Brauchen wir eine neue liberale Partei?

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lili 1
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Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 11:18

Hallo,

Findet ihr auch, dass wir in Deutschland eine neue liberale Partei brauchen? Die nicht Neoliberal ist, sondern sich auch um die Belange aller Menschen kümmert?
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Provokateur » Mo 12. Sep 2016, 11:22

lili 1 hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:18)

Hallo,

Findet ihr auch, dass wir in Deutschland eine neue liberale Partei brauchen? Die nicht Neoliberal ist, sondern sich auch um die Belange aller Menschen kümmert?


Haben wir doch. Die Piratenpartei.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mo 12. Sep 2016, 11:33

lili 1 hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:18)

Hallo,

Findet ihr auch, dass wir in Deutschland eine neue liberale Partei brauchen? Die nicht Neoliberal ist, sondern sich auch um die Belange aller Menschen kümmert?


Nein, da der Neoliberlismus sich um diese Belange kümmert.

»Liberalismus« ohne »Neo« – das ist die Lehre von der Freiheit. Einst wurde sie erfunden, weil Könige und andere Herrscher die Bürger unterdrückten. Die einzelnen Bürger sollten die Möglichkeit erhalten, sich frei zu entwickeln. Zu lernen, was sie wollten, und die Arbeit anzustreben, zu der sie Lust hatten. Sich zu treffen und zu verbünden, mit wem sie wollten, Firmen zu gründen, wenn es ihnen passte.

Bloß im wahren Leben entwickelte sich dann auch ein Problem: Manche Unternehmen wurden größer und größer, und weil sie kaum kontrolliert wurden, verdrängten sie andere Unternehmen oder kauften sie einfach auf. Sie wurden zu mächtig und kümmerten sich zu wenig um ihre Arbeiter und ihre Kunden. Viele Arbeiter dagegen verdienten zu wenig, und wer keine Arbeit hatte oder krank wurde, dem fehlte schnell das Nötigste zum Leben. Die Folge: Die allzu freie Gesellschaft zerfiel in Arm und Reich, Mächtig und Ohnmächtig. Sie brauchte neue Regeln.

Aus diesem Grund erfanden bedeutende Denker und Politiker vor rund 70 Jahren einen neuen Liberalismus, eben den Neoliberalismus. Die Bürger sollten weiter frei sein, sich zu entwickeln und nach Wohlstand zu streben. Aber der Staat sollte dafür sorgen, dass es fair zugeht. Er sollte streng kontrollieren, dass nicht ein paar Unternehmen zu mächtig werden und junge Firmen mit tollen Ideen einfach zerstören. Der Wettbewerb zwischen den Ideen sollte sich entwickeln, und die beste sollte gewinnen. Ebenso sollte der Staat ein stabiles Netz aufspannen für arbeitslose oder kranke Menschen, die ins Leere zu fallen drohen. Herauskommen sollte ein Land, in dem der Arme nicht arm bleiben muss, wenn er sich bemüht, und der Reiche nicht reicher wird, wenn er gar nichts leistet.

Diese Idee vom Neoliberalismus wurde zur Grundlage für das, was die Deutschen ihre »soziale Marktwirtschaft« nennen. Am Markt sollen freie Bürger um die besten Jobs und freie Unternehmer um die besten Ideen ringen. Aber es muss dabei »sozial« zugehen, sodass die Verlierer eine zweite Chance erhalten und die Gewinner nicht allzu mächtig und übermütig werden.

Deshalb passen heute Leute in Diensten des Staates darauf auf, dass die Unternehmen auch wirklich fair miteinander um die Kunden kämpfen und dass nicht beispielsweise eine einzige Autofirma alle anderen aufkaufen kann. Deshalb hat Deutschland seinen so genannten Sozialstaat, der Arbeitslosen, Kranken und armen Kindern und Erwachsenen unter die Arme greift.

Merkwürdig, wie der Ausdruck »Neoliberalismus« seine Bedeutung verändert hat. Die Neoliberalen, das waren eigentlich die Gründer der sozialen Marktwirtschaft, heute aber soll der Begriff oft solche Leute bezeichnen, die dieser sozialen Marktwirtschaft den Rücken kehren wollen.

Es geschieht gar nicht so selten, dass Menschen wichtige Begriffe plötzlich neu verwenden. Deshalb reicht es nicht, einen Begriff nur zu benutzen. Die Menschen, die miteinander reden, müssen sich auch auf seine Bedeutung verständigen. Wenn Ihr also irgendwann mal hört, wie jemand Euch oder einen Freund von Euch als »neoliberal« beschimpft, dann könnt Ihr fragen: Weißt Du denn gar nicht, woher der Begriff stammt? Er meint doch gerade die Ideen, aus denen unsere soziale Marktwirtschaft geboren wurde.

http://www.zeit.de/2010/48/Wirtschaft-fuer-Kinder
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 11:44

Provokateur hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:22)

Haben wir doch. Die Piratenpartei.


Ja aber die schafft es leider nicht.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Provokateur » Mo 12. Sep 2016, 11:48

lili 1 hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:44)

Ja aber die schafft es leider nicht.


Dann liegt es aber an den Bürgern und nicht and er Partei. Was nützen uns tausend neue Parteien, wenn sie keiner wählt?
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 11:49

JJazzGold hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:33)

Nein, da der Neoliberlismus sich um diese Belange kümmert.

»Liberalismus« ohne »Neo« – das ist die Lehre von der Freiheit. Einst wurde sie erfunden, weil Könige und andere Herrscher die Bürger unterdrückten. Die einzelnen Bürger sollten die Möglichkeit erhalten, sich frei zu entwickeln. Zu lernen, was sie wollten, und die Arbeit anzustreben, zu der sie Lust hatten. Sich zu treffen und zu verbünden, mit wem sie wollten, Firmen zu gründen, wenn es ihnen passte.

Bloß im wahren Leben entwickelte sich dann auch ein Problem: Manche Unternehmen wurden größer und größer, und weil sie kaum kontrolliert wurden, verdrängten sie andere Unternehmen oder kauften sie einfach auf. Sie wurden zu mächtig und kümmerten sich zu wenig um ihre Arbeiter und ihre Kunden. Viele Arbeiter dagegen verdienten zu wenig, und wer keine Arbeit hatte oder krank wurde, dem fehlte schnell das Nötigste zum Leben. Die Folge: Die allzu freie Gesellschaft zerfiel in Arm und Reich, Mächtig und Ohnmächtig. Sie brauchte neue Regeln.

Aus diesem Grund erfanden bedeutende Denker und Politiker vor rund 70 Jahren einen neuen Liberalismus, eben den Neoliberalismus. Die Bürger sollten weiter frei sein, sich zu entwickeln und nach Wohlstand zu streben. Aber der Staat sollte dafür sorgen, dass es fair zugeht. Er sollte streng kontrollieren, dass nicht ein paar Unternehmen zu mächtig werden und junge Firmen mit tollen Ideen einfach zerstören. Der Wettbewerb zwischen den Ideen sollte sich entwickeln, und die beste sollte gewinnen. Ebenso sollte der Staat ein stabiles Netz aufspannen für arbeitslose oder kranke Menschen, die ins Leere zu fallen drohen. Herauskommen sollte ein Land, in dem der Arme nicht arm bleiben muss, wenn er sich bemüht, und der Reiche nicht reicher wird, wenn er gar nichts leistet.

Diese Idee vom Neoliberalismus wurde zur Grundlage für das, was die Deutschen ihre »soziale Marktwirtschaft« nennen. Am Markt sollen freie Bürger um die besten Jobs und freie Unternehmer um die besten Ideen ringen. Aber es muss dabei »sozial« zugehen, sodass die Verlierer eine zweite Chance erhalten und die Gewinner nicht allzu mächtig und übermütig werden.

Deshalb passen heute Leute in Diensten des Staates darauf auf, dass die Unternehmen auch wirklich fair miteinander um die Kunden kämpfen und dass nicht beispielsweise eine einzige Autofirma alle anderen aufkaufen kann. Deshalb hat Deutschland seinen so genannten Sozialstaat, der Arbeitslosen, Kranken und armen Kindern und Erwachsenen unter die Arme greift.

Merkwürdig, wie der Ausdruck »Neoliberalismus« seine Bedeutung verändert hat. Die Neoliberalen, das waren eigentlich die Gründer der sozialen Marktwirtschaft, heute aber soll der Begriff oft solche Leute bezeichnen, die dieser sozialen Marktwirtschaft den Rücken kehren wollen.

Es geschieht gar nicht so selten, dass Menschen wichtige Begriffe plötzlich neu verwenden. Deshalb reicht es nicht, einen Begriff nur zu benutzen. Die Menschen, die miteinander reden, müssen sich auch auf seine Bedeutung verständigen. Wenn Ihr also irgendwann mal hört, wie jemand Euch oder einen Freund von Euch als »neoliberal« beschimpft, dann könnt Ihr fragen: Weißt Du denn gar nicht, woher der Begriff stammt? Er meint doch gerade die Ideen, aus denen unsere soziale Marktwirtschaft geboren wurde.

http://www.zeit.de/2010/48/Wirtschaft-fuer-Kinder


Aber damals war die FDP auch nicht so . Ich meinte eher eine liberale Partei mit humanitären Werten. Die das Individuum schätzt, aber nicht nur Reiche bevorzugt. Danke übrigens für dein Beitrag und du hast Recht, man übernimmt Begriffe und man weiß gar nicht woher dieser Begriff kommt. Ich formuliere es anders. Es geht mir um eine Partei die einfach Alternativen schafft, damit jeder sich frei entfalten kann.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 11:52

Provokateur hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:48)

Dann liegt es aber an den Bürgern und nicht and er Partei. Was nützen uns tausend neue Parteien, wenn sie keiner wählt?


Aber die Piraten waren am Anfang doch sehr beliebt, aber warum hat sie sich nicht langfristig gehalten? Sei es auch nur über 5 %.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Provokateur » Mo 12. Sep 2016, 11:54

lili 1 hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:52)

Aber die Piraten waren am Anfang doch sehr beliebt, aber warum hat sie sich nicht langfristig gehalten? Sei es auch nur über 5 %.


Wegen Führungsstreitigkeiten und dem Auftreten als unorganisierter Haufen. Zudem sind viele wichtige und beliebte "Köpfe" wie Weisband und Lauer abgesprungen.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Svi Back » Mo 12. Sep 2016, 11:55

Provokateur hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:54)

Wegen Führungsstreitigkeiten und dem Auftreten als unorganisierter Haufen. Zudem sind viele wichtige und beliebte "Köpfe" wie Weisband und Lauer abgesprungen.

für eine weitere linke Partei nach SPD, Linke, Grüne und CDU war schlicht kein Platz mehr.
Deren Untergang war völlig erwartbar.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Alexyessin » Mo 12. Sep 2016, 11:57

Svi Back hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:55)

für eine weitere linke Partei nach SPD, Linke, Grüne und CDU war schlicht kein Platz mehr.
Deren Untergang war völlig erwartbar.


Ja, genau, alles linke Parteien.
Lasst euch doch mal bitte was neues einfallen........
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Svi Back » Mo 12. Sep 2016, 11:58

Alexyessin hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:57)

Ja, genau, alles linke Parteien.
Lasst euch doch mal bitte was neues einfallen........

nö, warum auch, denn so sehen das viele. Du nicht-ja meinetwegen.
Es gibt aber auch andere Sichten auf Dinge als deine.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 12:15

Ich finde das bedingungslose Grundeinkommen schon sehr liberal.
Svi Back

Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon Svi Back » Mo 12. Sep 2016, 12:29

ein bedingungsloses Grundeinkommen des Staates ist liberal?
Und das gleich "sehr".
Ich find das Forum geil. :D
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mo 12. Sep 2016, 12:46

"lili 1"

Aber damals war die FDP auch nicht so .


Ich verfolge die FDP nun seit ein paar Jahrzehnten und finde, dass sie in ihrer Grundausrichtung immer schon so war. Sie hat zwar immer wieder Anlass zu kritischer Überprüfung geboten,die zumeist koalitionärem Konsens zu verdanken waren, sich aber unter dem Strich nie von dieser Grundausrichtung entfernt.


Ich meinte eher eine liberale Partei mit humanitären Werten. Die das Individuum schätzt, aber nicht nur Reiche bevorzugt. Danke übrigens für dein Beitrag und du hast Recht, man übernimmt Begriffe und man weiß gar nicht woher dieser Begriff kommt. Ich formuliere es anders. Es geht mir um eine Partei die einfach Alternativen schafft, damit jeder sich frei entfalten kann.


Noch humanitärer, als in einer sozialen Marktwirtschaft, gekoppelt mit garantiertem Datenschutz, Meinungsfreiheit und in einer Gesellschaft, die nahezu jegliche persönliche Entwicklung garantiert und unterstützt, kann sich meines Erachtens niemand entfalten.

Deshalb kann ich mir nicht so recht vorstellen, was Sie mit "freier Entfaltung" meinen. Vielleicht könnten Sie an einem Beispiel verdeutlichen, was Ihnen vorschwebt?
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 12:51

Svi Back hat geschrieben:(12 Sep 2016, 12:29)

ein bedingungsloses Grundeinkommen des Staates ist liberal?
Und das gleich "sehr".
Ich find das Forum geil. :D


Freie Entfaltung. Selber Entscheiden wie viel man Arbeiten kann. Außerdem braucht man sowieso eine Alternative bezüglich der Arbeitskräfte. Durch die Digitalisierung braucht man Alternativen. Dann hat es noch ein anderen Vorteil gerade wenn es um das Betreuungsgeld geht. Die Piraten haben dagegen gestimmt und dass bedingungslose Grundeinkommen als Alternative angeboten, damit die Eltern Handlungsspielraum haben. Außerdem geht es bei dem Liberalismus darum, dass der Staat kein Zwang ausübt. Es ist ja kein Anarchismus den Staat komplett abzulehnen, sondern, dass der Staat die Freiheit erst ermöglicht.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 13:01

JJazzGold hat geschrieben:(12 Sep 2016, 12:46)

Ich verfolge die FDP nun seit ein paar Jahrzehnten und finde, dass sie in ihrer Grundausrichtung immer schon so war. Sie hat zwar immer wieder Anlass zu kritischer Überprüfung geboten,die zumeist koalitionärem Konsens zu verdanken waren, sich aber unter dem Strich nie von dieser Grundausrichtung entfernt.




Noch humanitärer, als in einer sozialen Marktwirtschaft, gekoppelt mit garantiertem Datenschutz, Meinungsfreiheit und in einer Gesellschaft, die nahezu jegliche persönliche Entwicklung garantiert und unterstützt, kann sich meines Erachtens niemand entfalten.

Deshalb kann ich mir nicht so recht vorstellen, was Sie mit "freier Entfaltung" meinen. Vielleicht könnten Sie an einem Beispiel verdeutlichen, was Ihnen vorschwebt?


Mein Eindruck war, dass die FDP eher für reiche Unternehmen waren und sie hauptsächlich nicht für den normalen Bürger. Ich konnte mich noch erinnern, dass z.B Martin Lindner meinte wir müssen alle sparen und die Hartz 4 Empfänger noch mehr Kürzungen bekommen. Es erweckte sich für mich den Eindruck, dass nur ganz Reiche von dieser Politik profitieren.

Mit freier Entfaltung meine ich, dass jeder sich individuell Verwirklichen kann. Gerade im Bildungspolitischen Spektrum war dass ja nicht der Fall. Damals war die FDP dafür dass ein dreigliedriges Bildungssystem das Beste sei. Jetzt sagen sie das es mehrere Alternativen gibt. Mein Gefühl ist es immer noch, dass sie eher eine Hierarchie weiterführen möchten. Es muss jetzt keine Gesamtschule kommen. Mir geht es eher darum, dass nur selektiert wird. Aber die Individualität wird doch dadurch gar nicht zur Kenntnis genommen. Da fand ich die Idee der Piraten besser, so eine Art Kursunterricht durchzuführen.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Sep 2016, 13:20

JJazzGold hat geschrieben:(12 Sep 2016, 11:33)

Nein, da der Neoliberlismus sich um diese Belange kümmert.
Aus diesem Grund erfanden bedeutende Denker und Politiker vor rund 70 Jahren einen neuen Liberalismus, eben den Neoliberalismus. Die Bürger sollten weiter frei sein, sich zu entwickeln und nach Wohlstand zu streben. Aber der Staat sollte dafür sorgen, dass es fair zugeht. Er sollte streng kontrollieren, dass nicht ein paar Unternehmen zu mächtig werden und junge Firmen mit tollen Ideen einfach zerstören. Der Wettbewerb zwischen den Ideen sollte sich entwickeln, und die beste sollte gewinnen. Ebenso sollte der Staat ein stabiles Netz aufspannen für arbeitslose oder kranke Menschen, die ins Leere zu fallen drohen. Herauskommen sollte ein Land, in dem der Arme nicht arm bleiben muss, wenn er sich bemüht, und der Reiche nicht reicher wird, wenn er gar nichts leistet.

Diese Idee vom Neoliberalismus wurde zur Grundlage für das, was die Deutschen ihre »soziale Marktwirtschaft« nennen.

Das ist allerdings nicht der "Neoliberalismus" der Chikago Boys, der chilenischen Militärdiktatur oder der Thatcher- oder Reagan-Epoche. Ich habe mich schon oft gefragt, warum es weder bei den "Neoliberalen" der ersten Kategorie noch bei denen der zweiten Kategorie ernsthafte Abgrenzungsbemühungen oder Neuselbstverortungen (einschließlich Umbenennung) gab und gibt. Und die Neoliberalen der sozialen Marktwirtschaft akzeptieren stillschweigend die auch pejorative Verwendung von "Neoliberalismus" als ideologischen Kampfbegriff.

Solange das so ist, beobachte ich lieber die links- und/oder sozialliberalen Strömungen, die es sowohl bei den Grünen, der Linkspartei und der Piratenpartei gibt. Wenn ich auch wenig Hoffnung habe, dass es zur Ausgründung einer klar linksliberalen Partei ohne thematische Einengung (Umweltthemen bei den einen, Digitalwirtschaft bei den anderen) kommt. Der deutliche Männerüberhang bei den Piraten steht in meinen Augen auch völlig einer Sicht in die Quere, sie irgendwie "liberal" zu sehen.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon lili 1 » Mo 12. Sep 2016, 13:30

Ich persönliche finde die Grünen nicht wirklich liberal. Ich finde die bevormunden viel zu extrem. Es darf kein Fleisch mehr in den Kantinen angeboten werden u.s.w.
Bei den Linken stört mich die Familienpolitik. Es geht um mehr Kitas, aber was ist mit den Kindern die sich in Krippen nicht wohlfühlen und die Eltern habe keine andere Wahl. Denn sie müssen die Kinder irgendwo Unterbringen. Man will den Eltern eigentlich indirekt sagen geht wieder Arbeiten und der Staat sorgt sich um die Kinder. Man kann dieses Modell wählen, aber etwas andere ist nicht möglich, weil die finanziellen Mittel dazu fehlen.
Diese Kritik geht nicht nur an die Linken. Damit meine ich auch die SPD, Grüne und auch die FDP+ einige Teilen von der CDU. Die CSU macht es eher aus konservativen Gründen. Mir geht es um die Wahlfreiheit.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mo 12. Sep 2016, 13:35

"lili 1"

Mein Eindruck war, dass die FDP eher für reiche Unternehmen waren und sie hauptsächlich nicht für den normalen Bürger. Ich konnte mich noch erinnern, dass z.B Martin Lindner meinte wir müssen alle sparen und die Hartz 4 Empfänger noch mehr Kürzungen bekommen. Es erweckte sich für mich den Eindruck, dass nur ganz Reiche von dieser Politik profitieren.


Ich kann mich zwar nicht einen solchen Fall erinnern, aber wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen, dann wirkt sich das auf alle Ebenen aus.

Meiner Erinnerung nach wollte Lindner sogar die Zusatzverdienstgrenze anheben und kassierte dafür massive Kritik. Nach Politik nur für Reiche sieht das für mich nicht aus.

Mit freier Entfaltung meine ich, dass jeder sich individuell Verwirklichen kann. Gerade im Bildungspolitischen Spektrum war dass ja nicht der Fall. Damals war die FDP dafür dass ein dreigliedriges Bildungssystem das Beste sei. Jetzt sagen sie das es mehrere Alternativen gibt. Mein Gefühl ist es immer noch, dass sie eher eine Hierarchie weiterführen möchten. Es muss jetzt keine Gesamtschule kommen. Mir geht es eher darum, dass nur selektiert wird. Aber die Individualität wird doch dadurch gar nicht zur Kenntnis genommen. Da fand ich die Idee der Piraten besser, so eine Art Kursunterricht durchzuführen.


Ich bin nach wie vor für das dreigliedrige System, da mir bisher kein anderes System eine höhere Effektivität aufzeigen konnte.
Von einer Gesamtschule halte überhaupt nichts. Die konnte ich bei meinem jüngsten Patenkind eine Weile hautnah miterleben, mit allen negativen Auswirkungen.

Solange man es nicht auf den Rücken der Kinder ausbadet, können aber durchaus andere Angebote existieren. Das sieht wohl auch die FDP inzwischen so. Und Angebote existieren heutzutage doch reichlich, vom direkten Bildungsweg über den zweiten und dritten.

Wie sich die Piraten ihr modulares Bildungssystem konkret vorstellen, hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Das klingt für mich nach Uni ab der ersten Klasse. Aber das Thema Bildung ist mit mir ohnehin schwer zu diskutieren. Ich bin eine absolute Verfechterin der umfassenden Allgemeinbildung, weshalb mir z.B. Zeiteinsparungen zugunsten von Fachidiotie widerstreben.
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Re: Brauchen wir eine neue liberale Partei?

Beitragvon JJazzGold » Mo 12. Sep 2016, 13:46

lili 1 hat geschrieben:(12 Sep 2016, 12:15)

Ich finde das bedingungslose Grundeinkommen schon sehr liberal.


Das nennt sich bei der FDÜ Bürgergeld.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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