Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Moderator: Moderatoren Forum 1

z4ubi
Beiträge: 273
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon z4ubi » Sa 13. Jul 2019, 16:48

unity in diversity hat geschrieben:(13 Jul 2019, 14:49)

Das entspricht exakt der Saldenlogik.
Wo es interne Guthaben gibt, müssen auch interne Schulden sein.
Wenn die Privatschulden nicht wachsen wollen, müssen halt die Staatsschulden wachsen.
Nur so kann man Guthaben erhalten und proportional mit den Schulden anwachsen lassen.


Vor allem will man nicht in eine Deflation geraten. Es muss also immer stetig irgendwoher Geld kommen.
Und die eigene Zentralbank ist eine sehr sichere Geldquelle.


unity in diversity hat geschrieben:(13 Jul 2019, 14:49)
Aber nur intern und nur auf der Grundlage eines beständigen Exportüberschusses.


Wenn man sich die japanische Handelsbilanz der letzten Jahre anschaut, kann man das so denke nicht sagen.
Wähler
Beiträge: 4856
Registriert: Di 25. Dez 2012, 13:04
Wohnort: Bayern

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Wähler » So 14. Jul 2019, 07:30

z4ubi hat geschrieben:(13 Jul 2019, 14:37)
Das Problem Griechenlands ist, dass sie sich dort im Euro verschuldet haben und nicht in ihrer "eigenen" Währung.
Die EZB kann sich weigern, Griechenland mit Geld zu versorgen bzw. vertraglich darf sie das offiziell sogar nicht direkt tun.
Bei Japan sieht das anders aus. Dort macht die Zentralbank das, was sie tun muss. Man hätte gerne eine höhere Inflation und der Außenwert des Yen war in den letzten 20 Jahren auch recht stabil. Wenn die Privatverschuldung nicht zunimmt, wird dort weiter Luft nach oben sein, was die Staatsverschuldung angeht.

unity in diversity hat geschrieben:(13 Jul 2019, 14:49)
Das entspricht exakt der Saldenlogik.
Wo es interne Guthaben gibt, müssen auch interne Schulden sein.
Wenn die Privatschulden nicht wachsen wollen, müssen halt die Staatsschulden wachsen.
Nur so kann man Guthaben erhalten und proportional mit den Schulden anwachsen lassen.
Aber nur intern und nur auf der Grundlage eines beständigen Exportüberschusses.
Für das insgesamt innovationsschwache Deutschland kommt das nicht in Frage.

Die EZB hatte griechische Staatsanleihen wegen der hohen Verschuldung nicht mehr als Pfänder akzeptiert. Zentralbanken von Ländern mit unterschiedlichen Währungen können auch Pfänder gegenseitig nicht akzeptieren, wenn sie diese nicht mehr für werthaltig ansehen. Und ohne Zentralbankgeld können Banken keine Überweisungen ins In- oder Ausland tätigen. Ein Land kann nur solange mit seiner Währung machen, was es will, wenn es nicht auf Produkte aus dem Ausland angewiesen ist und die Inländer nicht auswandern.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
z4ubi
Beiträge: 273
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon z4ubi » Sa 20. Jul 2019, 09:14

Wähler hat geschrieben:(14 Jul 2019, 07:30)Die EZB hatte griechische Staatsanleihen wegen der hohen Verschuldung nicht mehr als Pfänder akzeptiert.


Das ist eben die Schwierigkeit, wenn man keine eigene Zentralbank hat. Seitens der japansichen Zentralbank gibt es keine Blockade. Allerdings sind die Rahmenbedingungen beider Länder andere, weshalb die Verschuldungspolitik Griechenlands nicht dem "japanischen Modell" entspricht.

Wähler hat geschrieben:(14 Jul 2019, 07:30)
Zentralbanken von Ländern mit unterschiedlichen Währungen können auch Pfänder gegenseitig nicht akzeptieren, wenn sie diese nicht mehr für werthaltig ansehen. Und ohne Zentralbankgeld können Banken keine Überweisungen ins In- oder Ausland tätigen. Ein Land kann nur solange mit seiner Währung machen, was es will, wenn es nicht auf Produkte aus dem Ausland angewiesen ist und die Inländer nicht auswandern.


Ein Staat sollte diese und andere geldpolitschen "Grenzen" nicht überrschreiten. Das japanische Modell bleibt ja im Rahmen, weshalb grundsätzlich jeder Staat es in Betracht ziehen kann.
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 2137
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13
Benutzertitel: Waldgänger&Klimaoptimist

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon BlueMonday » Sa 20. Jul 2019, 14:21

franktoast hat geschrieben:(05 Jul 2019, 17:13)

Ein Aktien-ETF auf den MSCI World mit den größten 2000 Unternehmen der Industriestaaten mit 0,2% Gebühren pro Jahr ist für dich "Insider"-Wissen? Jedes Monat x€ besparen und gut ist.
Aber gut, besser sichere 0,5% als mal 30%, mal -20% und im Mittel 5-10%. Wenn ich die Kohle in 30 Jahren brauche, ist es absolut wichtig, wie der Kurs in einem Jahr steht...


Ja, man sollte sich bewusst machen, was Rente eigentlich (ursprünglich) bedeutete. Rente meint eigentlich Kapitalrente oder Bodenrente. Letztlich geht es darum eine Kapitalstruktur aufzubauen, die soviel -real- abwirft, so dass Menschen in der Zukunft davon leben können ohne noch zusätzlich etwas beisteuern zu müssen, also zu Rentiers/Rentner werden zu können. Dieser grundlegende Gedanken ist durch diese planwirtschaftliche Zwangsumlagesystem mittlerweile ziemlich verschütt gegangen und durch eine überhaupt antikapitalistische Mentalität und gipfelt dann in der naiven Vorstellung, dass es ein rein monetär zu lösendes Problem wäre.
But who would build the roads?
z4ubi
Beiträge: 273
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon z4ubi » Sa 20. Jul 2019, 14:58

BlueMonday hat geschrieben:(20 Jul 2019, 14:21)
Dieser grundlegende Gedanken ist durch diese planwirtschaftliche Zwangsumlagesystem mittlerweile ziemlich verschütt gegangen und durch eine überhaupt antikapitalistische Mentalität und gipfelt dann in der naiven Vorstellung, dass es ein rein monetär zu lösendes Problem wäre.


Aus geldpolitischer Sicht liegt ja gar kein Problem vor. Entweder ich gebe den Rentnern über Steuern/Beiträge oder über frisches Geld etwas vom Kuchen ab. Solange dem Staat das Geldmonopol zusteht, kann er das sogar garantieren. Dadurch erscheint (ist?) diese Form der Rente sicherer als Wertpapiere aus der Finanzbranche.
Occham
Beiträge: 2259
Registriert: Do 21. Mai 2015, 16:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Occham » Sa 20. Jul 2019, 19:15

BlueMonday hat geschrieben:(20 Jul 2019, 14:21)

Ja, man sollte sich bewusst machen, was Rente eigentlich (ursprünglich) bedeutete. Rente meint eigentlich Kapitalrente oder Bodenrente. Letztlich geht es darum eine Kapitalstruktur aufzubauen, die soviel -real- abwirft, so dass Menschen in der Zukunft davon leben können ohne noch zusätzlich etwas beisteuern zu müssen, also zu Rentiers/Rentner werden zu können. Dieser grundlegende Gedanken ist durch diese planwirtschaftliche Zwangsumlagesystem mittlerweile ziemlich verschütt gegangen und durch eine überhaupt antikapitalistische Mentalität und gipfelt dann in der naiven Vorstellung, dass es ein rein monetär zu lösendes Problem wäre.

Rente wird und wurde zu jeden Zeitpunkt von AN + AG erwirtschaftet, in der Gegenwart. Für die Zukunft vorzusorgen, was die Rente betrifft, ist eine Illusion, vorsorge wäre ein eigenes Haus, denn die Rente wird von AN + AG erwirtschaftet. Wenn man diese Illusion leben will... Warum nicht, läuft ja scheinbar gut
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 5085
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 20. Jul 2019, 22:24

BlueMonday hat geschrieben:(20 Jul 2019, 14:21)

Ja, man sollte sich bewusst machen, was Rente eigentlich (ursprünglich) bedeutete. Rente meint eigentlich Kapitalrente oder Bodenrente. Letztlich geht es darum eine Kapitalstruktur aufzubauen, die soviel -real- abwirft, so dass Menschen in der Zukunft davon leben können ohne noch zusätzlich etwas beisteuern zu müssen, also zu Rentiers/Rentner werden zu können. Dieser grundlegende Gedanken ist durch diese planwirtschaftliche Zwangsumlagesystem mittlerweile ziemlich verschütt gegangen und durch eine überhaupt antikapitalistische Mentalität und gipfelt dann in der naiven Vorstellung, dass es ein rein monetär zu lösendes Problem wäre.

Die meisten Leute sind nun mal keine Börsenprofis und so mancher hat sein Geld schon bei Finanzberatern verloren. Denk mal an 2008. Selbst Vorsorgen ist eine sehr unsichere Sache. Darum ist es schon gut dass eine Rentenversicherung Pflicht ist. Allerdings sollte sie auch für Freiberufler und Beamte gelten um die Sache auf eine breitere Basis zu stellen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 10955
Registriert: Di 25. Apr 2017, 09:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Senexx » So 21. Jul 2019, 08:54

Für Selbständige wird man die Versicherungspflicht vermutlich irgendwann ei führen, für Beamte wohl eher nicht. Verfassungsrichter, selbst Beamte, werden das verhindern.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » So 21. Jul 2019, 09:04

Senexx hat geschrieben:(21 Jul 2019, 08:54)

Für Selbständige wird man die Versicherungspflicht vermutlich irgendwann ei führen, für Beamte wohl eher nicht. Verfassungsrichter, selbst Beamte, werden das verhindern.



Ja ja Systeme und ihre Ausnahmen.
Es gibt Hunderttausende von Bundes und Landesbeamten. Wenn die einfach nur in die RV einzahlen müssten sonst alles wie gehabt was eine Spritze für die RV.
Das müssen sogar Millionen Beamte sein!
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 10955
Registriert: Di 25. Apr 2017, 09:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Senexx » So 21. Jul 2019, 09:10

Ger9374 hat geschrieben:(21 Jul 2019, 09:04)

Ja ja Systeme und ihre Ausnahmen.
Es gibt Hunderttausende von Bundes und Landesbeamten. Wenn die einfach nur in die RV einzahlen müssten sonst alles wie gehabt was eine Spritze für die RV.
Das müssen sogar Millionen Beamte sein!

Es gibt knapp, 1,7 Millionen Beamte.

Und knapp 1,2 Millionen Pensionäre, die wir zusätzlich alimentieren müssen.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Nieder mit dem Extremismus: Wider SED, AfD und Grüne!
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » So 21. Jul 2019, 09:15

Senexx hat geschrieben:(21 Jul 2019, 09:10)

Es gibt knapp, 1,7 Millionen Beamte.

Und knapp 1,2 Millionen Pensionäre, die wir zusätzlich alimentieren müssen.


Danke für die Info ✌️
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Wähler
Beiträge: 4856
Registriert: Di 25. Dez 2012, 13:04
Wohnort: Bayern

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Wähler » Sa 3. Aug 2019, 10:31

SZ 3. August 2019 Die japanische Pumpe
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4550150
"Natürlich kennt man diese Risiken in Tokio, aber man meint, die Vorteile überwögen. Japans Regierungen versprechen seit zwanzig Jahren, den Staatshaushalt auszugleichen. Aber sie schieben das stets vor sich her. In Wirklichkeit hat diese schrumpfende, alternde Nation keine Chance mehr, sich ohne Schuldenschnitt, Inflation oder Massenimmigration aus ihrer Schuldenfalle zu lösen."
Das Geld der Inländer, was zinslos in japanischen Staatsanleihen steckt, fehlt für Investitionen in die Moderniserung der japanischen Wirtschaft. So steigt die Abhängigkeit von ausländischem Kapital.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » Sa 3. Aug 2019, 11:24

Japan wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen.
Das wird zu Massenhafter Entwertung der vor allem von Japanern gehaltenen Staatsanleihen führen .Die für die Alterssicherung, Pensionsfonds ect . genutzt werden.Nur wann platzt die Bombe.Pleite geht Japan nicht aber die Fiskalischen Erdbeben werden heftig.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 17009
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 3. Aug 2019, 12:07

Ger9374 hat geschrieben:(21 Jul 2019, 09:04)

Ja ja Systeme und ihre Ausnahmen.
Es gibt Hunderttausende von Bundes und Landesbeamten. Wenn die einfach nur in die RV einzahlen müssten sonst alles wie gehabt was eine Spritze für die RV.
Das müssen sogar Millionen Beamte sein!


Was soll das für eine Spritze sein? Dann entstehen natürlich auch Ansprüche daraus.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » Sa 3. Aug 2019, 12:41

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 Aug 2019, 12:07)

Was soll das für eine Spritze sein? Dann entstehen natürlich auch Ansprüche daraus.



Ansprüche die bisher die Länder und der Bund befriedigen, also müssten diese mit eingebunden werden. In einer Übergangsphase zumindest.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 17009
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 3. Aug 2019, 14:45

Ger9374 hat geschrieben:(03 Aug 2019, 12:41)

Ansprüche die bisher die Länder und der Bund befriedigen, also müssten diese mit eingebunden werden. In einer Übergangsphase zumindest.


Was für ein Witz. Da kann man ja gleich mehr aus Steuermitteln zur Rentenversicherung zuschießen....
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » Sa 3. Aug 2019, 19:43

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 Aug 2019, 14:45)

Was für ein Witz. Da kann man ja gleich mehr aus Steuermitteln zur Rentenversicherung zuschießen....



Unsinn nach der zu berechnenden Übergangsphase wäre der Bund und die
Länder ja raus.Dann müssen alle gleich in eine RV einzahlen und die Pensionen könnten im Verlauf der Jahre auf normales Rentenniveau angepasst werden!
Gerechter und der für den Staat auf Dauer billiger.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 17009
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Sa 3. Aug 2019, 19:52

Ger9374 hat geschrieben:(03 Aug 2019, 19:43)

Unsinn nach der zu berechnenden Übergangsphase wäre der Bund und die
Länder ja raus.Dann müssen alle gleich in eine RV einzahlen und die Pensionen könnten im Verlauf der Jahre auf normales Rentenniveau angepasst werden!
Gerechter und der für den Staat auf Dauer billiger.


Nur dass die Rentenversicherungsbeiträge der Steuerzahler zahlt, also Jacke wie Hose. Allenfalls ein Absenken des Altersvorsorgeniveaus auf die Höhe der Rente könnte eventuell eine Einsparung bringen. Das aber auch nur unter der Voraussetzung, dass die Gehälter, dann nicht auf das Niveau der freien Wirtschaft nach oben angepasst werden müssen. Ist es doch die gute Altersversorgung die das Beamtentum für viele erst finanziell interessant macht.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 4246
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Ger9374 » Sa 3. Aug 2019, 20:06

Das Länder und Bund endlich auf Beamte verzichten sollten hat ja S-H als Bundesland versucht.Nach kurzer Zeit in der Ablage gelandet.Der Einsparungseffekt im Arbeitsleben des Beamten verschiebt Kosten nur Jahrzehnte nach hinten bis zur Pensionierung. Dann platzt die Blase.
Der Sonderstatus durch Frühpensionierung en kostet auch extra. Das kann sich ein Arbeiter gar nicht erlauben.
Alles Milchmädchenrechnungen .
Die Leistung von Beamten Stelle ich nicht zur Debatte aber der Teure überholte berufliche Sonderstatus.Die Post hat seit Mitte der 90er aufgehört zu verbeamten, auch weil Privatisiert ging doch auch!
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Atue001
Beiträge: 119
Registriert: Fr 2. Aug 2019, 00:00

Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Atue001 » Di 6. Aug 2019, 23:19

franktoast hat die Kernfragestellung bezüglich der Rente sehr klar dargestellt! Letzten Endes geht es um Verteilungsfragestellungen - allgemeiner als die Frage der Einkommensverteilung wäre noch, die Frage auf die Ebene der Vermögensverteilung anzuheben. Bezogen auf die Rente wäre eine solche Vermögensfragestellung beispielsweise, ob wir als Gesellschaft davon ausgehen, dass ein alleinstehender Rentner selbstverständlich in seinem Einfamilienhaus mit 140qm Wohnfläche bleiben kann, oder ob ihm nicht zugemutet werden darf, dass er einen Teil dieses Vermögens aufgeben muss - und beispielsweise eine 70qm-Wohnung für ihn reicht. Ich stelle dies als Frage - nicht als Empfehlung in den Raum!

Eigentlich haben wir auch gar kein Problem in der Rente - auch nicht mit der Demographie! Hier wird nur unsauber mit Begrifflichkeiten gearbeitet - was in der Politik aber ja durchaus Teil der Argumentationslinien ist.
Tatsächlich ist das eigentliche Problem das der Existenzsicherung - bezogen auf die Rentenfragestellung und die Demographie geht es um die Frage der Existenzsicherung im Alter, wenn man ohne eigenes Einkommen auskommen muss.

Für Beamte zahlt diese Existenzsicherung der Steuerzahler.
Menschen mit Erwerbseinkommen im Arbeitsleben zahlen die Existenzsicherung über ihre Einzahlungen in die Rentenkasse - wenn diese Einzahlungen nicht ausreichend, um das Existenzminimum (Grundsicherung) im Alter zu gewährleisten, springt wieder der Steuerzahler ein - unter Berücksichtigung des Bedüftigkeitsprinzips aber erst, wenn das eigene Vermögen weitestgehend aufgebraucht wurde.
Menschen ohne Rentenansprüche bekommen auch die Grundrente als Existenzsicherung, auch wieder unter den Bedingungen des Bedürftigkeitsprinzips.

Das scheinbare Demographieproblem entsteht nun dadurch, dass die Menge an Einzahlern in die Rentenkasse allenfalls konstant bleibt tendenziell aber im Volumen sogar kleiner wird, während gleichzeitig die Menge an Rentenempfängern wächst, weil die Menschen immer mehr Rentenjahre erleben.
Nun ist es aber schon auch eine Gerechtigkeitsfrage, ob man die Finanzierung des Existenzminimums bei Rentnern innerhalb der Solidargemeinschaft der Einzahler und Rentenempfänger organisieren muss, oder ob es nicht richtiger wäre, dies als Gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu organisieren.

Ein Alternativer Ansatz könnte deshalb sein, das Rententhema von der Sicherung des Existenzminimums zu trennen. Das Existenzminimum kann man Gesamtgesellschaftlich modern über ein BGE organisieren - würde man dieses über eine prozentuale Vermögensabgabe finanzieren, wären die Lasten der Existenzsicherung gleichmäßig verteilt. Für die meisten Menschen in Deutschland wäre dies eine deutliche Entlastung!
Ob man dann überhaupt noch eine staatlich organisierte gesetzliche Rente zusätzlich braucht, ist fraglich. Tatsächlich wäre es dann realistisch, die Altersvorsorge darüber hinaus in die Eigenverantwortung zu übergeben - wer mehr im Alter haben will, spart dann Vermögen für das Alter an. Würde man die staatliche Rente einfach weiter belassen wie heute, wäre ein Rentensatz von weniger als die Hälfte zum heutigen Satz ausreichend, um vergleichbare Einkommenshöhen wie heute zu finanzieren. (Klar - 800-1000€ wären ja schon über die Existenzsicherung finanziert.....)

Die Finanzierung der Existenzsicherung über eine prozentuale Vermögensabgabe wäre fair, und würde darüber hinaus das Thema der Vermögensakkumulation adressieren, welches derzeit nämlich parallel zum scheinbaren Demographieproblem besteht - es ist bekannt unter dem Namen "Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich".

Das japanische Modell ist hingegen wenig geeignet - es finanziert die Renten über die zukünftigen Generationen. Für Japan passt dies, weil es japanische Tradition ist, dass sich die jüngeren wie selbstverständlich um die Älteren eh zu kümmern haben - der Umfang von 250% des BIP allerdings wäre für europäische Verhältnisse ein Staatsbankrott oder ein beginnender Bürgerkrieg Jung gegen Alt und Reich gegen Arm.

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste