Rote_Galaxie Sammelthread

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Re: Monopolisierung

Beitragvon Papaloooo » Mo 17. Aug 2020, 20:03

lemonitor hat geschrieben:(17 Aug 2020, 19:09)Im übrigen leben wir nicht in einer Anachie, in der Menschen ihr Leben nach eigenen Maßstäben leben können, auch dann nicht, wenn sie nicht mit allem einverstanden sind,
was die eigene Regierung tut. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was die Regierung tut- aber ich nutze die mir gegeben Möglichkeiten, erkannte Mißstände zu kritisieren- insbesondere auch auch dem Zeitgeist entgegen zu treten, der sich zwar wandelt- aber noch weit davon entfernt ist, die Egozentrik der letzten 30 Jahre zu überwinden.

Glücklicherweise leben wir in keiner Anarchie.
In einer Anarchie gewinnt der Stärkere.
Man knallt mal schnell den reichen Nachbar ab,
und zieht in dessen Villa ein.

Insofern richtig, man kann nicht nach eigenen Maßstäben leben,
wenn diese Maßstäbe nicht mit unserem Recht vereinbaren lassen.

Vielleicht musst du, um nach eigenen Maßstäben leben zu können,
und nicht allzu fern wegzumüssen nach Italien ziehen,
und in die kalabrische 'Ndrangheta einheiraten.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Monopolisierung

Beitragvon Progressiver » Mo 17. Aug 2020, 23:09

Papaloooo hat geschrieben:(17 Aug 2020, 18:08)

Was Marx widerlegt, ist die Realität:

Es ist nicht so, dass das "Proletariat" nur geknechtet ist.
Er hatte keine Ahnung, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter (=Gewerkschaften) zusammen an einen Tisch setzen
und über Tarifverhandlungen reden.

Kartellämter überwachen den Markt, damit keine Monopolisierung stattfindet.
Du sprichst hier von dem theoretischen Konstrukt eines reinen Kapitalismus.
Aber dieses reine Konstrukt Kapitalismus gibt es ja zum Glück gar nicht.

Diejenigen die sich Marx auf die Fahnen schrieben,
die sind alle gescheitert.
Sie konnten ihrem Volk das nicht bieten,
was sie ihnen eigentlich versprochen haben.

Sie haben ihnen keine Reisefreiheit, keine Redefreiheit, kein Mitspracherecht,
keine Gleichwertigkeit mit Regierenden geboten.
Sie haben ihnen keine Gerechtigkeit geboten,
sie sind oft wegen "Republikflucht" oder bloßer Kritik am Führungsstil jahrelang inhaftiert gewesen,
oftmals übel misshandelt worden.

Ich möchte in keinem marxistischen System leben,
weil dieser nicht funktioniert und den Menschen die Möglichkeit raubt, oder zumindest sehr erschwert,
ihr Leben nach eigenen Maßstäben leben zu können,
vor allem dann, wenn man nicht mit allem einverstanden ist,
was die eigene Regierung tut.


Die Arbeitgeber setzen sich aber niemals freiwillig mit den Gewerkschaftlern an einen Tisch. In Deutschland müssen sie es, weil wir durch das Grundgesetz einen Rechts- und Sozialstaat haben. Aber anderswo versuchen sie ganz automatisch, Gewerkschaftler aus ihren Betrieben zu mobben und zu feuern. Ein gutes Beispiel ist sicher der Kampf Amazons mit seinen Versandarbeitern. Diese müssen immer noch um ihre Rechte kämpfen.

Und auch, was das Kartellrecht betrifft, so wurde das nicht von den Konzernen erfunden, sondern musste ihnen von staatlicher Seite aufgezwungen werden. Ohne Kartellrecht würde jeder Konzern versuchen, eine absolute Monopolstellung zu erlangen. Dies zum Schaden seiner ausgebeuteten Arbeitnehmer, der Umwelt, aber auch seiner Kunden, die mangels Alternative immer beim Monopolisten überteuerte Produkte kaufen müssten, während die Qualität immer schlechter wird.

Zum dritten muss man wohl sehen: Der Kommunismus war zwar für die betroffenen Länder eine Katastrophe. Aber durch die "rote Gefahr" sahen sich die Arbeitgeber und Staaten im Westen genötigt, ihren eigenen Arbeitnehmern einen Sozialstaat zu schaffen und finanzielle Zugeständnisse zu machen. Aber kaum war der Kommunismus tot, wurde auch der Sozialstaat auf ein Minimum runtergefahren bzw. geschleift. Dies selbst in Deutschland, was zuvor immer das Warenschauhaus des Westens war.

Der Kommunismus ist keine Alternative. Da der Staat der große Monopolist ist, ist es für die Arbeitnehmer fast unmöglich, unabhängige Gewerkschaften zu gründen, die ihre soziale Situation verbessern. Der Faschismus wäre auch keine Alternative, da er ebenfalls die Löhne der Arbeitnehmer gesenkt hat. Dies nur so am Rande. Aber da der Kapitalismus ebenfalls einen Trend zum Monopol hat, strebt er ebenfalls seinem Tod entgegen, wenn ihn nicht das Kartellrecht und die Gewerkschaften retten würden.

Was also für alle Beteiligten am besten ist, das sind eine starke Demokratie, ein strenges Kartellrecht und ein funktionierender Rechts- und Sozialstaat, die diese Namen auch verdienen. Der Kapitalismus mit seinem Drang zum Monopol wäre, wenn man ihn ließe, wie er wollte, bald am Ende. Der Kommunismus wiederum mit seinem Drang zum Staatsmonopol ist zumindest in Europa schon gestorben. Und somit da angelangt, wo der Kapitalismus hinstrebt.
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Re: Monopolisierung

Beitragvon Papaloooo » Di 18. Aug 2020, 06:26

Progressiver hat geschrieben:(17 Aug 2020, 23:09)

Die Arbeitgeber setzen sich aber niemals freiwillig mit den Gewerkschaftlern an einen Tisch. In Deutschland müssen sie es, weil wir durch das Grundgesetz einen Rechts- und Sozialstaat haben. Aber anderswo versuchen sie ganz automatisch, Gewerkschaftler aus ihren Betrieben zu mobben und zu feuern. Ein gutes Beispiel ist sicher der Kampf Amazons mit seinen Versandarbeitern. Diese müssen immer noch um ihre Rechte kämpfen.

Und auch, was das Kartellrecht betrifft, so wurde das nicht von den Konzernen erfunden, sondern musste ihnen von staatlicher Seite aufgezwungen werden. Ohne Kartellrecht würde jeder Konzern versuchen, eine absolute Monopolstellung zu erlangen. Dies zum Schaden seiner ausgebeuteten Arbeitnehmer, der Umwelt, aber auch seiner Kunden, die mangels Alternative immer beim Monopolisten überteuerte Produkte kaufen müssten, während die Qualität immer schlechter wird.

Zum dritten muss man wohl sehen: Der Kommunismus war zwar für die betroffenen Länder eine Katastrophe. Aber durch die "rote Gefahr" sahen sich die Arbeitgeber und Staaten im Westen genötigt, ihren eigenen Arbeitnehmern einen Sozialstaat zu schaffen und finanzielle Zugeständnisse zu machen. Aber kaum war der Kommunismus tot, wurde auch der Sozialstaat auf ein Minimum runtergefahren bzw. geschleift. Dies selbst in Deutschland, was zuvor immer das Warenschauhaus des Westens war.

Der Kommunismus ist keine Alternative. Da der Staat der große Monopolist ist, ist es für die Arbeitnehmer fast unmöglich, unabhängige Gewerkschaften zu gründen, die ihre soziale Situation verbessern. Der Faschismus wäre auch keine Alternative, da er ebenfalls die Löhne der Arbeitnehmer gesenkt hat. Dies nur so am Rande. Aber da der Kapitalismus ebenfalls einen Trend zum Monopol hat, strebt er ebenfalls seinem Tod entgegen, wenn ihn nicht das Kartellrecht und die Gewerkschaften retten würden.

Was also für alle Beteiligten am besten ist, das sind eine starke Demokratie, ein strenges Kartellrecht und ein funktionierender Rechts- und Sozialstaat, die diese Namen auch verdienen. Der Kapitalismus mit seinem Drang zum Monopol wäre, wenn man ihn ließe, wie er wollte, bald am Ende. Der Kommunismus wiederum mit seinem Drang zum Staatsmonopol ist zumindest in Europa schon gestorben. Und somit da angelangt, wo der Kapitalismus hinstrebt.

Ich habe nichts anderes gesagt.
Angenommen die Bundesregierung sagt:
"Sehr geehrte Bundesbürger!
Nächsten Monat geht die Exekutive und die Judikative eine Woche lang gemeinsam in den Urlaub.
Passen Sie bitte auf sich selbst auf!
Was in dieser Zeit passiert, wird auch nachträglich nicht geahndet."
Dann würde auch im zivilisierten Deutschland eine anarchische Hölle herrschen.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Occham » Di 18. Aug 2020, 06:44

Das Ideal des Kommunismus funktioniert doch prima, wenn „wenige“ Meinungen zusammen finden, so wie das in der Geschichte ja auch der Fall war. Wenn viele Meinungen zusammen finden, braucht es Gewaltenteilung und andere Mechanismen die mit dem Ideal des Kommunismus nichts zu tun haben. Wenn es also Kommunismus gegenwärtig bräuchte, müsste man die Gesellschaften splitten und auf die ganze Welt verteilen, sozusagen gesund schrumpfen. Dann bräuchte es aber mehrere Instanzen, die das ganze überwachen.
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon lemonitor » Di 18. Aug 2020, 12:36

Occham hat geschrieben:(18 Aug 2020, 06:44)

Das Ideal des Kommunismus funktioniert doch prima, wenn „wenige“ Meinungen zusammen finden, so wie das in der Geschichte ja auch der Fall war. Wenn viele Meinungen zusammen finden, braucht es Gewaltenteilung und andere Mechanismen die mit dem Ideal des Kommunismus nichts zu tun haben. Wenn es also Kommunismus gegenwärtig bräuchte, müsste man die Gesellschaften splitten und auf die ganze Welt verteilen, sozusagen gesund schrumpfen. Dann bräuchte es aber mehrere Instanzen, die das ganze überwachen.


Wie kommt man eigentlich auf die Idee, eine nicht kapitalistische Gesellschaft käme ohne eine übergeordnete, gewaltenteilige, am Recht orientierte Struktur aus? In jeder Gesellschhaft müssen über die lokalen Strukturen hinaus Entscheidungen getroffen werden- die Frage ist nur, wie qualifiziert und diszipliniert die einzelnen Teilnehmer sind. Mit anhnungslosen, zum mitdenken unfähigen Egomanen ist das allerdings nicht zu machen. Wer wissen will, wie gute Kommunikation funktioniert, kann sich gerne mit der Diskurstheorie von Jürgen Habermas auseindersetzen. Allerdings scheitert jedes System -wenn die Teilhnehmende statt Wissen und Vernunft zu gebrauchen aus dem "Bauchgefühl" ihr Denken und Handeln ableiten.

Im übrigen gibt es kein ideales Sytem- denn das müßte zwangsläufig statisch sein. Die Entwicklungen - sei es technisch oder durch Umstände bedingt (zb. Corona) erfordern immer flexibles Handeln und Entscheiden.
Wenn Ignoranten die Spitze erklimmen, beginnt ein Wettkampf in Dummheit. Parkinson stellt den wohl beliebtesten Mythos der Wirtschaft in Frage: Den, dass alle Akteure sich rational verhalten.
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon conscience » Di 18. Aug 2020, 13:11

Literaturempfehlung
Gerd Koenen.
Die Farbe Rot.
Ursprünge und Geschichte des Kommunismus.
München 2017

Inhalt

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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon NicMan » Di 18. Aug 2020, 15:06

Guten Tag ihr lieben,

ein Beitrag, der eine vollständige Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne Angabe der Quelle enthielt, wurde in die Ablage verschoben. Einerseits gebietet es die Höflichkeit, zitierte Quellen anzugeben, zum anderen werden Verstöße gegen das Urheberrecht auch in diesem Forum nicht geduldet. Ich bitte darum, diese Hinweise in Zukunft zu beachten. Herzlichen Dank an den User, der die Quelle für den zitierten Text benannte.

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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Occham » Di 18. Aug 2020, 16:01

lemonitor hat geschrieben:(18 Aug 2020, 12:36)

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, eine nicht kapitalistische Gesellschaft käme ohne eine übergeordnete, gewaltenteilige, am Recht orientierte Struktur aus?

wenn wenige Meinungen zusammen finden... dann ist das direkte Überleben DIE Regel, an diese man sich ganz ohne Struktur richtet. Gewaltenteilung überflüssig. Wenn viele Meinungen zusammen finden, mit technischen Fortschritt und Industrie ist das nicht der Fall... ist ja auch nicht so wichtig, wir müssen das beste aus unserer gegenwärtigen Situation machen.
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Re: Die Rente ist NICHT sicher! Wie kann man die Rente in angemessener Höhe sichern?

Beitragvon lemonitor » Mo 24. Aug 2020, 14:56

Occham hat geschrieben:(24 Aug 2020, 14:42)

Du meinst also, sichere Rente kann es in einem reinen Kapitalismus nicht geben?? Erst mal haben wir keinen reinen Kapitalismus, zweiten würde alles und jede Seite sich überdurchschnittlich bereichern und sich "die Taschen vollstopfen", bis sie platzen, nichts und "niemand" ausgeschlossen. Wenn du dagegen etwas machen willst, musst du diesen Seiten das Wasser reichen, dann bist du in einer besseren Position. In so einer Position kann aber nicht jede Seite sein, eine Ordnung die man nicht durchbrechen kann. Was fehlende Sicherheit der Rente betrifft, bin ich der Meinung, das Rente deswegen nicht sicher ist, weil man den Personen, die es durchreichen (AN+AG) nicht zumuten darf, mehr als Notwendig "durchzureichen" und somit jeder in Rente den gleichen Anspruch hat. Nur der Arbeitsmarkt darf bestimmen, bzw. nur der der Arbeitet, darf auch mehr verdienen und Gutverdiener können ja ohnehin Vorsorgen. Rente muss genauso "kein Ponyhof" sein, wie wenn ich arbeite. Alles andere erzeugt Unmut.


Ich werde mich hüten, zwischen reinem und unreinem Kapitalismus zu differenzieren. Das ist auch nicht notwendig, denn Kapitalismus ist und bleibt eine ideologisches Wirtschaftssystem des Bürgertums, welches auf Ausbeutung und Bereicherung ausgelegt ist. Egal, wie es ausgestaltet ist. Übrigens ist jede Ordnung Menschengemacht- also kann sie auch von Menschen durchbrochen werden. In mir erzeugt Unmut, wie im Bürgertum der Egoismus zur "Tugend" geworden ist. Und ich hoffe, dass immer mehr Menschen begreifen, dass es höchste Zeit ist, dem Bürgertum die Macht aus den Händen zu nehmen. Anders wird das nichts mehr mit der Zukunft der Menschheit.
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Beitragvon Occham » Mo 24. Aug 2020, 15:13

lemonitor hat geschrieben:(24 Aug 2020, 14:56)

Ich werde mich hüten, zwischen reinem und unreinem Kapitalismus zu differenzieren. Das ist auch nicht notwendig, denn Kapitalismus ist und bleibt eine ideologisches Wirtschaftssystem des Bürgertums, welches auf Ausbeutung und Bereicherung ausgelegt ist. Egal, wie es ausgestaltet ist. Übrigens ist jede Ordnung Menschengemacht- also kann sie auch von Menschen durchbrochen werden. In mir erzeugt Unmut, wie im Bürgertum der Egoismus zur "Tugend" geworden ist. Und ich hoffe, dass immer mehr Menschen begreifen, dass es höchste Zeit ist, dem Bürgertum die Macht aus den Händen zu nehmen. Anders wird das nichts mehr mit der Zukunft der Menschheit.

Da wir keinen reinen Kapitalismus haben, wirst du es dir aber anschauen müssen, was wir haben, sofern du es wissen willst :D was ein durchbrechen der Ordnung betrifft, lass es mich mal so sagen. Viele Seiten haben Angst und Angst bringt Interessen hervor, an diese man gebunden ist. Hat man keine Angst, hat man auch keine Interessen, wie es dazu kommt, darum geht es mir nicht. Hast du Interessen wirst du den anderen Seiten das Wasser reichen müssen, um in einer tollen Position zu sein, in so einer Position können aber nicht alle Seiten mit Interessen sein... und das ist eine Ordnung, die sich mit Interessen (und einige Seiten haben Interessen) nicht durchbrechen lässt. Ausser ich hab keine Angst, dann hab ich auch keine Interessen und fühl mich deswegen glücklich :eek: Das ist eigentlich einfach zu verstehen.
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon lemonitor » Mo 24. Aug 2020, 15:48

Zum Glück muss niemand- auch ich nicht- deiner Psychologie und Philosophie folgen.
Wenn Ignoranten die Spitze erklimmen, beginnt ein Wettkampf in Dummheit. Parkinson stellt den wohl beliebtesten Mythos der Wirtschaft in Frage: Den, dass alle Akteure sich rational verhalten.
lemonitor
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Beitragvon lemonitor » Mo 24. Aug 2020, 16:47

Occham hat geschrieben:(24 Aug 2020, 14:42)

Nur der Arbeitsmarkt darf bestimmen, bzw. nur der der Arbeitet, darf auch mehr verdienen und Gutverdiener können ja ohnehin Vorsorgen. Rente muss genauso "kein Ponyhof" sein, wie wenn ich arbeite. Alles andere erzeugt Unmut.


Wenn man ein Befürworter des Sozialdarwinismus ist, wird man deiner Ausführung ohne Einwendungen zustimmen können. Nun ist es aber so, dass der zivilisierte Teil der Menschen sich dazu durchgerungen hat, auch denen Würde und Einkommen zuzugestehen, die sich - warum auch immer- aus eigener Kraft nicht durchsetzen können. Diesem Teil der Menschen geht es nicht mehr um das Recht des Stärkeren- sondern darum, dass jeder durch ein eigenes Einkommen sein Leben in Würde führen kann. Aus dieser Sicht ist Arbeit weder eine Tugend, noch eine Ware- und demzufolge hat Arbeit auch keinen Markt- auch wenn die kapitalstische Ideologie, am deutlichsten vertreten durch den Wirtschaftsliberalismus, im Menschen nichts anderes sieht als eine kostenaktives, austauschbares Objekt mit Wegwerfeigenschaften.

Übrigens: Die meisten Gutverdiener "verdienen ihr Geld nicht- sie bekommen es nur.

Adam Schmitz: Heute ist der Lohn von der Leistung entkoppelt und es gibt endlich eine Formel, anhand derer sich das richtige Gehalt jedes arbeitenden Menschen kinderleicht errechnen lässt. Die Formel passt auf einen Bierdeckel, wird aber der komplexen Realität vollauf gerecht.
GLASAUGE: Tatsächlich? Wie lautet diese Formel?
Adam Schmitz: Drohpotenzial + wirtschaftlicher Erfolg + Promifaktor x eingebildeter sozialer Nutzen / Verfügbarkeit + tatsächlicher sozialer Nutzen = gerechter Lohn
Hier der gesamte Text. https://www.welt.de/satire/article11933 ... esetz.html
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Beitragvon Occham » Mo 24. Aug 2020, 17:17

lemonitor hat geschrieben:(24 Aug 2020, 16:47)

Wenn man ein Befürworter des Sozialdarwinismus ist, wird man deiner Ausführung ohne Einwendungen zustimmen können. Nun ist es aber so, dass der zivilisierte Teil der Menschen sich dazu durchgerungen hat, auch denen Würde und Einkommen zuzugestehen, die sich - warum auch immer- aus eigener Kraft nicht durchsetzen können. Diesem Teil der Menschen geht es nicht mehr um das Recht des Stärkeren- sondern darum, dass jeder durch ein eigenes Einkommen sein Leben in Würde führen kann. Aus dieser Sicht ist Arbeit weder eine Tugend, noch eine Ware- und demzufolge hat Arbeit auch keinen Markt- auch wenn die kapitalstische Ideologie, am deutlichsten vertreten durch den Wirtschaftsliberalismus, im Menschen nichts anderes sieht als eine kostenaktives, austauschbares Objekt mit Wegwerfeigenschaften.

Übrigens: Die meisten Gutverdiener "verdienen ihr Geld nicht- sie bekommen es nur.

Adam Schmitz: Heute ist der Lohn von der Leistung entkoppelt und es gibt endlich eine Formel, anhand derer sich das richtige Gehalt jedes arbeitenden Menschen kinderleicht errechnen lässt. Die Formel passt auf einen Bierdeckel, wird aber der komplexen Realität vollauf gerecht.
GLASAUGE: Tatsächlich? Wie lautet diese Formel?
Adam Schmitz: Drohpotenzial + wirtschaftlicher Erfolg + Promifaktor x eingebildeter sozialer Nutzen / Verfügbarkeit + tatsächlicher sozialer Nutzen = gerechter Lohn
Hier der gesamte Text. https://www.welt.de/satire/article11933 ... esetz.html

Das mit der Angst das Interessen erzeugt, hatten wir doch schon und da voraussichtlich immer einige Interessen haben werden, wird es auch immer welche geben, die in "guten" Positionen sind. Es kann aber nicht jeder in "guten" Positionen sein, das geht nur in einer festgelegten Reihenfolge und da immer einige Seiten Interessen haben, kann diese Ordnung nicht durchbrochen werden. Bei Rentnern ist es einfach zu viel, das die sich die Taschen vollstopfen wollen, jeder soll den gleichen Betrag bekommen und fertig. Auf den Arbeitsmarkt aber machen unterschiedliche Gehälter deswegen Sinn, das zum Beispiel Minijobs erledigt werden. Oder der Gutverdiener erst lange etwas lernen muss, um in eine wichtige Position für alle zu kommen. Was gegen Angst hilft, ist wenn man begreifen lernt, aber manche Seiten scheinen dagegen resistent im Begreifen zu sein...
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Progressiver » Mo 24. Aug 2020, 20:25

Wir haben tatsächlich keinen reinen Kapitalismus. Wäre dies so, so könnten beispielsweise Großbanken pleite gehen. Dies ist aber nicht der Fall. In der Regel werden sie mit viel Steuergeld gerettet. Und hinterher wird gesagt: Wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt! Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen!

Genauer betrachtet, haben wir es in den oberen Sphären der Gesellschaft also mit einem Bankensozialismus zu tun. Für die unteren Gesellschaftsschichten soll es dagegen möglichst kapitalistisch zugehen. Soll heißen: Die kleinen Leute werden nicht gerettet.

Ich denke, wenn überhaupt, dann sollte es genau anders herum sein! Für die unteren und mittleren Gesellschaftsschichten empfehle ich eine sozialökologische Marktwirtschaft mit sozialer Absicherung. Die Großbanken und Konzerne dagegen dürfen pleite gehen, wenn sie schlecht gewirtschaftet haben.
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon NicMan » Di 25. Aug 2020, 01:05

Guten Abend ihr lieben,

eine Konversation zwischen verschiedenen User, welche in meinen Augen wenig ergiebig war, wurde in die Ablage verschoben. Das Thema kann gerne im Rahmen eines erneuten Anlaufs gesitteter diskutiert werden, dann am besten auch mit Quellennachweisen.

Vielen Dank - Mod
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Re: Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 7. Sep 2020, 20:18

Ist im anderen Thread fehl am Platz, daher hierher.

lemonitor hat geschrieben:(07 Sep 2020, 14:07)

Seit 1972 steht außer Zweifel, dass exponentiales Wirtschaftswachstum unweigerlich in die ökologische und soziale Katastrophe führen wird. Es wird also nicht mehr all zu lange dauern, bis der Zuwachs des BiP als Maßstab seine Berechtigung verloren haben wird. Wenn sich jedoch Wirtschaftswachstum nicht mehr an einer gesteigerten Produktion festmachen kann- unter anderem deshalb, weil Produktion ausgelagert wird, dann wird das ganze, auf Profitmaximierung basierende Gefüge der Wirtschaft die Menschen nicht mehr mit den erforderlichen Einkommen versorgen können. Für diese Probleme gibt es bisher offensichtlich noch keine praktikablen Lösungen.



Daran erkennt man halt schon wieder die Floskeln. Dabei wäre doch primär erstmal zu klären, wer denn überhaupt die Meinung vertritt, dass die Wirtschaft exponentiell wachse. Ich kenne zumindest keine Wirtschaftstheorie, die davon ausgeht. Vielmehr ist man ja der Meinung, dass es wohl eher ein logistisches Wachstum ist. Und warum sollte das nun nicht möglich sein? Zudem muss man zumindest solange die Weltbevölkerung wächst davon ausgehen, dass auch die Wirtschaft wächst, sofern man einen paretoeffizienten Zustand anstrebt. Ansonsten sieht man ja heute schon in reifen, hochproduktiven Volkswirtschaften dass die Wachstumsraten sinken. Hier kann von exponeniellem Wachstum gar keine Rede mehr sein. Ist aber auch vollkommen normal.

Auch in der nächsten Behauptung widersprichst du dir. Die Produktion steigt schließlich auch, wenn Produktion ausgelagert wird. Halt nicht im Inland sondern im Ausland. Das wäre auch mal zu begrüßen, denn schließlich haben wir als "Exportweltmeister" lange genug den Konsum in anderen Ländern vorfinanziert. Und irgendwie wollen wir doch für das was wir ins Ausland an Überschüssen geliefert haben auch mal als reellen Gegenleistung zurückhaben.

Ganz abstrus wird es dann zum Schluss. Es wird nur noch produziert und jede Menge Profit gemacht, aber es ist keiner da der Waren kaufen kann, weil die Menschen nicht mit dem erforderlichen "Einkommen" versorgt werden. Wie das aufgehen soll, kannst du sicherlich genauer erläutern.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)

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