Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

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Musashi
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Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Musashi » Di 2. Jul 2019, 21:15

Liebe Foristen und Foristinnen,

seit längerem beschäftigt mich unser Demographieproblem in Verbindung mit unserem Rentenproblem und denke über Lösungsansätze nach.

Heute möchte ich mit Euch die "japanische Lösung" diskutieren, japanische Lösung nenne ich sie, weil ich mich von der Bank of Japan inspirieren lassen habe.

Die Bank of Japan kauft auf dem Sekundärmarkt sämtliche japanische Staatsschulden und auch fleissig Unternehmensanteile auf.

Das machen die in so einem Ausmaß, dass schon gemunkelt wird, wenn die Bank of Japan die komplette Staatsverschuldung Japans aufgekauft hat, dass die die Schulden dann einfach aus der Bilanz streichen. Ganz abwägig ist dieser Gedankengang nicht, denn auf normalen Wege wird sich Japan wohl nie mehr von den Staatsschulden befreien können. Auch bei der FED und der EZB drängt sich der Verdacht auf, dass auch hier in den letzten Jahren in größerem Maße Staatsverschuldung aufgekauft wurde (und wird).

Wäre das nicht auch ein Modell für uns?

Unser Rentenproblem besteht in erster Linie bis zum Jahre 2080, dann dürften die meisten "Probemrentner" weggestorben sein. Was würde es bedeuten, wenn wir die Renten (in menschenwürdiger Höhe) den Menschen auf "Pump" auszahlen würden? Der Staat holt sich das Geld von der EZB und die EZB kauft die Staatsschulden auf. So könnte das ganze Rentensystem finanziert werden, die Schulden Deutschlands bei der EZB steigen natürlich bis dahin weiter an. Und im Jahre 2080 machen wir das, was man vermutet, dass Japan vor hat: Wir streichen einfach die Schulden aus den Büchern der EZB.

Also schuldenfinanzierte Renten bis zum Jahr 2080.
Die Schulden gehen nicht an Privatpersonen oder Institutionen, sondern werden von der EZB "gekauft".
Im Jahr 2080 streichen wir die Schulden dann aus den Büchern der EZB.

Einer möglichen "Inflation" könnte man gegensteuern, indem man im Jahre 2080 gleichzeitig eine Währungsreform macht.

Eine Variante davon wäre (auch darüber wird in der Finanzwelt spekuliert), dass die Bank of Japan die Schulden einfach "endlagert" und nicht mehr auf den Markt zurückbringt, die Konditionen so verändert, dass die Schulden keine Rolle mehr spielen. Es wäre z.B. denkbar, dass die Konditionen der aufgekauften Schulden verändert werden, z.B. die Zinsen auf 0 gesetzt werden und die Laufzeit auf "ewig" verlängert wird. Dann wären die Schulden defakto zwar nicht "verschwunden" und würden immer noch in den Büchern stehen - hätten aber keine Wirkung mehr. Auch dieses Szenario halte ich für möglich und eventuell auch für Europa ein Weg?

Was haltet Ihr von so einer Lösung? Wäre sowas machbar? Wo sind Eurer Meinung nach die Fallstricke dieser Lösung und was würde auf dem Markt passieren, wenn die EZB das tatsächlich machen würde?

Und ganz nebenbei, wie reagiert die Finanzwelt, wenn die Bank of Japan tatsächlich die Schulden Japans einfach aus den Büchern streicht?

Noch 2 Links zum Abschluss:

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... eiten.html

https://www.welt.de/finanzen/article188 ... esung.html

Ich freue mich schon auf Eure Sichtweise der Dinge.

Gruß
Musa
Zuletzt geändert von Musashi am Di 2. Jul 2019, 21:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Tom Bombadil » Di 2. Jul 2019, 21:30

Klar ist das machbar, wenn man die Inflation unter Kontrolle halten kann, mit einer einfachen Währungsreform ist das nicht getan, eine Währung lebt vom Vertrauen der Bürger und des Auslands.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon watisdatdenn? » Di 2. Jul 2019, 21:50

Interessant!
Mir war dieses Finanzkonstrukt in Japan so nicht klar..
Danke dafür!

Ich denke das wäre tatsächlich ein gangbarer Weg, nur sollten die Staatsschulden in Europa auch fair aufgekauft werden.
Also je nach bip genauso viele deutsche wie z.B. Italienische Staatsschulden.
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unity in diversity
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon unity in diversity » Mi 3. Jul 2019, 05:08

Kein normaler Mensch kann 60 Jahre in die Zukunft blicken. Das können nur Finanzlobbyisten, wie der rührige Rürup und der raffelnde Raffelhüschen. Die gehen allerdings von linearen Entwicklungsprozessen aus.
Vor 60 Jahren prägten mechanische Schreibmaschinen, mechanische Rechenmaschinen und andere Klapperaturen den Alltag.
Kein Vergleich zu dem, was heute in Arbeitszimmern und Wohnzimmern steht.

Die oben beschriebene Verfahrensweise, käme als Brückentechnologie in Betracht, bis die Einwohnerzahl deckungsgleich mit existenzsichernden Arbeitsplätzen ist.
Dieser Zustand ist genau genommen unerreichbar, weil die Produktivitätsentwicklung schneller voranschreitet, als die Bevölkerungsentwicklung darauf reagiert.
Daher gilt „Produktivität schlägt Demografie‘ auch nur annähernd, solange die Verzögerung der Bevölkerungsentwicklung im Rahmen bleibt. Man kann beide Prozesse durch Propaganda synchronisieren, wenn man ein Entwicklungskonzept für die Gesellschaft hat.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 3. Jul 2019, 07:42

Wie streicht man denn Schulden aus der Bilanz?
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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unity in diversity
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon unity in diversity » Mi 3. Jul 2019, 08:58

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 Jul 2019, 07:42)

Wie streicht man denn Schulden aus der Bilanz?

Schuldenobergrenze immer wieder anheben, wie in den USA.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Adam Smith
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Adam Smith » Mi 3. Jul 2019, 09:16

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 Jul 2019, 07:42)

Wie streicht man denn Schulden aus der Bilanz?


Indem die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten.
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Adam Smith
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Adam Smith » Mi 3. Jul 2019, 09:21

watisdatdenn? hat geschrieben:(02 Jul 2019, 21:50)

Interessant!
Mir war dieses Finanzkonstrukt in Japan so nicht klar..
Danke dafür!

Ich denke das wäre tatsächlich ein gangbarer Weg, nur sollten die Staatsschulden in Europa auch fair aufgekauft werden.
Also je nach bip genauso viele deutsche wie z.B. Italienische Staatsschulden.


Hier mal die EZB zum Aufkaufprogramm.


Zahlen wonach die EZB die Anleihen längst nicht mehr analog zum Kapitalschlüssel der Mitgliedsstaaten kaufe, wies die EZB ebenso zurück: „Die Zahlen sind falsch“, so die Prozessvertreterin.


https://amp-wiwo-de.cdn.ampproject.org/ ... 86478.html

Die Anteile der nationalen Zentralbanken am Kapital der Europäischen Zentralbank werden nach dem wirtschaftlichen Gewicht und der Einwohnerzahl der Länder berechnet.

Nach der Neuberechnung wird der EZB-Kapitalanteil der Deutschen Bundesbank deutlich wachsen – um 0,8 Prozentpunkte auf 26,4 Prozent bezogen auf die Anteile der 19 Notenbanken im Eurosystem.

Die französische Notenbank Banque de France wird künftig 20,4 Prozent Anteil im Eurosystem haben (0,3 Punkte mehr als bislang).


https://m-faz-net.cdn.ampproject.org/v/ ... 22992.html
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon NB3 » Mi 3. Jul 2019, 12:28

Musashi hat geschrieben:(02 Jul 2019, 21:15)

Liebe Foristen und Foristinnen,

seit längerem beschäftigt mich unser Demographieproblem in Verbindung mit unserem Rentenproblem und denke über Lösungsansätze nach.

Heute möchte ich mit Euch die "japanische Lösung" diskutieren, japanische Lösung nenne ich sie, weil ich mich von der Bank of Japan inspirieren lassen habe.

Die Bank of Japan kauft auf dem Sekundärmarkt sämtliche japanische Staatsschulden und auch fleissig Unternehmensanteile auf.

Das machen die in so einem Ausmaß, dass schon gemunkelt wird, wenn die Bank of Japan die komplette Staatsverschuldung Japans aufgekauft hat, dass die die Schulden dann einfach aus der Bilanz streichen. Ganz abwägig ist dieser Gedankengang nicht, denn auf normalen Wege wird sich Japan wohl nie mehr von den Staatsschulden befreien können. Auch bei der FED und der EZB drängt sich der Verdacht auf, dass auch hier in den letzten Jahren in größerem Maße Staatsverschuldung aufgekauft wurde (und wird).

Wäre das nicht auch ein Modell für uns?

Unser Rentenproblem besteht in erster Linie bis zum Jahre 2080, dann dürften die meisten "Probemrentner" weggestorben sein. Was würde es bedeuten, wenn wir die Renten (in menschenwürdiger Höhe) den Menschen auf "Pump" auszahlen würden? Der Staat holt sich das Geld von der EZB und die EZB kauft die Staatsschulden auf. So könnte das ganze Rentensystem finanziert werden, die Schulden Deutschlands bei der EZB steigen natürlich bis dahin weiter an. Und im Jahre 2080 machen wir das, was man vermutet, dass Japan vor hat: Wir streichen einfach die Schulden aus den Büchern der EZB.

Also schuldenfinanzierte Renten bis zum Jahr 2080.
Die Schulden gehen nicht an Privatpersonen oder Institutionen, sondern werden von der EZB "gekauft".
Im Jahr 2080 streichen wir die Schulden dann aus den Büchern der EZB.

Einer möglichen "Inflation" könnte man gegensteuern, indem man im Jahre 2080 gleichzeitig eine Währungsreform macht.

Eine Variante davon wäre (auch darüber wird in der Finanzwelt spekuliert), dass die Bank of Japan die Schulden einfach "endlagert" und nicht mehr auf den Markt zurückbringt, die Konditionen so verändert, dass die Schulden keine Rolle mehr spielen. Es wäre z.B. denkbar, dass die Konditionen der aufgekauften Schulden verändert werden, z.B. die Zinsen auf 0 gesetzt werden und die Laufzeit auf "ewig" verlängert wird. Dann wären die Schulden defakto zwar nicht "verschwunden" und würden immer noch in den Büchern stehen - hätten aber keine Wirkung mehr. Auch dieses Szenario halte ich für möglich und eventuell auch für Europa ein Weg?

Was haltet Ihr von so einer Lösung? Wäre sowas machbar? Wo sind Eurer Meinung nach die Fallstricke dieser Lösung und was würde auf dem Markt passieren, wenn die EZB das tatsächlich machen würde?

Und ganz nebenbei, wie reagiert die Finanzwelt, wenn die Bank of Japan tatsächlich die Schulden Japans einfach aus den Büchern streicht?

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Gruß
Musa


Nennt sich Quantitative Easing.
https://de.wikipedia.org/wiki/Quantitative_Lockerung
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Wähler » Mi 3. Jul 2019, 14:57

Musashi hat geschrieben:(02 Jul 2019, 21:15)
Also schuldenfinanzierte Renten bis zum Jahr 2080.
Die Schulden gehen nicht an Privatpersonen oder Institutionen, sondern werden von der EZB "gekauft".
Im Jahr 2080 streichen wir die Schulden dann aus den Büchern der EZB.
Einer möglichen "Inflation" könnte man gegensteuern, indem man im Jahre 2080 gleichzeitig eine Währungsreform macht.

Der Außenwert des japanischen Yens würde schon vorher so stark sinken, dass die Währung im Währungskorb des IWF seine Bedeutung verlieren wird. Das Finanzieren von Kriegen über zu viele Staatsschulden hat nie in der Menschheitsgeschichte funktioniert und zu Währungsreformen zum falschen Zeitpunkt geführt. Keine staatliche Institution der Welt konnte bisher solche Prozesse steuern.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon firlefanz11 » Mi 3. Jul 2019, 16:04

Die einzig wahre Lösung: Fucking for Future!
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 3. Jul 2019, 17:26

NB3 hat geschrieben:(03 Jul 2019, 12:28)

Nennt sich Quantitative Easing.
https://de.wikipedia.org/wiki/Quantitative_Lockerung


In der Konsequenz, wie es der Threadersteller darstellt nicht mehr. Das läuft auf monetäre Staatsfinanzierung hinaus.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Musashi » Mi 3. Jul 2019, 21:05

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 Jul 2019, 17:26)

In der Konsequenz, wie es der Threadersteller darstellt nicht mehr. Das läuft auf monetäre Staatsfinanzierung hinaus.


Ab wieviel Prozent Staatsverschuldung die die Zentralbank aufgekauft hat, sprechen Sie von einer Staatsfinanzierung?
Die EZB hält bereits ca. 1/4 der gesamten deutschen Staatsverschuldung. Ist dies nicht bereits monetäre Staatsfinanzierung?

Gruß
Musa
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 3. Jul 2019, 21:12

Musashi hat geschrieben:(03 Jul 2019, 21:05)

Ab wieviel Prozent Staatsverschuldung die die Zentralbank aufgekauft hat, sprechen Sie von einer Staatsfinanzierung?
Die EZB hält bereits ca. 1/4 der gesamten deutschen Staatsverschuldung. Ist dies nicht bereits monetäre Staatsfinanzierung?

Gruß
Musa


Meine Anmerkung bezog sich auf deine Idee, die Schulden erst zu machen und dann zu streichen.

Wobei noch die Frage offen ist wie denn die Schulden des Staates aus der Bilanz der Zentralbank "gestrichen" werden sollen.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Musashi » Mi 3. Jul 2019, 21:23

Hast Du die Artikel die ich gepostet habe (in meinem ersten Post) - haste die gelesen? Da wird von "Ökonomen" gesprochen, die das befürchten, bzw. von igendwelchen Chef-Volkswirten ^^

Naja, wenn die EZB (sag ich jetzt mal laienhaft) die Schulen "hält", dann ist der Schuldner der Staat und der Gläubiger die EZB. Wenn in einem Unternehmen eine Forderung nicht mehr einbringbar ist, muss sie abgeschrieben werden. Sowas in der Art denke ich müsste das dann auch sein. Man schreibt die Schulden einfach ab ^^
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 3. Jul 2019, 21:30

Musashi hat geschrieben:(03 Jul 2019, 21:23)

Hast Du die Artikel die ich gepostet habe (in meinem ersten Post) - haste die gelesen? Da wird von "Ökonomen" gesprochen, die das befürchten, bzw. von igendwelchen Chef-Volkswirten ^^

Naja, wenn die EZB (sag ich jetzt mal laienhaft) die Schulen "hält", dann ist der Schuldner der Staat und der Gläubiger die EZB. Wenn in einem Unternehmen eine Forderung nicht mehr einbringbar ist, muss sie abgeschrieben werden. Sowas in der Art denke ich müsste das dann auch sein. Man schreibt die Schulden einfach ab ^^


Und was passiert, wenn Schulden (eigentlich Forderungen) abgeschrieben werden?
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franktoast
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon franktoast » Do 4. Jul 2019, 06:53

Musashi hat geschrieben:(02 Jul 2019, 21:15)

Liebe Foristen und Foristinnen,

seit längerem beschäftigt mich unser Demographieproblem in Verbindung mit unserem Rentenproblem und denke über Lösungsansätze nach.

Heute möchte ich mit Euch die "japanische Lösung" diskutieren, japanische Lösung nenne ich sie, weil ich mich von der Bank of Japan inspirieren lassen habe.

Die Bank of Japan kauft auf dem Sekundärmarkt sämtliche japanische Staatsschulden und auch fleissig Unternehmensanteile auf.
...


Und welches Problem gedenkst du damit zu lösen? Alle denken immer nur an das Geld, dabei ist das nur ein Zwischentauschmittel. Letztlich wird ein BIP (alle Waren- und Dienstleistungen) hergestellt und es geht darum, diese zu verteilen. Wenn der Teil der Bevölkerung immer größer wird, der nix herstellt, aber pro Kopf einen gleichen Anteil am BIP will, dann muss die arbeitendende Bevölkerung immer mehr von dem Hergestellten abgeben.
Illustration: Würde das BIP aus einem Auto pro Kopf pro Jahr bestehen und jeder würde arbeiten, dann würde jeder ein Auto herstellen und eines bekommen. Wenn jedoch die Hälfte in die Rente ginge, dann würde die eine Hälfte jeweils ein Auto herstellen, bekäme aber nur alle 2 Jahre ein Auto.
-> Auto kannst du nun auch mit einer Eurozahl ersetzen, wenn du dich da wohler fühlst. Die Eurozahl repräsentiert ja reale Güter.

Der klassische Weg der Umverteilung ist die Steuer. Die arbeitende Bevölkerung wird direkt etwas abgezogen. Sprich, es werden nur halb so viele Autos wie Personen hergestellt, also kann auch nur jeder ein halbes Auto bekommen.
Nun kommen aber neunmalkluge Finanzpolitiker und sagen: Hey, was, wenn der Staat Schulden aufnimmt und jedem Bürger die andere Hälfte kauft? Äh nö. Es gibt nur halb so viele Autos wie Menschen.Physikalisch unmöglich. Auch wenn man argumentiert, dass der Bürger eben die Schulden später zurück bezahlt. Nein, in diesem Jahr hier gibt es nur halb so viele Autos. Punkt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Egal ob Japan Schulden aufnimmt oder nicht, diese zurück bezahlt oder nicht, es geht um die Umverteilung realer Güter. Wird die erwerbstätige Bevölkerung immer kleiner, soll aber immer mehr Rentner durchfüttern, dann bekommt die erwerbstätige Bevölkerung von ihren hergestellten Gütern immer weniger.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Musashi
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Musashi » Do 4. Jul 2019, 21:15

Naja, ich verstehe Eure Einwände sicherlich. Aber es kann nicht sein, dass wir als Gesellschaft Menschen ein Leben lang arbeiten lassen und am Ende kommt nichts rüber, oder wird verlangt, dass man bis zum 70. Lebensjahr arbeiten soll. Davon gehe ich nämlich aus. Bis ich in Rente gehen darf, wird das Renteneintrittsalter auf 70 angehoben. Damit erlebt schon mal jeder 4. bis 5. seine eigene Rente nicht mehr, weil er vorher stirbt. Ob das dann gerecht ist, wage ich zu bezweifeln. Sicherlich gibt es noch andere Lösungsansätze. Und es geht im Endeffekt um ca. 60 Jahre in denen wir die Rentenproblematik haben. Und hierfür brauchen wir eine tragfähige Lösung. Und ja, das Finanzkonstrukt der modernen Welt besteht aus Regeln, die die Menschen selbst gemacht haben. Regeln kann man ändern. Nehmen wir eine Kriegswirtschaft. Was da möglich ist, kann kein vernünftiger Ökonom erklären. In einer Kriegswirtschaft gehen Dinge, die sonst nicht gehen. Und warum? Weil im Krieg andere Regeln gelten. Eure Einwände in Ehren, aber das sind alles Regeln, menschengemacht. Und nicht festgeschrieben wie das Wort Gottes. Denkt mal darüber nach. Wir brauchen Freigeister, Vordenker und Mitdenker, die sich von Konventionen lösen und unkonventionell denken - nur so werden wir eine Lösung für die Problematik finden. Es ist nun mal so wie es ist und ich sehe nicht ein, warum meine Generation kaum bis keine Rente mehr erhalten soll, obwohl ich z.B. bis heute keinen einzigen Tag Arbeitslos war. Ich darf zahlen, zahlen, zahlen, aber wenn ich alt bin und etwas bekommen soll, und wir in diesem demographischen Gebilde leben, brauchen wir unkonventionelle Lösungen, wenn nicht 30 % der Bevölkerung im Alter darben soll.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon franktoast » Do 4. Jul 2019, 21:32

Musashi hat geschrieben:(04 Jul 2019, 21:15)

Naja, ich verstehe Eure Einwände sicherlich. Aber es kann nicht sein, dass wir als Gesellschaft Menschen ein Leben lang arbeiten lassen und am Ende kommt nichts rüber, oder wird verlangt, dass man bis zum 70. Lebensjahr arbeiten soll. Davon gehe ich nämlich aus. Bis ich in Rente gehen darf, wird das Renteneintrittsalter auf 70 angehoben. Damit erlebt schon mal jeder 4. bis 5. seine eigene Rente nicht mehr, weil er vorher stirbt.

Ja, ein Anteil wird das reguläre Renteneintrittsalter nicht erreichen. Ich denke nicht, dass der Anteil zunehmen wird.
Was fändest du den fair? Wenn irgendwann alle in Rente sind und keiner mehr arbeitet, dann macht der Staat einfach Schulden, die er nie zurück bezahlt, dann hat jemand genug zu Essen und zu Wohnen? Ist das die Lösung? Du weißt selber, da kannst du noch so ein ausgeklügeltes Finanz-Finanzierungssystem machen. Geldscheine kann man nicht essen.

Ob das dann gerecht ist, wage ich zu bezweifeln. Sicherlich gibt es noch andere Lösungsansätze. Und es geht im Endeffekt um ca. 60 Jahre in denen wir die Rentenproblematik haben. Und hierfür brauchen wir eine tragfähige Lösung. Und ja, das Finanzkonstrukt der modernen Welt besteht aus Regeln, die die Menschen selbst gemacht haben. Regeln kann man ändern.

Irgendwo müssen die Produkte herkommen, die die Rentner konsumieren wollen. So leid es mir tut, aber die "Regel" kannst du nicht ändern. Also wenn die Rentner genug Konsummittel bekommen sollen, woher kommen die? Richtig. Du musst es denen wegnehmen, die es erwirtschaften. Und nein, du kannst nicht einfach den Superreichen die Fabriken wegnehmen und diese in Altenheime umwandeln.

Es ist nun mal so wie es ist und ich sehe nicht ein, warum meine Generation kaum bis keine Rente mehr erhalten soll, obwohl ich z.B. bis heute keinen einzigen Tag Arbeitslos war.

Keine Angst, das wird auch nie passieren. Zum einen stellen Rentner ein immer größeres Gewicht in der demokratischen Mehrheitsdemokratie. Zum anderen häufen du und ich bis zum Rentenalter einen Berg voll Unternehmensbeteiligungen an (va. Aktien), wodurch im Rentenalter uns ein Teil der Produktion und entsprechend von deren Gewinn uns gehört (Dividenden). Diese Funktion des Sparen bzw. Konsumverzichts ist auch immens wichtig für eine Wirtschaft.
Aber auch hier gilt: Wenn du und ich im Rentenalter ein Auto kaufen wollen und Urlaub machen, dann muss jemand anders diese Waren und Dienstleistungen bewerkstelligen.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Demographie-Problem, Rentenproblem und die "japanische Lösung"

Beitragvon Skull » Do 4. Jul 2019, 23:28

Musashi hat geschrieben:(04 Jul 2019, 21:15)

Und hierfür brauchen wir eine tragfähige Lösung.

Daher verstehe ich auch nicht den Sinn dieses Threads. ;)

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