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Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 17:35
von frems
Brasilien leidet an der schlimmsten Wasserkrise seiner Geschichte. Betroffen sind knapp 77 Millionen Menschen um die Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo. Die Trinkwasserspeicher in den Bundesstaaten sind so gut wie leer sind. Das hat mehrere Gründe: exzessiver Konsum, undichte Leitungen und wohl auch die Abholzung des Regenwaldes.

Wenn Francileide Pizarro den Wasserhahn in ihrer Wohnung am Rand von São Paulo aufdreht, kommt meistens nichts heraus. Fast täglich wird das Wasser für bis zu 18 Stunden abgestellt. "Mich rettet nur unser Wassertank", sagt die Pharmazeutin.

Aber auch das könnte bald nicht mehr ausreichen: Große Teile der Zwölf-Millionen-Metropole werden vom Wasserreservoir Cantareira versorgt. Doch das ist fast ausgetrocknet. Übrig sind kaum noch fünf Prozent des Füllvolumens. Bereits im März könnte die Wasserversorgung komplett zusammenbrechen. Um das zu verhindern, will die Landesregierung das Wasser rationieren: Pro Woche soll es fünf Tage laufen und dann zwei Tage nicht. Gegen die Wasser-Rationierung gibt es Proteste.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 17966.html

Ursachen scheinen weniger am Bevölkerungswachstum und der Verstädterung zu liegen, als viel mehr (laut Artikel) an Industrie, Landwirtschaft, Abholzung des Regenwalds und Klimawandel. Teilweise ist schon vom "Krieg ums Wasser" innerhalb Brasiliens die Rede. Ob da eine humanitäre Krise auf Brasilien zukommt, die sich auch an anderen Orten der Welt wiederholen könnte?

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 17:37
von jack000
frems » Fr 13. Feb 2015, 17:35 hat geschrieben:Ob da eine humanitäre Krise auf Brasilien zukommt, die sich auch an anderen Orten der Welt wiederholen könnte?

Mexico-City ist ebenso von der Problematik betroffen.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 18:09
von John Galt
Wassermangel ist gut, schafft neue Jobs in der Meerwasserentsalzungsindustrie.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 18:11
von Zweiundvierzig
Es ist schon eine Kunst, in einer Region mit einer der weltweit höchsten Wasserverfügbarkeit eine Wasserkrise auszulösen...

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 18:13
von Tom Bombadil
Das sind die Folgen der Regenwaldabholzung und es wird noch schlimmer werden.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 18:16
von Zweiundvierzig
John Galt » Fr 13. Feb 2015, 19:09 hat geschrieben:Wassermangel ist gut, schafft neue Jobs in der Meerwasserentsalzungsindustrie.


Brasilien hat mehr als genug Süßwasserreservoire. Offensichtlich mangelt es aber in der Wasserwirtschaft an Verwaltern mit Sachverstand.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 21:01
von Herzbube
Thailand hat es begriffen und geht mit gutem Beispiel voran. Dort werden einzelne Bäume selektiert und abtransportiert. Großflächige Rodungen sind in Thailand verboten.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 21:05
von Adam Smith
In Deutschland gibt es keinen Wassermangel.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 21:11
von jack000
Adam Smith » Fr 13. Feb 2015, 21:05 hat geschrieben:In Deutschland gibt es keinen Wassermangel.

Im Gegenteil hat das exzessive Wassersparen sogar die Infrastruktur beschädigt:
Schluss mit dem Wassersparen!
Es hilft weder den Kindern in Afrika noch der Umwelt, führt aber zur Rohrverstopfung

http://www.zeit.de/2012/14/Wasserversorgung

=> Wasser muss fließen, aber in geordneten Bahnen! (Was nicht bedeutet, das Wasser beliebig verschwendet werden sollte).

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 21:12
von Adam Smith
***

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 21:25
von Teeernte
frems » Fr 13. Feb 2015, 18:35 hat geschrieben:. Ob da eine humanitäre Krise auf Brasilien zukommt, die sich auch an anderen Orten der Welt wiederholen könnte?

Stehendes Wasser - ohne Druck im Rohr ? - Da gibts Ungeziefer und Keime - ....nur noch Brauchwasser - für Klospülung und zum waschen.... ....für Zähneputzen schon nicht geeignet... Die Leitungen zu Spülen braucht dann noch mehr Wasser....oder jede Menge Chemie - was das Wasser auch nicht geniessbarer - aber keimfreier machen kann...

Da freun sich die "Abfüller" für Mineralwasser .... (Brasilianische Mineralwasseraktien kaufen!!)

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 23:05
von Zweiundvierzig
Teeernte » Fr 13. Feb 2015, 22:25 hat geschrieben:Stehendes Wasser - ohne Druck im Rohr ? - Da gibts Ungeziefer und Keime - ....nur noch Brauchwasser - für Klospülung und zum waschen.... ....für Zähneputzen schon nicht geeignet...


Genau so war es bisher doch. Allerdings fließt mittlerweile noch nicht einmal fürs Duschen und Toilette-Spülen zu gebrauchendes Wasser. Das ist hart.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 12:18
von MN7
Tom Bombadil » Fr 13. Feb 2015, 18:13 hat geschrieben:Das sind die Folgen der Regenwaldabholzung und es wird noch schlimmer werden.


In Brasilien wächst die Wasserversorgungsinfrastruktur auf Bäumen?

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 12:55
von Tom Bombadil
MN7 » Sa 14. Feb 2015, 12:18 hat geschrieben:
In Brasilien wächst die Wasserversorgungsinfrastruktur auf Bäumen?

Nein, aber das Wasser, Stichwort Mesoklima. Der Damm bei Sao Paulo ist ja auch nicht kaputt, er ist "nur" leer.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 16:44
von Cat with a whip
Zweiundvierzig » Fr 13. Feb 2015, 18:16 hat geschrieben:
Brasilien hat mehr als genug Süßwasserreservoire. Offensichtlich mangelt es aber in der Wasserwirtschaft an Verwaltern mit Sachverstand.


Bei so einem gigantischen Land wie Brasilien ist es eher egal ob es in anderen Landesteilen genügend Wasser hat. Es wird im SPON die Region Süd-Ost genannt mit Rio und Sao Paulo.

Hauptproblem ist aber tatsächlich eine Fehlplanung in der Daseinsvorsorge und Mißwirtschaft. Stichwort Privatisierung der Wasserversorgung.

Die Infrastruktur der brasilianischen Wasserversorgung ist zwar überwiegend in öffentlicher Hand, der Betrieb geschieht aber oft durch private Gesellschaften oder halb-privat. Die Gesellschaft der im SPIEGEL genannte Problemregion Sao Paulo ist sogar in N.Y. börsennoriert. Verschärfend kommt für Sao Paulo die ungeregelte Abwasserklärung hinzu. Nur die Hälfte des Wassers des Rio Tietê ist noch natürlich Ursprungs und das Wasser der Stauseen ist durch mikrobielle Belastung kaum noch für die Trinkwasserversorgung nutzbar, weil ungeklärt Abwasser eingeleitet wird. Eigentlich hätte man Wasser auch im Südosten. Sehr gutes und reichlich Grundwasser nämlich. Müsste man anbohren. Die von Rio ist inzwischen auch privat betrieben, und es wird von den Heuschrecken dafür fleissig getrommelt dass die Öffentliche Hand die Infrastruktur komplett verkauft. Gleichzeitig muß aber die öffentliche Hand den Löwenanteil in die Unterhaltung zuschiessen. Interessanterweise arbeiten die in staatlicher und kommunaler Hand verbliebenen Wasserversorger effizienter als die inzwischen privat geführten. Der Verlust an Wasser in den maroden Leitungen ist teilweise sogar 80%, im Mittel sind es 30%. Wasser wurde so in den letzten Jahren immer teuerer, der Verbrauch der Haushalte ging daher sogar zurück. Basilien hat ohnehin mit die höchsten Wasserpreise in Lateinamerika. In einigen Regionen gingen die ärmeren Menschen wieder dazu über Regenwasser oder sonstiges verunreinigtes Wasser zu nutzen mit all den hygienischen Problemen.

Die verplempern das Wasser nicht nur in der maroden Infrastruktur, einen großen Teil verfrachten sie über die Agrarprodukte ausser Land. Das Wasserproblem berührt daher auch die globale Wirtschaftsweise und indirekt auch wieder uns, die die Agrarprodukte importieren.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 19:37
von Zweiundvierzig
Cat with a whip » Sa 14. Feb 2015, 17:44 hat geschrieben:
Bei so einem gigantischen Land wie Brasilien ist es eher egal ob es in anderen Landesteilen genügend Wasser hat. Es wird im SPON die Region Süd-Ost genannt mit Rio und Sao Paulo.

Hauptproblem ist aber tatsächlich eine Fehlplanung in der Daseinsvorsorge und Mißwirtschaft. Stichwort Privatisierung der Wasserversorgung.

Die Infrastruktur der brasilianischen Wasserversorgung ist zwar überwiegend in öffentlicher Hand, der Betrieb geschieht aber oft durch private Gesellschaften oder halb-privat. Die Gesellschaft der im SPIEGEL genannte Problemregion Sao Paulo ist sogar in N.Y. börsennoriert. Verschärfend kommt für Sao Paulo die ungeregelte Abwasserklärung hinzu. Nur die Hälfte des Wassers des Rio Tietê ist noch natürlich Ursprungs und das Wasser der Stauseen ist durch mikrobielle Belastung kaum noch für die Trinkwasserversorgung nutzbar, weil ungeklärt Abwasser eingeleitet wird. Eigentlich hätte man Wasser auch im Südosten. Sehr gutes und reichlich Grundwasser nämlich. Müsste man anbohren. Die von Rio ist inzwischen auch privat betrieben, und es wird von den Heuschrecken dafür fleissig getrommelt dass die Öffentliche Hand die Infrastruktur komplett verkauft. Gleichzeitig muß aber die öffentliche Hand den Löwenanteil in die Unterhaltung zuschiessen. Interessanterweise arbeiten die in staatlicher und kommunaler Hand verbliebenen Wasserversorger effizienter als die inzwischen privat geführten. Der Verlust an Wasser in den maroden Leitungen ist teilweise sogar 80%, im Mittel sind es 30%. Wasser wurde so in den letzten Jahren immer teuerer, der Verbrauch der Haushalte ging daher sogar zurück. Basilien hat ohnehin mit die höchsten Wasserpreise in Lateinamerika. In einigen Regionen gingen die ärmeren Menschen wieder dazu über Regenwasser oder sonstiges verunreinigtes Wasser zu nutzen mit all den hygienischen Problemen.


Zusammenfassend: Der brasilianische Staat lässt die beauftragten Betreibergesellschaften unbeaufsichtigt. 30 % fahrlässig, gar vorsätzlich herbeigeführter Materialverlust sind keine Peanuts.

Die verplempern das Wasser nicht nur in der maroden Infrastruktur, einen großen Teil verfrachten sie über die Agrarprodukte ausser Land. Das Wasserproblem berührt daher auch die globale Wirtschaftsweise und indirekt auch wieder uns, die die Agrarprodukte importieren.


Die Nachfrager haben (bzw. sollten) keinen Einfluss (haben) auf die Steuergesetzgebung souveräner Staaten. Vielleicht sollte einfach mal eine Erhöhung der Exportsteuern auf Agrarprodukte in Erwägung gezogen werden? Damit würde zugleich auch eine Debatte über die und damit eine nähere Analyse der Umstände der Misswirtschaft angestoßen werden.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 21:15
von Fadamo
***

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Di 24. Feb 2015, 21:12
von NMA
"Krieg ums Wasser"


Dieser wird schon bald die Konflikte um Energieträger rechts überholen. Energie wird nicht ausgehen. Sie ist global und die Fördermenge steigt mit dem Preis.
Aber Wasser ist nunmal nur regional verfügbar. Der Sicherheitschef von Lima und militärischer Oberbefehlshaber von Peru sieht einen Bürgerkrieg schon in wenigen Jahren, da der Gletscher, welcher die Stadt versorgt, bald weg ist.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Di 24. Feb 2015, 21:16
von Aristide
Wir könnten ja eine Pipeline in die Sahara bauen.

Re: Brasilianern geht das Wasser aus

Verfasst: Di 24. Feb 2015, 22:22
von John Galt
NMA » Di 24. Feb 2015, 21:12 hat geschrieben:
Dieser wird schon bald die Konflikte um Energieträger rechts überholen. Energie wird nicht ausgehen. Sie ist global und die Fördermenge steigt mit dem Preis.
Aber Wasser ist nunmal nur regional verfügbar. Der Sicherheitschef von Lima und militärischer Oberbefehlshaber von Peru sieht einen Bürgerkrieg schon in wenigen Jahren, da der Gletscher, welcher die Stadt versorgt, bald weg ist.


Der ganze Planet ist voller Wasser. Wasser ist nicht das Problem. Man kann die Wasserfrage nicht von der Energiefrage getrennt betrachten. Mit genug Energie kann man Wasser in Trinkwasserqualität entsalzen.

Ansonsten muss man nur tief genug bohren oder Regenwasser einsammeln. Man könnte das Wasser auch der Luft entnehmen, ebenfalls eine Frage der Energie.