Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

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Klopfer
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » So 11. Nov 2018, 19:30

Bielefeld09 hat geschrieben:(10 Nov 2018, 19:43)

Bitte wer ist geopfert worden?
Und von wem?
Wer über Pflege spricht,
der spricht auch über menschliche Möglichkeiten der Angehörigen.
Wer über Pflege spricht,
der weiss auch,
das unterstützende Pflege im Umfeld auch Geld kostet.
Und es gibt Politiker, die auch an diesem Problem arbeiten.
Und ja, es gibt auch pflegende Angehörige.
die durch das System gut unterstützt werden.

Tja, anscheinend weisst du nicht viel darüber, sonst wüsstest du dass viele Pflegende vor der Entscheidung stehen Pflege oder Job.
Wie sieht den dieser Schutz durch das System aus?
Falls Politiker an dem Problem arbeiten wissen sie das aber geschickt zu verbergen, momentan scheint es wichtiger zu sein die Pfründe der Automobilindustrie gegen gierige Kunden zu verteidigen.
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imp
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon imp » So 11. Nov 2018, 19:30

Die Qualität der Alterspflege war nie so gut wie heute. Nicht nur ist medizinisch mehr möglich, viele Praktiken der Profis wie der "liebenden Verwandten" waren früher. Standard und sind heute verboten.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » So 11. Nov 2018, 19:33

imp hat geschrieben:(10 Nov 2018, 22:40)

Nicht jeder kann und will seine Angehörigen pflegen, viele Alte haben auch keine lebenden Nachkommen mehr oder diese sind selbst nicht mehr in der Lage, die körperliche und psychische Belastung zu schultern. Es ist auch nicht jedes Zuhause für die Pflege geeignet.

Viele moderne Alte wollen auch viel lieber in einer Senioren-WG oder betreutem Wohnen mit den schwindenden Kräften und Fähigkeiten klarkommen als im altmodischen Vorstadthaus, das sich oft für altersgerechten Umbau nur bedingt eignet.

Aber was stören einen schon die Befindlichkeiten von jung und alt, wenn man ein wenig gegen die Pflegeberufe schimpfen kann.

Wer schimpft hier gegen die Pflegeberufe? Die verdienen die höchste Achtung, ebenso wie pflegende Angehörige.
Falls du meine Posts nicht verstehst kannst du nachfragen.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Zinnamon » Mo 12. Nov 2018, 13:04

Skull hat geschrieben:(10 Nov 2018, 19:14)

Wie war es denn früher ?

So um 1950 ? oder 1900' ? oder 1850 ?

Erzähl mal, wie das früher (besser) funktionierte.

mfg


Was willst du denn hören? Früher ..also eigentlich sogar bis in die siebzieger Jahre war es so, dass Menschen, die zB heute einen Schlaganfall um Jahrzehnte überleben, bereits nach wenigen Tagen oder Wochen verstorben waren. Die damals heiss umstrittene Magensonde zur Ernährung kam zB erst in den Achzigern auf.
Dies, aber auch die allgemein gestiegene Lebenserwartung führt heute unter anderem auch dazu, dass wir heute ein Heer von Dementen haben, die früher im Alter, in dem heute die Demenz auftritt, früher eben schlicht tot waren und die wiederum heute im Vergleich zu Alten, bei denen die Beeinträchtigung rein körperlich bedingt ist einen wesentlich höheren Pflegeaufwand in Bezug auf die verwendete Zeit benötigen.

Insofern, aber auch im Hinblick auf viele andere Aspekte wie heutige Arbeitswirklichkeit usw, bleibt ein Vergleich mit früher auch deshalb immer irreführend, weil wir heute Herausforderungen gegenüberstehen, die es damals schlicht nicht gab.
Zuletzt geändert von Zinnamon am Mo 12. Nov 2018, 13:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Zinnamon » Mo 12. Nov 2018, 13:10

Klopfer hat geschrieben:(10 Nov 2018, 19:28)

Früher erfolgte die Pflege oft im Familienverband, den hat man aber zu Gunsten der Wünsche der Wirtschaft geopfert.


Dort erfolgt sie, entgegen allen Vorurteilen, auch heute noch zu einem überragenden Anteil von 73% ( laut Handelsblatt, aktuelle Zahlen).

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... RLmc9q-ap4
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Milady de Winter » Mo 12. Nov 2018, 13:15

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:04)

Was willst du denn hören? Früher ..also eigenglich sogar bis in die siebzieger Jahre war es so, dass Menschen, die zB einen Schlaganfall um Jahrzehnte überlebten bereits nach wenigen Tagen oder Wochen verstorben waren. Die damals heiss umstrittene Magensonde zur Ernährung kam zB erst in den Achzigern auf.
Dies, aber auch die allgemein gestiegene Lebenserwartung führt heute unter anderem auch dazu, dass wir heute ein Heer von Dementen haben, die früher im Alter, in dem heute die Demenz auftritt, früher eben schlicht tot waren und die wiederum heute im Vergleich zu Alten, bei denen die Beeinträchtigung rein körperlich bedingt ist einen wesentlich höheren Pflegeaufwand in Bezug auf die verwendete Zeit benötigen.

Die veränderten Umstände kann eigentlich jeder beobachten, der in ein Alten- oder eher Pflegeheim geht und sich da mal umsieht. Ich hab das bei meiner Omi gesehen, die mit 99 Jahren für ein knappes Jahr in ein Pflegeheim kam, weil zuhause wirklich gar nichts mehr ging, und dann noch mal bei einer anderen Verwandten, die in ein Pflegeheim kam. Es war ein Heim, das ich aus meiner Kindheit als "Altenwohnheim" kannte, bei dem die älteren Bewohner aus den Fenstern sahen, sich gegenseitig aus den Fenstern und Balkonen heraus unterhielten, gemeinsam spazieren gingen, etc. Der Leiter hat uns im Haus herumgeführt und uns u.a. einen Speisesaal gezeigt, in dem früher die Bewohner zu den Mahlzeiten zusammen kamen. Fast wie in einer Mensa. Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendessen. Heute wird der Saal nur noch für besondere Veranstaltungen genutzt, weil die meisten Bewohner auf der Station essen (je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit) oder in ihren Zimmern versorgt werden. Früher waren "Alte" Leute ab 70... heute kann man bei sehr vielen noch mal 15-20 Jahre drauf legen, bevor sie in dem Bereich sind. Es gibt natürlich auch Wohnheime, in denen "jüngere Alte" leben und sogar ihre eigenen kleinen Wohnungen haben. Aber ohne vom Fach zu sein (ich glaube, Du bist es), fällt einem auf, dass die Pflegebedürftigkeit aufgrund von erhöhter Lebenserwartung (leider jedoch nicht immer gleichzeitig auch erhöhter "Fitness" des einzelnen) gestiegen ist.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Zinnamon » Mo 12. Nov 2018, 13:38

Milady de Winter hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:15)

Die veränderten Umstände kann eigentlich jeder beobachten, der in ein Alten- oder eher Pflegeheim geht und sich da mal umsieht. Ich hab das bei meiner Omi gesehen, die mit 99 Jahren für ein knappes Jahr in ein Pflegeheim kam, weil zuhause wirklich gar nichts mehr ging, und dann noch mal bei einer anderen Verwandten, die in ein Pflegeheim kam. Es war ein Heim, das ich aus meiner Kindheit als "Altenwohnheim" kannte, bei dem die älteren Bewohner aus den Fenstern sahen, sich gegenseitig aus den Fenstern und Balkonen heraus unterhielten, gemeinsam spazieren gingen, etc. Der Leiter hat uns im Haus herumgeführt und uns u.a. einen Speisesaal gezeigt, in dem früher die Bewohner zu den Mahlzeiten zusammen kamen. Fast wie in einer Mensa. Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendessen. Heute wird der Saal nur noch für besondere Veranstaltungen genutzt, weil die meisten Bewohner auf der Station essen (je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit) oder in ihren Zimmern versorgt werden. Früher waren "Alte" Leute ab 70... heute kann man bei sehr vielen noch mal 15-20 Jahre drauf legen, bevor sie in dem Bereich sind. Es gibt natürlich auch Wohnheime, in denen "jüngere Alte" leben und sogar ihre eigenen kleinen Wohnungen haben. Aber ohne vom Fach zu sein (ich glaube, Du bist es), fällt einem auf, dass die Pflegebedürftigkeit aufgrund von erhöhter Lebenserwartung (leider jedoch nicht immer gleichzeitig auch erhöhter "Fitness" des einzelnen) gestiegen ist.


Nicht vom Fach, nur durch einige Jahre währende Erfahrungen mit den Eltern gebildet. Wobei ich mich da auch immer wieder mal durch aktue Situationen veranlasst sehe, Infos über Medikamente, Studien und Berichte über Aspekte der Pflege und ähnliches einzusehen. Ja, im Regelfall ist eine stark erhöhte Lebenserwartung auch mit längerem Siechtum verbunden.
In Bezug auf Schlaganfallspatienten mit sehr erheblichen Schäden, sehe ich das Problem, dass man zwar alles hat, um sie durchzubringen, aber so gut wie nichts, um eine Lebensqualität zu gewährleisten, die dieses Überleben auch erträglich macht.
Moderne, grosse Altenheime gehen heute vom Mensacharakter der früheren Speisesääle weg. Dort gibt es oft eine Küche mit Aufenthaltsbereich pro Station und das betreute Wohnen, von dem du schriebst.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Milady de Winter » Mo 12. Nov 2018, 13:49

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:38)

Nicht vom Fach, nur durch einige Jahre währende Erfahrungen mit den Eltern gebildet. Wobei ich mich da auch immer wieder mal durch aktue Situationen veranlasst sehe, Infos über Medikamente, Studien und Berichte über Aspekte der Pflege und ähnliches einzusehen. Ja, im Regelfall ist eine stark erhöhte Lebenserwartung auch mit längerem Siechtum verbunden.
In Bezug auf Schlaganfallspatienten mit sehr erheblichen Schäden, sehe ich das Problem, dass man zwar alles hat, um sie durchzubringen, aber so gut wie nichts, um eine Lebensqualität zu gewährleisten, die dieses Überleben auch erträglich macht.
Moderne, grosse Altenheime gehen heute vom Mensacharakter der früheren Speisesääle weg. Dort gibt es oft eine Küche mit Aufenthaltsbereich pro Station und das betreute Wohnen, von dem du schriebst.

Ich finde das prinzipiell auch nicht schlecht, es ist auf der einen Seite heimeliger und persönlicher, wenn die Gruppen kleiner sind. Andererseits hängt es aber eben auch viel damit zusammen, dass Bewohner bestimmter Stationen nicht mehr in der Lage wären, sich selbst in den restaurantartigen Saal zu begeben, selbst wenn dieser wirklich schön gestaltet wäre (was man ja machen könnte, damit es eben nicht wie ein Gefängnissaal mit Massenabfertigung aussieht). Aber die Mobilität ist eingeschränkter als früher. Dafür gibt es dann in vielen Heimen sowas wie Cafés, in denen die mobilen Bewohner dann zusammen kommen können.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Zinnamon » Mo 12. Nov 2018, 14:01

imp hat geschrieben:(11 Nov 2018, 19:30)

Die Qualität der Alterspflege war nie so gut wie heute. Nicht nur ist medizinisch mehr möglich, viele Praktiken der Profis wie der "liebenden Verwandten" waren früher. Standard und sind heute verboten.


Ob die Qualität der Pflege heute so gut wie nie wäre - immer im Kopf behaltend, dass ein Vergleich bei völlig anderen Bedingungen, unter denen das stattfindet immer hinken muss- spielt für den Betroffenen anbetracht des Personalschlüssels und der freigiebigen Ausgabe von Neuroleptika für nächtliche Querulanten, die eigentlich nur Betreuung bräuchten, eine denkbar geringe Rolle. Erstaunlicherweise haben ja Demente, die zu Hause von chronisch überlasteten Laien betreut werden immer noch eine signifikant höhere Lebenserwartung als in Heimen, wo sie fachgerecht betreut werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie auch später ins Endstadium eintreten. Ein möglicher Ansatz zur Erklärung wäre übrigens auch die obligatorische Gabe von Neuroleptika.

Dass "medizinisch mehr möglich ist" kann ebenso zum Nachteil gelangen wie zum Vorteil. Unterm Strich meine ich zu erahnen, dass gerade ab einem gewissen Quantum an Zerstörung des Gehirns, die Natur/der liebe Gott es eigentlich sehr vorrausschauend eingerichtet hat, dass man unter normalen Bedingungen nicht überleben würde. Ist natürlich sehr subjektiv wieviel an Niedergang man noch als lebens- und erstrebenswert erachtet.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » Mo 12. Nov 2018, 15:54

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:04)

Was willst du denn hören? Früher ..also eigentlich sogar bis in die siebzieger Jahre war es so, dass Menschen, die zB heute einen Schlaganfall um Jahrzehnte überleben, bereits nach wenigen Tagen oder Wochen verstorben waren. Die damals heiss umstrittene Magensonde zur Ernährung kam zB erst in den Achzigern auf.
Dies, aber auch die allgemein gestiegene Lebenserwartung führt heute unter anderem auch dazu, dass wir heute ein Heer von Dementen haben, die früher im Alter, in dem heute die Demenz auftritt, früher eben schlicht tot waren und die wiederum heute im Vergleich zu Alten, bei denen die Beeinträchtigung rein körperlich bedingt ist einen wesentlich höheren Pflegeaufwand in Bezug auf die verwendete Zeit benötigen.

Insofern, aber auch im Hinblick auf viele andere Aspekte wie heutige Arbeitswirklichkeit usw, bleibt ein Vergleich mit früher auch deshalb immer irreführend, weil wir heute Herausforderungen gegenüberstehen, die es damals schlicht nicht gab.

Vollkommen richtig. Aber die Investoren, die in Pflegeheimketten investiert haben müssen ihre Rendite bekommen, darum müssen manche alte Menschen mehr recht als schlecht in Heimen dahinvegetieren. Und so gut wie hier teilweise dargestellt ist die Pflege eben vor allem in vielen stationären Pflegeeinrichtungen nicht. Da fehlt es hinten und vorne, denn Rendite geht vor. Und das will ja der Spahn noch ausweiten. Und das sind keine Hirngespinste sondern eigene Erfahrungen aus nächster Nähe. Da überlässt man ältere Menschen schon mal sich selbst um den Zustand zu verschlechtern um einen höheren Pflegegrad zu erreichen. Der MDK kommt hinten und vorne nicht nach.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » Mo 12. Nov 2018, 15:55

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:10)

Dort erfolgt sie, entgegen allen Vorurteilen, auch heute noch zu einem überragenden Anteil von 73% ( laut Handelsblatt, aktuelle Zahlen).

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... RLmc9q-ap4

Wäre schlimm wenn es anders wäre, der Anteil war früher aber sicherlich bedeutend höher, davon bin ich überzeugt.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » Mo 12. Nov 2018, 16:01

Ich weiss nicht von was für Pflegeheimen man hier fabuliert. Ich habe jedenfalls im letzten Jahr 4 verschiedene Einrichtungen kennengelernt, zwangsläufig, nicht für mich presönlich, sondern für eine sehr nahe Angehörige. Keines davon entsprach den hier beschriebenen Idealvorstellungen, am besten waren noch die Heime der karitativen Verbände, am schlechtesten die Privaten.
Wahrscheinlich besteht ein grosser Unterschied für Pflegeeinrichtungen für Vermögende und für Einrichtungen für Otto Normal, wie in allen Dingen.
Dann ist die unterschiedliche Wahrnehmung nachvollziehbar. Schöne Welt. Aber als Anlageobjekt für Inverstoren taugen die Alten noch.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon imp » Mo 12. Nov 2018, 16:28

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 13:10)

Dort erfolgt sie, entgegen allen Vorurteilen, auch heute noch zu einem überragenden Anteil von 73% ( laut Handelsblatt, aktuelle Zahlen).

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... RLmc9q-ap4

Es gäbe kurzfristig nicht genug Einrichtungen der verschiedenen Arten, wenn alle dahin wollten oder müssten. Wo es das Leben ermöglicht, dass man mit Umbauten, Hilfe aus der Familie, professioneller Pflegeambulanz, Verhinderungspflege so lange wie möglich und vielleicht bis zum Ende alles organisiert bekommt und es für alle tragbar ist, das ist doch das Beste.

Nicht nur zu deinem Beitrag:

Es ist aber auch zu respektieren, wenn die Umstände nicht so günstig sind und in diesem Fall eine Heimunterbringung zur Diskussion steht. Man muss bedenken, wenn die Mutter 80 ist, ist die Tochter, der Sohn vielleicht auch schon nah 60. Da täglich psychisch und körperlich schwere Aufgaben bewältigen, ist nicht jedem gegeben. Mancher hat's schon an der Bandscheibe, hat einen Leistenbruch, hat Probleme, sich zu bücken. Der eigene Haushalt fällt schon schwer, der Garten macht keinen Spaß mehr und mit der Schwiegermutter wird es immer schlimmer. Mancher denkt schon über das eigene Ende nach und hat die Verwandtschaft noch zu pflegen - in einer Zeit, in der die Politik nach Mehrarbeit ruft, nach späterer Rente, nach Arbeit während der Rente und nach privater Zusatzvorsorge auf verschiedenen Feldern. Ich sehe die teure und wenig attraktive Option Heim da nüchtern neben der Perspektive in den eigenen Wänden oder unter dem Dach von Verwandten und da ist mal das eine vernünftig, mal das andere. Oder manchmal leider erst so, dann so. Einfach alles subsumieren unter Sozialverbände und Private wollen Kasse machen und früher war alles so heiter, das erscheint mir etwas pauschal. Zumal Rendite in allem von der Windel bis zur Urne ein Thema ist, hier jetzt aber so negativ daherkommt.

In den Heimen gibt es auch junge Schlaganfälle, 30, 40 Jahre haben die vor sich. Früher hätten sie es ganz sicher nicht besser gehabt (außer man sieht intensives Leid und zeitnahen Tod als romantische Alternative).

Wie gesagt, das war summarisch zur Diskussion.
Zu deinem anderen Beitrag über die Vergleichbarkeit und Betroffenensicht später mehr.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 12. Nov 2018, 17:07

Klopfer hat geschrieben:(10 Nov 2018, 19:28)

Früher erfolgte die Pflege oft im Familienverband, den hat man aber zu Gunsten der Wünsche der Wirtschaft geopfert.

Meine Fresse! Bist Du echt ökonomisch derart abgehängt, dass Du ständig gegen die freie Wirtschaft wettern musst wo es völlig unangebracht ist?! Kauf Dir nen Becher Eis u. ne Packung Taschentücher...! Ist ja nicht zum Aushalten dieses Selbstmitleid...! :rolleyes:
Wir leben nicht mehr in der Mitte des letzten Jahrhunderts wo die durchschnittliche Familie mindestens drei Kinder hatte...!
Wer als Einzelkind das Problem hat sich um einen Elternteil pflegerisch kümmern zu müssen hat nicht nur das Problem nebenher noch Geld zu verdienen zu müssen sondern hat auch weniger Zeit für die eigene Familie sowie Entspannung/Erholung/Zeit für SICH...! :rolleyes:
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 12. Nov 2018, 17:11

Klopfer hat geschrieben:(10 Nov 2018, 19:34)

Wurde schon vom Strangeröffner erklärt, Angehörige die der Arbeit hinterherziehen, Stichwort Flexibilität. Aber warum wusste ich dass du das schon wusstest?

Stell Dir vor das Leben ist kein Wünsch Dir was... Dass ihr Linken immer der Meinung seid ihr hättet ein Anrecht auf einen Job um die Ecke mit 30 Std Woche u. Manager Gehalt sowie rundum sorglos Versorgung von Vadder Staat ist ja nix Neues... :rolleyes:
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 12. Nov 2018, 17:17

Klopfer hat geschrieben:(12 Nov 2018, 15:54)
Aber die Investoren, die in Pflegeheimketten investiert haben müssen ihre Rendite bekommen, darum müssen manche alte Menschen mehr recht als schlecht in Heimen dahinvegetieren. Und so gut wie hier teilweise dargestellt ist die Pflege eben vor allem in vielen stationären Pflegeeinrichtungen nicht. Da fehlt es hinten und vorne, denn Rendite geht vor. Und das will ja der Spahn noch ausweiten. Und das sind keine Hirngespinste ... Da überlässt man ältere Menschen schon mal sich selbst um den Zustand zu verschlechtern um einen höheren Pflegegrad zu erreichen. Der MDK kommt hinten und vorne nicht nach.

DA haste meiner Meinung nach zur Abwechslung leider mal Recht...
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 12. Nov 2018, 17:20

Klopfer hat geschrieben:(12 Nov 2018, 16:01)
..., am besten waren noch die Heime der karitativen Verbände, ...

Wobei es auch da mitunter übel her geht wie man unlängst erfahren durfte. Was aber NICHT nur an der pösen Wirtschaft liegt sondern auch an den Pflegern/Pflegerinnen, die da zum Teil arbeiten, und an den Insassen ihren Frust auslassen...
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon imp » Mo 12. Nov 2018, 17:30

Zinnamon hat geschrieben:(12 Nov 2018, 14:01)

Ob die Qualität der Pflege heute so gut wie nie wäre - immer im Kopf behaltend, dass ein Vergleich bei völlig anderen Bedingungen, unter denen das stattfindet immer hinken muss- spielt für den Betroffenen anbetracht des Personalschlüssels und der freigiebigen Ausgabe von Neuroleptika für nächtliche Querulanten, die eigentlich nur Betreuung bräuchten, eine denkbar geringe Rolle.

Das ist beides richtig, sowohl für die Pflege der körperlichen Gebrechen als auch für die Menschen mit psychischen Auffälligkeiten. Erstens ist nicht nur viel mehr Wissen da, die Geräte und Medikamente sind auch breit verfügbar und wo nicht vorhanden, lieferbar - es ist überwiegend ein Preisthema, keine Knappheit. Das war nicht immer und überall so. Zweitens nützt es kaum wem in seinem Leid, wenn es anderen noch schlechter geht. Übrigens glaube ich auch, dass eine höhere Entlohnung mehr praktische Interessenten am Pflegeberuf hervorbringt, dieses Mehr an Kollegen auch die individuelle Überlastung etwas mindern kann, sodass der Trend zu Umschulung und Branchenwechsel verringert werden kann. Auch angestellte Pflegekräfte dürfen "nach Gewinn streben", in diesem Falle eben nach gutem Einkommen und guten Arbeitsbedingungen.

Erstaunlicherweise haben ja Demente, die zu Hause von chronisch überlasteten Laien betreut werden immer noch eine signifikant höhere Lebenserwartung als in Heimen, wo sie fachgerecht betreut werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie auch später ins Endstadium eintreten.

Das ist auch ein statistischer Effekt. Es werden die zuhause gepflegt, bei denen es geht. Es kommen die ins Heim, die es entweder explizit wollen (wenn sie noch etwas wollen) oder bei denen sich die Pflege zuhause überfordert sieht, aus welchem Grund auch immer.

Ein möglicher Ansatz zur Erklärung wäre übrigens auch die obligatorische Gabe von Neuroleptika.

Das ist leider auch eine wahrscheinliche Erklärung, der dringend nachgeforscht werden muss - ggf auch mit gesetzgeberischen Folgen.

Dass "medizinisch mehr möglich ist" kann ebenso zum Nachteil gelangen wie zum Vorteil.

Die Geschichte von Medizin und Pflege ist voll von Irrtümern. Ein konservativ/minimalistischer Pflegeansatz macht richtiges und falsches erst mit, wenn es längst etabliert ist. Das kann sich ganz verschieden auswirken.
Die Annahme bei dem Thema, in der zentralisierten Pflege werde stellenweise das gemacht, was für's Personal bequem/leistbar/günstig ist und nicht das, was für den Betroffenen wünschenswert ist, steckt voll Sprengstoff. Im Einzelfall würde ich aber hinterfragen, ob nicht dasselbe Prinzip auch bei der Pflege durch Verwandte oder ambulante Pflege beobachtbar wäre.

Unterm Strich meine ich zu erahnen, dass gerade ab einem gewissen Quantum an Zerstörung des Gehirns, die Natur/der liebe Gott es eigentlich sehr vorrausschauend eingerichtet hat, dass man unter normalen Bedingungen nicht überleben würde. Ist natürlich sehr subjektiv wieviel an Niedergang man noch als lebens- und erstrebenswert erachtet.

Das ist eine sehr individuelle Frage, genau wie die Entscheidung, wieviel Behinderung man mit intaktem Gehirn ertragen kann. Dem einen ist es schon zu viel, sich im Rollstuhl dauernd einzuscheißen, der andere findet bettlägerig noch einen prinzipiellen Gefallen am Leben - und dann ist da noch das Thema Schmerz in seinen vielen Formen und Intensitäten. Schmerzen haben die geistig zerstörten und die geistig wachen.

Es kann nicht die Aufgabe der professionellen Pflege oder gar der Politik sein, hier eine allgemeingültige Antwort vorzugeben. Weder im Sinne einer obligatorischen Abschaltung von Hilfen noch im Sinne eines zwanghaften Lebenserhalts gegen einen dokumentierten Willen.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Klopfer » Mo 12. Nov 2018, 20:51

firlefanz11 hat geschrieben:(12 Nov 2018, 17:17)

DA haste meiner Meinung nach zur Abwechslung leider mal Recht...

Leider? Das scheint dir ja richtig weh zu tun. So ist das manchmal mit Fakten.
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Re: Werden pflegende Angehörige vom Staat allein gelassen?

Beitragvon Milady de Winter » Mo 12. Nov 2018, 20:55

Klopfer hat geschrieben:(12 Nov 2018, 20:51)

Leider? Das scheint dir ja richtig weh zu tun. So ist das manchmal mit Fakten.

Ich glaube, der User bedauert nicht, dass Du recht hast, sondern den von Dir geschilderten Umstand.
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