Änderung des deutschen Rentensystems

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22116
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Di 12. Feb 2019, 09:03

Gruwe hat geschrieben:(12 Feb 2019, 08:24)

Naja, aber wieso sollte es gerechter sein, nur die reine Arbeitszeit zu zählen und eben nicht auch der jeweilige Beitrag zum System?
Sowohl Arbeitszeit als auch der entsprechende Beitrag je Arbeitszeit wird ja über die Beitragssumme berücksichtigt.

Was gerecht ist, ist ja schwierig zu beantworten.
Ich hatte Gedankengänge geäussert. Und hatte darauf verwiesen,
das natürlich Umsetzungen in diese Richtung schwierig sind. Vielleicht sogar unmöglich.
Und zum Thema Gerechtigkeit...

Ich werde voraussichtlich eine 4 mal so hohe gesetzliche Rente erhalten wie meine Frau.
Stand bei knapp 30 Jahre effektive SV-Einzahlungszeiten, bei beiden.
Ich habe habe in diese Zeiten komplett Vollzeit gearbeitet. Meine Frau Teilzeit (50 Prozent).

Natürlich spielt(e) die Einkommenshöhe die ausschlaggebende Rolle.
Auch da, kann man ja durchaus drüber diskutieren, ob das gerecht ist.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3858
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon franktoast » Di 12. Feb 2019, 16:47

Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:29)

Meine Idee und Gedankengang wäre da übrigens folgender...

Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.

Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
Egal ob als Vorstandschef oder Hilfsarbeiter. Und somit es eher auf eine mittlere Maximalrente hinausläuft.
Höherversicherung dann privat oder durch freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen RV.

Ich weiss, das ist eher ein theoretischer Gedanke. Umstellung und Finanzierung eher schwierig.

mfg

Also quasi ein BGE? Die Frage wäre dann ja, wie hoch diese Vollzeitrente ausfallen würde und wie man das finanziert. Ich persönlich würde eine Basisrente eh steuerfinanzieren. Das würde bedeuten, die Rentenbeiträge fallen weg und die Steuern entsprechend für Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze hoch.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22116
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Di 12. Feb 2019, 17:33

franktoast hat geschrieben:(12 Feb 2019, 16:47)

Also quasi ein BGE?

Nein.

:?:

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3858
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon franktoast » Di 12. Feb 2019, 17:42

Skull hat geschrieben:(12 Feb 2019, 17:33)

Nein.

:?:

mfg

Naja, abhängig von den Arbeitsjahren? Wenn also jemand 45 Jahre gearbeitet hat, bekommt man zB. 1200€ Rente. Egal wie viel man verdient hat. Und wer 40 Jahre gearbeitet hat, bekommt dann pro Jahr 20€ weniger? Und die Mutter, die Kinder groß gezogen hat, bekommt nix oder ne halt, das zählt auch als Arbeitsjahre.
Und nein, das aktuelle System ist da nicht besser.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22116
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Di 12. Feb 2019, 17:44

franktoast hat geschrieben:(12 Feb 2019, 17:42)

Naja, abhängig von den Arbeitsjahren?

Wenn also jemand 45 Jahre gearbeitet hat, bekommt man zB. 1200€ Rente.
Egal wie viel man verdient hat.
Und wer 40 Jahre gearbeitet hat, bekommt dann pro Jahr 20€ weniger?
Und die Mutter, die Kinder groß gezogen hat, bekommt nix
oder ne halt, das zählt auch als Arbeitsjahre.

Und nein, das aktuelle System ist da nicht besser.

Klar, kannst Du jetzt konstruieren, wie Du möchtest...

DAS war aber nicht der Sinn MEINER Gedanken. :)

Skull hat geschrieben:(12 Feb 2019, 09:03)

Was gerecht ist, ist ja schwierig zu beantworten.
Ich hatte Gedankengänge geäussert. Und hatte darauf verwiesen,
das natürlich Umsetzungen in diese Richtung schwierig sind. Vielleicht sogar unmöglich.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3858
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon franktoast » Di 12. Feb 2019, 18:02

Skull hat geschrieben:(12 Feb 2019, 17:44)

Klar, kannst Du jetzt konstruieren, wie Du möchtest...

DAS war aber nicht der Sinn MEINER Gedanken. :)


mfg

Ah ok. Ja, da bin ich bei dir. Ich finde auch, dass man im Alter eine Rente bekommen sollte. Und zwar anders als heute. Ob das umsetzbar ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das meine Meinung. Konstruieren kann das jeder, wie er will. So, und jetzt ziehe ich mich in mein unagreifbares Schloss zurück.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 7323
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 13:18

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon firlefanz11 » Mo 18. Feb 2019, 10:14

relativ hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:08)

Das wäre ungefähr auch mein Modell.
Alle zahlen ein, auch je nach Einkommen unterschiedlich hoch, und jeder bekommt unabhängig von Verdienst gesetzliche Rente (Höhe der Rente muss so gestaltet werden, das jeder ohne Aufstockung von Staat seine Lebensabend gestalten kann. Nur Faktoren wie Arbeitszeit (Kinder und Pflege eingerechnet) spielen eine Rolle. Wer mehr Rente will, sorgt Privat vor.

Ja, nee, is klar... Der Besservierdienende sollen schön brav voll einzahlen aber nur so viel raus bekommen wie ein Wenigverdienender, und dann einfach zusätzlich zu den wesentlich höheren Beiträgen noch privat vorsorgen... :rolleyes: :mad:
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
relativ
Beiträge: 27438
Registriert: Di 17. Jul 2012, 10:49
Benutzertitel: Relativitätsversteher
Wohnort: Pott

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon relativ » Mo 18. Feb 2019, 10:28

firlefanz11 hat geschrieben:(18 Feb 2019, 10:14)

Ja, nee, is klar... Der Besservierdienende sollen schön brav voll einzahlen aber nur so viel raus bekommen wie ein Wenigverdienender, und dann einfach zusätzlich zu den wesentlich höheren Beiträgen noch privat vorsorgen... :rolleyes: :mad:

Ja nun, so ist unser sozialer Staat/Gesellschaft nunmal aufgebaut, das stärkt des sozialen Zusammenhalt und es ist doch auch offenkundig, daß die Besserverdienenden dadurch nie ärmer geworden sind, nur evtl. nicht so schnell so reich, daß wir jetzt schon Verhältnisse hätten wie in anderen Ländern, ohne so ein soziales System.
Wie sagte es doch mal ein deutscher Millionär so schön passend:" Ich will nicht Reich sein in einem armen Land."
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 7323
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 13:18

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon firlefanz11 » Mo 18. Feb 2019, 10:35

relativ hat geschrieben:(18 Feb 2019, 10:28)

Ja nun, so ist unser sozialer Staat/Gesellschaft nunmal aufgebaut, ...

Zum Glück NOCH NICHT...! Zum Glück ist es immer noch so, dass wer mehr einzahlt auch mehr raus kriegt. Und das ist GUT SO meine Damen u. Herren...!
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
relativ
Beiträge: 27438
Registriert: Di 17. Jul 2012, 10:49
Benutzertitel: Relativitätsversteher
Wohnort: Pott

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon relativ » Mo 18. Feb 2019, 11:39

firlefanz11 hat geschrieben:(18 Feb 2019, 10:35)

Zum Glück NOCH NICHT...! Zum Glück ist es immer noch so, dass wer mehr einzahlt auch mehr raus kriegt. Und das ist GUT SO meine Damen u. Herren...!

DU meinst jetzt nur bei unserem jetzigen Rentensystem, welches die Generationengerechtigkeit ja gar nicht mehr aufrecht erhalten kann?
Ja meine Damen und Herren daran muss man natürlich fest halten. :rolleyes:
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 6423
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 10:05

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon jorikke » Mo 18. Feb 2019, 16:20

relativ hat geschrieben:(18 Feb 2019, 11:39)

DU meinst jetzt nur bei unserem jetzigen Rentensystem, welches die Generationengerechtigkeit ja gar nicht mehr aufrecht erhalten kann?
Ja meine Damen und Herren daran muss man natürlich fest halten. :rolleyes:


Gewagte Behauptung. Bislang wurde der Beitragssatz stabil gehalten und wenn das Verhältnis Beitragszahler zu Empfänger, bzw. wachsende Bezugszeiten sich ungünstig verändert wurde aus Steuermitteln gegengesteuert.
Denk in dieser Hinsicht noch einmal über den Begriff der "Generationengerechtigkeit" nach.
Du meinst damit wohl eine Verschiebung des Verhältnisses von Einzahlung zu Auszahlung das sich über einen Zeitraum ungünstig entwickeln kann. Sprich, jetzt zahlen die vielen Beitragszahler relativ wenig für eine hohe Rente ein, später müssen weniger Zahler mit hohen Beiträgen für die Renten einstehen.
Das mag kommen, allerdings verteilt es sich auf alle Beitragszahler und ist, "wenn auch unter Grummeln" tragbar. Langfristig kann es auch wieder in die andere Richtung gehen.
Betrachtet man den Vorschlag, jeder solle nach Einkommenshöhe Beiträge für eine spätere Grundrente zahlen, unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit, erkennt man schnell, dass da ein viel größeres Ei angedacht ist.
Es wäre also das Muster der ges. Krankenversicherung, wo Gutverdiener hohe und Geringverdiener kleine Beiträge für die gleiche Leistung einzahlen.
Das geht aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze, danach kann man sich privat versichern und zahlt gar keine Beiträge mehr in die GKV ein.
Wenn also der eine für seine Grundrente von ca. 1.500,- monatlich die Summer X, sein gering verdienender Nachbar aber für die gleichen 1.500,- nur die Hälfte einzahlen müsste, was glaubst du, wieviel von den Gutverdienern bei Erreichen einer Beitragsbemessungsgrenze übrig bleiben?
Da würde doch jeder den Abflug machen und sich privat um seine Altersvorsorge kümmern.
Arme GKV. Der Letzte macht das Licht aus.
Benutzeravatar
relativ
Beiträge: 27438
Registriert: Di 17. Jul 2012, 10:49
Benutzertitel: Relativitätsversteher
Wohnort: Pott

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon relativ » Di 19. Feb 2019, 08:38

jorikke hat geschrieben:(18 Feb 2019, 16:20)

Gewagte Behauptung. Bislang wurde der Beitragssatz stabil gehalten und wenn das Verhältnis Beitragszahler zu Empfänger, bzw. wachsende Bezugszeiten sich ungünstig verändert wurde aus Steuermitteln gegengesteuert.
Ja klar die Renteneintrittsaltererhöhung und die Reduzierung des Rentenniveaus in den letzten Jahren lässt man natürlich nicht in seine Rechnung mit einfließen, gelle? Auch der Beitragssatz ist ja gestiegen.

Denk in dieser Hinsicht noch einmal über den Begriff der "Generationengerechtigkeit" nach.
Oh das habe ich.....

Du meinst damit wohl eine Verschiebung des Verhältnisses von Einzahlung zu Auszahlung das sich über einen Zeitraum ungünstig entwickeln kann. Sprich, jetzt zahlen die vielen Beitragszahler relativ wenig für eine hohe Rente ein, später müssen weniger Zahler mit hohen Beiträgen für die Renten einstehen.
Das mag kommen, allerdings verteilt es sich auf alle Beitragszahler und ist, "wenn auch unter Grummeln" tragbar. Langfristig kann es auch wieder in die andere Richtung gehen.
Ich denke da eher in die Richtung , daß alle einzahlen und es trotzdem eine ober Grenze bei der ustahlung der rente gibt. Die "sozialistische" Schweiz macht diesbezüglich vor. So ein System wäre auch langfristig wesentlich stabiler.

Betrachtet man den Vorschlag, jeder solle nach Einkommenshöhe Beiträge für eine spätere Grundrente zahlen, unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit, erkennt man schnell, dass da ein viel größeres Ei angedacht ist.
Eben ein Stabiles...
Es wäre also das Muster der ges. Krankenversicherung, wo Gutverdiener hohe und Geringverdiener kleine Beiträge für die gleiche Leistung einzahlen.

Nein, denn natürlich wären Leistungen bei der Rentenauszahlung auch unterschiedlich bis zu einer Obergrenze. Btw. die gibt es auch in unseren derzeitigen Rentensystem, die ist allerdings eher theoretisch wegen der Beitargsbemessungsgrenze.
Das geht aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze, danach kann man sich privat versichern und zahlt gar keine Beiträge mehr in die GKV ein.
Wenn also der eine für seine Grundrente von ca. 1.500,- monatlich die Summer X, sein gering verdienender Nachbar aber für die gleichen 1.500,- nur die Hälfte einzahlen müsste, was glaubst du, wieviel von den Gutverdienern bei Erreichen einer Beitragsbemessungsgrenze übrig bleiben?
Ich glaube mit einer Neiddebatte kommen wir diesbezüglich gar nicht weiter.

Da würde doch jeder den Abflug machen und sich privat um seine Altersvorsorge kümmern.
Arme GKV. Der Letzte macht das Licht aus.[
Wir reden hier über das Rentensystem und privat Vorsoregn kann auch dann noch jeder wenn jeder einzahlt.
Btw. Auch bei der GKV kann man sich jederzeit für alles mögliche Zusatzversorgen.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12078
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Man On The Silver Mountain

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon imp » So 5. Mai 2019, 19:10

Ich halte den Vorschlag nicht für gut. Er ist für alle schlecht. Gutverdiener haben hohe Belastungen für eine Grundsicherung. Wer lang studiert hat und nachher geniale Arbeit leistet, gut verdient, vielleicht selber erheblich zu neuen Stellen beiträgt, kriegt nachher weniger heraus als die Christl von der Kasse, die 40 Jahre im Supermarkt Joghurt und Chips über den Scanner zog.
Wer jahrelang gut verdient hat, 30 Jahre höchste Sätze einzahlte, ab 50 von Ersparnissen lebt, hat nachher in der "Rente" weniger als jemand, der immer nur Mindestbeiträge einzahlte.

Der Vorschlag hat auch Probleme mit Teilzeit und zwar unabhängig davon, ob eine halbe Stelle als ganzes oder halbes Jahr gerechnet wird - beides führt zu Fehlsteuerung.

Unter dem Strich ist es in einem solchen Modell für alle, die über dem mittleren Beitrag liegen, politisch naheliegend, gegen Rentenanpassungen (Erhöhungen) zu sein, so bleibt mehr über. Die Einheitsrente würde immer weniger den Lebensbedarf decken zugunsten privater Vorsorgen, wo nur der Beitrag zählt. Die Verlierer sind dabei nicht in der absoluten Unterschicht - da greift irgendwann die Sozialhilfe - sondern im mittleren Einkommensdrittel, wo die immer noch hohen Beiträge zur kleinen Rente wenig Platz für Vorsorge lassen.

Langfristig würde eine solche Rente nach der Phase der ärmlichen Restversicherung irgendwann einhellig abgeschafft.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Elser
Beiträge: 2203
Registriert: Fr 25. Jan 2013, 09:14

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Elser » Mi 7. Aug 2019, 05:59

Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:29)

Meine Idee und Gedankengang wäre da übrigens folgender...

Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.

Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
Egal ob als Vorstandschef oder Hilfsarbeiter. Und somit es eher auf eine mittlere Maximalrente hinausläuft.
Höherversicherung dann privat oder durch freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen RV.

Ich weiss, das ist eher ein theoretischer Gedanke. Umstellung und Finanzierung eher schwierig.

mfg


Die Idee finde ich gut. Vielleicht verbunden mit einer Rente nach mindestens 40 Beitragsjahren spätestens jedoch mit 70. Zu den Beitragsjahren sollten dann aber nicht die Ausbildungsjahre gehören. Ein Hilfsarbeiter könnte dann frühestens mit 56, ein Facharbeiter mit frühestens 59 in Rente gehen. Betrachtet man die körperliche Arbeit die in diesen Berufen geleistet werden muss, finde ich das absolut richtig. Ein Mensch der bis über 30 studiert hat, oder einer der sich viele Auszeiten genommen hat, muss dann halt bis 70 arbeiten. Dürfte in akademischen Berufen kein Problem sein.

Elser
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4265
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Ger9374 » Mi 7. Aug 2019, 07:05

Aber auch nur für nicht Körperlich arbeitende Menschen.Das schriebst du ja selbst.Ich sehe es lieber wenn der Staat nur einen Sockelbeitrag leistet und dafür abkassiert. Der Rest Privat.
Staatlich gefördert durch Steuererleichterungen.
Und alle sollten ins RV System einzahlen, auch Beamte, sehe ich als gerechter an.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3143
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: ausgependelt glücklich
Wohnort: Großstadt

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Alana4 » Mi 7. Aug 2019, 07:30

Gruwe hat geschrieben:......
Dieser Argumentation kann ich nur in dem Fall folgen, wenn im Erwerbsleben auch jeder nur gleiche Beiträge zahlt.
Sobald aber die Beitragshöhe abhängig ist vom Einkommen, ist diese - und damit auch die Rentenauszahlung - wieder an die Leistung im Erwerbsleben geknüpft.
Ob diese Rente nun zeitgleich oder eben nicht erfolgt, ist unerheblich...zumindest wüsste ich nicht, inwiefern dein Vorschlag sonst "gerecht" sein sollte!
..........

Naja......vielleicht sollte man sich gelegentlich vor Augen halten, dass niemand auch nur einen Cent für seine eigene Rente ins System einzahlt. Das geht rein und sofort für wieder raus: für die Generation der Jetzt-Rentner, die Eltern und Großeltern also.

Und wer jetzt meint, wegen des eigenen glücklichen Umstandes, immer ganz gut verdient und eingezahlt zu haben, gäbe es einen unverrückbaren "Anspruch" auf hohe Rente- der möge sich bitte vor Augen halten, dass dereinst, wenn diese hohe Rente dann fällig wird, irgendwer dieses Geld in die Rentenkassen schaufeln muss. Das müssen dann z.Bsp. meine Kinder tun. die müssen dafür bezahlen! Und irgendwie finde ich genau DAS ungerecht.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 6423
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 10:05

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon jorikke » Mi 7. Aug 2019, 08:44

Alana4 hat geschrieben:(07 Aug 2019, 07:30)

Naja......vielleicht sollte man sich gelegentlich vor Augen halten, dass niemand auch nur einen Cent für seine eigene Rente ins System einzahlt. Das geht rein und sofort für wieder raus: für die Generation der Jetzt-Rentner, die Eltern und Großeltern also.

Und wer jetzt meint, wegen des eigenen glücklichen Umstandes, immer ganz gut verdient und eingezahlt zu haben, gäbe es einen unverrückbaren "Anspruch" auf hohe Rente- der möge sich bitte vor Augen halten, dass dereinst, wenn diese hohe Rente dann fällig wird, irgendwer dieses Geld in die Rentenkassen schaufeln muss. Das müssen dann z.Bsp. meine Kinder tun. die müssen dafür bezahlen! Und irgendwie finde ich genau DAS ungerecht.


Da auch wir für die Renten unserer Altvorderen bezahlt haben ist es ausgesprochen gerecht wenn auch unsere Kinder die Verantwortung für unsere Renten übernehmen.
Wenn du dieses bewährte System aus vordergründigen nicht recht durchdachten "Gerechtigkeitsgründen" abschaffen willst, musst du auch bereit sein ein anderes, in dem Fall kapitalfinanziertes System zu akzeptieren.
Das würde dann allerdings bedeuten - eine zwangsläufig lange Umstellungszeit lassen wir jetzt einfach mal außen vor - jeder finanziert seine Rente durch selbst eingezahlte Beiträge. Diese werden, plus Zinsertrag angesammelt und kommen bei Eintritt ins Rentenalter zur Auszahlung.
Läuft alles glatt, wunderbar.
Was aber, wenn einzelne Trägergesellschaften Pleite gehen oder durch Kriegseinflüsse/Naturkatastrophen oder Ähnliches, das angesparte Geld futsch ist?
Da man die Rentnergeneration nicht verhungern lassen kann, muss sie dann über Steuermittel alimentiert werden.
Diese Steuern müssen dann ebenfalls von deinen Kindern aufgebracht werden.
Das ohne Gegenleistung, ohne das sie selber, wie jetzt, beim so genannten Generationenvertrag auf spätere Rentenleistungen hoffen dürfen. Diese eigene Rente müsste dann von ihnen zusätzlich durch eigene Sparleistungen finanziert werden.
… und das soll gerecht sein?
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3143
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: ausgependelt glücklich
Wohnort: Großstadt

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Alana4 » Mi 7. Aug 2019, 09:19

jorikke hat geschrieben:(07 Aug 2019, 08:44)

Da auch wir für die Renten unserer Altvorderen bezahlt haben ist es ausgesprochen gerecht wenn auch unsere Kinder die Verantwortung für unsere Renten übernehmen.

Ja, aber! Wer bekommt denn überhaupt noch Kinder?
Das System ist nicht schlecht, es ist streng genommen sogar das einzige System, welches funktioniert. Aber ist ist nicht MEHR "gerecht". Und zwar deshalb nicht, weil es nicht MEHR normal ist, dass über alle Gesellschaftsschichten und über alle Einkommensklassen hinweg das Kinderhaben der Normalzustand ist.

Vielleicht noch ein Satz: das Generationen-Prinzip ist das einzige praktikable, denn es funktioniert sogar, wenn überhaupt kein Geld irgendwelche Rentenkassen eingezahlt wird- alleine dadurch, dass Kinder (erwachsene Kinder) Eltern haben. Und die werden schlicht und einfach mit an den Familientisch gesetzt, auch dann, wenn sie selbst nicht mehr mit anpacken können.
Doch die Lebenswirklichkeit gibt das nicht einmal für Familie her, geschweige denn für die, die es vorzogen, lieber keine eigenen Kinder zu haben.


Wenn du dieses bewährte System aus vordergründigen nicht recht durchdachten "Gerechtigkeitsgründen" abschaffen willst, musst du auch bereit sein ein anderes, in dem Fall kapitalfinanziertes System zu akzeptieren.

Wo habe ich verkündet, ich wünschte die Abschaffung des bestehenden Systems?
Es gehört aber gründlichst renoviert! Und zwar so, dass es nicht ausschließlich zu Lasten der nachfolgenden Generation geht.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 25036
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon H2O » Mi 7. Aug 2019, 09:31

.... Es gehört aber gründlichst renoviert! Und zwar so, dass es nicht ausschließlich zu Lasten der nachfolgenden Generation geht.


Haben Sie dazu schon den einen oder anderen Lösungsschritt überlegt, über den sich reden ließe?
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3143
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: ausgependelt glücklich
Wohnort: Großstadt

Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Alana4 » Mi 7. Aug 2019, 09:46

H2O hat geschrieben:(07 Aug 2019, 09:31)

Haben Sie dazu schon den einen oder anderen Lösungsschritt überlegt, über den sich reden ließe?


Na klar doch!
eingezahlt in die Rentenkasse wird nach Leistungsfähigkeit.
Herausgenommen aus der Rentenkasse VON JEDEM nur ein Sockelbertag. Der darf gerne ein gutes Stück über dem Existenzminimun liegen. Grundsätzlich aber deutlich gedeckelt.

die Gutverdiener, die ja soooo viel einzahlen müssen, kommen dabei freilich beim Rausnehmen etwas schlechter weg. Na und? Das Argument "ich hab ja gut gearbeitet und gut verdient und war ja "Leistungsträger "" zieht nicht. Denn für dieses Leistungsträger sein gab es ja immer gutes Geld....jeden Monat........
Rente ist kein Lohn! Wird aber inzwischen so gesehen, als selbstverständliche Verlängerung der Honorierung von Arbeitsleistung. Selbige, nämlich Arbeitsleistung, wird aber nicht mehr erbracht als Rentner.

Lange Rede kurzer Sinn: die allereinfachste und pragmatischste Lösung: eine relativ einheitliche Rente für jeden Renter über Steuer. Fertig. Und nein, nicht auf Sozialhilfeniveau. Ein Betrag, der sich an der Einkommensentwicklung der Steuerzahler orientiert und anpassbar sein kann, lässt sicher finden. Macht man ja jetzt auch mit der Bestimmung, was ein Rentenpunkt wert ist.
Geht es so weiter wie bisher, dann bestimmt mal eine Nachfolgegeneration, dass so ein Rentenpunkt nur noch ein kleines Pünktchen ist. Denn mehr als "Punkte" erwirbt sich selbst der größte Einzahler heute nicht.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.

Zurück zu „10. Sozialpolitik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Atue001 und 2 Gäste