Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

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imp
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Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon imp » Mo 4. Feb 2019, 08:21

Lieber H2O,

ich habe mir erlaubt, das Wasserstoff-Thema aus dem EEG-Strang auszukoppeln.
Wasserstoff ist kein reines EEG-Thema und beim EEG dreht es sich bislang fast ausschließlich NICHT um Wasserstoff-Anwendungen.
Das EEG ist zwischen 2000 und 2020 eher ein Wasserstoffkiller.

Warum ist das so?

Man bekam bisher für EE-Strom durch die EEG-basierten Förderinstrumente viel zu viel Geld, als dass man ihn hinreichend billig an die Industrie abgegeben hätte.
In der Verfahrenstechnik spielt Wasserstoff aus Elektrolyse bisher keine relevante Rolle. Dafür braucht man billigen Strom in Menge. Stattdessen holt die Industrie bisher Wasserstoff vor allem aus Erdgas durch Dampfreformation. (Raffinerietechnik, Methanolsynthese, Ammoniaksynthese)

Würde man der Industrie den grünen Wasserstoff preislich schmackhaft machen, entstünde eine Abnahme von bis zu 20 Gigawatt.
Wasserstoff für Industrieanwendungen wird direkt vor Ort gewonnen, Transporte werden möglichst vermieden.
Das muss das Netz erstmal abkönnen. Bisher diskutiert ihr oft Wasserstoffproduktion zur Vermeidung von Netzspitzen und Wasserstoffanwendung (Brennstoffzelle) oder Methanisierung (Erdgas) folgt dann aus der Verfügbarkeit. Das erscheint mir verkehrt herum.

Wasserstoff und Brennstoffzelle sind seit den 80ern immer wieder "morgen" marktreif, die Zukunftstechnik. Man kann von einem Fußballer sprechen, der mit Mitte 30 immer noch als Hoffnungsträger und ewiges Talent aufgestellt wird, aber bisher wenige Tore geschossen hat. Zwar gibt es Licht am Ende des Tunnels, wasserstoffbasierte Regionalzüge gibt es zu kaufen (aber unwirtschaftlich teuer), wasserstoffbasierte Schiffe gibt es als Experiment. Ein wasserstoffbasiertes Kleinflugzeug gibt es auch. Jedoch braucht es meiner Meinung nach mindestens ein "Mobilitäts-EEG" für 2-3 Jahrzehnte, bis diese Technik am Markt bestehen kann und die Verkehrsnetze auch entsprechende Lade- und Wartungspunkte beinhaltet.
Über Erdgas- und Wasserstoffautos möchte ich an dieser Stelle mal nicht nachdenken. Ich sehe die naheliegendsten Anwendungen für grünen Wasserstoff derzeit eher stationär - wenn es denn bezahlbar gemacht wird. Das wird nicht "von selbst" passieren.

Nun ein Blick auf deinen Beitrag:

H2O hat geschrieben:(04 Feb 2019, 01:11)

Dieses Prinzip stimmt natürlich unverändert. Verfahrenstechnisch wird aber die Ausbeute, der technische Wirkungsgrad von eingesetzter Energie und gespeicherter Energie im freigesetzten Wasserstoff als Brennstoff durch die Wassertemperatur, Druck und beigemischte Katalysatoren stark erhöht auf unglaubliche 97%. ("alkalische Wasserstoffsynthese")
http://www.fvee.de/fileadmin/publikatio ... 004_03.pdf

In einer zweiten Synthesestufe wird dem Wasserstoff Kohlendioxyd aus Industrieprozessen oder aus der Biogasanlage zugeführt, um daraus synthetisches Methan zu erzeugen. Auch das wird Verfahrenstechnisch unterstützt durch Wärme und Katalysatoren, so daß hier insgesamt von Strom hinein bis Methan heraus ein energetischer Wirkungsgrad von 75 % erzielt wird. Das ist natürlich ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den früher üblichen 30 %.

Ja, da gehen die Probleme los.
- Sicherstellung der CO2-Quelle bei unregelmäßigem Verbrauch, Vermeidung von Unter- und Überversorgung -> Dimensionierung des Lagers.
- Nutzung ist zwar saisonal planbar, aber im konkreten Verlauf unregelmäßig
- Die Bemühungen um Dynamisierung von Netz und konventionellen Kraftwerken verringern eher noch die Zeiten, in denen das Verfahren laufen wird. Dagegen steht der Zubau an EE ;)
- Die Apparate sind relativ teuer, schreiben sich kontinuierlich ab, haben aber deutlich weniger Betriebsstunden als die EE-Anlage selbst. Der Rückgang des Anlagenpreises wird bisher eher zurückhaltend geschätzt (50% über 25 Jahre).
- Für Betriebsstoffe und Wartungsaufwände gibt es noch keine öffentlich bekannte Faustformel.

Man wird in der Praxis einen Park, der so eine Anlage bedient, wohl eher nur bis zu einem definierten Maximum ins Netz einspeisen lassen, das Anfrage unter/überschritten wird (teurer Regelstrom) sodass die Anlage auf einem definierten Niveau Betriebsstunden sammelt. Damit widerspricht man aber dem bisherigen unbedingten Einspeisevorrang, nach dem EE-Strom nur dann nicht ans Netz geht, wenn es technisch unvermeidbar ist. Hier den richtigen Kompromiss aus Wirtschaftlichkeit und CO2-Vermeidung zu finden, dürfte spannend werden.

Anhang: Eine inzwischen etwas betagte Studie zur Nutzung von EE-Gasen hat 2013 der BEE vorgelegt. http://www.lbst.de/download/2014/201312 ... EEGase.pdf betrachtet vergleichend Biogasanlagen und Windparks.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Quatschki » Mo 4. Feb 2019, 09:06

1980 hatten wir noch Stadtgas.
Also im Prinzip Wasserstoff mit ein bißchen Methan und Kohlenmonoxid, das im Gaswerk durch Kohleverschwelung gewonnen wurde. Erst später wurde das Erdgas so billig, dass es das Stadtgas verdrängt hat.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon imp » Mo 4. Feb 2019, 09:31

Quatschki hat geschrieben:(04 Feb 2019, 09:06)

1980 hatten wir noch Stadtgas.
Also im Prinzip Wasserstoff mit ein bißchen Methan und Kohlenmonoxid, das im Gaswerk durch Kohleverschwelung gewonnen wurde. Erst später wurde das Erdgas so billig, dass es das Stadtgas verdrängt hat.

Ja, gern vergessen. Heute ist man gar nicht mehr so sicher, ob das moderne Gasnetz und moderne Brenner größere Mengen Wasserstoffbeimischung überhaupt vertragen.
Die Wasserstoff-Begeisterung bei den Zukunftsfreunden dreht sich traditionell eher um mobile Nutzung.

Hier mal ein Beitrag aus der Popkultur zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=oWgbyZzhGhc hat geschrieben:Wir spalten das Wassermolekül
und lösen so das Hauptproblem.
Nicht mit Benzin, nicht Kohlenstoff, nicht Atomar.

Ooohoho, wann ist es soweit?
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Man wird verstehen, dass nach Jahrzehnten der Witz "Wasserstoff kommt" nicht mehr alle begeistert.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 10:09

Ja, da gehen die Probleme los.
- Sicherstellung der CO2-Quelle bei unregelmäßigem Verbrauch, Vermeidung von Unter- und Überversorgung -> Dimensionierung des Lagers.
- Nutzung ist zwar saisonal planbar, aber im konkreten Verlauf unregelmäßig
- Die Bemühungen um Dynamisierung von Netz und konventionellen Kraftwerken verringern eher noch die Zeiten, in denen das Verfahren laufen wird. Dagegen steht der Zubau an EE


In meinem Hinterkopf sah ich das synthetische Methan in unseren Gasleitungen und Gaskavernen lagern, von wo es für Kraftfahrt, landwirtschaftliche Maschinen und Gasturbinen abrufbar gehalten wird. Ich hoffe, daß in den Kavernen Platz für diese in der Tat unregelmäßig angelieferten Methanmengen ist. CO2 sollte aus immer noch betriebenen Kohlemeilern abgezogen werden können, oder aber aus stetig laufenden Bio-Gasanlagen. Natürlich muß man so etwas systemisch planen, auch wenn der Bedarf unstetig auftritt. Der Kostengesichtspunkt trifft aber auch Windparks, die nicht ständig liefern können... die überleben doch auch nur deshalb, weil an anderer Stelle Aeolos freundlicherweise für Durchlüftung sorgt.

Ich würde den Strombedarf trennen vom Kraftstoffbedarf. Aber bitteschön: Unsere Fachleute sind aufgerufen, diese öffentlich angesprochenen Vorschläge zu bewerten und zu kanalisieren.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Senexx » Mo 4. Feb 2019, 10:19

Ein Grüner plädiert also für die Anheizung des Treibhauseffekts.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 10:22

Senexx hat geschrieben:(04 Feb 2019, 10:19)

Ein Grüner plädiert also für die Anheizung des Treibhauseffekts.

Endlich findet sich ein ...ja wer denn?... und kämpft mit den Grünen gegen die Erderwärmung. Daß ich das noch erleben durfte! :D
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Teeernte » Mo 4. Feb 2019, 10:25

H2O hat geschrieben:(04 Feb 2019, 10:09)

In meinem Hinterkopf sah ich das synthetische Methan in unseren Gasleitungen und Gaskavernen lagern, von wo es für Kraftfahrt, landwirtschaftliche Maschinen und Gasturbinen abrufbar gehalten wird. Ich hoffe, daß in den Kavernen Platz für diese in der Tat unregelmäßig angelieferten Methanmengen ist. CO2 sollte aus immer noch betriebenen Kohlemeilern abgezogen werden können, oder aber aus stetig laufenden Bio-Gasanlagen. Natürlich muß man so etwas systemisch planen, auch wenn der Bedarf unstetig auftritt. Der Kostengesichtspunkt trifft aber auch Windparks, die nicht ständig liefern können... die überleben doch auch nur deshalb, weil an anderer Stelle Aeolos freundlicherweise für Durchlüftung sorgt.

Ich würde den Strombedarf trennen vom Kraftstoffbedarf. Aber bitteschön: Unsere Fachleute sind aufgerufen, diese öffentlich angesprochenen Vorschläge zu bewerten und zu kanalisieren.


Leider lohnt es sich derzeit kurzfristig MEHR..... die Gaskavernen mit CO2 zu verfüllen...als diese mit "GrünGas" als Zwischenspeicher zu nutzen.

Das Interesse an dem Projekt ist groß. Mittlerweile haben sich 17 Partner angeschlossen, darunter auch Kraftwerksbetreiber. Zudem wird die Untersuchung, die fast 20 Millionen Euro kostet, von der Europäischen Union mit 8,7 Millionen Euro gefördert.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 85735.html

"Unterirdische Speicher reichen für Jahrhunderte"


„Jetzt ist es eben da“

Seit 2008 pressen Experten des Potsdamer Geoforschungszentrums in Ketzin Kohlendioxid unter die Erde. Während Bürgermeister Lück begeistert ist, haben sich die Anwohner damit abgefunden


1965 wurde der Ketziner Ortsteil nach einer Havarie im ersten unterirdischen Erdgasspeicher der DDR vollständig evakuiert, eingeebnet und die Einwohner umgesiedelt, samt ihrer Vorfahren. „Sogar der Friedhof wurde umgebettet“, erinnert sich Bernd Lück.


CO2-Endlager im industriellen Maßstab, ..bei Beeskow und Neutrebbin geplant...
https://www.pnn.de/brandenburg/von-matt ... 20400.html

Grüüüüüne EXperte eben...
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 10:39

CO2 in Kavernen, die ansonsten nur für Gas-Gerds Lieferungen genutzt werden? Bringen Sie da nicht einiges durcheinander? Aber immerhin: Vielleicht löst diese Technik die Frage nach der stetigen Versorgung mit CO2 für die Methanisierung.

So weit ich weiß, reicht der Gasvorrat in unseren Kavernen für 2 Monate Gas-Vollversorgung. Das mag anders werden., wenn sich die Kraftfahrt dort auch bedient.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Teeernte » Mo 4. Feb 2019, 11:15

H2O hat geschrieben:(04 Feb 2019, 10:39)

CO2 in Kavernen, die ansonsten nur für Gas-Gerds Lieferungen genutzt werden? Bringen Sie da nicht einiges durcheinander? Aber immerhin: Vielleicht löst diese Technik die Frage nach der stetigen Versorgung mit CO2 für die Methanisierung.

So weit ich weiß, reicht der Gasvorrat in unseren Kavernen für 2 Monate Gas-Vollversorgung. Das mag anders werden., wenn sich die Kraftfahrt dort auch bedient.


Neee.... Alles was DDR war is schlecht. Das DDR Lager wird für CO2 genutzt. ....und das war zu DDR Zeiten das Erdgaslager.

Für die Methanisierung ist in der Zukunft bestimmt ausreichend ProzessStoff vorhanden.

Da gibt es ausreichend Verordnung für - die Verwendung von REST-Stoffen geht vor bergbaumässigem Abbau... :D :D
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 11:30

Alles was DDR war is schlecht.


Au, verflixt, schnell Hände weg von der Tastatur und ein wenig nachdenken! :p
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Teeernte » Mo 4. Feb 2019, 11:36

H2O hat geschrieben:(04 Feb 2019, 11:30)

Au, verflixt, schnell Hände weg von der Tastatur und ein wenig nachdenken! :p


Auch eine Frage der Energieverschwenndung .....

Die Rolleihallen in Braunschweig wurden nach der Pleite für 8 pfennig der Quadratmeter vermietet...

Berlin ....die meisten Ostbauten ...vergammeln - auf Vermietung für wenig Geld (Selbstinstandhaltung) kommt da keiner.... Nicht mal der Staat - der ja meistens Eigentümer ist//war.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon van Kessel » Mo 4. Feb 2019, 12:42

Viel Richtiges, aber auch viel Falsches. Das sogen. Stadtgas war ein Abfallprodukt der Koksherstellung. Dieser wurde für die Hochöfen gebraucht. Mit dem Verfall der deutschen Stahlherstellung - und dessen Verlagerung in Länder wie China, Indien oder Brasilien - mussten die deutschen Hochöfen (und daher auch die Koksherstellung) dichtmachen. Es gibt jetzt nur noch einige dieser Hochöfen zur Herstellung von Spezialstählen, welche der deutsche und internationale Maschinenbau benötigt (soweit ich weiß gibt es auch nur noch eine Kokerei von Rang).

Daher wurde das 'Stadtgas' obsolet. Mit der Einführung des Erdgases musste das gesamte deutsche Gasnetz untersucht und an allen Verbrauchstellen die Düsen ausgewechselt werden. Dies ist lange abgeschlossen und wird auch nicht mehr rückentwickelt.

Bei den Gaskavernen für zwischengelagertes Erdgas sind zwei Typen zu unterscheiden. Die in Norddeutschland im Salzgestein ausgespülten Kavernen (i.d.R. ± 1700 Meter Tief, ± 50 Meter Durchmesser und ± 200 Meter Höhe) dienen bei einem Druck von max. 75 barg als Zwischenlager. In anderen Gegenden sind es flächige Einpressungen in poröse Gesteinsarten, welche mit einer Deckschicht das Gas abschließen können. Beide Arten werden genutzt. Die Kavernen im Salzstock haben zunehmend Schwierigkeiten eine Erlaubnis zu erlangen, weil die ausgespülte Salzlake die benutzten Vorfluter 'verunreinigen'.

Zur Physik ist zu sagen, dass 'die Menge eines Gases' von dessen Druck abhängt, da bekanntlich ein Gas jeden zur Verfügung gestellten Raum 'ausfüllen' kann. Daher herrschen in den Fernleitung aus Russland oder Norwegen auch diese hohen Drück, welche in Land-verlegten Leitungen nicht erlaubt sind. Je höher der Druck, desto mehr Gas kann transportiert werden (hoher Druck erfordert aber wiederum Spezialstähle, welche auch nicht zum Spottpreis zu haben sind).

Beim Wasserstoff ging es mir darum aufzuzeigen, dass man das Prinzip Power2Gas als praktikable Möglichkeit ansehen kann, 'erzeugten' Strom aus Wind-, Solar oder sonstigen Anlagen, billiger zu speichern als in sehr, sehr teuren Batterien oder Pumpspeicheranlagen etc.. Das deutsche (europäische Gasnetz) stellt ein vorhandenes, riesiges Potenzial dar, dessen man sich 'nur' bedienen muss. Ein Teil des 'hergestellten' Wasserstoffs ist sehr gut geeignet (ob seiner Reinheit) in Verbrennungsmotoren von PKW seine Arbeit zu leisten (das wissen aber die Autobauer schon lange).

Man möge sich über Power2Gas informieren und dann erst seine Ansicht posten. Der Nebenschauplatz CO2-Lagerung ist obsolet, weil CO2 der natürliche Baustoff des Lebens ist. Eine 'Überdüngung' des Planeten ist nur abhängig vom Wettlauf zwischen Kettensäge und Wachstum der Flora.

Der Hype um Elektro- PKW - und die daraus resultierende Abhängigkeit deutscher Autobauer von Speichermedien - übersieht, dass Strom auch in anderer Form gespeichert werden kann denn in Batterien/Akkus, welche zwar fast täglich eine neue 'Erfindung' zeitigen, aber dessen Probleme evident sind. Auch die Herstellung von Batterien hinterlässt einen 'Fußabdruck'.

Wer bei wiki unter Gaskaverne nachschaut wird feststellen dass die von mir vorgestellten Möglichkeiten, bereits 'Stand der Technik sind: Auszug:
Neben fossilen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas, können Kavernen künftig auch eingesetzt werden, um Energie aus Wind- und Sonnenkraft zu speichern. Auch bei diesen dient die Kavernenspeicherung dazu, Unterschiede zwischen Förderung auf der einen Seite und Bedarf auf der anderen Seite auszugleichen. Überschüssige Elektrizität, beispielsweise aus Windkraftanlagen, wird durch die Umwandlung in Speichermedien wie Wasserstoff oder Biomethan in Kavernen gespeichert werden. Die Untergrundspeicher sind für den Fluktuationsausgleich und als Langzeitspeicher mit Kapazitäten von mehreren Terawattstunden geeignet, um größere Mengen regelmäßig eingespeister Energie aufzunehmen und bedarfsgerecht wieder abzugeben.

PS: ich halte den Titel dieses Threads für falsch, weil nur Wasserstoff keine Abgase erzeugt und somit der modernste 'Kraftstoff' überhaupt ist. Die Verführung durch das Erdöl als Antrieb von Maschinen, hat die Endlichkeit dieser Ressource übertüncht. Und wie es aussieht, werden sich die USA und Russland bald um die letzten Reserven rund um die Arktis kloppen.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 12:44

Teeernte hat geschrieben:(04 Feb 2019, 11:36)

Auch eine Frage der Energieverschwenndung .....

Die Rolleihallen in Braunschweig wurden nach der Pleite für 8 pfennig der Quadratmeter vermietet...

Berlin ....die meisten Ostbauten ...vergammeln - auf Vermietung für wenig Geld (Selbstinstandhaltung) kommt da keiner.... Nicht mal der Staat - der ja meistens Eigentümer ist//war.


Ist der Staat ja selbst schuld, wenn bei mir das Wasser durch die Decke tropft und die Tapeten schimmeln!
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Teeernte » Mo 4. Feb 2019, 12:59

van Kessel hat geschrieben:(04 Feb 2019, 12:42)

Viel Richtiges, .



Die Mär vom Wasserstoff

Wasserstoff ist nämlich keineswegs eine »Energie«, wie es in den Visionen immer wieder heißt. Vielmehr ist er lediglich ein »sekundärer Energieträger«, etwa wie das heiße Wasser in der Zentralheizung. Und noch ein ziemlich schlechter Träger dazu. Bei der Wasserstoffherstellung mittels Elektrolyse wird Elektrizität durch Wasser geleitet, aus dem H2O entstehen H2 und Sauerstoff. Dabei gehen über 40 Prozent der wertvollen elektrischen Energie verloren. Wird der Wasserstoff dann wieder in einer Brennstoffzelle zwecks Stromerzeugung verbrannt, geht erneut viel Energie durch Wärmeverluste flöten, diesmal rund die Hälfte.


Eine weitere Verlustquelle ist das Speichern von Wasserstoff. Da er, bezogen auf sein Volumen, nur sehr wenig Energie enthält, muss er aufwändig in Druckbehältern komprimiert oder durch Abkühlen auf minus 253 Grad verflüssigt werden. Auch das kostet Energie. Noch schlechter steht es um den Transport. Ein mit Druckwasserstoff in Stahlflaschen beladener Lkw für die Versorgung von Tankstellen verbraucht auf 200 Kilometern 12 Prozent der geladenen Energie.


https://www.zeit.de/2004/42/Wasserstoff/seite-2
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon Teeernte » Mo 4. Feb 2019, 13:00

H2O hat geschrieben:(04 Feb 2019, 12:44)

Ist der Staat ja selbst schuld, wenn bei mir das Wasser durch die Decke tropft und die Tapeten schimmeln!


Die Dinger stehen seit der WENDE LEEEEEEEER. Nimm dir ein Hotelzimmer nahe OST Bahnhof Berlin... :D :D :D da hast Du die volle Übersicht.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon imp » Mo 4. Feb 2019, 13:22

van Kessel hat geschrieben:(04 Feb 2019, 12:42)
PS: ich halte den Titel dieses Threads für falsch, weil nur Wasserstoff keine Abgase erzeugt und somit der modernste 'Kraftstoff' überhaupt ist. Die Verführung durch das Erdöl als Antrieb von Maschinen, hat die Endlichkeit dieser Ressource übertüncht. Und wie es aussieht, werden sich die USA und Russland bald um die letzten Reserven rund um die Arktis kloppen.

Der Titel soll Diskussionen anregen, ohne jemanden persönlich zu ärgern. Das Paradox beim Wasserstoff als Energieträger und speziell in Verbindung mit der Brennstoffzelle ist, dass er immer "bald" nutzbar wird, aber "jetzt nicht". Tatsächlich kann man schon heute viel damit machen - leider teuer.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon van Kessel » Mo 4. Feb 2019, 17:09


nanu, hat man da etwa gemogelt oder schlecht recherchiert? "Der energetische Wirkungsgrad der Elektrolyse von Wasser liegt bei über 70 %. Mehrere Anlagenhersteller (z. B. Electrolyser Corp., Brown Boveri, Lurgi, De Nora, Epoch Energy Technology Corp.) bieten große Elektrolysegeräte mit einem noch höheren Wirkungsgrad (über 80 %) an. Wissenschaftler des MIT haben einen Katalysator entwickelt, der die Effizienz der Elektrolyse von Wasser auf nahezu 100 % steigern soll." (aus wikipedia - Wasserstoffherstellung)

Also, noch einmal von vorne anfangen. Irgendwie wird man noch die Kernkraft wieder aus dem Hut zaubern können. Vielleicht war der Zeit-Redakteur auch nur ein Fan der strahlenden Zukunft
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon imp » Mo 4. Feb 2019, 19:00

van Kessel hat geschrieben:(04 Feb 2019, 17:09)

nanu, hat man da etwa gemogelt oder schlecht recherchiert? "Der energetische Wirkungsgrad der Elektrolyse von Wasser liegt bei über 70 %. Mehrere Anlagenhersteller (z. B. Electrolyser Corp., Brown Boveri, Lurgi, De Nora, Epoch Energy Technology Corp.) bieten große Elektrolysegeräte mit einem noch höheren Wirkungsgrad (über 80 %) an. Wissenschaftler des MIT haben einen Katalysator entwickelt, der die Effizienz der Elektrolyse von Wasser auf nahezu 100 % steigern soll." (aus wikipedia - Wasserstoffherstellung)

Also, noch einmal von vorne anfangen. Irgendwie wird man noch die Kernkraft wieder aus dem Hut zaubern können. Vielleicht war der Zeit-Redakteur auch nur ein Fan der strahlenden Zukunft

Evtl waren sie 2004 noch nicht so weit.
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Feb 2019, 19:15

imp hat geschrieben:(04 Feb 2019, 19:00)

Evtl waren sie 2004 noch nicht so weit.


Über den sehr hohen Wirkungsgrad der katalytischen Wasserstoffsynthese können wir uns erst seit 2 oder 3 Jahren freuen. Mindestens ebenso erfreulich ist die Entwicklung des Wirkunggrads der katalytischen Methansynthese... vor allem mit Blick auf die Verwendung in der Transportwirtschaft!
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Re: Wasserstoff - Seit 1980 bald Energie von Morgen

Beitragvon X3Q » Mo 4. Feb 2019, 19:38

imp hat geschrieben:(04 Feb 2019, 19:00)

Evtl waren sie 2004 noch nicht so weit.

So schaut's aus!

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