Mindestlohn

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22492
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Mindestlohn

Beitragvon Skull » Mo 7. Jan 2019, 13:39

Gruwe hat geschrieben:(07 Jan 2019, 11:55)

Ansonsten ist natürlich nicht das (Nicht-)Vorhandensein eines Mindestlohnes relevant, sondern deren Höhe.
Ein Mindestlohn der unterhalb sämtlicher Marktlöhne festgesetzt ist, hat logischerweise keine Auswirkungen.

Ein Mindestlohn auch unterhalb der Marktlöhne hat natürlich Auswirkungen.
Er setzt eine Unterkante fest.

Und natürlich muss man einen Mindestlohn unterhalb des normalen "Marktes" festlegen.
Es geht ja um den Schutz. Es kann ja nicht darum gehen, das der Staat durch Mindestlöhne
in der grossen Masse die Lohne BESTIMMT und quasi festlegt.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Mo 7. Jan 2019, 14:09

franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 12:26)
Aber natürlich würde es Lohnunterschiede geben. Wer 5 Jahre studiert und quasi unter Hartz4-Niveau verdient, will mehr verdienen als jemand, der als Hilfsarbeiter arbeitet. Hätte man 20€ Mindestlohn, bliebe nicht mehr viel, damit andere entsprechend mehr verdienen.


Bis wir mit 10% Schritten bei 20€ Mindestlohn ankommen dauert etwas. Bis dahin wird auch u.a. das Volkseinkommen wachsen.
Der Sinn des Mindestlohns ist ja nicht Einkommensgleichheit herzustellen, aber er kann ein Mittel sein, diese berühmte Schere zu schließen.
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bbIII1.pdf
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bIII1a.pdf



franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 12:26)
Schaun wir mal zur Schweiz. Hochlohnland. Nirgends verdient man besser. Pro Kopf haben die Plus von knapp 8400$.


Ein Grund mehr, in Deutschland auf das Gaspedal zu drücken, was Löhne betrifft (Abwanderung von Fachkräften).

Allerdings muss man auch die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank im Auge behalten. Niedrige Inflation, teils Deflation.
Man könnte fast meinen, die Löhne in der Schweiz müssten nach oben.
(Die Nationalbank hat vermutlich nicht nur Angst, dem Euro davonzurennen, sondern auch, dass bei Zinnsanhieb die schweizer Privatschulden kritisch werden könnten. Also selbst dort wäre es ratsam die Löhne nach oben zu korrigieren. Oder die Schweiz muss ihr kleines Staatsdefizit etwas ausbauen, was vielleicht hier naheliegender wäre.)
Benutzeravatar
Gruwe
Beiträge: 1880
Registriert: Mo 9. Nov 2015, 15:58
Benutzertitel: Obertransistorialrat
Wohnort: Saarland

Re: Mindestlohn

Beitragvon Gruwe » Mo 7. Jan 2019, 14:54

Skull hat geschrieben:(07 Jan 2019, 13:39)

Ein Mindestlohn auch unterhalb der Marktlöhne hat natürlich Auswirkungen.
Er setzt eine Unterkante fest.


Das ist natürlich auch richtig!
In dem Moment, in dem er aber unter sämtlichen Marktlöhnen (sofern man die Annahme trifft, dass in den jeweiligen Segmenten homogene Marktlöhne bestehen, was natürlich recht restriktiv ist) und es keine Tendenzen nach unten gibt, ist er irrelevant.
Mir ging es in erster Linie darum darzustellen, dass die Höhe relevant ist, nicht ob vorhanden oder nicht. Auch ein Mindestlohn von 1€ wäre ein Mindestlohn.


Und natürlich muss man einen Mindestlohn unterhalb des normalen "Marktes" festlegen.
Es geht ja um den Schutz. Es kann ja nicht darum gehen, das der Staat durch Mindestlöhne
in der grossen Masse die Lohne BESTIMMT und quasi festlegt.

mfg


Sicher!
Einige hier wünschen aber, dass der Staat dieses zu tun hat, wenn sie exorbitante Mindestlöhne fordern.
Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22492
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Mindestlohn

Beitragvon Skull » Mo 7. Jan 2019, 15:11

Gruwe hat geschrieben:(07 Jan 2019, 14:54)

Sicher!

Einige hier wünschen aber, dass der Staat dieses zu tun hat, wenn sie exorbitante Mindestlöhne fordern.

Im Internet kann man vieles fordern. Interessiert aber nicht wirklich.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Mo 7. Jan 2019, 15:25

Gruwe hat geschrieben:(07 Jan 2019, 14:54)
Sicher!
Einige hier wünschen aber, dass der Staat dieses zu tun hat, wenn sie exorbitante Mindestlöhne fordern.


Wenn der Staat über Arbeitsmarktreformen Lohndruck nach unten erzeugt, darf er das auch mittels Mindestlohn wieder korrigieren.

ps: "CEO-Mindestlöhne" wurden bisher glaube ich nicht von Mindestlohnbefürwortern gefordert.
Benutzeravatar
Gruwe
Beiträge: 1880
Registriert: Mo 9. Nov 2015, 15:58
Benutzertitel: Obertransistorialrat
Wohnort: Saarland

Re: Mindestlohn

Beitragvon Gruwe » Mo 7. Jan 2019, 16:06

z4ubi hat geschrieben:(07 Jan 2019, 15:25)

Wenn der Staat über Arbeitsmarktreformen Lohndruck nach unten erzeugt, darf er das auch mittels Mindestlohn wieder korrigieren.


Wenn der Staat dafür sorgt, dass "Zuhause auf einen angenehmen Arbeitsplatz"-Wartende sich für die Arbeitsplätze, die da sind, endlich mal zur Verfügung stellen, ist das ein ganz normaler marktwirtschaftlicher Vorgang.
Umgekehrt ist es nämlich eher so, dass der Staat dafür sorgte, dass Leute zu Hause abwarten konnten. Dies wurde korrigiert!
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3937
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Mindestlohn

Beitragvon franktoast » Mo 7. Jan 2019, 17:00

z4ubi hat geschrieben:(07 Jan 2019, 14:09)

Bis wir mit 10% Schritten bei 20€ Mindestlohn ankommen dauert etwas. Bis dahin wird auch u.a. das Volkseinkommen wachsen.
Der Sinn des Mindestlohns ist ja nicht Einkommensgleichheit herzustellen, aber er kann ein Mittel sein, diese berühmte Schere zu schließen.
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bbIII1.pdf
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bIII1a.pdf

Es könnten auch schlichtweg weniger Leute studieren. Studiengebühren 20 000€ pro Jahr. Genauso würde ich jede Teilzeitstelle abnehmen. Wenn eine Mutter etwas dazuverdienen will, dann in Vollzeit. Anders verboten. Auf für Studenten, Arbeitslose oder Väter, die mehr Zeit bei der Familie verbringen wollen. Vollzeit oder gar nicht. Auch ein relativ einfacher Effekt, um die Löhne anzugleichen.
Ich garantiere dir, dass diese berühmte Schere abnimmt.
Wenn man Statistik versteht und es das Einheitsziel aller ist, diese Schere zu verkleinern, ginge das relativ einfach. Natürlich würde der Wohlstand in allen Bevölkerungsschichten sinken, aber es geht ja darum, anzugleichen. das Modell DDR würde übrigens noch mehr Erfolg versprechen.

Ein Grund mehr, in Deutschland auf das Gaspedal zu drücken, was Löhne betrifft (Abwanderung von Fachkräften).

Das hast du bestimmt schon 1000mal gelesen, aber ich sag es gerne nochmal. Die exportorientierten Branchen in Deutschland lachen über einen Mindestlohn von 12 oder 15€. Selbst ein Mindestlohn von 20€ würde für einen Bruchteil eine Lohnerhöhung bedeuten. Wenn du dem Export schaden willst, dann solltest du die Erbschaftssteuer erhöhen oder Kapital verstärkt besteuern. In der Industrie kann man so hohe Löhne bezahlen, weil der Faktor Arbeit dort eine geringe Rolle spielt, weil eben so viel Kapital eingesetzt wird. Besteuere die Reichen, weniger Kapital wird eingesetzt und die Löhne sinken im verarbeitenden Gewerbe bei gleichzeitigem Exportrückgang.
Yeah. Weniger Lohn und weniger Export. Das klingt gut, oder?
Es leben die Statistik.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Mo 7. Jan 2019, 17:32

franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 17:00)

Es könnten auch schlichtweg weniger Leute studieren. Studiengebühren 20 000€ pro Jahr. Genauso würde ich jede Teilzeitstelle abnehmen. Wenn eine Mutter etwas dazuverdienen will, dann in Vollzeit. Anders verboten. Auf für Studenten, Arbeitslose oder Väter, die mehr Zeit bei der Familie verbringen wollen. Vollzeit oder gar nicht. Auch ein relativ einfacher Effekt, um die Löhne anzugleichen.
Ich garantiere dir, dass diese berühmte Schere abnimmt.
Wenn man Statistik versteht und es das Einheitsziel aller ist, diese Schere zu verkleinern, ginge das relativ einfach. Natürlich würde der Wohlstand in allen Bevölkerungsschichten sinken, aber es geht ja darum, anzugleichen. das Modell DDR würde übrigens noch mehr Erfolg versprechen.


Die Abschaffung der Meisterpflicht und "Herabwürdigung" der Berufsausbildung ist sicher ein Fehler (gewesen).
Und gegen etwas weniger gefüllte Supermarktregale hätte ich auch nichts einzuwenden. ;)
Mindestlohn muss nicht das einzige Werkzeug sein. Sollte er sich eines Tages als überflüssig erweisen, schön.

franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 17:00)
Das hast du bestimmt schon 1000mal gelesen, aber ich sag es gerne nochmal. Die exportorientierten Branchen in Deutschland lachen über einen Mindestlohn von 12 oder 15€. Selbst ein Mindestlohn von 20€ würde für einen Bruchteil eine Lohnerhöhung bedeuten. Wenn du dem Export schaden willst, dann solltest du die Erbschaftssteuer erhöhen oder Kapital verstärkt besteuern. In der Industrie kann man so hohe Löhne bezahlen, weil der Faktor Arbeit dort eine geringe Rolle spielt, weil eben so viel Kapital eingesetzt wird. Besteuere die Reichen, weniger Kapital wird eingesetzt und die Löhne sinken im verarbeitenden Gewerbe bei gleichzeitigem Exportrückgang.
Yeah. Weniger Lohn und weniger Export. Das klingt gut, oder?
Es leben die Statistik.


Ich will der (Export-)Wirtschaft gar nicht schaden. Möglicherweise trifft der Mindestlohn die Branchen nicht direkt, wenn dann eher indirekt. Aber Schaden zufügen ist das nicht.


Gruwe hat geschrieben:(07 Jan 2019, 16:06)

Wenn der Staat dafür sorgt, dass "Zuhause auf einen angenehmen Arbeitsplatz"-Wartende sich für die Arbeitsplätze, die da sind, endlich mal zur Verfügung stellen, ist das ein ganz normaler marktwirtschaftlicher Vorgang.
Umgekehrt ist es nämlich eher so, dass der Staat dafür sorgte, dass Leute zu Hause abwarten konnten. Dies wurde korrigiert!


Und jetzt sollte mindestens korrigiert werden, dass die Löhne auch für ein angemessenes Einkommen sorgen.
Wenn das in der Marktwirtschaft allein nicht passiert, dann ist das eben ein einfacher sozialmarktwirtschaftlicher Vorgang, wenn der Staat eingreift.
Benutzeravatar
Gruwe
Beiträge: 1880
Registriert: Mo 9. Nov 2015, 15:58
Benutzertitel: Obertransistorialrat
Wohnort: Saarland

Re: Mindestlohn

Beitragvon Gruwe » Mo 7. Jan 2019, 18:35

z4ubi hat geschrieben:Und jetzt sollte mindestens korrigiert werden, dass die Löhne auch für ein angemessenes Einkommen sorgen.
Wenn das in der Marktwirtschaft allein nicht passiert, dann ist das eben ein einfacher sozialmarktwirtschaftlicher Vorgang, wenn der Staat eingreift.


Sicher!

Nur könnte man eben stattdessen auch sinnvolle und zielführende Maßnahmen nutzen. Ein plakativer Mindestlohn ist da einfach nur der populistischste Weg!
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Mo 7. Jan 2019, 20:12

Gruwe hat geschrieben:(07 Jan 2019, 18:35)

Sicher!

Nur könnte man eben stattdessen auch sinnvolle und zielführende Maßnahmen nutzen. Ein plakativer Mindestlohn ist da einfach nur der populistischste Weg!


Mehr gestalterische Phantasie trau ich der deutschen Politik gerade nicht zu. Habe natürlich nichts dagegen, wenn sie mich eines Besseren belehrt.
Max Wein
Beiträge: 366
Registriert: Mo 17. Dez 2018, 06:57

Re: Mindestlohn

Beitragvon Max Wein » Mo 7. Jan 2019, 22:05

franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 09:10)

Und auf einen Mindestlohn von 12€ oder 9€ trifft das nicht zu?


Schon aber nicht übertrieben.

Sie wollen ja das eine ungelernte kraft genau so viel verdient als eine gelernte, da lohnt sich das lernen nicht.
Max Wein
Beiträge: 366
Registriert: Mo 17. Dez 2018, 06:57

Re: Mindestlohn

Beitragvon Max Wein » Mo 7. Jan 2019, 22:06

z4ubi hat geschrieben:(07 Jan 2019, 14:09)

Bis wir mit 10% Schritten bei 20€ Mindestlohn ankommen dauert etwas. Bis dahin wird auch u.a. das Volkseinkommen wachsen.
Der Sinn des Mindestlohns ist ja nicht Einkommensgleichheit herzustellen, aber er kann ein Mittel sein, diese berühmte Schere zu schließen.
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bbIII1.pdf
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_ ... bIII1a.pdf





Ein Grund mehr, in Deutschland auf das Gaspedal zu drücken, was Löhne betrifft (Abwanderung von Fachkräften).

Allerdings muss man auch die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank im Auge behalten. Niedrige Inflation, teils Deflation.
Man könnte fast meinen, die Löhne in der Schweiz müssten nach oben.
(Die Nationalbank hat vermutlich nicht nur Angst, dem Euro davonzurennen, sondern auch, dass bei Zinnsanhieb die schweizer Privatschulden kritisch werden könnten. Also selbst dort wäre es ratsam die Löhne nach oben zu korrigieren. Oder die Schweiz muss ihr kleines Staatsdefizit etwas ausbauen, was vielleicht hier naheliegender wäre.)


Die schweiz sollten wir uns nicht als vorbild nehmen in bezug auf die finanzen.

Die kriegen bals die selben probleme wie wir trotz guter löhne.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3937
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Mindestlohn

Beitragvon franktoast » Di 8. Jan 2019, 08:39

z4ubi hat geschrieben:(07 Jan 2019, 17:32)

Die Abschaffung der Meisterpflicht und "Herabwürdigung" der Berufsausbildung ist sicher ein Fehler (gewesen).
Und gegen etwas weniger gefüllte Supermarktregale hätte ich auch nichts einzuwenden. ;)
Mindestlohn muss nicht das einzige Werkzeug sein. Sollte er sich eines Tages als überflüssig erweisen, schön.

Ich will der (Export-)Wirtschaft gar nicht schaden. Möglicherweise trifft der Mindestlohn die Branchen nicht direkt, wenn dann eher indirekt. Aber Schaden zufügen ist das nicht.

Es geht einfach darum, dass es auf die Lebensrealität ankommt und nicht auf eine Statistik. Die Export- oder Vermögensstatistik sind meiner Ansicht nach fast wertlos. Die sagen nichts über die Lebensrealität der Menschen aus.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3937
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Mindestlohn

Beitragvon franktoast » Di 8. Jan 2019, 08:48

Max Wein hat geschrieben:(07 Jan 2019, 22:05)

Schon aber nicht übertrieben.

Sie wollen ja das eine ungelernte kraft genau so viel verdient als eine gelernte, da lohnt sich das lernen nicht.

Also bringt ein Mindestlohn von 12€ oder 9€ auch negative Effekte?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Klopfer
Beiträge: 1228
Registriert: Fr 21. Sep 2018, 10:19

Re: Mindestlohn

Beitragvon Klopfer » Di 8. Jan 2019, 09:29

franktoast hat geschrieben:(07 Jan 2019, 17:00)

Es könnten auch schlichtweg weniger Leute studieren. Studiengebühren 20 000€ pro Jahr. Genauso würde ich jede Teilzeitstelle abnehmen. Wenn eine Mutter etwas dazuverdienen will, dann in Vollzeit. Anders verboten. Auf für Studenten, Arbeitslose oder Väter, die mehr Zeit bei der Familie verbringen wollen. Vollzeit oder gar nicht. Auch ein relativ einfacher Effekt, um die Löhne anzugleichen.
Ich garantiere dir, dass diese berühmte Schere abnimmt.
Wenn man Statistik versteht und es das Einheitsziel aller ist, diese Schere zu verkleinern, ginge das relativ einfach. Natürlich würde der Wohlstand in allen Bevölkerungsschichten sinken, aber es geht ja darum, anzugleichen. das Modell DDR würde übrigens noch mehr Erfolg versprechen.


Das hast du bestimmt schon 1000mal gelesen, aber ich sag es gerne nochmal. Die exportorientierten Branchen in Deutschland lachen über einen Mindestlohn von 12 oder 15€. Selbst ein Mindestlohn von 20€ würde für einen Bruchteil eine Lohnerhöhung bedeuten. Wenn du dem Export schaden willst, dann solltest du die Erbschaftssteuer erhöhen oder Kapital verstärkt besteuern. In der Industrie kann man so hohe Löhne bezahlen, weil der Faktor Arbeit dort eine geringe Rolle spielt, weil eben so viel Kapital eingesetzt wird. Besteuere die Reichen, weniger Kapital wird eingesetzt und die Löhne sinken im verarbeitenden Gewerbe bei gleichzeitigem Exportrückgang.
Yeah. Weniger Lohn und weniger Export. Das klingt gut, oder?
Es leben die Statistik.

[Mod: ad-Personam Spam entfernt]

Aber ja, die Erbschaftssteuer gehört erhöht oder zumindest so eingesetzt dass sie auch bezahlt werden muss wie vorgesehen. Deiner Einlassung zur Folge geht dann die Welt unter weil der Export versiegt.... :thumbup:

[Mod: ad-Personam Spam entfernt]

Wohlwissend das der Lohn zum Leben nicht reicht, mit Almosen für ihre Arbeit abspeisen wollen.
Und auf der anderen Seite einen immer grösseren Reichtum und bizarr wachsenden Vermögen gutheissen.

[Mod: ad-Personam Spam entfernt]
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3937
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Mindestlohn

Beitragvon franktoast » Di 8. Jan 2019, 10:24

Klopfer hat geschrieben:(08 Jan 2019, 09:29)
Aber ja, die Erbschaftssteuer gehört erhöht oder zumindest so eingesetzt dass sie auch bezahlt werden muss wie vorgesehen. Deiner Einlassung zur Folge geht dann die Welt unter weil der Export versiegt.... :thumbup:

Wo habe ich geschrieben, es wäre schlecht, wenn der Export zurückgehen würde?

Wohlwissend das der Lohn zum Leben nicht reicht, mit Almosen für ihre Arbeit abspeisen wollen.
Und auf der anderen Seite einen immer grösseren Reichtum und bizarr wachsenden Vermögen gutheissen.

Wer die Produktionsmittel sein Eigentum nennt und die Gewinne entsprechend reinvestiert, spielt eigentlich keine große Rolle. Ob das nun einer ist oder viele.
Gedankenexpertiment: BMW gehört aktuell zur Hälfte einer Familie. Ein Unternehmenswert von etwa 25Mrd. Wir nehmen an, diese Familie reinvestiert sämtliche Gewinne. Nun rein rechnerisch wären das 300€ pro Bürger. Nun vereinbart man, dass dieses Vermögen gleichmäßig aufgeteilt wird. Jeder bekommt BMW-Aktien im Wert von 300€. Einzige Regel ist: Die Aktie darf nicht verkauft werden und sämtliche Dividenden werden reinvestiert.

Wäre das nun besser für die Bürger? Die wären alle um 300€ reicher.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Di 8. Jan 2019, 16:34

franktoast hat geschrieben:(08 Jan 2019, 08:39)

Es geht einfach darum, dass es auf die Lebensrealität ankommt und nicht auf eine Statistik. Die Export- oder Vermögensstatistik sind meiner Ansicht nach fast wertlos. Die sagen nichts über die Lebensrealität der Menschen aus.


Wenn 40% der Deutschen nichts zum Sparen haben, die Inflation jahrelang im Keller liegt und sich Lohnzuwächse von Zuwächsen der Unternehmensgewinne über Jahre abgekoppelt haben, halte ich meine Schlussfolgerungen durchaus für begründet und nicht gerade für realitätsfern. Jedenfalls fällt mir keine Begründung ein, wieso diese Statistiken hier wertlos sein sollten.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3937
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Mindestlohn

Beitragvon franktoast » Di 8. Jan 2019, 17:27

z4ubi hat geschrieben:(08 Jan 2019, 16:34)

Wenn 40% der Deutschen nichts zum Sparen haben, die Inflation jahrelang im Keller liegt und sich Lohnzuwächse von Zuwächsen der Unternehmensgewinne über Jahre abgekoppelt haben, halte ich meine Schlussfolgerungen durchaus für begründet und nicht gerade für realitätsfern. Jedenfalls fällt mir keine Begründung ein, wieso diese Statistiken hier wertlos sein sollten.

Aha 40% der Bevölkerung haben nichts zu sparen?
- 15% sind minderjährig
- 4% sind Studenten
- 24% sind Rentner
- 2% sind Flüchtlinge
- 4% sind arbeitslos
Das sind zusammen etwa 50% der Bevölkerung. Und du sagst mir, 40% der Deutschen haben nichts zum Sparen? Ist es so schockierend, dass Rentner oder Studenten nichts zum Sparen haben?

Und ich widerhole das auch gerne nochmal: Wenn jede Person zB. mit 1000€ Gehalt mit 18 anfangen würde und jedes Jahr 5% mehr verdienen würde, und dazu 20% sparen würde, dann wäre dei Vermögensverteilung ungleicher als heute. Obwohl jeder übers Leben exakt gleich viel verdienen würde, also absolut gleich.
Statistik ist Statistik.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
z4ubi
Beiträge: 284
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Mindestlohn

Beitragvon z4ubi » Di 8. Jan 2019, 21:08

franktoast hat geschrieben:(08 Jan 2019, 17:27)
Und ich widerhole das auch gerne nochmal: Wenn jede Person zB. mit 1000€ Gehalt mit 18 anfangen würde und jedes Jahr 5% mehr verdienen würde, und dazu 20% sparen würde, dann wäre dei Vermögensverteilung ungleicher als heute. Obwohl jeder übers Leben exakt gleich viel verdienen würde, also absolut gleich.
Statistik ist Statistik.


Aber was ist, wenn sich mehr Menschen durch höheres Einkommen ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung finanzieren könnten? (Der Mindestlohn allein wird dafür natürlich nicht sorgen können.)
Jedenfalls habe ich die Statistiken herangezogen, um zu zeigen, dass Luft nach oben ist, was den Mindestlohn betrifft.
Dass der Mindestlohn die Probleme der Vermögensverteilung löst, will ich damit nicht behaupten.
Benutzeravatar
Skull
Moderator
Beiträge: 22492
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW

Re: Mindestlohn

Beitragvon Skull » Di 8. Jan 2019, 21:10

z4ubi hat geschrieben:(08 Jan 2019, 21:08)

Aber was ist, wenn sich mehr Menschen durch höheres Einkommen ein eigenes Haus
oder eine Eigentumswohnung finanzieren könnten?

Was dann ist ? Noch mehr Verdichtung und noch höhere Preise an der Immobilienfront.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke

Zurück zu „10. Sozialpolitik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast