Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

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Selaht
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Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Selaht » So 22. Sep 2013, 04:13

Zitat von der Website der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle:

Wer an IPCC beteiligt ist
Der IPCC ist ein wissenschaftliches Gremium und gleichzeitig ein zwischenstaatlicher Ausschuss. Der Sitz des Rates ist Genf. Ihm gehören an:
• Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die ehrenamtlich zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter beitragen. Für jeden Bericht werden neue Autorenteams zusammengestellt.
• Regierungen von Staaten, die Mitglieder der Vereinten Nationen oder der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sind. Zurzeit sind 195 Länder Mitglied des IPCC.
• Beobachter von knapp 100 akkreditierten internationalen Organisationen sowie aus der Zivilgesellschaft.

http://www.de-ipcc.de/_media/de-ipcc-ko ... CC_web.pdf

Demnächst erscheint der 5. Sachstandsbericht des IPCC. Das IPCC ist keine Institution, die selbst Klimaforschung betreibt, sondern den aktuellen Stand der Klimaforschung aufbereitet (wie gut, ist eine andere Frage). Bevor der Bericht veröffentlicht werden kann, müssen auch die Regierungen der Staaten zustimmen, die im "zwischenstaatlichen Ausschuss" IPCC vertreten sind. Im Zweifelsfall muss solange "nachgebessert" werden, bis die Regierungen zustimmen, obwohl der Entwurf schon a priori von Wissenschaftlern (Klimatologen, Ökonomen, ...) erstellt wird.

Der Vorteil dieses Konstrukts ist, dass Regierungen, die dem Bericht erst einmal zugestimmt haben, damit auch zum Ausdruck bringen, dass sie ihn als Grundlage für politische Entscheidungen akzeptiert haben.

Andererseits taugt ein solcher Bericht nun nicht mehr dafür, ihn als etwas zu verkaufen, das von einer Organisation erstellt wurde, die sich als eine Organisation von freien Wissenschaftlern bezeichnen darf.

Die politische Stärke des IPCC-Berichts, nämlich nicht nur eine potentielle Basis für politische Entscheidungsträger zu sein, sondern eine Basis für politische Entscheidungsträger zu sein, die die Entscheidungsträger bereits als ebendiese akzeptiert haben und derer Korrektheit sie anerkannt haben, und damit definitiv "die Basis" für Klimapolitik ist, hinterlässt bei jemandem, der die Freiheit der Wissenschaft schätzt, einen ziemlich fahlen Beigeschmack.

Die politische Stärke des Berichts ist zugleich seine wissenschaftliche Schwäche.

Ist eine solche Institution sinnvoll? Kann sie sinnvoll sein, wenn der Bericht nochmals unabhängig (soweit das überhaupt möglich ist) geprüft wird, z. B. von den National Academies of Sciences?

Oder wäre eine bessere Alternative denkbar und sinnvoll?

Wenn man bereits von der Prämisse ausgeht, dass es ohnehin undenkbar ist, dass Treibhausgasemissionen ein Problem sein könnten, weil der große unbekannte CO2-Fresser schon dafür sorgen wird, dass es keines wird und er notfalls auch physikalische Grundgesetze ändert, dann könnte man das IPCC auch ersatzlos streichen. Dann braucht man keine Schnittstelle zwischen Klimatologen, Klimafolgenforschern, Ökonomen und Politikern.

Wenn es aber ein Problem sein könnte, wie realisiert man diese Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik am Besten? Ist dafür ein Konstrukt wie das IPCC, evtl. auch für zukünftige ähnliche Schnittstellen ein Vorbild?
HugoBettauer

Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon HugoBettauer » Mo 30. Sep 2013, 18:06

Wikipedia betreibt auch keine eigene Wissenschaft.
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USA TOMORROW
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon USA TOMORROW » Fr 4. Okt 2013, 02:03

Allein die Tatsache, dass der aktuelle IPCC-Bericht die 15jährige Pause der Erderwärmung vollständig ignoriert zeigt doch, wie wenig vertrauenswürdig diese Organisation ist...
"It is incorrect to say that biological data cannot be decisive. It is scientifically correct to say that an individual human life begins at conception."

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Tantris
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Tantris » Fr 4. Okt 2013, 02:14

usaTomorrow » Fr 4. Okt 2013, 02:03 hat geschrieben:Allein die Tatsache, dass der aktuelle IPCC-Bericht die 15jährige Pause der Erderwärmung vollständig ignoriert zeigt doch, wie wenig vertrauenswürdig diese Organisation ist...


Für einen knaben sind 15 jahre eine furchtbare lange zeit, für das klima nicht.
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USA TOMORROW
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon USA TOMORROW » Fr 4. Okt 2013, 02:17

Tantris » 4. Okt 2013, 02:14 hat geschrieben:
Für einen knaben sind 15 jahre eine furchtbare lange zeit, für das klima nicht.

Du meinst also wirklich, dass man die tatsächliche Entwicklung einfach ignorieren sollte?
"It is incorrect to say that biological data cannot be decisive. It is scientifically correct to say that an individual human life begins at conception."

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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Tantris » Fr 4. Okt 2013, 03:01

usaTomorrow » Fr 4. Okt 2013, 02:17 hat geschrieben:Du meinst also wirklich, dass man die tatsächliche Entwicklung einfach ignorieren sollte?


Im gegenteil!
Man sollte anfangen, klima von wetter unterscheiden zu können.

Also, nicht ignorieren, NEIN! denken! und nicht nur über 15 jahre... auch wenn das für dich eine ewigkeit sein mag, für das klima ist das ein klacks!
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon NMA » Fr 4. Okt 2013, 08:02

Danke @Tantris.
Immer noch zu viele Leute glauben, wenn ein Sommer kalt und regnerisch ist, sei das der Beweis gegen den Klimawandel. :rolleyes: :mad2:

Es ist auf jeden Fall wichtig, die besagten Schwächen des IPCC zu kennen. Dann können Studenten, Wissenschaftler und etwaige Dritte kritisch damit arbeiten. Der Lerneffekt für bspw. Geographie- oder Politikstudenten wäre immens. Insbesondere geht es bei den fragwürdigen Passagen um die Formulierung der verkürzten Zusammenfassungen für "politische Entscheidungsträger". Ich denke, dort findet der Einfluss der politischen Vertreter statt. Dabei ist der vermutlich sachlichere Hauptteil des Berichts so lange nun auch wieder nicht. Der IPCC-Bericht hat auch handwerkliche Mängel, das ist angesichts des Umfangs nur normal, aber hoffentlich werden die mit jedem weiteren Bericht immer weiter ausgemerzt werden. Wenn Klimaskeptiker für etwas gut sind, dann dafür!

@Selath: Ich schlage vor, du gibst uns hier Bescheid, wenn der neue IPCC-Bericht veröffentlicht ist.
Zuletzt geändert von NMA am Fr 4. Okt 2013, 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
Doktor Schiwago

Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Doktor Schiwago » Fr 4. Okt 2013, 10:18

Tantris » Fr 4. Okt 2013, 03:01 hat geschrieben:
Im gegenteil!
Man sollte anfangen, klima von wetter unterscheiden zu können.

Am besten fängst selbst damit an, damit du dich hier nicht noch weiter blamierst. Tip: Bei Wikipedia wird das auch Tantris-verständlich formuliert.
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Perdedor
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Perdedor » Fr 4. Okt 2013, 21:15

usaTomorrow hat geschrieben:Allein die Tatsache, dass der aktuelle IPCC-Bericht die 15jährige Pause der Erderwärmung vollständig ignoriert zeigt doch, wie wenig vertrauenswürdig diese Organisation ist...


1. Das wird nicht ignoriert, sondern explizit erwähnt (siehe Abschnitt D.1).
2. Es handelt sich hier nicht um den IPCC-Bericht, sondern um die "Summary for policy makers".
Hierbei handelt es sich um eine bedauerlicherweise politisch stark beeinflusste Aufbereitung der tatsächlichen Forschungsergebnisse. Wer die Details politisch halbwegs neutral nachlesen möchte, sollte auf den tatsächliehn IPCC-Bericht warten.
Arbeit. Leben. Zukunft.
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Re: Das IPCC und Freiheit der Wissenschaft

Beitragvon Perdedor » So 6. Okt 2013, 22:21

Perdedor hat geschrieben:Es handelt sich hier nicht um den IPCC-Bericht, sondern um die "Summary for policy makers".


Genau.
Der komplette Bericht ist nun hier zu finden (166 Mb):
http://www.ipcc.ch/report/ar5/wg1/
Viel Spaß beim Herausarbeiten der Unterschiede zur Zusammenfassung.
Die Skandal-Empörungsmedien haben bereits einige nichtssagende Artikel dazu verfasst:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 26348.html
Arbeit. Leben. Zukunft.

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