Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

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sünnerklaas
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon sünnerklaas » Fr 26. Okt 2018, 09:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(25 Oct 2018, 10:02)

Das ist ein wichtiger Punkt. Zwischen dem Herunterladen eines Rezensionspodcasts zu einem neuen politischen Buch, dem Wunsch es lesen zu wollen, der Bestellung bei Amazon und der Lieferung per Haus liegen ... moment ... so geschätzt gerade mal zehn Mausklicks. Fertig. Politik - sowohl die große internationale wie die kleine im Partei-Ortsverband ist immer ein zähes Ringen um Kompromisse.


Vielen ist das nicht bewusst. Viele wissen gar nicht, dass die heutige Struktur der Bundesländer der Bundesrepublik - v.a. mit Hinblick auf die Kleinstaaten und der Dominanz Preußens - nicht vom Himmel gefallen und auch nicht die alleinige Idee der Alliierten war. Preußen dominierte das Deutsche Reich als riesengroßer Teilstaat. Hinzu kamen viele Klein- und Kleinststaaten, die wirtschaftlich und finanziell nicht überlebensfähig waren. Schon vor 1918 waren Klein- und Kleinststaaten, wie Waldeck-Pyrmont, Schaumburg-Lippe oder Braunschweig eher ein Hobby der dort regierenden Häuser - und für die ein Zuschussgeschäft. Als die Herzöge und Fürsten abgesetzt waren, wurde das ganze finanzielle und wirtschaftliche Elend in die sen Kleinstaaten ja erst sichtbar. Das führte schon ab 1919 zu intensiven Debatten um eine dringend notwendige Reichsreform - also einer völligen Neugliederung der Staaten innerhalb des Deutschen Reichs. In Schaumburg-Lippe hat der damalige Landtag schon im Dezember 1923 einstimmig beschlossen, die Landesregierung solle Verhandlungen bezüglich eines Anschlusses an Preußen aufnehmen. der Freistaat Waldeck schloss sich 1929 Preußen an und wurde aufgelöst. Der Kleinstaat stand vor der Zahlungsunfähigkeit.
Die Reichsreform lag dann auf Grund der harten Folgen der Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre erst einmal auf Eis. Die Nazis versuchten dann das Problem der nicht überlebensfähigen Staaten durch die Einführung eines Zentralstaates zu lösen. Nach 1945 griffen dann die Alliierten die Pläne der Reichsreform aus den 1920er Jahren in wesentlichen Punkten wieder auf: es entstanden u.a. die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dass das von der Bevölkerung und von der deutschen Politik so akzeptiert wurde, lag daran, dass allen klar war und überall der Konsens bestand, dass es ein Zurück zur Kleinstaaterei des Kaiserreichs und der Weimarer Republik nicht geben könne. Die Grundlagen der staatlichen Struktur der Bundesrepublik Deutschland stammen also nicht von 1948 oder 1946, sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Debatten und der daraus resultierenden Einsicht.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Elser » Fr 26. Okt 2018, 10:56

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Sep 2018, 15:01)

Mir ist in meinem Umfeld kein Arbeitsloser bekannt, der den Ausländern die Schuld für seine Arbeitslosigkeit in die Schuhe schiebt. Mag auch sein, dass diese nicht zwingend durch irgendjemanden ersetzt werden können, der kein Deutsch spricht und außer ein Paar Suren noch nichts gelesen hat - wenn überhaupt.
Aber gut, dass wir nun wissen, dass die Arbeitslosen alle selbst schuld sind.
Zukunftsängste nach mehreren Bewerbungen und Absagen -vor allem Ü50- sind kein Jammern, sondern berechtigte Existenzängste.

Was die Fettleibigkeit angeht, ist mir auch da kein Fetter bekannt, der anderen unterstellt, sie hätten ihm die Hamburger und Pommes in seinen Mund gezwungen. Die meisten wissen, dass sie immer die ersten am Trog sind.


Also ich kenne einen Fall, in denen ein syrischer Auslieferungfahrer auf einen 7,5-Tonnern eingestellt wurde, der nicht in der Lage war das zu lesen, was auf den Lieferscheinen stand. Die Kunden mussten sich die richtigen Lieferscheine selbst aus einen Stapel heraussuchen. Deutsch sprechen war auch nicht drin. Zudem hatte er große Problem mit dem Rangieren seines Fahrzeuges . Diese Probleme beim LKW-Fahren konnte ich dann auch noch bei einem anderen Syrer, in gleicher Stellung, beobachten. Können unsere Behörden einen syrischen Führerschein überhaupt richtig einschätzen? Waren sie einfach nur viel billiger, als ein deutscher Fahrer? Ich denke dass das genau der Grund ist, warum große Teile der Union, quasi über Nacht, von Fremdenfeindlichkeit ("Das Boot ist voll" , "Kinder statt Inder" , u.s.w.) auf zuwanderungsfreudlich umgeschaltete haben. Es geht hier, meiner Meinung nach, um die Beschaffung billiger Arbeitskräfte, um den Druck auf die Arbeitnehmer hoch halten zu können. Leider ist die Sache nun aus dem Ruder gelaufen........(siehe Wahlergebnisse) So'n Pech aber auch.

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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Elser » Fr 26. Okt 2018, 11:00

Skeptiker hat geschrieben:(30 Sep 2018, 13:21)

Man sollte bei alledem nicht vergessen, dass es sehr viele Menschen in Deutschland gibt, denen es eben nicht so gut geht. Auch ist das Risiko bald zu denen zu gehören für viele Menschen real. Wenn dann eine aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung dazu kommt, und der Eindruck die Teilhabe am politischen Prozess ist nicht so offen und fair, wie das gerne dargestellt wird, dann kommt schonmal schlechte Stimmung auf.

Vor allem sollte man aber die menschliche Natur nicht außer acht lassen. Der Mensch orientiert sich an seiner Umgebung. Für die Mittelschicht die in Gefahr ist abzurutschen, ist es eben nur eine zynischer Trost, dass man ja immer genug zu beißen hat, im Gegensatz zu Menschen in Afrika. Es mag die Stimmung auch nicht bessern, wenn demjenigen das mit erhobenem Zeigefinger von Berufsmoralisten vorgehalten wird, und einem gleich noch der Kosename „Abgehängter“ angeheftet wird.
In dem Sinne steht man auch kopfschüttelnd vor der Unzufriedenheit eines zum Tode verurteilten. Immerhin darf er sich froh schätzen in so menschenfreundlicher Zeit zu leben, in der er eben nicht gepfählt, sondern nur „milde eingeschläfert“ wird.

Klagen hängt eben vom Vergleich ab. Der scheint für viele negativ zu verlaufen.


Meiner Ansicht nach eine gute Einschätzung der Lage. Es gibt hier im Forum allerdings Kräfte, die solche Überlegungen dann, mit möglichst vielen ironischen Kurzbeiträgen zu ersticken versuchen. Fragt Euch mal warum?

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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Elser » Fr 26. Okt 2018, 11:06

yogi61 hat geschrieben:(30 Sep 2018, 14:21)

Genau,Ora et labora sollte im Vordergrund stehen und Kritik an den Verhältnissen ist völlig unangebracht. Wir benötigen wieder mehr Büttel und Duckmäuser in diesem Land, wir haben da schliesslich eine gewisse Tradition zu verteidigen.


Ja - genau. ;) Und wer zu den 40 % Verlierern gehört ist immer selbst schuld und sollte sich lieber schamvoll verkriechen und leise vor sich hin bluten. Darum bestätigen, hier im Forum, einige ja auch sofort, dass das alles sie ja nicht betrifft ("...in meinem Umfeld..."). In unserem Lande schändet "Armut" eben doch. :(
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 26. Okt 2018, 11:10

Betrachter hat geschrieben:(25 Oct 2018, 07:47)

Den Optimisten, die hier anmerken, dass es woanders und früher doch viel schlechter ist und war und dass hiesige Verhältnisse immer noch ganz gut wären, möchte ich einige Fragen stellen.

Warum gilt eigentlich bei der Aneignung von Lebensmitteln aller Art, die Schaufenster und Lager zum Bersten füllen, das Bedürfnis der Menschheit einen Dreck?
Warum ist alle Welt hinter Geld her, obwohl es doch nicht satt macht?
Warum muss man eigentlich überhaupt für Geld arbeiten, obwohl es genug davon gibt?
Warum bringt eigentlich nicht die Arbeit Geld, sondern nur die Arbeit für fremdes Eigentum?
Warum stellen Arbeiter in immer kürzerer Zeit immer mehr Produkte her, von deren Verfügung sie dann ausgeschlossen sind?
Warum entscheidet sich der Erfolg beim Geldverdienen immer daran, wie viel Geld man bereits hat?
Warum müssen Gewerkschaften eigentlich jedes Jahr aufs Neue darum kämpfen, dass der Lohn reicht?
Warum werden Arbeiter regelmäßig arm gemacht, wenn ein Betrieb reicher werden will?
Warum ist ein Überfluss an Produkten für Unternehmer eigentlich immer gleichbedeutend mit einer Krise?
Warum schmeißen Unternehmer eigentlich ihren Kram nicht hin, wenn sie doch – wie sie sagen - ständig unter der Konkurrenz nur leiden?
Warum kann das Wachstum im Kapitalismus eigentlich gar nicht groß genug sein, obwohl doch niemand mehr Schnitzel – oder so - vertilgen kann, als es seinem Bedürfnis entspricht?
Warum greift diese Produktionsweise permanent ihre eigenen Quellen, die Natur und die Arbeitskraft so sehr an, dass der Staat immer wieder große Teile des Reichtums für entsprechende Reparaturarbeiten aufwenden muss?
Und warum kann ein gerechte Verteilung des kapitalistischen Reichtums nichts daran ändern, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reichen werden?


Du stellst meiner Ansicht nach sehr entscheidende Fragen unserer Zeit, es wäre genug Geld da dass Geld ist nicht dass Problem sondern dessen Verteilung.


Wie sagte es mal ein Börsianer treffend: " Wer für Geld arbeitet ist dumm, wer es versteht das Geld für sich arbeiten zu lassen ein Genie".
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon zollagent » Fr 26. Okt 2018, 11:17

Elser hat geschrieben:(26 Oct 2018, 10:56)

Also ich kenne einen Fall, in denen ein syrischer Auslieferungfahrer auf einen 7,5-Tonnern eingestellt wurde, der nicht in der Lage war das zu lesen, was auf den Lieferscheinen stand. Die Kunden mussten sich die richtigen Lieferscheine selbst aus einen Stapel heraussuchen. Deutsch sprechen war auch nicht drin. Zudem hatte er große Problem mit dem Rangieren seines Fahrzeuges . Diese Probleme beim LKW-Fahren konnte ich dann auch noch bei einem anderen Syrer, in gleicher Stellung, beobachten. Können unsere Behörden einen syrischen Führerschein überhaupt richtig einschätzen? Waren sie einfach nur viel billiger, als ein deutscher Fahrer? Ich denke dass das genau der Grund ist, warum große Teile der Union, quasi über Nacht, von Fremdenfeindlichkeit ("Das Boot ist voll" , "Kinder statt Inder" , u.s.w.) auf zuwanderungsfreudlich umgeschaltete haben. Es geht hier, meiner Meinung nach, um die Beschaffung billiger Arbeitskräfte, um den Druck auf die Arbeitnehmer hoch halten zu können. Leider ist die Sache nun aus dem Ruder gelaufen........(siehe Wahlergebnisse) So'n Pech aber auch.

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Billiger als Mindestlohn geht nicht, auch nicht bei Syrern. Da lohnt es sich für Speditionen eher, eine Dependance in Litauen aufzumachen und Fahrer nach den dortigen Konditionen zu beschäftigen. Was ja auch vielfach gemacht wird.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 26. Okt 2018, 11:20

Odin1506 hat geschrieben:(25 Oct 2018, 07:21)

Man kommt damit klar, aber dann darf auch nicht was ungewöhnliches passieren, wie Reparaturen, Krankheiten usw. dann wird es sehr eng. Und wenn man dann noch einen Termin verpasst, wird man sanktioniert. Das nennt man dann Existenzangst.



Ja und genau diese finanzielle Existenzangst ist politisch ja gewollt in diesen [editiert - Mod] sozialstaat.
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Fr 26. Okt 2018, 11:37, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Ausdruck editiert
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon zollagent » Fr 26. Okt 2018, 11:27

Alpha Centauri hat geschrieben:(26 Oct 2018, 11:20)

Ja und genau diese finanzielle Existenzangst ist politisch ja gewollt in diesen [editiert - Mod] sozialstaat.

Aus meiner Tätigkeit in einem Hilfeverein für Langzeitarbeitslose kenne ich diese Existenzangst sehr gut. Der Bürokratismus, der für die Gewährung von Sozialleistungen aufgemacht wird, übertrifft den Aufwand für eine Steuererstattung nach dem Modell Cum Ex um ein Vielfaches. Manchmal komme ich, als erfahrener Mann im Umgang mit solchen Antragsaufwendungen, mir vor, als wenn ich einen Ausreiseantrag aus der ehemaligen DDR stellen würde, wenn ich einem unserer Klienten helfe, seinen Antrag auszufüllen. Und vor allem das Verlangen nach Vorlage von Unterlagen, die auf die Höhe oder Gewährung dieser Sozialleistung gar keinen Einfluß haben, das ist reine bürokratische Schikane. Ich glaube kaum, daß beim Entwurf der Sozialgesetzgebung den Parlamentariern solch ein bürokratisches Monster vorgeschwebt ist.
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Fr 26. Okt 2018, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Ausdruck im Zitat editiert
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon Elser » Fr 26. Okt 2018, 11:34

Wolverine hat geschrieben:(01 Oct 2018, 15:19)

Nun, ich weiß, warum bestimmte Menschen AfD wählen. Es ist nicht so, wie es von Heinzi Besserweiß und seinen Kameraden behauptet wird. Es ist das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Entscheidungen einer Regierung, die schon lange vergessen hat, dass sie vom Volk gewählt wurden und in deren Auftrag handeln sollten. Dazu gehört z.B. nicht die Aussetzung von Grenzkontrollen bei der Einreise, um nur ein Beispiel zu nennen.



Ich glaube dass Deine Beobachtungen ganz richtig sind. Allerdings kann diese Whlverhalten dazu führen, dass wir es bald mir Koalitionen aus Union und AFD zu tun bekommen. Und dann - gnade uns Gott (so es ihn denn gibt). Ich gehe davon aus, dass sich die Politiker der AFD noch rücksichsloser vom Großkapital "kaufen" lassen werden, als es die ethabliereten Parteien sowieso schon tun lassen. Das Verhalten der handelnden Gestalten in der AFD lässt das, meiner Ansicht nach, vermuhten. Man darf nicht vergessen dass die AFD als extrem neolieberal gestartet ist. Sie hat leider zusätzlich noch entdeckt, dass man mit Fremdenfeindlichkein mehr Stimmen fangen kann. Ein Witz, dass die größte Zahl der AFD-Wähler ganau aus dem Haufen kommt, der am meisten unter einer neoliberalen Poltik leiden wird. Ich denke, das ist halt ein Bildungsproblem. Es stimmt leider immer noch das die allergrößen Kälber ihre Schlächter selber wählen.

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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon sünnerklaas » Fr 26. Okt 2018, 11:49

zollagent hat geschrieben:(26 Oct 2018, 11:27)

Aus meiner Tätigkeit in einem Hilfeverein für Langzeitarbeitslose kenne ich diese Existenzangst sehr gut. Der Bürokratismus, der für die Gewährung von Sozialleistungen aufgemacht wird, übertrifft den Aufwand für eine Steuererstattung nach dem Modell Cum Ex um ein Vielfaches.


Gäbe es den Bürokratismus nicht, hätten wir ganz schnell ganz schwere Neid- und Gerechtigkeitsdebatten. Viele hassen ihren Beruf und ihren Job und stellen dann die Frage, warum man selber arbeiten gehen müsse und andere bräuchten es nicht und bekämen alles hinterhergeworfen. Diese - teilweise absurde - Debatte gab es schon während der großen Arbeitslosigkeit Anfang der 30er Jahre. Damals wurde den über 8 Millionen Arbeitslosen der wütende Vorwurf gemacht, faul und arbeitsscheu zu sein. Unter anderem an solchen absurden Vorwürfen ist die Weimarer Republik auch zugrunde gegangen - ganz zu schweigen von der selten dämlichen Politik der Herren Brüning und Hindenburg.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 26. Okt 2018, 12:02

sünnerklaas hat geschrieben:(26 Oct 2018, 11:49)

Gäbe es den Bürokratismus nicht, hätten wir ganz schnell ganz schwere Neid- und Gerechtigkeitsdebatten. Viele hassen ihren Beruf und ihren Job und stellen dann die Frage, warum man selber arbeiten gehen müsse und andere bräuchten es nicht und bekämen alles hinterhergeworfen. Diese - teilweise absurde - Debatte gab es schon während der großen Arbeitslosigkeit Anfang der 30er Jahre. Damals wurde den über 8 Millionen Arbeitslosen der wütende Vorwurf gemacht, faul und arbeitsscheu zu sein. Unter anderem an solchen absurden Vorwürfen ist die Weimarer Republik auch zugrunde gegangen - ganz zu schweigen von der selten dämlichen Politik der Herren Brüning und Hindenburg.


Diese Bürokratie verschlingt Unsummen ist nicht sozial und ungerecht, ( die Sanktionen degradieren die Menschenwürde auf Lebensmittelgutschein Niveau, dabei soll sie doch unantastbar sein?) und dann sich noch hinstellen und sich wundern woher bei den Leuten ob solcher Heuchelei die Wut kommt.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon Alpha Centauri » Fr 26. Okt 2018, 12:05

zollagent hat geschrieben:(26 Oct 2018, 11:27)

Aus meiner Tätigkeit in einem Hilfeverein für Langzeitarbeitslose kenne ich diese Existenzangst sehr gut. Der Bürokratismus, der für die Gewährung von Sozialleistungen aufgemacht wird, übertrifft den Aufwand für eine Steuererstattung nach dem Modell Cum Ex um ein Vielfaches. Manchmal komme ich, als erfahrener Mann im Umgang mit solchen Antragsaufwendungen, mir vor, als wenn ich einen Ausreiseantrag aus der ehemaligen DDR stellen würde, wenn ich einem unserer Klienten helfe, seinen Antrag auszufüllen. Und vor allem das Verlangen nach Vorlage von Unterlagen, die auf die Höhe oder Gewährung dieser Sozialleistung gar keinen Einfluß haben, das ist reine bürokratische Schikane. Ich glaube kaum, daß beim Entwurf der Sozialgesetzgebung den Parlamentariern solch ein bürokratisches Monster vorgeschwebt ist.


Die Sozialgesetzgebung ist aber auch genau dass ein teures Bürokratie Ungetüm, und in letzter Konsequenz inhuman (siehe Sanktionen) die Karikatur eines Sozialstaates.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon sünnerklaas » Fr 26. Okt 2018, 12:10

Alpha Centauri hat geschrieben:(26 Oct 2018, 12:02)

Diese Bürokratie verschlingt Unsummen ist nicht sozial und ungerecht, ( die Sanktionen degradieren die Menschenwürde auf Lebensmittelgutschein Niveau, dabei soll sie doch unantastbar sein?) und dann sich noch hinstellen und sich wundern woher bei den Leuten ob solcher Heuchelei die Wut kommt.


Das Problem ist die "Diebstahls-Erzählung", die dann kommt, wenn nicht ausreichend geprüft, gegengeprüft und ggf. sanktioniert wird. Aus der These, Steuern seien Diebstahl resultieren ja viele Steuervermeidungsmodelle.

Im Vergleich zum Crash 1929/30 hat die Bundesregierung im Herbst 2008 deutlich cleverer reagiert. Statt in eine Rezession hineinzusparen und die Situation damit ungewollt zu verschlimmern, hat man genau das Gegenteil gemacht: Konjunktur- und Beschäftigungspakete.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon Odin1506 » Fr 26. Okt 2018, 13:44

Alpha Centauri hat geschrieben:(26 Oct 2018, 12:02)

Diese Bürokratie verschlingt Unsummen ist nicht sozial und ungerecht, ( die Sanktionen degradieren die Menschenwürde auf Lebensmittelgutschein Niveau, dabei soll sie doch unantastbar sein?) und dann sich noch hinstellen und sich wundern woher bei den Leuten ob solcher Heuchelei die Wut kommt.


Die große Frage ist ja, wo beginnt die Würde des Menschen und wo endet diese. Ich glaube nicht, dass diese Frage jemand beantworten kann.
Ist doch genauso wie der Amtseid der Regierung, der ist ja auch nicht bindend, also absolut nutzlos, da kann man dann gleich sagen: " Mir egal, ihr Trottel habt mich gewählt und nun seht zu..........."
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon zollagent » Fr 26. Okt 2018, 15:07

sünnerklaas hat geschrieben:(26 Oct 2018, 11:49)

Gäbe es den Bürokratismus nicht, hätten wir ganz schnell ganz schwere Neid- und Gerechtigkeitsdebatten. Viele hassen ihren Beruf und ihren Job und stellen dann die Frage, warum man selber arbeiten gehen müsse und andere bräuchten es nicht und bekämen alles hinterhergeworfen. Diese - teilweise absurde - Debatte gab es schon während der großen Arbeitslosigkeit Anfang der 30er Jahre. Damals wurde den über 8 Millionen Arbeitslosen der wütende Vorwurf gemacht, faul und arbeitsscheu zu sein. Unter anderem an solchen absurden Vorwürfen ist die Weimarer Republik auch zugrunde gegangen - ganz zu schweigen von der selten dämlichen Politik der Herren Brüning und Hindenburg.

Die haben wir doch ohnehin. RTL II ist hier eine der treibenden Kräfte in der Gesellschaft, weil es als "freier" Fernsehsender die ganze Gesellschaft erreichen kann.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon zollagent » Fr 26. Okt 2018, 15:10

Alpha Centauri hat geschrieben:(26 Oct 2018, 12:05)

Die Sozialgesetzgebung ist aber auch genau dass ein teures Bürokratie Ungetüm, und in letzter Konsequenz inhuman (siehe Sanktionen) die Karikatur eines Sozialstaates.

Nicht nur das. Nach meiner Erfahrung muß jeder dritte Bescheid korrigiert werden. Und - gerade heute geschehen - die Bearbeitung eines Weiterbewilligungsantrags zu verweigern, weil der Müllgebührenbescheid nicht vorliegt, obwohl die Abteilung, die solche Bescheide ausstellt, im gleichen Hause ansässig ist, also nur einen kurzen Telefonanruf brauchte, das ist für mich einfach nur Schikane. Noch dazu, wo auch die Höhe dieser Gebühren von der Kreisverwaltung sogar ins Internet gestellt wird.
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Re: Warum sind die Menschen in Deutschland so unzufrieden?

Beitragvon KarlRanseier » Fr 26. Okt 2018, 15:47

yogi61 hat geschrieben:(30 Sep 2018, 14:21)

Genau,Ora et labora sollte im Vordergrund stehen und Kritik an den Verhältnissen ist völlig unangebracht. Wir benötigen wieder mehr Büttel und Duckmäuser in diesem Land, wir haben da schliesslich eine gewisse Tradition zu verteidigen.



Deutschland hat, zumindest prozentual, mehr Duckmäuser als China, in dem Bereich sind wir Weltmeister.

Auch Jubelperser gibt es hier zweifellos mehr als im Iran. :thumbup:
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon sünnerklaas » Fr 26. Okt 2018, 15:53

zollagent hat geschrieben:(26 Oct 2018, 15:10)

Nicht nur das. Nach meiner Erfahrung muß jeder dritte Bescheid korrigiert werden. Und - gerade heute geschehen - die Bearbeitung eines Weiterbewilligungsantrags zu verweigern, weil der Müllgebührenbescheid nicht vorliegt, obwohl die Abteilung, die solche Bescheide ausstellt, im gleichen Hause ansässig ist, also nur einen kurzen Telefonanruf brauchte, das ist für mich einfach nur Schikane. Noch dazu, wo auch die Höhe dieser Gebühren von der Kreisverwaltung sogar ins Internet gestellt wird.


Das hat oft etwas mit Hierarchien und Zuständigkeiten zu tun. Der Austausch zwischen den Sachbearbeitern einzelner Behörden läuft via Sachgebietsleiter/Behördenleiter/Behördenleiter/Sachgebietsleiter/Sachbearbeiter/Sachgebietsleiter/Behördenleiter/Behördenleiter/Sachgebietsleiter/Sachbearbeiter. Dazwischen liegt 2x der Postverteiler. Auf die Schnelle geht da nichts, so ein Vorgang kann gut und gerne mindestens eine Woche dauern - auch wenn beide Behörden in einem Haus sitzen.
Wird der Dienstweg nicht eingehalten, kann es richtigen Ärger geben - und den gibt es meist auch.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon zollagent » Fr 26. Okt 2018, 16:05

sünnerklaas hat geschrieben:(26 Oct 2018, 15:53)

Das hat oft etwas mit Hierarchien und Zuständigkeiten zu tun. Der Austausch zwischen den Sachbearbeitern einzelner Behörden läuft via Sachgebietsleiter/Behördenleiter/Behördenleiter/Sachgebietsleiter/Sachbearbeiter/Sachgebietsleiter/Behördenleiter/Behördenleiter/Sachgebietsleiter/Sachbearbeiter. Dazwischen liegt 2x der Postverteiler. Auf die Schnelle geht da nichts, so ein Vorgang kann gut und gerne mindestens eine Woche dauern - auch wenn beide Behörden in einem Haus sitzen.
Wird der Dienstweg nicht eingehalten, kann es richtigen Ärger geben - und den gibt es meist auch.

Wenn es um Kürzungen geht, ist der Dienstweg allerdings um vieles kürzer. Auch diese Erfahrung haben wir sehr oft machen müssen. Der Weiterbewilligungsantrag wurde am 28.09. gestellt, zur Bearbeitung kam er am 04.10., der Einwand mit dem fehlenden Bescheid kam am 20. 10. Sorry, ich habe selbst lange Jahre in Verwaltungsabteilungen gearbeitet, und ich kann Unwillen, etwas zu tun, sehr gut von Unmöglichkeiten unterscheiden.
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Re: Vorschläge gegen Unzufriedenheit in Deutschland

Beitragvon sünnerklaas » Fr 26. Okt 2018, 16:38

zollagent hat geschrieben:(26 Oct 2018, 16:05)

Wenn es um Kürzungen geht, ist der Dienstweg allerdings um vieles kürzer. Auch diese Erfahrung haben wir sehr oft machen müssen. Der Weiterbewilligungsantrag wurde am 28.09. gestellt, zur Bearbeitung kam er am 04.10., der Einwand mit dem fehlenden Bescheid kam am 20. 10. Sorry, ich habe selbst lange Jahre in Verwaltungsabteilungen gearbeitet, und ich kann Unwillen, etwas zu tun, sehr gut von Unmöglichkeiten unterscheiden.


Kürzen kann eine Behörde alleine. Gegen den Bescheid können dann Rechtsmittel eingelegt werden. Wenn da dann vorgeschriebene Dienstwege nicht eingehalten werden, liegen teilweise Formfehler vor, die Bescheide dann rechtswidrig machen können.
Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Behörden kann sehr, sehr schwierig sein - vor allem, wenn Bundesbeamte auf Kommunal- oder Landesbeamte treffen und umgekehrt.

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