Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 2055
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon BlueMonday » Do 9. Mai 2019, 14:51

Europa2050 hat geschrieben:(09 May 2019, 06:42)

Im Prinzip alles, bei dem aus sachlichen Gründen keine Konkurrenzsituation möglich ist:
- es gibt nur ein Schienennetz (ok, Bahn war zu ungenau, der Betrieb kann in Konkurrenz betrieben werden),
- Krankenhäuser, da gibt es außer in Grossstädten ebenbürtige eines vor Ort
- Trinkwasserversorgung, da gibt es nur eine ...

Wohnungen kann rein wirtschaftlich gesehen jeder neben jeden bauen, überall. Also kein Monopol. Dass das nicht passiert, ist meines Erachtens wesentlich den staatlichen Beschränkungen (Flächeknverbrauch) = teilweise utopische Grundpreise und Regulierungen (Standards) = Treiber der Gebäudekosten geschuldet.


Ursprünglich bedeutete "Monopol" jedenfalls ein vergebenes Privileg/Vorrecht, so dass nur ein einziger Anbieter ein bestimmtes Gut anbieten durfte. Alle anderen Anbieter wurden gewaltsam ausgeschlossen. Dieses Monopol ist also eine geschaffene Künstlichkeit - was die heutigen Monopole auch immer noch sind bei näherer Betrachtung.
Was du nun anscheinend meinst, nennt sich in der Wirtschaftswissenschaft "natürliches Monopol". Also kein verliehenes Privileg, sondern etwas, das vermeintlich unvermeidlich da wäre und das dann irgendwie "staatlich reguliert" werden muss/soll.

Nun ist diese ganze Monopoltheorie, auf der dieses Denken fußt, bei näherer Betrachtung völlig defekt. Denn jeder Anbieter wäre demnach "Monopolist". Jeder Anbieter tritt irgendwie unterscheidbar (örtlich/zeitlich etc) auf, d.h. nur er und kein anderer in genau dieser Weise. Wo ein Bäcker ist, kann kein zweiter sein. Der Nächste kann allenfalls erst ein paar Meter weiter im Nebenhaus seine Waren anbieten. Steht der Kunde in einem Laden, dann steht er vor dem Angebot des einen Bäckers und muss nun entscheiden, ob er Zeit und Energie aufwendet, um noch zu einem zweiten, dritten... Bäcker zu gehen, um dort andere Waren und Preise zu sichten. Will er diesen Aufwand nicht betreiben, bleibt ihm nur das Bäckergeschäft, in dem er gerade steht. Das ist schlicht fundamentale realistische Praxeologie (Handlungswissenschaft).
Und so ist es nicht anders mit allen anderen angebotenen Dienstleistungen und Gütern. Bildung, Sicherheitsproduktion, medizinische Betreuung... Jeder Akteur muss entscheiden, wieviel Aufwand er betreiben will, um irgendein anderes Angebot wahrzunehmen. Muss entscheiden, ob er weit zum nächsten Kino fahren will oder ob er doch lieber zuhause bleibt und sich einen Stream anschaut. Kurz gesagt: Konkurrenz findet natürlich nie im luftleeren kostenlosen Raum statt. Jeder Wechsel des Anbieters hat Kosten.

Nehmen wir nur mal "Trinkwasser" aus deinen Beispielen. Was soll daran ein "natürliches Monopol" sein? Früher hat man dazu halt einen Brunnen gegraben vorm selbst gebauten Haus (deine freie "Wohnungswirtschaft"). Hausbau = Marktwirtschaft, Brunnen/Trinkwasser = Monopol. Das ist kein sachlich unvermeidlicher Grund, sondern ein willkürlicher.

Das ist immer die Argumentationsform des Etatismus: Man schafft etwas künstlich, verdrängt, lässt Zeit vergehen, erzeugt Abhängigkeit und Unselbständigkeit und stell es dann als alternativlos dar. Es wird zum sog. "öffentlichen Gut". Jeder hat sich daran zu beteiligen(Anschlusszwänge etc) und seinen Betrag zu leisten (Abgaben).
But who would build the roads?
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 76927
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Phönix
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon Alexyessin » Do 9. Mai 2019, 15:01

BlueMonday hat geschrieben:(09 May 2019, 14:51)
Das ist immer die Argumentationsform des Etatismus: Man schafft etwas künstlich, verdrängt, lässt Zeit vergehen, erzeugt Abhängigkeit und Unselbständigkeit und stell es dann als alternativlos dar. Es wird zum sog. "öffentlichen Gut". Jeder hat sich daran zu beteiligen(Anschlusszwänge etc) und seinen Betrag zu leisten (Abgaben).


Sorry, aber Wasserversorgung ist mEn nach Menschenrecht.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Tomaner
Beiträge: 6731
Registriert: Mo 9. Feb 2015, 09:56

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon Tomaner » Do 9. Mai 2019, 15:07

aleph hat geschrieben:(08 May 2019, 12:41)

Freie Marktwirtschaft funktioniert nur bei genügend Ressourcen. Werden Ressourcen knapp, gibt es Kapitalismusverlierer. Werden die zu viele, gibt es Probleme. Daher ist es besser, der Staat greift ein, wenn der Kapitalismus nicht mehr funktioniert.


Freie Marktwirtschaft hat noch nie funktioniert! In welchen Land soll dies jemals gewesen sein, wo es gehen sollte? Freie Marktwirtschaft oder sogar schon nahe an freie Marktwirtschaft, bedeutet totale Verarmung der Bevölkerung, riesige Inflation und hin zum Bakrott des Staates. Freie Marktwirtschaft dürfte annähernd ohnehin nur in totalitären Staaten durchsetzbar sein und totaler Kontrolle bis hin Folter für Bevölkerung.
Zuletzt geändert von Tomaner am Do 9. Mai 2019, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 12948
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 9. Mai 2019, 15:12

BlueMonday hat geschrieben:(09 May 2019, 14:51)
Was du nun anscheinend meinst, nennt sich in der Wirtschaftswissenschaft "natürliches Monopol". Also kein verliehenes Privileg, sondern etwas, das vermeintlich unvermeidlich da wäre und das dann irgendwie "staatlich reguliert" werden muss/soll.

Nun ist diese ganze Monopoltheorie, auf der dieses Denken fußt, bei näherer Betrachtung völlig defekt. Denn jeder Anbieter wäre demnach "Monopolist". Jeder Anbieter tritt irgendwie unterscheidbar (örtlich/zeitlich etc) auf, d.h. nur er und kein anderer in genau dieser Weise. Wo ein Bäcker ist, kann kein zweiter sein.

Das ist bei realen Produkten wie "Brötchen" durchaus nachvollziehbar. Sorry, aber immer, wenn mir Ökonomen einen Zusammenhang erklären wollen, habe ich die Befürchtung, dass sie mir gleich mit den berühmten Stecknadeln aus der Adam-Smith-Zeit kommen werden.

Monopole in moderner Zeit sind doch nicht deshalb gefährlich für die Marktwirtschaft, weil es ein prozentuales Anbieterungleichgewicht gibt, sondern weil Unternehmen anfangen, die Spielregeln zu bestimmen. Monsanto setzt sich nicht einfach mit seinen Produkten durch sondern sorgt über das Patentrecht und eine Armada von gutbezahlten Anwälten dafür, dass die Spielregeln bei der Aussaat von Ertragspflanzen von ihnen geschrieben werden. Ein IT-Unternehmen kann versuchen, in einer solchen Art für Pseudostandards zu sorgen, dass Schulkinder und Studenten Alternativen nicht nur vielleicht nicht wählen, weil diese Wahl mit Aufwand verbunden ist, sondern weil sie sie nicht mehr kennenlernen, weil auch Bildungspläne in Unternehmenszentralen mitgeschrieben werden.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 38294
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon Tom Bombadil » Do 9. Mai 2019, 17:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 May 2019, 14:45)

Den letzten großen Parteitag der KP Chinas, den 19. 2017 und die Politik des aktuellen kommunistischen Kaisers kann man so zusammenfassen: Planwirtschaft, führende Rolle der Partei.

Papier ist geduldig. Wem gehören die Produktionsmittel in China? Und was haben Kühnerts Sozialismusfantasien mit China zu tun?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6975
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 13:18

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon firlefanz11 » Fr 10. Mai 2019, 10:20

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 May 2019, 17:39)

Papier ist geduldig. Wem gehören die Produktionsmittel in China? Und was haben Kühnerts Sozialismusfantasien mit China zu tun?

HAH! Es WAREN gar nicht die Linken, die Kühnert in die SPD geschleust haben um die abzuwracken sondern Xi-Ping-Pong...! :eek:
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Musterdemokrat
Beiträge: 57
Registriert: Sa 16. Feb 2019, 12:45

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon Musterdemokrat » Sa 11. Mai 2019, 16:29

Sanity hat geschrieben:(05 May 2019, 00:42)

Vorsicht! "falsche Verdächtigung" stellt selbst einen Straftatbestand dar, § 164 StGB ...eine Vorstrafe wäre eines Musterdemokraten unwürdig ;)

Strafe? Sonst gehts Dir gut? :p
Benutzeravatar
odiug
Moderator
Beiträge: 11013
Registriert: Di 25. Sep 2012, 07:44

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon odiug » Sa 11. Mai 2019, 20:56

Art. 161
(1) 1Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen überwacht. 2Mißbräuche sind abzustellen.
(2) Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.

Das ist nicht das Parteiprogramm der MLPD, DKP oder der LINKEN.
Das steht in der Verfassung eines deutschen Bundeslandes :eek:
Ihr werdet es nicht glauben in welcher :p
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 34583
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 01:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Kühnert möchte Firmen wie BMW verstaatlichen

Beitragvon JJazzGold » Sa 11. Mai 2019, 21:13

odiug hat geschrieben:(11 May 2019, 20:56)

Das ist nicht das Parteiprogramm der MLPD, DKP oder der LINKEN.
Das steht in der Verfassung eines deutschen Bundeslandes :eek:
Ihr werdet es nicht glauben in welcher :p


Ich bitte dich, das weiß man doch, das steht in der bayerischen Verfassung.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt

Zurück zu „22. Parteien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste