Ist der IS ein Staat und sollte man mit ihm verhandeln?

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unity in diversity
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Re: Ist der IS ein Staat und sollte man mit ihm verhandeln?

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Feb 2016, 08:44

Der IS ist kein Staat, auch wenn er sich als ein solcher ausgibt, damit nicht gleich zu sehen ist, daß er eine Terrororganisation ist.
Sie haben zwar Verwaltungseinheiten und ein rudimentäres Sozialsystem geschaffen, aber in Anspruch darf das nur nehmen, wer zum IS gehört.
Das ist genau genommen Apartheit, weil alles ausgeschlossen wird, was nicht IS ist.
Das ist eine Satrapie der Saudis, die schon mal einen Freilandversuch starten, wie der Wahhabismus und das Salafistentum verbreitet werden können.
Wenn es geht, weltweit.
Dagegen hilft Bildung und eine wehrhafte Demokratie.
Kein Kapitulantentum, oder eine sich anbiedernde Appeasement-Politik.
Den deutschen je nach dem Parteien ist das Hemd natürlich aus Kostengründen näher als die Hose.
Deshalb ist es ratsam, an den Pegida Spaziergängen teilzunehmen.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
Versutus

Re: Ist der IS ein Staat und sollte man mit ihm verhandeln?

Beitragvon Versutus » Sa 6. Feb 2016, 09:03

Faktisch betrachtet kann weder die in der UN vertretene irakische noch die syrische Regierung
noch von einer Hoheitsgewalt über die eigenen Territorien sprechen.
Sie und ihre nationalen Armeen gleichen inzwischen doch selbst mehr Bürgerkriegsparteien.
Ohne äußere Unterstützung keine Macht. Wer kann heute noch mit Gewissheit sagen,
wer in diesem Mehrfrontenkrieg gegen wen kämpft und nicht mit internationaler finanzieller
Unterstützung Milizionäre, Jihadisten, Freiwillige und Söldner aus verschiedensten Staaten am
künstlich am Leben erhalten wird.
Welche Miliz hier wem unterstellt ist, wissen häufig nur noch Experten.
Einen IS als Staat gibt es ebenso wenig.
Es ist eine Miliz, die vorwiegend von erfahrenen Offizieren
einer ehemaligen irakischen Armee Saddam Husseins angeführt wird.
Der Islamische <Staat> hat zumindest ein Zentralkommando und kontrolliert ein inzwischen überwiegend konfessionell
homogenisiertes Territorium. Im Gegensatz dazu, sind seine Gegner unterschiedlicher und zerstrittener,
wie man es sich für seinen Gegner nicht besser wünschen könnte.
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Jekyll
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Re: Ist der IS ein Staat und sollte man mit ihm verhandeln?

Beitragvon Jekyll » Sa 6. Feb 2016, 11:14

Kardux hat geschrieben:(02 Feb 2016, 22:03)

Und ich wuerde sagen, Sie schreiben jede Menge Unsinn. Wer Saudi Arabien ueber den IS setzt ist mehr als nur meschugge...

Egal wie man zu diesem Schurkenstaat (Saudi Arabien) stehen mag, ist er dennoch in seiner eigenen extremen Art und Weise ein Staat wo man einfach weiss was auf einen zukommt. Der IS hingegen ist ein willkuerlich gefuehrter Bund von auslaendischen und lokalen Jihadisten die oftmals untereinander Krieg fuehren. Alleine schon wenn man sich betrachtet wieviele Menschen der IS in Shingal, Camp Speicher, Anbar, Hasakah, Tal Abyad, Raqqa, usw. gekoepft bzw. hingerichtet hat eruebrigt sich jede weitere Diskussion.
So willkürlich, wie Sie mutmaßen, wird der IS sicher nicht geführt. Man sollte hier zwischen "Fußvolk", das als "Kanonenfutter" dient, und den eiskalt operierenden Köpfen im Hintergrund differenzieren:
Die Führungsspitze des IS wird auch von einer Gruppe von ehemaligen Geheimdienstoffizieren der irakischen Streitkräfte gebildet, die Medienberichten zufolge bis zu dessen Tötung 2014 von Haji Bakr angeführt wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Organisation)

Wahrscheinlich der Grund, warum der IS so erfolgreich ist (oder war). Ein "willkuerlich gefuehrter Bund", der sogar untereinander Krieg führt, wäre zu solchen Erfolgen gar nicht fähig und müsste auch nicht von einer internationalen Allianz mühsam bekämpft werden.

Und der Vergleich mit dem IS ist vom Prinzip her mehr als berechtigt:
Barbarische Strafen: Saudi-Arabien richtet wie der "Islamische Staat"

Im Januar ließ Saudi-Arabien einer Frau mit drei Schwerthieben den Kopf abschlagen. Sie soll ihre Stieftochter missbraucht und getötet haben. Bis zum Schluss bestritt sie die Tat. Der Fall ist nur ein Beispiel für barbarische Strafen, wie sie in dem Königreich verhängt werden. Sie unterscheiden sich kaum von der brutalen Justiz des "Islamischen Staats" (IS).
[...]
Die Nahost-Webseite "Middle East Eye" hat eine Darstellung veröffentlicht, die den saudi-arabischen Strafenkatalog mit dem der IS-Krieger vergleicht. Der IS hatte seinen Mitte Dezember publik gemacht.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-saudi-arabien-verhaengt-aehnliche-strafen-a-1014231.html

Grafik Vergleich SA und IS

Wie schon geschrieben, destabilisiert der IS die ganze Region und sorgt für mehr Flüchtlinge, aber wenn beim Kampf gegen den IS als Motiv auch Menschenrechte eine Rolle spielen (zumindest wird in den Medien dieser Eindruck erweckt), dann stellt sich natürlich die Frage, warum Länder wie D oder US mit SA so sehr auf gutem Fuß stehen. Das ist in der Tat meschugge.
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
bennyh

Re: Ist der IS ein Staat und sollte man mit ihm verhandeln?

Beitragvon bennyh » Di 23. Feb 2016, 12:27

frems hat geschrieben:(31 Jan 2016, 21:01)

Die theoretische Debatte, ob der IS nicht "nur" eine Terrorgruppe ist, sondern (mittlerweile) ein Staat, wurde ja schon gelegentlich geführt. Nach der Montevideo-Konvention hat ein Staat vier Merkmale: “The state as a person of international law should possess the following qualifications: (a) a permanent population; (b) a defined territory; (c) government; and (d) capacity to enter into relations with the other states.”

A, B und C dürften, je nach Interpretation, erfüllt sein. Dass sich das Territorium schon verschob und Menschen in sein Gebiet ein- und auswanderten, ist auch kein Phänomen, das man historisch nicht kennen würde und das dazu geführt hätte, dass ein Staat nicht mehr als solcher gilt. D wird von Historikern und Staatswissenschaftlern nicht nur mit der Fähigkeit der Kontaktaufnahme verstanden, sondern auch mit der Anerkennung der internationalen Staatenfamilie als Staat. Und die ist als solche nicht gegeben. Anerkennung und Kontakt durch ein, zwei (Förder-)Staaten sind hierfür nicht ausreichend.

Wenn IS ein Staat ist, dann befinden sich der Westen, Russland, Iran und weitere Staaten im Krieg mit diesem Staat. Das Ziel dieser Koalition lautet, den IS zu zerschlagen. IS seinerseits übt sich in brutalem Staatsterrorismus gegen Zivilisten anderer Staaten. In der gegenwärtigen Situation sollte man sich die Frage stellen: Verhandlungen wozu? Und worüber? Soll man vielleicht einen Deal ausmachen, dass IS beim nächsten Terroranschlag bitte etwas weniger Zivilisten umbringt? Was könnte man im Gegenzug dafür anbieten? Mit einer Staatsführung, die man vernichten will, hat es imho relativ wenig Sinn zu verhandeln, ebenso macht es auch für diese Staatsführung nicht allzu viel Sinn, zu verhandeln. Ich sehe keinerlei Nutzen für beide Seiten, die man auch Verhandlungen ziehen könnte.

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