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Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 13:05
von Sören74
Auf eine Sache wird man sich schnell einigen können, Deutschland hat eine starke Wirtschaft. Trotzdem fällt bei politischen Diskussionen immer wieder auf, dass vor den Gefahren für die Wirtschaft gewarnt wird. Sobald eine politische Entscheidung geplant ist oder nur darüber diskutiert wird, die auch die Ökonomie betreffen kann, heißt es schnell "das kostet Arbeitsplätze" oder "damit gefährdet man den deutschen Wirtschaftsstandort". Eigentlich kann man praktisch jede politische Entscheidung, die nach dem 2.Weltkrieg getroffen wurde, heranziehen. Besonders akut wurde es, als die ersten Umweltschutzgesetze umgesetzt wurden.

Mal als Beispiel, wie groß waren die Diskussionen über den Katalysator im Auto? Das würde die deutsche Automobilindustrie vernichten usw. hieß es. Die Ökosteuer, die EEG-Umlage, der Mindestlohn, und und und. Und selbiges erlebt man bei der Diskussion über eine CO2-Steuer und einer denkbaren Kerosin-Steuer.

Das Muster ist ähnlich, man sagt, diese steuerliche Abgabe oder diese Regelung belastet diesen Wirtschaftszweig, die Unternehmen müssten dann Arbeitsplätze abbauen. Wenn man das konsequent weiterdenkt, würde das bedeuten, dass keinerlei Steuern und Regulierungen das Beste für die Wirtschaft wäre. Was ich viel gravierender finde ist das Bild, was von der Wirtschaft gezeichnet wird. Man hat den Eindruck, als wenn es etwas statisches ist. So wie jetzt die Wirtschaft ist, darf sie nicht verändert werden, weil es sonst der Wirtschaft schlecht geht. D.h. im Grunde müssen wir auch die kommenden 100 Jahre Autos kaufen, weil wir sonst unsere wirtschaftliche Grundlage vernichten würde.

Ich fände es furchtbar, wenn die Wirtschaft wirklich so instabil wäre und jede Änderung deren Existenz gefährdet. Ich habe ein viel anderes Bild von der Wirtschaft, nämlich das sie flexibel und sehr dynamisch ist. Es findet ein ständiger Umbau statt, Unternehmen verändern sich oder verschwinden gar. Neue entstehen. Eine leistungsfähige Wirtschaft passt sich gut den neuen Bedingungen an. Wer kann sich noch erinnern, wie viele Menschen in der Uhrenindustrie im Schwarzwald gearbeitet haben? Oder wie viele in der Textilindustrie tätig waren? Wir haben in den letzten 70 Jahren jede Menge Strukturwandel erlebt und haben heute nahezu Vollbeschäftigung. Es sind viele Arbeitsplätze verschwunden. Es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden. Und jetzt sagen wieder Leute, eine Kerosinsteuer dürfe man nicht einführen, weil das die Flugunternehmen belasten würde. :rolleyes:

Meine Frage, woher kommt dieses stationäre Bild von der Wirtschaft in der Gesellschaft? Wieso glauben so viele Menschen, dass Änderungen der politischen Rahmenbedingungen fast immer schlecht für die Wirtschaft sei?

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 13:37
von Skull
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 13:05)

Meine Frage, woher kommt dieses stationäre Bild von der Wirtschaft in der Gesellschaft?

Wieso glauben so viele Menschen, dass Änderungen der politischen Rahmenbedingungen
fast immer schlecht für die Wirtschaft sei?

Da ich kaum jemanden kenne, der ein stationäres Bild von der Wirtschaft bei uns (Marktwirtschaft) hat,
kann ICH Dir Deine Frage auch nicht beantworten. :D

Änderungen der politischen Rahmenbedingungen sind auch selten schlecht.

Was nur schlecht ist, sind sprunghafte, willkürliche und kurzfristige veränderte politische Rahmenbedingungen.

mfg

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 14:01
von Teeernte
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 13:05)

Auf eine Sache wird man sich schnell einigen können, Deutschland hat eine starke Wirtschaft. Trotzdem fällt bei politischen Diskussionen immer wieder auf, dass vor den Gefahren für die Wirtschaft gewarnt wird. Sobald eine politische Entscheidung geplant ist oder nur darüber diskutiert wird, die auch die Ökonomie betreffen kann, heißt es schnell "das kostet Arbeitsplätze" oder "damit gefährdet man den deutschen Wirtschaftsstandort".


Eigentlich ganz einfach - wenn Du der Unternehmer bist.

Du steckst alle Moneten, die Du hast beispielsweise in einen Edelbio-Eichenprozessionsspinner-vertilgungsautomat mit Kettenantrieb und Pilzvorwärmung .... Du verschuldest Dich bei der Bank dann nochmal für die Hütte, einen Transportwagen und ein Zugmittel.

Du hast die ersten Verträge in der Tasche - hast ein Team von 5Mann//Mädels fest gebucht - ein haufen Arbeit...

Am Montag kommt einer vorbei - Bauaufsicht ...ab vorgestern sind Edelbio-Eichenprozessionsspinner-vertilgungsautomat mit Kettenantrieb und Pilzvorwärmung in Wohnumgebung abstellen v erboten..

Gut - die Auftragslage gibt es her....noch ein Kredit.... und Industrieland mit Halle gekauft.

Dienstag. Stopp ...halt ... Das Gewerbeaufsichtsamt hat eine Neue Vorschrift für Edelbio-Eichenprozessionsspinner-vertilgungsautomat mit Kettenantrieb und Pilzvorwärmung das muss man erst mal schauen- Der nöchste Tag keinen Umsatz - aber naja.

Mittwoch , das Umweltamt hat genau die selbe Frage wie gestern das Gewerbeaufsichtsamt. Wieder nichts produziert.

Donnerstags hängt dir ein Reporter am Hals, ...... dessen Blatt "von einem Schmetterlingsmörder" am Freitag auf der Ersten Seite mit Deinem Foto aufmacht.

Der Bundesrat wägt grad über Leben von Menschen gegen das Leben von Eichenprozessionspinnern ab - klar die Tierchen gewinnen.....

Innerhalb von 3 Tagen ist Dein Unternehmen PLEITE - weil Du eben nur eineEdelbio-Eichenprozessionsspinner-vertilgungsautomat mit Kettenantrieb und Pilzvorwärmung hast, die für nichts anderes geht. Verkaufen ? wer will so einen verbotenen Gegenstand.

Die 5 Leute wollen ihr Geld, Rausschmeissen - nur wegen Auftragsmangel ? Hier doch nicht.

5 Man - 3 Monate Geld.


>>>> Du bist mit solchen Behördenspielchen innerhalb von 3 Monaten so TOT - wenn Du nicht genug ENERGIE , Rechtsanwälte, >> genug GEGENKRAFT hättest.
Angriffe auf die Firma von Behördenseite gibt es JEDEN TAG, alle 3 Monate etwas schwerer...und alle 2 Jahre FETT.

Lange Rede kurzer Sinn.......wenn LANGE vorher BESCHEID gesagt wird (zB. 20Jahre//der Abschreibungsturnus) ...bei Immobilien - 80 Jahre....nimmt die Wirtschaft das hin.

(Beispiel die Umrüstung bei Tanklastzügen auf innenliegende Sicherheitsventile .....bei Crash sind früher die Ventile abgerissen und die Züge ausgebrannt...bei innenliegenden Ventilen passiert das nicht)....die Hersteller haben ihre helle Freude...Entwickeln und verkaufen jedes Jahr 10% des Bestandes neu....in 10 Jahren umgesetzt.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 14:30
von unity in diversity
Ich frage mich gerade, ob die Grünen die richtige Wahl sind.
Von globalen Zusammenhängen können sie nie was gehört haben, wenn sie glauben, eine globale Bedrohung abwenden zu können, indem sie ihr Volk bis aufs Blut entreichern. Eine globale Bedrohung erfordert fieberhafte und engagierte Diplomatie mit einer angemessenen Reisetätigkeit. Die müßten pausenlos unterwegs sein, um international Verbündete zu finden.

Wie verhindert man das Entweichen von CO2 in die Atmosphäre, wo lagert man es zwischen und wie spaltet man es in seine Bestandteile auf. Ein enormer Forschungs- und Wachtumsmarkt der genau genommen weltweites Hufescharren um die beste Ausgangsposition auslösen sollte.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 14:35
von Sören74
unity in diversity hat geschrieben:(06 Jun 2019, 14:30)

Ich frage mich gerade, ob die Grünen die richtige Wahl sind.


Das ist hier eigentlich nicht das Thema. :)

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 14:41
von unity in diversity
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 14:35)

Das ist hier eigentlich nicht das Thema. :)

Aus meinem letzten Absatz könnte die deutsche Wirtschaft was machen, aber die beschäftigen sich lieber mit Mogelsoftware in den Autos von gestern.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:19
von franktoast
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 13:05)
Das Muster ist ähnlich, man sagt, diese steuerliche Abgabe oder diese Regelung belastet diesen Wirtschaftszweig, die Unternehmen müssten dann Arbeitsplätze abbauen. Wenn man das konsequent weiterdenkt, würde das bedeuten, dass keinerlei Steuern und Regulierungen das Beste für die Wirtschaft wäre. Was ich viel gravierender finde ist das Bild, was von der Wirtschaft gezeichnet wird. Man hat den Eindruck, als wenn es etwas statisches ist. So wie jetzt die Wirtschaft ist, darf sie nicht verändert werden, weil es sonst der Wirtschaft schlecht geht. D.h. im Grunde müssen wir auch die kommenden 100 Jahre Autos kaufen, weil wir sonst unsere wirtschaftliche Grundlage vernichten würde.

Du meinst, die Unternehmen sind gegen eine Steuersenkung, weil jede Veränderung schlecht für die Wirtschaft wäre? Das widerspricht ja deinem zweiten Satz. Meiner Ansicht besteht die Wirtschaft aus Menschen und die wollen eben für sich bzw. deren Familien das Beste. Auch auf Kosten anderer. Es ist aber nicht nur Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer. Wenn es um die Automobilindustrie geht, ziehen aj alle Beteiligten dort an einem Strang. Und die alle wollen keine Veränderung. Der Fließbandarbeiter von BMW verdient sich doch Blöde. Warum sollte der Elektroautos wollen, die seinen guten Arbeitsplatz kosten? Dass va. Arbeitnehmer bzw. Gewerkschaften dem Fortschritt seit jeher feindlich eingestellt sind, ist kein Geheimnis.

Automatisierung vernichtet Arbeitsplätze seit 1750. Wenn eine Maschine meine Arbeit macht, dann bin ich arbeitslos und zwar für immer, wie auch meine Nachkommen. *räusper*

Meine Frage, woher kommt dieses stationäre Bild von der Wirtschaft in der Gesellschaft? Wieso glauben so viele Menschen, dass Änderungen der politischen Rahmenbedingungen fast immer schlecht für die Wirtschaft sei?

Das Sicherheitsdenken ist eben in Deutschland tief verankert. Das sieht man daran, wie wie viele Versicherungen der Deutsche hat. Wie viele Aktien meiden, auch wenn es auf Festgeld nur 0,5% gibt. The "German Angst" ist ein Begriff.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:27
von Quatschki
Es ist eben alles überaltert heutzutage. Und die Jugend verfällt einem Infantilismus.

Im Alter von "Rezo" war Helmut Schmidt schon Oberleutnant und Batteriechef an der Westfront.
So wie er bekamen tausende andere spätere Führungspersönlichkeiten der späteren Bundesrepublik schon in richtig jungen Jahren eine unfassbare Verantwortung aufgebürdet, während man heute selbst 35jährige für zu jung hält, Entscheiderpositionen zu besetzen.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:30
von Teeernte
franktoast hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:19)


Das Sicherheitsdenken ist eben in Deutschland tief verankert. Das sieht man daran, wie wie viele Versicherungen der Deutsche hat. Wie viele Aktien meiden, auch wenn es auf Festgeld nur 0,5% gibt. The "German Angst" ist ein Begriff.


JA kontinuierliche Wirtschaftsförderung((Unterstützung gibt es nur beim Umherkarren von Wasser in Flaschen, Tieren über Europagrenzen und ....ne mehr nich.

Wenn man so nachdenkt...Erdgasrohre ? Panzer ? ...PKW klar.. aber wo wird nicht mal am "Tor" gerüttelt ? SICHER ist hier NICHTS.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:48
von Tom Bombadil
franktoast hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:19)

Automatisierung vernichtet Arbeitsplätze seit 1750. Wenn eine Maschine meine Arbeit macht, dann bin ich arbeitslos...

Das ist soweit richtig, der Rest natürlich nicht mehr. In Deutschland gibt es immer noch Regionen, die am Strukturwandel von vor 30 Jahren oder noch länger zu knabbern haben, zB. Bremen oder das Saarland, auch in NRW gibt es immer noch "Nachwehen", da steht schon der nächste Strukturwandel an.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:50
von Alter Stubentiger
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 13:05)

Auf eine Sache wird man sich schnell einigen können, Deutschland hat eine starke Wirtschaft. Trotzdem fällt bei politischen Diskussionen immer wieder auf, dass vor den Gefahren für die Wirtschaft gewarnt wird. Sobald eine politische Entscheidung geplant ist oder nur darüber diskutiert wird, die auch die Ökonomie betreffen kann, heißt es schnell "das kostet Arbeitsplätze" oder "damit gefährdet man den deutschen Wirtschaftsstandort". Eigentlich kann man praktisch jede politische Entscheidung, die nach dem 2.Weltkrieg getroffen wurde, heranziehen. Besonders akut wurde es, als die ersten Umweltschutzgesetze umgesetzt wurden.

Mal als Beispiel, wie groß waren die Diskussionen über den Katalysator im Auto? Das würde die deutsche Automobilindustrie vernichten usw. hieß es. Die Ökosteuer, die EEG-Umlage, der Mindestlohn, und und und. Und selbiges erlebt man bei der Diskussion über eine CO2-Steuer und einer denkbaren Kerosin-Steuer.

Das Muster ist ähnlich, man sagt, diese steuerliche Abgabe oder diese Regelung belastet diesen Wirtschaftszweig, die Unternehmen müssten dann Arbeitsplätze abbauen. Wenn man das konsequent weiterdenkt, würde das bedeuten, dass keinerlei Steuern und Regulierungen das Beste für die Wirtschaft wäre. Was ich viel gravierender finde ist das Bild, was von der Wirtschaft gezeichnet wird. Man hat den Eindruck, als wenn es etwas statisches ist. So wie jetzt die Wirtschaft ist, darf sie nicht verändert werden, weil es sonst der Wirtschaft schlecht geht. D.h. im Grunde müssen wir auch die kommenden 100 Jahre Autos kaufen, weil wir sonst unsere wirtschaftliche Grundlage vernichten würde.

Ich fände es furchtbar, wenn die Wirtschaft wirklich so instabil wäre und jede Änderung deren Existenz gefährdet. Ich habe ein viel anderes Bild von der Wirtschaft, nämlich das sie flexibel und sehr dynamisch ist. Es findet ein ständiger Umbau statt, Unternehmen verändern sich oder verschwinden gar. Neue entstehen. Eine leistungsfähige Wirtschaft passt sich gut den neuen Bedingungen an. Wer kann sich noch erinnern, wie viele Menschen in der Uhrenindustrie im Schwarzwald gearbeitet haben? Oder wie viele in der Textilindustrie tätig waren? Wir haben in den letzten 70 Jahren jede Menge Strukturwandel erlebt und haben heute nahezu Vollbeschäftigung. Es sind viele Arbeitsplätze verschwunden. Es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden. Und jetzt sagen wieder Leute, eine Kerosinsteuer dürfe man nicht einführen, weil das die Flugunternehmen belasten würde. :rolleyes:

Meine Frage, woher kommt dieses stationäre Bild von der Wirtschaft in der Gesellschaft? Wieso glauben so viele Menschen, dass Änderungen der politischen Rahmenbedingungen fast immer schlecht für die Wirtschaft sei?

Das ständige Gejammer ist Folklore und man sollte den Lobbyisten die fürs jammern bezahlt werden nicht allzu viel Gehör schenken.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 15:55
von Sören74
franktoast hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:19)

Du meinst, die Unternehmen sind gegen eine Steuersenkung, weil jede Veränderung schlecht für die Wirtschaft wäre? Das widerspricht ja deinem zweiten Satz.


Ja, okay, das stimmt. Ich hätte sagen sollen, Veränderungen, die Unternehmen erstmal finanziell oder organisatorisch belasten.

franktoast hat geschrieben:Das Sicherheitsdenken ist eben in Deutschland tief verankert. Das sieht man daran, wie wie viele Versicherungen der Deutsche hat. Wie viele Aktien meiden, auch wenn es auf Festgeld nur 0,5% gibt. The "German Angst" ist ein Begriff.


Interessanter Aspekt, an den ich nicht sofort gedacht hatte.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 16:18
von Sören74
In dem Zusammenhang fand ich es gut, dass vor 2(?) Tagen beim BDI-Kongress die Kritik nicht nur von der Wirtschaft Richtung Politik ging, sondern Frau Merkel ungewohnt für die CDU eine offene Ansprache an die Wirtschaft richtete. Es gibt nicht nur fehlendes Vertrauen in die Politik, sondern auch bzgl. der Wirtschaft. Zitat: "Ich will nicht sagen, wie viele Stunden ich in den vergangenen Monaten mit den Regelverletzungen der Autoindustrie verbracht habe"

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 17:34
von franktoast
Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:48)

Das ist soweit richtig, der Rest natürlich nicht mehr. In Deutschland gibt es immer noch Regionen, die am Strukturwandel von vor 30 Jahren oder noch länger zu knabbern haben, zB. Bremen oder das Saarland, auch in NRW gibt es immer noch "Nachwehen", da steht schon der nächste Strukturwandel an.

Ja und weiter? Keiner sagt, dass das einfach ist. Jedoch schafft man keine Weiterentwicklung, wenn man immer nur das weiter macht, was man grad macht. Produktionsmittel müssen eben neu angeordnet werden. Das da nicht jeder Mensch gleich profitiert ist klar.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 17:41
von franktoast
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:55)
Ja, okay, das stimmt. Ich hätte sagen sollen, Veränderungen, die Unternehmen erstmal finanziell oder organisatorisch belasten.

Unternehmen an sich sind ja nur Mittel zu Zweck. Was schlecht für Unternehmen ist, ist schlecht für alle. Auf der anderen Seite gewinnt man entsprechend. Wenn ein Unternehmen niedrigere Steuern bezahlt = weniger Kosten hat, ist nicht gesagt, dass es mehr Gewinn macht. Es gibt ja Wettbewerb um Kunden und Umsatz. Und das ist bei höheren Kosten auch so. Wenn zB. ein Naturschutzgebiet vereinbart wird, unter dem günstig Rohstoffe abgebaut werden könnten, dann macht das den Rohstoff zB. um ein paar Cent teurer, wodurch zB. jeder Bürger im Schnitt für eine Stunde Arbeit eben etwas weniger Waren- und Dienstleistungen kaufen kann. Also indrekt bekommt der Bürger zB. 5 Bier weniger im Jahr, hat aber dann ein Naturschutzgebiet. Was ist mehr wert? In Deutschland ist jeder schon fett und mobil. Da bringt das Naturschutzgebiet wohl mehr Mehrwert als die zusätzlichen 5 Bier. In Indien sieht man das noch anders. Gleiches Beispiel Umweltverschmutzung. In Deutschland kann man sich den Aufwand leisten, Plastiktüten, die eh sauber entsorgt würden, zu verbieten. In Indien kippt man den Laster voll Plastiktüten in den Fluss. Der Inder könnte nun auch sagen, dass mehr Arbeitsstunden verwendet werden sollten, um die Umwelt sauber zu halten und entsprechend weniger Arbeitsstunden zur Nahrungsmittelproduktion, aber der Inder ist eben dünn und immobil.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 17:45
von Tom Bombadil
franktoast hat geschrieben:(06 Jun 2019, 17:34)

Produktionsmittel müssen eben neu angeordnet werden.

Ja, am besten macht man permanent Strukturwandel, dann hat man immer ungelernte Angestellte, die man mies entlohnen kann. Sind halt keine Fachkräfte in der neuen Technologie...

Das da nicht jeder Mensch gleich profitiert ist klar.

Guter Witz :D Wer in Deutschland profitiert ist wohl klar. Oder muss ich es wirklich verlinken?

Und natürlich wird wieder nach Subventionen geschrien:
Erst am Dienstag forderten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft für einen Kohleausstiegs bis 2030 Ausgleichszahlungen für die zu erwartenden Strompreissteigerungen: Das werde zusätzliche Kosten von „mindestens 14 bis 54 Milliarden Euro“ verursachen, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research im Auftrag zweier Wirtschaftsverbände.
http://www.taz.de/Kohlekraftwerke-weltw ... /!5564169/

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 18:00
von Adam Smith
Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Jun 2019, 15:48)

Das ist soweit richtig, der Rest natürlich nicht mehr. In Deutschland gibt es immer noch Regionen, die am Strukturwandel von vor 30 Jahren oder noch länger zu knabbern haben, zB. Bremen oder das Saarland, auch in NRW gibt es immer noch "Nachwehen", da steht schon der nächste Strukturwandel an.


Hier sieht man den großen Unterschied zwischen Bremen und Bayern. Bremen ist SPD und verwaltet die Armut. Die CSU in Bayern hat dafür gesorgt, dass es nun andere Unternehmen gibt.

Die Weber in Deutschland haben den Strukturwandel historisch gesehen noch am intensivsten bekämpft. Im Grunde muss dann die Politik kommen und erstens klarmachen, dass es halt so ist und dann den Strukturwandel gestalten.

Im Moment wird ja ganz stark Uber bekämpft.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 18:05
von Tom Bombadil
Strukturwandel, besonders im Sinne von Modernisierung und Innovation, wird es immer geben, die Frage ist allerdings, ob es sinnvoll ist, ihn mit staatlichen Regulierungen unnötig zu erzwingen. Ich meine nicht.
Man kann den Stadtstaat Bremen auch nur schwerlich mit Bayern vergleichen.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Do 6. Jun 2019, 19:59
von Enas Yorl
Sören74 hat geschrieben:(06 Jun 2019, 13:05)Meine Frage, woher kommt dieses stationäre Bild von der Wirtschaft in der Gesellschaft? Wieso glauben so viele Menschen, dass Änderungen der politischen Rahmenbedingungen fast immer schlecht für die Wirtschaft sei?

Es gibt ein altes phönizisches Sprichwort "Das Jammern ist der Gruß des Kaufmanns". Solche Reaktionen sind ein vollkommen normaler Reflex, auf angekündigte Veränderungen. Als Maßstab für den realen Zustand von Unternehmen, sind sie aber ungeeignet.

Re: Ist unsere Wirtschaft unflexibel und fragil?

Verfasst: Mi 12. Jun 2019, 13:01
von franktoast
Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Jun 2019, 17:45)
Ja, am besten macht man permanent Strukturwandel, dann hat man immer ungelernte Angestellte, die man mies entlohnen kann. Sind halt keine Fachkräfte in der neuen Technologie...

Naja, die Unternehmen können nur das machen, wofür es auch Leute gibt. Indien kann zB. auch nicht einfach auf eine Produktion mit viel Kapital und hochausgebildetem Fachpersonal umstellen, denn das gibt es dort eben kaum. Und man könnte Kohlekraft nicht durch Solarzellen ersetzen, wenn es nicht Fachkräfte gäbe, die sich da auskennen. Ich sehe da nicht wirklich ein Problem.

Guter Witz :D Wer in Deutschland profitiert ist wohl klar. Oder muss ich es wirklich verlinken?

Und natürlich wird wieder nach Subventionen geschrien:
Erst am Dienstag forderten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft für einen Kohleausstiegs bis 2030 Ausgleichszahlungen für die zu erwartenden Strompreissteigerungen: Das werde zusätzliche Kosten von „mindestens 14 bis 54 Milliarden Euro“ verursachen, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research im Auftrag zweier Wirtschaftsverbände.
http://www.taz.de/Kohlekraftwerke-weltw ... /!5564169/

Ach Subventionen. Naja, wenn der Staat ein bestimmtes Ziel hat, dann versucht er das eben über bestimmte Methoden zu errreichen. Womöglich auch mit der Brechstange. Das ist genau das Gegenteil von denzentraler Wirtschaft, die sich eben möglichst verträglich mit allen weiterentwickelt. Allerdings wird von einer dezentralen Wirtschaft natürlich auch nicht jeder gleichmäßig profitieren. Dass bei so viel Freiheit in einer Spezies und so vielen Fähigkeiten dann alle sehr ähnliche Fähigkeiten haben wäre ja nicht möglich. Es ist völlig natürlich, dass sich Menschen auf etwas spezialisieren und darin so gut werden/sind, dass sie den Bärenanteil davon ausmachen. Ich arbeite zB. in einer Firma mit 100 Mitarbeitern, die Marktführer sind. Das heißt, 100 Personen (0,00013% aller Deustchen) kümmern sich um 25% von diesem Bereich. Man muss nicht immer so tun als ob es derartig unnatürlich wäre, wenn die, dei sich auf Unternehmenbesitz spezialisert haben, da 1% vlt. 15% von allen Produktionsmittel auf sich vereinen.