Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon imp » So 7. Apr 2019, 22:42

Skeptiker hat geschrieben:(07 Apr 2019, 22:36)

Im politischen Forum ist es natürlich auch eine Sondersituation, weil sich hier die Wertschätzung für den Menschen hintere dem abstrakten User typischerweise zu 100% an dessen Meinungsäußerung orientiert.
Gerade wenn ich aber an das reale Leben denke, sind es dann die Menschen mit der besten Meinung, die ich am meisten wertschätze?

Ich denke dass das nicht unbedingt miteinander korreliert. Woran könnte das liegen?

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Skeptiker
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Skeptiker » So 7. Apr 2019, 23:49

Fliege hat geschrieben:(07 Apr 2019, 18:55)
In einer freiheitlich-demokratisch organisierten Gesellschaft sind Meinung und Wahrheit derart entkoppelt, dass Meinungen vertreten werden dürfen, die nicht wahr sind. Dies drückt sich darin aus, dass einer Regierung eine Opposition gegenüber steht, die abzulehnen berechtigt ist, was die Regierung vorschlägt (und umgekehrt). Da zwei sich widersprechende Auffassungen nicht zugleich wahr sein können, kann nur höchstens eine Seite, wenn überhaupt, die Wahrheit kennen. In der Opposition zu sein, ist allerdings in einer freiheitlich-demokratisch organisierten Gesellschaft kein Indiz dafür, ein schlechter Mensch zu sein.

Ideologen sind allerdings nicht freiheitlich-demokratisch gesinnt, so dass es Ideologen auch nicht schwer fällt, Opposition verbieten zu wollen oder gar zu verbieten, sobald sie an der Regierung sind.

Für die Threadfragestellung bedeutet das meines Erachtens: Ob man nun Meinung und Person trennt oder nicht, in einer freiheitlich-demokratisch organisierten Gesellschaft ist Widerspruch unabhängig von der Wahrheitsfrage zulässig und auszuhalten.

Man kann es auch so sagen: Personen haben Meinungen, doch Meinungen sind keine Personen; Meinungen sind wahr oder falsch – nicht Personen; Personen können sich irren.

Die Herleitung mit der Politik verstehe ich nicht ganz. Offensichtlich sind Meinungen subjektiv, wie andere es schon geschrieben haben. Die Dinge die im Parlament von Gruppierungen von Menschen vertreten werden müssen noch nicht einmal deren Meinungen entsprechen - sie sind oft schlicht politischer Advokat für diese Position, wie sehr sie sich auch immer damit identifizieren. Gerade bei Politiker wäre ich also sehr vorsichtig von der Meinung auf den Menschen zu schließen.

Bei der Schußfolgerung bis Du sehr radikal und trennst die Meinung vollständig vom Menschen. Dabei betonst Du aber die Wahrheit der Meinung als Gradmesser für die Güte seiner Meinung. Auch da könnte man sicherlich lange drüber diskutieren.

Wenn der Mensch und seine Meinung 100% voneinander zu trennen sind, müssten wir dann nicht alle Menschen gleich wertschätzen?

Ich sage nein! Ich denke, dass wir Menschen aufgrund dessen wertschätzen, wie wir ihr Handeln einschätzen.
Ich kann mit einem Kommunisten und Anhänger Pol Pots locker ein Bier trinken und gemütlich über die politische Lage reden, wenn ich davon ausgehen kann, dass er selber niemand ist der Menschen aufgrund ihrer Brille erschlagen wird. Ich habe aber ein riesiges Problem mit Menschen ein Bier zu trinken, der sich in jedem Verein und in der Gesellschaft ehrenamtlich engagiert, der sozial eingestellt ist und gegen den Hunger in der Welt kämpft, von dem ich aber weiss, dass er seine Kinder zuhause misshandelt weil sie nicht seinen Vorstellungen entsprechen.

Meinungen sind keine Taten. Nur dann wenn ich davon ausgehe dass Handlungen aus ihnen hervorgehen die mein Gefühl von Moral verletzen, werden sie relevant.

Zudem habe ich eine recht klare Auffassung davon wie Meinungen entstehen und wieviel Verantwortung jeder einzelne für seine eigene Meinung hat. Diesen Einfluss halte ich für sehr gering (was übrigens nicht bedeutet, dass derjenige keine Verantwortung für sein Denken und Handeln übernehmen muss). Wenn man aber sehr wenig von dem beeinflussen kann, was seine eigene Meinung bestimmt, wie kann ich dann über den Menschen wertend urteilen? Ich kann seine Taten verdammen, aber aus dem Blickwinkel heraus ist es kaum noch möglich einen Menschen zu verachten - schon garnicht seiner Meinung wegen.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Nudelholz » Mo 8. Apr 2019, 01:13

McKnee hat geschrieben:(07 Apr 2019, 19:30)

Meinung ist subjektiv

Wer bestimmt richtig oder falsch?

Ich mag Naturgesetze, da gibt es nicht viel dran zu rütteln. Wenn einer behauptet, die Erde ist eine Scheibe, ist das falsch. Und es gibt Leute, die das meinen.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon McKnee » Mo 8. Apr 2019, 07:16

imp hat geschrieben:(07 Apr 2019, 20:09)

Kann ich auch - nur ist die trotzdem falsch.


ander Meinung gelten zu lassen?
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat oder ein Fake ist, er könnte es gesagt und wird es gedacht haben...das reicht :D
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon McKnee » Mo 8. Apr 2019, 07:17

Nudelholz hat geschrieben:(08 Apr 2019, 01:13)

Ich mag Naturgesetze, da gibt es nicht viel dran zu rütteln. Wenn einer behauptet, die Erde ist eine Scheibe, ist das falsch. Und es gibt Leute, die das meinen.


Dann beachte das Naturgesetz des Lesens.
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat oder ein Fake ist, er könnte es gesagt und wird es gedacht haben...das reicht :D
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon imp » Mo 8. Apr 2019, 07:26

McKnee hat geschrieben:(08 Apr 2019, 07:16)

ander Meinung gelten zu lassen?

Sag mal bitte, was du mit "gelten lassen" anderes meinst als "stehen lassen" im Dissens. Denn dass man die eigene Überzeugung aufgibt, bloß weil es eine andere auch gibt, kann hier nicht gemeint sein.
Ein Mensch mit einer "wertlosen" (?) Meinung ist ja immer noch ein Mensch, der vielleicht gut im Handball ist oder in der Kneipe viel Spaß macht. Aber deshalb muss man so eine falsche Meinung nicht zum Thema machen oder gar für sich übernehmen.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Brise » Mo 8. Apr 2019, 08:48

Skeptiker hat geschrieben:Meinungen sind keine Taten. Nur dann wenn ich davon ausgehe dass Handlungen aus ihnen hervorgehen die mein Gefühl von Moral verletzen, werden sie relevant.

Meinungen/Einstellungen gehen Taten aber voraus (notwendige Bedingung). (Ob sie geäußert werden, ist eine andere Sache.)
Es kann in einer anderen Person natürlich unterschiedliche (nach deiner jeweiligen Moral wertvoll/-los gewertete) Meinungen geben, die in unterschiedlichen Lebensbereichen dann auch zu unterschiedlichen Taten führen. Dann wäre der Mensch also in Teilen als wertvoll, in anderen als wertlos zu betrachten? Und je nachdem, wieviel da jeweils zusammenkommt …?

Außerdem: eine Meinung selbst kann auch ganz konkret zur Tat werden, wenn sie nur in Worte gegossen wird, die das Ziel haben, beispielsweise andere zu verletzen, zu manipulieren, zu belügen usw. Manchmal braucht es da nicht viel mehr an Taten.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Paulus » Mo 8. Apr 2019, 09:46

Es kommt auf die Meinung an. Ein Anhänger der NPD zu sein, ist eine andere Hausnummer als ein Anhänger der Linken zu sein. Manche Meinungen ermöglichen eben noch einen Diskuss, manche jedoch schießen sich mit ihren Ansichten selbst ins Abseits. Eine Meinung beeinflusst aber immer auch das Bild, welches man von einer Person hat. Es ist kaum möglich beides voneinander zu trennen. Die meisten haben aber solche durchnittlichen Weltanschauungen, dass man diese nicht aufgrund dessen ablehnt , sondern vielmehr aufgrund ihres Verhaltens bzw. ihrer Ausstrahlung.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Wolverine » Mo 8. Apr 2019, 10:03

Fliege hat geschrieben:(07 Apr 2019, 19:55)

Mit deiner Darlegung kann ich gut sympathisieren, auch wenn ich nicht annehme, dass Person und Meinung identisch sind.


Nun, ich wurde bis jetzt immer damit konfrontiert, dass ich angeblich ein rechter Unterstützer wäre. Auf Verlangen konnte kein einziger Beitrag vorgelegt werden, der das nachgewiesen hätte. Das Problem für (meist linke) User ist relativ einfach. Muss wohl an der Indoktrination liegen. Wer selbständig denkt, ist rechts. Punkt. Ich wurde geboren mit der Gnade Einschätzungen anderer Menschen so ziemlich für sich stehen zu lassen ohne mich darüber aufzuregen. Ich lasse meine Meinung von niemandem beeinflussen, weder von Regierungsparteien noch von deren Gegnern. Ich bilde sie mir in der Regel selbst. Ich habe schon zu oft niedergeschrieben für was ich stehe, deshalb muss das hier wegbleiben. Ich bin Demokrat und ich stehe für die Demokratie. Dazu gehören für mich auch die Akzeptanz unliebsamer Vögel (AfD) im Bundestag sowie die Einhaltung der bestehenden Gesetze und das unbedingte Ja zur FDGO. Ich werden einen Teufel tun und mich für irgend etwas rechtfertigen. Wer mich für einen Nazi hält, der soll das ruhig tun. Solche Leute kann man nicht überzeugen und meine Zeit ist mir zu kostbar dafür. In der Regel entlarvt man diese Leute damit, in dem man von ihnen Nachweise für ihre Behauptungen verlangt. Dann erledigen sich die Vorwürfe relativ schnell.

Ich habe ein ziemlich turbulentes Leben hinter mir, aber dass ich ein falscher Fuffziger wäre, ist mir bis jetzt nur in diesem Forum vorgeworfen worden. Eh wurscht. Meine Meinung stimmt auch mit meiner Person überein. Man ist nicht automatisch rechts, wenn man der AfD zustimmt, dass die Erde keine Scheibe ist.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Nudelholz » Mo 8. Apr 2019, 13:50

McKnee hat geschrieben:(08 Apr 2019, 07:17)

Dann beachte das Naturgesetz des Lesens.


Also das kann man aber so oder so sehen. :p
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 8. Apr 2019, 14:17

imp hat geschrieben:(08 Apr 2019, 07:26)

Sag mal bitte, was du mit "gelten lassen" anderes meinst als "stehen lassen" im Dissens. Denn dass man die eigene Überzeugung aufgibt, bloß weil es eine andere auch gibt, kann hier nicht gemeint sein.
Ein Mensch mit einer "wertlosen" (?) Meinung ist ja immer noch ein Mensch, der vielleicht gut im Handball ist oder in der Kneipe viel Spaß macht. Aber deshalb muss man so eine falsche Meinung nicht zum Thema machen oder gar für sich übernehmen.

Eine "falsche Meinung" gibt es gar nicht. Es gibt höchstens Aussagen, die sich als falsch herausstellen können. Sorry, wenn das jetzt ein wenig Wortklauberei ist. Eine "Meinung" ist immer, vom Wortbegriff her eine persönliche, subjektive Ansicht.

Mit "Freiheit, die ich meine" ("die ich meine") beginnt ein berühmtes Gedicht des Biedermeierpoeten von Schenkendorf. Juliane Werding und Peter Maffay haben aus "Freiheit, die ich meine" einen Schlager gemacht. Die "Münchener Freiheit" eine ganze Platte. Der Rechtspopulist Jörg Haider benannte ein Buch nach dieser Zeile.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Paulus » Mo 8. Apr 2019, 15:18

Nudelholz hat geschrieben:(08 Apr 2019, 01:13)

Ich mag Naturgesetze, da gibt es nicht viel dran zu rütteln. Wenn einer behauptet, die Erde ist eine Scheibe, ist das falsch. Und es gibt Leute, die das meinen.


Naturgesetze geben nur den aktuellen Kentnisstand wieder. Nach derzeitiger Meinung ist zwar etwas so oder so. Zukünftige Erkentnise können aber zu neuen Ergebnisen führen. Ist das Universum eine zweidimensionale Bran ist folglich auch die Erde eine Scheibe. Wie es käme, dass die Welt dreidimensional erscheint steht natürlich auf einem anderen Blatt. Durch Empririe oder Theorie bestätige Naturgesetze haben aber nicht unbedingt einen Ewigkeitsanspruch. Ein neues Paradigma kann auch an dem rütteln, was vorher als Naturgesetz galt.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Nudelholz » Mo 8. Apr 2019, 16:31

Paulus hat geschrieben:(08 Apr 2019, 15:18)

Naturgesetze geben nur den aktuellen Kentnisstand wieder. Nach derzeitiger Meinung ist zwar etwas so oder so. Zukünftige Erkentnise können aber zu neuen Ergebnisen führen. Ist das Universum eine zweidimensionale Bran ist folglich auch die Erde eine Scheibe. Wie es käme, dass die Welt dreidimensional erscheint steht natürlich auf einem anderen Blatt. Durch Empririe oder Theorie bestätige Naturgesetze haben aber nicht unbedingt einen Ewigkeitsanspruch. Ein neues Paradigma kann auch an dem rütteln, was vorher als Naturgesetz galt.

In unserem dreidimensionalen Raum, in dem wir leben, ist es aber gut und nützlich, die Kugelform der Erde zu akzeptieren, dann braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass man von allen belogen wird und eine große, unüberwindliche Eiswand am Ende der Welt wartet. Es hat also so seine Vorteile, wenn man bei Erde=Scheibe falsch sagt als stundenlang über n-Dimensionen und unendliche Welten zu reden. Wer hat so viel Zeit?
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Corella » Mo 8. Apr 2019, 16:54

Guter Ansatz Herr Skeptiker, aber ob die Internetkultur dafür schon bereit?
Der heutige "Presseclub" hieß früher "Internationaler Frühschoppen". Da saßen die Kontrahenten in Anzug und Krawatte, der Schoppen vor Qualm kaum zu erkennen und zeigten ihr Engagement, in dem sie einander anschrien. Heute, im Presseclub, ringen eloquente ExpertInnen gemeinsam um Deutungen. Ich hoffe, auch die Internetkultur entwickelt sich weiter :-)
Wir haben uns ... der Illusion hingegeben, dass es so etwas wie Umweltkapital nicht gibt. Dass man ... [es] zum Nulltarif nutzen kann und ... in diesen Kapitalstock nicht reinvestieren muss. (Klaus Töpfer 2005)
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Fliege » Mo 8. Apr 2019, 18:02

McKnee hat geschrieben:(07 Apr 2019, 19:30)
Meinung ist subjektiv
schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Apr 2019, 14:17)
Eine "Meinung" ist immer, vom Wortbegriff her eine persönliche, subjektive Ansicht.
Skeptiker hat geschrieben:(07 Apr 2019, 23:49)
Offensichtlich sind Meinungen subjektiv, wie andere es schon geschrieben haben.

Dass Meinungen subjektiv sind, ist trivial. Den springenden Punkt schätze ich anders ein und zwar so:

Meinungen brauchen nicht als entweder subjektiv oder objektiv aufgefasst werden, sondern können als subjektiv entstanden (von einem Subjekt herkommend) und zugleich objektiv wahr oder falsch (auf ein Objekt bezogen) verstanden werden.

Ich empfehle Letzteres. Zudem möchte ich Nudelholz zustimmen.

Nudelholz hat geschrieben:(08 Apr 2019, 01:13)
Ich mag Naturgesetze, da gibt es nicht viel dran zu rütteln. Wenn einer behauptet, die Erde ist eine Scheibe, ist das falsch. Und es gibt Leute, die das meinen.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Fliege » Mo 8. Apr 2019, 18:35

Skeptiker hat geschrieben:(07 Apr 2019, 23:49)
Bei der Schußfolgerung bis Du sehr radikal und trennst die Meinung vollständig vom Menschen. Dabei betonst Du aber die Wahrheit der Meinung als Gradmesser für die Güte seiner Meinung. Auch da könnte man sicherlich lange drüber diskutieren.

Wenn der Mensch und seine Meinung 100% voneinander zu trennen sind, müssten wir dann nicht alle Menschen gleich wertschätzen?

In einer freiheitlich-demokratisch organisierten Gesellschaft wird (Stichwort: Meinungs- und Meinungsäußerungsfreiheit) doch gerade darauf verzichtet, politische und sonstige Meinungen nach Merkmalen wie "wertvoll" und "wertlos" zu sortieren (außer in Sonderfällen wie bei Entmündigung oder in Fällen, in denen es zur "Aberkennung des Wahlrechts" kommt).

Ob man jemanden mag oder nicht, steht m. E. auf einem anderen Blatt.

Skeptiker hat geschrieben:(07 Apr 2019, 23:49)
Ich sage nein! Ich denke, dass wir Menschen aufgrund dessen wertschätzen, wie wir ihr Handeln einschätzen.
Ich kann mit einem Kommunisten und Anhänger Pol Pots locker ein Bier trinken und gemütlich über die politische Lage reden, wenn ich davon ausgehen kann, dass er selber niemand ist der Menschen aufgrund ihrer Brille erschlagen wird. Ich habe aber ein riesiges Problem mit Menschen ein Bier zu trinken, der sich in jedem Verein und in der Gesellschaft ehrenamtlich engagiert, der sozial eingestellt ist und gegen den Hunger in der Welt kämpft, von dem ich aber weiss, dass er seine Kinder zuhause misshandelt weil sie nicht seinen Vorstellungen entsprechen.

Meinungen sind keine Taten. Nur dann wenn ich davon ausgehe dass Handlungen aus ihnen hervorgehen die mein Gefühl von Moral verletzen, werden sie relevant.

Zudem habe ich eine recht klare Auffassung davon wie Meinungen entstehen und wieviel Verantwortung jeder einzelne für seine eigene Meinung hat. Diesen Einfluss halte ich für sehr gering (was übrigens nicht bedeutet, dass derjenige keine Verantwortung für sein Denken und Handeln übernehmen muss). Wenn man aber sehr wenig von dem beeinflussen kann, was seine eigene Meinung bestimmt, wie kann ich dann über den Menschen wertend urteilen? Ich kann seine Taten verdammen, aber aus dem Blickwinkel heraus ist es kaum noch möglich einen Menschen zu verachten - schon garnicht seiner Meinung wegen.

Das schätze ich ähnlich ein wie du, wobei ich ergänzen möchte, dass das jeder halten kann, wie er mag (Stichwort: Zuneigung versus Abneigung).
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Paulus » Mo 8. Apr 2019, 20:06

Fliege hat geschrieben:(08 Apr 2019, 18:35)




Das schätze ich ähnlich ein wie du, wobei ich ergänzen möchte, dass das jeder halten kann, wie er mag (Stichwort: Zuneigung versus Abneigung).


Auch hier sollte zur Vorsicht gemahnt werden. Bei dem Vertreter der Meinungsfreiheit hört diese spätestens dann auf, wenn jemand eine Abneigung zur Meinungsfreiheit äußert.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Fliege » Mo 8. Apr 2019, 21:19

Paulus hat geschrieben:(08 Apr 2019, 20:06)
Auch hier sollte zur Vorsicht gemahnt werden. Bei dem Vertreter der Meinungsfreiheit hört diese spätestens dann auf, wenn jemand eine Abneigung zur Meinungsfreiheit äußert.

Ja, doch man würde weder solch eine Meinung noch eine Person, die solch eine Meinung äußert, als "wertlos" deklarieren.
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon H2O » Mo 8. Apr 2019, 21:31

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Apr 2019, 14:17)

Eine "falsche Meinung" gibt es gar nicht. Es gibt höchstens Aussagen, die sich als falsch herausstellen können. Sorry, wenn das jetzt ein wenig Wortklauberei ist. Eine "Meinung" ist immer, vom Wortbegriff her eine persönliche, subjektive Ansicht.

Mit "Freiheit, die ich meine" ("die ich meine") beginnt ein berühmtes Gedicht des Biedermeierpoeten von Schenkendorf. Juliane Werding und Peter Maffay haben aus "Freiheit, die ich meine" einen Schlager gemacht. Die "Münchener Freiheit" eine ganze Platte. Der Rechtspopulist Jörg Haider benannte ein Buch nach dieser Zeile.


Diese Art des begrifflichen Durchdringens ist nicht gerade meine Gewohnheit geworden. Wage ich mich also auf das Glatteis: Ist Meinung nicht vielmehr das umfassende Bild, das ich mir von einer Sache, einer Angelegenheit gemacht habe? In der Meinungsbildung können doch aber Fehler enthalten sein, die die Meinung entwerten, sie mit einem "Mangelhaft" entwerten.

Nehme ich das aktuelle Beispiel "Enteignung von Wohnraum gegen Entschädigung". Der Vertreter dieser Meinung wird von Zorn über die ihm objektiv zu hoch erkannte Miete getrieben. Er sieht also nicht, daß er die Mittel für die Entschädigung besser in den Bau von mehr Wohnungen investieren sollte, um das Angebot zu erhöhen, mehr Wohnungen anbieten zu können und ein Gleichgewicht von Nachfrage und Angebot her zu stellen.

Was soll ich nun von der eingangs begründeten Meinung halten... und von der Person, die ihr Gerechtigkeitsempfinden einsetzt, um sich mit ihrer Meinung durch zu setzen. Nur leider: Mehr Wohnungen haben wir auf diese Weise jedenfalls nicht. Das wäre aber die Lösung!
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Re: Wieviel Wert ist ein Mensch mit wertloser Meinung?

Beitragvon Brise » Mo 8. Apr 2019, 21:36

Fliege hat geschrieben:(08 Apr 2019, 18:02)

Dass Meinungen subjektiv sind, ist trivial. Den springenden Punkt schätze ich anders ein und zwar so:

Meinungen brauchen nicht als entweder subjektiv oder objektiv aufgefasst werden, sondern können als subjektiv entstanden (von einem Subjekt herkommend) und zugleich objektiv wahr oder falsch (auf ein Objekt bezogen) verstanden werden.


Plus im „postfaktischen Zeitalter“ der Etikettenschwindel:
1. Dass rein subjektive Meinungen zu objektiven Fakten deklariert und somit aufgewertet werden.
2. Dass objektive Fakten als rein subjektive Meinungen deklariert und somit abgewertet werden.

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