Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

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lili
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon lili » Di 23. Apr 2019, 22:48

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Apr 2019, 22:44)

Interessante These.
Ich war da auch dabei und es stimmt, der Ton wurde durch enttäuschte Mitglieder schon sehr rauh und selbstzerfleischend im Niedergang.

Das war für mich aber nicht die Ursache, sondern schon das Resultat des Niedergangs..

Die Ursache des Niedergangs lag meiner Ansicht nach in dem Brechen des zentralen Wahlversprechens: Der direkten digitalen Mitbestimmung.

Auch wenn hier wirklich äußerst digital avantgardistisch gearbeitet wurde! Was mit Office 365 mit dem gleichzeitigen Bearbeiten von Dokumenten jetzt endlich kommerziell angekommen ist, war bei internen Piratentreffen mit dem Piratenpad schon vor 10 Jahren der Standard!
Die "Antragsfabrik" war aber z.B. für mich (trotz unglaublicher Transparenz und Mitbestimmungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Parteien) aber immer nur ein digitales Provisorium, welches nie z.B. über das Liquid Feedback professionalisiert wurde..

Die Fokussierung auf klassisch linke Themen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen hat viele freiheitliche Piraten (wie mich) dann schon verschreckt.
Da wurde leider der Fokus falsch gesetzt und die Themen welche die Piratenpartei unabhängig von links oder rechts stark gemacht haben (digitale Demokratie und Datenrechte) gerieten zu stark in den Hintergrund, zugunsten klassisch linker Umverteilungsthemen..
Für mich war der Bruch dann mit der konsequenten "Open boarder" Politik der Piraten, die auch intern zu wenig abgestimmt war!


Bisher sehe ich niemanden der das Erbe der Piraten antreten will/kann, auch wenn sich die FDP teilweise Mühe gibt.
Vielleicht gibt es irgendwann ein Revival mit den Themen die die Piratenpartei als erstes stark gemacht hatten, denn dort ist immer noch großes
Potential!


Das BGE ist doch freiheitlich? Außerdem befürworten dass auch liberale Kräfte.
Anarchie ist Sozialismus und Freiheit in einem. Freiheit ohne Sozialismus besteht aus Priveligien und Sozialismus ohne Freiheit bedeutet Gewalt und Unterdrückung (Michail Bakunin)
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon watisdatdenn? » Di 23. Apr 2019, 23:07

lili hat geschrieben:(23 Apr 2019, 22:48)
Das BGE ist doch freiheitlich?

Oje... Diese Diskussion wurde im internen Piratenforum und auf den physikalischen Treffen auch viel geführt. Für mich das klassische Beispiel für die falsche Themensetzung in der Partei..

Für mich ist das nicht freiheitlich, da das Geld ja an anderer Stelle durch den Staat vom Bürger zwangsweise eingesammelt werden muss..
Kombiniert mit offenen Grenzen...

Das Thema wäre bei der Linkspartei richtig aufgehoben gewesen aber der Piratenpartei hat der harte thematische Kurswechsel nach Links definitiv geschadet.

Vielleicht hing das aber auch mit der völlig absurden medialen Hetze gegen die Piraten (Nazipartei) damals zusammen, die dann aus Panik nach Links steuerte?
Damals gab es das Wort "Lückenpresse" noch nicht, wäre aber schön voll zutreffend gewesen..
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 23. Apr 2019, 23:13

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Apr 2019, 23:07)

Oje... Diese Diskussion wurde im internen Piratenforum und auf den physikalischen Treffen auch viel geführt. Für mich das klassische Beispiel für die falsche Themensetzung in der Partei..

Für mich ist das nicht freiheitlich, da das Geld ja an anderer Stelle durch den Staat vom Bürger zwangsweise eingesammelt werden muss..
Kombiniert mit offenen Grenzen...

Das Thema wäre bei der Linkspartei richtig aufgehoben gewesen aber der Piratenpartei hat der harte thematische Kurswechsel nach Links definitiv geschadet.

Vielleicht hing das aber auch mit der völlig absurden medialen Hetze gegen die Piraten (Nazipartei) damals zusammen, die dann aus Panik nach Links steuerte?
Damals gab es das Wort "Lückenpresse" noch nicht, wäre aber schön voll zutreffend gewesen..


Ja dass mediale drum herum und dass man sich Partei intern ein Stück weit selbst zerfleischte, aber auch schätze ich,dennoch hatte die Piratenpartei gute inhaltliche moderne Ansätze ( das bedinungslose Grundeinkommen war eines davon)
Zuletzt geändert von Alpha Centauri am Di 23. Apr 2019, 23:24, insgesamt 1-mal geändert.
lili
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon lili » Di 23. Apr 2019, 23:15

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Apr 2019, 23:07)

Oje... Diese Diskussion wurde im internen Piratenforum und auf den physikalischen Treffen auch viel geführt. Für mich das klassische Beispiel für die falsche Themensetzung in der Partei..

Für mich ist das nicht freiheitlich, da das Geld ja an anderer Stelle durch den Staat vom Bürger zwangsweise eingesammelt werden muss..
Kombiniert mit offenen Grenzen...

Das Thema wäre bei der Linkspartei richtig aufgehoben gewesen aber der Piratenpartei hat der harte thematische Kurswechsel nach Links definitiv geschadet.

Vielleicht hing das aber auch mit der völlig absurden medialen Hetze gegen die Piraten (Nazipartei) damals zusammen, die dann aus Panik nach Links steuerte?
Damals gab es das Wort "Lückenpresse" noch nicht, wäre aber schön voll zutreffend gewesen..



Ich versuche nur kurz zu erläutern. Das BGE würde jeder deutscher Staatsbürger bekommen. Die Linke kann sich diesbezüglich nicht klar positionieren. Nur der Kipping Flügel ist dafür und der Rest dagegen. Teile der Linken hat ein Problem, dass alle das BGE bekommen, sie wollen es nur den Bedürftigen geben. Da ist eher die Debatte: Warum soll ein Millionär das BGE bekommen.

Ich weiß es passt nicht ganz zum Thema. Das war jetzt nur eine kurze Erklärung...Sorry...
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon watisdatdenn? » Di 23. Apr 2019, 23:32

lili hat geschrieben:(23 Apr 2019, 23:15)
Ich versuche nur kurz zu erläutern. Das BGE würde jeder deutscher Staatsbürger bekommen. Die Linke kann sich diesbezüglich nicht klar positionieren. Nur der Kipping Flügel ist dafür und der Rest dagegen. Teile der Linken hat ein Problem, dass alle das BGE bekommen, sie wollen es nur den Bedürftigen geben. Da ist eher die Debatte: Warum soll ein Millionär das BGE bekommen.

Ich weiß es passt nicht ganz zum Thema. Das war jetzt nur eine kurze Erklärung...Sorry...

Ich kenne das Thema. (Ich war von 2009 bis Ende 2018 selbst Pirat.)

Ich kann dem BGE nur als Ersatz für andere Sozialleistungen zur Reduzierung von Bürokratie etwas abgewinnen.
Da passt mir aber die Höhe nicht, die da im Raum stand, da das Geld eben an der anderen Seite eingetrieben werden muss..

Und es ist für mich nicht das Thema welches die Piraten unabhängig von "links" und "rechts" groß gemacht hat (digitale Mitbestimmung, Datenrechte), sondern jenes welches sie klein gemacht hat (sozialistische Umverteilung).

Danke trotzdem für deine Erklärung, warum die Linken das Thema nicht aufgegriffen haben..
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon lili » Mi 24. Apr 2019, 06:03

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Apr 2019, 23:32)

Ich kenne das Thema. (Ich war von 2009 bis Ende 2018 selbst Pirat.)

Ich kann dem BGE nur als Ersatz für andere Sozialleistungen zur Reduzierung von Bürokratie etwas abgewinnen.
Da passt mir aber die Höhe nicht, die da im Raum stand, da das Geld eben an der anderen Seite eingetrieben werden muss..

Und es ist für mich nicht das Thema welches die Piraten unabhängig von "links" und "rechts" groß gemacht hat (digitale Mitbestimmung, Datenrechte), sondern jenes welches sie klein gemacht hat (sozialistische Umverteilung).

Danke trotzdem für deine Erklärung, warum die Linken das Thema nicht aufgegriffen haben..



Nur ganz kurz wieso sozialistische Umverteilung? Darunter verstehe ich dass ich von einer bestimmten Person etwas wegnehme und andere bekommen es. BGE sind nicht höhere Hartz 4 Leistungen, sondern es bekommt jeder. (gerade wenn man durch den digitalen Wandel Arbeitsplätze verliert)
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 24. Apr 2019, 07:38

lili hat geschrieben:(24 Apr 2019, 06:03)
Nur ganz kurz wieso sozialistische Umverteilung? Darunter verstehe ich dass ich von einer bestimmten Person etwas wegnehme und andere bekommen es. BGE sind nicht höhere Hartz 4 Leistungen, sondern es bekommt jeder.

Die Kosten steigen durch das BGE also müssen auch die Einnahmen steigen.
Die muss man durch erzwungene Steuern wieder reinholen -> Umverteilung

lili hat geschrieben:(24 Apr 2019, 06:03)
(gerade wenn man durch den digitalen Wandel Arbeitsplätze verliert)

Ich arbeite im IT Bereich und sehe in Gegenteil dass durch den digitalen Wandel Arbeitsplätze aufgebaut werden.

Das Problem ist die geringe Qualifizierung vieler Menschen die einem klar wird, wenn man sieht wie relativ wenig deutsche auf GitHub unterwegs sind..

In den USA werden Stellen aufgebaut...
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon lili » Mi 24. Apr 2019, 13:44

watisdatdenn? hat geschrieben:(24 Apr 2019, 07:38)

Die Kosten steigen durch das BGE also müssen auch die Einnahmen steigen.
Die muss man durch erzwungene Steuern wieder reinholen -> Umverteilung


Ich arbeite im IT Bereich und sehe in Gegenteil dass durch den digitalen Wandel Arbeitsplätze aufgebaut werden.

Das Problem ist die geringe Qualifizierung vieler Menschen die einem klar wird, wenn man sieht wie relativ wenig deutsche auf GitHub unterwegs sind..

In den USA werden Stellen aufgebaut...



Bei uns werden viele Stellen abgebaut und das wird robotisiert.
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 24. Apr 2019, 13:49

lili hat geschrieben:(24 Apr 2019, 13:44)

Bei uns werden viele Stellen abgebaut und das wird robotisiert.



Ja da bin ich bei dir es werden mehr Stellen ab als aufgebaut durch K.I und Robotisierung ( Banken Versicherungsbranche, Automobil Industrie usw.
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon lili » Mi 24. Apr 2019, 14:07

Alpha Centauri hat geschrieben:(24 Apr 2019, 13:49)

Ja da bin ich bei dir es werden mehr Stellen ab als aufgebaut durch K.I und Robotisierung ( Banken Versicherungsbranche, Automobil Industrie usw.


Fast alles...Ganz ehrlich auch bei den sozialen Berufen würde ich aufpassen. Es könnte auch sein dass familiäre Eigenverantwortung verstärkt wird.
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Re: Das Erbe der Piraten - wer tritt es an?

Beitragvon imp » Mi 24. Apr 2019, 19:35

John Galt hat geschrieben:(23 Apr 2019, 15:41)

Mittlerweile redet jeder Bauer von Digitalisierung, 5G und KI und die Piratenpartei ist am Ende.

Eine Digitalpartei hätte eine gute Chance. Die politische Korrektheit, Genderwahnsinn und fehlende Macher bei Liquid Democracy, dazu die Träumerei vom Kommunismus haben die Partei futsch gemacht.

Die meisten der ehemaligen Abgeordenten sind zur Linkspartei gegangen.

Bei der Linken kamen nicht wenige Piraten-Funktionäre auch ursprünglich her. Andere machen in grün.

Diese Phase damals nach Weisband, die war schlecht.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson

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