Leben wir in einer Plutokratie?

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Progressiver
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Progressiver » Sa 20. Jul 2019, 22:42

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:18)

Warum glauben eigentlich viele, dass den meisten Wählern nicht bewusst ist, was sie wählen? Stattdessen könnte man doch mal rein hypothetisch davon ausgehen, dass die meisten Wähler bewusst so gewählt haben, um die bestehende gute wirtschaftliche und politische Situation fortzusetzen. Schließlich sind die meisten Menschen mit ihrer persönlichen Situation zufrieden und fühlen sich wohl in diesem Land. Eigentlich kommt die Aussage, dass die Wähler sich gerne verarschen lassen häufig von Personen, die sich selbst für besonders schlau und nicht manipulierbar halten. :)



Mal ganz ehrlich, welches Schlamassel haben wir denn im Vergleich zu anderen Ländern der Erde? Ich finde, von "Schlamassel" zu sprechen ist eigentlich Teil des Jammerns. ;)


Man kann sich immer mit Somalia vergleichen. Es gibt immer irgendwo ein Land, in dem es noch schlechter läuft. Aber wir wollen doch, dass es hierzulande besser wird? Wollen wir das wirklich alle? Oder macht das Jammern nur soviel Spaß bzw. ist zu bequem. Und die Liste der Missstände ist so lange in Deutschland, dass man sie gar nicht alle in einem Beitrag aufzählen kann. Deswegen hier nur eine kleine Auswahl: Mietenwahnsinn, Niedriglohnsektor, Minirenten. Die Tatsache, dass alles kaputtgespart wird. Furchtbar unpünktliche Züge. Pflegenotstand. Kriminelle Autofirmen und Banken, die aber nicht bestraft werden, weil sie mit den regierenden Politikern kungeln. Eine desaströse Umweltpolitik. Der soziale Zusammenhalt im Land klappt auch immer schlechter. Krieg auf den Autobahnen. Druck auf den Arbeitsstellen, der schon bei circa 50% der Beschäftigten burnoutähnliche Zustände hervorruft. Usw. usw. Natürlich wird auch der Umgang der Leute dann untereinander immer roher. Es werden auf den Autobahnen lbei Unfällen lieber Bilder geschossen und Helfer angespuckt bzw. Gewalt angewandt als selbst zu helfen.

Ich für meinen Teil fahre ja lieber Zug. Aber die Unpünktlichkeit wird da ja auch immer schlechter, siehe oben.

Ich für meinen Teil jammere nicht rum, sondern klage an. Im Endeffekt will ich aber eine Partei wählen, die MIssstände beseitigt. Wenn Jammern ein Selbstzweck wird oder bleibt, dann bin ich nicht dabei.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » Sa 20. Jul 2019, 22:53

Progressiver hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:42)

Man kann sich immer mit Somalia vergleichen.


Kann man machen. Ist aber nicht das einzige Land der Erde, mit dem man sich vergleich könnte. ;)

Progressiver hat geschrieben:Es gibt immer irgendwo ein Land, in dem es noch schlechter läuft.


Mal ganz anders gefragt, gibt es Länder, wo es wesentlich besser läuft?

Progressiver hat geschrieben:Aber wir wollen doch, dass es hierzulande besser wird? Wollen wir das wirklich alle? Oder macht das Jammern nur soviel Spaß bzw. ist zu bequem. Und die Liste der Missstände ist so lange in Deutschland, dass man sie gar nicht alle in einem Beitrag aufzählen kann. Deswegen hier nur eine kleine Auswahl: Mietenwahnsinn, Niedriglohnsektor, Minirenten. Die Tatsache, dass alles kaputtgespart wird. Furchtbar unpünktliche Züge. Pflegenotstand. Kriminelle Autofirmen und Banken, die aber nicht bestraft werden, weil sie mit den regierenden Politikern kungeln. Eine desaströse Umweltpolitik. Der soziale Zusammenhalt im Land klappt auch immer schlechter. Krieg auf den Autobahnen. Druck auf den Arbeitsstellen, der schon bei circa 50% der Beschäftigten burnoutähnliche Zustände hervorruft. Usw. usw. Natürlich wird auch der Umgang der Leute dann untereinander immer roher. Es werden auf den Autobahnen lbei Unfällen lieber Bilder geschossen und Helfer angespuckt bzw. Gewalt angewandt als selbst zu helfen.


Ohne Witz, ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Du den Deutschen eine ständige Jammerei vorhältst und selbst startest Du eine wahre Jammerorgie. Und Du merkst es nicht mal. Beeindruckend. Echt.

Progressiver hat geschrieben:Ich für meinen Teil jammere nicht rum, sondern klage an.


Lach, der war jetzt gut. :D Nee schon klar, jammern tun immer die anderen, Du doch nicht, wo kämen wir da hin?
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 20. Jul 2019, 22:59

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:53)

Kann man machen. Ist aber nicht das einzige Land der Erde, mit dem man sich vergleich könnte. ;)



Mal ganz anders gefragt, gibt es Länder, wo es wesentlich besser läuft?



Ohne Witz, ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Du den Deutschen eine ständige Jammerei vorhältst und selbst startest Du eine wahre Jammerorgie. Und Du merkst es nicht mal. Beeindruckend. Echt.



Lach, der war jetzt gut. :D Nee schon klar, jammern tun immer die anderen, Du doch nicht, wo kämen wir da hin?



Naja Jenseits des Jammertals,bei vielen der Punkte die Progressiver anspricht hat er recht, von Mieten, über Pflegenotstand und mangelhafter Sozialpolitik bis zu den negativen medizinischen Auswirkungen einer inhumanen Leistungsgesellschaft, hat er schlicht recht.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » Sa 20. Jul 2019, 23:05

Alpha Centauri hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:59)

Naja Jenseits des Jammertals,bei vielen der Punkte die Progressiver anspricht hat er recht, von Mieten, über Pflegenotstand und mangelhafter Sozialpolitik bis zu den negativen medizinischen Auswirkungen einer inhumanen Leistungsgesellschaft, hat er schlicht recht.


Sind wir wieder bei dem Punkt "ich weiß besser als alle anderen, was hier läuft" angelangt. Das ist für 'ne gewisse Zeit ganz amüsant, aber wenn man das dazu benutzt, um ganze Wählergruppen abzuqualifizieren und ihnen Ahnungslosigkeit unterstellt, ist das nichts anderes als eine offen dargelegte antidemokratische Grundhaltung.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Progressiver » Sa 20. Jul 2019, 23:19

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:53)

Kann man machen. Ist aber nicht das einzige Land der Erde, mit dem man sich vergleich könnte. ;)


Natürlich. Man könnte sich auch mit Ländern vergleichen, wo es besser läuft. Aber ob die Deutschen das auch gerne sehen wollen?


Mal ganz anders gefragt, gibt es Länder, wo es wesentlich besser läuft?


Da muss man halt sich die Mühe machen und suchen. Und dann von diesen lernen. Ich habe jetzt doch eine große Anzahl von Missständen aufgezählt. Die aber nur ein Bruchteil der Gesamtlage darstellen. Je nach Problem könnte man sich dann von anderen Ländern abschauen, was die besser machen. Warum haben die Österreicher in ihrer Hauptstadt beispielsweise keine Probleme mit dem Mietenwahnsinn? Warum kriegen österreichische Rentner mehr Geld als die deutschen? Was läuft bei der französischen Kinderbetreuung besser? Was kann man vom finnischen Bildungssystem lernen? Warum ist der gesellschaftliche Zusammenhalt in Schweden oder Norwegen besser? Und wie schaffen es die südeuropäischen Länder trotz größerer Armut, so viel Gastfreundlichkeit herzuzaubern, während hierzulande viele doch ziemlich griesgrämig herumlaufen? (Natürlich nur, wenn sie sich nicht mal wieder als Autobahngaffer betätigen müssen.)


Ohne Witz, ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Du den Deutschen eine ständige Jammerei vorhältst und selbst startest Du eine wahre Jammerorgie. Und Du merkst es nicht mal. Beeindruckend. Echt.



Lach, der war jetzt gut. :D Nee schon klar, jammern tun immer die anderen, Du doch nicht, wo kämen wir da hin?


Das ist natürlich auch eine Verdrängungsstrategie. Man muss aber die Probleme benennen können, um sie dann anzugehen. Mit Ignoranz kommt man nicht weiter. Spätestens, wenn du mal krank wirst und in einer deutschen Klinik operiert werden musst, weißt du was ich meine.

Und das ist es, was mich von dem Durchschnittsdeutschen unterscheidet: 1. Ich sehe die Probleme als solche und verdränge sie nicht. 2. Ich will sie auch lösen bzw. gelöst sehen, anstatt immer nur griesgrämig rumzulaufen und das Jammern als Selbstzweck zu betreiben.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » Sa 20. Jul 2019, 23:34

Progressiver hat geschrieben:(20 Jul 2019, 23:19)

Da muss man halt sich die Mühe machen und suchen. Und dann von diesen lernen. Ich habe jetzt doch eine große Anzahl von Missständen aufgezählt. Die aber nur ein Bruchteil der Gesamtlage darstellen. Je nach Problem könnte man sich dann von anderen Ländern abschauen, was die besser machen. Warum haben die Österreicher in ihrer Hauptstadt beispielsweise keine Probleme mit dem Mietenwahnsinn? Warum kriegen österreichische Rentner mehr Geld als die deutschen? Was läuft bei der französischen Kinderbetreuung besser? Was kann man vom finnischen Bildungssystem lernen? Warum ist der gesellschaftliche Zusammenhalt in Schweden oder Norwegen besser? Und wie schaffen es die südeuropäischen Länder trotz größerer Armut, so viel Gastfreundlichkeit herzuzaubern, während hierzulande viele doch ziemlich griesgrämig herumlaufen? (Natürlich nur, wenn sie sich nicht mal wieder als Autobahngaffer betätigen müssen.)


Das klingt jetzt alles nach punktueller Besserstellung. Die Finnen haben ein tolles Bildungssystem, die Schweden den besseren sozialen Zusammenhalt, die Südeuropäer sind gastfreundlich usw. Ja klar, man kann nicht in allen Positionen absolute Spitze sein. Man kann danach streben, was ich begrüßenswert finde. Wenn es aber nicht überall gelingt, muss man aber deshalb nicht wieder in einem Jammerton verfallen. Sowas ist arg griesgrämig und hat im internationalen Sprachgebrauch schon Eingang gefunden, German Angst. Die Furcht, dass hier gleich alles zusammenbricht, während uns andere Länder für unseren Gesamteindruck beneiden. Und dann wäre ich wieder bei dem Thema, wer steht denn insgesamt deutlich besser da als Deutschland? Ich warte immer noch auf Vorschläge. :)

Progressiver hat geschrieben:Das ist natürlich auch eine Verdrängungsstrategie. Man muss aber die Probleme benennen können, um sie dann anzugehen.


Ohne Frage. Wer aber nicht mehr in der Lage ist, einen realistischen Blick von außen auf das eigene Land zu richten, verliert irgendwann Maß und Mitte. Wichtig ist doch, dass man eine realistische Sichtweise an den Tag legt und keine Dystopien ausmalt.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Progressiver » So 21. Jul 2019, 00:52

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 23:34)

Das klingt jetzt alles nach punktueller Besserstellung. Die Finnen haben ein tolles Bildungssystem, die Schweden den besseren sozialen Zusammenhalt, die Südeuropäer sind gastfreundlich usw. Ja klar, man kann nicht in allen Positionen absolute Spitze sein. Man kann danach streben, was ich begrüßenswert finde. Wenn es aber nicht überall gelingt, muss man aber deshalb nicht wieder in einem Jammerton verfallen. Sowas ist arg griesgrämig und hat im internationalen Sprachgebrauch schon Eingang gefunden, German Angst. Die Furcht, dass hier gleich alles zusammenbricht, während uns andere Länder für unseren Gesamteindruck beneiden. Und dann wäre ich wieder bei dem Thema, wer steht denn insgesamt deutlich besser da als Deutschland? Ich warte immer noch auf Vorschläge. :)



Ohne Frage. Wer aber nicht mehr in der Lage ist, einen realistischen Blick von außen auf das eigene Land zu richten, verliert irgendwann Maß und Mitte. Wichtig ist doch, dass man eine realistische Sichtweise an den Tag legt und keine Dystopien ausmalt.


Das hier ist ein Innenpolitikunterforum. Ich weiß natürlich nicht im Detail, wo es sich am besten lebt. Ich habe aber auch weder Zeit noch Energie oder Geld, um jetzt entweder die ganze Welt zu bereisen oder mich in Kürze schlau zu machen. Aber nehmen wir mal das Beispiel Pflegenotstand oder Ärztemangel in ländlichen Gebieten. Da nützt es nichts, wenn Deutschland vielleicht insgesamt eine gute Performance hinlegt, wenn man das Ganze von außen betrachtet. Wenn man sich den Fuß gebrochen hat, dann braucht man möglichst schnell gute Hilfe. Und gerade der Punkt, dass das Krankenhaussystem in einem der nominell reichsten Ländern der Welt kaputtgespart wird, spricht Bände. Bei psychischen Beschwerden ist das Ganze sowieso noch viel schlimmer. Ich weiß von Leuten, die einen Burnout hatten und monatelang auf eine Kur warten mussten. Da es aber hierzulande mittlerweile überall nur noch Fallpauschalen gibt, werden die Leute quasi mit offenen Wunden bzw. noch blutender Seele wieder nach Hause geschickt.

Und auch die Bahn ist in den letzten Jahrzehnten total kaputtgespart worden, um ein völlig anderes Beispiel zu bringen. Bzw. sie hat sich auch mit Stuttgart 21 total verhoben. So unpünktlich wie derzeit waren die Züge noch nie. Das hat aber nichts mit German Angst zu tun, dass einen das ärgert. Viele Berufspendler sind ja auch auf die Züge angewiesen, wenn sie nicht ein Auto besitzen, um damit die Straßen zu verstopfen.

Im Übrigen ist das, was ich meine mit der Griesgrämigkeit und dem Rumjammern als Selbstzweck wohl auch ein Mentalitätsproblem. Meine Familie -und ich auch- sind noch in Rumänien geboren. Als meine Eltern nach Deutschland gekommen sind, haben sie alles getan, um ein eigenes Haus zu haben und es abzuzahlen. Die nächste Generation wiederum war zumindest fleißig und intelligent genug, um es an eine deutsche Universität zu schaffen. Was mich betrifft, so bin ich ein Sonderfall. Ich wurde irgendwann chronisch krank und musste mein Studium abbrechen. Nach einer gewissen Zeit galt ich auch als austherapiert. Aber ich habe das nicht auf mir sitzen lassen. Anstatt mich von meiner Erkrankung brechen zu lassen und zusätzlich zum Kettenraucher zu werden und mich im eigenen Leid zu suhlen, habe ich irgendwie den Umständen entsprechend enorme Fortschritte gemacht. Mein Vater ist mittlerweile in Rente. Er hatte aber auch ein halbes Jahr verlängert. Und meine Mutter ist gesundheitlich so fit, dass sie es locker mit einer jüngeren Arbeitskollegin aufnehmen könnte. In der größeren Verwandtschaft habe ich drei Kusinen und einen Cousin, die entweder fertig studiert haben oder noch dabei sind, den Master zu machen. Also eigentlich alle aus meiner Verwandtschaft. Und das soll nicht arrogant klingen. Es gibt auch bei den Rumäniendeutschen genug Leute, die nichts verändern wollen und lieber rumjammern. Das ist dann so wie bei den Leuten, die 120 Kilos wiegen und lieber alle möglichen Tabletten fressen als den schweren Weg zu nehmen und abzunehmen.

Aber dieses Mentalitätsproblem ist es, das ich nicht verstehe. Ich habe in meinem Leben schon einiges durchmachen müssen. Aber ich will immer wieder kämpfen, dass es mir noch besser geht. Und das liegt bei meiner Familie wohl auch in den Genen. Dazu muss man sich den Stand der Dinge in aller Härte und ohne Weichzeichner bewusst werden. Und dann muss man kämpfen und sich anstrengen, damit man es irgendwann besser hat. Dazu gehört dann auch ein genügend großer Ehrgeiz. Aber vermutlich bin ich auch Perfektionist. Und bei vielen Menschen in der Gesellschaft sehe ich das nicht. Viele Deutsche leben schon seit Jahrhunderten in diesem Land. Aber im Gegensatz zu uns Spätaussiedlern haben sie immer noch kein eigenes Haus. Und auch die Ausbildungssituation ist schlecht. Und was das Wahlverhalten betrifft: Natürlich sehen schon einige die Probleme im Land. Aber weil sie unfähig oder nicht gewillt sind, sich auf was neues einzulassen, jammern sie lieber. Im Endeffekt werden aber doch wieder die gleichen Parteien gewählt, die ihre Probleme entweder nicht lösen können oder aber auch gar nicht wollen.

Und deswegen ist mein Klagen anders zu bewerten wie das Rumjammern von Leuten, die zwar die Probleme sehen, aber dann doch nichts dafür tun wollen, um aktiv ihre Situation zu verbessern. In dem einen Falle muss man nämlich bereit sein, die eigene Komfortzone zu verlassen und neues zu wagen. Die anderen haben sich in ihrer miesen Situation dagegen gut eingerichtet und jammern lieber lebenslänglich rum. Oder sie gehören zur Fraktion der Gesundbeter.

Ich für meinen Teil könnte mich über viele Dinge aufregen, die in Deutschland passieren. Ich habe aber auch gelernt, mich abzugrenzen von dem ganzen Mist, der so passiert. Trotzdem finde ich, dass es, was beispielsweise den Schmutz auf den Straßen betrifft, Deutschland nicht vorbildlich ist. Und auch die Verrohung der Gesellschaft fällt mir auf. Und dies wird aber auch von der Politik begünstigt. Und umgekehrt.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Ein Terraner » So 21. Jul 2019, 01:36

Misterfritz hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:35)

Und Du meinst also, dass diese 5 Millionen mit ihrem Interesse die Geschicke des Restes von 500 Millionen bestimmen sollten? Nur weil es andere anscheinend nicht interessiert oder sie keine Ahnung haben?

Ach komm, du weißt genau was da für ein Druck dahinter ist bei dieser Menge. Wenn bei dir nur Petitionen ab 251 Millionen Unterschriften Beachtung wert sind, dann kannst du das ganze Prinzip gleich in die Tonne treten.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » So 21. Jul 2019, 01:44

Ein Terraner hat geschrieben:(21 Jul 2019, 01:36)

Ach komm, du weißt genau was da für ein Druck dahinter ist bei dieser Menge. Wenn bei dir nur Petitionen ab 251 Millionen Unterschriften Beachtung wert sind, dann kannst du das ganze Prinzip gleich in die Tonne treten.


Zwischen "Geschicke bestimmen" und "keine Beachtung wert" ist aber noch eine Menge Platz. :)
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Ein Terraner » So 21. Jul 2019, 01:51

Sören74 hat geschrieben:(21 Jul 2019, 01:44)

Zwischen "Geschicke bestimmen" und "keine Beachtung wert" ist aber noch eine Menge Platz. :)

Petitionen erstellen damit die Politiker was zu ignorieren haben, sehr sinnvoll. :thumbup:

Wie stellst du dir das vor? Denkst du ernsthaft irgend eine Petition würde die von dir geforderte Anzahl bekommen? Wieviele sind von den Thema überhaupt betroffen? Wieviele haben davon überhaupt etwas gehört?

P.S. Ja mir ist auch klar das man in unserer Demokratie Geschicke nur mit Geldkoffern bestimmen kann.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon watisdatdenn? » So 21. Jul 2019, 04:40

Powerwolf hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:18)
Naja, die Grundidee der repräsentativen Demokratie, dass Politprofis die zum Teil sehr komplexen, schwierigen Probleme besser lösen können als Hinz und Kunz, halte ich für richtig. Manche Fragen kann man nicht so einfach mit ja und nein beantworten. Deswegen wählt man ja im Idealfall Profis, die im Großen und Ganzen die eigenen Wünsche umsetzen sollen.

Blöd ist halt, dass die Politiker so stark beeinflussbar sind durch die Lobbyisten.

Also wenn ich mir anschaue was ein "Politprofi" wie Axel Voss oder Heiko Maas zuwege bringt wird mir ganz anders.

Gesetze von Lobbyisten schreiben lassen und dann als eigene Idee verkaufen und politisch durchboxen ist...
Nun mal die Praxis.

Den Politikern fehlt fast immer die fachliche Kompetenz.
Diese ist in der Bevölkerung verteilt weitaus mehr vorhanden!

Man sieht es ja in der Schweiz.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Geribaldi » So 21. Jul 2019, 08:22

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:39)

Dieses Desinteresse unterstellst Du jetzt den anderen, ohne es zu belegen.


Öhm...

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:26)

Und trotzdem würdest Du vermutlich darüber abstimmen, um Deine Einflussmöglichkeit zu wahren. Und das würden viele andere Bürger auch tun.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Geribaldi » So 21. Jul 2019, 08:23

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:42)

Das war keine Entscheidung auf Bundestagsebene.

Und doch haben die gemeinten Parteien, SPD und CDU, im EU-Parlament dafür gestimmt und somit ein Einhalten des Koalitionsvertrages unmöglich gemacht.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Neandertaler » So 21. Jul 2019, 08:26

Sören74 hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:53)

Mal ganz anders gefragt, gibt es Länder, wo es wesentlich besser läuft?



In Europa?
Dänemark, Norwegen, Island, Finnland, Luxemburg, Österreich und natürlich Schweiz

Bei den Baltischen Staaten gehe ich davon das sie überholen werden aber das ist natürlich Zukunftsprognose.
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Geribaldi » So 21. Jul 2019, 08:38

Misterfritz hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:02)

Diese 709 Abgeordneten wurden gewählt, von der Bevölkerung.
Die Leute, die ihre Unterschrift auf das Papier gesetzt haben, nicht. Wir haben eine parlamentarische Demokratie. Wem das nicht passt, der sollte sich dafür engagieren, dass das geändert wird.

Langsam wird es echt traurig...
Stimmt, diese 709 wurden gewählt. Zum Teil mit Sicherheit von denen, die auch ihre Unterschrift gesetzt haben.
Mal ist also wichtig was die wollen, und mal nicht. Spannend.
Aber keine der Parteien wurde von einer Mehrheit gewählt, welche Sie bei dem Unterschriften-Beispiel ja bemängeln - welches ich übrigens nur gebracht habe, weil Sie sagten dass man etwas tun muss um was zu ändern, nicht nur als Keyboardwarrior hinterm Bildschirm setzen.
Diese Menschen haben was getan, es gehörte zu den größten Initiativen auf EU-Ebene, hat trotzdem nichts bewirkt.

Misterfritz hat geschrieben:(20 Jul 2019, 22:02)
Im übrigen wird nie alles, was in Koalitionsvereinbarungen getroffen wird, auch tatsächlich umgesetzt. Auch Aussagen, die Merkel im Wahlkampf getroffen hatte (mit mir gibt es keine PKW-Maut), haben für immer Bestand. Dass diese Maut bis heute nicht eingeführt wurde, lag nun nicht an der Bundesregierung ;)

Versuchen Sie doch mal, einen Vertrag zu brechen und warten ab was passiert.
Die CDU weiss genau, dass es egal ist - weil dieser lächerliche Haufen, der mal eine "Volkspartei" war derart Macht- und Geldgeil ist, dass sie alles mitmachen.
War ja nicht grundlos, dass die SPD Wochenlang sagte "Keine GroKo mit uns" - und dann doch ganz schnell einknickte, als man am Tisch saß.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » So 21. Jul 2019, 09:31

Ein Terraner hat geschrieben:(21 Jul 2019, 01:51)

Petitionen erstellen damit die Politiker was zu ignorieren haben, sehr sinnvoll. :thumbup:

Wie stellst du dir das vor? Denkst du ernsthaft irgend eine Petition würde die von dir geforderte Anzahl bekommen? Wieviele sind von den Thema überhaupt betroffen? Wieviele haben davon überhaupt etwas gehört?

P.S. Ja mir ist auch klar das man in unserer Demokratie Geschicke nur mit Geldkoffern bestimmen kann.


Ich weiß grad echt nicht, was Du von mir willst. :?: Ich habe nirgendwo geschrieben, dass man Petitionen ignorieren soll.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » So 21. Jul 2019, 09:33

Geribaldi hat geschrieben:(21 Jul 2019, 08:23)

Und doch haben die gemeinten Parteien, SPD und CDU, im EU-Parlament dafür gestimmt und somit ein Einhalten des Koalitionsvertrages unmöglich gemacht.


Stand denn im Koalitionsvertrag, dass man im EU-Parlament entsprechend abstimmen will?
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » So 21. Jul 2019, 09:42

Neandertaler hat geschrieben:(21 Jul 2019, 08:26)

In Europa?
Dänemark, Norwegen, Island, Finnland, Luxemburg, Österreich und natürlich Schweiz

Bei den Baltischen Staaten gehe ich davon das sie überholen werden aber das ist natürlich Zukunftsprognose.


Interessant, dass Du hauptsächlich die skandinavischen Länder ansprichst. Weil dort die Staatsquote und die Steuern meist noch höher sind als hier, man in Sozialleistungen großzügiger ist, Fahrräder fördert, und setzt sich massiv für den Klimaschutz ein. Alles Dinge, über die man sich hier beschwert. :)
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Sören74 » So 21. Jul 2019, 09:45

Geribaldi hat geschrieben:(21 Jul 2019, 08:38)

Versuchen Sie doch mal, einen Vertrag zu brechen und warten ab was passiert.


Ein Koalitionsvertrag ist kein Vertrag im juristischen Sinne. Es ist eine Absichtserklärung der jeweiligen Partner. Wenn sich die Situation während der vier Jahren ändert, muss man wieder als Koalition neu entscheiden.
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Re: Leben wir in einer Plutokratie?

Beitragvon Wähler » So 21. Jul 2019, 09:55

Powerwolf hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:18)
Naja, die Grundidee der repräsentativen Demokratie, dass Politprofis die zum Teil sehr komplexen, schwierigen Probleme besser lösen können als Hinz und Kunz, halte ich für richtig. Manche Fragen kann man nicht so einfach mit ja und nein beantworten. Deswegen wählt man ja im Idealfall Profis, die im Großen und Ganzen die eigenen Wünsche umsetzen sollen.
Blöd ist halt, dass die Politiker so stark beeinflussbar sind durch die Lobbyisten.

lili hat geschrieben:(20 Jul 2019, 21:28)
Naja aber Hinz und Kunz sind mit den Themen eher involviert. z.B. Flüchtlinge, Agenda 2010 (Hartz 4, Leiharbeit, befristete Verträge), Pflege, Rente, Bildung, Infrastruktur etc.....

Die repräsentative Demokratie in Deutschland beginnt auf der lokalen und kommunalen Ebene. Mitglieder einer Wohnungsbaugenossenschaft zum Beispiel können gemeinsam auf die Lokalpolitiker ihres Stadtteils und deren Infrastrukturpolitik Einfluss nehmen.
Unser individualistischer Lebensstil ermöglicht zwar Flexibilität im politischen Engagement außerparlamentarischer sozialer Bewegungen und Netzwerke, erschwert aber die langfristige Bindung an eine Korporation, Kirche, Gewerkschaft oder Partei, die es lobbyistisch mit Interessenverbänden von Berufsgruppen oder Unternehmern aufnehmen kann.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)

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