Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

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SLclem
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon SLclem » Mo 20. Apr 2015, 17:09

Liegestuhl » Mo 20. Apr 2015, 15:47 hat geschrieben:Wie kann jemand "deutschstämmig" sein, wenn man "deutsch" auf die Staatsangehörigkeit reduziert? Vor allem, weil besagte Wolgadeutsche vermutlich nie Vorfahren hatten, die die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen. Wenn man heutzutage jemanden als deutsch- oder türkischstämmig bezeichnet, dann doch nicht aufgrund der formalen Staatsangehörigkeit der Eltern bzw. der Vorfahren, sondern aufgrund der engen Verbundenheit zum Volk und der Kultur seiner Eltern.

Katharina die Große, deutschstämmig aber dann russische Zarin, hat Deutsche in Siedlungsgebiete, z.B. an die Wolga, eingeladen.
Schon im Mittelalter gab's übrigens das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" ... Pässe im heutigen Sinn gab's da aber noch nicht.

Ich spreche niemandem etwas wie eine deutsche Tradition, Herkunft etc. ab. Aber nach einer derart erweiterten Sicht könnte man einzelne Bundesstaaten der USA als "deutsch" bezeichnen, andere als "schwedisch" oder "französisch" ... finde ich nicht wirklich praktisch, diese Sichtweise.
Übrigens denke ich sehr wohl, dass man "aufgrund der formalen Staatsangehörigkeit der Eltern bzw. der Vorfahren" als irgendwas-stämmig bezeichnet wird.

Es geht in diesem Thema aber mE darum, was ein "Deutscher" ist, nicht, was "deutsch" ist.

Aber okay: zusätzlich wird wohl als "Deutscher" noch umgangssprachlich ein aus Deutschland heimkehrender oder besuchender "Gastarbeiter" im Herkunftsland genannt.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 20. Apr 2015, 18:06

SLclem » Heute 15:51 hat geschrieben:War nur mal neugierig, was Du in diesem Thema hier so von Dir gibst; nämlich wieder einmal: ***
Ignorant ... bleibe ich deshalb in Bezug auf Dich auch hier. Ciao.


:D Vielen Dank für Deinen wichtigen Hinweis.
Und natürlich bist und bleibst Du ignorant in Bezug auf mich. Genau das ist ja das Problem ... Tschüssi ( bis zur nächsten Neugier)
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Mo 20. Apr 2015, 19:08

Deutscher Staatsbürger ist jeder, der einen deutschen Pass hat. Deutscher, im ethnischen Sinn, ist ein Staatsbürger nicht zwingend.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Provokateur » Mo 20. Apr 2015, 19:09

Was unterscheidet einen ethnischen Deutschen von einem ethnischen Belgier?
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Mo 20. Apr 2015, 19:15

Provokateur » Mo 20. Apr 2015, 19:09 hat geschrieben:Was unterscheidet einen ethnischen Deutschen von einem ethnischen Belgier?


Kultur, Sprache, Tradition etc. wobei Belgier ja ein Sonderfall sind, dort scheint man sich auch noch viel mehr zuerst als Flame oder Wallone zu sehen.

Tatsache bleibt, jemand der in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen ist, keine deutschen Vorfahren hat und irgendwann hier aufschlägt und den deutschen Pass bekommt ist kein Deutscher im ethnischen Sinn. Staatsbürger ja.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Letzter-Mohikaner » Mo 20. Apr 2015, 19:18

Nicht mal diejenigen, die es betrifft, würden sich als ethnische Deutsche bezeichnen. Sie bleiben in der kurdischen, türkischen, oder was weiß ich für Kultur verbunden.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Provokateur » Mo 20. Apr 2015, 19:24

Letzter-Mohikaner » Mo 20. Apr 2015, 19:18 hat geschrieben:Nicht mal diejenigen, die es betrifft, würden sich als ethnische Deutsche bezeichnen. Sie bleiben in der kurdischen, türkischen, oder was weiß ich für Kultur verbunden.


Es ist auch eine Frage, wieviel wir fordern, damit jemand Deutscher werden kann.

Wenn es ein Aufwand wäre, die Staatsbürgerschaft zu erwerben, dann wären die Neu-Bürger sicherlich alles, aber kaum noch ihrer Herkunftskultur verbunden.
Konvertiten sind die eifrigsten Gläubigen. Man kann ruhig hohe Hürden für eine Staatsbürgerschaft anlegen.

Wehrdienst wäre so eine Hürde, oder für Leute, die nicht schießen lernen wollen, einige soziale Jahre.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Antonius » Mo 20. Apr 2015, 19:30

SLclem » Mo 20. Apr 2015, 16:17 hat geschrieben:(...)
Zum heutigen "Deutsch-Sein" gehört sicherlich das Erinnern an die Kriege und Verbrechen des letzten Jahrhunderts.
Übrigens galten "die" Deutschen noch zu Goethes Zeiten als faules, gefräßiges Volk ... nix "die pünktlichen, arbeitssamen Deutschen"... :thumbup:
Ich stimme Dir weitgehend zu.

"Zum heutigen Deutsch-Sein gehört sicherlich das Erinnern an die Kriege und Verbrechen des letzten Jahrhunderts".
Ich möchte aus der Rede des Bundespräsidenten zum Holocaust-Gedenktag am 27.1.2015 zitieren:

    Solange ich lebe, werde ich darunter leiden, dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur
    zu den ungeheuerlichsten Menschheitsverbrechen fähig war.
    Selbst eine noch so überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande,
    mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen.
    Denn da ist ein Bruch eingewebt in die Textur unserer nationalen Identität, der im Bewusstsein quälend lebendig bleibt.
    Wer "in der Wahrheit leben" will, wird dies niemals leugnen.

So empfinde ich es auch, und sicherlich wird jedermann, der jetzt die Deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt oder erwerben will,
sich darüber im Klaren sein, daß er auch in diesen Teil der deutschen Geschichte eintritt.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Cloudfox » Mo 20. Apr 2015, 19:41

Ein *Deutscher*?

Zuckmayer, Des Teufels general könnte da vielleicht Aufschluss geben :D

"
Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Ururgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt.

... was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas!

...

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.."

Carl Zuckmayer: Des Teufels General.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon JJazzGold » Mo 20. Apr 2015, 20:00

Cloudfox » Mo 20. Apr 2015, 19:41 hat geschrieben:Ein *Deutscher*?

Zuckmayer, Des Teufels general könnte da vielleicht Aufschluss geben :D

"
Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Ururgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt.

... was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas!

...

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.."

Carl Zuckmayer: Des Teufels General.


Chapeau, Cloudfox, wie passend an dieser Stelle.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Gregorius I » Mo 20. Apr 2015, 20:06

"Was ist eigentlich ein 'Deutscher'?" - Die Frage ist einfach zu beantworten: ein Mensch und Individuum!

Offenbar ist noch keiner drauf gekommen?! :cool:
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon SLclem » Mo 20. Apr 2015, 21:32

Antonius » Mo 20. Apr 2015, 18:30 hat geschrieben:Ich stimme Dir weitgehend zu.

"Zum heutigen Deutsch-Sein gehört sicherlich das Erinnern an die Kriege und Verbrechen des letzten Jahrhunderts".
Ich möchte aus der Rede des Bundespräsidenten zum Holocaust-Gedenktag am 27.1.2015 zitieren:

    Solange ich lebe, werde ich darunter leiden, dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur
    zu den ungeheuerlichsten Menschheitsverbrechen fähig war.
    Selbst eine noch so überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande,
    mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen.
    Denn da ist ein Bruch eingewebt in die Textur unserer nationalen Identität, der im Bewusstsein quälend lebendig bleibt.
    Wer "in der Wahrheit leben" will, wird dies niemals leugnen.

So empfinde ich es auch, und sicherlich wird jedermann, der jetzt die Deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt oder erwerben will, sich darüber im Klaren sein, daß er auch in diesen Teil der deutschen Geschichte eintritt.

Tja, natürlich kann niemand per Unterschrift einen Teil der Schuld der z.T. noch lebenden Generationen am Holocaust etc. auf die eigenen Schultern nehmen; ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ein "Neu-Deutscher" nach der Einbürgerung eine solche Schuld empfinden/annehmen wird...

Und: ich habe ein bisschen Probleme mit Gauck, der nach meinem Geschmack das "ich-" und "mein-Gefühl" etwas zu introvertiert und zu wenig "repräsentativ" denkt - Weizsäcker als "anerkanntes Ideal" ist natürlich kein fairer Maßstab, zugegeben.

Interessant fand ich die "philosophische" Bemerkung eines israelischen Soziologen (siehe meine Signatur), die Deutschen wären heute die perfekten Demokraten, wie sie früher die perfekten Helfer Hitlers waren ... halt in allem perfekt - und dabei gnadenlos gut ... da kann man Angst bekommen.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Provokateur » Di 21. Apr 2015, 06:32

Wir haben einen Hang zum Totalen.

"Ein bisschen schwanger gibt's nicht."
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Demolit » Di 21. Apr 2015, 07:31

Cloudfox » Mo 20. Apr 2015, 18:41 hat geschrieben:Ein *Deutscher*?

Zuckmayer, Des Teufels general könnte da vielleicht Aufschluss geben :D

"
Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Ururgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt.

... was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas!

...

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.."

Carl Zuckmayer: Des Teufels General.


Lach......und weil das genauso ist, wie der Carl das beschreibt.........in eigener Person vieles davon gebunden ist, rheinischen katholisch aufgezogen auf der Ackerkrume der zig Vorfahren, mit Rheinwasser getauft. .......bin ich Abendländrr durch und durch......

Deutscher Botschafter des Abendlandes in fremden Kulturen gewesen.......also sollten wir stolze Abendländer sein, weil eine durchgängige Weiterbildung der kulturellen, sozialen Werte hier kontinuierlich mit vielen Brüchen und Toten geschah.....damit wurde etwas geschaffen, das anders kulturell sozialisierten Mensche etwas anbot, was sie als erstrebenswert ansahen...........

..........das nach einigen Generationen einige das noch nicht für sich verarbeitet haben, zeigt das bei einigen die Fähigkeit fehlt, die den Deutschen auszeichnet........lernfähig gegenüber der Welt zu sein und darazs einen Fortschritt zu erreichenden. .....das Einhausen mit den Zeichen der Vergangenheit bringt keinen neuen Deutschen im Sinne des Carls hervor............die gehören nun mal nicht zu den Deutschen. ....wollen es nicht.......dann darf man sagen.....es reicht nicht Deutscher zu sein.

echt :)
Zuletzt geändert von Demolit am Di 21. Apr 2015, 08:22, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Flat » Di 21. Apr 2015, 07:31

Moin,

gibt es denn einen einheitlichen deutschen Kulturkreis?

Oder ist das nicht eher eine sehr geschönte und vereinfachte Zusammenfassung diverser verschiedener regionaler Kulturen in Deutschland?

Ich kann keine große Übereinstimmung zwischen einer norddeutschen und einer bayrischen Kultur feststellen. Sachsen, Schwaben, Berliner, alle sehr unterschiedlich.

Ist z.B. ein Norddeutscher nicht der dänischen Kultur viel näher als beispielsweise der bayrischen?

Tschüss

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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon SLclem » Di 21. Apr 2015, 08:26

Uns' Wikipedia meint dazu zum Stichpunkt "Kulturraum":

    Die Volkskunde beschäftigt sich mit dem europäischen Kulturraum und unterscheidet dabei den überstaatlichen deutschen Kultur- und Sprachraum beispielsweise in einen
    bairischen Kulturraum in Österreich und Bayern und einen
    niederdeutschen Kulturraum im Osten der Niederlande und Norden Deutschlands.

(... und natürlich weitere Kulturräume "dazwischen"...)

Ich denke, dass aktuelle Landesgrenzen sich an ehemaligen Frontlinien und geographischen Hindernissen (Rhein, Alpen etc.) festmachen, weniger an ethnologischen Traditionen/Gemeinsamkeiten. Als "teilweise deutsch" kann man sich kulturell also auch in Nachbarländern fühlen ...

Was ich z.B. an Deutschland klar schätze, ist die landesweit gute gesundheitliche Versorgung. Wie man so hört, gibt es Rentner, die sich des angenehmen Klimas wegen für einige Jahre Domizile in etwa Spanien oder Fernost zulegen, mit Beginn schwererer Krankheiten aber oft "zurück" wollen.
Ich vermute, Italiener z.B. schätzen neben dem Klima und dem Lebensstil an ihrem Land den (früher?) verbreiteten Familien-Zusammenhalt in "Krisenzeiten" etc., und wären in "Krisen" in Deutschland nicht recht glücklich - ?!?
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon SLclem » Di 21. Apr 2015, 08:46

Cloudfox » Mo 20. Apr 2015, 18:41 hat geschrieben:Ein *Deutscher*? [...]

Carl Zuckmayer: "Des Teufels General":
"Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.."

Ei, Gude!

Net, des ich mich uffreesche däät, weesch'n so'm Fillefanz, aber schon dem Geedhe sei' Oppa war Schultheiß hier in Frangfott, gell !?
... und Frangfott liescht am Maa, net am Rhei'!

Unsern Geedhe kimmt von hier, aus unser' Freie Reischsstadt, gell, wo mer frieher alls' die reemisch-deutsche Kaisers gekrönt hatt – net von dene, die alls'emol Faschings-Prinze und so'n Gesox über die Gass schiebe due. ;)

Trotzdem: Alaaf un' Helau! ... und's Lebbe geht weider ... :D
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon ariya richter » Sa 25. Apr 2015, 11:43

Eine Frage an die User hier, hat einer von Euch den Deutschenausweis? Was ist das?

Staatsangehörigkeitsausweis
Was ist ein Staatsangehörigkeitsausweis?

Reisepass und Personalausweis sind keine sicheren Nachweise für den Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit. Mit einem Staatsangehörigkeitsausweis hingegen ist die deutsche Staatsangehörigkeit verbindlich nachgewiesen. Ein Staatsangehörigkeitsausweis wird für bestimmte Rechtsgeschäfte oder -verhältnisse benötigt (z.B. Adoption, Verbeamtung, Heirat, Einbürgerung des ausländischen Ehegatten). Wir stellen ihn auch auf Ihren Antrag hin aus, wenn Sie – rechtlich gesehen deutscher Staatsangehöriger sind – dies aber bisher nicht geltend gemacht haben, weil Sie z. B. als Doppelstaatler bereits Inhaber eines ausländischen Passes sind.


Wer aber Nachweisen kann, er selbst ist im Zeitraum von 1933 bis 1945 geboren ist, oder seine Eltern, der brauch durch die Ariergesetzgebung keinen weiteren Nachweis erbringen!

Da er von den Deutschen nicht Vergast wurde, er war vom Blute her Deutscher!

Was wird bei Ausstellung eines Staatsangehörigkeitsausweises geprüft?

Die Staatsangehörigkeitsbehörde prüft im Regelfall, ob der Antragsteller bzw. seine Vorfahren zumindest seit 1938 immer als Deutsche behandelt wurden. Waren sie z. B. von Veränderungen staatlicher Hoheitsgebiete betroffen, die beide Weltkriege mit sich brachten, können weitergehende Prüfungen erforderlich sein. Für im Ausland wohnende deutsche Staatsangehörige nimmt die jeweilige deutsche Auslandsvertretung den Antrag entgegen und leitet diesen dann an das für die Bearbeitung zuständige Bundesverwaltungsamt in Köln weiter.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon ThorsHamar » Sa 25. Apr 2015, 12:21

ariya richter » vor 36 Minuten hat geschrieben:Eine Frage an die User hier, hat einer von Euch den Deutschenausweis? Was ist das?



Wer aber Nachweisen kann, er selbst ist im Zeitraum von 1933 bis 1945 geboren ist, oder seine Eltern, der brauch durch die Ariergesetzgebung keinen weiteren Nachweis erbringen!

Da er von den Deutschen nicht Vergast wurde, er war vom Blute her Deutscher!



Was ist denn das für ein infantiler Blödsinn?
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Was ist eigentlich ein "Deutscher"?

Beitragvon Cloudfox » Sa 25. Apr 2015, 12:26

Die von manchen so vehement angenommene Urrasse *der Reinhiet und Qualität* eines *Deutschen* gibt es nicht.

Auch ist jene erfundene *Urrasse* nicht überlegen :rolleyes:

Für eine *Rassenpflege* war es schon unter Hitler zu spät, längst *gemischt* :D

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