Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

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Teeernte
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Teeernte » Mi 3. Feb 2016, 01:20

frems hat geschrieben:(02 Feb 2016, 23:46)

Wären ca. 20 (Deine Behauptung) und nicht 35 (Dein Zitat). Aber vielleicht findest Du ja noch eine andere Branche, wenn es mit den Schweinen nicht klappt. (Sind übrigens keine Kühe, aber nunja.)
...etwas Nebenproduktion, Gülle ausfahren, Kraftwerk betreiben ist ja auch noch.

Kennst Du einen teueren Produktionsfaktor in der Landwirtschaft , der sich beeinflussen lässt ??

über 60 % der gesamten Produktion kommt aus solchen Grossfarmen - bei Schweinefleisch , Eiern und Geflügel - nahe 80%....( inklusive Überproduktion)

0,05% der Betriebe produzieren über 60% bei Fleisch. So billig kann ein Bauer NICHT !!! Seine Arbeitskraft ist es (mit 50% Abgaben) die das zu teuer macht ....selbst wenn der Tag 100 Stunden hätte -

Was meinst Du warum die Propaganda auf ÖKO und Vegan macht ! Da braucht man ein paar Bauern mehr als - GEIZ ist GEIL.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Welfenprinz
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Welfenprinz » Mi 3. Feb 2016, 06:39

Ob und wieviel Dorf es in Zukunft noch gibt,hängt wohl kaum von der Landwirtschaft ab.(mit Ausnahme vom Weser-Ems-Gebiet,wo über die vertiksle Integration clusterbildung und Wertschöpfung bestehen,die auch strukturbestimmend sind) sondern davon,wieviel Leute in ihrer subjektiven bonus-malus-liste die Summe der Dorfattribute vorne haben.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon William » Mi 3. Feb 2016, 07:36

H2O hat geschrieben:(02 Feb 2016, 23:22)

Ich vermute folgenden Zusammenhang:

Kapitalgesellschaften investieren in die industrialisierte Landwirtschaft,
und sie kommen fortan mit sehr wenigen Mitarbeitern über die Runden.
Die Anzahl "3" lassen wir einmal ruhen... ich kann diese Zahl gar nicht
beurteilen!

Mit dieser gestiegenen Produktivität machen sie gute Gewinne, während
die noch mehr bäuerlich geführten Betriebe gegen ihren Untergang
kämpfen... schon weil sie weder die Ackerflächen noch die Gebäude
noch die technischen Einrichtungen erwirtschaften können, die Risiken
ihnen auch unheimlich sind... Millionenbeträge immerhin, so vermute ich.


Schon die kleinen Familienbetriebe im Haupterwerb (sofern man die Zahl 3 hernimmt) jonglieren mit hohen sechsstelligen bis knapp siebenstelligen Beträgen. Deutlich kleinere, schwächere Betriebe existieren nicht mehr oder werden in der Freizeit weitergeführt. Mehr als Hobby oder Nebenerwerb, sehr oft ohne arbeitsintensiv Tierhaltung weil sich diese nicht lohnt.

Heute ist ein Traktor 150...250 PS stark und mit mehr Elektronik bestückt als ein PKW. Das kostet teuer Geld (500...1000 € pro PS), deswegen scheuen kleinere Unternehmen die hohen Investitionen.
Bei unter 30 Hektar lohnt sich die Arbeit nicht.
Mit Rosamunde-Pilcher oder Landarzt-Romantik hat es nichts mehr zu tun, tat es auch nie wirklich.

Die meisten Bauern von gestern arbeiten heute in der Industrie.
Viele besitzen aber noch die Ländereien, meist werden diese verpachtet. Ein nettes Zubrot und außerdem wertstabil weil krisensicher.
Ein Feld kann mit Bombenkratern übersät sein, ist deswegen aber nicht weniger wert. Es wird überpflügt und bringt das Jahr darauf wieder Ertrag. Ein Haus in der Stadt ist dagegen weg, ein Totalverlust also sofern es getroffen wird.
Wer zudem seine Ersparnisse in Geldform und nicht inflationssicheren Werten wie etwa Gold angelegt hat, steht im Ernstfall mit leeren Händen da.
Im Worst case hatten die (Groß)Städter stets das Nachsehen.
Auf dem Land kann man zumindest bei Bedarf Gurken anbauen ohne dass sie geklaut werden.
In Zeiten wie heute lohnt das natürlich nicht weil Lebensmittel (zu) billig sind. Es sei denn man ist überzeugter Biogärtner und will ungespritztes Obst und Gemüse.... Aber das ist ein anderes Thema.

Die Jugend von heute ist arbeitsscheuer denn je aber mehr auf Geld, Konsum und Spaß fixiert.
Leben auf dem Land passt daher nicht zu ihnen, deswegen wollen sie in die Stadt.
Frauen tun sich besonders hart weil sie mehr den sozialen Kontakt suchen als Männer und im Alter mit der finanziellen Belastung, welche Häuser und Ländereien mit sich bringen, allzu oft überfordert sind.
Deswegen ist es für die männlichen Vertreter auf dem Land auch so schwer den entsprechenden weiblichen Partner zu finden.
In Zeiten wie diesen will sich keiner mit einer eventuellen, richtig massiven Krise beschäftigen, ist daher auch nicht bereit gewisse Einschränkungen zu akzeptieren.
Deshalb geht die Masse in die Stadt, wohnt vorrangig zur Miete, spart wenig aber konsumiert viel.
3...4 Jobs in 10 Jahren bei unterschiedlichen Arbeitgebern sind keine Seltenheit, man liebt die Abwechslung.
Draussen auf dem Land ist das beschaulicher. Oft arbeitet die Belegschaft 20 Jahre und länger mit den selben Kollegen zusammen. Kontinuität ist hier wichtiger als ständiger Wechsel. Eine ordentliche Geschäftsführung wirtschaftet nachhaltig, das gibt Planungssicherheit. Mit einem städtischen Gastronomen ist das nicht zu machen, dieser wähnt sich beim Wort Traditionsunternehmen im falschen Film.

Schlussendlich sind heutige "Bauern" reicher als der Durchschnitt, auch wenn man es ihnen selten ansieht.
Wer nicht bereit ist mehr als 7...8 Stunden pro Tag zu arbeiten und auch in seiner Freizeit lieber daddelt als die Ärmel hochzukrempeln, hat auf dem Land nichts mehr zu suchen.
Gewisse Einschränkungen gibt es, ganz ohne Kompromisse geht es im Leben nie, jedoch gibt es auch einige Vorzüge.
Viele kaufen sich bei Zeit eine ETW in der nächstgrößeren Stadt, in der sie bei Bedarf ihren Lebensabend verbringen können, zwischenzeitlich wird sie vermietet. Andere gehen direkt in betreutes Wohnen oder Altersheime.

In die Stadt ziehen geht recht fix, der Weg (zurück) raus aufs Land ist meist nicht so einfach.
Es ist wohl eine Frage der persönlichen Einstellung, der Ehrgeizigkeit und dem Streben nach Sicherheit und Ruhe, weniger dem Bedarf an Rundumversorgung durch Dritte.
So setzt ein jeder die Prioritäten etwas anders.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Welfenprinz » Mi 3. Feb 2016, 08:02

Diese "positive" Bewertung ist aber nun mal eine aus landwirtschaftlich geprägter Sicht. ;)
die andere naturgemäss aber so nicht teilen müssen.

Trotz (oder wegen) der beträchtlichen Faktorausstattung an Kapital und Boden ist die Landwirtschaft im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbereichen nun mal ein ertragsschwacher Bereich. mein besagtes 800 Einwohner Dorf hat eine Feldmark von ca. 500 ha, guter Standort. Da können also wenns gut läuft -bei reinem Ackerbau) ca. 250000 € Gewinn vor Steuern erwirtschaftet werden. Das sind 4 oder 5 Betriebe. Modifiziert man das noch um ein paar Betriebsformen mit Veredlung, Direktvermarktung, Sonderkulturen, Nebenerwerb, kann man von maximal 15 existierenden Betrieben ausgehen.(dasselbe Einkommen/kaufkraft erwirtschaften 2 oder 3 leitende Angestellte ohne die immense Faktorausstattung alleine :) )
Das sind dann mit Familienangehörigen vielleicht 60 Menschen. also nicht mal 10% der jetzigen Bevölkerung.

Und, was wichtiger ist: das generierte Einkommen würde als Kaufkraft nicht im entferntesten dafür ausreichen auch nur minimalste Infrastruktur egal ob Einkauf,Handwerk, ärztliche Versorgung oder Freizeit vor Ort zu binden.

Landwirtschaft hat für die Frage des Weiterbestehens von Dörfern nur eine sehr untergeordnete Bedeutung.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Mi 3. Feb 2016, 10:04

"Landwirtschaft hat für die Frage des Weiterbestehens von Dörfern nur eine sehr untergeordnete Bedeutung."

Das ist offenbar uns allen hier klar. Deshalb richtete sich
meine Neugier auf die Zukunft der ländlichen Räume etwas
weiter ab von industrieller Verdichtung von Siedlungen.
Da geht es um die kommenden 50 Jahre... die ich mit
Sicherheit nicht erleben werde, die mich aber dennoch
bewegen.

Landwirtschaft wird ja immer benötigt; unsere Natur will
das so. Nur: Wie wird Landwirtschaft in 50 Jahren wohl
betrieben, wie werden die wenigen Menschen damit ver-
fahren?
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Mi 3. Feb 2016, 10:10

"In Zeiten wie diesen will sich keiner mit einer eventuellen, richtig massiven Krise beschäftigen, ist daher auch nicht bereit gewisse Einschränkungen zu akzeptieren."

Genau das treibt mich auch um: Wie wird man mit einer
industriellen Landwirtschaft eine handfeste Krise, etwa
durch einen Krieg, Ausfall der Elektrizität über Wochen,
in unseren Breiten überleben können?

Im ländlichen Raum könnte eine bewußt erhaltene Selbst-
versorgung mit wesentlichen Nahrungsmitteln einen Puffer
bilden, der den dort lebenden Menschen das Überleben
möglich macht. Was aber wird mit den hoch verdichteten
Ballungsgebieten sein?

Daseinsvorsorge dieser grundlegenden Art ist nicht in Mode,
scheint mir.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Welfenprinz » Mi 3. Feb 2016, 12:46

H2O hat geschrieben:(03 Feb 2016, 10:04)

. Deshalb richtete sich
meine Neugier auf die Zukunft der ländlichen Räume etwas
weiter ab von industrieller Verdichtung von Siedlungen.


Kann denn ja "nur" noch von den sonstigen kaufkraftquellen abhängen, die eine wenigstens rudimentäre Infrastruktur am Leben halten.Der Zuzug von Wohnpendlern , die woanders arbeiten und auf dem Dorf nur leben, wird - wie frems ja nun schlüssig darlegt, weniger werden.
Eigene Wirtschaftskraft auf dem land, die wenigstens ein Minimum an Nachfrage sichert, kann je nach Gegend verschieden oder gar nicht vorhanden sein. Ich denke das wird gemischt und eine äusserst heterogene Entwicklung. Von Tourismusansätzen bis zum Kleinindustrieanlagen,Kieswerke oder einem "zufällig" angesiedelten Dienstleister liegt da einiges drin.................. oder eben auch ncihts. Wegen dieser Diversität ist es wohl recht sinnvoll, dass die verschiedenen REgionen in den letzten 20 Jahren mehr Initiative und Möglichkeiten bekommen haben ihre Entwicklung selbst mit zu steuern. Die Region "harz" als Verbund wird da sicherlich andere Schwerpunkte setzen als das nördliche Emsland, dessen Hauptsorge es ist, dass die Meyer-Werft weiter ihre Kreuzer auf der Ems in den Dollart bekommt.


. Nur: Wie wird Landwirtschaft in 50 Jahren wohl
betrieben, wie werden die wenigen Menschen damit ver-
fahren?


Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :)
Stand heute ist in der Betriebsberatung und Lehre, dass die Mitte es schwerer haben wird. Kleine Betriebe, die Nischen besetzen, von Pferdepensionshaltung bis zur Direktvermarktung oder hofeigene Produktspezialitäten(da bietet dann das inet die Möglichkeit auch überregional tätig zu werden) wird es geben. Und eben den >500 Kuh-Betrieb mit Melkkarrussel und 10 Fremd-Ak(wobei es momentan auch unumstritten sit, dass der AK-Bedarf die Wachstumsbremse dieser Betriebe sein wird).
Die dazwischen werdens zunehmend schwerer haben.

REgionen, die wirtschaftlich von der Landwirtschaft dominiert und auch wirtschaftlich erhalten bleiben , werden die Ausnahme bleiben. Der Weser-Ems-Veredlungskomplex. Hat ausser der Urstoffproduktion auch die komplette Palette vor - und nachgelagerter Bereiche eingeclustert und bietet Arbeitsplätze vom Hiwi bis zum Professor. Mit dementsprechender WErtschöpfung und Stabilität(niedrige ARbeitslosenquote, wirtschaftliche Prosperität, Bevölkerungswachstum).
Aber das sind Ausnahmen. Vergleichbares hat hier vielleicht nur noch die WEinanbauregionen zu bieten, wo die Produktion mit Verarbeitung und Tourismus eine ähnlich miteinander verwobene Wertschöpfungskette bildet.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Teeernte » Mi 3. Feb 2016, 13:27

Welfenprinz hat geschrieben:(03 Feb 2016, 12:46)

Kann denn ja "nur" noch von den sonstigen kaufkraftquellen abhängen, .....
Aber das sind Ausnahmen. Vergleichbares hat hier vielleicht nur noch die WEinanbauregionen zu bieten, wo die Produktion mit Verarbeitung und Tourismus eine ähnlich miteinander verwobene Wertschöpfungskette bildet.


....ich habe Papiere gesehen - die ein Gesetz mit 100 Großvieheinheiten je Hof begrenzen. 1,5 ha je Großvieheinheit - max. (Umrechnung Großvieh in Hühner oder Schweine gibts ne Formel)

Eine Variante. - eine Staatlich reglementierte.

Man beachte - je weniger Personen Arbeit haben - um so mehr steigen die Kosten des Staates - um Sozialwesen und Krankenkasse aufrechtzuerhalten ....Gemeinden zu finanzieren.

Fällt die Einkommenssteuer UND die Margen (Gewinn) wird geringer - so nimmt der Staat auch weniger ein....

Die Preise zB für die (Staatlich als PFLICHT vorgegebene) UNFALLKASSE für Waldbauern ist enorm gestiegen ! GUV Forst...

Die Waldarbeit ist eine gefährliche und körperlich stark belastende Tätigkeit. Arbeitsbedingte Erkrankungen und schwere Unfälle......


...so dass bald auch der NEBENERWERB nicht mehr lohnt. Soll doch der NAturgläubige selbst das Holz als "Erlebnisgastronomie" (Selbstgebrannter und Brotzeit , dargebracht durch den Waldbauern ) aus dem Wald holen.

Steuern für das 1 PS HAfermotor - überlegen sich auch schon einige Gemeinden.... 200 Eu im Jahr - zusätzlich werden auch die Pferdestellplätze sinken lassen.

Variante 2 LAndwirtschaft als "Integration/Ausbildung/Sozialisierungspartner" - der PferdeBIO Hof mit Sozalarbeiter für ProblemJugendliche kann eine zukunftsträchtige win-win Situation für Staat und Landwirtschaft bilden. Rückreise NUR mit Sozialticket auf Chipkarte im PErsonalausweis... :D :D :D

Es gibt natürlcih auch noch viele andere Varianten - jedoch ALLE (Über die Hobbyfarm hinweg) nur über staatliche Programme realisierbar !!
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Mi 3. Feb 2016, 13:41

"Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :)"

Das war mir sehr bewußt; darum wollte ich gern hier in
der Runde nachfragen, wie denn in Ländern außerhalb
Europas Landwirtschaft betrieben wird, wenn wir einmal
ganz witterungsspezifische Anbauformen weglassen:

Argentinien, USA, Australien, Süd-Afrika, Sibirien...

Da dürfte die Entwicklungsgeschichte vom Beginn des
Ackerbaus bis heute eine geringere Rolle spielen; dort
wird vermutlich getan, wohin wir unsere Landwirtschaft
erst noch entwickeln müssen.

Meine Phantasie sah schon weit abbgelegene Agrarfabriken
und Tiermastanstalten vorher, die Personenverkehr nur mit
dem Flugzeug erträglich machen. Bei unserer Besiedlungsdichte
ist das derzeit sicher etwas weit ab von der Spur. Aber wenn
die Menschen sich nur noch in Ballungsräumen ansiedeln...
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Teeernte » Mi 3. Feb 2016, 13:50

H2O hat geschrieben:(03 Feb 2016, 13:41)

"Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :)"

Das war mir sehr bewußt; darum wollte ich gern hier in
der Runde nachfragen, wie denn in Ländern außerhalb
Europas Landwirtschaft betrieben wird, wenn wir einmal
ganz witterungsspezifische Anbauformen weglassen:

Argentinien, USA, Australien, Süd-Afrika, Sibirien....


All das ist unrelevant - da die es mit den Sozialkosten / Steuern /Abgaben, Kassenbeiträge......nicht so nehmen wie in D.

Hier gibt es PFLICHT-Beiträge (was richtig ist) - zahlen ALLE - wird für jeden einzelnen der Preis niedrig....müssen nur einige für ALLE zahlen - wie jetzt - wird es TEUER.

Variante Statt Hartz4 also FREIWILLIGE Arbeit beim Bauern - die vom Staat gestützt wird. So kann man Vätern , die Alimente nicht zahlen wollen - lieber auf der eigenen Haut liegen - auch etwas unter die Arme greifen..... gleich vom Lohn abgezogen..... Kinderhartz wird dadurch nicht mehr nötig.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Mi 3. Feb 2016, 14:15

Teeernte hat geschrieben:(03 Feb 2016, 13:50)

All das ist unrelevant - da die es mit den Sozialkosten / Steuern /Abgaben, Kassenbeiträge......nicht so nehmen wie in D.

Hier gibt es PFLICHT-Beiträge (was richtig ist) - zahlen ALLE - wird für jeden einzelnen der Preis niedrig....müssen nur einige für ALLE zahlen - wie jetzt - wird es TEUER.

Variante Statt Hartz4 also FREIWILLIGE Arbeit beim Bauern - die vom Staat gestützt wird. So kann man Vätern , die Alimente nicht zahlen wollen - lieber auf der eigenen Haut liegen - auch etwas unter die Arme greifen..... gleich vom Lohn abgezogen..... Kinderhartz wird dadurch nicht mehr nötig.


Sie gehen immer von dem aus, was derzeit gilt. Dieser erreichte
Stand wird schon durch unsere alternde Gesellschaft angeknabbert
werden. Ich bin davon überzeugt, daß sich unsere Gesellschaft
und ihr Fühlen und Sehnen an künftige Lebensbedingungen an
passen werden.
William
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon William » Do 4. Feb 2016, 18:15

H2O hat geschrieben:(03 Feb 2016, 13:41)

"Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. :)"

Das war mir sehr bewußt; darum wollte ich gern hier in
der Runde nachfragen, wie denn in Ländern außerhalb
Europas Landwirtschaft betrieben wird, wenn wir einmal
ganz witterungsspezifische Anbauformen weglassen:

Argentinien, USA, Australien, Süd-Afrika, Sibirien...

Da dürfte die Entwicklungsgeschichte vom Beginn des
Ackerbaus bis heute eine geringere Rolle spielen; dort
wird vermutlich getan, wohin wir unsere Landwirtschaft
erst noch entwickeln müssen.

Meine Phantasie sah schon weit abbgelegene Agrarfabriken
und Tiermastanstalten vorher, die Personenverkehr nur mit
dem Flugzeug erträglich machen. Bei unserer Besiedlungsdichte
ist das derzeit sicher etwas weit ab von der Spur. Aber wenn
die Menschen sich nur noch in Ballungsräumen ansiedeln...


Deutschland ist wahnsinnig zersiedelt, daran wird sich die nächsten 100 Jahre nicht viel ändern obwohl immer mehr Leute in die Städte abwandern.
Deutschland ist zudem nicht flach, das macht z.B. die Gründung von Kolchosen o.ä. nahezu unmöglich, zumindest flächendeckend, deswegen bleiben Ländereien und Gehöfte durchschnittlicher Größe vorrangig in Privatbesitz auch wenn die Familien selbst mit der Landwirtschaft nichts mehr am Hut haben.
Mit Waldflächen sieht es ähnlich aus. Viele Grundstücke befinden sich in Privatbesitz, bleiben es meist auch nach dem Verkauf. Sie werden im Regelfall an ortsansässige Bekannte verschachert, seltenst öffentlich angeboten. Brennholz ist so teuer wie nie, die Arbeit im eigenen Wald lohnt sich (wieder), der Besitz sowieso. Ein ordentlich aufgestelltes, krisensicheres Portfolio umfasst min. 0,25 ha Wald. Unter 0,26 ha werden übrigens keine BG-Gebühren fällig. ;) Um eine durchschnittliche Hütte mit 200 qm Wohnfläche zu heizen, braucht es jedoch min. 2 ha (bei nachhaltiger Bewirtschaftung).

Ich bin mir gar nicht sicher ob es sinnvoll ist, sich Gedanken darüber zu machen was die Masse an Leuten die nächsten Jahrzehnte macht.
Ob sie in die Stadt zieht oder eher wieder raus aufs Land, sollte die eigene Entscheidung nicht primär beeinflussen.
Es sei denn man besitzt Grundstücke mit denen man auf Gewinn spekulieren möchte....
Ich bin der Überzeugung ländliche Gebiete werden in 50...10 Jahren zwar deutlich weniger besiedelt sein, die "Überzeugungstäter" jedoch min. genauso viel Landmasse für sich beanspruchen wie bisher. Den Rest verleiben sich immer größer werdende Landwirtschaften ein.
Für grundlegende Veränderungen fehlt der Platz bzw. die Geographie lässt diese nicht zu.
Der Gesetzgeber wird höchstens versuchen die Fleischerzeugung zu beeinflussen, insbesondere was Haltung, Fütterung, ärztliche Versorgung und Verwertung der Tiere betrifft. Düngung der Felder und Gefährdung des Grundwassers sind ebenfalls ein Problem. Auch hier muss sich etwas tun.
Persönlich würde ich es gern sehen, wenn der Preis für Lebensmittel erheblich steigen würde, damit die Landwirtschaft vom Subventions-Tropf befreit werden kann. Das wird jedoch zu Lebzeiten ein Wunschtraum bleiben.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » So 16. Jun 2019, 14:34

Immer mehr Dörfer im Osten bluten aus – und „es wird Dörfer geben, die sterben“, sagen namhafte Ökonomen. Sie fordern jetzt, Subventionen für diese Regionen einzustellen. Stattdessen würden sie Betroffenen den Umzug in die Stadt finanzieren. [...]

Auch IWH-Präsident Gropp sieht das sehr nüchtern: „Es ist eine sehr deutsche Eigenschaft zu glauben, man müsse dafür sorgen, dass überall im Land Menschen leben.“ Es sei allerdings nicht Aufgabe des Staates, für möglichst einheitliche Lebensbedingungen im ganzen Land zu sorgen.

Doch genau das hat sich die Bundesregierung im Sommer 2018 vorgenommen und beschlossen, die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ einzusetzen. Sie soll Vorschläge erarbeiten, was künftig getan werden muss, um Ressourcen und Chancen für alle in Deutschland lebenden Menschen gerecht verteilen zu können.

„Im Grundgesetz steht nicht, dass überall gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen sind“, sagt dagegen Gropp. „Wenn man Lebensbedingungen verbessern will, dann sollte man das in den Städten tun, also dort, wo viele Menschen leben. Nicht auf dem Land, wo das Geld nur wenigen hilft“, forderte der Volkswirt. Die Steuerung von Bevölkerungsströmen durch Subventionen grenze „an Planwirtschaft“.

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... ndern.html

Nicht gerade populistisch, aber in der Sache sicherlich wichtig und richtig.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Tom Bombadil » So 16. Jun 2019, 14:49

"Es sei allerdings nicht Aufgabe des Staates, für möglichst einheitliche Lebensbedingungen im ganzen Land zu sorgen."

Das sehe ich aber ein bisschen anders, imho ist es mit Art. 3 Abs. 3 nicht vereinbar, dass der Staat ländliche Gebiete verkommen ließe und damit Menschen zwingen würde, ihre Heimat aufzugeben. Auch Art. 11 steht dem mMn. entgegen, der Staat darf imho eine bestehende "ausreichende Lebensgrundlage" nicht verschlechtern.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Sören74 » So 16. Jun 2019, 15:06

frems hat geschrieben:(16 Jun 2019, 14:34)

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... ndern.html

Nicht gerade populistisch, aber in der Sache sicherlich wichtig und richtig.


Es ist allerdings auch ein Unglaube zu meinen, alle Menschen müssten in der Stadt wohnen.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Quatschki » So 16. Jun 2019, 15:25

frems hat geschrieben:(16 Jun 2019, 14:34)

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... ndern.html

Nicht gerade populistisch, aber in der Sache sicherlich wichtig und richtig.

Wir sind nicht irgendwo in Lappland, auch wenn manche dieser Artikel so ein bißchen den Eindruck erwecken.

Wie machen die das dort eigentlich, in Lappland, oder auf den Lofoten,
wenn da eine Siedlung mit 50 Einwohnern im Nirgendwo ist. Haben die keinen Anspruch auf Strom, Internet, sauberes Wasser, Post?
Wird da für die Kinder keine Schulpflicht organisiert?
Kriegen die das Klo gesperrt, weil ihre lokale Kläranlage nicht der neuen Norm entspricht und eine Pipeline zum nächsten Klärwerk gefordert wird, deren Kosten auf die Gebühren der Anlieger umzulegen sind?
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Woppadaq » Mo 17. Jun 2019, 18:08

Quatschki hat geschrieben:(16 Jun 2019, 15:25)

Wir sind nicht irgendwo in Lappland, auch wenn manche dieser Artikel so ein bißchen den Eindruck erwecken.

Wie machen die das dort eigentlich, in Lappland, oder auf den Lofoten,
wenn da eine Siedlung mit 50 Einwohnern im Nirgendwo ist. Haben die keinen Anspruch auf Strom, Internet, sauberes Wasser, Post?
Wird da für die Kinder keine Schulpflicht organisiert?


In Norwegen ist alles ein bisschen anders. Strom ist da fast umsonst, Sicherheitsaspekte sieht man dort sehr locker (z.B. sind Eisenbahntunnel meist nicht ausgeleuchtet, selbst wenn sie kilometerlang sind)

zu letzterem:

"Anders wie in Deutschland und anders wie im Internet auf vielen Seiten geschrieben wird, hat Norwegen keine Schulpflicht, sondern eine Bildungspflicht, sprich es kann auch zu Hause unterrichtet werden.Das steht im Ausbildungsgesetz.(Opplæringsloven § 2-1 og § 2-13).

Aber nur ganz,ganz wenig Eltern wählen die Möglichkeit des Homeschoolings. Die Zahlen liegen bei 120, die Dunkelziffer soll bei etwa 300 Kinder liegen.

Kinder haben allerdings das Recht und die Pflicht zu 10 Jahren Bildung, ob die nun in privaten Schulen , öffentlichen Schulen oder zu Hause erfolgt ist den Eltern überlassen. Wobei der grösste Teil der Kinder in öffentliche Schulen geht."


(https://www.mitkindimrucksack.de/das-no ... hulsystem/)
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Gruwe » Mi 3. Jul 2019, 08:34

Woppadaq hat geschrieben:(17 Jun 2019, 18:08)

In Norwegen ist alles ein bisschen anders. Strom ist da fast umsonst, Sicherheitsaspekte sieht man dort sehr locker (z.B. sind Eisenbahntunnel meist nicht ausgeleuchtet, selbst wenn sie kilometerlang sind)


Auch in Deutschland sind Eisenbahntunnel nicht "ausgeleuchtet", sondern es existiert lediglich bei Eisenbahntunneln ab 500m bzw. 1km Länge eine Sicherheitsbeleuchtung, die im Notfall eingeschaltet wird.

Ansonsten hat Norwegen natürlich viele Vorteile bzgl. günstigen Erneuerbaren Energien, aber es gibt auch das hier: https://businessportal-norwegen.com/201 ... utschland/
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon imp » Do 18. Jul 2019, 22:17

Strom und in vielen Fällen Trinkwasser für überschaubare Verbraucher sind machbar. Beim Abwasser macht die geringe Einwohnerzahl ebenso das Problem klein. Kommunikation wird immer etwas hinterher sein, aber nicht grundsätzlich unmöglich. Schaut nach Österreich usw.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Misterfritz » Do 18. Jul 2019, 22:30

imp hat geschrieben:(18 Jul 2019, 22:17) Kommunikation wird immer etwas hinterher sein, aber nicht grundsätzlich unmöglich. Schaut nach Österreich usw.
Ein gut funktionierendes Funknetz würde reichen, dafür müssen keine Kabel an jedes Haus verlegt werden - zumindest für den Privatnutzer.

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