Situation Venezuela 2019

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon zollagent » Di 25. Jun 2019, 10:56

Everythingchanges hat geschrieben:(25 Jun 2019, 07:56)

Es wäre nur ein Limit, wenn diese Währung die alleinige für ein Land wäre.
Aber als Ergänzung wäre es ein ziemlich spannendes Element.

Nein, dann ist es nichts weiter als ein Ausweichmanöver, um Strukturproblemen aus dem Weg gehen zu können.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Everythingchanges
Beiträge: 409
Registriert: Mi 30. Mai 2018, 18:37

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon Everythingchanges » Di 25. Jun 2019, 11:08

zollagent hat geschrieben:(25 Jun 2019, 10:56)

Nein, dann ist es nichts weiter als ein Ausweichmanöver, um Strukturproblemen aus dem Weg gehen zu können.


Solche Ansätze werden anderswo wieder aufleben und die haben mMn durchaus gute Chancen. (Ich denke auch nicht, dass der Pedro eine Zukunft hat)

Damit könnte man zb. den intern. Handel für Rohstoffe revolutionieren oder eben eine ganz neue Anlageklasse etablieren.
Ich halte es für eine sehr spannenden Ansatz.
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 57845
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 12:21

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon zollagent » Di 25. Jun 2019, 17:38

Everythingchanges hat geschrieben:(25 Jun 2019, 11:08)

Solche Ansätze werden anderswo wieder aufleben und die haben mMn durchaus gute Chancen. (Ich denke auch nicht, dass der Pedro eine Zukunft hat)

Damit könnte man zb. den intern. Handel für Rohstoffe revolutionieren oder eben eine ganz neue Anlageklasse etablieren.
Ich halte es für eine sehr spannenden Ansatz.

Ich sehe nicht, wie das gehen soll. Die Wichtigste Eigenschaft des Geldes, nämlich die des Wertaufbewahrungsmittels, fehlt hier.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
Nudelholz
Beiträge: 2949
Registriert: Mo 16. Jan 2012, 23:20
Benutzertitel: Uncle Dolan
Wohnort: Mbocayaty

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon Nudelholz » Fr 5. Jul 2019, 16:21

https://www.nzz.ch/international/venezu ... ld.1493926

Die Uno-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet wirft Venezuela schwerste Menschenrechtsverletzungen vor. Wenn sich die Lage nicht verbessere, so Bachelet am Freitag vor dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf, werde der Strom von Emigranten aus dem Land anhalten. In den vergangenen vier Jahren haben über vier Millionen Venezolaner ihr Land verlassen.

Die Uno-Kommissarin hatte das Land dreimal seit Jahresbeginn besucht, zuletzt vom 19. bis zum 21. Juni. Sie war auch mit dem Präsidenten Nicolás Maduro zusammengetroffen. Ihr Team führte mit 558 Opfern und Zeugen der Willkür des Regimes Interviews, zumeist im Ausland. Darunter befanden sich auch ehemalige Mitglieder von Polizei und Armee.

In einem 16-seitigen Bericht kommt Bachelet zum Schluss, dass die Militarisierung der staatlichen Institutionen Venezuelas dazu geführt habe, dass willkürliche Haft, Misshandlungen, Folter und aussergerichtliche Hinrichtungen systematisch geworden und ein schockierendes Ausmass erreicht hätten. Exzessive Gewalt gegen Oppositionelle werde von den Ordnungskräften regelmässig bei Demonstrationen angewandt.

Für diese Exzesse macht der Bericht sowohl reguläre Regierungskräfte als auch zivile Überwachungs- und Schlägertrupps («colectivos») verantwortlich, welche Nachbarschaften ausspionierten und bei Kundgebungen bewaffnet zum Einsatz kämen. Eine besonders üble Rolle spielt die Sonderpolizei Faes, welcher die Uno-Behörde die Ermordung von Regierungsgegnern vorwirft.

Allein im Jahr 2018 waren in Venezuela nach Angaben der Regierung bei Polizeieinsätzen mehr als 5200 Menschen getötet worden, die «Widerstand gegen die Staatsgewalt» geleistet hätten. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurden 1569 weitere Fälle registriert.

Der Verdacht sei erhärtet, «dass diese Tötungen aussergerichtliche Hinrichtungen von Sondereinsatzkräften darstellten», erklärte Bachelet. Die Regierung in Caracas müsse die Spezialpolizei Faes auflösen und eine unabhängige Untersuchung der Hinrichtungen einleiten. Die Täter müssten zur Verantwortung gezogen und die Opfer entschädigt werden.

Die Regierung von Präsident Maduro wies den Bericht der Uno-Kommissarin umgehend als einseitig, selektiv und voller Ungenauigkeiten und Fehler zurück. Allerdings erhält er traurige Bestätigung durch den Fall des Marineoffiziers Rafael Acosta.

Der Hauptmann war als angebliches Mitglied einer Verschwörung verhaftet worden und starb am letzten Freitag im Gefängnis. Auszüge aus dem Autopsiebericht wurden von einer regierungsnahen Zeitung veröffentlicht. Die Befunde lassen keinen andern Schluss zu, als dass Acosta auf brutale Weise von seinen Schergen zu Tode geprügelt wurde. Er hatte eine Gehirnschwellung, Rippenbrüche und innere Verletzungen durch die Schläge erlitten.

Das Regime streitet dieses offensichtliche Verbrechen nicht ab. Es wird allerdings als die Tat einer kleinen, unabhängig von den Befehlsketten handelnden Gruppe von Geheimdienstleuten der Armee dargestellt. Der Generalstaatsanwalt Tarek Saab sagte, er habe zwei Agenten wegen des «unglücklichen Zwischenfalls» verhaftet und sie des Totschlags angeklagt.

Laut Bachelets Bericht, der auch sogenannte ökonomische und soziale Rechte, sowie Minderheitenrechte betrifft, kommt es auch bei der Vergabe sozialer Leistungen in dem verarmten Land zu politischer Diskriminierung. Sozialprogramme würden systematisch als «Instrumente der sozialen Kontrolle» missbraucht. Indirekt werden auch die westlichen Sanktionen kritisiert, welche die Wirtschaftskrise verschärften und sich negativ auf die Bevölkerung und deren ökonomischen Rechte auswirkten.

Der Bericht bezieht sich auf die vergangenen zehn Jahre in Venezuela. In dieser Zeit habe die Regierung eine Serie von Gesetzen, Massnahmen und Praktiken angewandt, welche die Demokratie, die Institutionen und die Unabhängigkeit der Justiz immer mehr beschnitten hätten. Vor allem seit 2016 habe die Regierung eine Strategie implementiert, die auf die «Neutralisierung, Unterdrückung und Kriminalisierung» von politischen Gegnern und Regierungskritikern abziele. Bis Mai dieses Jahres seien in Venezuela 793 Menschen willkürlich inhaftiert gewesen.

Venezuela befindet sich seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Seit Monaten liefern sich Präsident Nicolás Maduro und Oppositionsführer Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Ende April war ein Putschversuch von Teilen der Streitkräfte gegen Maduro gescheitert.

Der umstrittene Staatschef kann nach wie vor auf den Rückhalt der Militärführung zählen und wird unter anderem von Russland unterstützt. Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Übergangspräsidenten erklärt und wird von den USA und westlichen Staaten anerkannt.
1337
Benutzeravatar
Nudelholz
Beiträge: 2949
Registriert: Mo 16. Jan 2012, 23:20
Benutzertitel: Uncle Dolan
Wohnort: Mbocayaty

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon Nudelholz » Fr 5. Jul 2019, 16:28

https://www.tagesschau.de/ausland/bache ... 48c40.html

Ihre Biografie ist ungewöhnlich - und sie weiß, wie sich Folter anfühlt. Michelle Bachelet hatte als neue UN-Menschenrechtskommissarin ihren ersten offiziellen Auftritt.

Michelle Bachelet weiß, was Folter bedeutet. Sie hat es am eigenen Leib erfahren im berüchtigten Geheimdienstgefängnis "Villa Grimaldi". Ihr Vater wurde nach dem Militärputsch in Chile 1973 gequält und getötet, die damals 22-Jährige verhaftet.

Sie hätten ihr eine Kapuze über den Kopf gezogen und sie geschlagen, erzählte sie vor einigen Jahren. "Ich war lange unglaublich wütend, spürte einen tiefen Schmerz. Und ich konnte mir nicht vorstellen, mit manchen Personen überhaupt zu sprechen, einen Dialog zu führen. Aber ich bin nicht mehr die 22-, 23- oder 24-jährige Michelle dieser schrecklichen Nächte. Und so tat ich es später eben doch."

Ein Ziel: Vertrauen zurückgewinnen
In ihrem neuen Amt wird sie sich wieder in diesem Spannungsfeld finden. Die Menschenrechtskommissarin arbeitet eng mit dem UN-Menschenrechtsrat zusammen. Unter den 47 Mitgliedsstaaten finden sich Länder, denen selbst vorgeworfen wird, die Menschenrechte zu verletzen. Die USA hatten das Gremium im vergangenen Jahr erbost verlassen. Die US-Botschafterin Nikki Haley kritisierte, der Menschenrechtsrat sei zu lange ein Ort gewesen, in dem Menschenrechtsverletzer Schutz gefunden hätten: "Und er war eine Jauchegrube der politischen Voreingenommenheit."

Für Bachelet wird es auch darum gehen müssen, Vertrauen in das Gremium zurückzugewinnen - auch wenn sie nicht dessen Vorsitzende ist. Sie freue sich auf diese Aufgabe, so die 66-Jährige. Und sie sei sich bewusst, dass die Erwartungen hoch sind. "Ich weiß, dass sowohl die Opfer als auch die Verteidiger der Menschenrechte von mir erwarten, dass ich diese grundlegenden Rechte durchsetze. Ich bin bereit für diese Herausforderung."

Ungewöhnliche Biografie
Es ist eine gewaltige Herausforderung für die 66-Jährige - aber nicht die erste. Bachelet steht für eine der ungewöhnlichsten Biografien Lateinamerikas. Sie ist Sozialistin, die in den 70er-Jahren ins DDR-Exil ging und dort Medizin studierte. Sie ist alleinerziehende Mutter dreier Kinder von zwei Vätern. Sie sagt, dass sie nicht an Gott glaubt. Und trotzdem ist es ihr gelungen, 2006 die erste Präsidentin in der Geschichte Chiles zu werden, eines tief konservativ-katholischen Landes. Es ist noch nicht lange her, dass Scheidungen und Abtreibung komplett verboten waren. Bachelet verkörpere den Wandel des Landes, sagte der chilenische Politikwissenschaftler Jaime Ensignia vor ihrer Wahl: "Ich glaube, wir stehen vor einem großen politischen und kulturellen Wechsel in unserem Land, wenn Michelle Bachelet Präsidentin wird."

Unter ihr begann der Umbau der Armee, nach der ersten Amtszeit schied sie mit Rekord-Zustimmungsraten aus dem Amt. Weil Chiles Verfassung keine zwei Amtszeiten am Stück erlaubt, wurde sie Leiterin der Frauen-Organisation der UN, ehe sie 2014 erneut zur Präsidentin gewählt wurde. Die Erwartungen waren hoch, denn Bachelet versprach umfassende Reformen. Doch sie blieb einige schuldig, ein Korruptionsskandal rund um ihren Sohn überschattete ihre zweite Amtszeit.

Regierungen beraten und anprangern
Dennoch: Als sie zur UN-Menschenrechtskommissarin berufen wurde, war die Zustimmung groß. Der Chef von Human Rights Watch etwa erklärte, sie bringe eine einzigartige Perspektive mit, um die Menschenrechte energisch zu verteidigen. Bachelet muss dazu Regierungen beraten und anprangern, wenn Rechte verletzt werden. Ihr Amtsvorgänger war der jordanische Prinz Seid-al-Hussein, der das energisch tat - zu energisch für den Geschmack mancher.

Die US-Botschafterin etwa hatte ihn dafür kritisiert und Bachelet aufgefordert, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Die aber sieht sich durchaus in der Tradition des Jordaniers. "Wie mein Vorgänger werde ich mein Bestes tun, dafür zu sorgen, dass Menschenrechte Realität werden. Für jeden und überall auf der Welt."

Das klingt nicht so, als ob sich Bachelet von ihren Kritikern einschüchtern lassen will. Sie selbst sieht sich als Versöhnerin und sagte einmal einen Satz, der ihr bis heute wichtig ist: Sie sei ein Opfer des Hasses, aber sie widme ihr Leben dem Kampf gegen diesen Hass.


Tjaja, Südamerika und seine Diktaturen. :|
1337
Benutzeravatar
Nudelholz
Beiträge: 2949
Registriert: Mo 16. Jan 2012, 23:20
Benutzertitel: Uncle Dolan
Wohnort: Mbocayaty

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon Nudelholz » Do 1. Aug 2019, 03:43

Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó ist erstmals nach dessen Rückkehr mit dem deutschen Botschafter Daniel Kriener zusammengekommen. Zuvor hatte der Diplomat schon mit Maduros Außenminister gesprochen.

Der deutsche Botschafter Daniel Kriener und der selbsternannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó haben sich nach monatelanger Pause erneut getroffen. Kriener war am vorvergangenen Wochenende in die deutsche Botschaft in Caracas zurückgekehrt, der Oppositionelle Guaidó kam nun von einer Reise durch Südamerika zurück.

Der deutsche Diplomat war von Präsident Nicolás MaduroAnfang März zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen worden. Die Regierung hatte ihm Parteinahme für die Opposition vorgeworfen.

Anfang Juli hatte die venezolanische Regierung mitgeteilt, dass sie Kriener nicht länger als unerwünschte Person einstuft. Wenig später hatte sich Kriener daraufhin mit dem venezolanischen Außenminister Jorge Arreaza getroffen.

"Das Regime ist isoliert", sagte Guaidó nach dem Treffen mit Kriener vor der Nationalversammlung. "Dass wir den Botschafter heute willkommen heißen konnten und die Anerkennung unserer Übergangsregierung durch das deutsche Außenministerium zeigen, dass wir auf dem internationalen Parkett vorankommen."


Interessant, man kann also auch friedlich nebeneinander regieren. :?
1337
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12065
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Man On The Silver Mountain

Re: Situation Venezuela 2019

Beitragvon imp » Do 1. Aug 2019, 06:50

Everythingchanges hat geschrieben:(20 Jun 2019, 12:49)

In 3 Tagen können wir dem ruhmreichen Guaido zu seinem 5-monatigem Jubiläum gratulieren. :D


Eine ziemlich gute Idee haben wir der Krise aber zu verdanken.
Der so genannte Pedro dürfte als Idee (sachwertgestützte Kryptowährung) sicher aufgegriffen und umgesetzt werden.

Nun ist es schon ein halbes Jahr, doch nichts neues. Weiter gehen fast 100.000 monatlich aus dem Land, weiter schwächelt die Grundversorgung und der Handel.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson

Zurück zu „3. Außenpolitik - Aus aller Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste