Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

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jack000
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Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 15:50

Janice kennt die Geschichte mit der Zigarettenkippe natürlich auch. Mit ihrer Familie leitet sie ein Backpacker-Hostel auf der Insel Bohol. Die weißen Sandstrände und Tauchreviere locken die Touristen inzwischen in Scharen auf die Insel. Die Herberge ist gut besucht und beliebt. Alles gut also? Nein. Janice sagt, sie und ihre Familie könnten auch 24 Stunden täglich arbeiten, es würde sich nichts bewegen. Das Hostel wirft genug zum Leben ab, aber mehr auch nicht. Die Steuerlast ist erdrückend, die Korruption unberechenbar, das Vertrauen in staatliche Institutionen ist völlig verloren. Die Philippinen seien nur noch ein einziges Chaos, findet sie.

Zustände wie in Davao City, dem Revier von - "The Punisher" - Duterte, müssen da paradiesisch klingen. Die Kriminalitätsrate ist abgestürzt, Gesetze werden - entgegen dem philippinischen Alltag weitgehend umgesetzt, die Korruption ist auf ein überschaubares Maß geschrumpft, Minderheiten werden in den politischen Prozess miteinbezogen.

All das hat weitere positive Folgen: Investoren werden angelockt und die Musterstadt inmitten eines sonst schwierigen Umfelds ist die wirtschaftlich am stärksten wachsende Region des Landes. Davao City, die Hauptstadt der Insel Mindanao, die vor allem wegen Entführungen der Islamistenmiliz Abu Sayyaf traurige Berühmtheit erlangt hat, ist einer Erhebung des Statistikportals Numbeo zufolge, nach Osaka, Singapur und Seoul die inzwischen viertsicherste Stadt der Welt.

http://www.n-tv.de/politik/Der-Punisher ... 50146.html

Armut zieht Kriminalität nach sich, Kriminalität erzeugt Armut. Wenn durch ein "Law and Order"-Konzept die Kriminalität quasi abgeschafft wird entsteht Vertrauen und eine angstfreie Gesellschaft die so den Mut und auch die Möglichkeiten hat etwas auf die Beine zu stellen was wirtschaftlich zum Aufschwung führt. Ebenso werden Investoren angelockt wodurch alle profitieren.

Ist "Law and Order" (Wenn die negativen Auswirkungen auf ein Minimum reduziert werden) ein Konzept um die Armut in der Welt signifikant zu senken?
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Brainiac » So 13. Dez 2015, 16:09

Ist sicher grundsätzlich richtig und wichtig, allerdings nichts vollkommen Neues.

Rechts­staat­lich­keit – zen­tra­les Ele­ment gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung

Wenn Men­schen kein Ver­trau­en zu dem Staat ha­ben, in dem sie le­ben, ist kei­ne nach­haltige Ent­wick­lung mög­lich. Will­kür, Un­gleich­behandlung und Diskri­mi­nierung in öffent­lichen Äm­tern oder vor Ge­richt, die Ver­let­zung von Menschen­rechten durch staat­liche Sicher­heits­kräfte, feh­len­de oder mangel­hafte Straf­ver­folgung und un­ge­nügende Gewalten­teilung zer­stö­ren die­ses Ver­trauen. Auch Inves­toren aus dem In- und Aus­land, die die Wirtschafts­ent­wicklung be­le­ben könn­ten, wer­den ab­ge­schreckt, wenn ein Staat nicht vertrauens­würdig ist. Gewähr­leistet ein Staat die grund­legenden Prin­zi­pi­en von Rechts­staat­lichkeit und Rechts­sicher­heit, setzt er da­mit den Rah­men für ei­ne ge­re­gel­te und den­noch freie Inter­aktion al­ler ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­re. 
https://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/goodgovernance/index.html

Sollte darauf nach deiner Auffassung in der Entwicklungshilfe mehr Gewicht (sprich: Geld) gelegt werden, oder geht es dir um ganz andere Ansätze?

Problem ist halt, der Ruf der Staatsgewalt ist in vielen Entwicklungsländern vollkommen ruiniert und dafür gibt es Gründe. Da muss man ansetzen, das kann mit fehlenden Gesetzen, Personal, Finanzmitteln, aber auch Korruption, Willkür und fehlenden Rechtswegen zu tun haben und das ist sehr vielschichtig.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon frems » So 13. Dez 2015, 16:15

Problem ist, daß eine verstärkte Kriminalisierung und härteres Vorgehen der Polizei häufig zu einer Radikalisierung krimineller Milieus führt ("Gewalt erzeugt Gegengewalt"). Polizei und Gerichte sind nicht für Gesellschaftspolitik verantwortlich, sondern kümmern sich um die Auswirkungen. Eine ganz interessante Reportage erschien kürzlich bei VICE NEWS. Dort geht's um den steigenden Krieg zwischen Gangs und Polizei sowie Militär. Erst als die staatlichen Kräfte ihre Einsätze zurückfuhren, sanken die Todeszahlen rasant und die Gangs verloren ihren Rückhalt, den sie bei der zivilen Bevölkerung (insb. in ärmeren Gebieten) teilweise genoß; nicht weil man die Gangs so toll fand, sondern selbst häufig willkürlich Opfer der Polizei wurde: https://www.youtube.com/watch?v=HGG7lRJJkJk

Klar, ganz andere Rahmenbedingungen als bei uns. Aber das gilt für die Philippinen ja auch.
Zuletzt geändert von frems am So 13. Dez 2015, 16:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 13. Dez 2015, 16:24

jack000 » So 13. Dez 2015, 15:50 hat geschrieben:http://www.n-tv.de/politik/Der-Punisher ... 50146.html

Armut zieht Kriminalität nach sich, Kriminalität erzeugt Armut. Wenn durch ein "Law and Order"-Konzept die Kriminalität quasi abgeschafft wird entsteht Vertrauen und eine angstfreie Gesellschaft die so den Mut und auch die Möglichkeiten hat etwas auf die Beine zu stellen was wirtschaftlich zum Aufschwung führt. Ebenso werden Investoren angelockt wodurch alle profitieren.

Ist "Law and Order" (Wenn die negativen Auswirkungen auf ein Minimum reduziert werden) ein Konzept um die Armut in der Welt signifikant zu senken?


Was meinst du konkret? Einen funktionierenden Rechtsstaat, so wie wir ihn in der BRD haben?
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 16:31

Brainiac » So 13. Dez 2015, 16:09 hat geschrieben:Ist sicher grundsätzlich richtig und wichtig, allerdings nichts vollkommen Neues.

https://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/goodgovernance/index.html

Sollte darauf nach deiner Auffassung in der Entwicklungshilfe mehr Gewicht (sprich: Geld) gelegt werden, oder geht es dir um ganz andere Ansätze?

Ja, denn so wie du bereits erwähnt hast:
Problem ist halt, der Ruf der Staatsgewalt ist in vielen Entwicklungsländern vollkommen ruiniert und dafür gibt es Gründe. Da muss man ansetzen, das kann mit fehlenden Gesetzen, Personal, Finanzmitteln, aber auch Korruption, Willkür und fehlenden Rechtswegen zu tun haben und das ist sehr vielschichtig.

=> Es bringt nichts Entwicklungshilfe zu zahlen wenn das Geld nur in den Taschen weniger landet. Ebenso bringt es nichts eine Infrastruktur aufzubauen wenn diese durch Kriminalität und Korruption keinen Mehrwert für die Bevölkerung bringt.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 16:37

frems » So 13. Dez 2015, 16:15 hat geschrieben:Problem ist, daß eine verstärkte Kriminalisierung und härteres Vorgehen der Polizei häufig zu einer Radikalisierung krimineller Milieus führt ("Gewalt erzeugt Gegengewalt"). Polizei und Gerichte sind nicht für Gesellschaftspolitik verantwortlich, sondern kümmern sich um die Auswirkungen. Eine ganz interessante Reportage erschien kürzlich bei VICE NEWS. Dort geht's um den steigenden Krieg zwischen Gangs und Polizei sowie Militär. Erst als die staatlichen Kräfte ihre Einsätze zurückfuhren, sanken die Todeszahlen rasant und die Gangs verloren ihren Rückhalt, den sie bei der zivilen Bevölkerung (insb. in ärmeren Gebieten) teilweise genoß; nicht weil man die Gangs so toll fand, sondern selbst häufig willkürlich Opfer der Polizei wurde: https://www.youtube.com/watch?v=HGG7lRJJkJk

Klar, ganz andere Rahmenbedingungen als bei uns. Aber das gilt für die Philippinen ja auch.

Nun, wie ich bereits schrieb:
Armut zieht Kriminalität nach sich, Kriminalität erzeugt Armut.

Es ist alternativlos einen durchsetzungsfähigen Staat aufzubauen. Es kann nicht sein, dass man die Befugnisse der Polizei abbaut nur weil dann die Kriminellen noch krimineller werden.
Das Beispiel im Eingangsbeitrag hat gezeigt, dass in manchen Gesellschaften "Law and Order" die einzige Methode ist einen Rechtsstaat umzusetzen.
=> In einem funktionieren Rechtsstaat aber haben die Akteure Alternativen zur Kriminalität, nämlich mit legalen Mitteln Geld zu verdienen.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 16:41

3x schwarzer Kater » So 13. Dez 2015, 16:24 hat geschrieben:
Was meinst du konkret? Einen funktionierenden Rechtsstaat,

Ja, einen funktionierenden Rechtsstaat => Verlässlichkeit und Sicherheit für die Bürger.

so wie wir ihn in der BRD haben?

"BRD" ist ein bisschen Reichsbürgerjargon ;) Aber 1:1 das System in Deutschland weltweit zu kopieren ist nicht sinnvoll da in den jeweiligen Ländern unterschiedliche Vorraussetzungen vorliegen.
So hat Singapur sein Konzept zu den reichsten und sichersten Ländern der Welt zu gehören welches sich vom deutschen System unterscheidet.
=> Entscheidend ist was Erfolg bringt!
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 13. Dez 2015, 16:47

jack000 » So 13. Dez 2015, 16:41 hat geschrieben:"BRD" ist ein bisschen Reichsbürgerjargon ;)


Warum? Ich dachte das wär die Abkürzung für "Bundesrepublik Deutschland". Aber wenn das Reichsbürgerjargon ist, dann vermeide ich das in Zukunft.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Peddargh » So 13. Dez 2015, 16:50

Law and Order gegen Armut?
Finde ich gut!

Die Wirtschaftskriminalität hat Dimensionen angenommen,
die nicht mehr vertretbar sind!
Da steckt ein großes Potential um die Armut zu minimieren.
Da fange ich nicht erst beim Beschiss an,
den manch Arbeitnehmer auf seinem Lohnstreifen ertragen muß,
höre nicht beim Millionenbetrüger auf.

Auch eine Polizei, die in den Straßen präesent ist,
könnte man sich leisten, wenn man wollte.
Dabei handelt es sich aber um einen teuren Dienst
an der Gesellschaft, den man sich vielerorts wohl nicht mehr leisten kann.

Aber wie ich fürchte, liege ich mit meinen
Einwand zu 100% neben der Spur des Strangs, was? :D
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 17:03

Peddargh » So 13. Dez 2015, 16:50 hat geschrieben:Aber wie ich fürchte, liege ich mit meinen
Einwand zu 100% neben der Spur des Strangs, was? :D

m.E. nicht, es gibt ja die so genannte "Nadelstreifenkriminalität". Auch diese muss bekämpft werden und wenn man betrachtet das es in vielen der ärmsten Ländern der Welt Milliardäre gibt die ihren Reichtum nur daher bezogen haben weil ein funktionierender Rechtsstaat fehlt und die von der allgemeinen Korruption und Kriminalität (z.B. Drogenbarone) profitieren.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Brainiac » So 13. Dez 2015, 17:04

jack000 » So 13. Dez 2015, 16:31 hat geschrieben:Ja, denn so wie du bereits erwähnt hast:

=> Es bringt nichts Entwicklungshilfe zu zahlen wenn das Geld nur in den Taschen weniger landet. Ebenso bringt es nichts eine Infrastruktur aufzubauen wenn diese durch Kriminalität und Korruption keinen Mehrwert für die Bevölkerung bringt.

Mehr Geld für Entwicklungshilfe heißt ja NICHT, den Ländern bedingungslos mehr zu überweisen und das beste zu hoffen.

Es bedeutet auch, bessere Analysen durchzuführen, bessere Konzepte und Strukturen zu entwicklen, Leute zu finden die vor Ort unterstützen bzw vor Ort besser auszubilden etcetc. Das alles mit dem Ziel, den dortigen Rechtsstaat aufzubauen bzw zu verbessern. Das kostet auch alles Geld.

Zu den vielfältigen Unterstützungsleistungen die die Bundesrepublik ihren Entwicklungspartnern bietet, gehören die Beratung bei der Erarbeitung von Gesetzesentwürfen, die Unterstützung beim Aufbau einer Gerichtsbarkeit sowie die Professionalisierung der relevanten Akteure im Justizsektor und in den Vollzugsorganen.
http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/goodgovernance/rechtsstaatlichkeit/index.html

Beispiel Guatemala, ein Nachbar von el Salvador und mit ganz ähnlichen Problemen:

Seit 2007 finanziert dieStaatengemeinschaft die Arbeit der Internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala, CICIG). Präsident Pérez Molina hat bei den Vereinten Nationen eine Mandatsverlängerung bis September 2015 beantragt. Das weckt die Hoffnung, dass Erfolge bei der Bekämpfung der Straflosigkeit möglich sind. Die CICIG unterstützt Justiz und Polizei bei der Aufklärung von Straftaten und leistet einen Beitrag zur Stärkung staatlicher Strukturen.
https://www.bmz.de/de/was_wir_machen/laender_regionen/lateinamerika/guatemala/zusammenarbeit/index.html

U.a. mit Projekten gegen illegale Bewaffnung, für bessere Richterauswahl und zum Zeugenschutz.

Also eins funktioniert nicht: Den Aufbau des Rechtsstaats an den dortigen Regierungen vorbei zu versuchen. Es sei denn, es handelt sich um einen Failed State und man ist mit UN-Mandat dort tätig.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Cloudfox » So 13. Dez 2015, 17:06

[...]Wem an der möglichst raschen Abschaffung extremer Armut in der Welt gelegen ist, der sollte also zuallererst für einen besseren Zugang der Entwicklungsländer zum Weltmarkt streiten. Da gibt es noch viel zu tun. „Nehmen Sie das Beispiel Tunesien“, sagt Ökonom Loewe. „Das Land hat eine international wettbewerbsfähige Landwirtschaft und darf eigentlich zollfrei Obst und Gemüse nach Europa exportieren – aber nur in den Monaten, wo in den südlichen EU-Ländern nicht geerntet wird.“ Das bringt Tunesien nichts, weil die Ernte dort in dieselbe Zeit fällt.

Solche Handelshemmnisse sind einer der Gründe, warum Länder wie Tunesien nicht die notwendigen Wachstumsraten erreichen, um langfristig ihren Wohlstand zu sichern. Die Abschaffung dieser Restriktionen könnte Millionen Menschen über die Armutsschwelle heben.[...]



Law and Order? Führt m.E. nicht zur Reduzierung von Armut, sondern eher zur Unterdrückung und kurbelt eine Gewaltspirale und damit Kriminalität an...Beispiele hierzu gibt auf unserer Welt genug.

[...]Wie kommt der Reichtum bis aufs Land?

Fast noch wichtiger als die absolute Höhe des Wachstums ist allerdings, dass die Bewohner eines Landes möglichst gleichmäßig davon profitieren. In vielen wachstumsstarken Entwicklungsländern ist das nicht der Fall, insbesondere dann, wenn der Wohlstand nur einer einzigen Quelle wie etwa dem Rohstoffreichtum entstammt. So verzeichnet ein kleines Land wie Äquatorialguinea dank seiner Rohstoffexporte zwar hohe Wachstumsraten. Doch davon profitiert nur eine kleine Elite, die das verdiente Geld zudem schnell außer Landes schafft.[...]Wie kann man sicherstellen, dass alle etwas vom Wachstum haben? Vor allem die Regierungen der entsprechenden Länder sind gefragt. „Am wichtigsten ist es, den Zugang der Ärmsten zu Bildung und Gesundheit zu stärken“, sagt Ökonom Loewe. Private Initiativen wie etwa das Anti-Malaria-Programm der Gates-Stiftung können dabei helfen, langfristig muss ein Land aber eine funktionierende staatliche Infrastruktur aufbauen.[...]

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 03-p2.html
Zuletzt geändert von Cloudfox am So 13. Dez 2015, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 17:21

Cloudfox » So 13. Dez 2015, 17:06 hat geschrieben:

Law and Order? Führt m.E. nicht zur Reduzierung von Armut, sondern eher zur Unterdrückung und kurbelt eine Gewaltspirale und damit Kriminalität an...Beispiele hierzu gibt auf unserer Welt genug.

Was hat denn der Bürgermeister von Davao City so falsch gemacht, dass diese Stadt innerhalb eine korrupten Landes und weit verbreiteter Armut zu den reichsten und sichersten Städten in der Region gehört?
=> Die allgemeine Bevölkerung hat davon erheblich profitiert!

Sicherlich sind auch andere Themen zu bearbeiten (wie du angesprochen hast "Handelshemmnisse") aber ohne einen funktionierenden Staat funktioniert gar nichts, egal wie die theoretischen Rahmenbedingungen sind!
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Cloudfox » So 13. Dez 2015, 19:15

Wahrscheinlich missverständlich von mir.

Auf die Bürger eindreschen mit Verboten und sonst was, weil sie durch Diebstahl usw. auffällig werden, da eventuell einige Wenige/Korrupte absahnen, und Wohlstand...nicht bei den Bürgern (auf dem Land) ankommt, das meinte ich.

Wie heißt es so schön, der Fisch stinkt vom Kopfe her...
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 19:48

Cloudfox » So 13. Dez 2015, 19:15 hat geschrieben:Auf die Bürger eindreschen mit Verboten und sonst was, weil sie durch Diebstahl usw. auffällig werden, da eventuell einige Wenige/Korrupte absahnen, und Wohlstand...nicht bei den Bürgern (auf dem Land) ankommt, das meinte ich.

Es kommt darauf an ob die Verteilung rechtsstaatlich legitimiert ist. In dem funktionierenden Rechtsstaat "Deutschland" bekommt eine Aldi Kassiererin minimum 14€/Std und der VW-Vorstandsvorsitzende 17 Mio.€/Jahr.
Einkommensunterschiede sind nicht per se eine Aussage darüber ob ein Staat gut funktioniert oder nicht.
=> Entscheidend ist ob ein "Otto-Normalbürger" seine Rechte allgemein durchsetzen kann und das ist im Eingangsbeitrag der Fall.

Wie heißt es so schön, der Fisch stinkt vom Kopfe her...

Das ist in jedem Fall korrekt!
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Progressiver » So 13. Dez 2015, 20:37

Die USA sind meines Erachtens so ein anderes Beispiel für einen Polizeistaat. Aber machen rigide Gesetze und ausreichend Polizei- und gegebenenfalls Militär auf den Straßen ein Land gleich sicherer? Ich denke nicht. Anstatt mehr Polizei und Überwachung zu fordern, wäre es dort drüben besser, wenn die Bürger alle ihre Waffen abgeben würden. Ebenso sollte das Thema soziale Gerechtigkeit und soziale Teilhabe berücksichtigt werden. Die Polizei selbst sollte wiederum nicht bestens bewaffnet, aber gut genug bezahlt werden, damit sie nicht korrupt wird. Jeder Polizist sollte zudem eine sichtbare Identifikationsnummer tragen. Und wenn er selbst straffällig wird wie bei uns in Stuttgart bei den Anti-S21-Demonstrationen, dann muss auch für ihn die Härte des Rechtsstaates gelten.

Ohnehin sind die Polizisten nur diejenigen, die die Ergebnisse einer verfehlten Politik ausbaden müssen. Wenn ein ehemaliger Durchschnittsbürger kriminell wird oder aber zu einem Terroristen, dann haben zuvor sämtliche Möglichkeiten versagt, ihn in die Gesellschaft zu integrieren. Natürlich gibt es auch die Psychopathen. Besser wäre es aber gewesen, man hätte ihm die Chance gegeben, durch Bildung aufzusteigen und sich dadurch Anerkennung zu holen. Gerade aber in Gesellschaften, in denen das Vermögen besonders ungleich verteilt ist, hapert es in diesem Punkt. Da gibt es einerseits die "gated communities", andererseits hängen aber viele perspektivlos in irgendwelchen Slums ab. Wenn also jemand die Kriminalität erfolgreich bekämpfen will, dann sollte er vor allem Geld in die berufliche Bildung potentieller Straffälliger investieren. Bei vielen schlecht integrierten Muslimem hierzulande würde ich präventiv an diesem Punkt ansetzen. Denn wenn sie mal zu Gangmitgliedern werden oder mit dem IS sympathisieren und Anschläge verüben, um ihr angeschlagenes Ego wieder aufzuwerten, ist es in der Regel zu spät.

Ebensolches würde ich von der Entwicklungshilfe fordern. Wenn die Bundesrepublik beispielsweise Geld in die Zivilgesellschaften der Dritten Welt investiert, dann ist das in Ordnung. Wenn man dagegen irgendwelche Diktatoren pampert und ihnen Geld und Waffen verschafft, damit sie einerseits ihre Bevölkerung unterdrücken können, andererseits aber möglichst billig die Ressourcen ihres Landes an uns verkaufen, dann wird das, langfristig gesehen, kontraproduktiv sein.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon jack000 » So 13. Dez 2015, 21:47

Progressiver » So 13. Dez 2015, 20:37 hat geschrieben:Die USA sind meines Erachtens so ein anderes Beispiel für einen Polizeistaat. Aber machen rigide Gesetze und ausreichend Polizei- und gegebenenfalls Militär auf den Straßen ein Land gleich sicherer? Ich denke nicht. Anstatt mehr Polizei und Überwachung zu fordern, wäre es dort drüben besser, wenn die Bürger alle ihre Waffen abgeben würden. Ebenso sollte das Thema soziale Gerechtigkeit und soziale Teilhabe berücksichtigt werden. Die Polizei selbst sollte wiederum nicht bestens bewaffnet, aber gut genug bezahlt werden, damit sie nicht korrupt wird. Jeder Polizist sollte zudem eine sichtbare Identifikationsnummer tragen. Und wenn er selbst straffällig wird wie bei uns in Stuttgart bei den Anti-S21-Demonstrationen, dann muss auch für ihn die Härte des Rechtsstaates gelten.

Das Thema S21 ist ein anderes Paar Schuhe und sollte juristisch aufgearbeitet werden. Ich selbst bin in einfachen Arbeiterverhältnissen aufgewachsen und nun Dipl.Ing. Mein Cousin ebenso und er ist Dr. rer nat.
=> Es sind die Chancen in Deutschland für alle da aber trotzdem gibt es eine "Restkriminalität" die nicht mit dem Alt 68er-Blabla beizukommen ist.
Beispiel: Eine Klassenkameradin von mir in der Grundschule wohnt nun schräg gegenüber von meinen Eltern in einem Haus mit 3 Kindern die alle in eine Förderschule gehen und entsprechend betreut werden. Ihr Mann wurde im lokalen Supermarkt beim klauen von Alkohol erwischt.
=> Gleiche Chancen, unterschiedliche Ausprägungen!

Selbst wenn die Chancen und Möglichkeiten so gut sind wie in Deutschland wird es immer wieder kriminelles Pack geben (Und seien es Nazis in den neuen Bundesländern). Daher sind sämtliche Versuche diese Restkriminalität mit Kuscheljustiz auszumerzen völlig sinnlos.
Es braucht für diesen Sektor eine konsequente und durchsetzungsfähige Polizei die die bestehenden Gesetze konsequent durchsetzt!

1. Durch Präsenz:


2. Durch konsequentes durchsetzen der Gesetze:


3. Durch aufrechterhalten der staatlichen Autorität:


Stattdessen aber haben wir "Intensivstraftäter" (Wer hat überhaupt so einen dämlichen Ausdruck für asoziale Schwerkriminelle erfunden?)
=> Wer Intensivstraftäter legitimiert, erklärt und relativiert beerdigt den Staat in dem wir momentan leben ...
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Teeernte » So 13. Dez 2015, 23:33

jack000 » So 13. Dez 2015, 22:47 hat geschrieben:
=> Wer Intensivstraftäter legitimiert, erklärt und relativiert beerdigt den Staat in dem wir momentan leben ...


....ja Falschparker......Raser (10kmh+) ....und Steuerhinterzieher (5 Eu Essenrechnung) - sind in D Sehr "intensiv".....Mehrfachstraftäter....???

Die anderen - also - Die , die keiner ordentlichen Arbeit nachgehen..... das sind die GUTEN. .....die hatten nur ne schlechte Kindheit.... ( durch Lehrer ...) Kriminell wegen H4 ....das reicht nicht ....jeder MUSS eine Mio Euro je Jahr bekommen.... dadurch lässt sich dann die Polizei sparen.....

Die anderen (Arbeitenden) werden ja mit Gerichtsvollziehern gut gehetzt...... gut geblitzt ? falsch geparkt ? ....Schwerkriminelle !!! - die halten nicht mal still - wenn sie überfallen werden !!
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon aleph » Mi 16. Dez 2015, 09:54

jack000 » So 13. Dez 2015, 15:50 hat geschrieben:http://www.n-tv.de/politik/Der-Punisher ... 50146.html

Armut zieht Kriminalität nach sich, Kriminalität erzeugt Armut. Wenn durch ein "Law and Order"-Konzept die Kriminalität quasi abgeschafft wird entsteht Vertrauen und eine angstfreie Gesellschaft die so den Mut und auch die Möglichkeiten hat etwas auf die Beine zu stellen was wirtschaftlich zum Aufschwung führt. Ebenso werden Investoren angelockt wodurch alle profitieren.

Ist "Law and Order" (Wenn die negativen Auswirkungen auf ein Minimum reduziert werden) ein Konzept um die Armut in der Welt signifikant zu senken?


Wir erleben ja zur Zeit das Scheitern von:
Order: die USA kann man ja wohl kaum noch als ordnende Weltmacht sehen, so hilflos ist sie.
Law: gerade dort, wo es strenge Gesetze gibt, gibt es eine hohe Kriminalität. In Ländern wie Norwegen, wo es selbst für Massenmord "nur" 21 Jahre Haft gibt, ist die Kriminalitätsrate vergleichsweise niedrig.

Law and Order ja, aber nur, wenn Perspektiven durch Wohlstandserwerb geboten werden.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
Economic Left/Right: -2.5 Social Libertarian/Authoritarian: -3.54
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Peddargh
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Re: Law and Order - Das Konzept gegen Armut?

Beitragvon Peddargh » Mi 16. Dez 2015, 10:46

Law and Order, oder Recht und Gesetz fußen auf Vertrauen!

Ein Vertrauen, dass man als empfindlich gestört sehen kann,
wenn das Leben des kleinen Bürgers bis ins kleinste Detail,
in Gesetze gegossen wurde, penibelst auf die Einhaltung
geachtet wird und Übertritte schnell die Existenz kosten können.
Fängt bei Verspätungen auf dem Amt an, die dem Empfänger,
das Existenzminimum kosten können, geht über Eltern weiter,
die mit hohen Strafzahlungen, für das Online-Verhalten der lieben
kleinen haften müssen, die häufig "Raubmordkopierer" sind,
hört bei dem kleinen Selbstständigen nicht auf, dem Fehler
in der Steuererklärung den Kopf kosten können.

Dies während unsere Eliten regelmäßig ungeschoen davon kommen.
Es sei denn Sie übertreiben es wirklich.
Der Fall Hoeneß belegt das eindrucksvoll.
Zweieinhalb Jahre Kuschelknast für Millionenbetrug.
Eine Liste die sich für die Wirtschaft endlos fortsetzen liesse.
In dieser Region der Straftaten muß nicht unbedingt mit Verfolgung gerechnet werden.
"Korruption" beispielsweise ist Einstellungssache.
Einerseits hat man die Einstellung es handelte sich um ein Kavaliersdelikt,
ganz gleich wie hoch der Schaden ist, andererseit werden derartige Verfahren häufig eingestellt.
Sie verjähren gerne mal, bevor die Staatsanwaltschaft in der Lage war eine Ankalge zu verfassen.

Ein Pofalla, der sich als Chef des Bundeskanzleramtes vor die deutsche Bevölkerung stellt,
und der dem unverschämt ins Gesicht lügt, wird mit einem Vorstansjob bei der Bahn belohnt.

Das ist das Spannungsfeld in dem diese Armut erst entsteht.
Und nun versucht man in dieser so entstandenen Kriminalität
mit noch mehr Law and Order beizukommen?
Viel Glück!

Es sollte aber klar sein, dass hier Vertauen durch Repression ersetzt werden soll.
Eine Repression, die dann auch nur mit mehr Polizei, mehr Richtern, etc.
durchzusetzen ist.
Der normale Polizist, ähnlich wie der Lehrer, die Schule, etc. aber
sind zu teuer, dass kann sich die Solidargemeinschaft nicht leisten.
Anders als die virtuelle Verfolgung, die über enorme Ressourcen verfügt.
All die Vollüberwachung, die zwar in der Lage ist, den normalen
Deutschen komplett zu überwachen, in seinen Bewegungen, Taten
und Geschäften, nicht aber Wirtschaftskriminalität verfolgen kann.

Verliert eine Bevölkerung das Vertrauen in die eigene Justiz,
wenn sie selbst wegen Nichtigkeiten härtestens verfolgt wird,
während man zusieht, wie sich die "Absahner" ihr Werk legalisieren lassen,
und auch bei illegalen Tun kaum etwas zu befürchten haben?
Ich sähe da einen Ansatz.
Allerdings müßte man dazu Leuten auf die Füße treten,
die für sich in Anspruch nehmen, die Macher zu sein...

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