Niedergang der deutschen Automobilindustrie

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John Galt
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon John Galt » Di 6. Aug 2019, 13:54

zollagent hat geschrieben:(06 Aug 2019, 09:18)

Der "Niedergang der deutschen Automobilindustrie" ist an welchen Fakten festzumachen? Am Verkaufs(miß)erfolg, an der Anzahl von Werksschließungen, oder welche anderen Faktoren weisen darauf hin?


An dem was noch kommt. Der Spaß fängt ja gerade erst an.
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yogi61
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon yogi61 » Di 6. Aug 2019, 13:58

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 13:54)

An dem was noch kommt. Der Spaß fängt ja gerade erst an.


Was wäre daran eigentlich so schlimm? Alles hat seine Zeit.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
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John Galt
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon John Galt » Di 6. Aug 2019, 14:03

zollagent hat geschrieben:(06 Aug 2019, 09:40)

Es wurde sich aber begierig drauf gestürzt. Offenbar ist die Lust am Untergang ungebrochen, besonders bei den Anhängern extremistischer Strömungen. Die brauchen solche Prognosen nämlich für ihre Existenzberechtigung, und - leider - ist der Nihilismus in den sozialen Medien, auch in Foren, ziemlich weit verbreitet.


Du klingst in etwa wie ein Bewohner von Detroit im Jahre 1960.

Der Diesel-Skandal der wirtschaftlichen Schaden in Höhe von Hunderten Milliarden Euro angerichtet hat, war erst der Anfang. Dazu zählen nicht nur Strafzahlungen, sondern auch dass Jahrzehnte an Technologievorsprung und Investitionen innerhalb kürzester Zeit wertlos geworden sind. Das gleiche passiert in naher Zukunft mit Benzinmotoren und Getrieben.

So ein bisschen Plastik, Stahl und Elektroschrott kann man auch in allen anderen x-beliebigen Ländern zusammenkleistern. Das wirtschaftliche Gerüst, vor allem im Südwesten ist schlichtweg dem Untergang geweiht, dir mag er nicht auffallen, er kommt halt schleichend.

Den Leuten in der Textilindustrie, Fernseherindustrie, Leiterplatten, Kohle+Stahl, etc. ist das alles auch nicht aufgefallen, zig Jahre später waren die Jobs verschwunden.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon zollagent » Di 6. Aug 2019, 14:58

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 14:03)

Du klingst in etwa wie ein Bewohner von Detroit im Jahre 1960.

Der Diesel-Skandal der wirtschaftlichen Schaden in Höhe von Hunderten Milliarden Euro angerichtet hat, war erst der Anfang. Dazu zählen nicht nur Strafzahlungen, sondern auch dass Jahrzehnte an Technologievorsprung und Investitionen innerhalb kürzester Zeit wertlos geworden sind. Das gleiche passiert in naher Zukunft mit Benzinmotoren und Getrieben.

So ein bisschen Plastik, Stahl und Elektroschrott kann man auch in allen anderen x-beliebigen Ländern zusammenkleistern. Das wirtschaftliche Gerüst, vor allem im Südwesten ist schlichtweg dem Untergang geweiht, dir mag er nicht auffallen, er kommt halt schleichend.

Den Leuten in der Textilindustrie, Fernseherindustrie, Leiterplatten, Kohle+Stahl, etc. ist das alles auch nicht aufgefallen, zig Jahre später waren die Jobs verschwunden.

Autobauen ist mehr als ein "bißchen Plastik, Stahl und Elektroschrott zusammenkleistern". Dadurch, daß einige, oder besser, fast alle Hersteller manipulierte Software einsetzten, um die Abgasbestimmungen zu umgehen, wird keine Technologie wertlos. Was die anderen Branchen, die du aufgezählt hast, betrifft, da wurde die Arbeit vom Spezialistentum in Anlerntätigkeiten degradiert. Das hat mit technischen Fortschritt zu tun und auch mit fortschreitender Arbeitsteilung. Ich würde hier die Flinte noch nicht ins Korn werfen.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon John Galt » Di 6. Aug 2019, 15:20

zollagent hat geschrieben:(06 Aug 2019, 14:58)

Autobauen ist mehr als ein "bißchen Plastik, Stahl und Elektroschrott zusammenkleistern". Dadurch, daß einige, oder besser, fast alle Hersteller manipulierte Software einsetzten, um die Abgasbestimmungen zu umgehen, wird keine Technologie wertlos. Was die anderen Branchen, die du aufgezählt hast, betrifft, da wurde die Arbeit vom Spezialistentum in Anlerntätigkeiten degradiert. Das hat mit technischen Fortschritt zu tun und auch mit fortschreitender Arbeitsteilung. Ich würde hier die Flinte noch nicht ins Korn werfen.


Die Transformation der Autoindustrie wird halt gerne unterschätzt.

Einen Elektromotor haben wir als Kinder im Technik-Unterricht selber gebaut, versuch mal deinen eigenen Verbrennungsmotor zu bauen. Das ist eben der Unterschied und die Dinosaurier der deutschen Autoindustrie, inklusive der gigantischen Zuliefererindustrie werden halt - außer den Markennamen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Es geht auch nicht nur um Elektro, sondern auch ums Digitale. Man hat sich Jahrzehnte auf seinem Vorsprung ausgeruht, dieser Vorsprung wird durch die Transformation der Industrie vollkommen ausgelöscht, bei Motor und Getriebe ist noch am offensichtlichsten. Man muss sich jetzt erneut beweisen und risikoreiche Investitionen tätigen, der Wettbewerb ist völlig offen. Aber hohe Löhne, Bürokratie, analoges Denken und mangelndes Unternehmertum in Deutschland sind halt die Nachteile die zum Niedergang führen werden.

Man muss sich auch nichts vormachen, das Fax-Gerät ist noch eines der beliebtesten Werkzeuge in deutschen Unternehmen und auch in der Automobilindustrie.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon zollagent » Di 6. Aug 2019, 15:26

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 15:20)

Die Transformation der Autoindustrie wird halt gerne unterschätzt.

Einen Elektromotor haben wir als Kinder im Technik-Unterricht selber gebaut, versuch mal deinen eigenen Verbrennungsmotor zu bauen. Das ist eben der Unterschied und die Dinosaurier der deutschen Autoindustrie, inklusive der gigantischen Zuliefererindustrie werden halt - außer den Markennamen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Es geht auch nicht nur um Elektro, sondern auch ums Digitale. Man hat sich Jahrzehnte auf seinem Vorsprung ausgeruht, dieser Vorsprung wird durch die Transformation der Industrie vollkommen ausgelöscht, bei Motor und Getriebe ist noch am offensichtlichsten. Man muss sich jetzt erneut beweisen und risikoreiche Investitionen tätigen, der Wettbewerb ist völlig offen. Aber hohe Löhne, Bürokratie, analoges Denken und mangelndes Unternehmertum in Deutschland sind halt die Nachteile die zum Niedergang führen werden.

Man muss sich auch nichts vormachen, das Fax-Gerät ist noch eines der beliebtesten Werkzeuge in deutschen Unternehmen und auch in der Automobilindustrie.

Zumindest Letzteres stimmt nicht. Ich habe einen Großkunden in der Vorderpfalz, da wollte ich einer der Sachbearbeiterinen mal ein Dokument faxen, die Dame hat das empört abgelehnt, weil sie dann ja "durch das ganze Gebäude laufen müßte". Also zum Einscannen und per Mail verschicken haben sie's schon gebracht.

Daß ein Technikumbruch neue Investitionen benötigt, ist eine Binsenweisheit. Aber ich habe aufgrund meiner Tätigkeit auch einigen Einblick in die Wirtschaft und ich kann dir sagen, todgeweiht ist die deutsche Industrie nicht. Personalintensive Fertigungen mit niedrigem bis mittlerem Spezialistenlevel werden in Deutschland keine Chance haben, sondern in Landstriche verlegt werden, in dem das Personal für geringere Entlohnungen arbeitet. High-Tech verbleibt durchaus eher in Deutschland. Übrigens, Platinenfertigung ist längst nicht mehr High-Tech.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon schokoschendrezki » Di 6. Aug 2019, 15:29

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 14:03)

Du klingst in etwa wie ein Bewohner von Detroit im Jahre 1960.

Der Diesel-Skandal der wirtschaftlichen Schaden in Höhe von Hunderten Milliarden Euro angerichtet hat, war erst der Anfang. Dazu zählen nicht nur Strafzahlungen, sondern auch dass Jahrzehnte an Technologievorsprung und Investitionen innerhalb kürzester Zeit wertlos geworden sind. Das gleiche passiert in naher Zukunft mit Benzinmotoren und Getrieben.

So ein bisschen Plastik, Stahl und Elektroschrott kann man auch in allen anderen x-beliebigen Ländern zusammenkleistern. Das wirtschaftliche Gerüst, vor allem im Südwesten ist schlichtweg dem Untergang geweiht, dir mag er nicht auffallen, er kommt halt schleichend.

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Den Untergang der polnischen Werftindustrie kannst Du dir beliebig drastisch vorstellen. Die Werften in Stettin und Danzig gehörten noch in den 90ern zu den größten der Welt. Hat das zu einem gesamtwirtschaftlichen Niedergang der beiden betroffenen Regionen geführt? Kurzzeitig: ja. Aus der Sicht von heute: Keineswegs. Im Gegenteil. Hätte man immer noch weiter staatlich subventioniert, wäre das ein nur herausgezögertes Sterben gewesen. Was anstelle dessen kam: Neuaufstellung.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 6. Aug 2019, 15:54

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 14:03)

Du klingst in etwa wie ein Bewohner von Detroit im Jahre 1960.

Der Diesel-Skandal der wirtschaftlichen Schaden in Höhe von Hunderten Milliarden Euro angerichtet hat, war erst der Anfang. Dazu zählen nicht nur Strafzahlungen, sondern auch dass Jahrzehnte an Technologievorsprung und Investitionen innerhalb kürzester Zeit wertlos geworden sind. Das gleiche passiert in naher Zukunft mit Benzinmotoren und Getrieben.

So ein bisschen Plastik, Stahl und Elektroschrott kann man auch in allen anderen x-beliebigen Ländern zusammenkleistern. Das wirtschaftliche Gerüst, vor allem im Südwesten ist schlichtweg dem Untergang geweiht, dir mag er nicht auffallen, er kommt halt schleichend.

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Das es so einfach nicht ist hat man ja bei Tesla gesehen.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 16:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Aug 2019, 13:49)

Für ausgelernte Fachinformatiker kann ich das nicht bestätigen.

Eigentlich gehts hier um eine ziemlich klare Angelegenheit, die nur von wenigen angezweifelt wird.

Der Bildungsexperte Nida-Rümelin formulierte es schon 2013 in einem Interview folgendermaßen:
https://www.wiwo.de/erfolg/hochschule/bildungspolitik-akademisierung-gefaehrdet-duale-berufsbildung/8873820.html
Ich glaube nicht, dass sich diese Situation von 2013 bis 2019 irgendwie entspannt hat. Im Gegenteil.

Meine Erfahrung ist, dass die Ausbildungsinhalte für Fachinformatiker SI und AE eher nicht praktisch sind. Das ist keine Frage des Bildungsideals sondern der Brauchbarkeit. Die haben aber immerhin schon eine Firma von innen gesehen und verstanden, dass der Chef nicht "vielleicht irgendwann mal" meint, wenn er "bitte" sagt. Dass "bis 8 uhr" nicht "im Laufe des Vormittags" bedeutet. Und so weiter. Wenn frische SI oder AE was können, was oft der Fall ist, dann nicht aus dem Unterricht. Bei den Bachelor ist es etwas anders. Die lernen neben Dingen, die in vielen Einsätzen nicht so sehr relevant sind und eher dem weiteren Studium dienen (weiterführende Mathematik usw) relativ wenig über reale Administration oder Programmierung außerhalb von Mickeymaus-Umgebungen im Labor. Ist ja auch nicht die klassische Idee von einem Studium. Handwerk muss man sich nebenbei aneignen, tun viele nicht genügend. Dafür lernen viele ausgezeichnet, wie man falsch zuhört, am Problem vorbei optimiert oder anderweitig schlaue Dinge sagt und tut, die im geforderten Szenario nicht wichtig sind.

Mit ein paar Jahren ist es egal, welcher Bildungsweg dahinter steckt. Dann können sie entweder was, oder nicht. Allenfalls die Master sind ein wenig anders, aber mit etwas Glück interessieren sie sich nicht so sehr für Praxis und machen ihren Tag mit irgendwelchen Verwaltungsdingen voll. Damit stören sie keinen und sind ggf sogar nuetzlich.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Aug 2019, 09:00

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 16:06)

Meine Erfahrung ist, dass die Ausbildungsinhalte für Fachinformatiker SI und AE eher nicht praktisch sind. ...

Es muss aber irgendetwas dran sein an den zahlreichen Klagen von Seiten der eher industrielastigen Wirtschaftsbereiche, insbesondere der Automobilindustrie, dass der schleichende AUsstieg aus dem Modell "DUales System" ziemlich negative Folgen habe.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon imp » Mi 7. Aug 2019, 09:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Aug 2019, 09:00)

Es muss aber irgendetwas dran sein an den zahlreichen Klagen von Seiten der eher industrielastigen Wirtschaftsbereiche, insbesondere der Automobilindustrie, dass der schleichende AUsstieg aus dem Modell "DUales System" ziemlich negative Folgen habe.

Da ist auch was dran. Als wir das gegenteilige Problem hatten und dringend Lehrstellen für die heranwachsenden Jahrgänge erfinden mussten, gab es viele überbetriebliche oder ganz überwiegend schulische Ausbildungen. Diese Leute waren teilweise kaum vermittelbar. und bekamen erst ihre Chance, als die geburtenschwachen Jahre, der Merkel-Aufschwung und der Abgang vieler Alter vom Arbeitsmarkt die Lage wandelten.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon John Galt » Do 15. Aug 2019, 18:58

Doch bei Leoni geht es um noch mehr. Die Nürnberger stehen Pars pro Toto für die Lage der deutschen Autoindustrie. Vergangenheit: großartig. Verdienste ums Automobil: riesig. Marktführerschaft: weltweit. Börsenwert: arg unter Druck. Verfassung: total verunsichert. Zukunft: bedrohlich.

Für Leoni, aber auch für alle anderen, legendären Zulieferer und Autobauer dieses Landes gilt, was Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche und VW-Chef Herbert Diess nicht müde werden zu betonen: Eine großartige Vergangenheit garantiert keine Zukunft. Die Vorreiterrolle der deutschen Industrie im Automobilbau ist nicht gottgegeben.

Die deutsche Autoindustrie ist groß, aber keine sichere Bank mehr.

Kein Unternehmen der Branche illustriert das besser als Leoni. Der Zulieferer hat, was viele nicht ahnen, 92.000 Mitarbeiter. Sucht man international etwas Vergleichbares in der Autoindustrie, landet man etwa bei dem japanischen Autohersteller Mitsubishi, der gut 80.000 Mitarbeiter an Bord hat. Bloß: Leoni schaffte im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro Umsatz, Mitsubishi dagegen 21 Milliarden Euro.

In der alten Autowelt – der ohne Internet, Digitalisierung, Elektroantrieb und selbstfahrenden Autos – konnten Unternehmen mit 92.000 Mitarbeitern und ein paar Milliarden Euro Umsatz bestehen. Doch seit Internet-Konzerne wie die Google-Mutter Alphabet in den Markt eindringen, gelten neue Benchmarks: Alphabet – deren Tochter Waymo weltweit führend ist bei autonom fahrenden Autos – hat nicht wesentlich mehr Mitarbeiter als Leoni, aber einen Börsenwert von 580 Milliarden Euro und damit das rund 2000-fache von Leoni. Der Zulieferer hat noch Barmittel von rund 100 Millionen Euro, bei Alphabet sind es 117 Milliarden Dollar. Die Kalifornier könnten sich Daimler (Börsenwert 45 Milliarden Euro) und Tesla (36 Milliarden Euro) kaufen, noch dazu Leoni und ein paar weitere deutsche Zulieferer – und hätten danach immer noch eine prall gefüllte Kriegskasse.

Das ist eine sichere Bank. In der deutschen Autoindustrie sucht man so etwas inzwischen vergeblich.

Deutschland darf stolz sein auf seine automobile Vergangenheit, muss aber den Hochmut ablegen, was die Zukunft der Branche angeht. Denn über die wird nicht vornehmlich in Deutschland entschieden, sondern im Silicon Valley (autonomes Fahren) oder in Asien (E-Autos). Wenn das eine Erkenntnis aus dem Leoni-Drama ist, dann ist schon viel gewonnen.



https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/au ... 02722.html

Die Fassade fängt immer stärker an zu bröckeln.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon Ger9374 » Do 15. Aug 2019, 22:40

Nun gehen die Deutsche Autohersteller ja neue Kooperationen ein. Lastenverteilung um Innovationen möglich zu machen.
Aber auch mich beschleicht der Verdacht von verschenkten wichtigen Jahren der Umstellung auf alternative Antriebe.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon John Galt » Do 10. Okt 2019, 15:29

Nach 70 Millionen Euro Verlust im Jahr 2018 werde auch in diesem Jahr "ein signifikanter zweistelliger Millionenbetrag" als Defizit anfallen, sagte Appel.


https://www.n-tv.de/wirtschaft/Post-Che ... 14559.html

Solche Ergebnisse blühen wohl bald allen Autoherstellern. Kein einziger Elektroautohersteller auf der Welt macht Gewinn. Tesla führt die Liste mit gigantischen Verlusten an.

Beim Streetscooter verteilen sich zig Jahre an Verlusten auf gerade Mal 10.000 Stück. Das sind mindstens 20-30k Verlust pro Stück über die letzten 5 Jahre.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon Enas Yorl » Do 10. Okt 2019, 17:07

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 15:20)Die Transformation der Autoindustrie wird halt gerne unterschätzt.

Das Problem dabei ist weniger die Technik, sondern das rechtzeitige Anpassen an sich mitunter schnell verändernde Märkte. Innerhalb der EU schafft es die Automobillobby vielleicht bei den Vorschriften, weiter auf der Bremse zu stehen. Wenn man aber in chinesischen Metropolen wie Peking oder Chongqing beschließt, das in zwei Jahren kein PKW mit Verbrennungsmotor mehr in die Stadt darf. Dann wird das, ohne wenn und aber umgesetzt werden, ohne deutsches Rumgeeier wegen Fahrverboten. Für die Hersteller heißt das dann, Friss oder Stirb.
Die Rahmenbedingungen für die Transformation der Autoindustrie wird hier der größte Absatzmarkt mit dessen Vorschriften und ihrer Durchsetzung vorgeben.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon fresh_ » Mi 27. Nov 2019, 02:21

Ich möchte einmal meine Standpunkt der Dinge wiedergeben. Ich lebe in Baden Württemberg ein Bundesland das vorallem durch die Automobilindsutrie lebt. Etliche Firmen produzieren, liefern Teile an die Automobilindustrie. Gefühlt jede 2te oder 3te Firma inder ich als Handwerker tätig bin hat etwas mit der Automobilindustrie zu tun. Ich selber Arbeite für eine Firma die von Reparatur/Prüf/Instandsetzungs/-aufträgen der Industrie lebt. Der November ist was Aufträge angeht im Raum Stuttgart sowie Umgebung fast tot. Es werden keine Aufträge freigegeben ect. Seit Monaten bekommt man mit das hunderte Menschen gekündigt werden aufgrund von Magelaufträgen und und und. Es gibt Kollegen von mir , da zähle ich mich dazu, die nicht wissem was Sie im Dezember tun sollen. Es ist wirklich ganz arg schlimm im Moment. Teilweise stehen Teile z.B für Mercedes bereits seit Wochen und Monaten einfach nur rum und werden von einem Eck der Halle in das andere gestellt aber abholen kommt die niemand. Sowas habe ich bisher noch nicht erlebt. Einen ganz großen Anteil daran hat die Politik mit ihrer schlechten Klimapolitik. Den die Politik macht folgendes, all die Klimaprobleme werden fast nur mit dem bösewicht Auto in Verbindung gebracht um von all den anderen Problemen abzulenken. Dank der Politik , Fahrverboten ect. geht es nun stetig bergab. Die Automobilindustrie gibt sich Mühe um mit den E-Autos eine Alternative herzustellen, merkt aber nicht das diese damit völlig aufdem falschen Weg ist. Den das E Auto wird ganz schlecht angenommen. Zwar werden ganze Werke auf E Mobilität umgestellt da die Hersteller eigentlich keine andere Wahl haben , aber sie zocken damit. Die Politik hat den Diesel getötet , wird es wahrscheinlich in naher Zukunft mit dem Benziner tun. Doch dann werden sie merken das Lithium auf Dauer keine Alternative sein wird (ist ein langes Thema wieso , möchte da erstmal nicht näher drauf eingehen), wird merken das man sich nur im Kreis gedreht hat. Wird sehen das ganze Länder zu halben Wüsten mutieren. Die Rohstoffe dafür werden ausgehen und dann steht die Automobilindustrie in einigen Jahren da wo sie heute steht. Sie wird sich nach einer weiteren Alternative umsehen müssen, nach anderen Energiequellen. Leider ist man auf dem völlig falschen Weg. Denn das was nun mit der Automibilindustrie getrieben wird ist keine Lösung , es ist ein Rennen aif Zeit, wer nun den meisten Profit machen wird, wer zuerst in massen E Autos verkaufen wird , denn die Politik will es so ohne darüber nachzudenken wie es Menschen in anderen Ländern ergeht. Man wird eine Lösung finden müssen, wie diese aussehen wird, keine Ahnung.
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon Orbiter1 » Mi 27. Nov 2019, 10:07

fresh_ hat geschrieben:(27 Nov 2019, 02:21)

Die Politik hat den Diesel getötet , wird es wahrscheinlich in naher Zukunft mit dem Benziner tun.
Nö, den Diesel haben die Automobilhersteller schon selbst getötet. Sie haben ihre Kunden millionenfach betrogen und ihnen Fahrzeuge verkauft die die zugesagten Schadstoffwerte um das zigfache überschritten haben. Erst dadurch ist es zu den Fahrverboten gekommen. Ich kaufe diesen Betrügern nichts mehr ab und möchte für den entstandenen Schaden entschädigt werden. Habe mich deswegen einer Sammelklage angeschlossen. Wie oft und wie hoch darf man denn sie persönlich schädigen damit sie Kunde bleiben?
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Re: Niedergang der deutschen Automobilindustrie

Beitragvon Teeernte » Mi 27. Nov 2019, 20:36

Audi baut in den nächsten Jahren bis zu 9500 Stellen ab ...
https://www.stimme.de › heilbronn › wirtschaft › Audi-baut-in-den-naechs...
vor 1 Tag - Neckarsulm Der Abbau der mehreren tausend Stellen soll sozialverträglich und ohne Entlassungen erfolgen. Teil der Vereinbarung ist zudem, ...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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