Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

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3x schwarzer Kater
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Jul 2019, 09:02

imp hat geschrieben:(17 Jul 2019, 08:56)

Da sehe ich schon auch einen anderen Faktor am Werk. Neben der Tatsache, dass die Menschen im typischen Lebensalter für Selbständigkeit und Investition in der Region eher knapp sind, dürfte auch die meist schmale Kapitalausstattung manchen, der könnte und wollte, ausbremsen. Zwar bekommt man derzeit Kredite und andere Investitionsformen vergleichsweise billig, aber auch nur, wenn dem harte Faktoren wie Eigenkapital, erprobtes Geschäftsmodell, Erfahrungsnachweise hinzukommen. Basel III funktioniert für manche Sektoren nicht so gut, wenn man "einfach mal anpacken" will und am Anfang steht.


Das wäre mir neu, dass das nur in den NBL gilt.
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imp
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Mi 17. Jul 2019, 09:18

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 Jul 2019, 09:02)

Das wäre mir neu, dass das nur in den NBL gilt.

Das ist im Grunde nicht neu. Die EK-Ausstattung potentieller Gründer in dieser Region ist schon in den 90ern sehr schmal gewesen. Damals galten noch andere Bedingungen, auch die Kapitalkosten waren andere, es gab noch die DM. Dass es solche verhinderten Gründer auch anderswo gibt, ändert nichts daran, dass dieser Effekt in der Region sehr prägend ist. Da spielt sich der Effekt der sehr egalitären Vorgängergesellschaft nicht so sehr im Kopf wie am Konto aus. Wenn du dich mal in den dortigen Banken, IHKen usw bzw auf Kongressen umhörst, ist EK und Finanzierung ein Dauerthema.
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3x schwarzer Kater
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Jul 2019, 09:20

imp hat geschrieben:(17 Jul 2019, 09:18)
. Wenn du dich mal in den dortigen Banken, IHKen usw bzw auf Kongressen umhörst, ist EK und Finanzierung ein Dauerthema.


Es ist auch in den ABL ein Dauerthema.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Jul 2019, 09:24

Alter Stubentiger hat geschrieben:(17 Jul 2019, 08:21)

Das hat mit dem Witschaftssystem nichts zu tun. Das war schon bei den Römern und bei den alten Griechen und bei den Ägyptern so. Menschen ziehen da in wo die Bedingungen stimmen. Und in Ostdeutschland, auf dem platten Land, stimmt eben nichts. Das liegt oft an der Mentalität der Leute die da wohnen. Die hätten wie in Baden-Württemberg nach dem Krieg selber viel aktiver werden müssen. Aber man hat gedacht der Staat wäre dafür zuständig. An Neue Dinge gewöhnt man sich da auch viel zu langsam bis gar nicht. Darum wollen da allenfalls Polen hin die zumindest die Grenzregion an manchen Stellen etwas beleben. Die freuen sich über die billigen Immobilien und weil die Lebensbedingungen doch immerhin besser sind als in Westpolen/Schlesien. Und da haben wir es wieder. Die Menschen ziehen dahin wo die Bedingungen besser sind.


In Stettin sind schlichtweg einfach die Mieten zu hoch bzw. die Wohnungen knapp. Dann lieber gleich ein EFH in der Uckermark bauen. Infrastruktur, Kultur usw. in Stettin sind eigentlich wesentlich besser als in den Uckermark-Dörfern.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon H2O » Mi 17. Jul 2019, 09:30

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 Jul 2019, 08:36)

Zu kurz gedacht. Die Gegenden die brummen deswegen, weil die Menschen, die dort leben etwas unternehmen. Daher kommt auch der Begriff "Unternehmer". Wenn alle aber nur darauf warten, dass andere was unternehmen .... dann passiert natürlich nix. Und da sind wir letztendlich wieder beim Sozialismus, der den Menschen das letzte Quäntchen Selbstverantwortung aberzogen hat. Aber wie geschrieben, diese Generationenproblem löst sich mit der Zeit.


Der erste Satz ist gar nicht zu bestreiten: Da unternehmen Leute etwas. Die Grundlage für solche Unternehmen wurden aber über lange Zeit geschaffen: Infrastruktur in Schulen, Hochschulen, Berufsschulen, Vermögen der Kommunen, Facharbeiter. Dann unternimmt sich leichter etwas als dort, wo hinten und vorne nix zu holen ist, weil etwa Landwirtschaft mit wenigen Leuten betrieben werden kann, der Maschineneinsatz sich so sehr lohnt. Die wenigen gut ausgebildeten Leute ergreifen die Flucht, unternehmen also auch etwas.

Deshalb mache ich unseren Flächennutzungsplan für vieles verantwortlich, was uns als Gesellschaft auf die Füße fällt: Verödung, Übernutzung, Wohnungsmangel, Leerstände und Verfall. Da war der alte Fritz wohl klüger, der planmäßig sein Land entwickelt hat. Wer Augen im Kopf hat, der sieht das heute noch von Sachsen-Anhalt bis Ostpreußen. Heute habe ich den Verdacht, daß die Politik sehr beeinflußbar ist vom Reichtum einiger Regionen. Da fließt eben leichter etwas in ihre Richtung, und wo Armut um sich greift, da droht öffentliche Beschimpfung. Dann lieber Karlspreis oder Ritter der Ehrenlegion... Vom Ruck, der durch unser Land gehen müßte, träumt auch nur noch ein inzwischen verstorbener Bundespräsident!
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Mi 17. Jul 2019, 09:34

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 Jul 2019, 09:20)

Es ist auch in den ABL ein Dauerthema.

Ja, auch dort ist es für viele Gründer ein Problem. Der Unterschied ist, dass es dort eine andere Sozialstruktur und andere Netzwerke gibt, was in der Problemregion teilweise erst sich noch langsam entwickelt. Es gibt nur begrenzt viele typische Fälle, wie der Wille zum Unternehmen und das nötige EK zusammenkommen. Einige davon sind in den Ostländern sehr unterrepräsentiert. Immer das Bild zu bemühen, die Leute dort seien im Kopf alle anders orientiert, erscheint mir etwas weit hergeholt, wenn es zeigbar weitere Fakten gibt, die eine Rolle spielen.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Jul 2019, 10:05

Bei diesem "Verfall"-Begriff habe ich ein wenig ein Problem. Ich sehe, grade im Nordosten des Landes, häufig picobello renovierte Amtshäuser, intakte Straßen, frisch angelegte Radwege ... infrastrukturell häufig neuer, besser als vergleichbare Regionen im Westen. Es wohnen dennoch nur noch ein paar alte Leute dort.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Mi 17. Jul 2019, 10:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Jul 2019, 10:05)

Bei diesem "Verfall"-Begriff habe ich ein wenig ein Problem. Ich sehe, grade im Nordosten des Landes, häufig picobello renovierte Amtshäuser, intakte Straßen, frisch angelegte Radwege ... infrastrukturell häufig neuer, besser als vergleichbare Regionen im Westen. Es wohnen dennoch nur noch ein paar alte Leute dort.

Es gibt auch genug Häuser, an denen man den gelbbraunen Putz wie vor Jahrzehnten noch sieht und Flickenteppich-Straßen gibt es auch. Die Diskussion dreht sich hier doch um die merklich sinkende Einwohnerzahl aufs Ganze betrachtet und um die Differenzierung, was das für einzelne Regionen heißt. Da sind die Folgen sehr verschieden. In der politischen Repräsentation verliert "der Osten" an Gewicht, zugleich differenzieren sich aber auch die politischen Bedürfnisse der verschiedenen Regionen. Innerhalb des Ostens gewinnen die verhältnismäßig gut gehenden größeren Städte an Gewicht.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon sünnerklaas » Mi 17. Jul 2019, 11:20

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Jul 2019, 09:24)

In Stettin sind schlichtweg einfach die Mieten zu hoch bzw. die Wohnungen knapp. Dann lieber gleich ein EFH in der Uckermark bauen. Infrastruktur, Kultur usw. in Stettin sind eigentlich wesentlich besser als in den Uckermark-Dörfern.


Die Uckermark ist das eigentlich Hinterland von Stettin, der Speckgürtel.
Allerdings glaube ich, dass in manchen Regionen in Ostdeutschland bereits der Point of no return erreicht ist: dort sind oft nur noch diejenigen übrig geblieben, denen der Mut und die Kraft gefehlt hat bzw. fehlt, woanders hinzugehen und die sich mit Neuerungen folgerichtig sehr schwer tun, weil sie die seit 1990 eingetreteben Neuerungen als etwas sehr negatives erfahren haben.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Skull » Mi 17. Jul 2019, 19:56

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Jul 2019, 11:20)

Die Uckermark ist das eigentlich Hinterland von Stettin, der Speckgürtel.

Die Uckermark ist weit mehr. :mad:

Bin da bald wieder für 2 Wochen. :)

mfg
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Iwan der Liebe » Mi 17. Jul 2019, 20:25

Skull hat geschrieben:(17 Jul 2019, 19:56)

Die Uckermark ist weit mehr. :mad:

Bin da bald wieder für 2 Wochen. :)

mfg



Die Uckermark ist ein landschaftlich sehr schönes Gebiet, das jedoch teilweise durch das KKW Rheinsberg radioaktiv belastet ist. Noch heute werden im Zuge des Rückbaus radioaktive Abwässer in den Ellbogensee (Havel-Müritz-Wasserstraße) geleitet. Stechlinsee und Nehmitzsee wurden bei einem Störfall des KKW radioaktiv belastet. :(
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Skull » Mi 17. Jul 2019, 21:08

Iwan der Liebe hat geschrieben:(17 Jul 2019, 20:25)

Die Uckermark ist ein landschaftlich sehr schönes Gebiet

Korrekt.

Und nun kann man gerne über dortige Strukturschwächen
oder
aber über die dortige positive wirtschaftliche Entwicklung im letzten Jahrzehnt diskutieren.

mfg
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon jorikke » Mi 17. Jul 2019, 22:56

Die Veränderungen vollziehen sich doch freiwillig. Niemand wird gezwungen wegzuziehen. Trifft jemand die Entscheidung seine Heimat zu verlassen, tut er das doch weil sein neues Zuhause ihm Vorteile bietet. Momentan scheint der Schwund ja einigermaßen gestoppt zu sein. Was also ist daran dramatisch?
Es wird sich einpendeln.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon H2O » Do 18. Jul 2019, 06:56

jorikke hat geschrieben:(17 Jul 2019, 22:56)

Die Veränderungen vollziehen sich doch freiwillig. Niemand wird gezwungen wegzuziehen. Trifft jemand die Entscheidung seine Heimat zu verlassen, tut er das doch weil sein neues Zuhause ihm Vorteile bietet. Momentan scheint der Schwund ja einigermaßen gestoppt zu sein. Was also ist daran dramatisch?
Es wird sich einpendeln.


Sie müssen sich diese einst wunderschönen Ortschaften ansehen, um das zu empfinden, was unsereiner bei mehr zufälliger Begegnung mit diesem Niedergang fühlt. Nein, dramatisch ist da gar nichts. Wohl aber bedrückend.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon jorikke » Do 18. Jul 2019, 07:33

H2O hat geschrieben:(18 Jul 2019, 06:56)

Sie müssen sich diese einst wunderschönen Ortschaften ansehen, um das zu empfinden, was unsereiner bei mehr zufälliger Begegnung mit diesem Niedergang fühlt. Nein, dramatisch ist da gar nichts. Wohl aber bedrückend.


Man vergleich Gegenwart mit Vergangenheit und empfindet das Neue als bedrückend. Es ist nur anders. Ich kann es aber gut verstehen. Übrigens haben wir schon 1992 in den neuen Bundesländern Urlaub gemacht. Dülmener Heide. Einige Jahre später Mecklenburger Seenplatte. Morgen früh starten wir an die Müritz.
Ich wollte auch nur gegen Übertreibungen im Sprachgebrauch schreiben.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Do 18. Jul 2019, 08:31

jorikke hat geschrieben:(17 Jul 2019, 22:56)

Die Veränderungen vollziehen sich doch freiwillig. Niemand wird gezwungen wegzuziehen. Trifft jemand die Entscheidung seine Heimat zu verlassen, tut er das doch weil sein neues Zuhause ihm Vorteile bietet. Momentan scheint der Schwund ja einigermaßen gestoppt zu sein. Was also ist daran dramatisch?
Es wird sich einpendeln.

Der Wegzug ist (per Saldo) halbwegs beendet. Der Schwund in vielen Fällen nicht.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Quatschki » Do 18. Jul 2019, 08:43

Das ist ja auch alles relativ.
Ostmecklenburg hat immer noch doppelt so viele Einwohner wie vor dem 2.WK, während zum Beispiel Berlin oder Leipzig 1/3 weniger Einwohner haben als in den 30er Jahren.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon sünnerklaas » Do 18. Jul 2019, 09:41

Iwan der Liebe hat geschrieben:(17 Jul 2019, 20:25)

Die Uckermark ist ein landschaftlich sehr schönes Gebiet, das jedoch teilweise durch das KKW Rheinsberg radioaktiv belastet ist. Noch heute werden im Zuge des Rückbaus radioaktive Abwässer in den Ellbogensee (Havel-Müritz-Wasserstraße) geleitet. Stechlinsee und Nehmitzsee wurden bei einem Störfall des KKW radioaktiv belastet. :(



Die landschaftliche Schönheit einer Region allein reicht nicht aus. Es gibt viele Regionen, die landschaftich schön sind - und trotzdem ist dort wirtschaftlich tote Hose.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Do 18. Jul 2019, 10:15

Iwan der Liebe hat geschrieben:(17 Jul 2019, 20:25)

Die Uckermark ist ein landschaftlich sehr schönes Gebiet, das jedoch teilweise durch das KKW Rheinsberg radioaktiv belastet ist. Noch heute werden im Zuge des Rückbaus radioaktive Abwässer in den Ellbogensee (Havel-Müritz-Wasserstraße) geleitet. Stechlinsee und Nehmitzsee wurden bei einem Störfall des KKW radioaktiv belastet. :(


Die Uckermark hat mit Stechlin, Nehmitzsee oder Ellbogensee sowie dem früheren KKW Rheinsberg nichts zu tun. Sie liegt weiter im Osten. Und da rede ich nicht nur vom heutigen Brandenburger Landkreis Uckermark sondern von der historischen Landschaft.

Den Urlaub dort zu verbringen oder auch nur zum Schnuppern ein paar Tage, kann ich nur jedem empfehlen.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jul 2019, 10:25

Skull hat geschrieben:(17 Jul 2019, 21:08)

Korrekt.

Und nun kann man gerne über dortige Strukturschwächen
oder
aber über die dortige positive wirtschaftliche Entwicklung im letzten Jahrzehnt diskutieren.

mfg

Ich denke nach wie vor, der entscheidende Punkt ist der wirtschaftliche Anschluss an die Metropolregion Stettin. Immerhin: Bis 2026 soll die marode Bahnstrecke Berlin-Stettin ausgebaut sein. (Hoffentlich lebe ich da noch!)

In Deutschland wird seit längerem über den Bau eines LNG-Terminals nachgedacht und diskutiert. In Swinemünde, unmittelbar neben der Grenze gibts seit kurzem eines. Es gab vor ein paar Monaten mal eine "hintergrund"-Sendung zu diesem Thema. "Swinemünde" war da kein Thema. Ich hab der Autorin dazu eine Mail geschrieben. Ich glaub', die wusste gar nix davon.

"FLoating Garden" heißt seit einigen Jahren das Zukunftsprojekt und überhaupt die Zukunftsvision der Stadt
Die Vision des neuen Szczecin ist eine Revolution in der Stadtentwicklung. Szczecin wendet sich dem Wasser und der Ökologie zu und strebt danach, in sich die Vorzüge einer Metropole und eines lebenswerten Ortes zu vereinen.
...
Floating Garden – also „Schwimmender Garten” – ist eine Botschaft, die Szczecin in die Welt hinaussendet. Es zeugt von der Offenheit der Stadt, ihrem grenzüberschreitenden Charakter und ihrer visionären Kraft, und es unterstreicht ihre Multikulturalität und ihre Vielsprachigkeit.


Spürt man etwas davon in der Uckermark? Eher nicht. Immerhin: In der Uni-Stadt Greifswald gibts mit dem "Polenmarkt" jährlich eine Woche ein polnisches Kulturfestival.

Man muss einfach mal auf dieser maroden Bahnstrecke von diesem öden verlassenen Grenznest Tantow die 10 Minuten in die 400 000-Einwohner-Stadt Stettin gefahren sein, um diesen krassen Gegensatz zu erleben.
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