Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

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Welche Parteien stehen in Deutschland für liberale Inhalte?

Die Umfrage läuft bis Mo 20. Jul 2020, 21:29.

CDU
4
8%
CSU
2
4%
SPD
3
6%
FDP
19
39%
Grüne
9
18%
AfD
4
8%
Die Linke
3
6%
Keine der genannten Parteien
5
10%
 
Abstimmungen insgesamt: 49
lili
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 14:11

Europa2050 hat geschrieben:(22 Jul 2019, 14:06)

Lindner hat die Wende der FDP von der „Kapitalistenpartei“ (den Job hat jetzt die CSU, gell Herr Scheuer) zur Bürgerrechtspartei eingeleitet.

Allerdings ist er, so gut er als Stratege ist, m.E. ein katastrophaler Darsteller (ich ärgere mich als Hardcoreliberaler in jeder Talkshow, in der dabei ist, mindestens einmal und wünsche mir, Genschman wäre wieder da).

Lindner bekommt deshalb nie vernünftig rüber, dass Bürgerrechte und Individualismus eineiige Zwillinge sind und kein Gegensatz.

Na gut, ist auch komplexer zu erklären, als dass die Erde zu heiss wird oder dass die Flüchtlinge uns alle umbringen ...



Für mich gehören Individualismus und Bürgerrechte auch zusammen. Ich finde nur, dass der Wirtschaftsliberalismus nicht so richtig dazu passt. Viele setzten freien Markt mit Individualismus gleich. Ich sehe aber dass die freie Wirtschaft keine freien Individuen haben möchte. Sie rebellieren und wollen sich entfalten. Kritik am Staat ist richtig und notwendig, dennoch ist sie sehr einseitig und vergisst dass der Markt auch nicht auf die Freiheit setzt.
Anarchie ist Sozialismus und Freiheit in einem. Freiheit ohne Sozialismus besteht aus Priveligien und Sozialismus ohne Freiheit bedeutet Gewalt und Unterdrückung (Michail Bakunin)
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Europa2050 » Mo 22. Jul 2019, 14:38

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 14:11)

Für mich gehören Individualismus und Bürgerrechte auch zusammen. Ich finde nur, dass der Wirtschaftsliberalismus nicht so richtig dazu passt. Viele setzten freien Markt mit Individualismus gleich. Ich sehe aber dass die freie Wirtschaft keine freien Individuen haben möchte. Sie rebellieren und wollen sich entfalten. Kritik am Staat ist richtig und notwendig, dennoch ist sie sehr einseitig und vergisst dass der Markt auch nicht auf die Freiheit setzt.


In einer liberalen Welt ist es völlig egal, was die Wirtschaft will, genauso wie die katholische Kirche oder der FC Bayern München.

Entweder sie überzeugen die Individuen mit ihrem Angebot, oder sie verschwinden. Erst der geregelte Markt führt zur Entmündigung der Individuen. Sie können sich nicht mehr frei entscheiden ...

Für Audi z.B. wäre es wesentlich schlimmer, wenn alle 82 Mio. Deutsche spontan nichts mehr mit dieser Marke zu tun haben wollten und kein solches Auto mehr kaufen, als irgendwelche Klagen. Da hilft dann auch Scheuerprotegierung nix. Dann ist Ende. Und Audi und Scheuer könnten 0,0 dagegen tun. Tod by Markt, entsorgt durch selbstständige Individuen.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon BlueMonday » Mo 22. Jul 2019, 15:09

Julian hat geschrieben:(21 Jul 2019, 21:29)

Der Liberalismus ist seit dem 19. Jahrhundert eine wichtige politische Strömung in Deutschland. Viele Parteien haben über die Jahrzehnte behauptet, für liberale Inhalte zu stehen.

Allerdings ist gar nicht so klar, was Liberalismus und was liberale Inhalte sind. Sprechen wir von linksliberalen Inhalten, also etwa Bürgerrechten? Sprechen wir von wirtschaftsliberalen Inhalten? Oder gar von nationalliberalen?


Ich halte ja schon diese Trennung für irreführend. Was soll oder sollte ein "Bürgerrecht" sein, insbesondere im liberalen Sinne? In erster Linie doch wohl Eigentum erwerben zu dürfen, über sein Eigentum verfügen zu dürfen, was dann alles weitere nach sich zieht, etwa Verträge mit anderen Eigentümern schließen zu dürfen usw. Nehmen wir bspw. das Recht der "freien Rede" als eines dieser "Bürgerrechte". Auch das geht letztlich auf das Eigentum zurück. Zum einen auf das Selbsteigentum(der eigene Körper und Geist) Und wo hält man denn Reden? An irgendeiner Örtlichkeit, in einem Gebäude, in einem Saal, also in irgendeiner Eigentumssphäre. Die "freie Rede" wird nur durch Zensur beschnitten, also durch den Eingriff in fremdes Eigentum. Dann darf bspw. eine Zeitung bestimmte DInge nicht schreiben, ansonsten wird die Auflage (=Eigentum) konfisziert oder dergleichen.

Wozu also also diese Scheidung von "bürgerrechtlich" und "wirtschaftsliberal"? Denn beim Letzteren geht es doch wiederum auch um nichts anderes als die Forderung nach Respekt des Eigentums. Die Wirtschaft, das Wirtschaften (also der Umgang mit knappen Mitteln zu Erreichung von Zielen) ist Teil jeder Gesellschaft, nichts irgendwie Abgetrenntes, sondern im Gegenteil Kern und Ausgangspunkt einer überlebensfähigen und zivilisierten Gesellschaft.

Das sind letztlich die zwei großen antagonistischen Bewegungen: private choice vs public choice. Also dass man die Entscheidungsräume(=Eigentum) entweder fragmentiert/teilt oder dass man einen einzigen riesigen öffentlichen Raum hat. Und der genuine Liberalismus hat immer Ersterem zugeneigt und nur bestimmte Bereiche dem öffentlichen Raum überlassen. Worin freilich eine Gefahr besteht und das können wir ja auch beobachten: der öffentliche Entscheidungsraum wird zunehmend ausgeweitet. Das wäre nun die Aufgabe einer wirklich liberalen Partei, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen. Das sehe ich bei der FDP fast nicht. In bescheidenen Ansätzen gab es das mal bei der AfD, aber da übernehmen ja auch zunehmend die Sozialisten das Ruder. M.E. ist das auch nicht auch unbedingt Aufgabe einer Partei oder der Politik, sondern der Bevölkerung selbst, sich nicht völlig enteignen und entwaffnen zu lassen. Das ist dann wohl auch das initiale Problem des Liberalismus, diese Idee, die Waffen gänzlich abzugeben und ein Gewaltmonopol zu schaffen.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 15:11

Europa2050 hat geschrieben:(22 Jul 2019, 14:38)

In einer liberalen Welt ist es völlig egal, was die Wirtschaft will, genauso wie die katholische Kirche oder der FC Bayern München.

Entweder sie überzeugen die Individuen mit ihrem Angebot, oder sie verschwinden. Erst der geregelte Markt führt zur Entmündigung der Individuen. Sie können sich nicht mehr frei entscheiden ...

Für Audi z.B. wäre es wesentlich schlimmer, wenn alle 82 Mio. Deutsche spontan nichts mehr mit dieser Marke zu tun haben wollten und kein solches Auto mehr kaufen, als irgendwelche Klagen. Da hilft dann auch Scheuerprotegierung nix. Dann ist Ende. Und Audi und Scheuer könnten 0,0 dagegen tun. Tod by Markt, entsorgt durch selbstständige Individuen.


Angebote machen hat ja explizit etwas mit einem Handel zu tun. Dementsprechend hat es auch mit der Wirtschaft zu tun. Selbstständige Individuen möchten vielleicht gar keine Angebote machen und sie werden dazu gezwungen. Sonst können sie nicht existieren.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon BlueMonday » Mo 22. Jul 2019, 15:24

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:11)

Angebote machen hat ja explizit etwas mit einem Handel zu tun. Dementsprechend hat es auch mit der Wirtschaft zu tun. Selbstständige Individuen möchten vielleicht gar keine Angebote machen und sie werden dazu gezwungen. Sonst können sie nicht existieren.


Nun hat sich das ja kein Liberaler oder sonst wer böswillig ausgedacht. Wenn du auf einer einsamen Insel strandest, bist du auch und mehr denn je "gezwungen" dich zu bewegen, zu arbeiten, Nahrung zu beschaffen usw., wenn du weiter existieren willst.
Gerade die arbeitsteilige Gesellschaft hat das Pensum, das zum eigenen Erhalt nötig ist, drastisch reduziert, aber eben nicht in absehbarer Zeit auf Null. Das liegt doch nun auf der Hand, dass man selbst etwas anbieten sollte, wenn man etwas von anderen will. Wenn man meint, das sei nicht nötig, dann gehe man mit gutem Beispiel voran und leiste etwas für andere ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Damit reduziert man den "Zwang", den man so beklagt.

Das ist ja auch so ein Grundgedanke jedweder Zivilisation, dass man selbst erst mal liefert, was man von anderen erwartet (goldene Regel).
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 22. Jul 2019, 15:26

BlueMonday hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:09)

Ich halte ja schon diese Trennung für irreführend. Was soll oder sollte ein "Bürgerrecht" sein, insbesondere im liberalen Sinne? In erster Linie doch wohl Eigentum erwerben zu dürfen, über sein Eigentum verfügen zu dürfen, was dann alles weitere nach sich zieht, etwa Verträge mit anderen Eigentümern schließen zu dürfen usw. Nehmen wir bspw. das Recht der "freien Rede" als eines dieser "Bürgerrechte". Auch das geht letztlich auf das Eigentum zurück. Zum einen auf das Selbsteigentum(der eigene Körper und Geist) Und wo hält man denn Reden? An irgendeiner Örtlichkeit, in einem Gebäude, in einem Saal, also in irgendeiner Eigentumssphäre. Die "freie Rede" wird nur durch Zensur beschnitten, also durch den Eingriff in fremdes Eigentum. Dann darf bspw. eine Zeitung bestimmte DInge nicht schreiben, ansonsten wird die Auflage (=Eigentum) konfisziert oder dergleichen.

Wozu also also diese Scheidung von "bürgerrechtlich" und "wirtschaftsliberal"? Denn beim Letzteren geht es doch wiederum auch um nichts anderes als die Forderung nach Respekt des Eigentums. Die Wirtschaft, das Wirtschaften (also der Umgang mit knappen Mitteln zu Erreichung von Zielen) ist Teil jeder Gesellschaft, nichts irgendwie Abgetrenntes, sondern im Gegenteil Kern und Ausgangspunkt einer überlebensfähigen und zivilisierten Gesellschaft.

Das sind letztlich die zwei großen antagonistischen Bewegungen: private choice vs public choice. Also dass man die Entscheidungsräume(=Eigentum) entweder fragmentiert/teilt oder dass man einen einzigen riesigen öffentlichen Raum hat. Und der genuine Liberalismus hat immer Ersterem zugeneigt und nur bestimmte Bereiche dem öffentlichen Raum überlassen. Worin freilich eine Gefahr besteht und das können wir ja auch beobachten: der öffentliche Entscheidungsraum wird zunehmend ausgeweitet. Das wäre nun die Aufgabe einer wirklich liberalen Partei, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen. Das sehe ich bei der FDP fast nicht. In bescheidenen Ansätzen gab es das mal bei der AfD, aber da übernehmen ja auch zunehmend die Sozialisten das Ruder. M.E. ist das auch nicht auch unbedingt Aufgabe einer Partei oder der Politik, sondern der Bevölkerung selbst, sich nicht völlig enteignen und entwaffnen zu lassen. Das ist dann wohl auch das initiale Problem des Liberalismus, diese Idee, die Waffen gänzlich abzugeben und ein Gewaltmonopol zu schaffen.

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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 15:29

BlueMonday hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:24)

Nun hat sich das ja kein Liberaler oder sonst wer böswillig ausgedacht. Wenn du auf einer einsamen Insel strandest, bist du auch und mehr denn je "gezwungen" dich zu bewegen, zu arbeiten, Nahrung zu beschaffen usw., wenn du weiter existieren willst.
Gerade die arbeitsteilige Gesellschaft hat das Pensum, das zum eigenen Erhalt nötig ist, drastisch reduziert, aber eben nicht in absehbarer Zeit auf Null. Das liegt doch nun auf der Hand, dass man selbst etwas anbieten sollte, wenn man etwas von anderen will. Wenn man meint, das sei nicht nötig, dann gehe man mit gutem Beispiel voran und leiste etwas für andere ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Damit reduziert man den "Zwang", den man so beklagt.

Das ist ja auch so ein Grundgedanke jedweder Zivilisation, dass man selbst erst mal liefert, was man von anderen erwartet (goldene Regel).



Es gibt ja Arbeitgeber die auch mehr verlangen und sie geben auch weniger Lohn zurück. Außerdem habe ich nichts gegen Arbeiten an sich, sondern der Zwang die mit Erwerbsarbeit einhergeht. Das wiederum bedeutet, dass ich mich auf andere Leute fokussieren muss. So ein richtiger Individualismus ist es nicht. Da es ja nicht um die eigene Selbstverwirklichung geht, sondern wie ich über die Runden komme.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Europa2050 » Mo 22. Jul 2019, 15:31

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:11)

Angebote machen hat ja explizit etwas mit einem Handel zu tun. Dementsprechend hat es auch mit der Wirtschaft zu tun. Selbstständige Individuen möchten vielleicht gar keine Angebote machen und sie werden dazu gezwungen. Sonst können sie nicht existieren.


Der Zwang kommt aber aus deinem Körper, der nicht hungern, dürsten und frieren will. Von diesem Zwang befreit dich keine der gängigen Ideologien.

Lediglich Religionen liefern da - allerdings in der Praxis kaum erprobte - Ansätze. Ein gewisser Adam nebst Ehefrau soll die schon erfolglos ausprobiert haben, irgendwann war ihm aber nach mehr Liberalismus (Eigenverantwortlichem Handeln), da war die Rundumversorgung zum Nulltarif weg.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon VaterMutterKind » Mo 22. Jul 2019, 15:31

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:29)

Es gibt ja Arbeitgeber die auch mehr verlangen und sie geben auch weniger Lohn zurück. Außerdem habe ich nichts gegen Arbeiten an sich, sondern der Zwang die mit Erwerbsarbeit einhergeht. Das wiederum bedeutet, dass ich mich auf andere Leute fokussieren muss. So ein richtiger Individualismus ist es nicht. Da es ja nicht um die eigene Selbstverwirklichung geht, sondern wie ich über die Runden komme.


Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. Dieser Grundsatz ist schon seit Jahrtausenden anerkannt.
Auf Ad Personam Beiträge antworte ich nicht. Ebensowenig auf Unterstellungen und Lügen ich sei rechtsradikal, rechtsextrem etc.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 15:33

Europa2050 hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:31)

Der Zwang kommt aber aus deinem Körper, der nicht hungern, dürsten und frieren will. Von diesem Zwang befreit dich keine der gängigen Ideologien.

Lediglich Religionen liefern da - allerdings in der Praxis kaum erprobte - Ansätze. Ein gewisser Adam nebst Ehefrau soll die schon erfolglos ausprobiert haben, irgendwann war ihm aber nach mehr Liberalismus (Eigenverantwortlichem Handeln), da war die Rundumversorgung zum Nulltarif weg.


Wenn du vielleicht auf der Jagd bist um Nahrung zu besorgen. Aber dass macht ja meistens eh jemand für die Familie, Sippe oder Gruppe.

Eigenverantwortung kann auch die Freiheit einschränken. Indem die Pflichten überwiegen und man keine Zeit für sich selbst hat.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 15:35

VaterMutterKind hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:31)

Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. Dieser Grundsatz ist schon seit Jahrtausenden anerkannt.


Ich bin ein satanischer Samariter und mich interessiert die Bibel nicht. Das ist mir zu Sozialdarwinistisch.....Kranken und Schwache lässt man also sterben. Man könnte auch theoretisch mit Arbeit verhungern.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Tomaner » Mo 22. Jul 2019, 15:37

Alpha Centauri hat geschrieben:(22 Jul 2019, 13:28)

Tja warum schafft es wohl die FDP meist nie über 10% hinaus an Zustimmung???

Dazu sollte man vielleicht mal untersuchen, was so der Markt geregelt hätte. Es gibt ja Leute die Erfahrungen machen. Ich gehe jetzt mal von mir aus und ich bin im Tarifvertrag der IGM Bayern. Dort habe ich eine bestimmte Höhe eines ERA Monatslohn, 30 Tage Urlaub und jetzt noch 8 Tage "T-Zug", 5 Tagewoche, 35 Stunden, Lohnfortzahlung, Leistungszulagen, gewisse Beschäftigungssicherheiten, 55% eines 13 Monatseinkommen, Urlaubsgeld, geregelte Überstundenzuschläge, Nachtarbeitszuschläge und bestimmt noch einiges vergessen. Hätten wir also auf Gewerkschaften verzichtet und tief darauf vertraut, was der Markt für uns geregelt hätte, wo stande ich konkret heute? Besser oder schlechter?
Es mag ja sein, es kann Unternehmer geben, die noch solange es gut geht einigermaßen bezahlen würden, aber denoch unternehmerisches Risiko auf Arbeitnehmer abwälzen möchten. was bekomme ich dann, wenns Unternehmen schlecht geht und darf ich dann meinen Vermieter erklären, warum ich Miete dann kürzen müßte? Macht der Metzger dann für mich das Kilo Fleisch günstiger oder der Handwerker einen besseren Preis? Leider habe ich nicht die Erfahrung, wenn der Markt alles für mich regeln würde, ich besser fahren würde und gleichzeitig durch unsere Tarifverträge Deutschlands Wirtschaft untergegangen wäre.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon VaterMutterKind » Mo 22. Jul 2019, 15:42

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:35)

Ich bin ein satanischer Samariter und mich interessiert die Bibel nicht. Das ist mir zu Sozialdarwinistisch.....Kranken und Schwache lässt man also sterben. Man könnte auch theoretisch mit Arbeit verhungern.


Das ist ein allgemeingültiger Grundsatz. Ob dich die Bibel interessiert, spielt keine Rolle.

Im Übrigen hat man auch zu biblischen Zeiten niemanden verhungern lassen. Sozialschmarotzer gab es da allerdings auch nicht.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Europa2050 » Mo 22. Jul 2019, 15:46

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:33)

Wenn du vielleicht auf der Jagd bist um Nahrung zu besorgen. Aber dass macht ja meistens eh jemand für die Familie, Sippe oder Gruppe.

Eigenverantwortung kann auch die Freiheit einschränken. Indem die Pflichten überwiegen und man keine Zeit für sich selbst hat.


Ja, der Löwe im Zoo hat viel Zeit für sich, sieht gut aus und Vollversorgung und Sicherheit hat er auch.

Ich möchte trotzdem nicht mit ihm tauschen, ich denke aber das viele Menschen das gerne tun würden ...
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 15:47

Europa2050 hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:46)

Ja, der Löwe im Zoo hat viel Zeit für sich, sieht gut aus und Vollversorgung und Sicherheit hat er auch.

Ich möchte trotzdem nicht mit ihm tauschen, ich denke aber das viele Menschen das gerne tun würden ...



Es kommt darauf an. Wenn jeder diese Grundversorgung hat will ich es schon haben.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Europa2050 » Mo 22. Jul 2019, 16:01

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:50)

Der stimmt ja nicht, wenn man selbst in biblischen Zeiten den Leuten (trotz keiner Arbeit) Essen gegeben hat. Ich habe noch ein anderes Beispiel: Die Könige haben auch nicht gearbeiten. Sie hatten häufig mehr zu Essen, als die Leute die gearbeitet haben. Die wurden gezwungen Arbeiten zu gehen, aber hatten dadurch auch nicht viel mehr. Der König hatte doch auch eine Grundversorgung... :D


Die Monarchische Ordnung war ja auch der Prototyp einer Konservativen Gesellschaft - die Existenz natürlicher (gottgegebener) Unterschiede der Menschen, auch rechtlich, war Programm. Du erkennst den Unterschied zum Liberalismus?

Zudem war Arbeit und Kompetenz der Könige sehr wohl entscheidend für die Leute. Die meisten haben durchaus auch intensiv „gearbeitet“. Versager am Thron haben ihr Volk oft genug ins Unheil gestürzt, während intelligente Herrscher Frieden und Wohlstand bedeuteten.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 16:07

Europa2050 hat geschrieben:(22 Jul 2019, 16:01)

Die Monarchische Ordnung war ja auch der Prototyp einer Konservativen Gesellschaft - die Existenz natürlicher (gottgegebener) Unterschiede der Menschen, auch rechtlich, war Programm. Du erkennst den Unterschied zum Liberalismus?

Zudem war Arbeit und Kompetenz der Könige sehr wohl entscheidend für die Leute. Die meisten haben durchaus auch intensiv „gearbeitet“. Versager am Thron haben ihr Volk oft genug ins Unheil gestürzt, während intelligente Herrscher Frieden und Wohlstand bedeuteten.


Den Unterschied zwischen dem Strukturkonservativsmus und dem Liberalismus ist mir klar. In den USA und in GB hat sich der Begriff Neokonservativ etabilert und die sind für den freien Markt. Erst durch Thatcher und Reagan hat sich das etabliert. Mit anderen Worten viele Wirtschaftsliberale sind Strukturkonservativ und anders herum. Sie wollen ja nicht ihre Macht verlieren....Es mag ja sein, dass es noch ehrliche Wirtschaftsliberale gibt die durch einen ständigen Wettbewerb niemanden auf den Thron lassen, aber leider ist das Machtstreben so groß, dass man sich dann nicht mehr wehren kann.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 22. Jul 2019, 16:25

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 15:29)

Es gibt ja Arbeitgeber die auch mehr verlangen und sie geben auch weniger Lohn zurück. Außerdem habe ich nichts gegen Arbeiten an sich, sondern der Zwang die mit Erwerbsarbeit einhergeht. Das wiederum bedeutet, dass ich mich auf andere Leute fokussieren muss. So ein richtiger Individualismus ist es nicht. Da es ja nicht um die eigene Selbstverwirklichung geht, sondern wie ich über die Runden komme.


Das Ammenmärchen von Erwerbsarbeit und Selbstentfaltung , klar die indische Teepflückerin dass ja aus reiner Selbstverwirklichung? Oder schlicht um.zu Überleben??? Diese Romantisierung sollte man nicht pauschalisieren. Der Zwangscharaktere von Erwerbsarbeit wie passt dass zur vermeintlichen Freiheit?
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon Europa2050 » Mo 22. Jul 2019, 16:25

lili hat geschrieben:(22 Jul 2019, 16:07)

Den Unterschied zwischen dem Strukturkonservativsmus und dem Liberalismus ist mir klar. In den USA und in GB hat sich der Begriff Neokonservativ etabilert und die sind für den freien Markt. Erst durch Thatcher und Reagan hat sich das etabliert. Mit anderen Worten viele Wirtschaftsliberale sind Strukturkonservativ und anders herum. Sie wollen ja nicht ihre Macht verlieren....Es mag ja sein, dass es noch ehrliche Wirtschaftsliberale gibt die durch einen ständigen Wettbewerb niemanden auf den Thron lassen, aber leider ist das Machtstreben so groß, dass man sich dann nicht mehr wehren kann.


Ja natürlich sind Konservative gewöhnlich auch für den freien Markt und den Indvidualismus. Das macht sie allerdings noch lange nicht zu Liberalen.

Ihnen fehlt nämlich das zweite Dogma, die Gleichewertigkeit des Menschen. Für Hochwohlgeboren, Excellenz, Offiziere im Militär, innerhalb konservativer Netzwerke und Klüngel und auch den „Geldadel“ (allerdings mit deutlichen Abstrichen) gelten dann auch andere Gesetze als für das gemeine Volk. Diese Herangehensweise ist jedem echten Liberalen zutiefst zuwider.

Reichtum und Ansehen durch überzeugende Angebote, ggf. auch in den Vorperioden jederzeit, durch Gemauschele nie.
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Re: Was ist Liberalismus, und wer vertritt ihn in Deutschland?

Beitragvon lili » Mo 22. Jul 2019, 16:29

Alpha Centauri hat geschrieben:(22 Jul 2019, 16:25)

Das Ammenmärchen von Erwerbsarbeit und Selbstentfaltung , klar die indische Teepflückerin dass ja aus reiner Selbstverwirklichung? Oder schlicht um.zu Überleben??? Diese Romantisierung sollte man nicht pauschalisieren. Der Zwangscharaktere von Erwerbsarbeit wie passt dass zur vermeintlichen Freiheit?


Ich stimme dir zu. War das jetzt eine Kritik auf mein Beitrag oder eine zusätzliche Bestätigung?
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