Die Deutschen sind böse, sehr böse

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 6769
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 10:05

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon jorikke » Mo 29. Mai 2017, 20:18

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 May 2017, 19:21)

eben deswegen ja die Forderung nach höherer Binnennachfrage, sprich höherer Staatsverschuldung.


Binnennachfrage fällt doch nicht vom Himmel. Natürlich kann man erklären mehr Binnennachfrage wäre gut. Offensichtlich ist der Bedarf an Gütern durch den Istzustand abgedeckt. Wo soll das "mehr" herkommen, besser hinkommen? Bleibt nur der Staat, der mit Steuermitteln und gegebenenfalls Schulden Nachfrage erzeugen kann. Irgendwie sollte die aber sinnvoll sein, also keine amerikanischen Autos kaufen um deren Handelsbilanz aufzupäppeln und anschließend in die Nordsee kippen. Was bleibt sind Investitionen in die Infrastruktur, also Straßen, Schulen usw. Was dazu benötigt wird, haben wir alles selber, eingeführt muss davon fast nichts werden. Deshalb wird dadurch auch keine Handelsbilanz irgendwelcher Drittstaaten verbessert.
Als Prämisse dadurch deutsche Produktionskapazitäten zu binden um sie dem Exportgeschäft zu entziehen, völlig untauglich.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 19055
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 29. Mai 2017, 20:26

jorikke hat geschrieben:(29 May 2017, 20:18)

Binnennachfrage fällt doch nicht vom Himmel. Natürlich kann man erklären mehr Binnennachfrage wäre gut. Offensichtlich ist der Bedarf an Gütern durch den Istzustand abgedeckt. Wo soll das "mehr" herkommen, besser hinkommen? Bleibt nur der Staat, der mit Steuermitteln und gegebenenfalls Schulden Nachfrage erzeugen kann.


Eben, das war ja meine Aussage. Hinter der Kritik des Leistungsbilanzüberschusses verbirgt sich eben letztendlich die Forderung nach höherer Staatsverschuldung.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 6769
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 10:05

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon jorikke » Mo 29. Mai 2017, 22:15

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 May 2017, 20:26)

Eben, das war ja meine Aussage. Hinter der Kritik des Leistungsbilanzüberschusses verbirgt sich eben letztendlich die Forderung nach höherer Staatsverschuldung.


Ich verstehe es wirklich nicht.
Wenn wir nach (z.B.) Frankreich 1 Milliarde exportieren und aus Frankreich nur für 500 Millionen importieren, dann haben wir einen Leistungsüberschuss von 500 Millionen.
Wenn wir uns dann für irgendetwas höher verschulden, ändert das am Leistungsüberschuss zu Frankreich gar nichts.
Für mich sind Leistungsbilanzüberschuss und Staatsverschuldung zwei völlig verschiedene Themen.
Mag aber sein, ich verstehe zu wenig davon. Da nicht zu erwarten ist, dass sich das kurzfristig ändert, ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.
...aber nix für unflott.
Benutzeravatar
prime-pippo
Beiträge: 16739
Registriert: Mo 23. Apr 2012, 13:03

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon prime-pippo » Mo 29. Mai 2017, 22:23

Adam Smith hat geschrieben:(29 May 2017, 19:18)

Vor dem Kapitalismus gab es dem Merkantilismus. Dieses wurde dann kritisiert und daraus entstanden ist dann der Kapitalismus. Im Kapitalismus sind Importe vorteilhaft.

:( Auf dem Niveau macht es nicht wirklich Sinn....
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 19055
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 29. Mai 2017, 22:24

jorikke hat geschrieben:(29 May 2017, 22:15)

Ich verstehe es wirklich nicht.
Wenn wir nach (z.B.) Frankreich 1 Milliarde exportieren und aus Frankreich nur für 500 Millionen importieren, dann haben wir einen Leistungsüberschuss von 500 Millionen.
Wenn wir uns dann für irgendetwas höher verschulden, ändert das am Leistungsüberschuss zu Frankreich gar nichts.
Für mich sind Leistungsbilanzüberschuss und Staatsverschuldung zwei völlig verschiedene Themen.
Mag aber sein, ich verstehe zu wenig davon. Da nicht zu erwarten ist, dass sich das kurzfristig ändert, ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.
...aber nix für unflott.


Aber durch die Erhöhung der Binnennachfrage verschiebt sich die Relation. Auch führt eine Erhöhung der Staatsausgaben zu einer Erhöhung der Einkommen der Privaten. Diese Erhöhung, sofern sie nicht nur Arbeitslosigkeit betrifft, wäre auch eine Erhöhung der Realeinkommen. Damit verbunden wäre eine Verteuerung der Produkte. Und das würde sich wiederum auf die Exporte auswirken.

Aber wie geschrieben, ich wollte lediglich erläutern, was sich hinter einer Forderung der Reduzierung des Leistungsbilanzüberschusses eigentlich verbirgt.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
prime-pippo
Beiträge: 16739
Registriert: Mo 23. Apr 2012, 13:03

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon prime-pippo » Mo 29. Mai 2017, 22:30

jorikke hat geschrieben:(29 May 2017, 22:15)
Für mich sind Leistungsbilanzüberschuss und Staatsverschuldung zwei völlig verschiedene Themen.



Diese Themen sind insofern nicht völlig unabhängig, da sich die Leistungsbilanz + staatliche Finanzierungssaldo + privater Finanzierungssaldo logisch zwingend zu 0 addieren.

Ein Leistungsbilanzdefizit (positiver Finanzierungssaldo des Auslands) muss also logisch zwingend mit einem negativen staatlichen oder privaten Finanzierungssaldo einhergehen.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
Anghan

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon Anghan » Di 30. Mai 2017, 10:07

Auf solche Diskussionen lasse ich mich nicht ein!
Benutzeravatar
syna
Beiträge: 544
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 08:04

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon syna » Fr 2. Jun 2017, 10:56

jorikke hat geschrieben:Für mich sind Leistungsbilanzüberschuss und Staatsverschuldung zwei völlig verschiedene Themen.

Das sind sie ja zunächst mal auch! :)

prime-pippo hat geschrieben:(29 May 2017, 22:30)
Diese Themen sind insofern nicht völlig unabhängig, da sich die Leistungsbilanz + staatliche Finanzierungssaldo + privater Finanzierungssaldo logisch zwingend zu 0 addieren.

Ein Leistungsbilanzdefizit (positiver Finanzierungssaldo des Auslands) muss also logisch zwingend mit einem negativen staatlichen oder privaten Finanzierungssaldo einhergehen.

Nun, das ist aber eine sehr triviale Feststellung.

Natürlich bedeutet jeder Exportüberschuss an Gütern einen entsprechendes Ansteigen
eines Anspruchs auf das Vermögen des Auslands. Das ist aber schlicht in der Tatsache
begründet, dass die exportierten Waren vom Ausland bezahlt werden. Dieses
"Bezahlen" bedeutet ja gerade einen Rückfluss an "Anspruch auf das Vermögen des Auslands".

Trotzdem kann man diese Betrachtung für den staatlichen und den privaten Sektor
getrennt halten. Es gibt also auch gar keinen Grund für:


Anghan hat geschrieben:Auf solche Diskussionen lasse ich mich nicht ein!

Bitte nicht durch triviale VWL-Sätze wie oben verwirren lassen! :D
Es geht hier ja eigentlich um zwei Themen:

1. Was bedeutet der Außenhandelsüberschuss denn ökonomisch?
2. Was will Trump überhaupt mit so einer Rhetorik erreichen? Kann es
sein, dass er einfach nur - so wie schon im Wahlkampf - seine
Wählerschaft im Rustbelt zufriedenstellen will?
--~~/§&%"$!\~~--
Benutzeravatar
prime-pippo
Beiträge: 16739
Registriert: Mo 23. Apr 2012, 13:03

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon prime-pippo » Fr 2. Jun 2017, 12:26

syna hat geschrieben:(02 Jun 2017, 10:56)

Das sind sie ja zunächst mal auch! :)
[....]Nun, das ist aber eine sehr triviale Feststellung.


Einerseits sind Leistungsbilanzsaldo und Staatsverschuldung also vermeintlich unabhängig..........andererseits ist meine (durchaus simple) Feststellung, dass ein Leistungsbilanzdefizit eine steigende staatliche und/oder private Verschuldung bedingt, dir zu trivial.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
Benutzeravatar
syna
Beiträge: 544
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 08:04

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon syna » Di 6. Jun 2017, 09:19

prime-pippo hat geschrieben:(02 Jun 2017, 12:26)

Einerseits sind Leistungsbilanzsaldo und Staatsverschuldung also vermeintlich unabhängig..........andererseits ist meine (durchaus simple) Feststellung, dass ein Leistungsbilanzdefizit eine steigende staatliche und/oder private Verschuldung bedingt, dir zu trivial.


Genau!

Du beschreibst hier einfach nur das Phänomen aus finanztechnischer Sicht:
Exportüberschuss in DE <--> Schulden von US-Firmen in DE = Vermögensanspruch von DE in den USA

Das ist ersteinmal trivial. Die Fragen :?: sind ja:

1. Ist so ein Exportüberschuss unbedingt zu vermeiden, weil er zwischen Ländern
zu extreme Ungleichgewichte (z.B. in der Verschuldung) erzeugt. Trump ist da offenbar
der Meinung, dass dem so ist. Deshalb sind die "Deutschen ja so böse".

2. Oder ist Trumps Rhetorik nur eine Art Gepolter, um seine eigenen Wähler mit
Chauvi-Sprüchen eines "starken Mannes" zufriedenzustellen?
--~~/§&%"$!\~~--
Benutzeravatar
prime-pippo
Beiträge: 16739
Registriert: Mo 23. Apr 2012, 13:03

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon prime-pippo » Mi 7. Jun 2017, 21:13

syna hat geschrieben:(06 Jun 2017, 09:19)

Genau!

Du beschreibst hier einfach nur das Phänomen aus finanztechnischer Sicht:
Exportüberschuss in DE <--> Schulden von US-Firmen in DE =[color=#FF0000] Vermögensanspruch von DE in den USA


Auch wenn die rote Aussage stimmt, so muss mit dem Überschuss trotzdem keine Verschuldung von US-Firmen in D verbunden sein.

1. Ist so ein Exportüberschuss unbedingt zu vermeiden, weil er zwischen Ländern
zu extreme Ungleichgewichte (z.B. in der Verschuldung) erzeugt. Trump ist da offenbar
der Meinung, dass dem so ist. Deshalb sind die "Deutschen ja so böse".

2. Oder ist Trumps Rhetorik nur eine Art Gepolter, um seine eigenen Wähler mit
Chauvi-Sprüchen eines "starken Mannes" zufriedenzustellen?
[/color]



Trump bringt mit seiner Rhetorik vieles durcheinander, das zweifellos. Dennoch absorbiert das Leistungsbilanzdefizit der USA Inlandsnachfrage, die nicht auf heimische Produktion gerichtet ist.
Mit einem Leistungsbilanzdefizit müssten die USA zur Erreichung von Vollbeschäftigung die Staatsverschuldung daher noch höher treiben, als sie es bei ausgeglichener Leistungsbilanz müssten.

Da um die Staatsverschuldung gerne viel Wirbel gemacht wird, ist klar, dass er diese Defizite im Rahmen halten will.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
Benutzeravatar
syna
Beiträge: 544
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 08:04

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon syna » Do 8. Jun 2017, 10:40

prime-pippo hat geschrieben:(07 Jun 2017, 21:13)
Dennoch absorbiert das Leistungsbilanzdefizit der USA Inlandsnachfrage, die nicht auf heimische Produktion gerichtet ist.

Im Prinzip ja.

Wenn man genauer hinguckt, zeigt sich: Deutschland exportiert ja zum großen Teil Investitionsgüter in die USA.
Das sind also Anlangen, Fabriken und Maschinen, die die US-Firmen wiederum benötigen, um ihre
Produktion zu gewährleisten.

Eine Reduktion dieser Exporte würde ja zu einer Verringerung des Wohlstands durch Arbeitsteilung,
zu einer Verringerung der Produktivität und somit Verringerung der Konkurrenzfähigkeit von US-Firmen
führen. Es wäre letztlich kontraproduktiv.


prime-pippo hat geschrieben:(07 Jun 2017, 21:13)
Mit einem Leistungsbilanzdefizit müssten die USA zur Erreichung von Vollbeschäftigung die Staatsverschuldung daher noch höher treiben, als sie es bei ausgeglichener Leistungsbilanz müssten.

Da um die Staatsverschuldung gerne viel Wirbel gemacht wird, ist klar, dass er diese Defizite im Rahmen halten will.

Ja, das ist die holzschnittartige Argumentation. Aber - siehe oben - im Detail
ist es ja so nicht.
--~~/§&%"$!\~~--
Benutzeravatar
prime-pippo
Beiträge: 16739
Registriert: Mo 23. Apr 2012, 13:03

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon prime-pippo » Do 8. Jun 2017, 20:54

syna hat geschrieben:(08 Jun 2017, 10:40)

Im Prinzip ja.

Wenn man genauer hinguckt, zeigt sich: Deutschland exportiert ja zum großen Teil Investitionsgüter in die USA.
Das sind also Anlangen, Fabriken und Maschinen, die die US-Firmen wiederum benötigen, um ihre
Produktion zu gewährleisten.

Eine Reduktion dieser Exporte würde ja zu einer Verringerung des Wohlstands durch Arbeitsteilung,
zu einer Verringerung der Produktivität und somit Verringerung der Konkurrenzfähigkeit von US-Firmen
führen. Es wäre letztlich kontraproduktiv.



Ja, das ist die holzschnittartige Argumentation. Aber - siehe oben - im Detail
ist es ja so nicht.


Selbstverständlich ist es so. Für diese Zusammenhänge spielt es auch keine Rolle, welche Arten von Gütern wir in die USA exportieren. Über die Art der Güter kannst du allenfalls argumentieren, dass das Produktivitätsniveau der USA ein anderes wäre....

Aber ganz davon aber hat niemand behauptet, die deutschen Waren sollten nicht in die USA exportiert werden. Das ist ein Strohmann-Argument.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
Ger9374

Re: Die Deutschen sind böse, sehr böse

Beitragvon Ger9374 » Fr 9. Jun 2017, 09:34

China hat US- Bonds in enormer Höhe angehäuft.
Ergebnis aus Exportüberschüssen. Seit Jahrzehnten. Wo bleibt da der Protest?
Ist da ein Unterschied? Deutsche Firmen investieren in die USA, tun das auch die Chinesen?
Da gibt es vieles was nicht verständlich für mich ist!

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast