweck dieser Angelegenheit sein.

- Will Europa nur sich selbst verteidigen?
- Plant Europa Weltpolizei zu spielen und in anderen Ländern mal so richtig aufzuräumen?
- Möchte man evtl. expandieren und Angriffskriege oder Aggressionen in Drittweltländern starten?

Diese Fragen sollten zuerst geklärt werden bis man dann eine Armee aufstellt.


Na, das sind ja Pläne! Eine gemeinsame Streitmacht
soll natürlich und zuerst dem Schutz der Gemeinschaft
dienen. Aber gleich danach könnte man daran denken,
UNO-Beschlüssen dort Geltung zu verschaffen, wo dies
im wohlverstandenen europäischen Interesse liegt. So
ähnlich ist doch auch das Wirken der Bundeswehr im
Grundgesetz festgelegt.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Arme

Beitragvon zollagent » Mo 7. Dez 2015, 10:14

hafenwirt » So 6. Dez 2015, 18:40 hat geschrieben:Man könnte klein anfangen.

Verteidigungs/Angriffsbündnis mit anderen Staaten. Danach merken die anderen Nationen die Vorteile eines gemeinsamen Militärbündnis.

Wobei sich eben auch die Frage stellt, was planen wir Europäer mit der Armee. Eine Armee der Armee wegen, kann ja nicht Sinn und Zweck dieser Angelegenheit sein.

- Will Europa nur sich selbst verteidigen?
- Plant Europa Weltpolizei zu spielen und in anderen Ländern mal so richtig aufzuräumen?
- Möchte man evtl. expandieren und Angriffskriege oder Aggressionen in Drittweltländern starten?

Diese Fragen sollten zuerst geklärt werden bis man dann eine Armee aufstellt.

Das sind alle möglichen Aufgabenstellungen, die dir einfallen? Nur andere angreifen?
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