HartzIV - Sammelstrang

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Tick|Trick|und Track

Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Tick|Trick|und Track » Do 24. Jan 2019, 05:17

Senexx hat geschrieben:(24 Jan 2019, 05:14)

Das Thema hier ist nicht die AfD.


Ich stelle fest: Die AfD hat keine sozialpolitischen Vorstellungen, auch nicht über Hartz IV. Richtig?
Echt
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Echt » Do 24. Jan 2019, 05:59

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 05:17)

Ich stelle fest: Die AfD hat keine sozialpolitischen Vorstellungen, auch nicht über Hartz IV. Richtig?


Die Hartz4 Reformen waren notwendig. Kein ernstzunehmender Ökonom kritisiert Hartz4. Ohne Schröder und seine Reformen würde es Deutschland wesentlich schlechter gehen. Schröder war seiner Zeit voraus. Und das auch noch in der SPD. Hut ab vor so viel Weitsicht. Ein gewisser Teil der deutschen Arbeitnehmer und der Arbeitslosen hat die SPD dafür abgestraft. Zum Glück wie man heute sehen kann. Das aktuelle SPD Personal geht ja auf keine Kuhhaut Die geballte Inkompetenz. Bei der AfD wirst du fast niemanden finden, der Harzt4 kritisiert. Vielleicht jemand wie Höcke, der sein Wählerklientel bei Laune halten muss. Hat der nicht höhere Sozialleistungen nur für Deutsche gefordert? Wer darauf rein fällt, der ist auch selber schuld.

Grundsätzlich steht die AfD nicht für Sozialgeschenke. Und das ist auch gut so.
Wähler
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Wähler » Do 24. Jan 2019, 06:10

Wähler hat geschrieben:(23 Jan 2019, 15:44)
SZ 23. Januar 2019 Bei einem Kongress in Berlin diskutieren Politiker und Wissenschaftler darüber, was Hartz IV gebracht hat und welche Reformen nötig sind
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4297971
"Inzwischen fordern immer mehr Politiker "eine große Reform von Hartz IV" - so auch Thomas Kutschaty, Chef der SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen: "Hartz IV schürt Ängste, das darf kein Instrument der Arbeitsmarktpolitik sein." Kutschaty verlangt, die Sanktionen für Leistungsempfänger zu verringern und länger Arbeitslosengeld zu zahlen, wenn jemand lange im Beruf ist. Er will aber auch eine breitere Sozialreform: mit allgemeinverbindlichen Tarifverträgen und zwölf Euro Mindestlohn."
Es sollte Prämien für Teilnahme an Weiterbildungen geben, aber weiterhin die Mitwirkungspflicht bei der Wahrnehmung von Terminen.

Senexx hat geschrieben:(23 Jan 2019, 19:46)
Bei den Hartz-Reformen ging es ja immer schon nicht darum, eine "aktivierende Sozialpolitik" zu betreiben, sondern um Lohndrückerei.

Schwarz-Weiß-Malerei führt hier nicht weiter. Die zitierte Studie zeigt ja, dass eine stärkere Aktivierung während einer verlängerten Arbeitslosen-I-Phase vergangene Erfolge beibehalten und sogar erhöhen könnte. Bei Hartz-IV bringt vielleicht mehr und besser bezahlte gemeinnützige Arbeit die nötige Motivierung. Betroffene nur abzuwerten und kleinteilig zu sanktionieren, zeugt nicht von Erfolg versprechender sozialer Kompetenz.
Eine Abschaffung von Leiharbeit könnte die bestehende Lohndrückerei stark eindämmen.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Tick|Trick|und Track » Do 24. Jan 2019, 07:05

Echt hat geschrieben:(24 Jan 2019, 05:59)

Die Hartz4 Reformen waren notwendig. Kein ernstzunehmender Ökonom kritisiert Hartz4. Ohne Schröder und seine Reformen würde es Deutschland wesentlich schlechter gehen.


Andere Ökonomen, die Du selbstverständlich nicht ernst nimmst, sehen das anders. Die sehen den Abbau der Arbeitslosigkeit nicht in der Agenda 2010 begründet, sondern u. a. im Euro, der eine günstige Währung ist für den deutschen Export. Der Euro ist günstig, weil die stark verschuldeten Länder Südeuropas den Wert des Euros drücken. Hätten wir wieder die DM in Deutschland, würde unser Export zusammenbrechen, und wir hätten wieder viele Arbeitslose.

Echt hat geschrieben:Schröder war seiner Zeit voraus ... Hut ab vor so viel Weitsicht.


Nein, er ist der neoliberalen Doktrin aufgesessen. Und die ist Müll.

Echt hat geschrieben:Grundsätzlich steht die AfD nicht für Sozialgeschenke. Und das ist auch gut so.


"Sozialgeschenke", wenn ich das Wort schon höre. Damit eng verbunden ist das Wort "Asylmissbrauch" - was für ein hanebüchener Quatsch.
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Senexx » Do 24. Jan 2019, 07:17

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 07:05)
Nein, er ist der neoliberalen Doktrin aufgesessen. Und die ist Müll.

Schröder ist keiner Doktrin aufgesessen. Er ist zielorientierter Aufsteiger und er heult mit den Hunden und den Bossen. Von dort bezieht er sein Prestige, seine Nebeneinkommen und Privilegien.

Auch seine Energiepolitik, den Ausstieg aus der Kernenergie, ist nicht seiner nicht vorhandenen ökologischen Orientierung geschuldet, sondern entspringt allein dem Ziel, Deutschland weiter vom Russengas abhängig zu machen. Putin hat die versprochene Belohnung dann ja auch eingelöst.
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jorikke
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon jorikke » Do 24. Jan 2019, 07:54

pittbull hat geschrieben:(22 Nov 2012, 10:32)

Das sind zwei verschiedene Dinge.

Sanktionierung von Hartzern und 1€-Jobs sind Verstöße gegen die Menschenwürde. Es ist eine moderne Form der Sklaverei, denn in der Regel ist der Bedürftige den Ämtern vollkommen ausgeliefert. Er kann nicht einfach sagen: "Jungs, hier gefällt's mir nicht. Ich kündige und suche mir etwas anderes".


Es ist ein Dilemma.
Die Mitarbeiter der Ämter verteilen das Geld der arbeitenden Bürger und sind verpflichtet es sorgfältig zu verwalten.
Sanktionen werden aber als unwürdig empfunden.
Deshalb:
Unterstützungen einstellen.
Menschenwürdiges verhungern ist die Lösung.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Echt » Do 24. Jan 2019, 08:00

pittbull hat geschrieben:(22 Nov 2012, 10:32)

Das sind zwei verschiedene Dinge.

Sanktionierung von Hartzern und 1€-Jobs sind Verstöße gegen die Menschenwürde. Es ist eine moderne Form der Sklaverei, denn in der Regel ist der Bedürftige den Ämtern vollkommen ausgeliefert. Er kann nicht einfach sagen: "Jungs, hier gefällt's mir nicht. Ich kündige und suche mir etwas anderes".


Wenn es ein Verstoß gegen die Menschenwürde wäre, dann hätte ein Gericht schon längst in diese Richtung entschieden.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Tick|Trick|und Track » Do 24. Jan 2019, 08:32

Echt hat geschrieben:(24 Jan 2019, 08:00)

Wenn es ein Verstoß gegen die Menschenwürde wäre, dann hätte ein Gericht schon längst in diese Richtung entschieden.


Diese Entscheidung wird doch zur Zeit durch das BVerG erarbeitet und dann ausgesprochen.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Echt » Do 24. Jan 2019, 08:42

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 08:32)

Diese Entscheidung wird doch zur Zeit durch das BVerG erarbeitet und dann ausgesprochen.


Das wollen wir erst mal sehen. Ich bezweifle, dass das Bundesverfassungsgericht Faulheit unterstützt.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Tick|Trick|und Track » Do 24. Jan 2019, 09:10

Echt hat geschrieben:(24 Jan 2019, 08:42)

Das wollen wir erst mal sehen. Ich bezweifle, dass das Bundesverfassungsgericht Faulheit unterstützt.


Ich habe nichts über vermeintliche Faulheit geschrieben, sondern darüber, dass das BVerfG in puncto Zulässigkeit von Sanktionen im SGB II eine Entscheidung fällen wird.

Und dann werden mir mal sehen, was dabei rumkommt. Die Entscheidung dieses Gerichts steht schon seit geschätzten 2 Jahren aus. So lange ist das Verfahren bei diesem Gericht anhängig. Und ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass dieses Gericht in Bezug auf einen Teilaspekt der Sanktionen den Leistungsbeziehern entgegenkommt.
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Alpha Centauri » Do 24. Jan 2019, 09:34

[quote="Tick|Trick|und Track"][url=https://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=4383715#p4383715] (24 Jan 2019, 07:05)[/url]

Andere Ökonomen, die Du selbstverständlich nicht ernst nimmst, sehen das anders. Die sehen den Abbau der Arbeitslosigkeit nicht in der Agenda 2010 begründet, sondern u. a. im Euro, der eine günstige Währung ist für den deutschen Export. Der Euro ist günstig, weil die stark verschuldeten Länder Südeuropas den Wert des Euros drücken. Hätten wir wieder die DM in Deutschland, würde unser Export zusammenbrechen
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"Sozialgeschenke", wenn ich das Wort schon höre. Damit eng verbunden ist das Wort "Asylmissbrauch" - was für ein hanebüchener Quatsch.[/quote]

Richtig je nachem wenn man fragt bekomnt man zum Thema Hartz und wirtschaftliche Entwicklung völlig andere Antworten , mich würde auch mal interessieren was Echt denn unter "ernst zu nehmend" genau definiert? Marcel Fratschke z.b. ist der Ansicht dass der Einfluss der Arbeitsmarkt - und Sozialsystem Reform Hartz4 auf die weiter ökonomische Entwicklung seit 2005 gänzlich überschätzt wurde und wird
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Teeernte
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Teeernte » Do 24. Jan 2019, 09:51

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 09:10)

Ich habe nichts über vermeintliche Faulheit geschrieben, sondern darüber, dass das BVerfG in puncto Zulässigkeit von Sanktionen im SGB II eine Entscheidung fällen wird.

Und dann werden mir mal sehen, was dabei rumkommt. Die Entscheidung dieses Gerichts steht schon seit geschätzten 2 Jahren aus. So lange ist das Verfahren bei diesem Gericht anhängig. Und ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass dieses Gericht in Bezug auf einen Teilaspekt der Sanktionen den Leistungsbeziehern entgegenkommt.


Dass man unter Hartz4 nichts streichen kann - ....kann man sich vorstellen - das wird durchkommen....

Der "Querulant" bekommt dann langfristig eben Hartz4gleichgestellt. ....man könnte umstellen auf BAR-Auszahlung des TAGESBEDARFS, täglich 06:45 Uhr im Amt. :D
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 24. Jan 2019, 09:56

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 07:05)

Andere Ökonomen, die Du selbstverständlich nicht ernst nimmst, sehen das anders. Die sehen den Abbau der Arbeitslosigkeit nicht in der Agenda 2010 begründet, sondern u. a. im Euro, der eine günstige Währung ist für den deutschen Export. Der Euro ist günstig, weil die stark verschuldeten Länder Südeuropas den Wert des Euros drücken. Hätten wir wieder die DM in Deutschland, würde unser Export zusammenbrechen, und wir hätten wieder viele Arbeitslose.



Das bezweifle ich, dass es ernsthafte Ökonomen gibt, die das in der Konsequenz so sehen. Gerade die Aussage über den Euro lässt sich in keinster Weise so nachvollziehen. Denn erstens wurde der Euro bereits im Jahr 1999 eingeführt, also deutlich bevor die Agenda 2010 in Kraft trat. Die Arbeitslosenquote hat sich in den Folgejahren aber nicht signifikant verändert. Im Gegenteil. Sie stieg sogar noch leicht bis zur vollständigen Umsetzung der Agenda 2010. Erst mit deren kompletter Umsetzung (die ja mehr umfaßt als nur eine Reform des Arbeitslosengeldes) zeigt sich ein signifikanter Rückgang in der Arbeitslosenquote.
Auch sehe ich nicht, dass der Euro im Vergleich zur DM eine "schwache" Währung ist. Und zwar weder wenn man sich das Innenverhältnis (Inflation) noch das Außenverhältnis (Wechselkurs) ansieht. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Die Inflationsrate ist niedriger als zu DM-Zeiten und auch der Wechselkurs zum USD schwankt geringer als das bei der DM der Fall war. Und das Problem der Südländer ist ja gerade, dass es sich beim EURO eben um eine starke Währung handelt. Gerade hier haben die überbordenden Staatsausgaben zu einer "inneren Aufwertung" des EURO geführt, zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder.
Die Agenda 2010 hat mit ihren kompletten Maßnahmen ab etwa 2003 ja zu einer deutlichen Lohnzurückhaltung in Deutschland geführt. Dies war als Gegenreaktion auf die Lohnsteigerungen in den 90ern notwendig geworden nachdem dadurch die Wettbewerbsfähigkeit deutlich gelitten hat und die Arbeitslosigkeit anstieg. Hier kann man die Ursache durchaus in der Wiedervereinigung sehen. Die Angleichung der Löhne im Osten der Republik als politische Forderung erfolgte hier ja völlig losgelöst von der tatsächlichen Produktivität, die ja weit hinter der alten BRD zurückblieb.
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Tom Bombadil » Do 24. Jan 2019, 12:09

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jan 2019, 09:56)

Dies war als Gegenreaktion auf die Lohnsteigerungen in den 90ern notwendig geworden...

Wie erklärst du dir dann das: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 70474.html ?

Hier sieht man auch sehr schön, dass der Reallohn ab 2003 gesunken ist: http://www.bpb.de/cache/images/7/220807 ... .jpg?ACCE5 Ob es da eine Korrelation zu Hartz4 gibt?
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 24. Jan 2019, 12:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Jan 2019, 12:09)

Wie erklärst du dir dann das: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 70474.html ?


Das sollte sich eigentlich aus meinen Ausführungen ergeben. Meines Erachtens wird der unterschiedlichen Lohnentwicklung in Ost und West zu wenig Beachtung geschenkt. In der ehemaligen DDR haben sich die Löhne deutlich besser entwickelt als die Produktivität eben aufgrund der politischen Forderungen. Die geforderte Angleichung der Löhne hat durch die Agenda 2010 aber auch dadurch stattgefunden, dass die Lohnentwicklung im Westen der Republik rückläufig war.

Das Problem mag hier sein, dass man aus Bundessicht letztendlich nur auf die Gesamtsicht schaut. Und da muss man halt auch ernüchternd feststellen, dass in den Jahren von 1991 bis 2010 über alles gesehen die Lohnstückkosten gestiegen sind. Die Löhne also stärker gestiegen sind als die Produktivität (der Artikel des statistischen Bundesamtes dazu findet sich leider nur noch im Google Cache https://webcache.googleusercontent.com/ ... ient=opera)
Letztendlich haben wir im betrachtenden Zeitraum ja nur bei einem Teil einen Lohnrückgang, aber eben nicht bei allen.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Alpha Centauri » Do 24. Jan 2019, 12:34

Tick|Trick|und Track hat geschrieben:(24 Jan 2019, 08:32)

Diese Entscheidung wird doch zur Zeit durch das BVerG erarbeitet und dann ausgesprochen.


Richtig Karlsruhe prüft ob die derzeitige Sanktionspraxis bei Hartz4 überhaupt mit den Grundgesetz vereinbar ist ( zuvor hat es schon ein Sozialgericht in Gotha verneint begründet " Ein Existenzminimum bzw.eine Grundsicherung kann man nicht noch kürzen oder ganz streichen , = Verfassungswidrig) zumal verstößt die schnellere und härtere Sanktionierung von unter 25 Jährigen im Vergleich zu anderen Altersgruppen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz der Verfassung. Die Verfassungsrichter haben bereits auch schon Kritik an der gängigen Sanktionspraxis anklingen lassen,Urteil wird im Mai erwartet.
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Re: Ein höherer H4 Satz...was würde das bringen?

Beitragvon Max Wein » Do 24. Jan 2019, 12:39

Alpha Centauri hat geschrieben:(24 Jan 2019, 12:34)

Richtig Karlsruhe prüft ob die derzeitige Sanktionspraxis bei Hartz4 überhaupt mit den Grundgesetz vereinbar ist ( zuvor hat es schon ein Sozialgericht in Gotha verneint begründet " Ein Existenzminimum bzw.eine Grundsicherung kann man nicht noch kürzen oder ganz streichen , = Verfassungswidrig) zumal verstößt die schnellere und härtere Sanktionierung von unter 25 Jährigen im Vergleich zu anderen Altersgruppen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz der Verfassung. Die Verfassungsrichter haben bereits auch schon Kritik an der gängigen Sanktionspraxis anklingen lassen,Urteil wird im Mai erwartet.


Mindestens wenn keine sanktionen durchgeführt werden darf, wird harz4 abgeschafft, das wird keiner mitmachen.
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Tom Bombadil » Do 24. Jan 2019, 12:44

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jan 2019, 12:26)

Die Löhne also stärker gestiegen sind als die Produktivität...

Von diesen Lohnsteigerungen ist aber nur wenig in den Portemonnaies der Arbeitnehmer angekommen, wie du dieser Grafik entnehmen kannst: http://www.bpb.de/cache/images/7/220807 ... .jpg?ACCE5 Dort siehst du auch, dass es ab 2003 abwärts ging mit dem Reallohn. Interessant auch im europäischen Vergleich: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... hn.pdf.jpg und zum Vergleich noch die Entwicklung der Unternehmensgewinne (allerdings in absoluten Zahlen): https://gfx.sueddeutsche.de/apps/e55439 ... 880q70.jpg
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 24. Jan 2019, 12:57

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Jan 2019, 12:44)

Von diesen Lohnsteigerungen ist aber nur wenig in den Portemonnaies der Arbeitnehmer angekommen, wie du dieser Grafik entnehmen kannst: http://www.bpb.de/cache/images/7/220807 ... .jpg?ACCE5 Dort siehst du auch, dass es ab 2003 abwärts ging mit dem Reallohn.


Liest du meine Beiträge eigentlich und versuchst sie zu verstehen? Nichts anderes hatte ich vorher geschrieben und auch die Zusammenhänge erklärt. Seit 2010 geht es übrigens wieder deutlich aufwärts. Wir reden also über 7 Jahre. Die Gründe dafür hatte ich vorher schon genannt.


und zum Vergleich noch die Entwicklung der Unternehmensgewinne (allerdings in absoluten Zahlen): https://gfx.sueddeutsche.de/apps/e55439 ... 880q70.jpg


Auch sind die nicht inflationsbereinigt und letztendlich ist es auch die falsche Bezugsgröße für den Vergleich. Den die Lohnentwicklung ist immer eine relative Größe, also Euro pro Stunde. Daher müsste man sich bei den Unternehmensgewinnen korrekterweise auch die Rendite ansehen und eben nicht den absoluten Gewinn. Und da wird man in der langfristig gesehen schon eine andere Tendenz feststellen. Zudem schwanken die Gewinne eines Unternehmens stärker als die Einkommen der Arbeitnehmer. Schließlich müssen Löhne auch dann bezahlt werden, wenn ein Unternehmen (aus welchen Gründen auch immer) Verluste macht.
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Re: HartzIV - Sammelstrang

Beitragvon Tom Bombadil » Do 24. Jan 2019, 13:15

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Jan 2019, 12:57)

Liest du meine Beiträge eigentlich...

Ich bringe das lediglich klar zum Ausdruck.

Auch sind die nicht inflationsbereinigt und letztendlich ist es auch die falsche Bezugsgröße für den Vergleich.

Nein, eine falsche Bezugsgröße ist das nicht, schließlich sind auch die Arbeitnehmer entscheidend mit daran beteiligt, dass Gewinn erwirtschaftet wird und es gibt ja auch Unternehmen, die sich diesem Umstand bewusst sind und ihre Arbeitnehmer durchaus großzügig am Gewinn beteiligen, zB. Daimler.

Wir schweifen aber ab, mit H4 hat das ja nur noch insoweit zu tun, als dass die menschliche Arbeit via Zeitarbeit und die sog. Werkverträge billiger wurde, was dann letztendlich auch den Gewinnen zu Gute kam, ab 2003 ging es ja nochmal steil bergauf mit den Gewinnen, bis zur Bankenkrise 2007.
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