EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Do 9. Jun 2016, 13:44

H2O hat geschrieben:(09 Jun 2016, 08:07)

Sie haben ja Recht; mit nüchternem Verstand ist die Stimmungslage auf der Insel nicht zu begreifen.

Aus vielen vorangehenden Beiträgen läßt sich ableiten, daß es einigen Gesprächsteilnehmern und auch mir fast sicher erscheint, daß es den Briten in der BREXIT-Frage nur um Gefühle gehen kann. Aufrufe zur wirtschaftlichen Vernunft strömen täglich/stündlich national und international auf sie ein, können aber die Stimmungslage der britischen Wortführer in keiner Weise beeindrucken. Dieses Bild widerspricht in jeder Hinsicht der Selbstdarstellung der Briten als nüchtern abwägendem Volk von Kaufleuten. Diesem Bild hing ich auch an, werde aber zur Zeit eines Besseren belehrt!

Vielleicht ist die Flut an Fakten und Aussagen auch auf viele abschreckend. So im Sinne von "mir doch egal, was diese(r) Obama/Cameron/Lagarde/Gulliver/O’Leary uns da einreden will; denen zeigen wir's jetzt mal". Juncker, Tusk und Schulz halten sich aus dem Wahlkampf ja auch raus und werben nicht auf der Insel, weil das manch einen auf die Palme bringen würde.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Do 9. Jun 2016, 14:01

frems hat geschrieben:(09 Jun 2016, 13:44)

Vielleicht ist die Flut an Fakten und Aussagen auch auf viele abschreckend. So im Sinne von "mir doch egal, was diese(r) Obama/Cameron/Lagarde/Gulliver/O’Leary uns da einreden will; denen zeigen wir's jetzt mal". Juncker, Tusk und Schulz halten sich aus dem Wahlkampf ja auch raus und werben nicht auf der Insel, weil das manch einen auf die Palme bringen würde.


Auch das ist denkbar; eines meiner ansonsten wohlgeratenen Kinder hatte auch diese Macke, hinter jedem Ratschlag nur Schläge zu vermuten. Hat lange gedauert, bis sich Trotzköpfchens riesige Hörner zu netten kleinen Knubbelchen zurück gebildet hatten. ;) Des Lebens harte Schule wird am Ende auch die Briten lehren, Freund und Feind gut zu unterscheiden. Schade um die viele vergebliche Mühe!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Do 9. Jun 2016, 16:47

H2O hat geschrieben:(09 Jun 2016, 14:01)

Auch das ist denkbar; eines meiner ansonsten wohlgeratenen Kinder hatte auch diese Macke, hinter jedem Ratschlag nur Schläge zu vermuten. Hat lange gedauert, bis sich Trotzköpfchens riesige Hörner zu netten kleinen Knubbelchen zurück gebildet hatten. ;) Des Lebens harte Schule wird am Ende auch die Briten lehren, Freund und Feind gut zu unterscheiden. Schade um die viele vergebliche Mühe!

Das stimmt wohl. Aber apropos Kinder: der Jungspunde Großbritanniens sind da auch nicht auf einer Linie mit ihren Eltern und Großeltern. Dass die Jugend etwas proeuropäischer eingestellt ist, war mir ja bekannt, aber dass der Unterschied dann doch so eklatant ist, überrascht mich dann doch:

Alter: 18-24
Für Europa: 59%
Gegen Europa: 20%

Alter: 25-49
Dafür: 49%
Dagegen: 34%

Alter: 50-64
Dafür: 35%
Dagegen: 53%

Alter: über 65
Dafür: 33%
Dagegen 57%

http://www.spiegel.de/politik/ausland/b ... 96158.html

Dabei sollte man annehmen, dass sich die Älteren eher noch daran erinnern, wie die Briten bei ihrem Beitritt noch der kranke, alte Mann Europas war, der seine Kolonien und Handlungsbeziehungen verlor -- und letztere eben auch nicht reaktivieren konnten (mit den vorherigen Privilegien). Der Artikel bzw. die Quelle unter den Umfragewerten ist übrigens ganz interessant. Da geht's unter anderem darum, dass die Antieuropäer primär mit Ängsten spielen, um die Bevölkerung zu verunsichern ("EU-Mitgliedschaft bedeutet Hunderte Millionen von Menschen mit EU-Pässen, die nach Großbritannien kommen dürfen.").
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Do 9. Jun 2016, 19:34

Ja, das ist schon sehr schade insgesamt; auch diese Zerrissenheit wird dem Land nicht gut tun, wenn der BREXIT erwartungsgemäß zu großen wirtschaftlichen Rückschlägen führen wird. Aber noch schlimmer wäre wohl ein knappes Abstimmungsergebnis für den Verbleib in der EU, weil das die EU weiter lähmen dürfte. Der Streit in GB ist damit ja auch nicht beendet. Doppelt schlimm!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Do 9. Jun 2016, 19:36

frems hat geschrieben:(09 Jun 2016, 16:47)

"EU-Mitgliedschaft bedeutet Hunderte Millionen von Menschen mit EU-Pässen, die nach Großbritannien kommen dürfen.".

nee, es bedeutet daß wir einen strom afrikaner, albanier, türken, usw kommen sehen. die nehmen unsere bahnen weg; die müssen wir sonst finanziell unterstützen; sie vergewaltigen unsere mädchen/frauen (vide germany !! ); usw.
so denken viel briten

übrigens erinnere mich daß unter magareth thatcher das gesetz daß eine in GB geborene person automatisch die britische nationaltität hat aufgehoben wurde. damals klagte man schon über einen zustrom an »ausländer« (meist pakistani und indier soweit ich weiß).
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 10. Jun 2016, 11:01

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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kibuka » Fr 10. Jun 2016, 23:38

Es ist ziemlich erschütternd, dass die Brexit-Befürworter nun laut Umfragen vorne liegen.

Europa hat den Rückwärtsgang eingelegt. Ich hätte vor einigen Jahren so eine Entwicklung nicht vorhergesehen. Dass die Briten schon immer schwierig waren, ist seit 30 Jahren nichts neues. Dennoch waren sie immer am Integrationsprozess beteiligt. Jetzt könnten sie sich endgültig verabschieden.

Die EU steuert damit auf turbulente Zeiten zu. Auch in Frankreich ist FN auf dem Vormarsch. Das könnte der Beginn einer Erosion sein, an deren Ende eine EU steht, die nur noch ein Schatten vergangener Visionen ist.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 10. Jun 2016, 23:50

unser statistisches amt hat beziffert daß am meisten durch einen brexit geschadet werden: irland, belgien und NL.

bei uns beträgt der schaden ± 10 milliarden euro.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 10. Jun 2016, 23:57

Schäuble mahnt von einer weiteren "Vertiefung" in Sachen EU ab.

Wie würde die EU auf einen Ausstieg Großbritanniens reagieren? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt eine weitere Vertiefung der Union ab. "Wir könnten als Antwort auf einen Brexit nicht einfach mehr Integration fordern", sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL. "Das wäre plump, viele würden zu Recht fragen, ob wir Politiker noch immer nicht verstanden haben." Auch wenn die Briten mit knapper Mehrheit gegen den Brexit stimmten, "müssen wir das als Mahnung und Weckruf verstehen, nicht einfach so wie bisher weiterzumachen", sagte Schäuble.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/w ... 96854.html


Halte ich auch für angebracht. Manchmal ist weniger auch mehr. Man sieht auch an den östlichen EU-Mitgliedsstaaten, daß die feste Umklammerung durch EU-Gesetzgebung kontraproduktiv ist.

Auch in Deutschland ist das vielen nicht geheuer. Man sollte vielleicht evaluieren, wohin die Reise geht und wie das zu bewerkstelligen ist. Mir kommt es manchmal so vor, daß gerade Deutschland manches mal zuerst darüber nachdenkt, was europäisch zu machen wäre, bevor man für die Leute nachdenkt, die einen gewählt haben und für die man einen Eid abgelegt hat. Nämlich fürs deutsche Volk. Auch das befeuert die Rechten. In England oder Polen denkt man zuerst an die eigenen Leute, bevor man an so etwas abstraktes wie die EU denkt. In der Flüchtlingsfrage war Merkel eher bemüht europäisch zu denken, denn national. Das mag als weitsichtig zu beurteilen sein, aber was nützt es, wenn es dafür als Reaktion an der eigenen Basis brodelt? Zuerst sollte man das eigene Fundament im Auge haben und pflegen (Deutschland) bevor man sich um "das andere", den supranationalen Überbau kümmert. Ist das Fundament und tragende Säulen vernachlässigt, nützen mir schöne Regenrinnen und Solarzellen auch nichts. Das eine bedingt das andere. Ich war früher ein großer Befürworter der EU, das hat sich relativiert. Der einzige Sinn die große Anzahl Flüchtlinge hereinzulassen, wäre der schwinden Demografie zu schulden. Was man nie offen kommunizieren würde. Dann lieber, weil das Gesetz es - so wird es von einigen Seiten argumentiert - so verlangt.

GB war stets kein Kontinentaleuropäer. Wundert mich gar nicht, daß Brexit möglich wäre. Das sollte tatsächlich ein Weckruf sein, wie Schäuble es auch versteht.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kibuka » Sa 11. Jun 2016, 08:10

King Kong 2006 hat geschrieben:(10 Jun 2016, 23:57)

Schäuble mahnt von einer weiteren "Vertiefung" in Sachen EU ab.



Halte ich auch für angebracht. Manchmal ist weniger auch mehr. Man sieht auch an den östlichen EU-Mitgliedsstaaten, daß die feste Umklammerung durch EU-Gesetzgebung kontraproduktiv ist.

Auch in Deutschland ist das vielen nicht geheuer. Man sollte vielleicht evaluieren, wohin die Reise geht und wie das zu bewerkstelligen ist. Mir kommt es manchmal so vor, daß gerade Deutschland manches mal zuerst darüber nachdenkt, was europäisch zu machen wäre, bevor man für die Leute nachdenkt, die einen gewählt haben und für die man einen Eid abgelegt hat. Nämlich fürs deutsche Volk. Auch das befeuert die Rechten. In England oder Polen denkt man zuerst an die eigenen Leute, bevor man an so etwas abstraktes wie die EU denkt. In der Flüchtlingsfrage war Merkel eher bemüht europäisch zu denken, denn national. Das mag als weitsichtig zu beurteilen sein, aber was nützt es, wenn es dafür als Reaktion an der eigenen Basis brodelt? Zuerst sollte man das eigene Fundament im Auge haben und pflegen (Deutschland) bevor man sich um "das andere", den supranationalen Überbau kümmert. Ist das Fundament und tragende Säulen vernachlässigt, nützen mir schöne Regenrinnen und Solarzellen auch nichts. Das eine bedingt das andere. Ich war früher ein großer Befürworter der EU, das hat sich relativiert. Der einzige Sinn die große Anzahl Flüchtlinge hereinzulassen, wäre der schwinden Demografie zu schulden. Was man nie offen kommunizieren würde. Dann lieber, weil das Gesetz es - so wird es von einigen Seiten argumentiert - so verlangt.

GB war stets kein Kontinentaleuropäer. Wundert mich gar nicht, daß Brexit möglich wäre. Das sollte tatsächlich ein Weckruf sein, wie Schäuble es auch versteht.


Wenn man ständig die Integration oder andere Entscheidungen ohne Bürgerbeteiligung durchpeitscht, dann ist eben irgendwann das Ende erreicht.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon freigeist » Sa 11. Jun 2016, 08:32

Kibuka hat geschrieben:(10 Jun 2016, 23:38)

Es ist ziemlich erschütternd, dass die Brexit-Befürworter nun laut Umfragen vorne liegen.

Europa hat den Rückwärtsgang eingelegt. Ich hätte vor einigen Jahren so eine Entwicklung nicht vorhergesehen. Dass die Briten schon immer schwierig waren, ist seit 30 Jahren nichts neues. Dennoch waren sie immer am Integrationsprozess beteiligt. Jetzt könnten sie sich endgültig verabschieden.

Die EU steuert damit auf turbulente Zeiten zu. Auch in Frankreich ist FN auf dem Vormarsch. Das könnte der Beginn einer Erosion sein, an deren Ende eine EU steht, die nur noch ein Schatten vergangener Visionen ist.


Ich kenne Umfragen, da liegen die Brexiteers hinten.

Die Briten haben gerne den Integrationsprozess gebremst, selbst die Remainer sind ja im Grunde auch EU-skeptisch oder vorsichtig. Deswegen haben sie auch den Britenrabatt bekommen und weitere Ausnahmeregelungen erstritten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon aleph » Sa 11. Jun 2016, 08:57

Im Spiegel Online erscheint auch gerade ein Artikel, der um das Verbleiben der Briten in der EU wirbt:

Die Worte werden in diesen Tagen wuchtig, die EU-Gegner vergleichen Brüssel mit Hitler und lügen gefährliche Zahlen herbei, während Pathos in die Texte der EU-Befürworter fließt; denn es geht um Großes und Grundsätzliches. Großbritannien ist eine Brücke zwischen Europa und den USA. Steigt diesseits des Atlantiks Großbritannien aus der EU aus und wird auf der anderen Seite Donald Trump Präsident, werden scheinbar ewige Bündnisse wackeln, und ein geschwächtes Europa kann einsam werden, hilflos inmitten von Weltkrisen.


http://www.spiegel.de/politik/ausland/b ... 96123.html

Ich halte das für unsinnig: es ist nicht gesagt, ob Trump Präsident wird und das transatlantische Bündnis heißt Nato und nicht Eu und die Kontinentaleuropäer können auch ohne Großbritannien starke Partner der Usa sein. Oder anders herum: Die USA haben ein Eigeninteresse daran, Europa zu schützen.

Europa leidet ja gerade an solchen Ländern wie Großbritannien, die nur nörgeln und abzocken wollen, sich aber nicht konstruktiv einbringen. Mit Ländern wie Großbritannien wird eine EU natürlich nie gelingen. Die Britin Thatcher sagte einmal, dass die EU so lange bestehen bleibt, bis den Deutschen das Geld ausgehe. Ja, wenn man Europa nur als eine einseitige Verteilungsmaschine sieht, dann ist klar, dass man gegen Europa ist.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 11. Jun 2016, 08:59

ein deutliches bild der evt alternativen sieht man auf diesem bild.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 11. Jun 2016, 09:07

Kibuka hat geschrieben:(10 Jun 2016, 23:38)

Es ist ziemlich erschütternd, dass die Brexit-Befürworter nun laut Umfragen vorne liegen.

Europa hat den Rückwärtsgang eingelegt. Ich hätte vor einigen Jahren so eine Entwicklung nicht vorhergesehen. Dass die Briten schon immer schwierig waren, ist seit 30 Jahren nichts neues. Dennoch waren sie immer am Integrationsprozess beteiligt. Jetzt könnten sie sich endgültig verabschieden.

Die EU steuert damit auf turbulente Zeiten zu. Auch in Frankreich ist FN auf dem Vormarsch. Das könnte der Beginn einer Erosion sein, an deren Ende eine EU steht, die nur noch ein Schatten vergangener Visionen ist.


Da gibt es doch gar nichts zu rätseln mehr; die EU ist schon ein Schatten ihrer selbst geworden. Jetzt muß die Bundesregierung höllisch aufpassen, wie sie aus der Euro-Nummer heraus kommt. Denn der Euro sollte ja die stetig sich vertiefende Zusammenarbeit fördern. Wenn nun die Rückkehr zu nationalen Sonderwegen zu erkennen ist, dann hat diese Maßnahme leider nicht gewirkt. Diese Erkenntnis finde ich bedauerlich und schmerzlich.

Des weiteren müssen die Zahlungsströme in der EU überprüft werden. Auch die waren so angelegt, daß in Europa Regionen zusammenwachsen können zu gemeinsamen Wohlstandsgebieten. Welchen Sinn hat das aber, wenn die Hauptstädte wieder innerhalb ihrer Grenzen den Takt schlagen wollen?

Wer das Zusammenwachsen der Regionen grenzübergreifend fördern möchte, der kann das mit seinen Nachbarn ohne den Umweg über Brüssel verabreden und auch gemeinsam mit seinen Nachbarn Mittel dafür einplanen. Mit 9 Nachbarn ist Deutschland da in größeren Schwierigkeiten als andere Nachbarn. Vielleicht bildet sich auf diese Weise ein innerer Kreis, der das alte europäische Projekt auf Gegenseitigkeit weiter voran bringt, vielleicht sogar mit einem Euro-Ableger, der tatsächlich auf Vertrauen aufbauen kann.
Zuletzt geändert von H2O am Sa 11. Jun 2016, 09:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 11. Jun 2016, 09:11

Nomen Nescio hat geschrieben:(11 Jun 2016, 08:59)

ein deutliches bild der evt alternativen sieht man auf diesem bild.


Mit Sicherheit wird es weitere Möglichkeiten geben, die den Briten offen stehen. Die werden den Kontinent ganz einfach von GB abschneiden... und dann werden wir sehen, was wir davon haben!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Rautenberger » Sa 11. Jun 2016, 14:20

Der Ärger über die EU mag verständlich sein. Verantwortlich für alle Mängel Brüssels - inklusive Demokratiedefizit - ist aber nicht Brüssel selbst, sondern die nationalen Regierungen. Das Demokratiedefizit erklärt sich ja gerade daraus, dass die Regierungen so wenig Macht wie möglich abgeben wollen und die Kompetenzen des EU-Parlaments deshalb klein halten.

Wegen dieser Mängel gleich austreten zu wollen und damit alle unbestreitbaren Vorteile der EU wegzuwerfen, ist aber eine riesengroße Dummheit. Und es ist auch geopolitisch hirnverbrannt und darüber hinaus fahrlässig. Denn in Moskau und beim IS wird man sich bei jeder Schwächung der EU und des Westens allgemein die Hände reiben. Dass sich ausgerechnet das traditionell Putin-kritische Britannien hier quasi als Agent des Kreml betätigt, ist doch ein Witz sondergleichen!

Inzwischen wünsche ich mir, dass die Briten austreten und die Konsequenzen zu spüren bekommen. Die britischen Politiker - weit über UKIP hinaus -, die sich jahrelang als Populisten betätigt und ein exzessives, völlig überzogenes EU-Bashing betrieben haben, verdienen eine Abreibung. Und die Bevölkerung wird verdutzt feststellen, dass man mit der Austreibung des Beelzebub Europa noch lange nicht vor den Toren des Garten Eden steht - womöglich sogar im Gegenteil.

Schottland soll uns als neuer EU-Beitrittskandidat hochwillkommen sein! :D
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 11. Jun 2016, 18:13

freigeist hat geschrieben:(11 Jun 2016, 08:32)

Ich kenne Umfragen, da liegen die Brexiteers hinten.

Die Briten haben gerne den Integrationsprozess gebremst, selbst die Remainer sind ja im Grunde auch EU-skeptisch oder vorsichtig. Deswegen haben sie auch den Britenrabatt bekommen und weitere Ausnahmeregelungen erstritten.

Das ist richtig. Cameron, aber auch der Sozi Blair, Major und Thatcher sowieso haben sich gerne auf Kosten Europas profiliert, wenn sie nicht gerade ein Land in der arabischen Welt ins Chaos stürzten. Dass antieuropäische Aussagen daher in allen Schichten und Spektren zum guten Ton gehören, gilt schon als selbstverständlich, um sich nicht sozial zu isolieren. Komisch find ich nur, dass Europahasser wie Farage nun eine Märchenwelt präsentieren und denken, sie würden noch mehr Vorteile auf Kosten Europas kriegen, wenn sie den Europäern mal den Mittelfinger zeigen und für Leave stimmen. Hab gestern erst mit einem norwegischen Bekannten einige Stunden über Europa diskutiert und er meint auch, dass niemand in Norwegen verstehen könne, warum die Briten raus wollen und häufig auf ihr Land als Vorbild zeigen.

The pro-Brexit camp is pointing to Switzerland and Norway as models for how Britain could take advantage of the common European market without being an EU member. Experts say those prospects are a "fantasy."

For Nigel Farage, the situation is simple. "The people of Norway (and) Switzerland ... are happy," says the head of the United Kingdom Independence Party (UKIP). "Those countries have their own deals, to maintain the type of trading relationship they want." [...]

But when they invoke Norway, Brexit campaigners decline to mention the price Oslo must pay to access the single market: EEA members are required to pay into the European Cohesion Fund, which offsets social disparities within the EU. Norway also takes part in a range of other EU programs and pays the same amounts for those as member states do.

All told, this adds up to over €850 million per year. If one takes into account how much money the UK currently receives from the EU, Norway pays almost the same amount per capita as the United Kingdom.

Furthermore, Norway must adhere to countless EU guidelines, like the free movement of workers, without having a voice in EU institutions. Were the UK to leave the EU and join the EEA, the country would continue paying and continue accepting guidelines from Brussels -- but it would no longer have the opportunity to be part of the negotiations that shape the European market.

"The British would lose their influence in the EU, but would have to follow all the rules," says Dennis Snower, head of the Institute of World Economy in Kiel. Originally from the US, Snower lived and researched in London for about 20 years and he describes the "economic irrationality of the Brexit advocates" as "frightening."

http://www.spiegel.de/international/eur ... 96952.html
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 11. Jun 2016, 18:16

Rautenberger hat geschrieben:(11 Jun 2016, 14:20)

Der Ärger über die EU mag verständlich sein. Verantwortlich für alle Mängel Brüssels - inklusive Demokratiedefizit - ist aber nicht Brüssel selbst, sondern die nationalen Regierungen. Das Demokratiedefizit erklärt sich ja gerade daraus, dass die Regierungen so wenig Macht wie möglich abgeben wollen und die Kompetenzen des EU-Parlaments deshalb klein halten.

Wegen dieser Mängel gleich austreten zu wollen und damit alle unbestreitbaren Vorteile der EU wegzuwerfen, ist aber eine riesengroße Dummheit. Und es ist auch geopolitisch hirnverbrannt und darüber hinaus fahrlässig. Denn in Moskau und beim IS wird man sich bei jeder Schwächung der EU und des Westens allgemein die Hände reiben. Dass sich ausgerechnet das traditionell Putin-kritische Britannien hier quasi als Agent des Kreml betätigt, ist doch ein Witz sondergleichen!

Inzwischen wünsche ich mir, dass die Briten austreten und die Konsequenzen zu spüren bekommen. Die britischen Politiker - weit über UKIP hinaus -, die sich jahrelang als Populisten betätigt und ein exzessives, völlig überzogenes EU-Bashing betrieben haben, verdienen eine Abreibung. Und die Bevölkerung wird verdutzt feststellen, dass man mit der Austreibung des Beelzebub Europa noch lange nicht vor den Toren des Garten Eden steht - womöglich sogar im Gegenteil.

Schottland soll uns als neuer EU-Beitrittskandidat hochwillkommen sein! :D


Nein, so viel Galle muß nicht sein; inzwischen wird verbreitet, daß 55% der Briten für den BREXIT stimmen wollen:

http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... er-eu.html

Daran finde ich erfreulich, daß die Mehrheit dann wenigstens klar wäre und man nicht von einem Zufallstreffer ausgehen muß. Mir wäre die gegenteilige Mehrheit genau so willkommen, denn dann wäre mit gleicher Klarheit das Thema erst einmal vom Tisch.

In beiden Fällen ermuntere ich zur Nüchternheit im Umgang mit unseren Briten. Den Leuten nun für ihr Gemeckere auch noch übel mitspielen wollen, das ist wohl kein Nachweis europäischen Selbstbewußtseins. Aber an den Regeln der EU führt kein Weg vorbei, auch wenn's weh tut.

Vermutlich werden nach dem BREXIT die Karten in der EU neu gemischt für ein neues Spiel, denn man muß davon ausgehen, daß Dänen und Niederländer sich ebenfalls von der EU abkehren werden. Man kann nur hoffen, daß die nationalen Politiker dieses Mal ihre Mitbürger an der Konzeptsuche für eine bessere EU beteiligen. Ein neues Projekt der Eliten wäre ja nicht besser als das alte.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon yogi61 » Sa 11. Jun 2016, 18:19

H2O hat geschrieben:(11 Jun 2016, 18:16)

Nein, so viel Galle muß nicht sein; inzwischen wird verbreitet, daß 55% der Briten für den BREXIT stimmen wollen:

http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... er-eu.html

Daran finde ich erfreulich, daß die Mehrheit dann wenigstens klar wäre und man nicht von einem Zufallstreffer ausgehen muß. Mir wäre die gegenteilige Mehrheit genau so willkommen, denn dann wäre mit gleicher Klarheit das Thema erst einmal vom Tisch.

In beiden Fällen ermuntere ich zur Nüchternheit im Umgang mit unseren Briten. Den Leuten nun für ihr Gemeckere auch noch übel mitspielen wollen, das ist wohl kein Nachweis europäischen Selbstbewußtseins. Aber an den Regeln der EU führt kein Weg vorbei, auch wenn's weh tut.

Vermutlich werden nach dem BREXIT die Karten in der EU neu gemischt für ein neues Spiel, denn man muß davon ausgehen, daß Dänen und Niederländer sich ebenfalls von der EU abkehren werden. Man kann nur hoffen, daß die nationalen Politiker dieses Mal ihre Mitbürger an der Konzeptsuche für eine bessere EU beteiligen. Ein neues Projekt der Eliten wäre ja nicht besser als das alte.



An den Regeln der EU führt sehr wohl ein Weg vorbei. David Cameron har ordentlich Zugeständnisse mit nach Hause gebracht, sonst wäre die Sache wohl eindeutig.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon John Galt » Sa 11. Jun 2016, 18:31

Was passiert, wenn die Briten für den EU-Austritt stimmen? Brexit-Befürworter schwärmen von den Modellen der Norweger und der Schweizer. Dabei taugen beide Länder nicht als Vorbild für Großbritannien.


http://www.spiegel.de/politik/ausland/b ... 96667.html

Was für eine Lügengeschichte.
Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.

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