Der Kampf der Kurden gegen den IS

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Kardux
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » Fr 2. Okt 2015, 20:33

Ultra-tifosi » Fr 2. Okt 2015, 19:57 hat geschrieben:
stimmt so. Ein türkischer Freund hat mir mal seine Sichtweise erklärt (die ich übrigens nicht teile!) ;"Da unten kämpfen 2 Terrorbanden (IS und YPG) gegeneinander und wir sitzen auf der anderen Grenzseite und freuen uns über jeden, den es erwischt."


The United States does not consider the Peoples’ Protection Units (YPG), the armed wing of the Syrian Democratic Union Party (PYD), a terrorist organization, State Department Spokesperson John Kirby has declared.

“We don’t consider the YPG a terrorist organization, and they have proven successful against ISIL [Islamic State of Iraq and the Levant] inside Syria. And as I said, we’re going to continue to work with counter-ISIL fighters who are and can be successful against this group, and they’re not all Kurds,” Kirby said at a press conference in Washington, while responding to a question on the gap between the Turkish and the U.S. stance against the group.


Schon komisch das die USA, welche die Angriffe gegen die PKK seitens der Türkei befürworten, hinsichtlich der YPG so gar nicht dieselbe Meinung wie die Türkei vertritt - und das wohl zurecht ! Wer kämpft bitte so entschlossen und tapfer gegen den IS wie es die YPG tut ?

Die Sichtweise Ihres Freundes ist klar und deutlich, man freut sich nicht einfach nur über jeden Getöteten auf beiden Seiten, nein man drückt dem IS die Daumen. Ein Erfolg der Kurden ist aus türkischer Sicht nicht hinnehmbar, deshalb zog die Türkei vor einiger Zeit auch die "Notbremse" als die Kurden drauf und dran waren die letzte IS- Bastion an der türkischen Grenze zu erobern - Jarablus.

Abgesehen davon kämpft der IS auch gegen die Kurden im Irak und sonst gegen alle Religions- und Volksgruppen in Syrien und dem Irak. Die Türken können wie so oft stolz auf sich sein - ne mutlu türküm diyene...

Platon hat geschrieben:Tal Afar ist doch IS-Kernland, da wird man mit heftiger Gegenwehr rechnen müssen und im Erfolgsfall droht ein Tikrit-Szenario.


Wenn Sie mich fragen ist Tal Afar die eigentliche Hauptstadt des IS im Irak. Schon die Al- Qaida unter Zarqawi fühlte sich dort sehr wohl. Und bevor man Tel Afar nicht vom IS bereinigt hat wird man niemals Mosul befreien können, das ist so gut wie unmöglich. Das ist auch einer der Gründe weshalb die Kurden derzeit die Yezidenstadt Shingal nicht befreien können.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Jekyll » Sa 3. Okt 2015, 22:53

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 20:43 hat geschrieben:Gegen welche Zivilbevölkerung denn ?

Sind Ihnen mehr als 800 Zivilisten genug?
PKK Militante waren ebenfalls für Morde an Zivilisten verantwortlich. So wurden zwischen 1990 und 1999 mehr als 800 Zivilisten von Militanten der PKK ermordet.
[...]
In einem Bericht den die Menschenrechtsstiftung der Türkei im November 1995 veröffentlichte, wurden für den Zeitraum vom 15. August 1984 bis zum 20. November 1995 Morde an 142 Lehrern aufgelistet. Davon gingen 91 Morde auf das Konto der PKK. Unter Ausdehnung des Zeitraums auf 20 Jahre (12. September 1980–12. September 2000) wurde eine Zahl von 176 getöteten Lehrern ermittelt. In 57 Fällen konnten die Täter nicht ermittelt werden, aber 105 der Morde wurden von Militanten der PKK verübt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikt_zwischen_der_Republik_T%C3%BCrkei_und_der_PKK#Missachtung_des_Rechts_auf_Leben

Die "guten" Terroristen, die für eine "gerechte Sache" kämpfen...
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Jekyll » Sa 3. Okt 2015, 23:01

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 21:46 hat geschrieben:
Komisch, gegen die PKK kämpfen die USA, Rußland, Iran, Frankreich, UK, Jordanien, etc. nicht. Auch komisch das sich die ganze Welt mit dem Kampf der Kurden gegen den IS solidarisiert, und dazu gehört die PKK nunmal auch. Wer die PKK mit dem IS gleichsetzt, relativiert den IS und macht sich somit zum heimlichen IS- Sympathisanten.
Ja, Sherlock, mich haben Sie auch schon als IS-Sympathisanten "entlarvt".

Man kann die PKK als Terrorgruppe bezeichnen und man braucht die PKK wahrlich nicht zu mögen, aber die PKK in einen Topf mit dem IS zu schmeißen ist äußerst schwachsinnig.
Das ist nunmal das Problem mit den Extremisten und deren Sympathisanten; jede Seite glaubt, für eine "gerechte" Sache zu kämpfen, aber objektiv und nüchtern betrachtet sind sie alle Terroristen, die nur Tod und Verderben bringen. Selbst die "nächst - und feindliebenden" Christen haben diese Erfahrung schon machen müssen. Böse sind immer nur die anderen.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » Sa 3. Okt 2015, 23:21

Jekyll hat geschrieben:Die "guten" Terroristen, die für eine "gerechte Sache" kämpfen...


Weshalb erhielt die HDP (= PKK) dann die absolute Mehrheit im Südosten, wenn die PKK doch gegen die kurdische Zivilbevölkerung kämpft ?

Die PKK hat besonders in den 80er Jahren diejenigen Kurden ins Visier genommen welche mit dem türkischen Staat zusammen gearbeitet haben. Oftmals waren das Stämme die schon zu Zeiten des Osmanischen Reiches ein Teil der Hamidiye- Regimenter waren. Aus Sicht der PKK Vaterlandsverräter, ich persönlich sehe in dieser extremistischen Haltung der PKK einen der Hauptgründe weshalb die PKK schon nicht viel früher die großen Massen in Nordkurdistan bewegen konnte.

Nunja, heute kann sie es. Ehemalige Dorfschützer sind heute pro- PKK, und allgemein ist die PKK auch in den kurdischen Städten angekommen (früher nur in Dörfern).

Aus Sicht der PKK waren die Lehrer (welche ethnische Türken waren und oftmals nationalistisch) ein Teil der Assimilationspolitik der Türkei und somit legitimes Ziel. Aus meiner Sicht war das ebenfalls eine fatale Fehlentscheidung.

Jekyll hat geschrieben:Sind Ihnen mehr als 800 Zivilisten genug?

In den 90er Jahren wurden über 3000 kurdische Dörfer ausgelöscht und mehrere zehntausend Kurden ermordet.

Wollen Sie wirklich mit mir Opferzahlen aufrechnen ? Sowas wie eine PKK existierte nicht einmal als in Dêrsim im Jahr 1938 innerhalb kurzer Zeit zehntausende Kurden vom türkischen Staat massakriert wurden.

Das ist nunmal das Problem mit den Extremisten und deren Sympathisanten; jede Seite glaubt, für eine "gerechte" Sache zu kämpfen, aber objektiv und nüchtern betrachtet sind sie alle Terroristen


Ja, weil Sie auch so objektiv und nüchtern argumentieren. :D

Erzählen Sie mal für welche gerechte Sache der IS kämpft. Lassen Sie mich raten ? Für die Interessen Erdogans ?
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Jekyll » Sa 3. Okt 2015, 23:28

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 22:21 hat geschrieben:Wollen Sie wirklich mit mir Opferzahlen aufrechnen ?
Nein, mein schnellvergesslicher Freund, ich habe nur Ihre Frage beantworten und Ihre (scheinheilige?) Ahnungslosigkeit beenden wollen.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » Sa 3. Okt 2015, 23:28

HugoBettauer hat geschrieben:Ich finde das nicht komisch. IS hat nicht grundlos viele Gegner.


Und wieso hat die PKK nicht genauso viele Gegner ? Ups, ich glaube da stosse ich schon an Ihre geistigen Grenzen an...

Aber Sie sind eh nicht zum diskutieren hier. Also nur weiter lieber Troll, ich werde Sie weiter füttern.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Jekyll » Sa 3. Okt 2015, 23:37

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 22:28 hat geschrieben:
Und wieso hat die PKK nicht genauso viele Gegner ?
Weil die PKK - im Gegensatz zu IS - nur lokal agiert bzw. lokale Ambitionen hat (IS will expandieren). Außerdem hat die PKK viele Gegner, wenn man den nicht ganz unwesentlichen Umstand, in vielen Ländern als kriminelle, terroristische Organisation verboten worden zu sein, als ein Ausdruck von "Gegnerschaft" interpretiert.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » Sa 3. Okt 2015, 23:44

Jekyll » Sa 3. Okt 2015, 23:28 hat geschrieben:Nein, mein schnellvergesslicher Freund, ich habe nur Ihre Frage beantworten und Ihre (scheinheilige?) Ahnungslosigkeit beenden wollen.


Die letzten Parlamentswahlen in der Türkei waren erst vor kurzem. Wer von uns beiden schnellvergesslich ist, liegt auf der Hand.

Abgesehen davon hatte ich nirgendwo verneint das die PKK Zivilisten getötet hat. Ich wollte nur vom besagten User wissen welche Zivilbevölkerung er denn genau meint. Immerhin ist die PKK ein Teil vom kurdischen Volk. Die PKK bezieht seine Kämpfer aus der kurdischen Zivilbevölkerung. Die Mehrheit der kurdischen Zivilbevölkerung im Südosten hat die HDP gewählt. Wer hier pauschalisierend schreibt das die PKK Zivilisten tötet muss sich schon die Frage gefallen lassen wovon er/sie genau schreibt.

Wieviele kurdische Zivilisten der türkische Terrorstaat in den letzten Tagen wieder umgebracht hat erwähne ich ja nicht einmal mehr. Wer halbwegs informiert ist und nicht wie Sie eindoktriniert weiß dass das Morden in der Türkei auf die Kappe von Erdogan geht. Erdogan unterscheidet sich im Grunde genommen nicht von Tansu Ciller...

Weil die PKK - im Gegensatz zu IS - nur lokal agiert bzw. lokale Ambitionen hat (IS will expandieren). Außerdem hat die PKK viele Gegner, wenn man den nicht ganz unwesentlichen Umstand, in vielen Ländern als kriminelle, terroristische Organisation verboten worden zu sein, als ein Ausdruck von "Gegnerschaft" interpretiert.


Die PKK agiert deshalb lokal weil es Kurdistan befreien will, genau deshalb ist die PKK auch nicht mit dem IS zu vergleichen. Die PKK kämpft gegen türkischen Imperialismus. Der IS hingegen schlachtet täglich sunnitische Araber innerhalb seiner eigenen Reihen.

Wenn die PKK denn so viele Gegner hat, weshalb bombardiert dann nur die Türkei alleine die Kurden ?

Weshalb hat Deutschland eigentlich erst dann seine Patriots abgezogen nachdem der Terrorpate Türkei den IS- Bekämpfer (=PKK) bombardierte ? Komisch.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon HugoBettauer » So 4. Okt 2015, 00:25



Und wieso hat die PKK nicht genauso viele Gegner [/color]
Hast du da gründlich nachgezählt? In Deutschland ist die PKK verboten und der IS kommt hier auch zu nichts. Praktisch in ganz Europa ist das so.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon palulu » So 4. Okt 2015, 00:26

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 23:44 hat geschrieben:
Die letzten Parlamentswahlen in der Türkei waren erst vor kurzem. Wer von uns beiden schnellvergesslich ist, liegt auf der Hand.

Abgesehen davon hatte ich nirgendwo verneint das die PKK Zivilisten getötet hat. Ich wollte nur vom besagten User wissen welche Zivilbevölkerung er denn genau meint. Immerhin ist die PKK ein Teil vom kurdischen Volk. Die PKK bezieht seine Kämpfer aus der kurdischen Zivilbevölkerung. Die Mehrheit der kurdischen Zivilbevölkerung im Südosten hat die HDP gewählt. Wer hier pauschalisierend schreibt das die PKK Zivilisten tötet muss sich schon die Frage gefallen lassen wovon er/sie genau schreibt.

Wieviele kurdische Zivilisten der türkische Terrorstaat in den letzten Tagen wieder umgebracht hat erwähne ich ja nicht einmal mehr. Wer halbwegs informiert ist und nicht wie Sie eindoktriniert weiß dass das Morden in der Türkei auf die Kappe von Erdogan geht. Erdogan unterscheidet sich im Grunde genommen nicht von Tansu Ciller...



Die PKK agiert deshalb lokal weil es Kurdistan befreien will, genau deshalb ist die PKK auch nicht mit dem IS zu vergleichen. Die PKK kämpft gegen türkischen Imperialismus. Der IS hingegen schlachtet täglich sunnitische Araber innerhalb seiner eigenen Reihen.

Wenn die PKK denn so viele Gegner hat, weshalb bombardiert dann nur die Türkei alleine die Kurden ?

Weshalb hat Deutschland eigentlich erst dann seine Patriots abgezogen nachdem der Terrorpate Türkei den IS- Bekämpfer (=PKK) bombardierte ? Komisch.


Zum 1000. Mal: der Abzug der Patriots war bereits lange vorher beschlossen.
Calvin

Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Calvin » So 4. Okt 2015, 11:50

Kardux » Sa 3. Okt 2015, 23:44 hat geschrieben:
Wenn die PKK denn so viele Gegner hat, weshalb bombardiert dann nur die Türkei alleine die Kurden ?

die Frage hast du dir doch selber beantwortet : das Morden in der Türkei auf die Kappe von Erdogan geht *** und die Machtgelüste von Erdogas kennt man doch
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » So 4. Okt 2015, 14:30

palulu hat geschrieben:Zum 1000. Mal: der Abzug der Patriots war bereits lange vorher beschlossen.


So what ? Ihre AKP- Propaganda koennen sich auch noch 10 000 mal wiederholen, das macht den Unsinn den Sie verzapfen nicht wahrer.

Das Deutschland seine Patriots abgezogen haette, frueher oder spaeter, habe ich nicht abgestritten, interessant ist jedoch der Zeitpunkt:

Abzug der Patriot-Raketen als Zeichen an Erdogan

Das geplante Ende des Bundeswehr-Einsatzes in der Türkei begründet die Bundesregierung offiziell mit der veränderten Bedrohungslage durch syrische Raketenangriffe. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass Bundeskanzlerin Merkel nach den Angriffen auf PKK-Stellungen gerade nicht gut auf die Regierung Erdogan zu sprechen ist. Die Opposition begrüßt die Entscheidung als "richtigen und notwendigen Schritt".

Im Laufe der nächsten Monate wird die Bundeswehr ihre beiden Patriot-Staffeln aus der Süd-Türkei abziehen. Noch sichern rund 250 Mann die Stadt Kahramanmaras, aber die NATO stuft die Gefahr von Raketenangriffen aus Syrien inzwischen nur noch als sehr niedrig ein. Das Assad-Regime verfüge kaum noch über Raketen, die türkische Städte gefährden könnten und deshalb brauche man auch keine Raketenabwehr mehr aus anderen NATO-Staaten.

Diese veränderte Bedrohungslage ist offiziell der einzige Grund für den Rückzug aus der Türkei. "Der Abzug der deutschen Patriot-Soldaten war überfällig, weil wir einen Einsatz gefahren haben, der inhaltlich ohne Sinn war und der vor allem sehr viel von unseren Soldaten und Soldatinnen abverlangt hat", sagt Florian Hahn, der verteidigungspolitische Sprecher der CSU.

Offiziell gibt es keinen anderen Grund, ausgerechnet jetzt den Abzug anzukündigen. Aber es ist auch kein Geheimnis, dass die Bundesregierung gerade ziemlich schlecht auf die türkische Regierung und ihren Feldzug auf die Kurden zu sprechen ist. Die Zweifel am strategischen Sinn dieses Bundeswehreinsatzes gibt es schon länger. Trotzdem hatte die Bundesregierung daran bisher festgehalten - auch als Zeichen der Solidarität mit der Türkei. Doch gerade diese Solidarität fällt angesichts des türkischen Kurses immer schwerer.

http://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-abzug-der-patriot-raketen-als-zeichen-an-erdogan.1783.de.html?dram:article_id=328416

HugoBettauer hat geschrieben:Hast du da gründlich nachgezählt? In Deutschland ist die PKK verboten und der IS kommt hier auch zu nichts. Praktisch in ganz Europa ist das so.


Ja, da habe ich gruendlich nachgezaehlt. Es ist jedoch ein kleiner aber feiner Unterschied eine Partei/ Organisation zu verbieten oder aber eine Organisation mit welchen Mitteln auch immer zu bekaempfen. Der IS wird derzeit von allen Westmaechten, Russland, dem Iran und arabischen Staaten entweder aktiv oder passiv bekaempft. Deutschland bildet kurdische Kaempfer aus und liefert Waffen an die Kurden, damit diese gegen den IS kaempfen.

Hinsichtlich der tuerkischen Angriffe gegenueber der PKK meinte Frau Merkel:
Merkel mahnt Türkei zur Zurückhaltung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Türkei zum Maßhalten im Konflikt mit der kurdischen PKK aufgerufen. Auf Antrag Ankaras wird sich die NATO mit der Sicherheitslage in der Türkei befassen.

Deutliche Kritik gab es aber an den gleichzeitigen Angriffen auf die PKK in Nordirak. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärte, es sei wichtig, dass sich auch die Staaten der Region über Religionsgrenzen hinweg gegen den IS-Terror engagierten. Besorgt äußerte sie sich aber zu den Angriffen auf die PKK. Die Türkei dürfe den eingeschlagenen Pfad der Versöhnung mit der PKK nicht verlassen, warnte sie.

http://www.dw.com/de/merkel-mahnt-t%C3%BCrkei-zur-zur%C3%BCckhaltung/a-18608579

Die Angriffe gegen die PKK wurden von keinem westlichen Staat begruesst. Die USA selber hat den Angriffen auf die PKK zugestimmt um den tuerkischen Militaerstuetzpunkt Incirlik verwenden zu duerfen. Gleichzeitig betonten die USA aber das die YPG- Einheiten in Syrien nicht angegriffen werden duerfen, weil keine Terrororganisation. Jeder der sich jedoch in der Region auskennt, weiss das der Grossteil der YPG- Kaempfer Kurden aus der Tuerkei sind. Ausgebildet wurde die Kampftruppe ja auch von der HPG, genauso wie auch das Frauenbatallion YPJ.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon HugoBettauer » So 4. Okt 2015, 23:29

Ein Organisationsverbot schließt in Deutschland Nachfolge- und Ersatzorganisationen ein. Die PKK hat hier ausgespielt.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon malwina1 » So 8. Nov 2015, 06:57

die kurdische kämpfer in syrien - finde ich sehr gut die sind richtig gute kämpfer und sind nicht von us-colony turkei abhängig :thumbup:
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Platon » So 8. Nov 2015, 11:35

Nachdem die Kurden in Syrien die kurdischen Gebiete alle mit US-Hilfe vom IS zurückerobert haben, würden die Amerikaner gerne weitere Gebiete erobern. Allerdings ist die faktische Ausweitung der kurdischen Enklave auf arabische Gebiete nicht sehr populär, sowohl in Syrien als auch im Ausland. Darum hat man eine neue Obergruppe gegründet die Syrian Democratic Forces (SDF). Die Idee ist zahlreiche Anti-IS-Milizen, Kurden, Araber, Turkmenen, Assyrer/Christen unter einer Flagge zu vereinen und möglichst viel des IS-Territoriums zu erobern. Die USA sind bereit diese Gruppe massiv mit Waffen, Luftangriffen und sogar Spezialeinheiten am Boden zu unterstützen. Das große Ziel könnte die Umgebung von Raqqa sein, die de facto Hauptstadt des IS. Es ist daher auch das neue Projekt der USA zur Bekämpfung des IS, nachdem das Ausbildungsprogramm einer eigenen Gruppe so kläglich gescheitert ist.

(Reuters: New Syrian rebel alliance formed, says weapons on the way

Es gibt allerdings große Probleme, denn die Gruppe wird nach wie vor von einer Übermacht der Kurden dominiert, während die anderen Milizen kaum mehr als Hilfstruppen sind. Ein Reporter von der NYT war vor Ort und hat sich ein Bild von der Lage gemacht. Demnach sind die nicht-kurdischen Kräfte viel zu schwach um sich gegen irgendjemand zu behaupten, sie haben nur wenige Kämpfer, sind unprofessionell, viele wollen auch einfach nur ihre eigenen Dörfer verteidigen und wollen gar keine Gebiete vom IS erobern. Dazu sind es viel zu wenige, so stehen 40 000 motivierten, organisierten und gut ausgebildeten YPG-Kämpfern rund 5000 arabische Kämpfer gegenüber, von denen nach Schätzung des Reporters 20% überhaupt gar nicht offensiv tätig werden wollen.

Die YPG darf aber bei einer Eroberung von Raqqa nicht gerade auf die freudige Unterstützung der Bevölkerung hoffen, die eine kurdische Miliz auf Dauer kaum als Befreier akzeptieren werden. Die arabischen Kräfte bei den SDF sind hingegen zu schwach die Stadt zu erobern und zu halten, was dann den Sinn einer Offensive auf Raqqa durchaus in Frage stellt.

Ein weiteres Problem ist, dass die Allianz kaum mehr als auf dem Papier existiert. Es gibt keine Strukturen, die verschiedenen Gruppen sind nur pro-forma verbündet und jeder macht sein eigenes Ding. Also nicht die besten Vorraussetzungen den Islamischen Staat im Herzen seines Territoriums herauszufordern, eher das Rezept für eine weitere Blamage der US-Bemühungen Truppen zu organisieren, die dem IS wichtige Gebiete abnehmen sollen.

New U.S.-Backed Alliance to Counter ISIS in Syria Falters
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Platon » So 8. Nov 2015, 11:38

Die SDF/YPG führen aktuell eine Offensive südlich von Hasakah durch um den IS aus der Umgebung der Stadt zu vertreiben, die der IS im Sommer vergeblich versucht hatte einzunehmen:
http://www.agathocledesyracuse.com/archives/532
Zuletzt geändert von Platon am So 8. Nov 2015, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Platon » So 8. Nov 2015, 12:04

Die Türkei hat in der Vergangenheit mutmaßlich zweimal die YPG angegriffen, um zu verhindern, dass diese weitere Gebiete entlang der Türkischen Grenze erobern. Man befürchtet, dass die YPG nach Tal Abyad weitere Gebiete in ihren de facto-Staat in Nordsyrien integrieren. Die Grenze ist der Euphrat, die Türkei hat öffentlich deutlich gemacht, dass sie die Kurden westlich davon nicht dulden und notfalls selbst militärisch eingreifen wird.

So hat man am 27ten Juli mutmaßlich Stellungen des YPG in der Nähe von Jarabulus bombardiert. Der Stadt westlich des Euphrats, in der Nähe der türkischen Grenze welche das erste logische Ziel des YPG für eine weitere Expansion in Richtung Westen wäre. Die türkische Armee hat den Einsatz dementiert.
(Turkey accused of Syria shelling by Kurdish fighters) (Turkey denies bombing YPG positions in northern Syria)

Am 27ten Oktober hat die Türkei erklärt zwei Boote der YPG bombardiert zu haben, welche den Fluss in Richtung Westen überqueren wollten.
(Türkei greift Verbündete der USA an


Wie schon beim Thema Raqqa würde eine weitere Ausdehnung des kurdischen Territoriums Probleme verursachen, weil die Türkei ein Problem damit hat und die arabische Bevölkerung nicht begeistert sein wird, Teil eines immer größer werdenden kurdischen Kantons zu sein. Denn die YPG hat ja deutlich gemacht, dass sie die vom IS eroberte Stadt Tal Abyad, mit einer gemischten Bevölkerung aus Arabern und Kurden, mittlerweile als einen Teil ihres Territoriums ansieht und nicht beabsichtigt die Herrschaft über die Stadt zu irgendeinem Zeitpunkt irgendjemandem zu übergeben. Die Kurden sind gekommen um zu bleiben.









Civilians living in areas of northern Syria under the de facto control of the Autonomous Administration led by the Partiya Yekîtiya Demokrat (Democratic Union Party, PYD) are being subjected to serious abuses that include forced displacement and home demolitions. The Autonomous Administration has failed to provide civilians with compensation for their losses or alternative housing. Many of the civilians who have lost their homes and properties have nowhere else to go. While some have sought refuge in southern Turkey, others are displaced in Syria at times living in schools, camps, or with relatives. This report documents the deliberate demolition of civilian homes and the forced displacement of civilians, and in some instances entire villages, by the Autonomous Administration, in particular its police and military wings. While the Autonomous Administration has claimed that its forced displacement of civilians was not arbitrary because it was necessary on military grounds or for the security or protection of local residents, this report documents cases in which there was no such justification. Amnesty International considers that these instances of forced displacement, demolitions and confiscation of civilian property constitute war crimes.

https://www.amnesty.org/en/documents/md ... 3/2015/en/
Zuletzt geändert von Platon am So 8. Nov 2015, 12:13, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Platon » So 8. Nov 2015, 12:42

Über Kurden im Irak, die sich dem IS anschließen:


Über die Situation in Hasakah nach der Offensive des IS, bei dem die Gruppe Teile der Stadt die von der Assad-Armee kontrolliert wurden, eroberten um sie dann an die YPG zu verlieren. Einige Teile der Stadt werden aber nach wie vor von der Assad-Armee kontrolliert, die sich mit den Kurden arrangiert haben. Dazu befindet sich südlich der Stadt die Frontlinie mit dem Islamischen Staat.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Kardux » So 8. Nov 2015, 17:03

Platon hat geschrieben:mittlerweile als einen Teil ihres Territoriums ansieht und nicht beabsichtigt die Herrschaft über die Stadt zu irgendeinem Zeitpunkt irgendjemandem zu übergeben. Die Kurden sind gekommen um zu bleiben.


Aha. Sagt Ihnen der Begriff "Arabischer Gürtel" bzw. die Arabisierungspolitik der syrischen Baath- Partei etwas ? Die Kurden wurden vertrieben, das ist die Wahrheit. Nun hat sich eben eine Möglichkeit ergeben dieses Unrecht rückgängig zu machen - legitim wie ich finde...

Wenn man so ihre Zeilen liest möchte man fast glauben das Nordsyrien nicht überwiegend von Kurden besiedelt war/ist.

Und:

Platon hat geschrieben:Wie schon beim Thema Raqqa würde eine weitere Ausdehnung des kurdischen Territoriums Probleme verursachen, weil die Türkei ein Problem damit hat


Also hier schon eine Art Verständnis für die türkische Seite zu zeigen, die ja offensichtlich mit dem Teufel (IS) paktieren, ist schon sehr merkwürdig.
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Re: Der Kampf der Kurden gegen den IS

Beitragvon Marie-Luise » So 8. Nov 2015, 17:11

Kardux » Fr 2. Okt 2015, 19:33

Schon komisch das die USA, welche die Angriffe gegen die PKK seitens der Türkei befürworten, hinsichtlich der YPG so gar nicht dieselbe Meinung wie die Türkei vertritt - und das wohl zurecht ! Wer kämpft bitte so entschlossen und tapfer gegen den IS wie es die YPG tut?


Ich bin erstaunt, dass hier anscheinend die Bösen die YPG sein sollen, während die PKK gemeint ist.
Zuletzt geändert von Marie-Luise am So 8. Nov 2015, 17:11, insgesamt 1-mal geändert.

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