Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 11:16

JJazzGold hat geschrieben:(19 Jun 2019, 07:53)

Sehr interessant.
Besonders für die Mieter, die heute in diesen ehemaligen Wohnungen in städtischem Besitz wohnen und zukünftig deutlich weniger Miete zahlen müssen. Das schafft zwar keinen neuen Wohnraum und dürfte Investoren zur Überlegung zwingen, wo es sich lohnt in Wohnraum zu investieren, aber wenn ich in einer solchen Wohnung sitzen würde, fände ich es auch klasse, wenn die Stadt diese zurück kauft, die Miete halbiert und die Kosten für Instandhaltung und Renovierung übernimmt. Wie das bei Sozialwohnungen Usus ist.


Die Stadt übernimmt nicht die Renovierungskosten und Modernisierungsmaßnamen, landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften arbeiteteten seit den 20er Jahren wirtschaftlich, es ist ja nicht so, dass hier keine Mieten gezahlt werden - die Gewinne sind nur wesentlich geringer, es gibt kein Geld das von Aktionären abgeschöpft und einbehalten wurde.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon JJazzGold » Mi 19. Jun 2019, 11:23

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 11:16)

Die Stadt übernimmt nicht die Renovierungs und Modernisierungsmaßnamen, landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften arbeiteteten seit den 20er Jahren wirtschaftlich, es ist ja nicht so, dass hier keine Mieten gezahlt werden - die Gewinne sind nur wesentlich geringer, es gibt kein Geld das von Aktionären einbehalten wird.


Die Wohnungen sind aber doch momentan vermietet, oder? Wahrscheinlich zu einem nicht gerade günstigem Preis.
Wird der dann nur gedeckelt, oder bedingt durch die Rückführung in städtisches Eigentum auch ordentlich gekürzt?
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 12:40

JJazzGold hat geschrieben:(19 Jun 2019, 11:23)

Die Wohnungen sind aber doch momentan vermietet, oder? Wahrscheinlich zu einem nicht gerade günstigem Preis.
Wird der dann nur gedeckelt, oder bedingt durch die Rückführung in städtisches Eigentum auch ordentlich gekürzt?


Selbstredend auf ein sozialverträgliches Niveau reduziert, darum geht es ja, um die Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft,
jedwede Privatisierung brachte den Bürgern nichts ausser höhere Kosten.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Senexx » Mi 19. Jun 2019, 12:46

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 12:40)

Selbstredend auf ein sozialverträgliches Niveau reduziert, darum geht es ja, um die Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft,
jedwede Privatisierung brachte den Bürgern nichts ausser höhere Kosten.


Der Preis des Wohnens bestimmt sich nach Angebot und Nachfrage. Ein "sozialverträgliches Niveau" als solches existiert nicht.

Die "Täter" sind diejenigen, die den Wohnungsbau beschränken. Und die die Eigentumsbildung verhindert haben.

Früher Sozialisten, heute Linksgrüne.

Das Ideal der Sozialisten ist der abhängige Mensch, den Bürokratien ausgeliefert. Der lässt sich besser beherrschen.

Das ist Ideal der Linksgrünen ist: Die Nuggets für mich, die Krumen für den Pöbel.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 12:55

Senexx hat geschrieben:(19 Jun 2019, 12:46)

Der Preis des Wohnens bestimmt sich nach Angebot und Nachfrage.

wenn man nur dem Prinzip der ökonomischen Optimierung folgt mag das stimmen, hat aber nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun und genau darum geht es der öffentlichen Hand, ein Gegengewicht gegen den freien Markt zu schaffen - wir hatten das schonmal und es funktionierte prima.
Und wir werden es wieder bekommen. Wir schaffen das.
Ein "sozialverträgliches Niveau" als solches existiert nicht.

Selbstverständlich existiert dies im Schaffen von Wohnraum der nicht dem Diktat des Marktes unterworfen wird.
Art. 15 GG unsere Grundgesetzväter waren eben weitsichtiger und schlauer als wirtschaftsliberales Denken.
Die "Täter" sind diejenigen, die den Wohnungsbau beschränken. Und die die Eigentumsbildung verhindert haben.

Früher Sozialisten, heute Linksgrüne.

Das Ideal der Sozialisten ist der abhängige Mensch, den Bürokratien ausgeliefert. Der lässt sich besser beherrschen.

Das ist Ideal der Linksgrünen ist: Die Nuggets für mich, die Krumen für den Pöbel.

Nein,
wie erklärst du dir, dass der soziale Wohnungsbau seit den 20er Jahren bis zum Verkauf geradezu 70 Jahre ziemlich perfekt funktionierte?
In den 20er Jahren waren es die städtischen Unternehmen, die flächendeckend sozialverträgliche Wohnungen bauten und verwalteten.
Zuletzt geändert von blues am Mi 19. Jun 2019, 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Senexx » Mi 19. Jun 2019, 12:58

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 12:55)

wenn man nur dem Prinzip der ökonomischen Optimierung folgt mag das stimmen, hat aber nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun und genau darum geht es der öffentlichen Hand, ein Gegengewicht gegen den freien Markt zu schaffen - wir hatten das schonmal und es funktionierte prima.
Und wir werden es wieder bekommen. Wir schaffen das.

Selbstverständlich existiert dies im Schaffen von Wohnraum der nicht dem Diktat des Marktes unterworfen wird.
Art. 15 GG unsere Grundgesetzväter waren eben weitsichtiger und schlauer als wirtschaftsliberales Denken.

Nein,
wie erklärst du dir, dass der soziale Wohnungsbau seit den 20er Jahren bis zum Verkauf geradezu 70 Jahre ziemlich perfekt funktionierte?
In den 20er Jahren waren es die städtischen Unternehmen, die flächendeckend sozialverträgliche Wohnungen bauten und verwalteten.

Der Soziale Wohnungsbau hat eben nicht funktioniert. Nur für die Wohnungsbesitzer und die Eigentümer.

Wir haben eine rekordnierdige Eigentumsquate, eine Schnade für dieses Land.

Wären die Deutschen wach, hätten Sie dagegen rebelliert.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 13:36

Senexx hat geschrieben:(19 Jun 2019, 12:58)

Der Soziale Wohnungsbau hat eben nicht funktioniert. Nur für die Wohnungsbesitzer und die Eigentümer.


das stimmt nicht, die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wirtschafteten in den 20ern bis 33. einwandfrei - und sie tun das heute noch mit den Resten der im landeseigenen Besitz befindlichen Wohnungen.
Sie sind nur nicht derart Gewinnorientiert wie der private Wohnungsbau, das deutest du vermutlich als, sie funktionieren nicht.

Nach dem ersten Weltkrieg fehlte es in Berlin an 100000 günstigen Wohnungen, der Wohnungsbau war bis zum Ende WKI größtenteils in privater Hand (es gab seit dem Ende des 19.Jhd. genossenschaftlichen Wohnungsbau) und die war nicht befähigt Wohnraum auf sozialvertretbarem Niveau zu bauen und wollte das auch nicht (wie heute) also tat das die Stadt, Berlin wurde flächendeckend mit sozial vertretbaren modernen Wohnungen bebaut, letztlich reichte es nicht, da der öffentliche Wohnungsbau dem Zuzug von immer mehr Menschen nach Berlin nicht nachkommen konnte und 1933 das passierte was immer passieren kann läßt man den sozialen Frieden ausser Acht.

Wir haben eine rekordnierdige Eigentumsquate, eine Schnade für dieses Land.

Wären die Deutschen wach, hätten Sie dagegen rebelliert.


Eigentum schaffen? Für geringe Einkünfte und prekäre Beschäftigungsverhältnisse ? Wie willst du denn das subventionieren? Mindestlohn auf 25 €?


Übrigens, die übriggebliebenen, landeseigenen Wohnungen funktionieren heute immer noch und die ehemals im Landeseigentum befindlichen Wohnungen funktionierten bis zur Privatisierung prima danach gings für die Mieter bergab.

Merke: der Markt regelt nichts, er regelt nur für diejenigen die was haben, da bleibt für Ottonormalbürger nix und der zieht aufs Land und nimmt einen Arbeitsweg von 2 Std. in Kauf, ganz prima, das erhält den sozialen Frieden und schafft zufriedene Bürger ... Nee, Neee.

Wir brauchen wieder eine starke öffentliche Hand als Gegengewicht zum freien Markt.

Und

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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Senexx » Mi 19. Jun 2019, 14:06

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 13:36)
Wir brauchen wieder eine starke öffentliche Hand als Gegengewicht zum freien Markt.

Und

Wir schaffen das.

Nein. Wir brauchen hohe Fehlbelegunsabgaben, langfristig die Auflösung des sozialen Wohnungsbaus und eine Eigentumsbildung.

Bauland muss endgültig großzügig ausgewiesen werden. Bauvorschriften abgeschafft werden.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 14:23

Senexx hat geschrieben:(19 Jun 2019, 14:06)

Nein. Wir brauchen hohe Fehlbelegunsabgaben, langfristig die Auflösung des sozialen Wohnungsbaus und eine Eigentumsbildung.


Auflösen? wo bitte bringst du dann die ärmeren Ottonormalmieter unter?

Bauland muss endgültig großzügig ausgewiesen werden. Bauvorschriften abgeschafft werden.


Das sind doch nur Tropfen auf dem heißen Stein.
Das Übel an der Wurzel packen.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Mendoza » Mi 19. Jun 2019, 14:41

Ich habe nicht besonders viel Verständnis für den Mietendeckel. Die Probleme sind zum Teil hausgemacht. Klar kann der Berliner Senat nichts dafür, dass es Landflucht gibt und Einwanderung aus Osteuropa und Flüchtlingsländern. Andererseits wird ja kaum seitens der Stadt gebaut und es gibt unbotmäßig viel Bürokratie und ständig wird das Baurecht verkompliziert (Baurecht ist Landessache). Anstatt aber mal diese Probleme anzugehen und mehr Bauland zur Verfügung zu stellen, macht man es sich einfach, verbietet Mieterhöhungen und vergrault Investoren. Weil, das ist ja einfacher. Bloß gibts dadurch keine einzige Wohnung mehr. Im Übrigen gab es auch in Dresden Privatisierungen von Wohnraum (2006), die Mieten sind dort trotzdem relativ niedrig geblieben - aktuell um die 6,50 € pro qm kalt.

Innerhalb Deutschlands liegt Berlin mietpreismäßig im Mittelfeld. Allerdings sind die Mieten in den letzten Jahren am stärksten gestiegen - von einem niedrigen Niveau aus.
München 17,90
Frankfurt 13,80
Stuttgart 12,30
Hamburg 11,90
Berlin 11,40
Köln 10,70
Düsseldorf 10,20
Dortmund 7,00
Essen 6,80
Leipzig 6,50

Quelle: https://www.readsmarter.de/finanzen-wirtschaft/entwicklung-mietpreise-80-deutsche-grossstaedte-2018/

Im internationalen Vergleich sind die Mieten in Berlin sogar noch günstig. Beispiele (von 2017)
London 30,20
Paris 24,20
Rom 14,00
Budapest 12,80
Berlin 10,70
Prag 9,80
Zagreb 7,60

Quelle: https://www.dw.com/de/so-teuer-sind-die-mieten-in-europa/a-39856849
(Preise für Neuvermietungen)

Zur Deutsche Wohnen AG habe ich gefunden:
Bei den Bestandsmieten liegt die Deutsche Wohnen in Berlin nach eigenen Angaben nur wenige Cent über dem Berliner Durchschnitt. Bei den Neuvermietungen liegt das Unternehmen deutlich unter dem Gesamt-Berliner Durchschnitt. 2017 zahlten Neumieter in der Bundeshauptstadt durchschnittlich 9,79 Euro kalt je Quadratmeter.

Steht auf rbb24 https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/02/deutsche-wohnen-mieten-berlin-miete-macht-rendite.html
Zuletzt geändert von Mendoza am Mi 19. Jun 2019, 15:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Mendoza » Mi 19. Jun 2019, 15:09

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 14:23)

Das sind doch nur Tropfen auf dem heißen Stein.
Das Übel an der Wurzel packen.
Rekommunalisierung und sozialer Wohnungsbau ist das Gebot der Stunde.

Wir Schaffen das.


Gesetzt den Fall das Enteignung überhaupt geht- ich bezweifele das. Die Wohnungen müssen ja zum Marktwert erworben werden. Womit will die Stadt das denn bezahlen. Berlin ist arm wie eine Kirchenmaus!
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 16:46

Mendoza hat geschrieben:(19 Jun 2019, 15:09)

Gesetzt den Fall das Enteignung überhaupt geht- ich bezweifele das. Die Wohnungen müssen ja zum Marktwert erworben werden. Womit will die Stadt das denn bezahlen. Berlin ist arm wie eine Kirchenmaus!


Der Senat hat bereits drei Gutachten erstellen lassen die sagen:

"Vergesellschaftung möglich, Entschädigung unter Verkehrswert"

"Aus Sicht von Verfassungsrechtler Dr. Reiner Geulen ist es grundsätzlich möglich, auch Wohnimmobilien gemäß Art. 15 GG in eine gemeinschaftliche, nicht-gewinnorientierte Form zu überführen. Dazu bräuchte es (...) ein formelles Gesetz, zuständig wäre das Land Berlin." das kann der Senat jederzeit verabschieden, weiter

(...) Eine Entschädigung an die Wohnungsunternehmen könnte laut Geulen auch deutlich unter dem Verkehrswert der Immobilien liegen. Geulen verweist auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, dass der Gesetzgeber nicht verpflichtet ist, in Höhe des Verkehrswerts zu entschädigen."

"BGH-Anwalt Prof. Dr. Volkert Vorwerk, renommierter Bau- und Zivilrechtler, will die Berliner Pläne ebenfalls nur an Art. 15 GG messen, weil das geplante "Vergesellschaftungsgesetz" das Eigentum in eine Form der Gemeinwirtschaft überführen und nicht zugunsten der öffentlichen Hand entziehen will. (...)
Aus Sicht von Vorwerk fordert das Sozialstaatsprinzip einen Eingriff des Gesetzgebers zur Sozialisierung von Wohnraum, um bei ständig steigenden Mieten und angespanntem Wohnraumangebot einer Verarmung von Mietern als Teil der Gesellschaft entgegenzuwirken."

"Auch Beckmann, dessen Kanzlei überwiegend für die Öffentliche Hand und Verbände tätig ist, (...) beschäftigt sich wie die beiden anderen Gutachter mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz aus Art. 3. Die Grenze von 3.000 Wohnungen, ab denen Unternehmen vergesellschaftet werden sollen, ist aus seiner Sicht begründbar, müsste aber auch begründet werden."

Aus: https://www.lto.de/recht/hintergruende/ ... gutachten/

Also, namhafte Juristen sehen eine Möglichkeit Art.15 anzuwenden.

Finanzierbar durch langfristig Kredite,
und nicht vergessen, auch Mieter von vergesellschafteten Wohnungen zahlen Miete - und jetzt mußt du noch akzeptieren dass vergesellschaftete Wohnungen keine Gewinne an Aktionäre abführen müssen, sondern Mieteinnahmen zur Finanzierung der Kredite benutzt werden können, abzüglich Sicherungseinbehalt.


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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 19. Jun 2019, 17:09

Tja, das sollen sie nur mal machen, dann wird in Deutschland niemand mehr investieren.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Wähler » Mi 19. Jun 2019, 17:24

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 14:23)
Rekommunalisierung und sozialer Wohnungsbau ist das Gebot der Stunde.

Das ist sicherlich sinnvoll für diejenigen Vollzeiterwerbstätigen, die deutlich unter dem Medianlohn im Niedriglohnbereich liegen - etwa 10 bis 15% der Erwerbstätigen.
Persönlich wohne ich in einem Genossenschaftsprojekt in München, wo das zweite Drittel der Wohnungen über das sogenannte München-Modell für Durchschnittsverdiener mit Kindern läuft und das dritte Drittel freifinanziert ist. Das erste Drittel wird als Sozialmieten vom Staat subventioniert.
Im neu entstandenen Wohnviertel gibt es auch viele Baugemeinschaften, die allerdings im Vergleich zu den Genossenschaften den vollen Gründstückpreis - kein München-Modell - zahlen mussten und daher nur aus Gutverdienern bestehen, also deutlich oberhalb des Durchschnittlohnes - nicht mit Medianlohn zu verwechseln.
Die Genossenschaftsprojekte laufen mit teilweise öffentlichen Krediten über 60 bis 80 Jahre, bis ein Gebäudelebenszyklus abgeschlossen ist. Wirklich nachhaltig zu bauen und das Gebäude zu bewirtschaften ist für einzelne Familien vor allem in Ballungsräumen sehr schwierig geworden, so dass Sharing-Modelle einfach zeitgemäß sind.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 17:51

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Jun 2019, 17:09)

Tja, das sollen sie nur mal machen, dann wird in Deutschland niemand mehr investieren.



Ach je, natürlich, als die Grünen das erste Mal in den Bundestag einzogen sprachen die Ängstlichen vom Ende des Rechsstaates.

Dir sind die Gewinne einiger Aktionäre wichtiger als zufriedene Bürger? Siehst du, deswegen gibts den Art,15 GG, die waren eben schlau die Väter unseres GG.

Investoren haben mannigfaltige Möglichkeiten zu investieren, in die Entwicklung und Nutzung regenerativer Energien beispielsweise ... da ist dann aber der Gewinn vielleicht nicht mehr ganz so groß ...
Zuletzt geändert von blues am Mi 19. Jun 2019, 18:10, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 17:53

Wähler hat geschrieben:(19 Jun 2019, 17:24)

Das ist sicherlich sinnvoll für diejenigen Vollzeiterwerbstätigen, die deutlich unter dem Medianlohn im Niedriglohnbereich liegen - etwa 10 bis 15% der Erwerbstätigen.
Persönlich wohne ich in einem Genossenschaftsprojekt in München, wo das zweite Drittel der Wohnungen über das sogenannte München-Modell für Durchschnittsverdiener mit Kindern läuft und das dritte Drittel freifinanziert ist. Das erste Drittel wird als Sozialmieten vom Staat subventioniert.
Im neu entstandenen Wohnviertel gibt es auch viele Baugemeinschaften, die allerdings im Vergleich zu den Genossenschaften den vollen Gründstückpreis - kein München-Modell - zahlen mussten und daher nur aus Gutverdienern bestehen, also deutlich oberhalb des Durchschnittlohnes - nicht mit Medianlohn zu verwechseln.
Die Genossenschaftsprojekte laufen mit teilweise öffentlichen Krediten über 60 bis 80 Jahre, bis ein Gebäudelebenszyklus abgeschlossen ist. Wirklich nachhaltig zu bauen und das Gebäude zu bewirtschaften ist für einzelne Familien vor allem in Ballungsräumen sehr schwierig geworden, so dass Sharing-Modelle einfach zeitgemäß sind.

Das eine schließt das andere ja nicht aus.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon firlefanz11 » Mi 19. Jun 2019, 18:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Jun 2019, 17:09)

Tja, das sollen sie nur mal machen, dann wird in Deutschland niemand mehr investieren.

Doch! In Betriebe die gelbe Westen produzieren... :D
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon JJazzGold » Mi 19. Jun 2019, 19:54

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 12:40)

Selbstredend auf ein sozialverträgliches Niveau reduziert, darum geht es ja, um die Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft,
jedwede Privatisierung brachte den Bürgern nichts ausser höhere Kosten.


Was geschieht denn dann mit Denjenigen, die in diese teureren Wohnungen zogen, weil sie es sich leisten konnten, denen aber eigentlich keine Sozialwohnung zusteht? Wirft man die dann aus der Wohnung, obwohl sie einen gültigen Vertrag haben und mit welcher Begründung? Oder können diese in der Wohnung bleiben und zahlen einfach die geringere Miete?
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon blues » Mi 19. Jun 2019, 20:56

JJazzGold hat geschrieben:(19 Jun 2019, 19:54)

Was geschieht denn dann mit Denjenigen, die in diese teureren Wohnungen zogen, weil sie es sich leisten konnten, denen aber eigentlich keine Sozialwohnung zusteht? Wirft man die dann aus der Wohnung, obwohl sie einen gültigen Vertrag haben und mit welcher Begründung? Oder können diese in der Wohnung bleiben und zahlen einfach die geringere Miete?


Gute Frage, ich weiß das alle Mietverträge neu verhandelt werden sollen um "leistbare" Mieten zu ermitteln, maximal 30% vom Nettoeinkommen für die Brutowarmmiete ... bei einem Eigentümerwechsel tritt der neue Eigentümer in den bestehenden Mietvertrag ein und kann keinen neuen verlangen; wenn der aber wesentlich günstiger ist wäre der Mieter natürlich doof wenn er dies nicht täte; bei den Neumietern gibts vielleicht eine Art Bemessungsgrenze, vwahrscheinlich bleiben die Mietverträge bestehen (da im Mietrecht beim Eigentümerwechsel o.g. gilt, es sei den sie können eine Bedürftigkeit nachweisen.
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Re: Wohnungsnot - Sind Enteignungen eine Lösung?

Beitragvon Quatschki » Mi 19. Jun 2019, 20:58

blues hat geschrieben:(19 Jun 2019, 16:46)

Wir schaffen das.

Hast du daran gedacht, dass sich das "Ostberliner Modell" wiederholt könnte?
Wie sah es denn aus in Prenzlauer Berg 1990?
Mieten 50 Jahre lang eingefroren, Wert der nominal gleich gebliebenen Miete durch schleichende Inflation nur noch ein Taschengeld.
bröckelner Putz, undichte Dächer, kaputte Dachrinnen,
Ausstattung und sanitäre Einrichtungen auf dem Stand des Zeitpunktes, als die Mieten eingefroren wurden, also Vorkriegsniveau.
öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsbestand verrottet
verbliebene private Vermieter verschenken ihre Mietshäuser nach und nach an den Staat...

So war es doch unter der "Linken", als sie noch SED hieß!

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