Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 27. Feb 2018, 04:00

Zunder hat geschrieben:(27 Feb 2018, 01:15)

Es ging um die Frage, ob der Begriff "kulturelle Identität" als Synonym für eine quasi-rassistische Ideologie zu verstehen ist.
Ist er nicht. Punkt.


Generell nicht wuerde ich sagen. Es kann nur eine rassistische Ideologie sein, wenn alle anderen kluturellen Identitaeten als minderwertig abgetan werden un man glaubt die eigene sei die allein gluecklich machende.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 27. Feb 2018, 08:47

Woppadaq hat geschrieben:(26 Feb 2018, 23:25)
Was wird das? Ein Plädoyer für Egoismus?

Nein. Nicht für Egoismus. Für Realismus. Für eine realistische SIcht auf die moderne Welt. Die eine Entwurzelungsmaschine ist. Es ist sozialpsychologisch absolut verständlich, dass man gerade in jüngerer Zeit, in den letzten 10, 20 Jahren Halt in Gemeinschaftsbezügen sucht. Aber es nützt nix! Das Illusionshafte wird - zum Glück - in Deutschland nicht ganz so krass sichtbar wie etwa in der Ukraine. Wo es so schreckliche Dinge gibt wie einen kriminellen Organhandel mit entführten Neugeborenen. Die Menschen aber meinen, vor allem dann glücklich zu werden, wenn sie mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne singen und sich kulturell vom "Russentum" absetzen zu können.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon odiug » Di 27. Feb 2018, 08:54

Kann man auch hier Posten, obwohl für einen anderen Strang geschrieben:

Das Problem ist eigentlich nicht der Nationalstaat als solches, sondern wie man ihn begründet.
Wenn eine Nation sich legitimiert mit Worthülsen wie "Vaterland", "Muttererde", "Blut", "Volksgemeinschaft" und von seinen Bürgern "Opferbereitschaft", "Loyalität", "Gehorsam" und dergleichen verlangt, dann habe ich ein Problem mit dem Nationalstaat.
Der Nationalstaat ist für mich eine Verwaltungsebene und mehr nicht.
Zugegeben, eine sehr wichtige und sehr hohe Verwaltungsebene, aber letztendlich nichts anderes als ein Kreistag, oder Bezirk.
Und das zunehmende Bedürfnis nach einer emotionalen Bindung, welche sich in Diskursen über Leitkultur und Heimat ausdrückt, ist mir zu irrational, zu gefühlsbetont.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 27. Feb 2018, 09:08

Zunder hat geschrieben:(27 Feb 2018, 01:15)

Es ging um die Frage, ob der Begriff "kulturelle Identität" als Synonym für eine quasi-rassistische Ideologie zu verstehen ist.
Ist er nicht. Punkt.

Nein. Ist er in der Tat nicht.

Es ist auch ein ziemliches Missverständnis, das Unverständnis für kulturelle Identität im Zusammenhang mit Nation und Vaterland, allein in der Singularität des deutschen Nationalsozialismus zu suchen. Den Namen "Schiller" hatten wir weiter oben schon mal im Blick. Darf ich daran erinnern, dass diese sogenannten "Schillerfeste" in Deutschland, aber auch in der Schweiz oder in Prag, für Zeitgenossen zwischen etwa 1850 und 1950 zu einem Synonym für nationale Begeisterung, für Patriotismus, für die Einheit von "Nation", "Vaterland" und "Freiheit" waren. Tausende von Studenten zogen mit Fackeln durch deutsche Städte und rezitierten wie berauscht Schiller-Texte. Das ist vorbei. Ein für allemal. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena, an der ich auch einmal ein Jahr studierte, bekannte in einer Stellungnahme anlässlich des 200tsten Schillergeburtstags:

Mit Schiller befassen sich heute Spezialisten. Dass sich „die Deutschen", dass sich die Nation mit ihm befasste, ist eine anachronistische Formulierung, die keinen realen Inhalt mehr findet. Ebenso anachronistisch wie die Bezeichnung „Nationalausgabe", die auf der nach wie vor führenden Werkausgabe steht.

Tatsächlich ist es das Ende der fünfziger Jahre, das die Zäsur setzt. Weder der Nationalsozialismus und die politische und militärische Kapitulation des Deutschen Reichs noch die Gründung der beiden deutschen Staaten wirkt hier als Einschnitt.


Und der nächste Einschnitt bezogen auf Deutschland ist vielleicht gar nicht mal so sehr die Deutsche Wiedervereinigung oder das Ende des Eisernen Vorhangs sondern das Ende der Bonner Republik. Dieses drögen, dahinfließendem Breis aus rheinischem Kapitalismus, DGB und SPD, "Erinnerungskultur" und Sonntagsreden.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 27. Feb 2018, 09:11

odiug hat geschrieben:(27 Feb 2018, 08:54)

Kann man auch hier Posten, obwohl für einen anderen Strang geschrieben:

Das Problem ist eigentlich nicht der Nationalstaat als solches, sondern wie man ihn begründet.
Wenn eine Nation sich legitimiert mit Worthülsen wie "Vaterland", "Muttererde", "Blut", "Volksgemeinschaft" und von seinen Bürgern "Opferbereitschaft", "Loyalität", "Gehorsam" und dergleichen verlangt, dann habe ich ein Problem mit dem Nationalstaat.
Der Nationalstaat ist für mich eine Verwaltungsebene und mehr nicht.
Zugegeben, eine sehr wichtige und sehr hohe Verwaltungsebene, aber letztendlich nichts anderes als ein Kreistag, oder Bezirk.
Und das zunehmende Bedürfnis nach einer emotionalen Bindung, welche sich in Diskursen über Leitkultur und Heimat ausdrückt, ist mir zu irrational, zu gefühlsbetont.

Richtig. Nationalstaaten in heutiger Form in Europa und als Teil der EU sind vor allem eines: Vernünftig.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 27. Feb 2018, 09:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Feb 2018, 08:47)

Nein. Nicht für Egoismus. Für Realismus. Für eine realistische SIcht auf die moderne Welt. Die eine Entwurzelungsmaschine ist. Es ist sozialpsychologisch absolut verständlich, dass man gerade in jüngerer Zeit, in den letzten 10, 20 Jahren Halt in Gemeinschaftsbezügen sucht. Aber es nützt nix! Das Illusionshafte wird - zum Glück - in Deutschland nicht ganz so krass sichtbar wie etwa in der Ukraine. Wo es so schreckliche Dinge gibt wie einen kriminellen Organhandel mit entführten Neugeborenen. Die Menschen aber meinen, vor allem dann glücklich zu werden, wenn sie mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne singen und sich kulturell vom "Russentum" absetzen zu können.

Die ukrainischen Barbaren reißen aber nicht russische Herzorgane heraus, um zu singen, oder ? ;)

Der Historiker Timothy Snyder:
Es ist genau diese Verlockung für die Deutschen, sich der Verantwortung zu entziehen, die von der russischen Außenpolitik gefördert wird. Es ist russische Außenpolitik, die Geschichte der Sowjetunion in zwei Teile zu teilen: Den guten Teil, der der russische Teil ist, und den schlechten Teil, der der ukrainische Teil ist.
http://de.euromaidanpress.com/2017/06/2 ... r-ukraine/
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 27. Feb 2018, 10:17

DarkLightbringer hat geschrieben:(27 Feb 2018, 09:24)

Die ukrainischen Barbaren reißen aber nicht russische Herzorgane heraus, um zu singen, oder ? ;)


Ne. Die Aussage war ganz sicher nicht intendiert. Es gilt aber dennoch: Nation ist vor allem ein Narrativ zum Zwecke des Machterhalts. Auch wenn "Narrativ" nun wiederum eins von diesen überstrapazierten Modewörtern ist. Völlig unabhängig von der politischen Ausrichtung. Wir können, neben der Ukraine, auch Mexiko oder Venezuela als Beispiel nehmen. Verbrechen, Kriminalität, Staatsverwahrlosung ... und gleichzeitig ist die Berufung auf die Nation kaum irgendwo größer in der Welt als in den genannten Ländern.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 27. Feb 2018, 10:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Feb 2018, 10:17)

Ne. Die Aussage war ganz sicher nicht intendiert. Es gilt aber dennoch: Nation ist vor allem ein Narrativ zum Zwecke des Machterhalts. Auch wenn "Narrativ" nun wiederum eins von diesen überstrapazierten Modewörtern ist. Völlig unabhängig von der politischen Ausrichtung. Wir können, neben der Ukraine, auch Mexiko oder Venezuela als Beispiel nehmen. Verbrechen, Kriminalität, Staatsverwahrlosung ... und gleichzeitig ist die Berufung auf die Nation kaum irgendwo größer in der Welt als in den genannten Ländern.

Entscheidend ist die Idee dahinter, die eben gerade nicht unabhängig von der politischen Grundausrichtung ist. Nehmen wir den Gegensatz von Athen und Sparta oder Republik und Imperium im Star Wars-Universum. Die Narrative eines Gemeinwesens sind natürlich mehrdimensional.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Selina » Di 27. Feb 2018, 10:43

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(27 Feb 2018, 04:00)

Generell nicht wuerde ich sagen. Es kann nur eine rassistische Ideologie sein, wenn alle anderen kluturellen Identitaeten als minderwertig abgetan werden un man glaubt die eigene sei die allein gluecklich machende.


Genau. Und die Gefahr besteht. Indem diese "kulturelle Identitäts"-Diskussion immer wieder in den Zusammenhang mit der muslimischen Verschleierung gebracht wird, erscheint die kulturelle (deutsche) Identität immer als Betonung oder Hervorhebung dessen, was besser ist gegenüber Menschen anderer Nationalität und anderer Religion. Und das halte ich nunmal für grundfalsch. Und auch für gefährlich. Da muss man auch nicht verschämt (zuweilen auch aggressiv) verkünden, es sei nicht alles auf den "Nationalsozialismus" zurückzuführen. Nein, nicht alles, aber vieles. Diese deutsche Großmannssucht ist schon immer noch oder wieder vorhanden. Gerade das macht mir ja solche Sorgen. Es kann jedenfalls nicht schaden, da genau aufzupassen, wo und wann und in welchem Zusammenhang man den Begriff "kulturelle Identität" verwendet. Dass er seit dem sehnsuchtsvollen Rückzug vieler Leute ins Nationale immer häufiger gebraucht wird, ist ja wohl nicht zu übersehen. Es gibt zwischen Nationalismus und dem inflationären Gebrauch des Begriffs "kulturelle Identität" selbstverständlich einen Zusammenhang.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 27. Feb 2018, 10:54

Selina hat geschrieben:(27 Feb 2018, 10:43)

Genau. Und die Gefahr besteht. Indem diese "kulturelle Identitäts"-Diskussion immer wieder in den Zusammenhang mit der muslimischen Verschleierung gebracht wird, erscheint die kulturelle (deutsche) Identität immer als Betonung oder Hervorhebung dessen, was besser ist gegenüber Menschen anderer Nationalität und anderer Religion. Und das halte ich nunmal für grundfalsch. Und auch für gefährlich. Da muss man auch nicht verschämt (zuweilen auch aggressiv) verkünden, es sei nicht alles auf den "Nationalsozialismus" zurückzuführen. Nein, nicht alles, aber vieles. Diese deutsche Großmannssucht ist schon immer noch oder wieder vorhanden. Gerade das macht mir ja solche Sorgen. Es kann jedenfalls nicht schaden, da genau aufzupassen, wo und wann und in welchem Zusammenhang man den Begriff "kulturelle Identität" verwendet. Dass er seit dem sehnsuchtsvollen Rückzug vieler Leute ins Nationale immer häufiger gebraucht wird, ist ja wohl nicht zu übersehen. Es gibt zwischen Nationalismus und dem inflationären Gebrauch des Begriffs "kulturelle Identität" selbstverständlich einen Zusammenhang.


Was mich an der Hervorhebung mit moslemischer Kopfbedeckung fuer Frauen stoert ist das sich die Anti - Hijab Brigade immer als Frauenfreunde und Frauenrechtler darstellen, aber genau das Gegenteil sind. Es sollte einer Frau freigestellt sein ob sie ein Kopftuch tragen will oder nicht. Die Annahme das alle dazu gezwungen sind ist eine Bevormundung .
Wohlgemerkt wir unterscheiden hier zwichen Hijab und Burka aber viele kennen den Unterschied nicht.

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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Selina » Di 27. Feb 2018, 11:02

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(27 Feb 2018, 10:54)

Was mich an der Hervorhebung mit moslemischer Kopfbedeckung fuer Frauen stoert ist das sich die Anti - Hijab Brigade immer als Frauenfreunde und Frauenrechtler darstellen, aber genau das Gegenteil sind. Es sollte einer Frau freigestellt sein ob sie ein Kopftuch tragen will oder nicht. Die Annahme das alle dazu gezwungen sind ist eine Bevormundung .
Wohlgemerkt wir unterscheiden hier zwichen Hijab und Burka aber viele kennen den Unterschied nicht.

Es ist kein deutsches Phaenomen es ist eines der westlichen Gesellschaft.


Genau. Die in Sachen Frauen- und Familienpolitik so dermaßen rückwärtsgewandten Leute empören sich auf einmal lauthals, was denn den Frauen alles so angetan werde. Im eigenen Haus aber waltet die "züchtige Hausfrau" mit den lieben Kinderlein am Essenstisch und dem Herrn Gemahl, dem Familienoberhaupt (siehe Vordenker Götz Kubitschek) an der Stirnseite. Da wird dann die eigene hausgemachte Frauenunterdrückung (die zum Teil schlimme Auswüchse kennt) schnell mal übersehen.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Di 27. Feb 2018, 11:08

Selina hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:02)

Genau. Die in Sachen Frauen- und Familienpolitik so dermaßen rückwärtsgewandten Leute empören sich auf einmal lauthals, was denn den Frauen alles so angetan werde. Im eigenen Haus aber waltet die "züchtige Hausfrau" mit den lieben Kinderlein am Essenstisch und dem Herrn Gemahl, dem Familienoberhaupt (siehe Vordenker Götz Kubitschek) an der Stirnseite. Da wird dann die eigene hausgemachte Frauenunterdrückung (die zum Teil schlimme Auswüchse kennt) schnell mal übersehen.


Ja, ganz schlimm; in meinem Falle seit 55 Jahren übelste Unterdrückung meiner Frau. Sie hat's bisher überlebt, völlig verhärmt. So etwas wie Liebe und gegenseitigen Respekt gibt es schon gar nicht... in keinem Haushalt. :eek:
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 27. Feb 2018, 11:08

Selina hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:02)

Genau. Die in Sachen Frauen- und Familienpolitik so dermaßen rückwärtsgewandten Leute empören sich auf einmal lauthals, was denn den Frauen alles so angetan werde. Im eigenen Haus aber waltet die "züchtige Hausfrau" mit den lieben Kinderlein am Essenstisch und dem Herrn Gemahl, dem Familienoberhaupt (siehe Vordenker Götz Kubitschek) an der Stirnseite. Da wird dann die eigene hausgemachte Frauenunterdrückung (die zum Teil schlimme Auswüchse kennt) schnell mal übersehen.


Ich habe 4 Jahre in Malaysia gelebt und gearbeitet! Meine PA war eine glauebige Moslema und Hijab Traegerin (lokale Version). Eine hochintelligente, tolerante und unabhaengige Frau und in vieler Hinsicht liberaler als viele Frauen in nicht islamischen Laendern. Das gilt fuer viele Moslema die ich dort kennenlernte.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon H2O » Di 27. Feb 2018, 11:11

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:08)

Ich habe 4 Jahre in Malaysia gelebt und gearbeitet! Meine PA war eine glauebige Moslema und Hijab Traegerin (lokale Version). Eine hochintelligente, tolerante und unabhaengige Frau und in vieler Hinsicht liberaler als viele Frauen in nicht islamischen Laendern. Das gilt fuer viele Moslema die ich dort kennenlernte.


Ich vermute, daß wir "Westler" auch die weniger weltzugewandten Damen dort gar nicht erst kennen lernen. Fragt sich am Ende, wer die zahlreichere Erscheinungsform in der jeweiligen Gesellschaft stellt.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Di 27. Feb 2018, 11:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Feb 2018, 20:17)

Liebe D.A. Philosophie ist ja gar nicht einfach "Wahrheitsanspruch". So wie Verifizierbarkeit im Sinne der modernen Naturwissenschaften. Philosophie ist, sagen wir mal, die Sammlung von Ideen einer Haltung zur Welt und zum Universum. Diese Ideen aber jweils konsequent, logisch und bis zu Ende gedacht und durchdacht. Es handelt sich also von vornherein gar nicht um "Wahrheitsansprüche" sondern um Vorschläge für eine konsistente Haltung zur Welt und zur Auffassung von der Welt, von ihrem Wesen und vorm Sinn des Menschseins. Da gibts keine Wahrheitsanspruch im Sinne der Naturwissenschaften.

Das genaue Gegenteil ist der Fall: Philosophie erhebt Wahrheitsanspruch, die Naturwissenschaften eben nicht.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse/Erklärungen sind hinreichend genau und zeitkernig gültig - schon dieser Ansatz zeigt, dass Naturwissenshaften keinen Wahrheitsanspruch erheben.
Eine "konsistente Haltung zur Welt ... blablabla" - was soll das sein?
Damit bestätigst du doch meine Aussage, dass Philosophie - insbesondere Existenzialismus - keinerlei Bezug zu den Erkenntnissen/Erklärungen der Naturwissen aufweist, sondern diese bestenfalls ignoriert.
Philosophie ist nichts weiter als eine anthropozentrische Nabelschau - ein "Sinn der Welt/in der Welt", "Sinn und Wesen des Universums" - nach Möglichkeit auf die Entstehung/Existenz des Menschen aus- und eingerichtet.
Nein - die Welt/das Universum haben keinen Sinn, kein Ziel und keinen Zweck und auch kein "Wesen".
Das "Wesen"/die Natur des Menschen beschreiben/erklären die Naturwissenschaften.
Und - wie bereits gesagt - was den "Sinn des Lebens" angeht - halte ich es mit Popper und Kant - der Sinn des Lebens ist das, was jeder Mensch seinem Leben selbst gibt.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Ein Terraner » Di 27. Feb 2018, 11:21

Dark Angel hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:19)

Das genaue Gegenteil ist der Fall: Philosophie erhebt Wahrheitsanspruch


Kann es sein das du gerade Philosophie mit Religion verwechselst?
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Di 27. Feb 2018, 11:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Feb 2018, 09:08)

Nein. Ist er in der Tat nicht.

Es ist auch ein ziemliches Missverständnis, das Unverständnis für kulturelle Identität im Zusammenhang mit Nation und Vaterland, allein in der Singularität des deutschen Nationalsozialismus zu suchen.

Dieses "Missverständnis" hast du überhaupt erst konstruiert, um darauf herum reiten zu können!
Es ging von Anfang an um kulturelle Identität als Teil individueller Identität!
Wo da per se ein Zusammenhang mit Nation und Vaterland bestehen soll, wird wohl dein Geheimnis bleiben.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Dark Angel » Di 27. Feb 2018, 11:29

Selina hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:02)

Genau. Die in Sachen Frauen- und Familienpolitik so dermaßen rückwärtsgewandten Leute empören sich auf einmal lauthals, was denn den Frauen alles so angetan werde. Im eigenen Haus aber waltet die "züchtige Hausfrau" mit den lieben Kinderlein am Essenstisch und dem Herrn Gemahl, dem Familienoberhaupt (siehe Vordenker Götz Kubitschek) an der Stirnseite. Da wird dann die eigene hausgemachte Frauenunterdrückung (die zum Teil schlimme Auswüchse kennt) schnell mal übersehen.

Da bescheibst du islamische Frauenbild sehr genau. Denn im Islam wird die Frau aus dem öffentlichen Raum verbannt, hat das Haus nicht ohne männliche Begleitung zu verlassen, hat sich dem Mann unterzuordnen, ist der "Herr Gemahl das Familienoberhaupt.
Vorgabe(n)/Regeln dazu finden sich im Koran und NICHT in unserer westlichen Kultur!
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 27. Feb 2018, 11:38

H2O hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:11)

Ich vermute, daß wir "Westler" auch die weniger weltzugewandten Damen dort gar nicht erst kennen lernen. Fragt sich am Ende, wer die zahlreichere Erscheinungsform in der jeweiligen Gesellschaft stellt.


O das tut man schon wenn man nicht mit Scheuklappen durch die Gegend rennt.

Aber selbst in den entferntesten Kampongs (Doerfer) fand ich keine "weniger weltzugewandten Damen". Es ist vieles ein westliches Vorurteil. Dame mit Hijab = Unterdrueckung = radikale Islamisten.
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Re: Wie sehr darf eine Nation "an sich" denken? Wo beginnt Nationalismus bzw. ab wo wirds eklig?

Beitragvon Selina » Di 27. Feb 2018, 11:46

H2O hat geschrieben:(27 Feb 2018, 11:08)

Ja, ganz schlimm; in meinem Falle seit 55 Jahren übelste Unterdrückung meiner Frau. Sie hat's bisher überlebt, völlig verhärmt. So etwas wie Liebe und gegenseitigen Respekt gibt es schon gar nicht... in keinem Haushalt. :eek:


Das war auch eine Persiflage bzw. eine satirische Übertreibung, um zu zeigen, wie doppelmoralisch diese Schleier-Diskussion geführt wird. Statt eigene Defizite mal genauer zu betrachten. Aber google mal nach diesem von mir erwähnten Götz, der ist ein wichtiger Vordenker der Neuen Rechten und den siezt seine Frau sogar :D
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