Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

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Teeernte
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Teeernte » Do 18. Jul 2019, 10:31

Ammianus hat geschrieben:(18 Jul 2019, 10:15)

Die Uckermark hat mit Stechlin, Nehmitzsee oder Ellbogensee sowie dem früheren KKW Rheinsberg nichts zu tun. Sie liegt weiter im Osten. Und da rede ich nicht nur vom heutigen Brandenburger Landkreis Uckermark sondern von der historischen Landschaft.

Den Urlaub dort zu verbringen oder auch nur zum Schnuppern ein paar Tage, kann ich nur jedem empfehlen.


Schnuppern....wegen dem SchafMIST ??


nicht wegen der Strahlung....da ist es KURORT...

https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlene ... _DACHL.png
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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schokoschendrezki
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jul 2019, 10:38

Ammianus hat geschrieben:(18 Jul 2019, 10:15)

Die Uckermark hat mit Stechlin, Nehmitzsee oder Ellbogensee sowie dem früheren KKW Rheinsberg nichts zu tun. Sie liegt weiter im Osten. Und da rede ich nicht nur vom heutigen Brandenburger Landkreis Uckermark sondern von der historischen Landschaft.

Den Urlaub dort zu verbringen oder auch nur zum Schnuppern ein paar Tage, kann ich nur jedem empfehlen.


Ich auch. Bin kommendes WE da bei einem Sommerfest und mache Musik. Freu mich schon sehr.

Ruppiner Land. Rheinsberg. Stechlin. Fontane. Tucholsky. Kristallklare Seen, viel Kultur, weiter offener Blick, raus auch aus der gedanklichen Enge.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon streicher » Do 18. Jul 2019, 11:26

Habt ihr schon mal von "Raumpionieren" gehört? Das sind Leute, die zum Beispiel gezielt in Orte ziehen, die massiv unter Verfall leiden, um sie neu aufzubauen. Gibt es einige Orte in Ostdeutschland, die genau das erfahren.
Die Zukunft ist Geschichte.
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Ammianus
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Do 18. Jul 2019, 18:20

Teeernte hat geschrieben:(18 Jul 2019, 10:31)

Schnuppern....wegen dem SchafMIST ??


nicht wegen der Strahlung....da ist es KURORT...

https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlene ... _DACHL.png


Da fragt man sich, warum nicht manch Schweizer oder Thüringer mit drei Augen oder zwei Köpfen durch die Gegend läuft. Der Norden, dieses Produkt der Eiszeiten ist halt ein blankes Paradies mit all seinen Alleen, den Seen, jetzt den schon langsam erntesatten Feldern, Burgen, Großsteingräbern, gotischen Backsteinkirchen ...

(da muss man sich bremsen, sonst kommt man aus dem Schwärmen nicht mehr raus)

Und neben doch ziemlich trist und tot wirkenden Städten wie Pasewalk gibt es dann so hippe Plätze wie Greifswald, die Altstadt von Schwerin, Wismar oder auch Waren an der Müritz.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Quatschki » Do 18. Jul 2019, 19:31

Ammianus hat geschrieben:(18 Jul 2019, 18:20)
Der Norden, dieses Produkt der Eiszeiten

Nix für mich. Der Eisschild hat ja alles einplaniert.
Die ganzen lieblichen Landschaften, die da vorher gewesen sein mögen...
Unser Elbsandsteingebirge ist gerade so davon gekommen.
Das wäre komplett plattgewalzt und zugeschüttet worden und sähe dann aus wie Brandenburg.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Teeernte » Do 18. Jul 2019, 19:55

Ammianus hat geschrieben:(18 Jul 2019, 18:20)

Da fragt man sich, warum nicht manch Schweizer oder Thüringer mit drei Augen oder zwei Köpfen durch die Gegend läuft. Der Norden, dieses Produkt der Eiszeiten ist halt ein blankes Paradies mit all seinen Alleen, den Seen, jetzt den schon langsam erntesatten Feldern, Burgen, Großsteingräbern, gotischen Backsteinkirchen ...

(da muss man sich bremsen, sonst kommt man aus dem Schwärmen nicht mehr raus)

Und neben doch ziemlich trist und tot wirkenden Städten wie Pasewalk gibt es dann so hippe Plätze wie Greifswald, die Altstadt von Schwerin, Wismar oder auch Waren an der Müritz.


Nimm mal die Küste (10km) raus....und die großen Seen...(Naherholung Berlin) ....da bleibt Deine Landeshauptstadt Schwerin.... der Rest - da will man nicht tot übern Zaun hängen.

Die haben weniger Polizei als Hamburg. - na klar - was soll man denen wegnehmen...

Schlamm drüber Blues....
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Europa2050 » Do 18. Jul 2019, 20:23

Quatschki hat geschrieben:(18 Jul 2019, 19:31)

Nix für mich. Der Eisschild hat ja alles einplaniert.
Die ganzen lieblichen Landschaften, die da vorher gewesen sein mögen...
Unser Elbsandsteingebirge ist gerade so davon gekommen.
Das wäre komplett plattgewalzt und zugeschüttet worden und sähe dann aus wie Brandenburg.


Da muss ich dir direkt mal recht geben - so seit ihr wenigstens eine kleine (aber landschaftlich durchaus feine) Kopie von Bayern ... :?
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon zollagent » Do 18. Jul 2019, 20:40

Iwan der Liebe hat geschrieben:(17 Jul 2019, 00:22)

Was soll die Panik? Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen wird dort eine Mauer gebaut und der Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen aus dieser Region verhindert! :thumbup:

Als Mauerschützen könnte man vielleicht neben Frau von Storch ein paar alte DDR-Grenzer gewinnen, die sich auf diese Weise ihre GruSi aufbessern würden.

SOLCHE Leute müssen keineswegs von der Grundsicherung leben. Ihre Opfer aber.....
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Do 18. Jul 2019, 20:51

:dead:
streicher hat geschrieben:(18 Jul 2019, 11:26)

Habt ihr schon mal von "Raumpionieren" gehört? Das sind Leute, die zum Beispiel gezielt in Orte ziehen, die massiv unter Verfall leiden, um sie neu aufzubauen. Gibt es einige Orte in Ostdeutschland, die genau das erfahren.

In Erfurt etwa ist es in großes Flüchtlinge-Zentrum
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Iwan der Liebe » Do 18. Jul 2019, 23:54

zollagent hat geschrieben:(18 Jul 2019, 20:40)

SOLCHE Leute müssen keineswegs von der Grundsicherung leben. Ihre Opfer aber.....



An der Mauer standen auch Wehrpflichtige, die dort nicht stehen wollten. Ob sie heute von GruSi leben müssen oder nicht, das hängt von ihren einstigen Einkommen ab.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Fr 19. Jul 2019, 09:58

Teeernte hat geschrieben:(18 Jul 2019, 19:55)

Nimm mal die Küste (10km) raus....und die großen Seen...(Naherholung Berlin) ....da bleibt Deine Landeshauptstadt Schwerin.... der Rest - da will man nicht tot übern Zaun hängen.

Die haben weniger Polizei als Hamburg. - na klar - was soll man denen wegnehmen...

Schlamm drüber Blues....


Ick bin keen Fischkopp, ick bin Berlina ...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Fr 19. Jul 2019, 10:00

Quatschki hat geschrieben:(18 Jul 2019, 19:31)

Nix für mich. Der Eisschild hat ja alles einplaniert.
Die ganzen lieblichen Landschaften, die da vorher gewesen sein mögen...
Unser Elbsandsteingebirge ist gerade so davon gekommen.
Das wäre komplett plattgewalzt und zugeschüttet worden und sähe dann aus wie Brandenburg.


Von wejen einplaniert. Brandenburch hat sojar nen Berg mit Gipfelkreuz, dat Ding is 200 Meter und Dreißig Zentimeter hoch ...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Quatschki » Fr 19. Jul 2019, 12:20

Ammianus hat geschrieben:(19 Jul 2019, 10:00)

Von wejen einplaniert. Brandenburch hat sojar nen Berg mit Gipfelkreuz, dat Ding is 200 Meter und Dreißig Zentimeter hoch ...

Nur der Restdreckhaufen von dem 2 km dicken Gletscher.

Das waren noch Zeiten, als man vom Erzgebirge, wo friedliche Mammutherden grasten, über den Elbe-Eisstausee nach Norden schaute und dort diese gewaltigen Eismassen sehen konnte.

Aber das wirst du nicht mehr wissen, denn das war lange vor der Wende...
Damals hat sich niemand aufgeregt über die dünne Bevölkerungsdichte. So wie sich auch in Island, Norwegen oder Kanada niemand über zu kleine Dörfer aufregt, sondern die Menschen einfach die Weite und Leere und den natürlichen Überfluss geniessen...
Zuletzt geändert von Quatschki am Fr 19. Jul 2019, 12:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Fr 19. Jul 2019, 12:30

Quatschki hat geschrieben:(19 Jul 2019, 12:20)

Nur der Restdreckhaufen von dem 2 km dicken Gletscher.

Das waren noch Zeiten, als man vom Erzgebirge, wo friedliche Mammutherden grasten, über den Elbe-Eisstausee nach Norden schaute und dort diese gewaltigen Eismassen sehen konnte.

Aber das wirst du nicht mehr wissen, denn das war lange vor der Wende...
Damals hat sich niemand aufgeregt über die dünne Bevölkerungsdichte.


Also ich hab mich damals wohlgefühlt zwischen den Gletschern der Alpen und denen Skandinaviens. Ab und an ein Mammuth zur Strecke gebracht, was nicht gleich verspeist wurde landete im natürlichen Kühlschrank Dauerfrostboden und im Sommer gab es auch schon mal 20 Grad plus. Weiter unten kannte ich eine Familie, die lebte in einer kuschligen Höhle spielte Flöte und schnitzte drollige Menschenfiguren mit Tierköpfen. Nur die Weiber von denen, die sagten mir nicht zu. Waren alle so absolut fett.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Quatschki » Fr 19. Jul 2019, 12:47

Damals haben die auch nicht wegen Rente und Pflege herumgejammert,
sondern haben, wenn es soweit war, ein paar Hörner Met hinunter gekippt und sind abends hinaus in den Schnee gegangen, um sich zu ihren Vätern zu versammeln.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Bielefeld09 » Fr 19. Jul 2019, 13:22

Quatschki hat geschrieben:(19 Jul 2019, 12:47)

Damals haben die auch nicht wegen Rente und Pflege herumgejammert,
sondern haben, wenn es soweit war, ein paar Hörner Met hinunter gekippt und sind abends hinaus in den Schnee gegangen, um sich zu ihren Vätern zu versammeln.

Sorry, Sie haben auch sowas von keiner Ahnung von unseren Urahnen!
Ich nebenbei auch nicht.
Was aber aktuelle Zahlen anbelangt,
je teurer das Umland, je höher die Anfragen.
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 28. Aug 2019, 09:28

Alter Stubentiger hat geschrieben:(15 Jun 2019, 21:11)

Da sollte man sich nichts vormachen. Der Großteil war nicht konkurrenzfähig. Selbst da wo die DDR sich mal an HighTech versuchte, Robotron, hinkte man 15 Jahre hinterher. Da baute man eine Z-80 Kopie als sich im Westen längst der Intel 8086/88 durchgesetzt hatte und der Intel 80386 das Maß aller Dinge war.


Die Treuhand hätte vielleicht auch Unternehmen verteilen können. SIe hatte aber vor allem Schulden zu verteilen. Will man die?

Anlässlich 30 Jahre Treuhand gibts aktuell ja so einige Analysen.

An die Adresse der "Linken" muss ich - jetzt einfach mal pragmatisch und sozusagen in Hinsicht auf politische "Strategie und Taktik" sagen: Ihr seid jetzt in Bezug auf der Forderung der Aufarbeitung der Arbeit der Treuhandanstalt mit dem extrem rechten Höcke-AfD-Flügel auf einer Linie. Ist es das wert? Auch wenn mir natürlich klar ist, dass die politischen Begründungen für eine solche Aufarbeitung jeweils aus sehr verschiedenen Richtungen kommen.

Um einiges diffiziler ist die Sicht der neuen SPD-Königinnen-Anwärterin Petra Köpping in ihrem Buch "Integriert erst mal uns". Eine der Grundthesen lautet, dass die DDR-Betriebe nicht einfach nur Produktionsstätten sondern auch Sozialisierungsorte waren. Mit Betriebskindergärten, "sozialistischen Kollektiven" usw. Ich sage darauf ganz klar (und mit DDR-Biographie): Fuck it! Diese "Sozialisierung" war einfach nur die erste und zunächst einmal milde Form der Entindividualisierung. Du sollst nicht dein Leben leben wollen sondern dich einordnen sollen. In diese provinzielle Gesellschaft aus Hausmeistern, Turnlehrern, HGL-Vorsitzenden und Betriebsparteisekretären. Diese angebliche "Geborgenheit" der DDR-Gesellschaft ist einfach nur die beschönigende Darstellung einer Zurechtformung. Das ist die sozusagen erste Stufe der "Formung einer sozialistischen Persönlichkeit". Wer sich dieser "Geborgenheit" verweigerte, der bekam es mit der "zweiten Stufe" zu tun. Von der Verweigerung des Gymnasiumsplatzes (namens EOS) über Studienplatzablehnung bis hin zu Stasi-Verhör und Bautzen. Und wer dann noch mal hinter diese zweite Stufe blickte, der konnte die dritte Stufe der DDR-Realität sehen. Verkauf politischer Gefangener, Zwangsarbeit für westliche Unternehmen in politischen Gefängnissen. In einer Analyse zu diesem Thema wurde die DDR kürzlich als "Shopping-Paradies" bezeichnet. Kein Witz. Viele unter den großen waren dabei bei der Shopping-Tour: Ikea, Aldi Süd und Nord, C&A, VW und wie sie alle heißen. Den entsprechenden Konzernleitungen war durchaus bekannt, dass Möbel von DDR-Häftlingen zusammenghebaut wurden und das Feinstrumpfhosen von weiblichen Häftlingen gefertigt wurden. Es wurden sogar Kassiber in solche produkte in den Westen geschmuggelt. Und hier fallen nun wirklich alle Masken. Sowohl die der Ulbricht- und Honecker-Klicke als auch die der Shoppingparadies-Profiteure. Man kann dies denen, die einen Staat wie die DDR vor allem als Ideologiefestung sehen einfach nicht klarmachen: Dass es sich um eine Verbrecherklicke handelte. Bei denen die meisten nicht einmal eine Ahnung davon hatten, was Menschen wie Karl Marx in ihren Werken eigentlich tatsächlich geschrieben hatten. Die aber wohl wussten, wie man Kunstgegenstände gegen harte Währung verhökert und politische Gefangene für den Westen arbeiten lässt.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Odin1506 » Mi 28. Aug 2019, 09:32

Ammianus hat geschrieben:(19 Jul 2019, 09:58)

Ick bin keen Fischkopp, ick bin Berlina ...


Nobody is perfect.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 28. Aug 2019, 16:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Aug 2019, 09:28)

Die Treuhand hätte vielleicht auch Unternehmen verteilen können. SIe hatte aber vor allem Schulden zu verteilen. Will man die?

Anlässlich 30 Jahre Treuhand gibts aktuell ja so einige Analysen.

An die Adresse der "Linken" muss ich - jetzt einfach mal pragmatisch und sozusagen in Hinsicht auf politische "Strategie und Taktik" sagen: Ihr seid jetzt in Bezug auf der Forderung der Aufarbeitung der Arbeit der Treuhandanstalt mit dem extrem rechten Höcke-AfD-Flügel auf einer Linie. Ist es das wert? Auch wenn mir natürlich klar ist, dass die politischen Begründungen für eine solche Aufarbeitung jeweils aus sehr verschiedenen Richtungen kommen.

Um einiges diffiziler ist die Sicht der neuen SPD-Königinnen-Anwärterin Petra Köpping in ihrem Buch "Integriert erst mal uns". Eine der Grundthesen lautet, dass die DDR-Betriebe nicht einfach nur Produktionsstätten sondern auch Sozialisierungsorte waren. Mit Betriebskindergärten, "sozialistischen Kollektiven" usw. Ich sage darauf ganz klar (und mit DDR-Biographie): Fuck it! Diese "Sozialisierung" war einfach nur die erste und zunächst einmal milde Form der Entindividualisierung. Du sollst nicht dein Leben leben wollen sondern dich einordnen sollen. In diese provinzielle Gesellschaft aus Hausmeistern, Turnlehrern, HGL-Vorsitzenden und Betriebsparteisekretären. Diese angebliche "Geborgenheit" der DDR-Gesellschaft ist einfach nur die beschönigende Darstellung einer Zurechtformung. Das ist die sozusagen erste Stufe der "Formung einer sozialistischen Persönlichkeit". Wer sich dieser "Geborgenheit" verweigerte, der bekam es mit der "zweiten Stufe" zu tun. Von der Verweigerung des Gymnasiumsplatzes (namens EOS) über Studienplatzablehnung bis hin zu Stasi-Verhör und Bautzen. Und wer dann noch mal hinter diese zweite Stufe blickte, der konnte die dritte Stufe der DDR-Realität sehen. Verkauf politischer Gefangener, Zwangsarbeit für westliche Unternehmen in politischen Gefängnissen. In einer Analyse zu diesem Thema wurde die DDR kürzlich als "Shopping-Paradies" bezeichnet. Kein Witz. Viele unter den großen waren dabei bei der Shopping-Tour: Ikea, Aldi Süd und Nord, C&A, VW und wie sie alle heißen. Den entsprechenden Konzernleitungen war durchaus bekannt, dass Möbel von DDR-Häftlingen zusammenghebaut wurden und das Feinstrumpfhosen von weiblichen Häftlingen gefertigt wurden. Es wurden sogar Kassiber in solche produkte in den Westen geschmuggelt. Und hier fallen nun wirklich alle Masken. Sowohl die der Ulbricht- und Honecker-Klicke als auch die der Shoppingparadies-Profiteure. Man kann dies denen, die einen Staat wie die DDR vor allem als Ideologiefestung sehen einfach nicht klarmachen: Dass es sich um eine Verbrecherklicke handelte. Bei denen die meisten nicht einmal eine Ahnung davon hatten, was Menschen wie Karl Marx in ihren Werken eigentlich tatsächlich geschrieben hatten. Die aber wohl wussten, wie man Kunstgegenstände gegen harte Währung verhökert und politische Gefangene für den Westen arbeiten lässt.


Frau Köpping beschreibt da ein Gefühl der Ostalgie was dann von einem Höcke instrumentalisiert wird. Der beschwört einerseits die Gemeinschaft von einst und alles Negative wird andererseits in Richtung der heutigen BRD verschoben. Es geht da um gefühlte Wahrheiten. Das weiß auch die Frau Köpping. Das die Realität für alle in der DDR die nicht ganz auf Linie waren ganz anders aussah wissen wir "Linken" ganz genau. Gerade SPD-Anhänger hatten ja nichts Positives zu erwarten in der DDR. Zumindest die welche sich nicht der SED anschließen wollten.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Ammianus » Mi 28. Aug 2019, 17:51

Ein Betrunkener torkelt nachts aus einer Ostberliner Kneipe. "Was für ein Scheiß-Staat!" gröhlt er in die scheinbar menschenleeren Straßen mit ihren maroden Altbaufassaden. "Was für ein Scheiß-Staat!" ruft er immer wieder.
Es dauert natürlich nicht lange und zwei Volkspolizisten werden auf ihn aufmerksam.
"Bürger, zeigen sie doch mal ihr Personaldokument." sächselt der kleine Dicke mit dem riesigen Schnauzbart, den sich die Ostbullen seit dem 30. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik wachsen lassen dürfen. Sein langer Kollege, bei dem alles etwas zu groß gewachsen scheint guckt dazu bedrohlich.
"Wat wolln se denn?" fragt der Betrunkene und kramt umständlich seinen Ausweis aus der Hosentasche.
"Sie haben gerade unseren Arbeiter- und Bauern-Staat auf das gröbste beleidigt. Das ist eine Straftat." sagt der Dicke.
"Wie so denn dit. Ick hab doch jar nich gesacht, welchen Staat ick meene." kommt als Antwort.
Die Grünen sehen sich an. Man sieht wie angestrengt die kleinen Hirne arbeiten.
Schließlich: "Da haben sie natürlich recht. Hier ist ihr Ausweis und sehen sie zu, dass sie ins Bett kommen."
Der Mann nimmt den Fleppen, steckt ihn ein und schwankt weiter.
Doch nach keinen zehn Metern kommt von den Polizisten ein barsches "Halt!"
"Wat'n jetze?"
"Sie sind festgenommen. Es gibt nur einen Scheiß-Staat auf der Welt."

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