EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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Kohlhaas
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Di 15. Sep 2020, 17:34

Warten wir mal ab. Ich glaube noch nicht daran, dass die Briten die Vereinbarungen bezüglich Nordirland kippen. Wenn sie das machen, können sie sich nicht nur das Handelsabkommen mit der EU abschminken, sondern auch ein Handelsabkommen mit den USA. Und Nordirland wird sich dann schnell der Republik anschließen. Das wäre ohnehin die beste Lösung.
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Eiskalt
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Do 17. Sep 2020, 15:56

Im Streit um Nordirland bekommt der britische Premier Druck aus den USA. Der demokratische Präsidentschaftskandidat stellt einen künftigen Freihandelsvertrag infrage.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/brexit-joe-biden-handelsabkommen-nordirland-usa

Jetzt muss Boris hoffen, dass Trump wiedergewählt wird.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Fr 18. Sep 2020, 13:29

Eiskalt hat geschrieben:(17 Sep 2020, 15:56)

Im Streit um Nordirland bekommt der britische Premier Druck aus den USA. Der demokratische Präsidentschaftskandidat stellt einen künftigen Freihandelsvertrag infrage.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/brexit-joe-biden-handelsabkommen-nordirland-usa

Jetzt muss Boris hoffen, dass Trump wiedergewählt wird.

Selbst wenn Trump wiedergewählt werden sollte, wird ein vertragsbrüchiges Großbritannien keinen Freihandelsvertrag mit den USA bekommen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 19. Sep 2020, 16:41

Kohlhaas hat geschrieben:(18 Sep 2020, 13:29)

Selbst wenn Trump wiedergewählt werden sollte, wird ein vertragsbrüchiges Großbritannien keinen Freihandelsvertrag mit den USA bekommen.

Was macht Sie für den Fall einer Wiederwahl Trumps da so sicher? - Es gibt auch irgendwann wieder Wahlen zum Kongress und Senat , und die aktuelle
demokratische Mehrheit im Kongress ist nicht auf ewig in Stein gemeißelt. Was Trump für seinen Freund Boris derweil veranstalten wird, ist auch offen.

Selbst wenn er keine Mehrheit im Kongress hat... Johnson kann ja sagen, wir haben zwar das Gesetz, um unsere Souveränität auch wirklich abzusichern.
Aber wir müssen das Gesetz ja nicht anwenden, wenn sich die EU einsichtig und kooperativ zeigt, statt GB wg. des Brexit abzustrafen usw.

Nachtrag: Bei einer Wiederwahl Trumps wird sich die EU ohnehin warm anziehen können. Für ihn gilt:"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Siehe Strafzölle für europäische PKWs,
Nordstream 2, der gesamteuropäische Verteidigungsbeitrag, besonders der deutsche usw." - Wieso sollte er mit GB nicht einen Handelsvertrag anstreben, den er ja schon
dick und fett ankündigte und Johnson and his "crazy hardcore-Brexiteers" damit Rückenwind besorgte.

Sprich, wenn Johnson Trump erklärt, dass es sich hier um eine reine Notwehrmaßnahme handle, gegen diese erpresserische und unfaire EU, könnte das
bei dem einschichtigem Gehirn des Donald Trump durchaus auf glaubhafte Zustimmung stoßen. Finden Sie das so abwegig? Y/N?
Zuletzt geändert von Eulenwoelfchen am Sa 19. Sep 2020, 16:48, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Senexx » Sa 19. Sep 2020, 16:43

Kohlhaas hat geschrieben:(18 Sep 2020, 13:29)

Selbst wenn Trump wiedergewählt werden sollte, wird ein vertragsbrüchiges Großbritannien keinen Freihandelsvertrag mit den USA bekommen.


Reine Spekulation.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Sa 19. Sep 2020, 17:05

Senexx hat geschrieben:(19 Sep 2020, 16:43)

Reine Spekulation.

Ach ja? Trump regiert doch im Moment, oder nicht? Und aus den USA kam die klare Ansage, dass die USA mit GB keinen Handelsvertrag schließen werden, wenn die Irland betreffenden Vereinbarungen im "Scheidungsvertrag" nicht eingehalten werden. Was soll daran also "Spekulation" sein?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Sa 19. Sep 2020, 17:11

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(19 Sep 2020, 16:41)

Was macht Sie für den Fall einer Wiederwahl Trumps da so sicher? - Es gibt auch irgendwann wieder Wahlen zum Kongress und Senat , und die aktuelle
demokratische Mehrheit im Kongress ist nicht auf ewig in Stein gemeißelt. Was Trump für seinen Freund Boris derweil veranstalten wird, ist auch offen.


Wie eben schon geschrieben, hat selbst die gegenwärtige Trump-Administration unmissverständlich erklärt, dass sie einen Bruch des völkerrechtlich verbindlichen Vertrags bezüglich Irland nicht hinnehmen wird. Das hängt zweifellos damit zusammen, dass in den USA mehr "Iren" leben als in Irland. Am St.-Patricks-Day werden in den USA Flüsse grün eingefärbt. Die IRA hatte nirgendwo mehr Unterstützer als in den USA. Kein amerikanischer Präsident wird eine gegen Irland gerichtete britische Aktion unterstützen. Auch Trump nicht. So wichtig ist Großbritannien (bald wohl Kleinbritannien) für die USA nicht.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 19. Sep 2020, 17:29

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Sep 2020, 17:11)

Wie eben schon geschrieben, hat selbst die gegenwärtige Trump-Administration unmissverständlich erklärt, dass sie einen Bruch des völkerrechtlich verbindlichen Vertrags bezüglich Irland nicht hinnehmen wird. Das hängt zweifellos damit zusammen, dass in den USA mehr "Iren" leben als in Irland. Am St.-Patricks-Day werden in den USA Flüsse grün eingefärbt. Die IRA hatte nirgendwo mehr Unterstützer als in den USA. Kein amerikanischer Präsident wird eine gegen Irland gerichtete britische Aktion unterstützen. Auch Trump nicht. So wichtig ist Großbritannien (bald wohl Kleinbritannien) für die USA nicht.


Dann hoffen wir mal, dass Sie recht behalten. Auch wenn mich trotz Ihrer nachvollziehbaren Begründung immer noch Zweifel beschleichen. ;)
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon JJazzGold » Sa 19. Sep 2020, 17:32

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(19 Sep 2020, 17:29)

Dann hoffen wir mal, dass Sie recht behalten. Auch wenn mich trotz Ihrer nachvollziehbaren Begründung immer noch Zweifel beschleichen. ;)


Mich auch :D , denn was Trump heute sagt, bedeutet nicht, dass er morgen nicht das Gegenteil tut. ;)
Wobei er auch bei einem eventuellen Vertrag “America First“ folgen wird. Insofern könnte sich das Angebot nicht als das herausstellen was sich Johnson davon verspricht.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Sa 19. Sep 2020, 17:41

JJazzGold hat geschrieben:(19 Sep 2020, 17:32)

Mich auch :D , denn was Trump heute sagt, bedeutet nicht, dass er morgen nicht das Gegenteil tut. ;)
Wobei er auch bei einem eventuellen Vertrag “America First“ folgen wird. Insofern könnte sich das Angebot nicht als das herausstellen was sich Johnson davon verspricht.

Na, das entscheidet Trump ja nicht im Alleingang. Da haben noch zwei Parlaments-Kammern mitzureden. Und ich kann nicht erkennen, dass Trump diesen beiden Kammern in dieser Frage ins Handwerk zu pfuschen versucht. Welchen Vorteil sollte er davon auch haben? Der GB-Markt ist für die USA eigentlich völlig unbedeutend. Dafür machen die US-Politiker keine Kompromisse, die sie die Stimmen der "Iren" im Lande kosten könnten. Genau das haben die Briten bei ihrer Brexit-Entscheidung ja nicht verstanden. GB ist längst keine "Weltmacht" mehr. Das ist nur noch ein recht unbedeutender Kleinstaat.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon JJazzGold » Sa 19. Sep 2020, 18:03

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Sep 2020, 17:41)

Na, das entscheidet Trump ja nicht im Alleingang. Da haben noch zwei Parlaments-Kammern mitzureden. Und ich kann nicht erkennen, dass Trump diesen beiden Kammern in dieser Frage ins Handwerk zu pfuschen versucht. Welchen Vorteil sollte er davon auch haben? Der GB-Markt ist für die USA eigentlich völlig unbedeutend. Dafür machen die US-Politiker keine Kompromisse, die sie die Stimmen der "Iren" im Lande kosten könnten. Genau das haben die Briten bei ihrer Brexit-Entscheidung ja nicht verstanden. GB ist längst keine "Weltmacht" mehr. Das ist nur noch ein recht unbedeutender Kleinstaat.


Das meinte ich, als ich schrieb, dass der Vertrag weniger glorreich ausfallen könnte als es sich Johnson heute vorstellt. Zudem sind auch die fünf wichtigsten Exportgüter GBs nur begrenzt interessant für die USA.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 20. Sep 2020, 01:29

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Sep 2020, 17:41)

...Der GB-Markt ist für die USA eigentlich völlig unbedeutend...GB ist längst keine "Weltmacht" mehr. Das ist nur noch ein recht unbedeutender Kleinstaat.


Sie vergessen Trumps vehementes Auftreten für Boris Johnson und einen Brexit GBs. Und auch seine Ankündigung, dass die USA mit GB einen "great deal" haben werden.
Zu dem sich aber Johnson eher vorsichtig äusserte und auch durchaus schwierige Verhandlungen nicht ausschloß.

Dennoch ist festzustellen, dass der Präsident der mächtigsten Wirtschaftsnation, die traditionell dem noch bestehenden United Kingdom sehr eng verbunden ist,
deutlich den Rücken stärkte und ggf. auch gewillt ist, dem Land wirtschaftlichen Support zu geben. Und wenn es auch nur dazu dient, die EU zu schwächen.
Denn die sieht Trump - und nicht nur er innerhalb des republikanischen Lagers - als ernsthaften Konkurrenten und wirtschaftlich "sehr lästigen" Wettbewerber.

Und genau unter diesem politischen US-Focus einer Unterstützung GBs, der in Wirklichkeit das US-Visier auf die EU als Wirtschaftskonkurrent gerichtet hat, sollte man
auch die Möglichkeiten hinsichtlich eines Handelsabkommens von GB mit den USA sehen. Erst recht, wenn Trump Präsident der USA auch die nächsten vier Jahre bleibt.
Wovon mit großer Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.

Was den unbedeutenden Kleinstaat GB angeht, halte ich diese Herabwürdigung Großbritanniens mit dem Begriff "unbedeutender Kleinstaat" für verfehlt.
Sowohl wirtschaftlich als auch als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, WWII-Siegermacht und europ. Atommacht, sehr bedeutendem Finanzplatz mit weltweitem Gewicht und als begehrtem Handelspartner der EU. Mit beträchtlichem Handelsvolumen für Waren aus der EU. Und ganz besonders auch als lukrativer Absatzmarkt für deutsche Produkte usw. -Und ganz nebenbei, was ist dann im Vergleich zu GB und seiner wirtschaftlichen
Bedeutung eigentlich Frankreich für Sie? - Ein noch unbedeutenderer Kleinstaat? GB war immerhin die zweitstärkste Wirtschaftsnation in der EU vor dem Austritt aus derselben.

Hier von einem unbedeutendem Kleinstaat zu reden, halte ich mehr für persönliches Wunschdenken als für eine realistische Bewertung der Faktenlage.
Auch wenn mein Urteil durchaus auch von der nachwievor vorhandenen Sympathie für dieses Land und seine Menschen gefärbt sein mag.
Egal, welche Regierung man sich dort z.Zt. leistet. Wie etwa die aktuelle Regierung in Großbritannien, die ich sofort zum Mond schießen würde, so ich das könnte.
Nicht wegen mir, sondern wegen der Menschen in GB.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » So 20. Sep 2020, 13:41

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(20 Sep 2020, 01:29)

Sie vergessen Trumps vehementes Auftreten für Boris Johnson und einen Brexit GBs. Und auch seine Ankündigung, dass die USA mit GB einen "great deal" haben werden.
Zu dem sich aber Johnson eher vorsichtig äusserte und auch durchaus schwierige Verhandlungen nicht ausschloß.

Dennoch ist festzustellen, dass der Präsident der mächtigsten Wirtschaftsnation, die traditionell dem noch bestehenden United Kingdom sehr eng verbunden ist,
deutlich den Rücken stärkte und ggf. auch gewillt ist, dem Land wirtschaftlichen Support zu geben. Und wenn es auch nur dazu dient, die EU zu schwächen.
Denn die sieht Trump - und nicht nur er innerhalb des republikanischen Lagers - als ernsthaften Konkurrenten und wirtschaftlich "sehr lästigen" Wettbewerber.

Nein, ich vergesse das keineswegs. Dass Trump die EU nicht ausstehen kann und sie gern so weit wie möglich schwächen würde, hat er hinlänglich deutlich gemacht. Auch sein unausgesetztes Hetzen gegen Deutschland hängt mit diesem Streben zusammen. Trump würde einen "No-Deal-Brexit" bejubeln.

Aber getrennt davon muss man die Haltung der USA zu Irland sehen. Sowohl die Republikaner als auch die Demokraten haben den Briten sehr deutlich gesagt, dass sie es nicht hinnehmen werden, wenn BoJo wieder eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik hochziehen will. Ich denke, da spielt auch der Umstand mit hinein, dass sowas nur möglich wäre, wenn Großbritannien einen bestehenden Vertrag bricht und damit gegen internationales Recht verstößt. GB ist dann nicht mehr vertrauenswürdig.

Unabhängig davon hätte ich persönlich gar nichts dagegen, wenn Johnson seine Pläne verwirklichen würde. Dann würden nämlich in Nordirland sofort großer Druck für einen Anschluss an die Republik Irland entstehen. Das wäre die "eleganteste" Lösung der Nordirland-Frage!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » So 20. Sep 2020, 14:17

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(20 Sep 2020, 01:29)Was den unbedeutenden Kleinstaat GB angeht, halte ich diese Herabwürdigung Großbritanniens mit dem Begriff "unbedeutender Kleinstaat" für verfehlt.
Sowohl wirtschaftlich als auch als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, WWII-Siegermacht und europ. Atommacht, sehr bedeutendem Finanzplatz mit weltweitem Gewicht und als begehrtem Handelspartner der EU. Mit beträchtlichem Handelsvolumen für Waren aus der EU. Und ganz besonders auch als lukrativer Absatzmarkt für deutsche Produkte usw. -Und ganz nebenbei, was ist dann im Vergleich zu GB und seiner wirtschaftlichen
Bedeutung eigentlich Frankreich für Sie? - Ein noch unbedeutenderer Kleinstaat? GB war immerhin die zweitstärkste Wirtschaftsnation in der EU vor dem Austritt aus derselben.

Hier von einem unbedeutendem Kleinstaat zu reden, halte ich mehr für persönliches Wunschdenken als für eine realistische Bewertung der Faktenlage.
Auch wenn mein Urteil durchaus auch von der nachwievor vorhandenen Sympathie für dieses Land und seine Menschen gefärbt sein mag.
Egal, welche Regierung man sich dort z.Zt. leistet. Wie etwa die aktuelle Regierung in Großbritannien, die ich sofort zum Mond schießen würde, so ich das könnte.
Nicht wegen mir, sondern wegen der Menschen in GB.

Okay, vielleicht habe ich die Situation mit der Bezeichnung "unbedeutender Kleinstaat" etwas überspitzt dargestellt. Aber nur etwas!

Dass GB mal zu den Weltkriegssiegern gehörte, interessiert heute niemanden mehr. Dass London zu den bedeutendsten Finanzplätzen der Welt gehört, spielt auch kaum noch eine Rolle, wenn es zum ungeregelten Brexit kommen sollte. Als Finanzplatz spielt London nur eine Rolle, wenn GB der EU angehört. Die EU wird es nicht dulden, dass ihr wichtigster Börsenplatz außerhalb der EU liegt und nicht durch EU-Gesetze kontrolliert werden kann. Ich tippe mal: Wenn es zum ungeregelten Brexit kommt, wird Frankfurt oder eher Paris zum zentralen Börsenstandort der EU. Und das ist genau das Problem der Briten. Ihre Handelsbilanz mit der EU ist seit vielen Jahren negativ. Ausgleichen konnten sie das nur durch die Überschüsse bei den "Finanzdienstleistungen". Was den Warenverkehr betrifft: Der wird ja nicht aufhören, wenn eine harte Zollgrenze zwischen dem Kontinent und der britischen Insel entsteht. Der Handel wird dann nur teurer. Und das ist dann in erster Linie ein Problem für Großbritannien, weil die Briten mehr als die Hälfte ihrer Ausfuhren in die EU liefern und zudem sehr viel mehr Waren einführen als sie ausführen. Einfuhren aus GB sind für die EU dagegen gar nicht so bedeutend. Deutschland zum Beispiel hat inzwischen einen deutlich größeren Warenaustausch mit Polen als mit GB. Außerdem gibt es in der Welt genug andere Nationen, die britische Produkte "ersetzen" können.

Mein Fazit: Nur durch seine Mitgliedschaft in der EU konnte GB für sich noch "Weltgeltung" in Anspruch nehmen. Nach dem ungeregelten Brexit ist es damit vorbei. Dann ist GB tatsächlich nur noch ein kleines Land, das für keine andere Nation mehr "unverzichtbare" Bedeutung hat. Mit Frankreich lässt sich das nicht vergleichen. Frankreich gehört halt nach wie vor der EU an. Frankreich hat auch nicht so ein Handelsbilanzdefizit, muss sich nicht mit erwartbaren Zöllen auseinandersetzen, wird weiterhin im Binnenmarkt bleiben, ist ebenfalls eine "Siegermacht" und ebenfalls Atommacht (sogar deutlich mächtiger als GB!)... Da verbietet sich eigentlich jeder Vergleich.

Ich habe übrigens auch große Sympathie für die Briten. Dort leben Freunde von mir. An meinem Urteil ändert das aber nichts.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Mo 21. Sep 2020, 09:31

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(19 Sep 2020, 16:41)

Was macht Sie für den Fall einer Wiederwahl Trumps da so sicher? - Es gibt auch irgendwann wieder Wahlen zum Kongress und Senat , und die aktuelle
demokratische Mehrheit im Kongress ist nicht auf ewig in Stein gemeißelt. Was Trump für seinen Freund Boris derweil veranstalten wird, ist auch offen.

Selbst wenn er keine Mehrheit im Kongress hat... Johnson kann ja sagen, wir haben zwar das Gesetz, um unsere Souveränität auch wirklich abzusichern.
Aber wir müssen das Gesetz ja nicht anwenden, wenn sich die EU einsichtig und kooperativ zeigt, statt GB wg. des Brexit abzustrafen usw.

Nachtrag: Bei einer Wiederwahl Trumps wird sich die EU ohnehin warm anziehen können. Für ihn gilt:"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Siehe Strafzölle für europäische PKWs,
Nordstream 2, der gesamteuropäische Verteidigungsbeitrag, besonders der deutsche usw." - Wieso sollte er mit GB nicht einen Handelsvertrag anstreben, den er ja schon
dick und fett ankündigte und Johnson and his "crazy hardcore-Brexiteers" damit Rückenwind besorgte.

Sprich, wenn Johnson Trump erklärt, dass es sich hier um eine reine Notwehrmaßnahme handle, gegen diese erpresserische und unfaire EU, könnte das
bei dem einschichtigem Gehirn des Donald Trump durchaus auf glaubhafte Zustimmung stoßen. Finden Sie das so abwegig? Y/N?


Nein das ist nich abwegig Trump ist das ganz sicher zuzutrauen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Mo 21. Sep 2020, 16:54

Noch 9 Tage dann muss die EU ernst machen und die Verhandlungen beenden.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Senexx » Mo 21. Sep 2020, 17:02

Eiskalt hat geschrieben:(21 Sep 2020, 16:54)

Noch 9 Tage dann muss die EU ernst machen und die Verhandlungen beenden.


Schampus schon kaltgestellt?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Mo 21. Sep 2020, 17:05

Senexx hat geschrieben:(21 Sep 2020, 17:02)

Schampus schon kaltgestellt?


Ich mag keinen Schampus. Und sebst wenn warum sollte ich den kalt stellen?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Senexx » Mo 21. Sep 2020, 17:07

Eiskalt hat geschrieben:(21 Sep 2020, 17:05)

Ich mag keinen Schampus. Und sebst wenn warum sollte ich den kalt stellen?


Ihr Herzblut hängt doch daran, dass man die Briten hochkant rauswirft.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Mo 21. Sep 2020, 17:56

Senexx hat geschrieben:(21 Sep 2020, 17:07)

Ihr Herzblut hängt doch daran, dass man die Briten hochkant rauswirft.

Geht doch gar nicht mehr. Die sind schon selbst ausgetreten.

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