Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

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HugoBettauer

Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 28. Sep 2016, 18:16

Die CDU wird geleitet von einer Bundeskanzlerin, die eine Frau ist. Sie ist weiblich, sie ist feminin und sie ist kein Mann. Ansonsten haben Frauen in der CDU zwar weniger Ministerien als das bei manchen anderen Parteien üblich ist, jedoch haben diese Frauen wichtige Fachgebiete, etwa die sogenannte Verteidigung.

Einer jungen Frau Jenna Berenson aus der CDU Berlin ist nun folgendes passiert: Bei einer Diskussion mit zwölf Männern aus dem Ortsverein wollte sie mit juristischen Finessen punkten, sich als zwar im Großen und Ganzen schon für ein Burkaverbot, aber dann doch irgendwie wieder wegen Grundgesetz und so etwas eingeschränkt gerieren. Das hat halt keine Sau interessiert. Die alten Männer der politischen Basis nannten ihre Lehrbuchsprüche "naiv" und kamen ihr mit Feminismus. Da ist die junge Dame etwas verstimmt gewesen, hat ihr Profilfoto bei Twitter adrett aufgemotzt und einen längeren Text verfasst. Text heißt:
Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will

Also so geht die Überschrift. Gesagt wird dann, dass die Partei ihre Zukunft verspiele, wenn sie die Jenna schmollen mache. Immerhin sei sie schon fast ein Jahr dabei. Das muss doch was heißen. Dass manche glauben, sie habe sich ihren vorderen Listenplatz mit Gefälligkeiten erkämpft, möchte sie verständlicherweise nicht stehen lassen. So etwas ist ungeheuerlich, wenn es nicht stimmt und auch ein Dementi wert, wenn es stimmt. Das Dumme: Sowas wird man ja nie wieder los. Auch bei der Frauenunion kam ihre aufstiegsbestrebte Art wohl weniger gut an. Den wohlgemeinten Ratschlag, nicht in jedem Gremium gleichzeitig nach Posten zu trachten, legte sie dem Sprecher als Sexismus aus. Auch ein ungenannter Senator, der eine etwas unglückliche Bemerkung zu Mutter und Tochter am Parteitag machte, muss für den Sexismus in der Partei stehen. Für die Bildzeitung war klar: Das muss der Henkel gewesen sein.

Kristina Schröder sieht das etwas anders. Sie spricht davon, zurückhaltender mit solchen Vorwürfen zu hantieren.
Wer das Innenleben mehrer Parteien kennt, wird vielleicht vergleichen können: Ist die CDU sexistischer als andere große Parteien?
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Milady de Winter
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Milady de Winter » Mi 28. Sep 2016, 19:11

Sieht für mich - parteiunabhängig - eher danach aus, als wären diverse Frauen das Problem. Bzw. haben diese ein Problem. Dieses angepisst sein und dann mit dem Sexismusvorwurfschwert einen auf Jeanne d'Arc zu machen scheint zum Volkssport zu werden. Kann ich nichts mit anfangen.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Atheist » Mi 28. Sep 2016, 19:32

Wenn bei anderen Parteien diesbezüglich was sein sollte, könnte der Fall Berenson sexistisch diskriminierte Frauen oder Männer dazu ermutigen, sich dagen zu wehren. Jedenfalls sind Benachteiligungen wegen des Geschlechts grundsätzlich eine unangenehme Sache.
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Laertes
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Laertes » Mi 28. Sep 2016, 20:48

HugoBettauer hat geschrieben:(28 Sep 2016, 18:16)
Also so geht die Überschrift. Gesagt wird dann, dass die Partei ihre Zukunft verspiele, wenn sie die Jenna schmollen mache. Immerhin sei sie schon fast ein Jahr dabei. Das muss doch was heißen. Dass manche glauben, sie habe sich ihren vorderen Listenplatz mit Gefälligkeiten erkämpft, möchte sie verständlicherweise nicht stehen lassen. So etwas ist ungeheuerlich, wenn es nicht stimmt und auch ein Dementi wert, wenn es stimmt. Das Dumme: Sowas wird man ja nie wieder los.

Ich bin zwar nie deiner Meinung und ich denke du tust der großen süßen Maus hier auch Unrecht, aber dein Stil ist tadellos amüsant und dafür gibt's von mir ein Sternchen.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon HugoBettauer » Do 29. Sep 2016, 07:44

Atheist hat geschrieben:(28 Sep 2016, 19:32)

Wenn bei anderen Parteien diesbezüglich was sein sollte, könnte der Fall Berenson sexistisch diskriminierte Frauen oder Männer dazu ermutigen, sich dagen zu wehren. Jedenfalls sind Benachteiligungen wegen des Geschlechts grundsätzlich eine unangenehme Sache.

Ob eine Benachteiligung vorliegt, ist eben eine Frage. Die CDU bietet mittlerweile eine sogenannte Frauenquote, die man ruhig hinterfragen kann. Quotierung ist ein partieller Konkurrenzausschluß und ähnlich wie bei Schutzzöllen haben solche Fördermaßnahmen einen Preis: Einzelne Frauen von fragwürdiger Fähigkeit und Beliebtheit werden gewählt mangels Alternative, deutlich besser qualifizierte Männer werden nicht gewählt, die Qualität im Vorstand sinkt. Das ist immanent. Die Quote ist entweder sinnlos, weil die Frauen sich ohnehin durchgesetzt hätten oder mindert zwingend die Qualität des Gesamtvorstandes - und dabei ist gesetzt, dass die künstlich verschärfte Konkurrenz unter den Männern und die künstlich geschaffene Repräsentanz weniger konkurrenzfähiger Frauen äußerst unglückliche Eindrücke schafft. Insbesondere für jene Frauen, die sich mühelos durchgesetzt hätten. Durch solches Proporzdenken a la "wir brauchen unbedingt eine junge Frau/einen Ausländer/eine Quereinsteigerin/einen Behinderten auf der Liste" werden erst mittelmäßige und unterdurchschnittliche Personen in die Vorstände und Fraktionen gebracht. Die Arbeit mit ihnen frustriert nicht selten den Rest, was dieser allerdings ertragen muss. Politik ist nun mal oft ein Abnutzungskampf, dem man gerüstet sein muss. Die Frau hat sich nicht in Bündnisse einbringen können weder mit den langjährigen Vorständen noch mit der Frauenunion oder dem Jugendverband. Sie hat alle gegen sich aufgebracht, unabhängig vom Geschlecht. Das zeigt eher, dass sie politisch unerfahren ist - bei einem Parteineuling nicht ganz unerwartet. Der präsentierte Gedankengang ist "ich bin eine Frau, ich setze mich nicht durch, also Sexismus. Beispiel, Beispiel, Beispiel, Kampfansage." Der Kollege aus dem Bundesvorstand wies darauf hin, dass ihre Handlungsweise weder für sie noch für die Partei förderlich ist. Sie hat dazu eine abweichende Meinung.

Ich sage nicht, dass es in der CDU oder in anderen Parteien keine Sexisten gibt. Es ist aber notwendig, sich sein Umfeld korrekt auszusuchen. Auch, wenn die Berliner Bezirkspolitik vergleichsweise Amateurliga ist, handelt es sich doch bei jedem in der BVV um eine Führungsperson und als solche muss man sich verschärfter Konkurrenz und oft auch unfairen Vorhalten aussetzen, nicht zuletzt aus der eigenen Partei und Fraktion. Wenn man das nicht erträgt, sollte man Platz machen. Nicht umsonst hören viele Männer und Frauen in bestimmten Lebensphasen mit der Politik zeitweise oder endgültig auf, um sich auf andere Dinge im Leben zu konzentrieren.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Atheist » Do 29. Sep 2016, 12:55

HugoBettauer hat geschrieben:(29 Sep 2016, 07:44)

Ob eine Benachteiligung vorliegt, ist eben eine Frage. Die CDU bietet mittlerweile eine sogenannte Frauenquote, die man ruhig hinterfragen kann. Quotierung ist ein partieller Konkurrenzausschluß und ähnlich wie bei Schutzzöllen haben solche Fördermaßnahmen einen Preis: Einzelne Frauen von fragwürdiger Fähigkeit und Beliebtheit werden gewählt mangels Alternative, deutlich besser qualifizierte Männer werden nicht gewählt, die Qualität im Vorstand sinkt. Das ist immanent. Die Quote ist entweder sinnlos, weil die Frauen sich ohnehin durchgesetzt hätten oder mindert zwingend die Qualität des Gesamtvorstandes - und dabei ist gesetzt, dass die künstlich verschärfte Konkurrenz unter den Männern und die künstlich geschaffene Repräsentanz weniger konkurrenzfähiger Frauen äußerst unglückliche Eindrücke schafft. Insbesondere für jene Frauen, die sich mühelos durchgesetzt hätten. Durch solches Proporzdenken a la "wir brauchen unbedingt eine junge Frau/einen Ausländer/eine Quereinsteigerin/einen Behinderten auf der Liste" werden erst mittelmäßige und unterdurchschnittliche Personen in die Vorstände und Fraktionen gebracht. Die Arbeit mit ihnen frustriert nicht selten den Rest, was dieser allerdings ertragen muss. Politik ist nun mal oft ein Abnutzungskampf, dem man gerüstet sein muss. Die Frau hat sich nicht in Bündnisse einbringen können weder mit den langjährigen Vorständen noch mit der Frauenunion oder dem Jugendverband. Sie hat alle gegen sich aufgebracht, unabhängig vom Geschlecht. Das zeigt eher, dass sie politisch unerfahren ist - bei einem Parteineuling nicht ganz unerwartet. Der präsentierte Gedankengang ist "ich bin eine Frau, ich setze mich nicht durch, also Sexismus. Beispiel, Beispiel, Beispiel, Kampfansage." Der Kollege aus dem Bundesvorstand wies darauf hin, dass ihre Handlungsweise weder für sie noch für die Partei förderlich ist. Sie hat dazu eine abweichende Meinung.


Ich denke, dass du damit die systematische Diskriminierung der männlichen Parteimitglieder in den anderen großen Parteien durch Quotenvorgaben gut beschrieben hast. Nur die FDP fällt da aus dem Rahmen, allerdings erheben auch dort manche Frauen mit Hilfe von Medien öffentlich ihre Stimme wegen angeblicher Benachteiligung auf Grund des Geschlechts. Dennoch ist das Geschlecht (bisher in der Regel für die Mehrheit an den sekundären Geschlechtsmerkmalen erkennbar - Gender-Problematik!), neben anderen Äußerlichkeiten, für manche eine geeignete Eigenschaft, um Menschen nicht nach Leistung, sondern nach "natürlichen" Merkmalen zu unterscheiden. Daher ist die Frage, weshalb sich der weibliche Parteimitgliederanteil nicht auch in der Besetzung der Ämter oder Vergabe der Listenplätze widerspiegelt, eine durchaus berechtigte, die von den meisten großen Parteien mit Mitteln des Zwanges beantwortet wird. Deren vorteilhafte oder nachteilige zielgruppenspezifische Wirkung ist dabei offensichtlich, aber auch beabsichtigt.

Quoten beiseitigen aber zumeist nicht die Ursachen für unerwünschte Ungleichverteilungen, sondern lindern lediglich die Symptome. Ist Sexismus eine solcher Ursachen, dann wirkten Quotenregelungen womöglich noch verstärkend auf diese ein, da die nachteilig Betroffenen für diese unfaire Bevorteilung anderweitigen Ausgleich verlangen könnten, so z.B. indem sie verstärkt Loyalität oder Mitbestimmung im Hintergrund einforderten. Freilich ist dabei nicht von der Hand zu weisen:

Ich sage nicht, dass es in der CDU oder in anderen Parteien keine Sexisten gibt. Es ist aber notwendig, sich sein Umfeld korrekt auszusuchen. Auch, wenn die Berliner Bezirkspolitik vergleichsweise Amateurliga ist, handelt es sich doch bei jedem in der BVV um eine Führungsperson und als solche muss man sich verschärfter Konkurrenz und oft auch unfairen Vorhalten aussetzen, nicht zuletzt aus der eigenen Partei und Fraktion. Wenn man das nicht erträgt, sollte man Platz machen. Nicht umsonst hören viele Männer und Frauen in bestimmten Lebensphasen mit der Politik zeitweise oder endgültig auf, um sich auf andere Dinge im Leben zu konzentrieren.


dass besagter Neueinsteigerin ebenfalls Fehlverhalten vorzuhalten ist. Nirgends wird schmutzige Wäsche gerne öffentlich gewaschen, ganz gleich wie offen die Beteiligten dabei sind (mit Ausnahmen wie Z-Promis oder den Youtubern...). Man muss dabei jedoch anmerken, dass Berenson in einer Zeit aufgewachsen ist, die gegen viele Formen der Diskriminierung, insbesondere auch aus Sexismus, sensibilisiert ist, diese daher von ihr selbst womöglich stärker negativ empfunden wird als von ihrem Umfeld. Dabei ist ihr zwar der naheliegende Beweggrund für die Offenlegung des Sexismus in ihrem Umfeld anzulasten, nicht jedoch die Tatsache an sich, dass sie es tat. Denn wenn derartige informelle benachteiligende Gruppendynamiken beseitigt würden, entfiele auch die ohnehin fragwürdige Grundlage für die Begründung von Quoten.
HugoBettauer

Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon HugoBettauer » Do 29. Sep 2016, 13:09

Atheist hat geschrieben:(29 Sep 2016, 12:55)
Daher ist die Frage, weshalb sich der weibliche Parteimitgliederanteil nicht auch in der Besetzung der Ämter oder Vergabe der Listenplätze widerspiegelt, eine durchaus berechtigte, die von den meisten großen Parteien mit Mitteln des Zwanges beantwortet wird. Deren vorteilhafte oder nachteilige zielgruppenspezifische Wirkung ist dabei offensichtlich, aber auch beabsichtigt.

Die gängige Ideologie zu Quoten ist, dass sie Frauen entweder durch gute Chancen auf Ämter anziehen oder dass sie die Partei insgesamt, also auch die Männer, zwingen, das Parteileben für Frauen attraktiv zu gestalten. In der Realität findet das nicht statt, weder bei streng quotierten Parteien noch bei anderen, weder bei Parteien mit besonders "frauenfördernder" Agenda, noch bei Parteien, die vorrangig auf Effizienz aus sind. Das kann man nach teilweise jahrzehntelangen Quotenregelungen schon merken. Wer mal erlebt hat, wie geschlechtsübergreifend große Gruppen aufstöhnen, weil jemand den Antrag auf ein Frauenplenum gestellt hat, weiß, dass das eher ein Profilierungs-Nebenschauplatz für einige wenige ist als ein Podium, um Frauen insgesamt zu stärken.

Quoten beiseitigen aber zumeist nicht die Ursachen für unerwünschte Ungleichverteilungen, sondern lindern lediglich die Symptome.

Oft genug bedeuten Quoten einfach nur, dass der Vorstand künstlich verkleinert werden muss. Damit gewinnt niemand. Wenn du eine Erklärung suchst, warum seltener Frauen als Männer in Parteien eintreten und dort weniger als Männer um stressige Spitzenämter kämpfen, hast du wieder die Gesellschaft insgesamt auf dem Schirm: Fragen der Sozialisierung, Fragen der Aufgabenverteilung zuhause, Fragen der Risikobereitschaft, auch berufliche Nachteile jetzt für eine ungewisse Parteikarriere später in Kauf zu nehmen.

Dabei ist ihr zwar der naheliegende Beweggrund für die Offenlegung des Sexismus in ihrem Umfeld anzulasten, nicht jedoch die Tatsache an sich, dass sie es tat. Denn wenn derartige informelle benachteiligende Gruppendynamiken beseitigt würden, entfiele auch die (ohnehin fragwürdige) Grundlage für Quoten.

Ob es eine ausgeprägte Gruppendynamik gibt, die Frauen generell behindert, ist durch ihren Text nicht gesagt. Die Frauenunion war reserviert, ihr Bezirk hat sie dagegen trotz geringer Erfahrung und Mitgliedschaftsdauer auf einen vorderen Listenplatz gebracht. Die Frage "wieviele Plakate hast du schon geklebt" könnte ein Indiz sein, dass ihr die Tuchfühlung mit der Parteikultur fehlt.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Atheist » Do 29. Sep 2016, 13:39

HugoBettauer hat geschrieben:(29 Sep 2016, 13:09)

Die gängige Ideologie zu Quoten ist, dass sie Frauen entweder durch gute Chancen auf Ämter anziehen oder dass sie die Partei insgesamt, also auch die Männer, zwingen, das Parteileben für Frauen attraktiv zu gestalten. In der Realität findet das nicht statt, weder bei streng quotierten Parteien noch bei anderen, weder bei Parteien mit besonders "frauenfördernder" Agenda, noch bei Parteien, die vorrangig auf Effizienz aus sind. Das kann man nach teilweise jahrzehntelangen Quotenregelungen schon merken. Wer mal erlebt hat, wie geschlechtsübergreifend große Gruppen aufstöhnen, weil jemand den Antrag auf ein Frauenplenum gestellt hat, weiß, dass das eher ein Profilierungs-Nebenschauplatz für einige wenige ist als ein Podium, um Frauen insgesamt zu stärken.


Oft genug bedeuten Quoten einfach nur, dass der Vorstand künstlich verkleinert werden muss. Damit gewinnt niemand. Wenn du eine Erklärung suchst, warum seltener Frauen als Männer in Parteien eintreten und dort weniger als Männer um stressige Spitzenämter kämpfen, hast du wieder die Gesellschaft insgesamt auf dem Schirm: Fragen der Sozialisierung, Fragen der Aufgabenverteilung zuhause, Fragen der Risikobereitschaft, auch berufliche Nachteile jetzt für eine ungewisse Parteikarriere später in Kauf zu nehmen.


Das sind mögliche Ursachen, bei denen ich persönlich eher wissenschaftlichen Ansichten folge, die einen erheblichen Anteil von insividuellen Umwelteinflüssen hierfür behaupten/belegen. Zugleich sind das aber auch Bereiche, in denen Neuerungen nur gegen starken Widerstand durchgesetzt werden können. Das trifft zwar grundsätzlich auf alle Bereiche des Lebens zu, denn die wenigsten gewöhnen sich gerne um (allein schon weil Veränderungen nachweislich zu hormonellen Stressreaktionen führen), jedoch ist der Widerstand in Sozialisierungsfragen umso erbitterter, weil dies einer der Bereiche mit nachhaltiger Wirkung auf den Einzelnen ist.

Ob es eine ausgeprägte Gruppendynamik gibt, die Frauen generell behindert, ist durch ihren Text nicht gesagt. Die Frauenunion war reserviert, ihr Bezirk hat sie dagegen trotz geringer Erfahrung und Mitgliedschaftsdauer auf einen vorderen Listenplatz gebracht. Die Frage "wieviele Plakate hast du schon geklebt" könnte ein Indiz sein, dass ihr die Tuchfühlung mit der Parteikultur fehlt.


Das erscheint jedenfalls als naheliegend. Aber was will man schon dazu sagen, wenn es bei Wahlen in zunehmendem Maße um Personen geht... und dann wäre da auch noch der Proporz für alles Erdenkliche.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Cat with a whip » Do 29. Sep 2016, 17:14

HugoBettauer hat geschrieben:(28 Sep 2016, 18:16)

Die CDU wird geleitet von einer Bundeskanzlerin, die eine Frau ist. Sie ist weiblich, sie ist feminin und sie ist kein Mann. Ansonsten haben Frauen in der CDU zwar weniger Ministerien als das bei manchen anderen Parteien üblich ist, jedoch haben diese Frauen wichtige Fachgebiete, etwa die sogenannte Verteidigung.

Einer jungen Frau Jenna Berenson aus der CDU Berlin ist nun folgendes passiert: Bei einer Diskussion mit zwölf Männern aus dem Ortsverein wollte sie mit juristischen Finessen punkten, sich als zwar im Großen und Ganzen schon für ein Burkaverbot, aber dann doch irgendwie wieder wegen Grundgesetz und so etwas eingeschränkt gerieren. Das hat halt keine Sau interessiert. Die alten Männer der politischen Basis nannten ihre Lehrbuchsprüche "naiv" und kamen ihr mit Feminismus. Da ist die junge Dame etwas verstimmt gewesen, hat ihr Profilfoto bei Twitter adrett aufgemotzt und einen längeren Text verfasst. Text heißt:
Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will

Also so geht die Überschrift. Gesagt wird dann, dass die Partei ihre Zukunft verspiele, wenn sie die Jenna schmollen mache. Immerhin sei sie schon fast ein Jahr dabei. Das muss doch was heißen. Dass manche glauben, sie habe sich ihren vorderen Listenplatz mit Gefälligkeiten erkämpft, möchte sie verständlicherweise nicht stehen lassen. So etwas ist ungeheuerlich, wenn es nicht stimmt und auch ein Dementi wert, wenn es stimmt. Das Dumme: Sowas wird man ja nie wieder los. Auch bei der Frauenunion kam ihre aufstiegsbestrebte Art wohl weniger gut an. Den wohlgemeinten Ratschlag, nicht in jedem Gremium gleichzeitig nach Posten zu trachten, legte sie dem Sprecher als Sexismus aus. Auch ein ungenannter Senator, der eine etwas unglückliche Bemerkung zu Mutter und Tochter am Parteitag machte, muss für den Sexismus in der Partei stehen. Für die Bildzeitung war klar: Das muss der Henkel gewesen sein.

Kristina Schröder sieht das etwas anders. Sie spricht davon, zurückhaltender mit solchen Vorwürfen zu hantieren.
Wer das Innenleben mehrer Parteien kennt, wird vielleicht vergleichen können: Ist die CDU sexistischer als andere große Parteien?


Nä, aber die Union gibt sich immer nach aussen sehr geschlossen und interne Streitigkeiten werden eher verdrückt, damit der auf Harmonie getrimmte konservative Eitelbürger mit Scheuklappenweltbild weiter glaubt er würde eine starke Volkspartei wählen und keine korrupte, bürgerfeindliche Kaderschmiede bzw. Netzwerk für Wirtschaftslobbyisten.

Die Frau ist auch einfach in der falschen Partei oder hat einfach noch nicht gelernt dass man in der Partei nur hoch kommt wenn man die Fresse hält und schön nach aussen tut.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Milady de Winter » Do 29. Sep 2016, 18:34

Steht jedem Menschen frei, wie er mit so einem Sachverhalt umgeht. Ich persönlich halte die Aktion von Jenna Behrends für kontraproduktiv, schwach und nicht durchdacht. Unabhängig davon scheinen so ziemlich alle Beteiligten in der Sache ein schmutziges Spiel zu spielen. Da ist einer hinterfotziger als der andere. Shit happens.
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Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon Cat with a whip » Do 29. Sep 2016, 23:35

Ja, besser aus taktischen Gründen schnell das Tuch des Schweigens drüber. Lieber so tun als ob nix wär.
Geht bei ihrer Kollegin doch auch:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... -gespraech
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
HugoBettauer

Re: Ist die CDU sexistischer als andere Parteien?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 30. Sep 2016, 07:55

Cat with a whip hat geschrieben:(29 Sep 2016, 23:35)

Ja, besser aus taktischen Gründen schnell das Tuch des Schweigens drüber. Lieber so tun als ob nix wär.
Geht bei ihrer Kollegin doch auch:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... -gespraech

Warten wir mal die Aufstellung der Listen und Direktkandidaturen ab. Für mich hat diese Frau in der Profiliga nichts mehr verloren, wenn sie nicht wusste was sie tat - und sie hat in der CDU nichts verloren, wenn sie wusste was sie tat.

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